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Wöchentliche Begleiterin -es Rheingauer Volksboten.

M 23. Sonntag, den 23. Juni 183«.

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Die Geheimniffe des Palastes.

(Bruchstück aus einem noch ungedrucktcu Manuscript.)

(Fortsetzung.)

Der Pater nahm zuerst das Wort:Sie ha­ben mit mir, ich habe mit Ihnen zu sprechen, Durch­laucht."

Einige Zeilen von Ihrer Hand, ehrwürdiger Pater, haben mich zu Ihrer kaiserlichen Hoheit, der Erzherzogin Sophie berufen," sprach Metternich.

Darf ich wissen, was die hohe Frau von dem Staatskanzler verlangt?" frug der Pater.

Sollte das dem ehrwürdigen Herrn fremd sein?"s

Nein, es ist mir nicht unbekannt, Herr Staats­kanzler. Die Erzherzogin verlangte, daß ein wirk­licher Kaiser auf den Thron von Oesterreich gelange."

Ein wirklicher Kaiser; wie soll ich diesen Aus­druck in Ihrem Munde verstehen?"

Ist Ferdinand Kaiser, Herr Staatökanzler?" frug der Pater mit fester lauter Stimme, indem er das Haupt erhob unb dem Fürsten fest ins Auge sah.

Nein," erwiederte Metternich.

Wie verstehen Ew. Durchlaucht den Ausdruck: Wirklicher Kaiser?"

Sie, ehrwürdiger Pater, scheinen also das Ver­

langen der Erzherzogin zu billigen? "

Das thue ich, das muß ich thun."

Sie sind also mehr für die Erherzogin als für mich."

Wie mag der Fürst Metternich, unser Vertrau­ter Gönner und Schützling, so fragen. Ich bin we­der für die Erzherzogin noch für den Saatskanzler; ich bin für die Kirche."

Und vergessen Sie, was ich für tff eben ge­than ? "

Gewiß nicht; aber ich bedenke auch, was Sie ferner für fte' thun können."

Trotz der vielen Dienste, die ich der Kirche ge­leistet, wollen Sie gegen mich sein?"

Für die Kirche zu wirken ist Ihre und meine Aufgabe."

Ich halte bis zur Stunde die Macht in Hän­den, Herr Pater, und ich glaube, die Kirche braucht keine festere Säule als ich bin."

Herr Staatskanzler, Sie sind ein alter Mann, die Kirche will und muß sich ihre Zukunft sichern, und selbst wenn Sie jung wären, ist Kaiser Ferdi­nand krank und die Kirche könnte morgen ohne Stütze sein. Das bedenken Sie."

Sie unterstützen also wohl die Forderung der Erzherzogin) daß ich den Kaiser Ferdinand vom Throne stoße?"