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Wöchentliche Begleiterin des Rheingauer Volksboten.

.HZ LS. Sonntag, den 27. Oktober 1850«

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Das Kirschenmädchen von Bingen.

(Fortsetzung.)

Ihm gegenüber stand Jörg, der Geselle, seiner Schwester Kind und sein Pathe, eine ebenso hohe Gestalt, wie Gottfried, aber etwa zwanzig-Jahre alt. Er sah bleich, obwohl er sehr stark war. Er war eine stille, leidende, schweigsame Natur, und es schien als habe der Umgang mit seinem Oheim und Pathen . ! dessen eigenthümliches Wesen ganz auf ihn über- l tragen.

6 Während daS Eisen glühte, sprachen sie zutrau- 1 iich miteinander, wie zwei Brüder, aber ernst. Gott, ; fried erzählte von seiner Wanderschaft gar mancher­lei interessante Dinge, und wenn er sie auch biswei­len wiederholte, so gab er sie jedesmal mit densel­ben Worten, und dieser Stempel der Wahrheit und die gemüthliche Weise der Erzählung bewirkten eS, ^daß man nicht müde wurde, ihm zuzuhören. Ueder- dieS wußte er viele Mährlein und Geschichtchen, die er eben auch vortrefflich vortrug, und davon war ich ein Ertra freund.--

- Da lag der Zauber, der mich in die dunkle Schmiede bannte, und wenn auch unter den Hammerschlägen

der beiden Enackssöhnen die Funken sprüthen. Biel hundertmal saß ich auf der mürbe gewordenen Bank, stille und aufmerksam, und horchte auf Gottfried's Worte. Beide hatten mich lieb.

Der gute Jörg machte mir in den Feierstun­den Schlüpfe aus Pferdehaaren, und Meisekarren im Herbste, um die Böget- zu fangen, die ich so liebte und deren Lockschlag ich täuschend nachzuahmen ver­stand. Auch ein Gewinn von Jörg's Unterricht.

Noch e i n Umstand machte mir den alten Gott­fried theuer. Auch er saß oft an Sonntagmittagen stundenlang unter dem Hollunderbaume an der Kirche. Anfänglich fiel mir das nicht auf; denn ich dachte, er liebe das schöne Plätzchen, wie ich es liebte; aber einmal kam ich da mit ihm zusammen, und dieses Zusammentreffen, lies mich andere Beziehungen ahnen.

Als ich ihn aus dem Pfarrgarten oben sitzen sah, schlich ich leise an dem Schutthaufen hinauf, wand mich durch die Brombeerranken und wallte meinen alten Freund überraschen. AlS ich aber näher kam, entviel mir der Gedanke schnell. Gottfried saß am Stamme deS Hollunderbaumes, das Haupt auf die Brust gesenkt, die Hände gefaltet, und auS den Augen des Greises rieselten Thränen wie Perlen herab auf die tief gefurchte Wange.