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erscheint feöen Werktag. Bezugspreis: monatlich 2 Mark. Bei Lieferungsbehinderungen durch „Höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich Chrenklau, Fulda, Mitglied des Vereins deutscher Zeitungsverleger. Postscheckkonto: Frankfurt a. HL Nr. 160M
Nr. 299 — 1928
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg ten,Banken usw. beträgt Oie Kleinzeile 0.30 Mk.,
§ulöa- und Haunetal ♦ Zulöaer Kreisblatt
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Fulda, Donnerstag, 20. Dezember
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Jahrgang
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Kleine Zeitung für eilige Leser
♦ Eine Einigung über die Einberufung der Sachverstän- blgenkonserenz zur Regelung des Krlegsschuldenpxobleins ist nunmehr erfolgt. Die Verössenilichung einer aemetnfamèn Mineiiung her Mächte fiept unmittelbar bevor 01
* ^ ei ber ikeuroabl des Senats der Fleten Stadt Tanria wurde Dr Sahir^ wiederum zum Senalspräsidenten auf die Sauer von vier Jahren gewählt
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* Die Nachrichten aus Afghanistan lauten äußerst wider, sprechend/ ^ebenfalls ist die Stadt Kabul in großer Gefahr von den Anfttandischen genommen zu werden. '
Oer rote Hahn.
Ein böses Einläuten des Weihnachtsfestes in Berlin.' Gleich an zwei Tagen hintereinander rasen, so schnell es die Verkehrsvcrstopfiing zuläßt, unter grellem Klingeln und wilden Hupensignalen die Löschzüge der Feuerwehr durch die Straßen, tönt auf den Brandwehren der Alarm- ruf: Großfeuer! Menschenleben in Gefahr! Ein derart schweres Brandunglück wie jetzt, gerade acht Tage vor dem Weihnachtsfest, ist seit langen Jahren in Berlin nicht mein zu verzeichnen gewesen. 31 Opfer forderte das Feuer und schon liegen drei von diesen auf der Totenbahre. Große Werte sind vernichtet worden, ganze Fabriken brannten ans vom Keller bis zum Dachstuhl. Aus einem fast nebensächlichen, unbedeutende« Ereignis heraus, mit dem sich ein paar unglückliche Umstände verbanden — und fast denkt man daran, wie dem geflügelten Worte zufolge mit Streichhölzern spielende Kinder schon ganze Städte a n g e ft e cf t haben.
Selbstverständlich setzte schon die große Unters nAnna schärfere Kontrolle namentlich in fenergesübrtrch'n Betrieben wird gefordert. Umbauten verlangt überall hort, wo nach Menschenermeffen ausreichender Schutz gegen Feuersgefahr nicht besteht. Hinter all dem taucht aber das große Fragezeichen auf: Woher das hierzu notwendige Geld nehmen? Wir leiden bei der fBaupolivi gewiß nicht an einem Beamtenmangel, denn schier endlos ist der Instanzenweg, den iedes neue Bauvorhaben zurück,u- legen hat. Und die Prüfung der Fencraekäbcklichkeit siebt dabei nickt an letzter Stelle. Aber bei älteren Betrieben, namentlich kleinerer oder mittlerer Art, gestört eS oft zu den finanziellen Unmöglichkeiten, das höchst erreichbare, zu fordernde Maß von Sicherheit gegen Fenersgrfahr zu schäften.
Auch hier macht sich die deutsche Not geltend. Ans dem Lande, in den kleinen und mittleren Städten sieht'S ja ebenso aus. Wie mancher Landwirt würde „brennend" gern die alte ausgetrocknete Scheune mit dem feuergefährlichen Dach- und Fachwerk abreißen und durch eine feuerfeste ersetzen lasten, wenn nur das Geld hierfür da wäre. Unb oft genug deckt die Versicherung längst nicht den entstandenen Schaden, steht der Landwirt, der Kleinbesitzer „an dem Grabe seiner Habe". Und — auch das muß kestgestellt werden - es fliegt heute schneller der „rote Halm" aufs Dach der wohlgefüllten Scheune al» früher. Mit den Berufsfeuerwehren, bett zahlreichen Brandwachen ist man in der Großstadt bester geschützt als dort, wo nur die freiwillige, opferwillige Leistung einsetzen kann. Auch hier und gerade vier Mangel an Geldmitteln an allen Ecken mib Enden, wird es erst anders, wenn wieder einmal großer Schaden entstanden ist, Menschenleben verlorengegangen sind. Menschenwerk, also Stückwerk, bleibt ja doch alle- -a« ersonnen und eingerichtet, befohlen oder dur 'rt nt zum Schutz gegen diesen furchtbaren Feind des , Dicken- aeschlechts. und die Elemente hasten das Gebilde von Menschenhand. Größer, umfassender nt die Herrschaft de» Menschen über die Elemente geworden, aber um so folgenschwerer, vernichtender wirken sie, wenn sie einmal die Fesseln sprengen.
Schon wichet ein Fabrikbranb in Berlin.
Heute um 5 Uhr morgens, kaum zwei Tage nach der furchtbaren Brandkatastrophe in der Schönleinstraße, hat Berlin bereits wieder einen Fabrikbrand erlebt, der Hin- Irchtlich der äußerlichen örtlichen Verhältnissen stark an die Vrandkatastrophen in der Schönleinstraße erinnert, aber angesichts der frühen Stunde erfreulicherweise feine Opfer an Menschenleben und keine Sckwerverwundeten gefordert hat. Es brannte auf einem Grundstück in der Stralauer Straße im Osten Berlins ein Fabrikgebäude im zweiten Hof eines Gebäudekomplexes. Auch hier sind vier Betriebe, nämlich eine Sieb-, eine Typen-, eine Mutzen- und eine Schilderfabrik in einem einzigen Gebäude untergebracht, heften drei obere Stockwerke in Flammen «ufgingen. -er Salben ist bcträdiW D>° g-ue-w-h-, d,° anM,P° bet ootlieaenbcn bitteren Erfahrungen sofort mit Mm ™- trächtlichen Aufgebot von 8 Zügen erschienen war, kann t mit einem großen Aufwand an Schlauchleitungen mn r- halb zwei Stunden das Feuer nieder kämpfen. " - '
her von dem Feuer im Schlaf überrascht wo re dem der Weg ins Freie durch die starte ?
»erlegt worden wa^ tonnte über eine Ha--nl°>-e- 0®»'* werden.
Einigung über die Schuldenkonferenz
Die Versfung der Sachverständigen bevorstehend.
Technische Vorbereitungen beendet.
Nach wochenlangen und wechselvollen Verhandlungen sind die Vorbereitungen für die Einberufung der Sachverständigenkommission zur. wie es heißt, v 0 l l st â n - digen und endgültigen Regelung des Nepa rati 0 nspr 0 bleins mit Deutschland end- beendet worden. Eine zwischen den beteiligten Machten und dem Deutschen Reich vereinbarte Mitteilung wird sofort in Berlin und Paris gleichzeitig veröffentlicht werden. In dieser Mitteilung sollen die Grundsätze bekanntgegeben werden, nach denen die Ernennung der Sachverständigen erfolgt, und der Umfang der Arbeiten, die ihnen zugewiefen werden.
Die Aufforderung an die Vereinigten Staaten zur Teilnahme soll sich wahrscheinlich in der Weise vollziehen, daß der englische Botschafter in Washington als Toden der diplomatischen Vertreter der sechs beteiligten Mächte, nicht als Vertreter Englands. Schritte für die Ernennung der amerikanischen Sachverständigen tun wird. Diese Verhandlungen werden voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen, so daß der Zusammentritt der Konferenz vor Februar 1929 nicht als wahrscheinlich erscheint. Die Haupidelegienen der europäischen Mächte werden sein: Stamp (England), Moreau (Frankreich), F rang ui (Belgien), Parelli (Italien). Deutscher .Hauptdelegierter wird Reichsbankpräsident Schacht sein, die Entscheidung über den zweiten Delegierten, der möglichst nicht nur Finanzmann sein soll, ist noch nicht gefallen.
Die letzten Abmachungen,
die in Paris namentlich bei der Unterredung des deutschen Botschafters von Hoesch mit dem Ministerpräsidenten Poincard getroffen wurden, umfassen dem Vernehmen nach folgende Punkte:
Es werden unabhängige und gleichberechtigte Sachver- staubige ernannt, die in Finanz- und Wirtschaftsfragen besondere Kenntnisse und Erfahrungen besitzen.
Jede der beteiligten Regierungen ernennt zwei Sachver- ständige, denen beratenbe Experten beigegebcn w-rden können Die deutsche Regierung ernennt ihre Sachverständigen direkt Den Reparationsmgchikn bleibt es überlassen, ob sie ihre ga£ verständigen ebenfalls dixeki ober bureb die Reparaitons- kommission benennen Deuischland und die Reparaiionsmächle werden sich gemeinsam an die Vereinigten Staaten mit dem Ersuchen wenden. In die Sachverständigenkommission ebenfalls zwei Delegierte zu entsenden
Die Mitglieder des Komitees werden an Weisungen ihrer Regierungen nicht gebunden. Die Vollmacht entspricht in ihrer Formulierung der Vereinbarung, die im Sepiemver in Genf getroffen worden ist. Unter Hinweis auf die Londoner Abmachungen von 1924 werden die Sachverständigen ersucht werden, Vorschläge für die endgültig» Regelung deS Repara- tionsprobtems zu machen Dafür ist die Prüfung der deutschen Leistungsfähigkeit eine selbstverständliche, wenn auch nicht ausgesprochene Voraussetzung.
Keine der beteiligten Regierungen wird allein die Rolle her einladenden Mach, spielen Deuischland und die Repara- tionsmächle werden gemeinsam wenn b’e Ernennungen vollzogen sind, die Miiglieder der SadmerftäiibtgenfommifrE_____ laben, sich zu versammeln Es bleibt aber den Mugliedern des Komiiees selbst überlasten den Zeiipunki für den Beginn ihrer Beratung und den Crt ihrer Tagung zu bestimmen An- »imebmen ist es. daß als Tagungsort zunuckst Paris ae- wähli werden wird und daß die Sachverständigen ihre Beratungen in Berlin fortseyen werden.
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Rücktritt des Reichsgerichtspräsidenten?
Die Blättermeldungen, die von einem Rücktritt des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons im Zusammenhang mit dem Konflikt Reichsregicrung—Staatsgerichtshof zu berichten wußten, glaubt der Demokratische Zeitungsdienst bestätigen zu können. Dr. Simons habe sein Rücktrittsgesuch bereits eingerollt Die Korrespondenz erklärt dann weiter: Auch wenn ^as Vorgehen des Reichsgerichtspräst- denten in Sachen des Verwaltungsrates der Reichsbahn nicht richtig war, da die Reichsregierung in ihren Maß- rrahmen dem Reichstage verantwortlich ist, so sollte man doch hoffen, daß es gelingen wird, in diesem Falle^ eine Einigung herbeizuführen, um den Reichsgerichtspräsidenten, dessen Tätigkeit allgemein geschätzt und anerkannt wird, in seinem hohen Amte zu belassen, nicht zuletzt wegen des internationalen Ansehens, das Dr. Simons als Richter und als Mensch sich erworben hat. So viel ist jedenfalls sicher, daß innerhalb der Reichsregierung niemand baran gedacht hat, den Reichsgerichtspräfidenten als Vorsitzenden des Staatsgerichtshofes oder den Staatsaerichtshof selbst in seiner Würde zu beeinträchtigen. Der Lokalanzeiger schreibt, daß bis jetzt in Berlin ein Rücktrittsgesuch Dr. Simons nicht vorliege.- Die Deutsche Allgemeine Zeitung bemerkt: Auch das Reichskabinett beschäftigt sich gegenwärtig mit der Lösung des Konsliktes. Man hofft, einen Weg zu finden der die sachlichen Schwierigkeiten forträumt und gleichzeitig es dem Reichsgerichtspräsidenten ermöglicht, seinen Entschluß zum Rückritt zurückzunehmem
Aman Mah in schweren Kämpfen.
Ein englisches Flugzeug ab geschossen.
Die Meldungen, daß die Residenz des Königs Aman Ullab Kabul, bereits von den Aufständischen genommen und das Königspaar geflohen sei, scheinen sich nicht zu bewahrheiten, doch ist die Gefahr für den Herrscher nickt geringer geworden nach den. ciiilausendcn, bei der <-a^c faae und der Abgeschlossenheit der Aktionen aum nach- zuprüfeilden Depeschen Eine der lebten sagt die Aufständischen hätten mehrere der die «tabt Kabul beherrschenden Forts mit großen Mengen Waffen und Muni- twu genommen. Sie warteten Verstärkungen aG um den KXX w«6mi<™ Das ennW^ iW«™.
mit der britischen Gcsanvtschnft in Kabul in Ber- binbung zu treten kuckte, wurde durch einen »chuß in den Kübler zum Nicdergehen gczwltugen.
^Eine andere Nachricht besagt ein englisches Mweya hä Kabul überflogen und sestgestelli, baß alles in der britischen Gesandtschaft, in die üÄ auch die übrigen Europäer gerettet hätten, wohlauf fet.
Wilde Gerückte
Während direkte Nachrichten spärlich einlaufen, sind an der indischen Grenze die wildesten Gerüchte im Umlauf Auf Grund einer sehr voruchugen Beurteilung der der englischen Behörde in Indien porhegenben Mitteilungen glaubt man in Kalkutta, daß nch die Aufständischen im Besitz von wichtigen taktischen Punkten nicht nur im östlichen Asgbanistan sondern auch in der Um- gebuna von Kabul selbst befinden Was die Beteiligung der Armee an dem Ausstand anbelangt, so sind btt indischen Behörden der Ansicht, daß neben ber längeren Nichtbezahlung des Soldes an die dlrmee vor allen Dingen die religiösen Führer einen wesentlichen Ernsluß an der aeaenwärtigcn Aufstandsbeweauna haben.
Wiederaufnahme des Funkverkehrs mit Kabul.
wtb. Moskau, 20. Dez. Die Telegrafenagentur der Sowjet-Union berichtet: Nach einer spät nachts aus Taschkent eingelaufenen Meldung ist es der Taschkenter Funkstation soeben gelungen, nach zweitägiger Unterbrechung die unmittelbare Verbindung mit der Regierungs- sunkstation in Kabul wiederherzustellen. Auf Grund der ersten Meldungen kann jetzt festgestellt werden, daß die Gerüchte von einer Eroberung Kabuls durch die Aufständischen den Tatsachen nicht entsprechen.
Oie Vermittlung in Südamerika.
Keine außerordentliche Völkerbundratssttzung.
Da in einer Dienstag zwischen Briand, dem Generalsekretär des Völkcrbnndcs. Sir Eric Drummond, und den beiden Gesandten Boliviens und Paraguays in Paris abgehaltenen Besprechung letztere erklärten, die beiden Staaten würden die Vermittlung einer dritten Macht, der Vereinigten Staaten oder Argentiniens, annehmen, erhofft man eine günstige Lösung Sollte es nicht gelingen, den Streit auf diesem Wege beizu'egen, so würde der Völker- bundral benachrichtigt werden und zu einem späteren Zeitpunkt zufammentreten Im Augenblick jedenfalls wird an die Einberufung des BölkcrbundratcS zu einer außerordentlichen Session in Paris nicht gedacht.
Die bolivianische Reaierung veröffentlicht eine Mitteilung über die Annahme der Vennittlerdienste der Panamerikanischen Konferenz, in der es heißt, daß die bolivianische Gesandtschaft in Washington den Staatssekretär Kellogg davon verständigt habe, daß die Annahme der Vermittlungsaktion an die Voraussetzung gebunden sei, daß eine Untersuchung über den Ursprung des Streitfalles mit Paraguan stattfinde. Auch Paraguay hat die Vermittlung der Panamerikanischen Konferenz angenommen. In Genf sind heute neue Noten von Paraguay und Bolivien eingegangen, die bestätigen, daß beide Regierungen sich mit der Unterbreitung des Konflikts an die PanamerUanische Konferenz einverstanden erklären.
Es wird weiter gerüstet
Trotz der Annahme des Vcrmittlungsangebots werden sowohl in Bolivien wie in Paraguay die kriegerischen Vorbereitungen fortgesetzt. In Asuncion (Paraguay) wurde angefünbigt, daß von 50 000 Freiwillige« für die Armee bisher 30 000 angenommen wurden.
„Petit Journal" über ein Abkommen der italienischen Regierung mit dem Vatikan.
wtb. Paris, 20. Dez. Dem „Petit Journal" wird aus Rom gemeldet, daß ein Abkommen zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung vor dem Abschluß stehe, das den mehr als 60 Jahre alten Konflikt zwischen der Kirche und dem italienischen Staate beilege. Es würden danach in gewissem Maße die weltlichen Machtbefugnisse des Heiligen Stuhles wiederhergestellt werden. Die italienische Regierung werde die Existenz eines Kirchenstaates anerkennen und fick bei ihm durch einen Botschafter vertreten lassen. Das wichtigste Ergebnis dieses Abkommens würde darin bestehen, daß der Vatikan sich auf internationalen Konferenzen vertreten lassen könnte.