Einzelbild herunterladen
 

Nr. 282 Freitag, 30. November 1928

Die Aoilage der besetzten Gebiete.

Eine Denkschrift der Reichsregierung.

Der Reichstagsausschuß für die besetzten Gebiete be­faßte sich mit der Notlage der besetzten Gebiete. Abgeord­neter .Hofmann-Ludwigshafen (Zentrum) schilderte ein­gehend die Notstände. Den Gemeinden werde die Er­füllung ihrer Pflichten immer mehr unmöglich. In Pir­masens seien von tausend Einwohnern 93,3 erwerbslos. Die Schuhindustrie leide schwer unter Absatzschwierig­keiten. ebenso die Steinindustrie. Eine Denkschrift her Handwerkskammer des Regierungsbezirks Koblenz offen­bare nachweislich die Notlage des Handwerks. Der Redner besprach auch die Verkehrsschwierigkeiten, die namentlich durch das Fehlen von zwei Rheinbrücken in der Pfalz und in Mainz verursacht würden. Die Besetzung sei zwar ge- mildert, aber es gäbe noch immer viele Ordonnanzen. Die Überfälle von Militärpersonen auf Frauen und Mädchen hätten sich sehr vermehrt. Zur Räumungsfrage erklärte der Redner, daß die Einsetzung einer Feststellüngs- und .Vergleichskommission unerträglich und unannehmbar sei.

Der Reichsminister für die besetzten Gebiete, von Guèrard, ging bann ausführlich auf die Wünsche und An­regungen ein. Er kündigte eine Denkschrift über die Lage der Wirtschaft im besetzten Gebiet an.

Einigung über Ehorzom.

Polen zahlt 30 Millionen Entschädigung.

In dem langen Streit über die von den Polen in Besitz genommenen Stickstoffwerke in Chorzow (Ober- schlesien) ist nunmehr auf Grund der Entscheidungen des Internationalen Gerichtshofes im Haag eine Einigung zwischen Deutschland und Polen erzielt worden. Haupt­sächlich drehten sich die Streitigkeiten um die Besitzan­sprüche der Oberschlesischen Stickstoffwerke A.-G. und um Patentrechte der Bayerischen Stickstoffwerke A.-G. (Ver­fahren Frank-Caro). Der Polnische Staat hat die Patente der Bayerischen Stickstoffwerke zur Benutzung im Chor- zower Werk gegen Barzahlung übernommen und hat sich auch verpflichtet, den Oberschlesischen Stickstoffwerken in Raten einen größeren Betrag zu zahlen. Außerdem ist zwischen der deutschen Stickstoffindustrie und dem Pol­nischen Staat ein Abkommen getroffen worden, wodurch der polnische Markt dem deutschen Stickstoff meistbe­günstigt zugängig gemacht wird, und zwar unabhän­gig von etwaigen Handelsmaßnahmen oder Handelsver­trägen. Auf dem Gebiete des Kalkstickstdffs, künstlichen Salpeters usw. ist weitgehende gemeinsame Arbeit verein­bart worden.

Diese Abmachungen haben die Zustimmung der be­teiligten Regierungen gefunden. Die Gesamthöhe der von Polen zu zahlenden Entschädigungssumme wird mit 30 Millionen Mark angegeben.

*W politische Rundschau.

Deutsches Reich.

Dr. von Dirksen Botschafter in Moskau.

Der Reichspräsident hat den Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt, Dr. von Dirksen, zum deutschen Bot­schafter in Moskau ernannt. Der an die Stelle des ver­storbenen Grafen Brockdorff-Rantzau tretende neue Bot­schafter wird sein Amt Anfang 1929 antreten.

Schon vor einigen Tagen wurde die Ernennung an­gekündigt und ist nun, nachdem die Zustimmungserklärung der russischen Regierung in Berlin eingetroffen ist, voll­zogen worden.

Für Schleswig-Holstein und Ostpreußen.

Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei be­antragt im Reichstage: Der Reichstag wolle beschließen: Die Reichsregierung zu ersuchen, im Benehmen mit der preußischen Regierung mit größter Beschleunigung Mittel bereitzustellen, um die durch die letzten schweren Sturm­schäden an der schleswig-holsteinischen Westküste, besonders auf der Insel Sylt und auf Helgoland, entstandene Wot zu lindern und Maßnahmen zu ergreifen, die eine Wieder­holung derartiger Sturmschäden wirksam verhindern. Der Reichstag wolle ferner beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, bei der Einziehung der Rcichsstcuern auf die kalastrophale Lage der Landwirtschaft in Ostpreußen und der dadurch in schwerste Mitleidenschaft gezogenen anderen Wirtschaftszweige weitestgehend Rücksicht zu nehmen.

Die Minderheitsschulen in Preußen.

Die preußische Regierung hat dem Staatsrat in Er­gänzung früherer Verordnungen zwei Verordnungen zu- gehen lassen, deren eine die Schulverhältnisse der preu­ßischen Minderheiten grundlegend regelt und bereit andere die früheren Verordnungen über das dänische Minder­heitsschulwesen der Verordnung für die polnische Minderheit anpaßt.

Aus In- und Ausland

Berlin. Die Zentrumssraklion des Reichstages hat im Ausschuß für die besetzten Gebiete eine Entschließung ein. gebracht, in der die Reichsregierung ersucht wird, von der Beratung und Beschlußfassung über die Platzwahl eines N c i ch s e h r e n in a l s solange abzusehen, bis die besetzten Gebiete restlos geräumt sind.

Dresden. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei hat be- schlossen, als Nachfolger für den bisherigen Volksbildung-- Minister Dr. Kaiser den Vizepräsidenten des Landtages, Pro­fessor D. Hickmann, vorzuschlagen.

London. Der erkrankte König Georg hat nach dem Mittagbericht von Donnerstag eine ruhige, aber schlaflose Nacht verbracht. Das Befinden ist unverändert. Der >n Dar­essalam auf der Heimreise eingetrossene Prinz von Wales will mit seinem Bruder, dem Herzog von Gloucester, am 14. De­zember in London eintreffen.

Lissabon. Durch die Deutsch-Portugiesische Gesellschaft wurde in Gegenwart des deutschen Gesandten von Ballgand ein neuer deutscher Lefesaal eröffnet.

Riga. In den Verhandlungen, die über die Bildung einer neuen Rcgierungskoalition in Lettland und die Besetzung der Ministerpoflèn geführt werden, wird heute der Wuhrer der de: 'chen Fraktion, Dr. Paul Schiemann, als möglicher Aus eüminister genannt.

Peking. Der Wortlaut des vor kurzem unterzeichneten Verlages zwischen Belgien und China wurde hier ver­öffentlicht. Der neue Vertrag unterscheidet sich von den anderen Verträgen insofern, als Belgien auf die Erlerrr- torialität grundsätzlich verzichtet.

SWieriische VollMehruny tut not.

Zur Verbesserung der deutschen Volksgesundbeil.

In Anwesenheit von zahlreichen Vertretern der Reich?-, Staals- und Konnnunaldchörden, Vertretern der Parlamente, vielen Straten und Schulmännern fand im preußischen Ministe­rium für VolkSwohlfahrt eine große, der Bedeutung der dllgicnifchen Volksbelehrung für Staat und Volk gewidmete Kundgebung statt, zu der der LaudcsauZschuß für hygienische Volksbelehrung in Preußen geladen hatte. WohlfahrtS- mimster Dr. Hirtficscr verwies u. a. darauf, daß Hygie- mfebe Volksbelehrung ein besonders wichtiges Hilfsmittel zur Verbesserung der noch immer schwer bedrohten deutschen Volks­gesundheit ist. Wieviel auf diesem Gebiet noch zu bessern sei, gehe ans den zahlreichen im Ministerium ständig einlausen­den Berichten der Nachgeordneten Behörden, der beamteten Ärzte usw. hervor. Insbesondere bedürfe der Gesundheits­zustand unserer Jugend noch immer einer erheblichen Kräfti­gung. Anschließend sprach Kultusminister Dr. Becker über

die Schule im Dienst der hygienischen Volksbelehrung.

Er erörterte die große Bedeutung, die der Unterweisung der Jugend und der Ausbildung der Lehrer auf dem Gebiet der hygienischen Volksbelehrung zukommt. Von der Schule aus müsse unse" ganzes Volk der feste Wille zur Gesundheit durch­dringen. Der Vorsitzende des Preußischen LändesausschusseS für hygienische Volksbelehrung, Ministerialdirektor Dr. Krohne, erinnerte daran, daß noch immer jährlich allein in Preußen über 100 000 Menschen, im Reich über 160 000, an ansteckenden und Erkältungskrankheiten sterben. In Preußen sei die Zahl der Todesfälle an Tuberkulose rund 30 000, die der Todes­fälle an bösartigen Geschwülsten, Krebs ufiv. in Preußen über 50 000, im Reich rund 65 000. Auch

die Säuglingssterblichkeit

sei trotz bemerkenswerten Absinkens in den letzten Jahren noch zu hoch. Noch immer sterben allein in Preußen etwa 80 000 Kinoer im ersten Lebensjahr. Viele dieser Todesfälle sowie schwere Gcsundbeitsschädigüngèn seien letzten Endes nur auf Unwissenheit aus dem Gebiet der gesundheitlichen Vorbeugung zurückzuführen. Im Anschluß daran tarnen noch Vertreter der Parlamente, der großen Standes- und Wohlfahrtsorganisa­tionen usw. zu Wort, um auf die Bedeutung der hygienischen Volksbelehrung hinzuweisen.

Furchtbare Ltnweiöerverheerungen.

Bisher 50 Tote.

Das seit Tagen in ganz Griechenland herrschende Sturmwetter hat ungeheuren Schaden verursacht, der allein in Patras auf drei Millionen Drachmen geschätzt wird. Die schwere See verursachte an zahlreichen Stellen den Einsturz der Kaimauer, die zum Teil die Wareuspcicher mit sich ritz. Am schwersten ist Teneziki von dem Unwetter heimgesucht. Das Hochwasser hat derart zugenommen, daß die Bevölkerung auf die Dächer flüchte» muß. Die Flut steigt andauernd. Neben dem gesamten Viehbestand, der ertrank, sind bisher 50 Menschenleben zu beklagen. Auch in Athen und im Piräus hat die Unwetterkatastrophe großen Schaden angcrichtct. Im Hafen rissen sich sechs große Dampfer von den Ankerkettcu und wurden wie Ruß- schalcn gcgeircinandergcschlcudcrt. Nur unter ungeheuren Anstrengungen gelang cs, sie ans Land zu schleppe«. Fast sämtliche Äuslandsdampfcr sind überfällig.

200 000 Menschen durch einen Wirbclsturni obdachlos. '

Aus Manila wird gemeldet, daß infolge der Taifun- katastrophe 200 000 Menschen obdachlos geworden sind und 90 Prozent aller Häuser in den vom Taifun heimgcsnchtcn Gebieten zerstört wurden. Fünf amerikanische Zerstörer mit Ärzten und Pflegepersonal sind zur Hilfeleistung unterwegs.

, Unwetter auch in der Türkei.

In der ganzen Türkei herrschte starkes Unwetter. Der Sturm hat die Telephon- und Telegrapheuverbindungen an zahlreichen Stellen unterbrochen. Besonders groß sind die Schäden an der Küste. In den westlichen Provinzen der Türkei richtete der Sturm an Häusern erheblichen Schaden an.

12 000 Hektar im Eidergebiet unter Wasser.

Rendsburg. Nachdem sich die Überschwcmmunasschäden km Gebiet der Eider jetzt übersehen lassen, kann festgestellt werden, daß in der eigentlichen Eidern .ederung etwa 4000 Hektar überschwemmt sind. Dazu kommen Überschwemmungen der Zuflüsse von etwa 7000 bis 8000 Hektar, so daß im ganzen rund 12 000 Hektar unter Wasser stehen.

Gaunerfrechheii.

Riesiger Juwelendiebstahl am hellen Tage.

In einem großen Juweliergeschäft in Berliu wurde während der Geschäftszeit von zwei Ausländern aus einer der Vitrinen ein Tablett mit 28 kostbaren Platin-Diamant- ringen im Werte von 200 000 Mark gestohlen. Auf die Wiederherbeischaffung der Juwelen ist eine Belohnung von 10 000 Mark ausgesetzt worden.

Die Diebe waren zwei gutgekleidete Herren, an­scheinend Amerikaner, die nur gebrochen deutsch sprachen. Einer von ihnen verlangte eine Krawattennadel zu kaufen. Sein Begleiter beteiligte sich zunächst am Aussuchen, ent­fernte sich dann aber vom Ladentisch und war in die Betrachtung einer Vitrine vertieft, in der in verschiedenen übereinanderliegenden Fächern Juwelen ausgestellt waren. Inzwischen hatte sich sein Freund für eine Krawattennadel zu 26 Mark entschieden und

bezahlte mit einem Tansendmarkschein.

Während der Verzögerung, die durch das Wechseln ent­stand, stand der andere scheinbar gleichgültig mit dem Rücken gegen die Vitrine gelehnt. Als die Verkäuferin das Tablett mit den Krawattcnnadekn in die Vitrine zn- rücklegen wollte. hielt er sie bauen ab und erklärte, daß er ebenfalls eine Krawattennadel brauche. Statt dessen ver­ließen die beiden, sobald das Wechseln beendigt war, das Geschäft, wobei der Käufer der Krawattennadel Hand­schuhe und Stockschirm auf dem Ladentisch iieqenließ. Als jemand vom Personal den Kunden nachlies, um sie auf die Vergeßlichkeit aufmerksam zu machen, kamen die bei­den a u ch s ch o n zurück und nahmen ihr Eigentum an der Tür in Empfang. Sehr viel später erst stellte es sich heraus, daß das ganze mit dunkelrotem Samt bekleidete Tablett, auf dem die 28 Riuge ausgesteckt waren, ver­schwunden war. Beide Diebe trugen weite Raglan­mäntel, die ihnen das Manöverieren erleichtern mußten.

Bemerkenswert ist es, daß ant Vortage dasselbe Ge­schäft von einem elegant gekleideten Mann, der sich Martelec nannte, nur französisch sprach und als seine Adresse die französische Botschaft angegeben hatte, um einen wertvollen Ning im Werte von 12 000 Mark bestohlen wurde.

Er hatte eine mit Brillanten besetzte Platmuhr auf den Tisch gelegt und erklärt, daß er sie gegen einen Ring ent­täuschen wolle. Als ihm dann ein Tablett mit Ringen vorgelegt wurde es war dasselbe Tablett, das jetzt vollständig gestohlen wurde vertauschte er einen der Ringe geschickt mit einer wertlosen französischen Imitation, worauf er den Umtausch durch einen Vorwand zum Scheitern brachte. Auch hier wurde der Verlust erst nach seinem Weggehen entdeckt. In der französischen Botschaft war selbstverständlich von einem Herrn Martelec mchts bekannt.

Nah Mrd Fern

O Drr Bau eures neuen Zeppelins gesichert. ^nmmo zienrat Colsmann teilte mit, es sei so gut wie sicher, baN Mittel aus privater Hand demnächst zur Verfügung stcfnm würden, irrn bis 1930 ein uene Luftschiff fertigznftellcn. Er betonte die Notwendigkeit, nicht nur in Baden, sondern auch in Südfrgnkrcich unb bei Sevilla Lnftschiffhäsen zu errichten, um stets eine Landurrgsmöglichkeit nackt langer Fahrt zu haben. Trotz dieser großen Anlagen würde ber Luftverkehr wirtschaftlich sein. ,

O Bei einem Brande vom Schlage getroffen. Auf bert Gute Lettin bei Halle brannte eine Scheune und ein Kuh- stall nieder. In der Scheune befanden sich 1200 Zentner Stroh und 1200 Zentner Klee: mitverbrannt sind land­wirtschaftliche Maschinen und Kleinvieh. Eine Frau erlitt vor Schreck einen Herzschlag.

O Ein Geisteskranker als Räuberhauptmann. Die Kriminalpolizei in Solingen konnte eine Bande von Ein­brechern festnehmen, die an fünfzig Einbrüche und Dieb­stähle in Solingen und in der Nachbarschaft ausgeführt hat. Der Führer btr Bande wurde zudem der Brand- stiftung in einem Fabrikgebäude überführt. Es ist ein aus der Anstalt Gvkkbansen entwichener Geisteskranker.

Ö Er fährt weiter, nachdem er drei Kiudcr überfahren hat. Am Brchmplatz in Düsseldorf wurden drei Geschwister im Alter von vier bis zwölf Jahren von einem Liefer­wagen überfahren. Zwei Kinder sind schwer, das dritte leicht verletzt worden. Der Führer des Lieferwagens, der nach dèm Unfall nicht anbielt, ivttrbe von einem atu bereit Kraftwagenführcr gestellt.

Q Unregelmäßigkeiten bei einem Arbeitsamt. Beim Arbeitsamt Nürnberg, Abteilung Arbcitslosenvcrsickic- rung, stieß man auf größere Unregelmäßigkeiten. G> rüchtweisc wird eine Summe von etwa 40 000 Mark ge­nannt, die veruntreut tvorben sein soll. Ein bei der Kasse dieses Amtes beschäftigter Assistent wurde wegen Ver­dachtes, diese Veruntreuungen nach und nach begangen z» haben, feftgenommen.

Q Es schneit! Es schneit in der ganzen Schweiz bis hinunter zum Genfer See. Die Temperatur ist nahe dem Gefrierpunkt. Auf den Bergen ist der Schneefall noch tarier. Der Rigi verzeichnet 35 bis 40 Zentimeter Neu- chnee und eiste .Kälte von 8 bis 9 Grad unter Null. Im üblichen Schwarzwald schneit es seit Sonntag ebenfalls, o daß z. B. auf dem Feldberg der Wintersport bereits begonnen hat.

O Die braven Männer derEstonia". Der deutsche Ge­sandte in Kopenhagen hat in einem Schreiben an den Direktor der Ostasiatischcn Kompagnie seine Bewunderung itnb seinen Dank für die Besatzung des Dampfers Estonia" ausgesprochen, die die Schiffbrüchigen des deut­schen DampfersHerrenlvijk" retteten. Der Gesandte be­tonte weiter, daß das Verhalten der dänischen Seeleute überall zu Deutschland höchste Anerkennung gefunden habe. Er bitte um Mitteilung, wann di" Rückkehr der Estonia" von Danzig nach Kopenhagen stattfinde, da er den Wettern persönlich seinen Dank aussprechen möchte. Die Namen derjenigen, die sich außer dem Kapitän beson­ders verdient gemacht hätten, bat der Gesandte ihm zu neunen.

0 DasGcistcrschiff". An die normannische Kiiste zwischen Cherbourg und Cotentin wurden während der letzten Sturmtage fortgesetzt Schiffstrümmcr und Waren­ladungen von untergegangenen Schiffen gespült. Die Küstcnstatiou Gausey meldete sogar das Vorbeizichen einesGeistcrschisfcs". Es handelte sich jedoch um das Von seiner Mannschaft verlassene deutsche Schulschiff »Pommern". Das Schiff trieb rasch nach der Bucht Grml- ville ab, wo man es ins Schlepptau nahm und in den Hafen brachte. Seine Masten sind zerbrochen und hängèn längsseits.

Aus dem Gerichissaal

§ Die Revision im Blnnkensccr Mordprozetz verworfen. Gemäß dem Antrag des Oberrcichsanwalts verwarf der Etste Strafsenat des Ncichsgerichtö die Revision im Blankenster Mordprozetz. Das Todesurteil gcaen Brauer ist damit recht3« kräftig geworden. Brauer war bekanntlich vom Schwurgericht Neustrelitz wegen Ermordung des Dienstkucchtes Rhode zum Tode verurteilt Wordeu. Nach der Anklage hatte Brauer sich unter dem Namen des Rhode bei dem Vertrauensarzt einer Versicherung untersuchen lassen und dann für Rhode ein« Lebensversicherung über 50 OOf) Mark abgeschlossen. Rhodö wurde später in einem Äasserloch hinter dem Gehöft feiltet, Dienstherrn tot aufgefunden.

Gereimte Zeitbilder.

Von Gotthilf.

Plötzlich war man sehr erschrocken

Hub es blieb kein Auge trocken, Weil es nämlich wieder hieß, Unsre Reichsbahn brauche Kies.

Trotz erhöhtester Tarife 7

Liege sie mal wieder schiefe, Und die Losnng sei:Mit Dampf Holz- und Polsterklassenkantpf!" \

Wieder hieß es, die Billetter Sei n der Bahne letzte Retter, Würde höher nicht der Preis, Käme sie aufs tote Gleis.

Weil Die Preise nicht genügen, Lieg' sie in den letzten Zügen, Unb das schlimmste sei dabei: Diese seien zuschlagfrei!

Also hat sie dies verkündet .

Und mit a) und b) begründet, Und man hat sich amüsiert, Wie sie's lokomotiviert'. . /

Aber dann mit einem Male T

Rach dem Schwerenotsignale Ward die Weiche umgesteNt: Nein, sie will nicht unser Geld! - j

Nein, sie will in allen Klassen Uns fast gratis fahren lassen, Und vielleicht im neuen Jahr Zahlt sie noch was zu sogar.

Siehste, Passagier, nu denkste: Töricht waren meine Ängste! So was von splendid unb fair Wie die Reichsbahn gibt's nicht mehr!" Ganz allein, aus freien Stücken, Bauet sie uns gold'ne Brücken, Weil sie nämlich immer meint: Was da fahrt, das ist mein Feind!" Nein, so darf's und darf's nicht klingen, Und wir wollen wieder singen Lob und Preis ihr auf der Reis' Selbstverständlich alten Preis!