Lul-aer Mnzeiger
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Fulda, Dienstag, 11. September
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5. Jahrgang
Eine Rede Briands in Genf.
Die Antwort auf die Rede des deutschen Reichskanzlers.
wtb. Genf, 10. Sept. Nach dem irischen Finanzminister Mhe, der u. a. für die Ratswahlen die Einführung der VcÄtniswahl vorschlug, erhielt der französische Au'gen- miHer Briand das Wort, der unter lebhaftem Beifall des ^besetzten Hauses die Rednertribüne bestieg. Briand gab zunächst ein
sehr starkes persönliches Bekenntnis zum Völkerbund
oi, der einzigen Zufluchtsstätte gegen den Krieg. Jede Verringerung des Vertrauens in den Völkerbund sei ein Werk, das gegen den Frieden gerichtet sei, und niemals «rdë er sich deshalb dazu hergeben, das Werk des Völker- Mes zu verkleinern. Eine intellektuelle Pilgerfabrt zu- Ä in die Zeiten der Unruhe und Unbeständigkeit, in Am der Völkerbund gegründet wurde, zeige am besten,
«s durch den Völkerbund erreicht wurde, ohne dessen Be Wn sich der französische Außenminister mit den deutsche Werungsvertretrn nicht regelmäßig treffen würde, oh ien cs keinen Locarno-Pakt und keinen Pakt von Par
ien ine
nen Pakt von Paris
«'«11 wurde. Briand wandte sich dann unter deutlichen Achielungen auf das
Rheinlandproblem,
^«sedech nicht nannte, direkt an den beutf^n Rei^s- !chn, um auszuführen, daß die in gewissen Ländern vor- Ijiuitaie Ungeduld durchaus verständlich sei. Hiergegen slickr nicht die Internationale einer Partei, sondern die ^rationale der Nationen und Völker an der Arbeit, Md mm sich Schwierigkeiten und Hindernisse einstellen, Io fei. Ms Wesentliche, daß man das gemeinsame Ziel vor Nigeil hade. Wenn Man auf dem richtigen Wege sei, und dki Wkerbund sei auf diesem Wege, so komme man zum M
Eine Gesellschaft von 50 Personen sei naturgemäß gelungen, langsam und vorsichtig vorwärts zu gehen, um einen tödlichen Sturz zu vermeiden. Wenn man ihm den Vorwurf gemacht habe daß er rascher mit den Worten als mit den Taten sei, und wenn auch der Reichskanzler eine Ä Wendung in seiner Rede gebraucht habe, so glaube er diesen Vorwurf nicht verdient zu haben.
Locarno-Pakt und Kellogg-Pakt seien keine Worte, sondern Taten.
^i ungeduldigen öffentlichen Meinung müsse man zu vechehen geben, daß die Erfüllung ihrer Wünsche auf dem âge des Fortschreitens ist. Es sei nicht richtig, daß die Wingen gegenüber früher erhöht wurden. Mit einer deutlichen Anspiegelung auf Rußland sagte Briand, nur "n Land in Europa weise einen gewaltigen Zuwachs an slustnngs- und Menschenmaterial auf. ®W der Rei^s- * sage, daß Deutschland die Abrüstung vollzogen habe M irage, warum unter diesen Umständen die Anderen «d iMnentlich Frankreich nicht auch abrüften, so müsse er MW der fetzige Zustand erst seit zwei Jahren be- ?borher die Dinge wesentlich anders gelegen haben.
^er die Abrüstungsarbeiten gehemmt waren, so r'V Malb, weil gewisse Staaten nicht die Eile --''t „‘3 ^ie für die Erfüllung ihrer Verpflichtungen not- gewesen wäre.
Es gibt kein Volk, das völlig abgerüstet ist.
luch von Deutschland, mit einer so vorzüglichen Eadre als iM' ^si einer so prächtigen Menschenreserve, mit einer HW üons- und Organisationsfähigkeit, kann man
^ 65 vollkommen abgerüstet sei. Ein so Nöoi^f^ ^anb mit einer solchen Industrie, mit solchen Ain ^^ denr erfinderischen Geist einer Rasse, die ^^i^^durch sein konstruktives Genie bereits heute wie- Web ^L^â^marine zu haben, die zu den ersten der Willis, ^^^ schnell wieder ihren Erfindergeist für Mjlle umstellen. Was notwendig ist, ist der Dienst *3 'öre Fähigkeiten und ihre Gaben in den Mtc Man "^dens zu stellen. Der Friedenswille ist eine sie nickt .entsprechend gepflegt werden muß, damit '"Gent 3l ‘ ®*e Internationale der Völker besteht heute Man mit einer'1 ^uge, wo sie untergehen würde, müßte
^chnen grauenhaften Umwälzung
würd"' bMe heutige Kultur unter sich begraben chung her SL?en-r toeis des guten Willens zur Au^^lei- ^ttenfm^r :^en ^ührt Briand das englisch-französiühe siA-punlt? ^'^^. das nur eine Angleichung der Ge- W die die Möglichkeit für die Arbeiten haben, ersinnt schaffen soll. Wir ^h ist MM Eiland, kein Glück damit gehabt; denn so- ntn9cben ^^'ütrauen und Verdächtigungen
k*? AbrüsMn^"' 3'^ der Reichskanzler, so wolle jeder Wo eine ^urne des Artikels 8 des Paktes. Es ^diesem Arties ^W für jeden, der sie nicht wolle. Was „ ^ die ßänhnr ^schrieben sei, müsse durchgeführt werden, ’Un9 mit ibro/^'^ W ihre Abrüstung in Uebereinstim- Vereitg ^^rheit realisieren.
^^ljbennbas^' e*n großer Teil der Befürchtungen be-
Rüstungswettreivnen sei endlich eingestellt worden.
Die Völkerbundsversammlung dürfe es sich als Ehre anrechnen, daß der Abrllstungsgedanke immer mehr Gestalt gewinnt. Briand erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die Arbeit des Reichsaußenministers Dr. Stresemann, dessen Fernsein er unter dem Beifall der Versammlung bedauerte.
Schließlich ging Briand dann auf das
Minderheitenproblem
ein, um zu erklären, daß Ler Völkerbund diese heikle Frage bestimmt nicht in den Hintergrund treten lassen werde. Vor dem Kriege konnte man 100 Millionen Minderheiten zählen, um deren Stimme sich aber niemand gekümmert hat, weil es keinen Völkerbund gab. Heute aber zähle man nur 20 Millionen, und der Völkerbund beschäftigt ^ gewissenhaft mit ihnen. Auf keinen Fall dürfe dieses heikle Problem zu Erschütterungen der Regierungen führen und die Arbeiten des Völkerbundes bedrohen. Es dürfe sich auch nicht zu einem neuen Faktor der Unsicherheit auswachsen; denn
der Friede müsse alles beherrschen,
und wenn sich einzelne berechtigte Forderungen ergeben sollten, so würde er ihnen dennoch Schweigen gebieten, sobald sie den Frieden zu erschüttern geeignet wären. Die Abrüstung, so schloß Briand, muß geregelt werden, und was im gegenwärtigen Augenblick zu regeln ist, kann und muß geschehen. Heute haben die Völker die Rüstungskosten bereits nicht mehr zu fürchten; aber die Atmosphäre der Sicherheit und des Friedens darf, wenn auf diesem Wege weitere Fortschrite gemacht werden sollen, nicht durch irgendwelche unbedachten propagandistischen Aktionen ge* stört werden.
Die Rede BrioiEDand sehr lebhaften BeifE: Zahlreiche Delegierte beglückwünschten Len französischen Außenminister. Bei der deutschen Delegation regte sich nach dieser Rede verständlicherweise keine Hand. Auch bei verschiedenen anderen Delegationen, besonders bei denen der nordischen Länder, war
kein Zeichen eines Beifalls zu entdecken.
Die nächste Sitzung findet heute nachmittag statt.
Die Berliner Presse zur Vriand-Rede.
Berlin, 10. September. In den bisher vorliegenden Kommentaren der Berliner Blätter erfahren die Ausführungen des französischen Außenministers Briand vor der Genfer Volkerbundsversammlung schärfste Zurückweisung.
Die „D. A. 3." überschreibt die Rede mit den Worten:
„Briand führt einen schweren Schlag gegen die Verständigungspolitik!"
Das Blatt faßt den Gesamteindruck der Rede Briands dahin zusammen, daß er eine böse, rechthaberische, ungerechte Rede gehalten habe, die selbst den Schlußstrich unter die vergangenen Jahre ziehe. Sie werde auf lange Zeit hinaus die Basis für politische Erwägungen und Entschlüsse sein.
In der „Germania" wird ausgeführt: „Unsere Vermutung bestätigt sich, daß sich in den letzten Wochen viel in der Konstellation Europas geändert hat. Wir müssen Briand dankbar sein, daß er seine Meinung nicht hinter seinen bekannten vieldeutigen Paraphrasen versteckt hat, sondern
ganz unverhohlen seine wirkliche Meinung sagte.
Das wird vielen Gläubigen eine schwere Enttäuschung, für die internationale Atmosphäre aber eine wohltuende Klärung ^^Der „B ö r s e n- Co u r i e r" schreibt: „Der Eindruck der Rede Briands ist allgemein der, daß sie einen
Rückschlag
gebracht hat und das Symbol für die veränderte Lage ist, die durch die Annäherung zwischen England und Frankreich gekennzeichnet wird." , .. ... ,
Die „V0ss. Ztg." sagt: Man hatte gewünscht, die heutige Rede Briands zu einem großen Teile lieber nicht gehört zu haben. Sie wird dem Ansehen, dessen sich der französische Außenminister bisher bei allen Völkern gleichmäßig erfreut, wenig hinzufügen, aber
ihm viele Sympathien entziehen.
Das ist aus mehr als einem Grunde tief bedauerlich."
Was die Pariser Blätter sagen.
wtb. Paris, 11. September. Die Betrachtungen, die die Rede Briands ausgclöft hat, sind fast sämtlich auf einen Ton gestimmt, was ohne Zweifel auf ein gestern von Genf aus gegebenes Stichwort zurückzuführen ist.
„Matin" sagt: Briand wollte beweisen, daß es keine zwei Wege, sondern nur einen einzigen gebe, den einer progressiven Verstärkung des Friedens durch die Annäherung des deutschen und des französischen Volkes. Der Genfer Bericht-
Der Genfer Berichterstatter des „Petit Parifien" sagte: Die Rede Briands wird dadurch, daß sie heilsame Auseinandersetzungen nachsichziehen wird, sehr wohl das Ergebnis haben, den Verhandlungen, die bei Thoiry auf dem toten Punkt angelangt sind, einen neuen Antrieb zu geben.
„Petit Journal" schreibt: Briand ist bereit, bis zur letzten und" furchtbaren Konsequenz der deutsch-französischen Annäherung zu gehen, für die er selbst und Stresemann ihre Namen
eingesetzt haben. Briands Rede ist eine nützliche Handlung für den großen Frieden von Europa.
„Quottdien" sagt: Wir zweifeln nicht, daß die Deutschen bei einigem Nachdenken besser verstehen werden, daß Frankreich gar keine andere Sprache führen konnte. Es verlangt nichts anderes als den Frieden in der Sicherheit.
Im „Avenir" heißt es: Wenn der deutsche Pazifismus so aufrichtig ist, wie Reichskanzler Müller es gesagt hat, dann wird die Ansicht Briands nur ermutigen können.
„Figaro" sagt: Die Politik der Entspannung war zu überhastet, zu unklug. Es ist ein Irrtum, sich mit Deutschland versöhnen zu wollen, ehe Deutschland sich mit der Wahrheit ausgesöhnt hat.
Das einzige Blatt, das Briands Vorgehen nicht billigt, ist der sozialistische „Populaire" er erklärt: Die Rede ist für die Völker ein Ruf nach Vorsicht, eine Kundgebung des Mißtrauens gegenüber der Entwaffnung Deutschlands, einen Vorbehalt über die Entwaffnung, ein Lob auf das französisch-englische Flottenkompromiß, ein Kompliment für die bürokratische und politische Langsamkeit der Entwaffnung.
Englische Vlätterstimmen.
wtb. London, 11. September. Briand's gestrige Rede vor der Völkerbundsversammlung erregt das Hauptinteresse der gesamten Presse. Die Auswirkung der Rede tritt in den Ueber» schriften zu Tage, unter denen politisch so entgegengesetzte Zeitungen wie „Morning Poft" und „Daily Herald" die Rede veröffentlichen. Während die hochkonservative „Morning Post" in Fettdruck verkündet „Deutschland noch nicht entwaffnet", führt das Arbeiterblatt „Daily Herald" am Kopfende • die Ueberschrift „Die Abrüstungskonferenz in Gefahr". Der Tadel wird auf Rußland, Deutschland und Amerika geworfen. Alle Blätter beschreiben die Bestürzung, die die Rede Briands in ^Wij&Iftöè- Äi^^ schwerer Schlag für die Politik der französisch-deutschen Verständigung angesehen werde. „Daily Telegraph" bezeichnet Briands „erstaunliche" Rede als einen Schlag für Deutschland. Der Genfer Berichterstatter des „Daily Telegraph" hebt hervor, daß Briand die Frage der Rheinlandräumung einfach vollkommen ignoriert habe. — „Pertinax" meldet dem „Daily Telegraph" aus Genf, Briands Rede habe den tiefsten Eindruck auf die ganze Versammlung gemacht. Sie werde ausgelegt als ein Schachzug Briands, um feine Stellung am Vorabend der Besprechungen über das Rheinlandproblem zu stärken. Die deutsche Delegation habe Bestürzung geäußert und „alle Arten von inoffiziellen Vermittlern, die im allgemeinen zwischen der französischen und der deutschen Delegation an der Arbeit sind, sagten Briand, daß er zu weit gegangen sei und einen Schlag gegen die Autorität und Macht der demokratischen Parteien in Deutschland geführt habe." Briand, der durch einen Absatz der Kanzlerrede, von dem er angenommen habe, daß darin gegen ihn die Anschuldigung der Unaufrichtigkeit erhoben werde, sowie durch die Kommentare einiger deutscher Blätter in derselben Richtung, verärgert gewesen sei, habe augenscheinlich mit einem Gefühl der Erregung gesprochen. „Pertinax" hebt hervor, daß Briand in der darauf folgenden Pressebesprechung mildere Wendungen gebraucht habe und bemerkt weiter die britische Regierung sei sicher der Rhein- landräumung günstig, werde sich jedoch wahrscheinlich so wenig wie möglich einmischen und den Franzosen die Initiative in der Frage überlasten. s
wtb. London, 11. September. Der Genfer Berichterstatter des „Daily Herald" schreibt: Die Rede Briands wird als Todesstoß für die Besprechungen über die Rheinlandräumung angesehen und muß die stärksten Rückwirkungen auf die französisch-deutschen Beziehungen haben. Der Korrespondent erblickt in den Darlegungen Briands über die Abrüstungsfrage einen „erstaunlichen dreiseitigen Angriff gegen Rußland, Deutschland und Amerika" und bemerkt, nach Briands Rede erwarte die Versammlung mit einiger Unruhe die heutige Rede Lord Cushenduns.
Der Genfer Sonderkorrespondent der „Daily News and Westminster Gazette" versteht nicht, weshalb Briand so gesprochen hat, da die Darlegungen des deutschen Reichskanzlers nichts enthielten, was eine so starke Erwiderung notwendig machte. Die Annahme eines Tones Reichskanzler Müller gegenüber, der niemals gegenüber Stresemann gebraucht worden ist, sei aus persönlichen Gründen bedauerlich. Es sei bemerkenswert gewesen, daß der Beifall am Schluß der Rede Briands merklich weniger allgemein war als die Ovation zu Beginn. Der Berichterstatter führt weiter aus, es fei nicht klar, was Briand von Deutschland wolle. Es sei nicht ohne Bedeutung, daß die deutsche Delegation versuche, die Erregung wegen der Rede Briands zu dämpfen. Sie nehme die Rede übel, lehne es jedoch ab, sie in irgendeiner Weise als „Zwischenfall" zu betrachten und habe nicht die Absicht, eine Antwort zu geben.
„Daily News and Westminster Gazette" fragt in einem Leitartikel Briand, was er aus Locarno gemacht habe und schreibt: Dieser Vertrag ist unterzeichnet worden mit der stillschweigenden Uebereinkunft, daß Deutschlands großer Verzicht auf seine Ansprüche auf die Erenzprovinzen eine Anerkennung in der raschen Rheinlandräumung finden würde. Aber Frankreich hat es abgelehnt, diese Uebereinkunft einzuhalten und will das Projekt nur erörtern als Frage eines finanziellen Handels, Deutschland ist so vollständig entwaffnet, wie es überhaupt für eine Nation, die am Kriege teilgenommen hat, nur möglich ist. Und trotzdem weist Briand auf das deutsche Heer von 100 000 Mann und sein ausgebildetes Reservoir. „Daily News" bemerkt, wenn derartige Maßstäbe angewendet werden sollen, so sei es unmöglich zu sehen, wie irgendein Fortschritt in der Abrüstung erzielt werden solle.