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Erhaltene Gräber aus dein Altertum.

: gine November-Studie von J. L. D u u b a r v. K a I ck r e u t h. : Der Gräberkult ist so alt wie die Menschheitsgeschichte selbst, der Ahnendienst füllt die primitiven Religionen aus, eine Art Dämonenverehrung, der Furcht und Hoffen zu Grunde liegen. Man hat Graber gefunden, die, über 50 000 %hre alt, auf eine gewisse Pietät gegenüber den Toten schließen lassen, so die Neandertalgräber bei Düsseldorf. Die MSorge, die man auf Graber verwandte, ist bis heute bei fast Vollen Völkern geblieben und nimmt gleichzeitig einen großen MBezirk in der menschlichen Kulturgeschichte ein. Wie auf der Königin der Straßen", der Via Appia, ein Grabmal dem I sondern folgte, ein memento mori für den Verkehr der Römer, 8 der an ihnen vorüberzog, so stehen an der Straße, welche die I. Menschliche Kulturentwicklung genommen hat, angefangen von den Pyramiden, Grabdenkmäler, die immer wieder eine neue Gegenwart der Vergangenheit gesetzt hat.

Bis vor einem Jahre noch wurde bei Dschidda in Arabien das Grabder Urmutter der Menschheit" gezeigt. Alljährlich bezeigten die Mekkapilger hier der Eva ihre Verehrung. Die Wahabiten, eine Sekte des Jslains, aller sinnbildlichen Ver- ; ehrung abgeneigt, haben dieses älteste Grabdenkmal, wenn es auch nur ein mythisches war, der Erde eingeebnet. Dagegen besteht noch bei DamaskusAbels Grab", sein Name bedeutet ^.Hinfälligkeit", jene bedeutsame Stätte, an der die Menschheit 4 die erste fortzeugende Blutschuld durch Kains Brudermord auf Mich geladen, und die ihr Gegenstück auf Golgatha gefunden hat. Miese beiden Stätten erinnern die denkende Menschheit an die s ressten Mysterien der Weltordnung. In Hebron, südlich sm Jerusalem, unter einer Therabinte, die nach der Ueber« Blieferung seit der Erschaffung der Welt dort gestanden hat, j liegen die Gräber der Patriarchenmutter Sara und der Erz- f väter Isaak und Jakob. Auf dem Berge Hor wird noch das I Grab Aarons, der die Juden ins Heilige Land führte, gezeigt, j in Bethlehem das der Rahel, die bei Benjamins Geburt starb, ! und in Bethanien das wohlerhaltene Grab desarmen Laza- rus". Mythische Grüber, die uns in die Welt der Griechen I und Römer führen, sind die Ruhestätte Homers auf der Insel Jas, südlich von Naxos, und das des Achilleus, dessen Grabhügel i sich heute noch bei Trojas Ruinen wölbt, toie damals, als ihn Alexander der Große besuchte. Unter demSchtvarzen Stein" ; auf dem Forum Roms ruht der Ueberlieferung nach der I Gründer der Ewigen Stadt: Romulus. In die geschichtliche Zeit führt uns das Grab des Themistokles, wohlerhalten am * Hasen des Piräus, das des Philosophen Empedokles im nahen Megara, auf dem Marktplatz von Orchomenos das Grab des

alten Dichters Hesiod, der in Naupaktos gestorben, etwa 480 v. Chr. in seine Vaterstadt überführt wurde. Der größte Arzt des Altertums, Hippokrates, ist in Larissa in Thessalien bet« gesetzt worden, man hat seine Grabstätte wiedergesunden. Nicht weit von Olympia, an der Straße nach Skyllos, liegt Xeno­phon begraben. Er besaß hier ein Landhaus, in dem er seine berühmten Werke, die Cyropädie und Anabasis, niederschrieb. 8m Stein bezeichnet noch die Stelle, wo Epaminondas Chr.) den Heldentod bei Mantinäa starb, unb ein 'oros, GMWtzgel, wie bei Marathon, wölbt sich noch heute i Cyaronee über derHeiligen Schar", die 338 v. Chr. für I die Freiheit Griechenlands gegen Mazedonien fiel. Im Jahre 11902 fand man hier noch zwei wohlerhaltene Kriegerleichen.

I Beim neuen Marmorstadiou in Athen, in dem 1896 die ersten I Olympischen Spiele der Nenzeit gefeiert wurden, liegt Hero- i des Atticus begraben, der einst an gleicher Stelle ein Stadion erbaut hatte. Auf dem Hügel Musaion ist noch daS Grab jenes halbmythischen Dichters Musäos zu sehen, dessen Ge­dichte schon 550 v. Chr. von Pisistratos, wie die des Homer, gesammelt und so der Nachwelt erhalten wurden. Nördlich von Athen zeigt man, wo Platon, der königliche Denker, im Schatten der Platanen seines Akademiegartens bestattet liegen soll. Nicht weit von Brussa in Kleinasien rauschen noch heute hohe Zypressen im Kreise um einen Grabhügel und ver­künden, daß hier, fern von der über alles geliebten Heimat, einer der größten Feldherrn des Altertums, Hannibal, von seinen Taten ausruht. Das Familiengrab seines großen Geg­ners Scipio aber liegt in Rom und wurde von Mussolini urch eine Marmorinschrift neu geehrt.

Ueber dem Portal des Palazzo della Ragione sollen die neberreste des Titus Livius eingemauert liegen, so behaupten die Paduaner, seine treuen Landsleute. Als Virgil 19 v. Ch in Brindisi starb, wurde seine Leiche nach Neapel gebracht, uw im Parke seiner Villa am Posilip, 8. h. Sanssouci, bei« MM zu werden. Die heutige Inschrift vom Jahre 1554 Miet, ins Deutsche übertragen:Wessen Asche ruht hier?

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. «w ins Deutsche übertragen: ^Wessen Asche ruht hier? I dessen Spuren bedeckt dieser Hügel? Jenes Dichters, der einst Mng Italiens Gefilde und Herrscher."

Als Cicero dem Blutbade in Rom zu entrinnen versuchte, Md, bis Gaëta gekommen, aus der Sänfte sah, hieben ihm I die Verfolger den Kopf ab und stellten ihn auf die Brüstung der Rcduerbühne am Forum. Seinen Leib begrub man in . Mer Eile an Ort und Stelle, und der Torre d'Orlando wurde das Wahrzeichen seines Grabes. In einem anderen Turm Kurde, als Kaiser Aurelian die noch heute stehende Ringmauer Roms erbaute (270 n. Chr.), das Grab des anderen großen ^mischen Redners Hortensius einbezogen, es liegt also heute unter dem rechten Torturm der Porta Pia. Die überlebens- Wn Marmorstatuen dieser beiden Redner flankieren den Umgang zum römischen Justizpalast.

Totensonntag in Toledo.

Von Dr. Ludwig Halla - Wien.

^on der Sonne spanischen Spätherbstes milde bestrahlt, "ut Toledo, die verwaiste Kaiserstadt, hoch auf macht- ptciibem Granitblock. Steinige Schutthalden, Rodaderos, !,.^" 'n schroffer Böschung zum graugrün quirlenden Tajo- ^ ke hernieder, der um den Stadtfels seine Schlinge gürtet. Knsr Mlnhaiue stehen auf faltigem Gelände in rötlicher Erbe. tüchtiger Hoffart überkrönt der Alcazar Karls des »Ftcn die ernste Landschaft, die heute wie in Licht gebadet

â ^^^^ldumpel holtert und poltert der von sechs kurz Maultieren bespannte Stellwagen, dicht besetzt, dnrUi V1 kühnen Römerbogen der Alcântarabrücke, jagt dann grg"^le trutzige arabische "Doppelmauer der Puerta de Visa- vlewci am Hufeisenbogen des Sonnentores hinan zum Laubenplatz, dem Zocodovèr.

Öeinirv0 ^nü® Stunde Schlendern durch eigensinniges Gäßchen- Mai!-ni,r^verhall der Vergangenheit überall! Seit einst im Heeres 1- >£ ^"u 1085 der Cid an der Spitze des Kastilicr- und der Emire eroberte, hält hier muselmanischer Foster gütlicher Geist gar seltsam Zwiesprache. Eine Wel: Unter ^»»^ken taucht in den Flammenbann des Abends, bis der Glocken die stolzen Türme mählich in Müller versinken. Recken und Märtyrer steigen

empor: Ein Becher feurigen Aepasweines in der Fonda de! Lino beschwört Heerscharen von Geistern eines Jahrtausends. Dann zeitig zum Schlummer, denn vor Morgengrauen des Totensonntags will ich, das Weltkind, für kurze Weile in die Mystik sehnender Gottesminne und spanischen Eifergeistes untertauchen.

Zu nächtlicher Stunde geweckt, taste ich durch krumm schleichende Gäßchen. Nachtmahre und Gespenster scheinen zu erwachen, wenn die Fledermäuse aus gruseligen Carrillos, Steinschluchteu, längs der Flanken halbverschlossener Klöster aufflattern. Leises Gebimmel lenkt meinen Schritt zum Kirch' lein von Santo Domingo. Grabesstille im düsteren Staunt, ben ich als Einziger hinter dem Priester betrete. Dicke Mauern und doppelte Gitter trennen die Kirche vom Nonnenchor, aus dem geheimnisvolle Helligkeit hervor bricht. Ich kauere hinter einem Pfeiler. Wie ein Neigenzug seliger Geister aus den! Jenseits scharen sich weiße Dominikanerinnen in Faltcnkuttcn hinter dünnem Florschleier zur Morgenandacht.

Heute freilich schweigen flehend süßer Gesang und Orgel- ton: nur das Murmeln von Totenlitaneien bringt be­klemmend an mein Ohr. Auf den Silberklang des Meßner- glöckleins verstummen auch diese. Drei Klosterlchwestern sind mit ausgebreiteten Armen flach auf die Fliesen nieder gesunken und verharren in minutenlanger Verzückung; die Spamer nennen dies Dejado, Willenlosigkeit in Gott. Mystisch wie in zuckender Lohe glüht spanische Frömmigkeit wundersam vor dem Zweifler. Wie Odem des 17. Jahrhunderts umfängt mich die unhörbare Musik dieses weltabaeschiedenen Landes.

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Hörst du in des WindeS Wehcn Ein verhallend leises Klagen? Last uns zu den Gräbern gehen, Die von unsrer Liebe sagen!

Durch den stillen, weiten Garten Zieht ein Raunen und ein Rauschen, Wenn die Toten aus uns warten Und auf unsre Stimme lauschen.

Sanfte, welke Blätter gleiten Rieselnd, raschelnd uns zu Füßen, Wenn wir durch die Reihen schreiten Und die stummen Hügel grüßen.

Graue Nebelwände fallen, Und es haucht ein heimlich Flüstern Auf den Wegen, die wir wallen, Durch die Wipfel ernster Rüstern.

Alles weltlich eitle Wähnen Ist wie letzte Glut verglommen, Und es sprechen unsre Tränen: Ja, ihr Lieben! Ja, wir kommen!

Ach, ihr harrtet nicht vergebens, Und es sei ein Gruß entboten Aus dem rauhen Reich des Lebens An das Ruhercich der Toten.

Glücklich, die ihr heimgefunden Und, zu ew'ger Rast gebettet, Habt das Leben überwunden, Still geborgen und gerettet!

Unser bleibt des Tages Lärmen Und das Hasten und das Seibett, Unser Kainps und Hast und Härmen Und das Voncinandcrscheidcn,

Bis wir müde einst die gleichen Pfade zieh'n zum andern Strande Und euch stumm die Hände reichen, Selige ihr im Friedenslande!"

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In tiefem Ergriffensein trete ich hinaus in den däm­mernden Tag. Welch Durcheinander von Erkern und Harems- gittern! Ausdrucksvoll schweigende Gesichter von Adelssolares mit massigen Wappenkartuschen und kunstgeschmiedeten Käfigen; vor ihren mit eigroßen Nagelköpfen gespickten Platten tobte einst Schwerterprall verbissener Bürgerfehde. Bergauf bergab klimme ich durch tolle Schraubengänge zwischen bröckelnden morgenländischen Hausungen. Hie und da nur grünt eine Gruppe von Zypressen in dieser greifen« haft salben Wüstenstadt. An Minaretts in Marokko ge­mahnend, ragt fuchsrot der Glockenturm von Santo Tomö in das Türkisblau des kastilischen Himmels.

Frostig weißgekalkt ist das Innere des schlichten Kirch­leins. Nur der Kenner ahnt, daß ihn hier eines der feit« fettigsten Meisterwerke von Mystik und Malerei erwartet. Dreißig Jahre hauste Domenico Theotokopulies aus Kreta, der Tizianschüler, in der damals schon verödenden Oase von Toledo und reiste im Schatten ihrer Kathedrale zum spanischesten unter den Spaniern: El Greco nannte das Volk oen Sonderling.

Doch treten wir zur Altartafel: die Leichenfeier des Kirchenstifters Grafen Orgaz. Etwa 25 Edle aus Toledo, da­zwischen Weltpriester und Augustinermönche, hat Greco fries­artig angeordnet und dabei die gereifte Würde seiner Denker­freunde, etwa des unvergleichlichen Covarrubias, aber auch den Sosiego, jene unnahbare Gelassenheit des Hidalgo, fest ge­halten; fast alle tragen Spitzbart und weiße Fältelkrause, die Golilla zum schwarzen Gelvaude.

Doch siehe! Wie von göttlicher Sendschaft getrieben, heben im Vordergrund St. Stefan unb der alternde Kirchenvater Augustinus, beide in reichgesticktem Pluviale, lind und liebe­voll den Toten in seiner goldtauschierteir Ritterrüstung vom Lager empor. Ueber allem thront Christus, weiß gewandet im Strâhlenglanze der Ewigkeit, unrrauscht von bewegter Freude der Geläuterten, unter denen Graf Orgaz als jüngster der Auferstandenen kniet. Mächtig beschwingt schwebt ein Engel als Mittler zwischen beiden "Gruppen. Welch seltsame Fügung: gerade als ich tuich in den Wundervorgang des Malers zu versetzen beginne, setzen die Geistlichen des Kirch­leins mit den Totengebeten des Miserere nobis Domine ein.

So Kirche und Klöster. Wie aber feiert das Volk den Tag seiner Toten? In langem Zuge wallen schwarz gekleidete Frauen in hoch gesteckter Mantilla, Witwen und Töchter, denen die Landessitte verwehrt, am Begräbnis teil zu nehmen.

Schlichter als im kunstfrohen Italien sind Totensteine und Urnen, statt sinniger Blumengewinde sieht man lieblosere Glasperlenkränze. "Gemütstiefes Treugedenken scheint seltener als in deutscher Heimat; schon an der Pforte des Gottesackers treiben braune Murillobuben ihr wüstes Spiel.

Ein spanischer Allerseelentag endet selbst in diesem Provinzstädtchen Toledo mit einer Ausführung des Juan Tenürio durch eine Wandertruppe. Etwa achtzig Jahre ist es her, seit Josè Zorilla den alten Don Juan-Stoff zu klingenden Versen geschmiedet. Seine leicht kitschige Romantik hat bis heute alle Schöpfungen spanischer Sprechbühne an Volks­beliebtheit übertrumpft. Der Sevillaner Frauenjäger ver­sinkt hier freilich nicht wie sein Mozartscher Namensvetter im Höllenschlund, trotzdem er Ines aus dem Calatravakloster entführt und schwere Blut;chuld auf sein Haupt geladen, sondern endet in einem schaurigen Friedhofsauftritt durch himmlische Fürbitte seiner verklärten Ines, was dem spanischen Empfinden ungleich beruhigender erscheint. Selbst in Madrid rechnen es sich die Sterne der ersten Bühnen als Ehre an, Anfang November gemeinsam für die vornehme Welt Zorillas Drama mimen zu dürfen.

Das Geld der Toten.

Von Albert Schweitzer.

Die Sitte, den Toten Geld in das Grab mitzugeben, hat sich mit einer Zähigkeit sondergleichen bis in die Gegenwart erhalten. In der Antike war bekanntlich Charon, der Sohn des finsteren Erebos, Fährmann der Unterwelt. Seine Tätig­keit bestand darin, die Schatten der Toten über den Styx zu fahren. Als Belohnung für seine Dienste erhielt Charon einen Obolus, der aus einer kleinen Kupfermünze bestand. Die Leichname durften erst dann gewaschen, gesalbt und mit Blumen geschmückt werden, wenn ihnen die Totenmünze unter die Zunge gelegt worden war. Homer kannte damals noch kein geprägtes Geld, deshalb war ihm die mythologische Figur des Charon, des Totenschiffes des antiken Alterluins, unbekannt. Der Obolus bestand bei den Griechen aus ein odc^ zwei obolen Stücken, bei den Römern aus einem Quinär oder Sesterz. Diese Geldstücke tvurden den Toten entweder zwischen die Zähne geklemmt oder direkt unter die Zunge gelegt Diesen Brauch übte man noch, als schon längst das Christen­tum eingeführt und die ganze antike Götterwelt verschwunden war. Durch Jahrhunderte lange Pflege dieser Sitte kam der Ritter von Caneauville auf den Gedanken, den Wert der von Orpheus bis auf Kaiser Konstantins Zeiten den Toten mit­gegebenen Fährgelder auf etwa 8 000 000 Frank zu berechnen. Seltsamerweise dachte er aber nicht daran, seine Berechnung bis auf die Neuzeit auszudehnen, zinnal sich nach der Wahr­scheinlichkeitsrechnung weit mehr als das Doppelte der an­genommenen Summe ergeben hätte. Daraus geht hervor, inie viele Millionen noch heute in der Erde schlummern.

Auf der Balkan-Halbinsel ließ sich die Sitte noch in» vorigen Jahrhundert nachiveisen, und in einigen abgelegene« Gegenden Europas soll sie noch heute lebendig sein.

Allerdings wurde die Münze nicht immer unter bi» Zunge gelegt, sondern man gab sie den Toten bisweilen iw die Hand oder legte sie in eine Art Börse, die dann neben dem Körper Platz fand. Eine ganz besonders merkwürdig« Art, den Fährgroschen der Toten aufzubewahren, wurde bei der Ausgrabung einer gallo-römischen Begräbnisstätte aus der Zeit des römischen Kaiserreichs bei Vernon in Frankreich bekannt. Man fand hier 22 Skelette, von denen jedes eine irdene Vase unter dem rechten Arm trug, und in einem der Augenlöcher eine Bronzemünze. Auch heute legt man noch zuweilen den Toten eine Münze aufs Auge.

Wie viele andere heidnische Gebräuche, so hat sich auch die Sitte des Totengroschens in leicht veränderter Form beim christlichen Begräbnis erhalten. Eine Münze legt man in den Mund des Toten, damit er die Gunst des Hinimelspförtners Petrus erwirbt und dieser ihm das Tor zum Paradies öffnet.

So wurde aus dem antiken Obolus eine Peterssteuer, aus Charon Petrus, der Torwart des Himmels, der auch die l Seelen nicht ganz umsonst bediente. Vom dritten bis zum - fünfzehnten Jahrhundert läßt sich nachweisen, daß die Sitte des Peterspfennigs weit verbreitet war. Man fand wieder­holt Münzen mit der AufschriftTributum Petri". Daß die christliche Kirche gegenüber der Fortdauer des heidnischen Brauches ein Auge zugedrückt hat, steht bamit im Einklang, daß sie selbst gelegentlich die dem Sterbenden vom Priester verabreichte KommunionWegzehrung" nannte.

Die Deutung der Totenmünze als Zehrpfennig spielt im Volksglauben eine wichtige Rolle. Allerdings finden ivir die uns durch die Antike vertraut gewordene Anschauung ver­treten, nach der diese Münze für den Fährmann bestimmt war, obschon auch die germanische Mythologie einen Toten­fluß kennt. Dieser Totenfluß entsprang dem im Reiche Hels, der Todesgöttin, liegenden Brunnen Svergehnir, und wer die über ihn führende Geisterbrücke überschreiten wollte, mußte einen Zoll entrichten. In christlicher Zeit wurde eben dieses Brücken- oder Zollgeld in einen Peterspfennig umgewandelt.

Bei den Burgundern beobachtete Hammerton noch vor fünf Dezennien diese Totcusitte und schreibt darüber in seinen Reiseschilderungeil:Sie haben Charon vergessen und können nicht sagen, ivarum sie die Münze in die tote Hand legen, aber sie werden diese feierliche Handlung nicht unterlassen. Klar ist ihnen schon der Brauch, warum sie Blumen in den Sarg eines Kindes legen. Sie geben als Grund dafür an, daß ein Kind doch etwas haben müsse, womit es spiele. So ivaltet auch hier noch der alte klassische Gedanke, daß irgend eine Art von Leben auch im Grabesdunkel sich sortsetzt." Bei der Spendung der Totenmünze wird es ganz offen ausgesprochen, daß man bem Toten etwas mitgeben muß, um seine Bedürf­nisse zu befriedigen und Ruhe vor ihm zu haben. So legt man ihm im Harz ein Geldstück unter die Zunge mit den Worten Ich gebe dir einen Zehrpfennig, laß mir meinen Nähr­pfennig", und in NorddcutschlandIck gebe dick bat billige, blif mit von den minigen."

Rätselecke.

Verwandlung.

Durch fortgesetztes Hinzufügen je eines Buchstabens und ge­stattetem Umstellen der Buch­staben, ist aus den beiden oberen ,) Buchstaben mittels bekannter / Wörter das untenstehende Wort j zu bilden.

ai&ÄS^*"s' "°»"°>°,