Söldner Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- un- Haunetal »Fuldaer Kreisblatt
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91r. 276 — 1928
Fulda, Freitag, 23. November
5. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser
' * Die deutsche Reichsregierung beabsichtigt, in den nächsten Tagen eine neue klärende Note an die Ententemächte über die geplante Reparationskonferenz zu richten.
* Der berühmte Schriftsteller Hermann Sudermann ist im 70. Lebensjahre in Berlin gestorben.
* Der englische Botschafter in Paris hatte eine Unterredung mit dem französischen Außenminister über die Rheinlandräumung.
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Sport undGesvu-hettausdemLallde.
Der Rückgang in der Bevölkerungsbewegung hat in den letzten Jahren weitere Fortschritte gemacht und sie wird heute nur noch durch die sinkende Sterblichkeit aufgehalten oder, besser gesagt, verschleiert. Die nach dem Kriege in fast allen Kulturstaaten übernommene Bevölkerungspolitik der Vorkriegszeit hat überall den gleichen Schiffbruch erlitten und man mutz auch hier wieder einmal darauf Hinweisen, in welchem Maße sich instinktmäßig das ganze Volk selbst aus den Netzen zu befreien versucht, in die es sich zu verstricken droht.
Bei dem Abstand, den wir heute bereits von den ' ersten Jahren der Nachkriegszeit haben, läßt sich schon mit einiger Sicherheit feststellen, daß eine Besserung der be« stehenden Verhältnisse vor allem in den Städten eingetreten ist, in denen bald nach dem Zusammenbruch eine zielsichere kommunale Gesundheitsfürsorge die Bevölkerung vor weiterem körperlichen Verfall bewahrte; unter diesen vorbeugenden Maßnahmen steht fast überall an erster Stelle die ausreichende Ver- sorgung der Bevölkerung mit Erholungsstätten, insbesondere also Spiel- und Sportplatzanlagen. Welch besondere nicht nur vorbeugende, sondern auch heilende Wirkung eine tatkräftig für die Ausbreitung der Leibesübungen arbeitende Kommunalpolitik hat, zeigt die mehr iinb mehr in die Erscheinung tretende Tatsache, daß die Sterbeziffern auf dem flachen Lande und <iW|' »WSW nicht etwa nur für die Säuglingssterblichkeit zu, sondern auch auf die Sterblichkeit der Gesamtbevölkerung. 1926 betrugen in den Gemeinden mit 100 000 und mehr Einwohnern die Sterbefälle der Säuglinge (auf 1000 Lebendgeborene) 9,1, die Sterbefälle der übereinjährigen (auf 1000 der Bevölkerung) 9,1. In den Gemeinden lmter 15 000 Einwohnern aber 10,6 bzw. 10,6. V
Wir wissen aus der Übungsstättenstatistik, daß es gerade die Großstädte sind, die in den letzten Jahren aus dem Gebiete der.Kport- und Spielplatzfürsorge viel geleistet haben. Der Vergleich mit den Landgemeinden und ausgesprochenen Kleinstädten lehrt, daß die systematische Heranziehung breiter Bevölkerungsschichten zu Spiel und Sport viel wesentlicher ist und viel größere gesundheitliche Vorteile mit sich gebracht ha» als das sogenannte ..gesunde Leben" in der Kleinstadt und auf dem Lande. Wenn man nun berücksichtigt, daß etwa zwei Drittel der gesamten deutschen Bevölkerung in Kleinstädten und in Landgemeinden unter 15 000 Einwohnern keben, so kann man ermessen, welche Wichtigkeit dem Ausbau b0n Spiel- und Sportplätzen auf dem flachen Lande zukommt. Wie irrig die allgemeine Ansicht von der besseren Gesundheit und der größeren Widerstandskraft der Landbevölkerung ist, das zeigt auch
Blick auf die Sterblichkeitsziffern im Durchschnitt des Ernten Deutschen Reiches gegenüber denen der Groß- iMbte.
Wie man sieht, stehen die Großstädte ungleich gün- snger da als der Gesamtdurchschnitt der Bevölkerung. Dabei soll durchaus nicht geleugnet werden, daß sich auch "af dem Lande schon vieles in dieser Beziehung m den letzten Jahren gebessert hat. Wer heute mit der Bahn Md? das deutsche Flachland des Nordens oder durch die mittel- und die süddeutschen Gebirge fahrt, der w läufiger als in den ersten Jahren nach dem Kriege auch der Nähe von kleineren Städten und Dörfern Spi^ ""d Sportplätze finden. Daß aber hier noch lange nicht ^uug getan ist, zeigen mit grausamer Deutlichkeit die Obengenannten Zahlen. Es ist kein Zweifel, daß es den oft 'n schwieriger finanzieller Lage sich befindenden kleimn Gemeinden nur schwer zugemutet werden kann, au Wnen Mitteln große Anlagen zu schaffen, demgegenüber nun nicht oft genug darauf hingewlesen werden, daß f der anderen Seite viele Kommunen fast «i n»« 0« «itete Grundstücke verfügen, die sich infolge ihrer nawr Men Lage fast ohne jeden weiteren Ausbau vorzüglich “■s Spiel- und Sportplätze eignen. Wo aber bie eigenen Mittel auch für den bescheidenen Ausbau eines Cpul ntzes nicht ausreichen, da sollten insbesondere die «nder ihr vornehmstes Ziel darin sehen, solche Be Übungen gerade der kleinen Kommunen zu untersutzen ,?ie sprunghafte Besserung gerade der gesundhertlichcii ^rhältnisse, wie sie nicht nur die Mittelstädte, sondern ’W die Großstädte zum Teil aufweisen können, wird 'ncht nur in ideeller Hinsicht Zeigen, daß diese Kapiw Äe hundertfache Zinsen tragt. Auch im finanziellen ^'nne wird der Lohn nicht ausbleiben und sich^bereit ach wenigen Jahren durch eine Ermäßigung der not Obigen dauernden Lasten für die Erhaltung oder Neu ^Wichtung von Krankenhäusern, durch eine Verringerung ^Aufwendungen für die Invalidenversicherung und dw Ueren im Zusammenhang mit der VEgesmidYm labenden öffcntlidien Lasten bemerkbar machen. Darum W bet SbÄ °°>'SM-: und Nachläßen auch hinaus in die Kleinstadt und aus das che Land getragen werden. Ausreichende ländliche ^Mätten und ihre rege Benutzung durch die lan ^ Bevölkerung sind notwendig, um das Platte Land ^"äundhettsstandard, den heute die großen Kommune "eicht haben, einholen oder gar übertreffen ru lagen.
Ieillslhes Vorgehen M ReMrotionssrnge.
ReichsregierungundSchMonferenz
Note an die Mächte bevorstehend.
England und Frankreich haben einstweilige Mil- leilungen aus die Anregung der deutschen Regierung zu einer endgültigen Sachverständigenkonferenz hin zwar er- gehinl lassen, aber man kann nicht sagen, daß eine Weiter- forderung oder auch nur Klärung der Sache bisher erfolgt ist. Nach wie vor wird zwar eine Unzahl von zum Teil sich direkt widersprechenden Nachrichten über die Ansichten der Westmächte verbreitet, doch dieser Wust von Gerüchten führt kaum irgendwie weiter. Die Reichsregierung will nun in den allernächsten Tagen in einer neuen Note noch einmal ihre Grundsätze darlegen, und zwar im wesentlichen fußend auf den Ausführungen, die Reichsaußenminister Dr. Stresemann in seiner Rcichstagsrede über die für Deutschland mögliche Lösung der Regelung des Problems gegeben hat.
Diese Erklärung von deutscher Seite erscheint um so mtf)r notwendig, um nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, man stimme in Berlin stillschweigend den lautgewordenen Forderungen von französischen und teilweise auch von englischen politischen Kreisen zu. Die Lebensfähigkeit des deutschen Volkes und der deutschen Wirtschaft darf und soll nicht derart belastet werden, daß beide zum Erliegen komnien — nur mit dieser Voraussetzung kann an Verhandlungen, und zwar mit Einschluß Amerikas, gedacht werden, die Erfolg versprechen. Das ist der Angelpunkt, von dem einzig und allein die Reichsregierung ansgehen kann. ' t
Der englische Botschafter bei Briand.
Mittwoch wurde der englische BLischafter in PartG S i r Tyrrell, von dem französischen Außenminister Briand empfangen. Im Hinblick auf die Rede Dr. Stresemanns hat der britische Botschafter dem französischen Minister des Äußern versichert, daß das britische Außenministerium nach wie vor den Wunsch habe, bei
Deutsche Grenzlanduoi.
Im W e st e n und i m Oste n.
Im ehemaligen Preußischen Herrenhause zu Berlin versammelte sich am Bußtag der Verband katholischer kaufmännischer Vereinigungen zu einer Kund- gebung für die bedrängten Grenzlande ,
Abgeordneter Bell, der frühere Reichsminister zur die besetzten Gebiete, sprach sich gegen die weitere Aufrechterhaltung des Versailler Diktats aus. Vom Völkerbund mußten endlich Taten der Versöhnung und Verständigung erwartet werden. In heroischer Vaterlandsliebe müsse rur die Freiheit aller bedrückten Grenzlande gekämpft werden. Nicht nur die Grenzgebiete, ganz Deutschland habe den Krieg verloren, deshalb sei die Grenzlandnot eine deut,che Not. Die Räumung dürfe aber nicht erkauft werden durch Wirt- schaftliche Zugeständnisse, lieber trage man die schweren Note und Sorgen noch weiter. ..... - '
über Wirtschafts- und Bevolkerungspolittk int O st e n verbreitete sich der Zentrumsabgeordnete Prälat Uli tzka. Erschreckende Unkenntnis herrsche im Reich über den Osten. Ostpreußen sei in einer höchst traurigen wirtichaftlichen Lage Der Schwerpunkt der Hilfe liege in der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse. Bisher kam man über Vor- erwäqungen über den Bau einer Lokalbahn nicht hinaus. So werde das Greiizgebiet zu einem wirtschaftlich fterbeiiben Landesteil.
Die Ltmgememdungen im Westen.
DerpreußischeJnnenministerüberdie
Verwaltungsreform.
größeren Preyever- im Westen und da-
Der preußische Minister des Innern, Grzesinfti, verbreitete sich am Donnerstag vor einer größeren Presseversammlung über die Umgemeindungen im Westen und da- nnt zusammenhängende kommunalpolitische Fragen. Der Minister sagte zunächst, daß bei allen diesen Fragen eine wichtige Angelegenheit im Vordergründe stehe, und das hip Verwaltungsreform. Das Ziel der vli i'inttunasreform sei tm wesentlichen, die bisher laut gewordenen Beschwerden soweit wie möglich abzustellen ^te Behörden sollten nicht länger, tote es oft dermal! gewesen sei g e g e n e i n a n d e r a r b ei t e n. Ftnanzrell w n , g » br^ti te Reform vielleicht nicht so aus, w e man denke, aber die Verteilung der Geschäfte müsse zweckmäßiger werden, die Verwaltungsbezirke richtiger durckschnitten bzw. ausgestaltet werden. Statt der 419 Wâ-riae Landkreise sollten etwa 315 geschaffen werden. b Es muß natürlich eine zu große Ausgestaltung der Be- airfe vermieden werden, damit die Bevölkerung mit dem ßanbrat auch in der notwendigen Fühlung verbleibe. <>ede Umaemeindung hat große Schwierigkeiten zu überwinden Fn^der Vorkriegszeit sei man ein Feind der groben Städte gewesen Wichtige Eingemeindungen seien deshalb nackruholen sowohl im Osten wie im Westen der früheren Mmiarchie. Jeder Eingemeindungsplan habe bisher harte Kämpfe ausgelöst, aber es müsse durchgegriffen werden, um die Verwaltungsreform endlich zu fördern. Jni Westen muß mai? sich den mittlerweile durch die riesige Entwicklung der Andusttte entstandenen Bedürfnissen anpaffen. Man kann nun nicht dazu übergehen, einzelne Städte wie etwa Duisburg und Düsseldorf zu reformieren. Man muß die ganzen Be- Atrle ins Auge fassen, damit auch der umliegende Landkreis und feine Umgebung nicht vernachlässigt wird. Kurz aeiaftt
den kommenden Verhandlungen mit Deutschland in voller Übereinstimmung und Harmonie mit der französischen Regierung zu handeln.
Die Rhcinlandräumung
soll den wesentlichsten Teil der Unterredung ausgefüllt haben. Man glaubt in London nicht, daß bei der Bev- Handlung ein Fortschritt in der Festlegung der Grenzen des Aufgabenkreises des neuen Reparâtionskomitees erreicht werden könnte, fügt aber hinzu, daß Differenzen in diesem Punkt zwischen den alliierten Ländern nicht b»> ständen.
Jedenfalls scheint aus den Unterhandlungen zwischen Frankreich und England mehr und mehr hervorzugehen, daß man sich bemüht, das unpolitische Sachverständigenurteil wieder in den Hintergrund zu drängen und ministerielle Entscheidungen an seine Stelle zu setzen. Wenn die erwartete deutsche Note in dieser Hinsicht Aufklärung brächte, wäre es sicherlich zu begrüßen und man wüßte endlich in Deutschland, woran man sich zu halten hätte.
Krankreichs Sachverständige für die Neparationskonferenz.
Ein Kabinettsrat war einem Meinungsaustausch Aber die Frage der Reparationsregelung, der Ernennung der französischen Sachverstän- d i g e n für den geplanten Ausschuß und der Bestimmung des Ortes, an dem die Sachverständigenkonferenz zusammentreten wird, gewidmet. Nach Informationen der Agentur Havas bestätigt es sich, daß die Wahl der französischen Regierung auf den Gouverneur der Bank von 8^^r^^^^^^^^^ und, dM,PrüfMr der Nechtswissen- schäften Allix als Vertreter Frankreichs im Sachver- ständigenausschuß gefallen sei. Hinsichtlich des Tagungsortes sei noch kein Beschluß gefaßt worden. Wahrscheinlich würden die Sachverständigen in Brüssel oder Paris zusammentreten.
es schwebt das Ziel vor, aus etwa 15 bisherigen Städten und 15 Kreisen etwa 1v Städte und 8 Kreise zu gestalten.
Der Zweck ist in erster Linie Verminderung bei großen Beamtenapparates. Dann müssen leistungsfähige Kommunalgebilde geschaffen werden, und zwar so um» fangreich, daß sie die durch Gesetze vorgesehene Fürsorge für die Bevölkerung auch wirklich tragen können. Zuerst soll itu Westen angefangen werden, dann will die Regierung zu bett übrigen Gebieten übergehen, um nach und nach die gesamt« Reform durchzufiihren.
vom Kriegsschauplatz der Arbeilslâmpse.
Solidarität englischer Gewerkschaften.
Im Arbeitskonflikt der westdeutschen Eisen- industrie wird die Pause in den Verhandlungen di^ mit ausgefüllt, daß Erklärungen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände zu den umstrittenen Fragen veröffentlicht werden, die durchaus nicht als geeignet erscheinen, die Atmosphäre zu entgiften. Die Folgen der Arbeitseinstellung machen sich in immer weiteren Streifen bemerkbar. Sie greifen jetzt in ihren ^hien Auswirkungen auch auf das A u s l a n d über. Auf einer Zusammenkunft des Verbandes der Maschinenbau- und Schiffbauindustriegewerkschaften in London wurde mit- geteilt, daß wegen der Aussperrung der deutschen Metallarbeiter wahrscheinlich einige Schiffe zur Ausbesserung nach b r i t i s ch e n Höfen gesandt werden würden. Es wurde beschlossen, den Vollzugsausschüssen der in Frage kommenden Gewerkschaften zu empfehlen ihre Mrtgueder anzuweisen, solche Reparaturarbeiten nicht auszusuyren.
Die Versorgung der Ausgesperrten.
Die Konsumvereine des nordwestdeutschen Bezirks haben einen Ausschuß gebildet, dem die Versorgung der Aus- gesperrten in der nordwestdeutschen Eisenindustrie mit Lcb:nsmttteln und sonstigen Bedarfsgegenständen obliegt Die von den Gewerkschaften an Stelle von Bargeld, aulgegebenen Gutscheine werden von den Konsnni- vereinen in Zahlung genommen und die Mitglieds der Konsumvereine erhalten in Hohe von 10 Prozeitt der Gutscheine eine weitere Unterstützung, jur welche Waren unentgeltlich verabkolat werden.
Reue Uebersüüung des Berliner KartoffelmarlieS.
Berlin. Der Berliner Kartoffelmarkt ist zurzeit wiederum völlig überfüllt. Umfangreiche Eingänge unbestellter Kommissionsware erhöben die Scbwterigkeilen. Dazu kommt die Gefahr, daß jeden Tag mit dem Eintreten von Frost gerechnet werden muß, der die aus dem Bahnhof stehenden Kartoffel- ladungen wenn nickt vernickten, so dock sckwer schädigen muß. Aus diesen Gründen hat sick die Reicksbahndirektton Berlin genötigt gesehen, das Standgeld für Kartoffelladungen mit Wirkung vom 22. November 1928 in Berlin-Ostbahnhos zu er- böhen. Für den ersten standgeldpslickligen Tag sind 10 Mark, für den zweiten Tag 40 Mark und für dm dritten Tag 69 Mark zu zahlen. Zur Vermeidung b-n Härietz sollen aber auch für die vor dem 26. November bereits standgctdpflicktigcn Wagen am. 22. November nur 10 Mark, am 23 Novenwer nur 40 Mark und erst am 24 November täglich 60 Mark Standgeld erhoben werden. Trotzdem stehen aus dem Berliner Ostbahnhos zurzeit noch 250 unentladene Kanofselwagen, von denen ein großer Teil noch nicht einmal aus den Entladegleisen Matz gesunden bat.