Einzelbild herunterladen
 

Di e

Volks-Botin.

Wöchentliche Regleiterin des Nheingauer Volksboten.

M 13.

Sonntag, den 14. April

1830*

Aede des deutschen Reichsnarren,

gehalten im Jahre 1849 vor dem teutschen Michel.

(Fortsetzung.)

Worin Deine Sünden bestehen ? WaS Du denn eigentlich verbrochen hast, fragst Du' mich? Nun, bei Deinem großen Ahn zwischen zwei Heubindeln, ich bin doch so weit entfernt von der Undeutlichkeit geblieben, wie die Wolfsgier deS Standrechts von den leisen und zarten Katzenwendungen einer staats- mâmüjchei; Denkschrift! Die Staatsmänner, lieber Michel, sagen, die Sprache sei dazu da, damit man seine Gedanken verbergen ober auch verbergen kann, daß man keine hat. Ich aber habe von dieser Lehre der völkerbeglückenden Theorie keinen Gebrauch ge- macht, im Gegentheil, ich habe Dir verrathen, als waS wir Staatsmänner Dich betrachten; ich habe Dir meine Gedanken nicht verborgen. Klar und deut, lich sagte ich Dir, daß Du ein Esel bist, und die­ser Gedanke ist auch gar nicht zum Verstecken geeig­net : selbst in der sprachlichen Behandlung unserer jetzigen größeren Staatsmänner würden mindestens die Spitzen dep Ohren hervorgucken,

Lieber Michel, ich habe einmal einen Feind ge­habt, der hat mich auf meinem Gute überfallen, mich geknebelt, gebunden und geschunden, mir all' mein Geld und meine Sckmtzc abgenommen, und, während

ringS umher die süßesten Früchte an meinen Bäumen prangten, mir kaum satt zu essen gegeben. Wnm ich klagen wollte, stopfte er mir den Mund; wenn ich schreien wollte, ließ er mich prügeln; nur wenn ich beten wollte, lieS er mich beten so viel mir beliebte. So litt ich, so schmachtete ich lange, lange Zeit. Eines schönen Tages nun ich glaube ich war damals von derselben Größe wie Du fällt mir Esel ein, mir doch einmal meine Knebel- Bande näher zu betrachten. Zst'S möglich Ich schlage ein helleS Gelachter auf, ich, der ich nur bis dahin Thränen hatte! Zwirnfäden waren s mit de­nen ich gebunden, Zahnstocher, mit denen ich ge­knebelt war! Du lachst, lieber Michel, über meine langjährige Dummheit; Du schüttelst ungläubig Dei­nen philosophischen Kopf? Bei Skt. Fabian und Sebastian, bei Skt. Nicolaus und Leo, bei Skl. Stahl, Graf Arnim, Franciscus und IgnaziuS: eS ist die volle Wahrheit! nun wirst Du'S wohl begreiflich finden, daß ich augeublickS die Spinnen­ketten von mir warf und Freiheit! Freiheit! schrie. DaS that ich; schrie furchtbar; meine Nachbarn hiel­ten sich die Ohren zu. Und dann? Dann, das versteht sich von selbst, dankte ich Gott für die mir verliehene Weisheit, Kraft und Gnade, fiel über meinen Feind her, an seinen Hals, sagte ihm, wie unrecht er gegen mick gehandelt hätte, und darau