Aus Heffey-Naffau und Nachhargebieten.
Merkblatt für den 9. Januar.
Sonnenaufgang 8.3, Sonnenuntergang 16.11 Uhr. Mond- aufaana 1.30, Monduntergang 11.53 Uhr.
1908- Der Maler und Dichter Wilhelm Busch in Mechtshausen am Harz gest. (geb. 1832). - 1927: Der Schriftsteller Houston Stewart Chamberlain in Bayreuth gest. (geb. 1855).
Ein Enthusiast sein, ist das Liebenswürdigste, Edelste und Beste, was ein Sterblicher sein kann. Wieland.
Wetterbericht.
Ueber Deutschland erstreckt sich an der Rückseite des nunmehr über Osteuropa liegenden Hochdruckgebiets ein ausgedehntes Gebiet heiteren Wetters, das aber in Süddeutschland und namentlich in der Rheinniederung durch die starke Bodennebelbildung nicht bemerklich wird. Auf dem Gebirge herrscht klarer Himmel bei relativ hohen Temperaturen. Stetiger Barometerfall deutet daraus hin, daß das Hoch nunmehr wieder langsam abgebaut wird, doch ziehen die auf dem Ozean entstehenden Teiltiefs zunächst noch so weit im Norden, daß bei uns vorerst noch Fortdauer des trockenen und vielfach nebligen Wetters erwartet werden kann. Die Temperaturen bleiben für die Jahreszeit noch mild, wenn auch im Aufheiterungsgebiet des Hochs vielfach etwas unter Null. Der auf dem Ozean ein- getretende große Kälteeinbruch wird uns vorerst nicht beeinflussen. — Vorhersage bis Mittwoch abend: Heiter oder neblig, sonst trocken, im Norden später Bewölkung, leichter Frost. T :b= liche Winde. — Witterungsaussichten für Donnerstag: Langsame Verschlechterung.
Der sterbende Christbaum.
Der Christbaum blättert ab, Nadel um Nadel löst sich. Die Kehrichtschaufel sammelt das Absterbcnde. Ein Messer eine Säge wird noch einmal an den Baum gelegt und die Teile dem Herdfeuer zugefübrt. Der junge Baum, Bruder unter vielen Tännlingen im Walde, ließ sich ein solches Schicksal nicht träumen Er war zunächst ftofi auf diese Berufung. strahlte und duftete mit jeder Nachbarschaft am Heiligen Abend um die Wette. Nun bat der junge Baum, so früh gestorben, für immer und ewig seiner großen Bestimmung entsagen müssen: Masten zu Schiffen. Bretter zu Planken, zu Särgen zu geben! Hört Ihr das leise Kischen der Nadeln, das Zervuffen der Aestchen im Feuer? Klingt es nicht, als ob ein Waldvöglein vom nahenden Frühling phantasierte? Schon die feuerum- riregelten Aestchen, sehen sie nicht aus wie buntgefleckte Eidechsen, die über das Waldmoos huschen? Als kleine Rauchfahne wird der Baum seinen Weg nehmen himmelwärts. Nichts wird von ihm bleiben als eine kleine Erinnerung, ein wehes Nachsinnen, daß l. mit seini r kurzen Zeit so rasch verging. So ist das Schickse' vieler Ausgewählter. Ter Christbaum soll es nicht besser haben...
* Fulda, den 8. Januar 1930. â
Der Kommunallaudtag tritt zusammen.
Die Landesverwaltung (Landeshauptmann in Hessen) in U Kassel teilt uns mit: Das Preußische Staatsministerium hat , die Einberufung des Kommunallandtages des Regierungsbezirks Kassel auf Dienstag, den 21. Januar 1930, ungeordnet. Eröffnung 16 Uhr im Sitzungssaal des Ständehauses in Kassel.
Schulbeginn.
Die Weihnachtsferien, vom Wetter überaus begünstigt, sind zu Ende, heute früh begann in den Fuldaer Schulen der Unterricht wieder. Nun heißt es für Schüler und Schülerinnen, sich eifrig „auf die Hosen setzen", damit in den wenigen Wochen, die noch von dem Versetzungstermin trennen, etwaige Lücken im Wissen ausgefüllt werden, auf daß an Ostern alle von sich s sagen können: „Es ist wieder einmal erreicht, ich bin versetzt". |
Weihnachtsfeier des Gewerbevereins. D
Vom Eewerbeverein wird uns geschrieben: „Der Gewerbeverein, die Fuldaer Handwerkerfamilie, hat traditionsgemäß am Sonntag abend das Weihnachtsfest gefeiert. Im überfüllten Gesellenhaussaal vergaßen die Handwerker in echter Weihnachts- freude auf einige Stunden die wirtschaftlichen Nöte und Sorgen. Die Veranstaltung nahm ein in allen Teilen gelungenen Verlauf. In seiner Begrüßungsansprache brachte der Vorsitzende, Herr König, zum Ausdruck, daß das Jahr 1929 manchen Hand- wcrkerwunsch unerfüllt ließ und daß, wie es scheint, auch das Jahr 1930 schwere wirtschaftliche Kämpfe bringen werde. An den Handwerkern nun liege es, ihre Schuldigkeit zu tun, um die Zeit zu meistern, auf dem Posten zu sein mehr denn je, dann sei für Pessimismus kein Raum. Sein Neujahrsgruß klang aus in dem Wunsche, daß das Jahr 1930 den Handwerkern das bringen möge, was sie von ihm erwarten.
Vom Konservatorium Leber wird uns geschrieben: Auf Grund der seinerzeit am staatlichen Konservatorium zu Würzburg abgelegten Prüfung erhielt Frau Josefine Henkel-Vogel, Lehrerin am hiesigen Konservatorium, die Preußische Staatliche Anerkennung. — Für das Gesangsfach wurde Frau Lulu Rätter (Frankfurt a. M.) ab 1. Januar 1930 verpflichtet. — Die Leitung des hiesigen Konservatoriums der Musik wurde laut Regierungsbeschluß vom 18. Oktober 1929 auf Fräulein Leni Leber übertragen.
Oratorienverein „Cäcilia".
Nächsten Freitag, den 10. d. M., abends 8 Uhr, beginnen die Proben im Bürgerverein. Das ausgewählte Werk, Mozarts unsterbliches „Requiem", kann in seiner Tiefe und Schönheit nur durch Mitwirkung ganz erfaßt werden. Dann wird es ein erhabener Genuß für alle, die sich hierzu einreihen. Die Einführung des neuen Diriginten, Herrn Domorganisten Fr. K r i e g e r, dürfte weiterhin besonderem Interesse begegnen. Der Vorstand bittet um allseitiges, pünktliches Erscheinen und erwartet vollzählig die Mitsänger der Messiasaufführung vom April, denen sich recht viele neue Kräfte als Mitglieder oder Gäste anschließen mögen!
Die Januarwanderung des Fuldaer Rhönklubs.
Vom Rhönklubzweigverein Fulda wird uns geschrieben:
Der Rhönklub machte am heil. 3 Königstage seine traditionelle Milseburgwanderung, die erste Wanderung des neuen Jahres, unter der Führung seines 2. Vorsitzenden, Herrn Steyer, mit Herrn Stamm als Schlußführer. Ganz anders als in den letzten Jahren gestaltete sich diesmal das Landschaftsbild, denn die Milseburg präsentierte sich nicht in ihrem Winterkleide, in dem Jie in dieser Jahreszeit früher oft kaum zu bezwingen war. Selbst das geübteste Auge eines Skifahrers konnte nicht das geringste Schneefleckchen erblicken. Die Sonne meinte es schon am frühen Morgen so gut, daß man meinte, sich auf einer April-Wanderung zu befinden. In gemütlichem Tempo, von den wärmenden Sonnenstrahlen durchdrungen, bewegte sich die stattliche Anzahl von etwa 80 Teilnehmern an der Wendebuche vorbei, die leider dem Sturme der letzten Tage nicht ganz Stand gehalten hat, über das Germanendörfchen nach der „Bischof Kopps-Ruhe". Dort wurde eine kurze Rast gemacht und man ließ von diesem herrlichen Aussichtspunkte aus den Blick nach Fulda schweifen, das noch ganz mit einem Dunstschleier zugedeckt war. Dann stieg der Weg steiler bergan zum Gipfel der Milseburg. Dort marschierte der Führer nicht, wie sonst immer üblich, direkt nach der Schutzhütte, sondern er bog nach links ab und suchte ein versteckt liegendes stilles Plätzchen auf, das meisten der Teilnehmer noch gar nicht bekannt war. Nach- dem^die ganze Wanderschar versammelt war, erklärte zunächst her Führer die Bedeutung dieses Platzes, an dem der Eesamt- ^haaffub seinem Gründer, Herrn Dr. Justus Schneider, dem „.'.Honpapa", einen Denkstein gesetzt hat. Angesichts dieses Denksteines hielt Herr Steuer zum ehrenvollen Gedenken des wrunders eine kurze Gedächtnisfeier ab, die in den Worten austlang: „Und sein Geist pflanze sich fort in uns und unseren ^camkommen, damit auch wir nach seinem idealen Sinne für unsere liebe Rhön leben und sterben,"
In der Schutzhütte fand die Wanderschar den tüchtigen Wirt, Herrn Storch, auf dem Posten, der sie mit seinem wie immer vorzüglichen Kaffee erfrechte. Der Milseburggipfel bot an diesem Tage eine seltene Fernsicht: die ganze Thüringer Wald-Kette mit dem Jnselberg war klar zu sehen, ebenso konnte man seine Blicke weit in den Spessart hinein schweifen lassen. Der Rundblick war so überwältigend, daß sich die Wanderfreunde trotz des einsetzenden Windes fast eine halbe Stunde auf dem Gipfel aufhielten. Der Abstieg erfolgte über die „Valentin's Ruhe" nach der Fuldaer Hütte, die auf einem schmalen Pfade, der weit nach dem hinteren Biebertale ausbog, und einen wohl von noch keinem der Teilnehmer begangenen neuen Wanderweg bot, erreicht wurde. Kurz vor der Fuldaer Hütte sammelte sich die ganze Wandergesellschaft und zog mit Gesang, den neuen 1. Vorsitzenden an der Spitze, in diè Hütte ein. Die Ueberraschung und Freude war groß, als man die Hütte schon bis auf den letzten Platz besetzt vorfand. Der Zweigverein Aschaffenburg des Rhönklubs war mit 45 Mann anwesend und befand sich in fröhlichster Stimmung bei einem delikaten Rehbraten. Den lieben Aschaffenburgern herzlichsten Dank für den Besuch der Hütte, hoffentlich sehen wir uns im kommenden Sommer da oben wieder. Da die Fuldaer Wanderer erst an dem zweiten Mittagessen, welches um 1 Uhr stattfindet, teilnehmen konnten, unternahmen sie noch einen Rundgang um die Maulkuppe. Die Sonne meinte es in dieser Wartezeit so gut, daß viele sogar auf den großen Basaltblök- ken bei der Hütte ein Sonnenbad nahmen. Dank der vorzüglichen und umsichtigen Leitung der Hütten-Diensthabenden, de- Herren Förster und Leinweber und Fräulein Fränzi Rup- m., uj ntelte sich die ganze Vervflegung bei der etwa 100 Mittagessen auszugeben waren, reibungslos ab. Um 3 Uhr wurde eine kleine Weihnachtsfeier veranstaltet, bei der der neue 1. Vorsitzende treffende Worte fand über die Bedeutung der großen Rhönklubfamilie, in der alle Gegensätze vermieden werden müssen, um wahre Freude und Erholung in unserer herrlichen Rhön und im Rhönklub selbst zu finden. Hierzu sei die Mitarbeit aller Rhönklubmitglieder nötig, damit die großen Aufgaben, die der Klub sich gestellt habe, auch zum Ziele geführt werden können. Durch ein dreifaches „Frischauf" gaben die Anwesenden dem Vorsitzenden ihren Willen zur Mitarbeit und ihre Treue zur Sache kund.
Da die Teilnehmer noch etwas von der Sonne haben wollten, brachen sie sofort nach dem Kaffeetrinken zum Rückmarsch nach Langenbieber auf. Während der größte Teil den ersten Zug nach Fulda benutzte, blieben eine Neihe älterer Stammmitglieder sowie der größte Teil der Jugend noch gemütlich bei Stehling in Langenbieber zusammen. Der altbewährte Rhönkapellmeister Herr Warmuth, sorgte dafür, daß Alt und Jung noch Gelegenheit bekam, das Tanzbein zu schwingen. In voller Begeisterung über das Wohlgelmgen der ersten Jahrestour beschlossen die Anwesenden die Wanderung mit dem Deutschlandlied, und der Führer brachte ein dreifaches . Frischauf aus auf das Vaterland und die liebe Rhön. Hoffentlich ist die Teilnahme an den weiteren vorgesehenen Wanderungen ebenso rege. Frischauf zu neuen Taten! Kch.
Führertugung des Landbundes.
Vom 13. bis 15. Januar findet in der „Schönen Aussicht" in Gelnhausen eine Führertagung des Kurhessischen Landbundes und der Kurhessischen Jungbauernschaft statt, die vom Vorsitzenden der Kreisbauernschaft Gelnhausen Schmidt (Obersotzbach), geleitet wird. Am 13. Januar morgens referiert der erste Vorsitzende des Kurhefsifchen Landbundes, Nägel (Crumbach), über „Die technische Vorbildung der Landwirte und ihre Bedeutung in Notzeiten der Landwirtschaft". Es schließt sich an ein Vortrag von dem Direktor des Reichslaichbundes von Sybel über „Die Reichsbauernfront im Kampf für die Rentabilität der Landwirtschaft". Nachmittags spricht Landwirtschaftsrat Gielen (Hanau) über „Tagesfragen der Milchwirtschaft". Der nächste Tag bringt Referate von Bürgermeister Lind, M.d.R., dem zweiten Vorsitzenden des Kurhessischen Landbundes: „Innere Verwaltung desReiches und derLänder". Professor Ehringhaus (Kassel): „Die Verfassung von Weimar", und Geheimrat Ponn- fick dem Siedlunosbeirnt de^ Reichslandbundes: „Das Anerbenrecht und seine Bedeutung für den Bauernstand". Am letzten Tage folgen Vorträge von Landwirt Fenner (Obergrenzebach): „Der Dauer und seine geschichtliche Bedeutung", Pfarrer Fritsch, Leiter der Vauernhcchschule Loshausen: „Die Erhaltung ländlicher Kultur und ländlicher Gebräuche", sowie von Rechtsanwalt und Notar Dr. Schneider (Kassel): „Was muß der Bauer vom Grundbuch wissen?" An jeden Vortrag wird sich eine Aussprache anschlietzen.
Die Ergebnisse der November-Ernteermittlung in Hessen-Nassau.
Nach den Ermittlungen belief sich der Ernteertrag in Hessen- Nassau wie folgt (alles in Tonnen). (Die Zahlen in der Klammer geben den Ertrag in Doppelzentner pro Hektar an): Winterroggen 302 967 (19,6), Sommerroggen 519 (14,2), Winterweizen 131 921 (21), Sommerweizen 3289 (19,5), Wintergerste 12185 (20), Sommergerste 32 858 (18,5), Hafer 326118 (21,3), Erbsen aller Art 7172 (14,3), Speisebohnen 593 (14,5), Ackerbohnen 4553 (17,8), Wicken 1162 (13,9), Frühkartoffeln 58 266 (117 6), Spätkartoffeln 1 311 845 (145,3), Zuckerrüben 61 344 (228,3), Runkelrüben 1 141 160 (341,9), Kohlrüben 152 866 (251,4), Klee (Heu) 230 541 (43,9), Luzerne (Heu) 35 563 (51,1), Wiesen (Heu) 677 450.
Zur Förderung des gärtnerischen LehrUngswesens.
Nachdem auf Grund eines Ministerialerlasses seit 10 Jahren durch die Landwirtschaftskammern Anerkennungen von Gärtnereien und Gärtnerlehrlingsprüfungen zur Förderung des gärtnerischen Lehrlingswosens durchgeführt siud, hat auf Vorschlag des Gärtnereiausschusses der Vorstand der Landwirtschaftskam- mer für den Regierungsbezirk Kassel beschlossen, daß künftig nur noch Lehrlinge aus anerkannten Gärtnereien, die den Prüfungs- vorschriften genügen, zu den Gärtnerlehrlingsprüfungen der Landwirtschaftskammer zugelassen werden.
Um jedoch den Lehrlingen und Gärtnergehilfen, die ihre Lehrzeit in einer nicht anerkannten Gärtnerei verbracht oder die Lehrlings-(Gehilfen-)PrUfung bisher nicht abgelegt haben, Gelegenheit zu geben, dieses nachzuholen, wird im Frühjahr 1931 eine letzte Prüfung für diese Gärtner von der Landwirtschasts- tammer abgehalten werden. Anmeldungen sind bis spätestens 15. Februar 1931 an die Landwirtschaftskammer in Kastel, Weißenburgstraße 1211, zu richten. Es genügt außer der Anmeldung zunächst die Einreichung eines Lebenslaufes. Die Prüfungsgebühr beträgt 10 RM. Dieser Beschluß wurde auch vom Fachausschuß für Gartenbau der Hauptlandwirtschastskammer für Preußen angenommen.
Da spätere Gesuche von in nicht anerkannten Gärtnereien Lernenden keine Berücksichtigung mehr finden, werden die Eltern und gesetzlichen Vertreter von Gärtnerlehrlingen oder an- gehenden Gärtnern darauf hingewiesen, bei der Auswahl einer gärtnerischen Lehrstelle darauf zu achten, daß die betreffende Gärtnerei von der Landwirtschaftskammer anerkannt ist. In diesem Falle haben für den Regierungsbezirk Kassel nur die Lehrvertragsformulare der Landwirlschaftskammcr Kastel Gütigkeit.
Hersseld. (Prof. Stamms letzter Gang.) Eine stattliche Trauerversammlung hatte sich auf dem Friedhofe eiugefunden, um dem beliebten Lehrer, Freund, Mitbürger, Logenbruder und Studiengenossen das letzte Geleit zu geben. In der Kapelle fand Pfarrer Lotz zu Herzen gehende, treffliche Worte über den Menschen und Christen Stamm. Ein langer Trauerzug bewegte sich dann, unter Vorantritt der Eymnasialkapelle und'flankiert von den Schülern des Gymnasiums, zum Grabe. Studiendirektor Dr. Köhler legte im Namen des Lehrerkollegiums einen Kranz nieder. Er schilderte den Verewigten als einen lieben, pflichttreuen Kollegen und Lehrer mit offenem, frohem Charakter, der immer hilfsbereit und mit Rat und Tat einsprang, wo es nötig war. Das Korps „Westphalia"-Marburg hatte eine Abordnung gesandt, die ihrem hochverdienten Ehrenmitglied mit dankbaren Worten Mütze und Band ins Grab gab. Weitere Kränze wur
den niedergelegt von den Logen in Göttingen, Berlin und Hers- feld, von der Vereinigung ehemaliger Klosterschüler und von den Schülern des Gymnasiums/ Für die Loge Lingg zur Bruder- treue-Hersfeld, deren Mitbegründer und langjährige Stuhlmeister der Verstorbene war, sprach Konrektor Neuhaus mit innerer Teilnahme und hohem Schwung. Sein „Eute Nacht" galt dem unvergeßlichen Führer, Freund und Bruder.
Melsungen, 7. Jan. (2000 Zentner Stroh verbrannt.) Auf der Domäne Heydau im Kreise Melsungen brach in dem großen Strohschuppen, in dem fast alle landwirtschaftlichen Geräte den Winter über untergebracht sind, ein Brand aus, der mit großer Schnelligkeit um sich griff und eine Rettung unmöglich machte. Nach einer Stunde war das Gebäude mit dem gesamten Inhalt vernichtet. Etwa 2000 Zentner Stroh, 12 Wagen, 2 Motorpflüge usw. sind verbrannt. Man vermutet, daß Landstreicher, die in der Scheune übernachteten, das Feuer verursacht haben.
Marburg, 7. Jan. (Fahrlässige Tötung.) Vor einiger Zeit war in Vöhl (Kreis Frankenberg) ein junger Anstreichergeselle dadurch zu Tode gekommen, daß er bei der Arbeit auf dem an einem Hause befindlichen Gerüst mit der Starkstromleitung in Berührung kam. Jetzt hatte sich der Handwerksmeister, bei dem der Geselle beschäftigt war, wegen fahrlässiger Tötung vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten. Es wurde ihm zur Last gelegt, durch Nichtbeachtung der in Frage kommenden Vorsichtsmaßregeln den Tod des jungen Mannes verschuldet zu haben. Das Gericht ließ in Anbetracht der bisherigen Unbescholtenheit und des vorgeschrittenen Alters des Angeklagten Milde walten u. erkannte anstelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von zehn Tagen auf 60 Mark Geldstrafe.
Gießen, 7. Jan. (Stadtratszusammenschluß der bürgerlichen Parteien in Gießen.) Um die Zersplitterung der Kräfte der bürgerlichen Partei im Gießener Stadtrat zu beseitigen und auch den kleineren bürgerlichen Gruppen, die bei den jüngsten Kommunalwahlen keine Fraktionsftärke erreicht haben, die Vertretung in den Ausschüßen des Stadtrates zu ermöglichen, sind jetzt nach wochenlangen Verhandlungen unter den bürgerlichen Parteien zwei bedeutsame kommunalpolitische Zusammenschlüsse im Gießener Stadtrat zustande gekommen. Die Deutsche Volkspartei, die im Gießener Stadtrat mit 8 Mandaten vertreten ist, hat mit den vier demokratischen Stadtratsmitgliedern und den zwei Zentrumsstadtverordneten eine Fraklionsgemeinschaft unter der Bezeichnung „Arbeitsgemeinschaft der Mitte" gebildet. Weiter hat sich die Wirtschaftliche Vereinigung, die ebenfalls acht Stadtratsmtglieder zählt, mit den drei Vertretern der Deutsch- nationalen Partei zu einer Fraktion unter dem Namen „Wirtschaftliche Vereinigung" zusammengeschlossen. Diese beiden großen bürgerlichen Gruppen im Gießener Stadtrat vereinigen von der Gesamtheit der 42 Mandate 25 auf sich. Die Sozialdemokratische Fraktion, die als dritter großer Faktor im Gießener Stadtrat sitzt, hat 14 Mandate, während als kleine Splitter nach dem nunmehrigen bürgerlichen Z"''wm'"'chluß nur noch ein Nationalsozialist und twei Kommun: gen im Eießener Stadtparlament übrigbleiben.
Bieber (Kreis Gelnhau'en), 7. Jan. (Beim Motorradfahren die Ferse abgequetscht.) Ein junges Mädchen aus dem benachbarten Wiesen verunglückte beim Motorradfahren. Es kam auf der Strecke Wiesen—Heigenbrücken mit dem Fuß in das Hinterrad, wobei ihr durch die Antriebskette die Ferse abgequelscht wurde. Die Verletzte wurde in das Aschaffenburger Krankenhaus gebracht.
Frankfurt a. M., 6. Jan. (Zur Verhaftung des naturalisierten Franzosen. — Das Mainzer Gericht entscheidet.) Der dieser Tage in Königstein i. T. von der französischen Eendar- merie wegen Desertation verhaftete naturalisierte frühere französische Heeresanghörige von hier ist nach seiner zweiten Verhaftung nach Mainz überfuhrt worden. Welche der dortigen französischen Stellen über sein weiteres Schicksal entscheiden wird, steht zur Zeit noch nicht fest. Wenn er als Zivilperson behandelt wird, so kommt das Militärgericht in Frage, wenn als ffanzösischer Heeresangehöriger, so wird er vom französischen Kriegsgericht abgeurteilt werden. Das Besondere an dem Fall dieses Mannes, der in Frankfurt einen Zeitungskiosk inne hatte, ist, daß er nur noch eine Militärdienstzeit von drei Monaten abzudienen gehabt hätte und dann ohnedies frei geworden wäre. Die Verhaftung soll daneben auch den Zweck verfolgen, festzustellen, ob der Mann tatsächlich in Deurschland bereits naturalisiert ist oder nicht. In Königstein soll bereits die deutsche Politzei gegen ihn wegen unbefugten Waffenbesitzes vorge-. ganaen sein. }
Flörsheim a. M„ 7. Jan. (Schwierigkeiten einer Genostenschaftsbank.) Seit einiger Zeit war unter den Sparern der Genossenschaftsbank Flörsheim e. E. m. b. H. eine Beunruhigung entstanden, die e>nen Ansturm auf die Kaste der Eenostenschaft zur Folge hatte. Trotz aller Versuche, eine Beruhigung der Sparer herbeizuführen resp, mit Hilfe befreundeter Institute die Abhebungen zu bilanzieren, wurden immer noch bedeutende Abhebungen vorgenommen, so daß sich Lie Genossenschaftsbank am Montag gezwungen sah, ihre Schalter zu schließen und ein Moratorium zu beantragen. Die Eenostenschaft hat etwa 1,1 Mill. Mark Kredite hergegeben, von denen etwa 400 000 Mark notleidend geworden sind. Wie von maßgebender Seite mitgeteilt wird. wir für die Sparer zunächst keine Gefahr bestehen. Es soll versuch: werden, durch Abschreibung der Verluste und Erhöhung der Geschäftsguthaben eine Sanierung herbeizusüh- ren.
Mainz, 7. Jan. (146 000 Mark veruntreut.) Als der Prokurist und Hauptkassierer Werner im September 1927 aus der Firma H. u. E. Albert in Amöneburg nach 57jähriger Tätigkeit ausschieL., wurde in der Hauptkasse ein Fehlbetrag von 146 000 Mark festgestellt. Es wurde festgestellt, daß Werner diese Gelder im Laufe der Jahre einem bei der gleichen Firma beschäftigten Buchhalter namens Friedrich Seel als Darlehen gegeben hatte, um eine Erfindung ausarbeiten und verwerten zu können. Beide erhofften einen bedeutenden finanziellen Erfolg, der aber ausblieb. Werner und Seel hatten sich gestern vor Lem hiesigen Bezirksschöffengericht zu verantworten. Die ärztlichen Gutachter konnten sich über den Geisteszustand des Werner nicht einigen, so daß er freigesprochen wurde. Seel wurde zu sieben Monaten Gefängnis und 100 Mark Geldstrafe verurteilt.
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Turnen, Sport und Spiel.
Schau- und Kunstturnen des Turn- und Fechtklubs 1888 e. B. Fulda.
Vom Turn- und Fechtklub Fulda wird uns geschrieben:
Der Turn- und Fechtklub 1888 wird am 9. März, nachmittags 3 Uhr, im großen Stadtsaal ein Schau- und Kunstturnen veranstalten. um der breiten Deffentliditeit zu zeigen, wie der Verein in seinem gesamten Uebungsbetrieb an der Erreichung der hohen Turnerideale mitarbeitet. In stiller, zäher und methodischer Arbeit tun sämtliche Abteilungen des Vereins unter Leitung des Oberturnwarts und der einzelnen Turn- und Fechtwarte ihr Bestes, um größte Erfolge zu erreichen. Im organischen Aufbau, ausgehend von den Bodenübungen der Buben, der Körperschule, dem Geräteturnen der Zöglinge bis hinauf zum Gipfelturnen der Turner und den Uebungen der Männer, soll das Gebiet der turnerischen Leibesübungen der Fuldaer Bürgerschaft und besonders den Freunden der schönen Turnkunst vorgeführt werden. Selbstverständlich wird auch die rührige Rechtabteilung des Vereins die einzelnen Entwicklungsgänge des rechtens vorführen. Bekannt sind ja die turnerischen Erfolge, die der Turn- und Fechtklub in den letzten Jahren errang. Vor allem liegt die Stärke des Vereins in dem Geräteturnen: Wie der Eerätewettkampf in Kassel-Waldau gezeigt hat, ist die 1 Riege des Turn- und Fechtklubs Fulda die zweitbeste des gesamten 7. Turnkreises. Es ist der feste Wille der aftiven Turner des Vereins, alljährlich mit einem großen Schauturnen vor die Bürgerschaft zu treten, um dieser zu zeigen, wie im Turn- und Fechtklub an der Wiedergenesung des deutschen Volkes tatkräftig mitgearbeitet wird.