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Volks-Botin.

Wöchentliche Kegleiterin des Nheingauer Volksboten.

M 3.

Sonntag, den 3. Februar

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1850

Aus einer Rede von Victor Hugo.

Victor Hugo, ber bekannte ausgezeichnete Schriftsteller, hielt in der französischen Nationalver­sammlung bei dcr Discussion deS organischen Schul­gesetzes eine Rede, die der allgemeinen Beachtung . verdient.

Wenn wir auch wissen, daß vielen Lesern des Volksboten gedachte Rede aus derDidaskalia" be­kannt ist; so glauben wir doch den vielen Nichtlesern der Didaskalia diese Rede bieten zu müssen und sind überzeugt, daß auch die geehrten Leser des Volksboten, die das F. J. lesen, die meisterhafte Rede des VolkS- redners Hugo noch einmal mit der ersten Auf­merksamkeit und Begeisterung lesen.

Nachdem mehrere Redner der andern Partei zu Gunsten des Unterrichtsgesetzes gesprochen, bestieg Victor Hugo die Rednerbühne und sprach:Wer sind wir und wer seid Ihr? Wir sind für den un­entgeltlichen und obligatorischen Unterricht; Ihr seid die Partei des Clerus und der Jesuiten. Ihr nennt Euer Gesetz das der Freiheit. Aber mit welchem Recht fordert Ihr die Freiheit des Unterrichts? Seid Ihr nicht dieselbe Partei, welche im Mittelalter Scheiterhaufen und Jnquisitionstribunale errichtete,

Bücher verbrannte, selbst die Bibel zerstückelte, später den Cevennenkrieg veranlaßte, das Edict von Nantes zurückrief, gegen die ersten Bewegungen des nach Freiheit strebenden Geistes kämpfte? Seid Ihr nicht im Jahre 1815 an der Spitze der Emigration zu­rückgekehrt, das Kreuz in der Hand und die Ver­wünschung im Munde? Habt Ihr nicht bei der Restauration das. Gesetz der Gotteslästerung und deS Kirchenraubs dictirt ? Und habt Ihr nicht die Censur wieder hergcstellt, diesen nur etwas schwächeren Ab­druck der Inquisition? Seid Ihr nicht die ewigen Feinde der Freiheit, und was würdet Ihr mit dieser Freiheit anfangen, wenn man sie Euch überlassen wollte? Seid Jahrhunderten habt Ihr nur sie zu verwünschen gewußt. Ihr donnert gegen sie von der Kanzel herab und wollt uns glauben machen, Ihr würdet sie in der Schule beschützen und pflegen, Würdet Ihr erlauben, den Kindern die Belehrung zu spenden, die Ihr mit Eurem Bannfluch belegt habt? Könnt Ihr jener Unduldsamkeit entsagen, welche für Euch ein Dogma, eine Gewohnheit und eine Noth­wendigkeit geworden ist? Nein, Ihr verlangt keine andere Freiheit, als die der unbedingten Herrschaft, und Ihr werdet erst dann Euch am Ziele glauben, wenn Ihr keine Nebenbuhler und keine Widersacher mehr habt. Die Freiheit soll Euch nur zum Vor-