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Erscheint jeden Werktag.Bezugsprels: monatlich 2.20 NM. Bei Lieferungsbehinörrungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Msprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver- leger. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 16009

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Möa- un- Haunetal >§ulöaer Kreisblatt Re-aktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 §ernsprech-^lnschluß Nr. 989 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit «Quellenangabe .Zulüaer Anzeiger"geflatte1.

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Fulda, Freitag, 3, Januar 7. Jahrgang

Auf zum Haag!

Endarbeit am Aoung-Plan.

KonferenzbeginnFreitag.

Die Hauptvertreter Deutschlands aus der zweiten Haager Konferenz, die Freitag offiziell beginnt und die noch strittigen Punkte in bezug aus die Reparations­regelung sowie den gesamten Aoung-Plan erledigen soll, verließen Berlin Donnerstag abend. Ein Teil der übrigen Mitglieder der deutschen Delegation sowie das technische Personal reisten bereits nach dem Haag über Brüssel ab. Die Hauptdelegierten Deutschlands sind bekanntlich die Reichsminister Dr. Curtius, Dr. Moldenhauer, Dr. Wirth und Robert Schmidt.

In der am Donnerstag stattgefundenen Sitzung des Kabinetts berichtete Reichsfinanzminister Dr. Molden­hauer über den augenblicklichen Stand des Nachtrags- -etats 1929 und gab einen Vorbericht zur Gestaltung des Haushalts für 1930. Außerdem gab das Kabinett die letzten Informationen.

Freitag wird die gesamte deutsche Vertretung im Haag versammelt sein, wo nachmittags die Eröffnung der Konferenz erfolgt.

Die Internationale Bank.

Eine gewisse Bedeutung für die Verhandlungen könnte die Frage der Internationalen Bank gewinnen, da man die Möglichkeit von Meinungsverschiedenheiten über diesen Punkt nicht ableugnet. Es steht da vor allen Dingen der Abschluß des Abkommens zwischen Deutsch­land und den Vereinigten Staaten über die Bezahlung des amerikanischen Anteils der deutschen Zahlungen im Vordergründe, doch wird nicht angenommen, daß man im Haag hieraus eine Kabinettsfrage machen wird.

Sechzehn Mächte vertreten.

Auf der Konferenz sind insgesamt 16 Mächte ver­treten, und zwar außer den einladenden sechs Großmächten noch Österreich, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Jugo­slawien, die Tschechoslowakei, Polen, Portugal und Gric chenland. Auch die schweizerische Regierung ist mit Rücksicht auf die Besprechungen über die Reparationsbank einge- luden worden. Die Vereinigten Staaten werden wieder durch einen Beobachter, den Pariser Botschaftsrat Wilson, vertreten sein.

Neuer Vorstoß der polnischen SMusion. PolnischeFörderschulen" in der Grenzmark Posen-Wess- Preußen. Und was geschieht deutscherseits für bie

Ostmark?

Nachdem die Polen im letzten Jahre im Kreise Bomst ihre Minderheitsschulen eingerichtet haben, gehen sie jetzt daran, für die schulentlassene polnische Jugend nach deutschem Muster eine Art Fortbildungs­schule, genanntFörderschule-, einzurichten. Anträge hierfür sind bereits für alle Orte, in denen polnische Minderheitsschulen bestehen, bei der Regierung gestellt worden. Alle Personen, angefangen bei den Schulentlasse­nen beiderlei Geschlechts, bis in das höchste Alter, können an den Veranstaltungen der Förderschule teilnehmen. Die Lehrpläne liegen bereits fertig vor und umfassen das gesamte Gebiet der Jugendpflege, Gesang, Sport, Turnen, Wanderungen, alle Fächer der Fortbildungsschule, pol- nische Sprache und Literatur usw. Die Anschaffung von Rundfunkgerät und Belehrungsmitteln ist bereits erfolgt. Die Folge der Einrichtung dieser polnischen Förderschulen dürfte eine weitere Entfremdungderpolnischen Bevölkerungsteile im Grenzgebiet von der deutschen Volksgemeinschaft sein. Die Absicht der pol­nischen Minderheit, das g e s a m t e P 0 l e n t u m zu einer nationalpolnischen Kulturgememschaft zusammenzu­fassen, dürfte hierdurch klar zutage treten. . Rechnet man noch das starke Streben der Polen nach Landerwerb hinzu, so dürfte nicht zuviel gesagt sein, wenn man in dieser intensiven und zielbewußten Arbeit der polnischen I ftnder- heit die Anfänge einer polnischen Jrredenta rn den Grenz­gebieten sieht.

Der Verrat von Woynowo.

Der im südlichen Teil der Grenzmark ansässige Prinz Bernhard zur Lippe hat bekanntlich einen -.eil seines Rittergutes Woynowo (Kr. Vomstl an polnisch«

" iewiß^kann dieser Verkauf auf der einen Seite alS trau­riger Beweis für die ungeheuren Schwierigkeiten, in denen sich die d e u l s ch c Landwirtschaft befindet, hingesteüt wer den. Aber selbst die größte Not dürfte niemals dazu führen daß deutscher Grundbesitz in der über jedes erträgliche Maß durch Polen bedroh len Grenzprovinz fremdem Volkstum überantwortet wird. Wenn sich auch an­scheinend leider keine rechtliche Handhabe bot, diesen Verkauf zu verhindern, so hätten doch alle Mittel aufgeboten wer- den muffen, das Land zu retten Unter allen Umstanden muß energisch angestrebt werden, das deutsche Volkstum an der Ostgrenze zu fördern und zu erhalten.

Daudet in Paris eingetroffen.

Begeisterte Royallstellkundgebung.

Lèon Daudet traf mit seiner Familie aus Brüssel in Paris ein und wurde von drei- bis viertausend seiner An- Hänger m i t b e g e i st c r t c n R u f e n empfangen. Um­geben vom Stab derAction Franyaise , fuhr Daudet zu­nächst zum Grabe seines Sohnes und dann zu seiner alten RUtUer.

Sechzehn Nationen treffen sich im Haag.

Die Vertreter von Deutschland, Frankreich, England, Italien, Belgien, Japan, Jugoslawien, Rumänien, der Tschechoslowakei, Polen, Griechenland, Portugal, Bul­garien, Österreich und Ungarn sind in der holländischen Hauptstadt eingetroffen, um die Neparationsverhandlungen zum endgültigen Abschluß zu bringen.

Empfang durch die Königin.

Die holländischen Vorbereitungen für die zweite Haager Konferenz sind so gut wie beendet. Sie konnten diesmal mit weit größerer Sorgfalt und Ruhe getroffen werden, als dies wegen der zeitlichen Begrenzung bei der ersten Konferenz möglich war. Meistens hat man die­selben Einrichtungen benutzt, die schon auf der ersten Haager Konferenz getroffen wurden und sich damals gut bewährt haben. Dies gilt vor allem für die Organisation des besonderen Post-, Fernsprech- und Telegraphen­verkehrs sowie für die zugunsten bei Presse getroffenen Vorkehrungen. So hat sich zum Beispiel in den Arbeits­räumen der Presse wenig geändert. Auch das holländi.che Presseempfangsbureau hat fast in derselben Zusammen­setzung seine Arbeiten wiederaufgenommen. Der Bin­nen H 0 f, in dem die Konferenzgebäude und die Arbeits­räume der Presse liegen, wird für die Dauer der Sitzungen von der Außenwelt durch Polizeiposten abgeschlossen werden. Der Magistrat der Stadt Den Haag wird einen großen Abendempfang veranstalten. Auch die Königin beabsichtigt einen Empfang in ihrem Haager Palais.

General Heye, der am 1. Januar zum Generalobersten befördert wurde.

Indien gegen Englands Imperialismus.

Schluß des Allindischen Kongresses.

Der Allindlsche Kongreß in Lahore nahm eine Ent­schließung an, die Die Ablehnung aller fremden Verwal­tungskosten seitens Indiens fordert, soweit sie nicht durch einen unabhängigen Feststellungsausschuß anerkannt werden. ^er Vorsitzende des Kongresses. Nehru, erklärte hierzu, die Ab­lehnung beziehe sich auch aus solche Verpflichlungen. Die au^ «ein Bestreben Englands. Indien zu unterjochen und fem^ tmperialistischen Absichten durchzuführen, erwachsen feien. Der nächste Allindlsche Kongreß wird in Karatschi im ^ruhiayr 1931 zusammentreren.

Fortdauer der spanischen Diktatur.

Vorläufig nur kleine Änderungen der Regierung.

In Madrid fand der längsterwartete K r 0 n r a t statt, von dem die D i k 1 a t u r g e g n c r die endgültige Entscheidung über den Rücktritt Primo de Riveras bzw. die Feststellung einer neuen politischen Linie erwarteten. Entgegen diesen Hoff­nungen erklärt Primo de Rivera, daß im kommenden Halbjahr lediglich Gemeindewahlen in beschränktem Umfang e vorgenommen würden. In Dörfern und kleineren Städten soll ein Viertel der Gemeindeverwaltung von den Ge- meinbenutgliebcrn direkt gewählt werden, während in den Großstädten dieses Viertel von Handels-, Industrie- und wissenschaftlichen Verbänden gewählt werden soll Erst nach Beendigung der gesetzmäßigen Lebensdauer der Nationalver- sammlung, Ende Juli, werde die Regierung dem König weitere Schritte zur Wiederherstellung normaler Ver- hältnisse unterbreiten.

Konferenzenmonat.

Überaus auffallend ist es, daß in dem Augenblick der Eröffnung der Haager Konferenz plötzlich in der fran» zösischen Presse eine ausgiebige Debatte darüber einsetzt, ob der Aoung-Plan, der auf jener Konferenz angenom­men werden soll, nun auch gegenüber einem zahlungs­unwilligen DeutschlandSanktionen" zulasse; eine Debatte auch darüber, welcher Art diese Sanktionen sein können. Man weiß, daß die Pariser Zeitungen einem Wink der Regierung folgen, wenn sie ein der­artiges Thema außenpolitischer Art wie auf ein Kom­mando hin anschneiden. Man weiß, daß in der Fran­zösischen Kammer gerade dieses Thema Gegenstand scharfer Auseinandersetzungen gewesen ist, daß eine Art Testa­ment des Generals Foch verlesen wurde, in dem die Rheinlandbesetzung als Rest der Sanktionen erklärt wurde, und man kann nicht daran vorübergehen, daß gerade kurz vor der Haager Konferenz das Kapitel der Sanktionen wieder angeschnitten worden ist. Man darf aber auch daran erinnern, daß die Politik der Sanktionen 1923 dahin geführt hat, Deutschland zahlungsunfähig zu machen, feine Währung völlig zu zerrütten und damit die Gläubiger Deutschlands gleichfalls vor die Tatsache einer völligen deutschen Zahlungsunfähigkeit zu stellen. Der Dawes-Plan und seine Fortsetzung, die jetzt im Haag sanktioniert werden soll, der Noung-Plan, sind darauf abgestellt, die deutschen Zahlungen auf ein Gleis zu schieben, auf dem eine ruhige, von politischen Absichten ungestörte Abwicklung möglich ist. Dies um so mehr, weil ja gerade Frankreich es ist, das an einer Mobili­sierung der deutschen Zahlungsverpflich­tungen das allernächste und allergrößte Interesse hat. Eine Kapitalschuld, zu der man ja die deutschen Jahres­zahlungen machen will, würde aber auch auf dem inter­nationalen Geldmarkt kaum Aufnahme finden, wenn immer noch die Gefahr besteht, daß Deutschland etwa nach dem Muster des Ruhreinbruchs zur Zahlung gezwungen werden würde.

Man darf sich also in Deutschland nicht wundern, wenn auf der Haager 'b' i rc '-5 Kapitel der Sanktionen ang :d/ ':it? w Aber man wird etwas Derartiges als ein rein taktisches Manöver betrachten dürfen. Frankreich verkauft jedes Zugeständnis gegen ein anderes, das es wie man aus der Geschichte der früheren Konferenzen feststellen kann häufig genug erst als ein Zugeständnis hinstellt. In Paris und in London ist ja auch in der Presse lanciert wor­den, daß die Haager Konferenz schnelle Arbeit machen müßte, damit am 13. Januar die Tagung des Völ- kerbundrates stattfinden könne und dort gegebenen­falls die Beschlüsse gefaßt werden können, die infolge der Abänderungen des Versailler Vertrages durch den Aoung- Plan notwendig werden. Man hat aber auf das Pro- gramm dieser Tagung nur Dinge gesetzt, bereit Wichtigkeit gegenüber den Entscheidungen im Haag völlig zurück­steht. Selbstverständlich bezieht sich diese Wichtigkeit aber nicht auf deutsche Belange. Fragen des Saar- tz e b i e t s , die üblichen oberschlesischen Diffe­renzen stehen auf dem Programm. aber eine grund­sätzliche Regelung des Minderheitsrechts auf die Tages­ordnung zu setzen, hat man auch jetzt wieder vermieden.

Von größerer politischer Wichtigkeit ist die dritte Konferenz, die im Laufe des Januars stattfinden soll: Was soll aus der Seeabrüstung werden? Zwischen England und Amerika sind feste Vereinbarungen getroffen worden, aber Frankreich hat kürzlich in einer besonderen Note an die englische Regierung die Mitteilung gelangen lassen, daß man" in Paris eine Flottenpolitik zu verfolgen gedenkt, die mit irgendwelcher Abrüstung nichts mehr zu tun hat.

Bedauerlicherweise liegt aber diese Seeabrüstungs- konferenz zeitlich nach der Haager Zusammenkunft: es wäre politisch für Deutschland vielleicht vorteilhafter, wenn das Umgekehrte der Fall gewesen wäre.

Der Leiter des Paisteyer Ltng'ückskinos verhaltet.

Wie aus Paisley berichtet wird, ist der Leiter deS Lichtspieltheaters, in dem sich das furchtbare Brandunglück ereignete, verhaftet worden. Zweiundzwanzig bet dem Brand des Lichtspieltheaters verletzte Kinder befinden sich noch tm Krankenhause. Der Zustand zweier von ihnen ist ernst.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Die deutsche Delegation für die Haager Konferenz ist am Donnerstag nach dem Haag abgereist.

* Zwischen dem Reichspräsidenten und einer Anzahl von ausländischen Staatsoberhäuptern hat zum Jahresanfang ein herzlicher Telegrammwechsel stattgefunden.

* Vor dem Reichskabinett gab Finanzminister Dr. Molden­hauer eine Uebersicht über den Reichshaushaltsvoranschlag für 1930.

* In der Silvesternacht kam es in verschiedenen Orten des Reiches zu schweren Zusammenstößen, bei denen zahlreiche Personen getötet oder schwer verletzt wurden.

Mit dem Abschluß des Jahres 1929 hat der Deschimag- Vetrieb der Hamburger Vulkanwerft aufgehört. Die noch An­fang Dezember beschäftigt gewesenen 3 200 Mann sind in kur­zen Abständen bis zum 31. Dezember entlassen worden.

* Ein neuer Fall von Eisenbahnsrevel wurde gestern von Streüenbeamtcn an der Reichsbahnlinie GifhornBraunschweig ftstgesteüt.