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Wöchentliche Begleiterin -es Rheingauer Volksboten.
â 36.
Sonntag, den 8. September
1850»
Der Lohnweber.
(Fortsetzun g.)
„Du bist doch dabei, Bruder", wurde Adam von mehreren Seiten angeschricen. „Heute wollen wir einmal den Schindern, und vor allem dem'Stür- ner, vor's Quartier rücken!"
„Ja, diese Sündenwirthschaft muß aufhörcn," chrieen Andere dazwischen. „Wir helfen uns, wie S unsere Brüder in Schlesien und andern Orten zelhan haben."
„Das sind tüchtige Kerls; Wir hatten eS schon lange eben so machen sollen."
„Ja, die verfluchten Nester, die sie sich mit erpreßtem Gute gebaut, müssen, der Erde gleich gemacht werden . . . ."
„Und schinden und schleifen müssen wir die Hunde, wie sie unS bisher geschunden haben . . . ."
In solcher und ähnlicher Weise sprachen sich die Aufgeregten aus. Adam erschrack auf's Höchste darüber. Indessen bemerkte er doch, daß eS im Ganzen nur Ginge waren, die so leidenschaftlich sprachen. Der größere Theil schien allerdings auch sehr aufgeregt und von dem Entschluße der Selbsthülfe beseelt zu sein, doch war eS augenscheinlich, daß sie
nur durch den Einfluß der Ersteren und durch das spi- rituöse Getränk in diese Aufregung versetzt worden waren. Adam kannte Viele von ihnen als Personen, die in ihrem gewöhnlichen Zustande und im gewöhn^ lichen Leben stille, friedliche und vernünftigen Ermahnungen zugängliche Leute waren, auch sonst gesunde Ansichten hatten. Er erkannte bald, daß die Aufregung in der Weise, wie sie setzt unter den Versammelten herrschte, nur eine künstliche war, hervor- gerusen von Einigen, die sich besondere Vortheile von dem Unheile, das bei Ausführung des PlaneS entstehen mußte, versprachen, oder gar von der schlechttesten Gesinnung, der Absicht des Raubens und der Plünderung, geleitet wurden. ES lag dieö am Tage, da die Hauptschreier dem Stande der Weber gar nicht qngehörten, und Personen waren, deren häusliche und Familienverhältnisse und derer Verhalten im gesellschaftlichen Leben nicht geeignet waren, be- sondereö Vertrauen zu der Reinheit ihrer Gesinnungen zu erwecken. Durch all' das Drängen und Toben, das ihn umgab, suchte Meister Adam zu Wort zu kommen.
„ES wundert mich, Freunde und Brüder," rief er so laut und vernehmlich, als eS ihm möglich w^ar, daß Ihr mir, der doch eben so wie Ihr, ^ P^