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Zul-aer finzeiger

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Fulda, Mittwoch, 24 Oktober

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5. Jahrgang

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Kleine Zeitung für eilige Leser

. Köln fand eine aufregende Verbrecherjagd statt. Bei ^entstandenen Feuergefecht zwischen zwei von der Polizei ckteii Mördern und ihren Verfolgern wurde der eine Ver. Mei getötet: der andere entkam. Ferner wurde ein Polizei- Mutter getötet und mehrere Personen wurden veletzt.

$ In Kyritz begann der große Landfriedensbruchprozetz MN 59 Angeklagte.

* Die Reichsregierung hat der in Berlin tagenden Länder, »njerenz zu der beabsichtigten Reichsreform eine Reihe von y<Wii unterbreitet, die im Kabinett einstimmig gefaßt Men.

in Berlin von

«i)er Neparationsagent Parker Gilbert ist

«Her europäischen Rundreise, in deren Verlauf er in PariS I bemerkenswerte Unterredung über die Regelung der deut- N Schuldenfrage hatte, eingetroffen.

Allerhand Farbbücher.

,5er Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe" bflâ kann man über die Veröffentlichungen setzen, die von dkl englischen und der französischen Regierung über die Vorbereitung, die Durchführung und das weitere Schicksal dk« l 0 t t e n a b k 0 m m e n s herausgegeben werden. Zch-n die BezeichnungFlottenabkommen" ist eigentlich sM denn es handelt sich dabei um mehr, nämlich um apolitisches Handelsgeschäft über die Seo- md Landrüstung.

Derartige Farbbücher über den Gang politisch-diplo- Mischer Verhandlungen betrachtet die Mitwelt immer mit ebenso großem wie berechtigtem Mißtrauen. Weiß «doch aus Erfahrung, daß die wirklich interessanten Vorgänge darin meist gar keinen oder einen recht verstüm-

«M Niederschlag finden. Sie sind eine Art von Recht-

: schMgMriften und manches Vorkommnis läßt sich WM kaum rechtfertigen, weil die in der Öffentlichkeit Menen Worte oft in einem allzu auffallenden Gegen- k den heimlichen Taten und wispernden Verab- âgen stehen. Also setzt denn die große Wüsche â aus deutsch: man läßt allerhand Kompromittierendes io» dem Fachbuch fort, das dann freilich seinen Warnen W mehr zu Recht trägt, weil es gänzlich farblos ge- »erben ist.

Das gilt auch von dem jetzt veröffentlichten englischen ssnbbuch, das sich in ein unschuldsvolles Weiß hüllt. Was von Wichtigem drinsteht, weiß man schon längst, und in« ^"dessen hat die englische Regierung es vorgezogen, Ur unwichtiges noch zu enthüllen. Daß ein gemeinsamer Mlsch/französischer Standpunkt in der Abrüstungsfrage Stichaffen werden sollte, weil man damit in Genf nicht mwartskam, ist das Mäntelchen, mit dem man das -!^EO Gewollte verhüllt: dort eine möglichst starke Mzmlsche Land-, hier eine entsprechend starke englische âustung, und dann eine Vergewaltigung der anderen

^ Genfer Abrüstungskommission. Womöglich E> Amerikas. Mit Recht und das ist es, was in dem Mischen Farbbuch uns Deutsche besonders pressiert hat darum die Berliner We* ^.W ihre Besorgnis über den Inhalt des Motten abkommens dem englischen Botschafter zum «I.« ^bracht, und auch dabei den richtigen Punkt rogen: hat England KonzessiAren Frankreich gegenüber tz,,?^. âdabrüstung gemacht? Chamberlain läßt ein Ja antworten, aber eigentlich bezöge sich - h,aO ten^nur" auf die Seerüstung. Aber

^ Konzessionen seien erfolgt, die in Widerspruch mit I^^ovLrträgen ständen, was niemand hat wissen fe i ' ?^ auch verhältnismäßig wenig Eindruck machen Äig ist man sich über jene Verträge alles andere als sâi?/' Janz unschuldsvoll weiß wie dieses Farbbuch - Lu,, ^ Politik der beiden Regierungen denn doch die L m^? âu sein. Denn in einer französischen Note, leit kiä^buch veröffentlicht ist, wird auf die Notwendig- ^n l-M^^^kN,andere Mittel und Wege zu suchen, um Äkli-,. !§ ßcherzustellen", dann nämlich, wenn Amerika, NÂim $^ .^ englisch-französischen Einschränkungs- iiDii Ly lur die Seerüstung nicht annehmen, womit ja Sekött-In^eln zu rechnen war. Hub da man in der !tini chüng nichts Weiteres darüber findet, welches die wiiE »anderen Mittel und Wege" sein sollen, so wird elte >Se Mitwelt auf die Vermutung kommen: die Men- ^oucherpraxis hat auch hier wieder Platz ge« N§ ^5^ nhatallerhanddraußengel assen, p>Wn ^^"silerigen Zeitgenossen nicht zu wissen : ^i 2(sw,^Ewelt weiß auch so genug. Es kommt ja ^ Paris^^lhetten an die Politik der Londoner und

I Hb neglerilng hat in den letzten Monaten immer vieres m.y- ^^ auf engstes Zusammenarbeiten ohne ! ^e - A?Mn lassen. Um das zu sehen, braucht man * Mid°» ^^obtzcher: die sensationelle Veröffentlichung M nitfit ^.^^aischen Journalisten enthüllte Geahntes, i Met LL ^"ßtes. Bei der jetzigen Lektüre dieser Farb- Weres L, "och mehr, sicherlich nichts Falsches; Ge- ^«big vt''en' lväre interessant, ist aber kaum noch

Parker Gilberi wieder in Berlin.

<t Die Reparationsfrage.

'k'sc dilâ^Monsagent Parker Gilbert, dessen Rund- ^bunS Hauptstädte der Mächte und die damit Nuitn brr Besprechung in Paris den Anstoß zur Aus- fit in Np-« lischest Kriegsschuldensragc gaben, wird zue- er verÄ, Aurückerwartet. Auf die Reise nach Rom ^m Tckâi? und sich damit begnügt, Mussolini in ^^Hblunnn n ^E>er die Ereignisse seiner Reparations- U"ac« MU Voincars und Churchill zu unterrichten

Starke Reichsgewalt.

Leistungsfähige Länder.

Entschließung der Reichsregierung.

Die Montag in Berlin begonnene Konferenz der Reichs- und Ländervertreter über die gewünschte Reform der Reichsverwaltung und -Verfassung wurde Dienstag fortgesetz und gewann alsbald eine interessante Gestal­tung durch eine Entschließung der Reichsregierung, die in der vorangegangenen Kabinettssitzung einstimmig be­schlossen worden war und die Reichskanzler Müller bekanut- gab. Sie hat folgenden Wortlaut:

1. Die Reichsresorm muß getragen sein von der Er­kenntnis der Notwendigkeit einer starken Reichs- gemalt, der Bedeutung der vielgestaltigen Eigenarten des deutschen Volkslebens und des Erfordernisses spar­samster Finanzgebarung der öffentlichen Haushalte.

2. Eine territoriale Neugliederung ist erforderlich und darf sich nicht beschränken auf solche Gebiete, die infolge Gemengelage einzelner Gebietsteile eine besonders erschwerte und kostspielige Verwaltung haben.

3. Es ist erforderlich, als Glieder des Reichs leistungsfähige Länder bestehen zu lassen. Hierfür ist zu prüfen, wie die Verwaltung der Länder zu gestalten ist sWahl der Landtage, Amtszeit der Landesregierungen, Landesspitze). Ferner soll geklärt werden, wie die Organi­sation des Unterbaues in den Ländern nach einheitlichen Neichsgrundfâtzen (Reichsrahntcngesetzeu) eingerichtet wer­den kann.

4. Die Beseitigung des Dualismus zwischenReichund Preußen erscheint im Rahmen der Endlösung als erforderlich. Deshalb ist zu erklären, wie in diesem Falle das Verhältnis des Reiches zu den übrigen Ländern und die Zusammensetzung des Reichsrats gestaltet werden soll.

5. Die Verwaltungsbezirke des Reiches und die Län­dergrenzen sind nach Möglichkeit einander anzupassen.

6. Die Einrichtung der Auftragsverwaltung ist in dem Sinne auszuarbeiten, daß die Reichsregierung die Länderregierungen mit der Ausführung von Ange­legenheiten der Reichsverwaltung beauftragen kann, so daß die Verwaltung alsdann nach näherer Anweisung der Reichsregierung geführt wird und für die Ausführung die Verantwortung nicht gegenüber dem Landtag, sondern gegenüber dem Reichstag besteht.

Wild-West in Köln.

Krieg im Frieden.

Feuergefecht und Belagerung zweier Mörder.

Eine der wildesten Verbrecherjagden, die je ab­gehalten worden sind, fand in Köln statt. Dort wurden die Gebrüder Heidger, die am Sonnabend, als sie verhaftet werden sollten, einen Kriminalbeamten er­schossen und mehrere Polizeibeamte und Passanten ver­letzten, entdeckt. Die Verbrecher wurden wegen mehrerer Raubüberfälle in Süddeutschland und wegen Erschießung eines Kriminalkommissars in Essen gesucht.

Um 10 Uhr abends versuchten in der Riehlerstraße zwei junge Leute ein Motorrad zu stehlen. Ein Polizei- beamter glaubte in ihnen die beiden Heidger zu erkennen und nahm ihre Verfolgung auf. Die Verbrecher be­gannen sofort zu schießen, konnten aber das Motorrad zur Flucht nicht benutzen, da dieses an­geschloffen war. Der Beamte feuerte gleichfalls und lief den Fliehenden nach. Es kam zu einer erneuten Schießerei, an der sich auch ein Mann beteiligte, der auf seinem Fahr- räöe die Verfolgung mit ausgenommen hatte. Der Rad­fahrer wurde durch zwei Schüsse in den Unterlsib und einen Oberschenkelschuß erheblich verletzt. Flucht und Verfolgung zogen sich darauf durch die Riehlerstraße hin.

Hier

stießen die Verbrecher auf einen haltenden Straßenbahn­wagen,

schwangen sich hinauf und zwangen mit vorgehaltenem Revolver Fahrer, Schaffner und Fahrgäste, den Wagen zu verlassen. Sie löschten sämtliche Lichter in dem Wagen aus und rasten dem Zoologischen Garten zu. Fast alles hatte sich in weniaen Minuten abaesvielt. Vier Minuten.

und um die Zustimmung zu den zwischen'England und Italien getroffenen Vereinbarungen zu ersuchen. Diese Vereinbarungen beziehen sich auf Zeitpunkt, Ort und Aus­gabenkreis der Sachverständigenkommissivn.

Von Paris aus hatte sich Parker Gilbert noch nach Präsidenten Jasper, dem belgischen Außenminister und dem belgischen Finanzminister gehabt. Aus Washington wird berichtet, daß die höheren Beamten der amerikanischen Regierung zwar nicht der Meinung sind, daß die erneuten Verhandlungen über die Repara- tion'sfrage ihr Land in Mitleidenschaft ziehen, doch wird im Schatzamt der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß die im Gange befindlichen Verhandlungen zu einer befriedi­genden Regelung führen werden. Es wird erklärt, vom amerikanischen Standpunkt aus sei es besonders befriedi­gend, daß bei den jüngsten Verhandlungen anscheinend kein Versuch gemacht tverde, die Frage der Alliierten­schulden und die Reparationsfrage miteinander zu ver- auicken.

7. Es ist zu prüfen, inwieweit den Ländern zur Erledi­gung im Wege der Eigenverwaltung Aufgaben übertragen werden können, die nicht als Lebensfragen der Nation vom Reiche oder im Auftrage des Reiches zu er­ledigen sind. Auf vielen Gebieten wird sich das Reich mit einer Oberschicht von Gesetzen und An­ordnungen begnügen und die nähere Durchfüh­rung den Ländern unter selbständiger Verantwortung überlassen können.

8. Die Reichsregierung empfiehlt dem Ausschuß, zur Bearbeitung dieser Fragen zwei Unterausschüsse einzu- setzen, von denen der erste Vorschläge für die neue Abgren- zung der Länder und der Reichsverwaltungsbezirke und deren zweiter Vorschläge für die Zuständigkeit der Länder und deren Organisationen zu machen hat. Dabei bleibt eine gemeinsame Tagung der beiden Ausschüsse vor­behalten.

Versagung der Konferenz.

Nachdem die Teilnehmer der Konferenz die Erklärung der Reichsregierung entgegengenommen hatten, verbreitete sich alsbald die Meinung, die Weiterberatung der vor­liegenden 25 Denkschriften habe zurzeit keinen Zweck mehr, wenn sie auch als schätzbares Material fernerhin in Betracht kommen müssen. Eine besonders ausführliche Stellung hatte auch Hessen durch seinen Staatspräsi­denten Adelung genommen. Er kommt zu der Schluß­folgerung, daß eine radikale Lösung im Sinne der Herbei­führung eines Einheitsstaates noch nicht möglich sei. Auch der Dr. Luthersche Lösungsvorschlag sei im gesamtdeutschen Interesse abzulehnen.

Keine geeignete Grundlage.

Nach kurzer Zeit wurde auf Antrag des bayerischen Ministerpräsidenten Held die Länderkonferenz auf Mitt­woch vertagt, weU Bayern in der Erklärung der Reichs­regierung keine geeignete Verhandlungsgrundläge zur Weiterberatung erblickt.

Nach der bayerischen Ansicht müßten die Länderdele­gierten dazu erst Stellung nehmen. Die Entschließung der Reichsregierung ist erst Dienstag früh gefaßt worden. Von bayerischer Seite werden besonders die Teile der Ent­schließung als ungeeignet angesehen, die eine stärkere Be­tonung der Reichsbesugnisse gegenüber den Ausgaben dsr Länderreaierunaen anstreben.

nachdem es benachrichtigt worden war, war das Überfall­kommando zur Stelle das den Wagen anhielt. Aber die Banditen ergaben sich noch nicht. Sie verließen in schnellem Lauf den Wagen und eilten feuernd den Anlagen zwischen dem ehemaligen Vergnügungspark und dem Rheinufer zu. Inzwischen hatte sich eine große Menge Neugieriger angesammelt, welche die schwierige Aufgabe der Beamten in unnützer Weise erschwerte und sich auch unnötig in Gefahr begab. Die ganze Anlage wurde um­zingelt, und von anderen Beamten wurden die Straßen, soweit es möglich war. von den Straßengängern geräumt

Das Feuergefecht

nahm jetzt an Heftigkeit zu. Der iüngere der beiden Ban­diten wurde durch zweiSchüsseniedergest reckt. Bei dem weiteren Kugelwechsel wurde, auch noch ein Polizeibeamter verletzt. Der ältere Verbrecher flüchtete in einen Garten, der von einer hoben Backsteinmauer um­geben ist. und verbarrikadierte sich dort. Das Kampfseld bot den Anblick eines Schlachtfeldes. Hinter den Bäumen batten sich die Beamten mit Pistolen in der Hand vostiert. Sogar auf den Bäumen faßen Kriminalbeamte und hielten Ausschau. Um Mitternacht wurde das Gelände von fünf Polizeihunden durchsucht. Ein Automobil hatte seine Scheinwerfer auf das in dem Garten stehende Ge­bäude gerichtet. Die Kriminalbeamten glaubten im Lichte der Scheinwerfer in einer Fensternische die Gestalt des Räubers zu erkennen und gaben im ganzen etwa zwanzig Schüsse ab. Die Bevölkerung des ganzen Viertels war in heller Aufregung. Am Morgen erfolgte auf ein verein­bartes Signal

der genau vorbereitete Generalangriff.

Aber trotz allen Suchens wurde der Raubmörder nicht gefunden. Im ganzen haben die Verbrecher bei ihrer letzten Flucht einen Kriminalbeamten getötet und sechs schwer verletzt. Die Zahl der verletzten, Paffanten steht noch nicht fett.

Geständnis der Magdeburger Mörder.

Magdeburg. Die in der Mordsache Lühmann festgenom­menen Personen haben ein volles Geständnis abgelegt. Täter sind demnach der 25jâhriae Willi Spohr, der 19jährige Rud Haberland und der 36 Jahre alte Wilhelm Hauschmann.

1 Bluttat eines Abgewiesenen.

Merseburg. In Merseburg gab ein Arbeiter aus Ammen- dorf auf der Straße zwei Schuffe auf ein junges Mädchen ab, mit dem er ein Liebesverhältnis unterhalten hatte. DaS Mädchen, das sich auf dem Wege zur Arbeitsstätte befand, wurde sterbend in ein Krankenhaus eingeliefert, wo es feinen Verletzungen erlag. Der Mörder richtete nach der Tat di« Waffe gegen sich selbst. Er war sofort tot. Man vermutet, daß das Mädchen das Verlöbnis hatte lösen wollen.