Zu unserer Frauen Freude.
Von Ernst von W o l z v g e n.
Auf dem stolzen, in jeder Beziehung musterhaften deutschen Dampfer, der uns nach dem Wendekreis des Steinbocks mit seinem paradiesischen Klima trug, auf diesem stolzen Schiffe fuhr viel deutsche Weiblichkeit nach kürzerem oder längerem Studien- oder Erholungsurlaub in die afrikanische Heimat zurück. Es darf gesagt werden, daß die Mehrzahl dieser Frauen keine Gedankenfracht mit sich schleppte, eher Schrankkoffer voll modischen Schnickschnacks. Aber erfreulich gesund, frisch, unverzagt, unverbogen und unverbildei wirkten sie alle. Da waren ältere Damen, die mit ihren Männern hinausgczogen waren in das harte Leben der Pioniere, die diesen Männern geholfen hatten, aus der Wildnis fruchtbringenden Ackerboden zu schaffen, aus dem dürren Saiide blühen- den Wohlstand heraus zu graben, Handelsunternehmungen, die ängstlichen Gemütern Wahnsinn dünkten, zur Blüte zu bringen. Diese Frauen hatten nach dem hart erkämpften Aufstieg den Zusammenbruch miterlitten, die Faust des Feindes im Nacken gespürt, in den englischen Konzentrationslagern geschmachtet; aber nach dem Kriegsende mit ihren Männern unverzagt wieder von vorn angefangen und durften sich nun als Siegerinnen fühlen, wenn auch nicht auf ihren Lorbeern ausruhen. Und die Tochter dieser Frauen, diese blühenden, seefesten Mädels, die so lnstig und gelenkig bei allen Bordspielen mittaten und abends sich als Meisterinnen aller neuesten Steps rm Tanze zeigten — was hatten diese Mädels nicht alles schon erlebt! Was wußten die zu erzählen von ihren Kindertagen! Da war manche, die es im Reiten und Schießen mit dem strammsten Jungen aufnahm.
Und auf den Kanaren herrschte deutsches Badeleben. An der Playa von Puerto Cruz de Tenerife mit ihrem schwarzen Lavasande waren es sogar ausschließlich Deutsche, die jauchzend den gefährlichen Kampf mit der ewig tobenden Brandung aufnahmen. Die Schönheiten unter diesen Nixen, Na- jaden und Tritonen konnte man freilich an den Fingern einer Hand aufzählen; aber ist cs nicht erfreulich, vielleicht erst recht erfreulich, wenn auch die zu kurz oder zu lang oder zu dick Geratenen, ja selbst weißhaarige Großmütter, unbekümmert um das spöttische Lächeln der Zuschauer, den drohend daher wuchtenden Brechern die Brust entgegen warfen und sich grob von ihnen auf den Sand setzen ließen? Sie mußten ihre Keckheit fast ohne Ausnahmen mit blutenden Schrammen bezahlen, und ihre unfreiwilligen Purzelbäume waren manchmal grotesk komisch. Aber zeugt solch Draufgängertum nicht von gesundem Empfinden, von vernünftiger „Emanzipation"? Dazu waren sie ja den weiten Weg gefahren, dafür hatten sie ihr Geld ausgegeben, die Sonne und das Meer wollten sie ausnutzen in ihrer Heilkraft, gesund, stark, fröhlich wollten sie werden, mochte es aussehen, wke es wollte! Und Zuschauer, ironisch grinsende wie moralisch entrüstete, gab es immer in Massen. Spanier aller Alters- und Gesellfchafts- klasien, soweit sie nicht unbedingt Dringenderes au tun hatten.
promenierten und lagen immer an der Plaha herum, dienstfreies Militär und Lausbuben zumal. Für die war cs ein Fest.
Die spanischen Frauen siiid, wenngleich sie die kurz- geschürzte Mode mitmachen, immer noch so gut wie abgeschlossen hinter den maurischen Fenstergittern des Harems. Einen unbefangenen kameradschaftlichen Verkehr der Geschlechter kennt kaum die allcrfrühestc Jugend. Auch bei den Kinderspielen scheiden sich die Geschlechter. Und beim modernen gesellschaftlichen Tanz der vornehmeren Kreise gestaltet es die Dame keinesfalls, daß man sie fest um die Taille nimmt. Als wir einmal eine Autobuspanne im Gebirge hatten, die alle Insassen zu raschem Aussteigen nötigte, rotteten sich instinktiv die sämtlichen Damen auf der einen Seite der Landstraße zusammen, während die Männer auf der andern Seite beieinander standen. Spaziergänge von Liebespaaren am Hellen Tage sind ganz unbekannt. Gestartet ist lediglich das Anschmachten zum hohen Balkon hinauf oder der Äbendplausch mit der zu ebener Erde wohnenden Schönen von der Straße aus durch die Klappe im Fensterladen. Der Liebhaber darf sogar zu seiner Bequemlichkeit einen Stuhl mitbringen und sich damit auf dem schmalen Gehsteig postieren. Alle Vorübergehenden machen dann bereitwilligst und mit ermunterndem Lächeln einen Bogen um ihn herum. Aber so ein Gassenplauscher ist stets ein vom Familienrat schon zugclassener Bewerber. Liebe ohne Ehe gibt cs nicht. Eine Frau anfassen — unmöglich. Die spanische Danie, sei sie Senora oder Senorita, darf nicht einmal, wenn sic auf ihren Ruf etwas hält, am Strande vorbeigehen, wo deutsche und englische Weiblichkeit im Bade- anzug herum tollt. Ich fragte einmal ganz naiv einen spanischen Herrn, warum denn eigentlich seine Landsmänninnen sich vor der köstlichsten und gesündesten körperlichen Betätigung so streng zurückhielten, worauf er mir stolz und fein zur Antwort gab: „Unsere Damen haben keinen Ozean nötig, um sich rein zu waschen." Bravo, gut gegeben! Aber es gehört wahrlich wenig Weisheit dazu, um die scheuen Seitenblicke der gelegentlich doch am Badestrand vorbei huschenden Spanierinnen richtig zu deuten: sie beneiden ohne Zweifel unsere Frauen aufs heftigste um ihre Freiheit. Die wenigsten von diesen eingeschlossencn, streng bewachten, nur für die Ehe oder den Verbrauch in häuslichen Pflichten aufgezogenen spanischen Weiberlein haben wohl einen Begriff davon, w t e teuer die deutsche Frau der Gegenwart ihre schöne Freiheit meistens bezahlen muß. Bei der anspruchslosen Lebenshaltung und der fast überall für die Männer noch vorhandenen Möglichkeit, in der Heimat oder in der weiten Fremde der spanisch sprechenden Länder zu Stellung und leidlichem Einkommen au kommen, sind die Seiratsaussickten für die iunaen Mädchen ganz unverhältnismäßig besser als bet uns. Außer in den alleruntersten Klassen, wo auch die Mädchen als Packerinnen in den Plantagen, als Fabrikarbeiterinnen in der Textil- und Tabakindustrie Beschäftigung suchen (aber immer nach Geschlechtern streng getrennt!), haben es nur ganz wenige Svanierinnen nötig. mit dem Manne in seinen Berufen in
Wettbewerb zu treten. Es gibt wohl Ladnerinnen Tippfräuleins, Kellnerinnen, Beamtinnen. Die f,, die bei uns im freien Verkehr der Geschlechter, bei Spiel nichts Anstößiges mehr findet, bedeutet doch Entschädigung dafür, daß die wirtschaftlichen Verbal?" Frau gezwungen haben, sich auf Gebieten zu betä* ihr wesensfremd sind und eigentlich bleiben sollten ^"' di, heutige Wort „Frauenfrage" erschöpft sich überall ' Sorge um die Unterbringung der überzähligen, der Ehe begehrten Frauen. Für die geheirateten,' Mi gesegneten gibt es keine Frauenfrage. Aber das ein einem doch klar, wenn man in Länder mit aämlirh Sitten kommt und das Wesen der Weiblichkeit mi, t > eii Augen beobachtet: der Kampf ist der Vater alles selbst in der natürlichen Entwicklung der Frau. Som' aufgezwungene Kampf die Frauen nicht körperlick , und ihre seelischen Kräfte übersteigt, bringt er i ^ Gewinn, indem er ihre Intelligenz schärft, EntiM^-11 Pflichtgefühl, selbständige Urteilskraft überhaupt Die den Kampf bestehen, sind die stärkstcit und hie Opfer fallen freilich in Hekatomben. W
Auf dem Schiffe machte sich ein alter Kanarier s Kuba zu Vermögen gekommen war, an mich heran-' Sie, daß wir Spanier Sie um nichts mehr beneiden"' um Ihre Frauen? Es mag ja Zufall sein, aber X f deutschen Frauen, die ich hier wie drüben kennen gelernt / waren Frauen, wie wir sie in Spanien nicht kennen V will unsere Frauen nicht schlecht machen. Es gibt iS. allen Sorten zwischen Engeln und Teufeln, wie' überall S eins ist ihnen allen gemeinsam: sic passen sich nicht den'n» Verhältnissen und ungewohnten Forderungen an. - auf die Welt kommen, so legt man sie auch in den Sara Ä haben auch nie unsere Frau allein für uns; ohne W Schwarm von Tanten, Basen und Gevatterinnen kann» nicht leben. Ich kenne mehrere Spanier, die mit bcuM Frauen sehr glücklich geworden sind; aber keinen DeuG» der mit einer Spanierin ins Himmelreich gekommen
Dieses schmeichelhafte Urteil wollte ich allen guten M schen Frauen als Mitbringsel aus der Fremde zu M i legen, damit sie ihre Freude daran haben sollen!3 "
W Ein Blockbuch aus dem 15. Jahrhundert nnw,^ Benn Ordnen einer dänischen Gutsbibliothck Bibliothekar Dumreicher einen außerordentlich ^und. Es handelt sich dabei um ein niederländisch^"?- buch aus dem 15. Jahrhundert, das kurz bor h Ä der Buchdruckerkunst hergestellt wurde. Bis auf Ä ? baden sich nur etwa 33 derartige Holzschnittwerke Da^scltcne Buch ist vom dänischen Kunstmuseum ZK
Verantwortlich für die Schriftleitung: Dr. Karl Krömmelbein-Fulda.
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Vortragsvereinigung
1. Vortragsabend.
Dienstag, den 25. September, abends 8 (Jhr spricht im Saale des Bürgervereins
Herr Dr. \Villy Mayer
Dozent der Literatur- und Kunstgeschichte in Nürnberg zur Erinnerung an den 400. Todestag Albrecht Dürers über: „Albrecht Dürer, sein Leben und Sein Werk". Mit Lichtbildern.
Kartenvorverkauf in der Nehrkorn’schen Buchhandlung: Einzelkarten 1.50 Mk., Schülerkarten 50 Pfg., Stammkarte für 8 Vorträge 7.50 Mk,, Beikarte 5.50 Mk.
Jägerhaus Bronnzell
Zweigverein Fulda. Sonntag, 23. Sept. 1928 MemMdenlU. Sonntagskarte Bieberstein. Absahrt 8.03 Uhr.
M
Zweigverein Fulda.
Sonntag, 23. Sept.
Wanderung mit Zweiqv. Schlüchtern nach dem Roten Born.
Abfahrt 9 Uhr vorm. mit Postauto ab Postamt.
Lichtspiele—Bahnhofshalle.
Von Freitag bis Montag:
Der große Lustspiel-Schlager
Es zogen drei Burschen
Drei Seelen — Ein Gedanke
6 große Akte mit Ossi Oswalda, Teddy Bill, Hans Brausewetter, Harry Lam- berts-Paulsen, Hans Junkermann, Hans Albers, Fritz Kampers, Olga Engel usw.
Beiprogramm.
Neues Theater.
Ab Samstag:
Der Faschingskönig
Ein moderner Großfilm.
Kriegerverein
Sonntag, den 23. September,
von 5 Uhr ab großes
Tanzvergnügen
Samstag, 22. d. M., abends 8.30 Uhr
Monatsverlanunlyni
wozu wir Freunde und Gönner des Vereins herzlichst einladen.
Kriegerkameradschaft Fulda.
Omnibusnerbindung jederzeit
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Borstandsfitzung: 7.30Uhr.
Zahlreichen Besuch erwartet
der Borstand.
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H. Jürgensen & Co., Hamburg 22.
HmdelsregistereintrWNgtll. ' (B 133) — 12. 9. 1928. — Anton Pelka Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Fulda: .Durch Beschluß der Eesellschasterversammlung 'vom 4. 9. 1928 ist der Sitz der Gesellschaft von
Fulda nach Münster i. W. verlegt. Die Geschäftsräume befinden sich dort Rudolfstraße 9.
(B. 167) — 14. 9. 1928. — Schnellbettgesell- schast m. b. H. in Fulda: Durch Beschluß des < Aufsichtsrats vom 5. September 1928 ist der
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{ Fulda, den 14. September 1928.
Amtsgericht, Abteilung 5.
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Der Forstkassenbeâmte ist im Terminanme- sen und nimmt Zahlungen entgegen.
Das Holz muß bis zum 1. Dezember 1928 abgefahren sein.
Fulda, den 12. September 1928.
Obcrförjterei Fulda-Süd.
Sonntag, den 28. September, abends 8 Uhr im Evangl. Gemeindehaus Versammlung und
Vertrag von Pfarrer Hatteudarff Hierzu werden alle Mitglieder und die ganze evangelische Gemeinde herzlich eingeladen.*^wRI
Evangelischer iasi.i
Zmugsmsteigem
Am 3. Oktober 1928, 10 Uhr, sollen auf] Zimmer 6 die im Erundbuche von Band 53 Bl. 2404, eingetragenen, Nachsicht beschriebenen Grundstücke zwangsweise mW gett werden. Krtbl. 13 Parz. 1057/91 Eni» steuermutterrolle 2158, Gebäudesteuerrollellb Rhönstraße Haus Nr. 2. Bebauter $oW 2,54 ar groß, Geb. St. Nutzungswert » Mark, Krtbl. 13 Parz. 1058/91 Eebiiudchm- rolle 1719 Rhönstraße Haus-Nr. 4, imM Hofraum 2,83 ar groß, Geb. St. N..W. 11-1 Mark. Der Versteigerungsvermerk ist Juni 1928 in das Grundbuch ciugetraM'»! Eigentümer war damals die Ehefrau des manns Theodor Semler, Lina geb. Salzet 1 Fulda eingetragen. (5 K. 20/28.)
Fulda, den 19. September 1928.
Amtsgericht, Abteilung 5.
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SaÜMzar-f* Fulda, Central-Pasag Artikel zur Krankenpf^^