->p^D^D^S^
Wöchentliche Kegleiterin -es Rheingauer Volksboten.
M 24.
Sonntag, den 16. Juni
1830.
Die Geheimnisse des Palastes.
(Bruchstück ans einem noch ungedruckten Mauustript.)
(Fortsetzung.)
„Sie haben so viel zu thun, armer Metternich," fuhr der Kaiser fort; „Sie müssen sich doch auch ein Mal unterhalten; eö muß unerträglich sein, wenn man so viel zu thun hat."
„Ich arbeite für meinen allergnädigsten Kaiser, und darum ist mir nichts unangenehm, nichts zu schwer."
„Das ist sehr schön von Ihnen. O, Sie sind ein Goldmann," sprach der Kaiser und weinte fast vor Rührung. Der Minister benutzte diesen Augen- blick, um den Sinn des Monarchen auf die Geschäfte zu lenken, deren Erledigung ihm von Wichtigkeit waren.
„Ew. Majestät!" begann er, „noch mehrere Entscheidungen erwarten die allerhöchste Bestätigung."
„Also noch Geschäfte ?" frug ängstlich der Kaiser.
Ohne hierauf zu antworten, ging der Minister gleich auf die Sache über, weil er den geistesschwachen kindischen Kaiser kannte, und wußte, daß er je- dem angeregten Gedanken in seiner Art sogleich folge. Der Minister lies sich vernehmen:
„Demjenigen, der denTrakat mit Rußland durch
Geschicklichkeit und Gewandheit zu Stande gebracht und dem Staate sowohl als dem allerhöchsten Kaiser einen überaus wichtigen Dienst geleistet, wollen Ew. Majestät den Theresienorden und den Kammerschlüssel als Zeichen der kaiserlichen Zufriedenheit zuerkennen."
Der Theresienorden hat ein recht schönes Bandel; der Orden wird unserm Gesandten gewiß eine Freude machen, glauben Sie nit, Metternich?"
„Werssollte unempfänglich für die Gnade seines Monarchen sein!" entgegnete der Staatskanzler.
„Sie sind ein braver Mann, Metternich. Unser Gesandter in Rußland soll das Bandel haben. Wen haben wir denn dort als Bevollmächtigten? So nennt man ja auch die Gesandten ?"
„Der Graf Julius Dippold hat sich der außerordentlichen Gnade würdig erwiesen."
„Ah, der mit den weißen Zähnen, der auf dem letzten Hofball so schön getanzt hat?"
Der Fürst bejahte durch eine Verneigung.
„Schau, schau!" fuhr der Kaiser fort. „Dem wird es gerade recht gut stehen, wenn er so tanzen wird wie auf dem letzten Hofball. Er soll den Theresienorden haben."
Zugleich nahm der Minister das Wort, damit sich die Gedanken deS Monarchen nicht wieder zerstreuten und von dem eben behandelten Gegenstand