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Kulöaer Anzeiger

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5^181 1928

Fulda, Freitap, 3. Aupust

5. Zahrpana

Frankreichs Kulturminister in Kuiu

durch, daß die französisch im Ruhrgebiet stehen ole

tt Truppen nod 'cn durften, w

langer ric, CT

an das deuSsche Geistesleben.

^Auftrage derfranzösischen Regierung.

xcr in Köln zum Besuch derPressa" eingetroffene WiW Kultusminister Herriot mit seiner Begleitung $urM von den städtischen Behörden und von der Leitung N,Pressa" feierlich empfangen. In dem veröffentlichten M Herriots an die Stadt Köln und an das deutsche sieben heißt es u. a.:

,Tic französische Regierung hat mich beauftragt, mich uliitir Vertreter zur Internationalen Presseausstellung mjWn zu begeben. Aber ich bin auch vom Wunsche be­ selbst die ansehnliche Leistung, die die Stadt Köln Macht hat, zu würdigen. Sie wissen, daß ich ein über- Mier Anhänger des Friedens und des guten Einvcr-

gegenstände schleunigst kostenfrei in das Haus am Großen Hirschgraben in Frankfurt zurückgeschickt wurden. Denn­er hat wirklich etwas übrig für deutsches Geistesleben und deutsche Kultur. In Wien sprach er beim dortigen Beethoven-Fest kluge, überzeugend wie überzeugt wirkende Worte über deutsche Musik. Und man darf seinem jetzigen Gruß an das deutsche Geistesleben glauben, in dem es heißt, er werde als Minister des öffentlichen Unterrichts alles daransetzen, um Deutschland und Frank­reich auf kulturellem Gebiet einander näherzubringen; zwei Länder, die so viel für Wissenschaft, Literatur und Kunst geleistet hätten, müßten zusammenarbeiten, um nicht nur an dem Aufbau einer neuen Politik, sondern auch einer neuen Ethik mit Hand anzulegen. Alles, was die geistige Machtstellung Deutschlands bestätige, werde ihm Freude bereiten.

. . . Gerade, weil ich an meinem Vaterlande mit allen Fasern hänge" sagt Herriot, ein leider nur für einen Teil der Menschen selbstverständliches Wort! Herriot war es, der als Ministerpräsident auf der Dawes- Konferenz in London und durch sie den Gewinn des Ruhreinbruchs einstreichen konnte, nachdem die Neu­wahlen 1924 Poincard eine Niederlage bereitet, den Führer des Linksblocks, Herriot, auf den Stuhl des Ministervrästdenten aeboben batten. Aber er setzte cs

wäre ein politisch toter Mann, wenn er ohne dieses deutsche Zugeständnis von London nach Paris zurück­kehren müßte. Er hielt es aber für notwendig im Inter­esse Frankreichs.

. . . Gerade weil ich an meinem Vaterlande mit allen Fasern hänge" mit dieser Einschränkung darf man ihm auch glauben, daß er ein überzeugter Anhänger des Friedens und des guten Einvernehmens zwischen den beiden Nationen sei, wie es Herriot jetzt in seiner Kölner Botschaft" sagt. Er hat offenere Augen als die meisten anderen Franzosen, die von Deutschland und deutsch ein Wesen nicht die geringste Ahnung haben. Und die glauben, daß es so etwas wie Kultur überhaupt kaum jenseits der französischen Grenzen gibt, am allerwenigsten

jenseits der Ostgrenze.

ganz besondere Note noch hat dieser Minister-- besuch in Köln. Wenige Tage erst ist es her, daß wegen

Eine

des französischen Auslieferungsbegehrens die Wogen der Erregung in Deutschland hoch gingen und in­folgedessen sehr viel Ol amtlicher Beruhigung notwendig war, um sie zu glätten. Herriot ist auf Grund eines Kabinettsrates nach Köln gereift; vielleicht darf man daher seine Reise als einen Ausdruck dafür auffassen, daß die Pariser Regierung hinter jene Affäre einen Schluß­punkt gesetzt hat. Erfreulich wäre es. Dann würde Deutschland den französischen Sendboten herzlich will­kommen heißen.

Dritte Mene Medaille für Jeatsi-laad

Zrau Radke gewinnt den SOV-Meter-Lauf

Bei der Donnerstagentscheidung im 800-Meter-Laufen der Frauen siegte die deutsche Teilnehmerin Frau Lina Radke (Breslau) in neuer Weltrekordzeit von 2:16,8 vor der Japanerin Hitomi und der Schwedin Grentzel. Deutschland hat damit auf den Olympischen Spielen Amsterdam seinen dritten Sieg feiern können.

in

2« in Deutschland weilende französisch« Kultusminister Herriot.

lmens zwischen unseren beiden Nationen bin, von denen- » über ihre besondere Geistesart und über alte zivilisa- ische Überlieferungen verfügt. Als Minister des öffent- y?n Unterrichts werde ich alles, was an mir liegt, daran- ^n, um Deutschland und Frankreich auf kulturellem toet einander näherzubringen. Zwei Länder wie die nserigen, die so viel für die Wissenschaft, für die Literatur wb für die Kunst geleistet haben, müssen bei der Morgen­de dieser neuen Zeiten miteinander arbeiten, um w dem Aufbau nicht nur einer neuen Politik, sondern

einer neuen Ethik mit Hand anzulegen, die der wieder- infb^nten Menschheit unaufhörlich höhere Ziele steckt. Made deshalb, weil ich an meinem Vaterland mit allen «tont hänge, werde ich mich über alles freuen, was die Ntoe Machtstellung Deutschlands bestätigt."

Minister Herriot besichtigte Donnerstag früh eine «jhe von kommunalen Einrichtungen, eine Volksschule, M Krankenhaus, Parks und Museen. Mittags gab er

Frühstück, dem sich ein Presseempfang und eine Be- Mung derPressa" anschloß. Abends fand feierlicher Mpfang durch die Stadt Köln und Bankett im ehr- Erdigen Gürzenich statt.

Herriot.

Ein französischer Minister in hochoffizieller' Zenschaft auf deutschem Boden, umgeben von seinem -Aalssekretär und zahlreichen anderen politischen und «nalistischen Persönlichkeiten des offiziösen oder bei- W offiziösen Frankreichs. Man besucht diePressa", aber auch sonst ein wenig von Deutschland kennen­den. Feierliche Begrüßung durch den Kölner Ober- ^ermeister, feierliches Essen und feierliches Reden. Ochste Liebenswürdigkeit auf beiden Seiten, denn der ist ja einer der einflußreichsten Männer Frankreichs, ,Mi bloß, weil er Kultusminister ist: Herriot, der einmal Ministerpräsident war, es auch einmal ""eder werden kann.

«Herriot war ursprünglich Sozialist wie auch fein ege Briand und andere Mitglieder des Kabinetts.

sind es alle nicht mehr. Den Sozialisten aber rMte einst das ziemlichrote" Lyon zum Bürgermeister.

cr sozusagen die erste Berührung mit der . Uchen Kultur gehabt, als nämlich Lyon 1914 eine Aus- ng veranstaltete, zu der das Frankfurter Hochstift, das Goethe-Haus in Obhut hat, eine Anzahl Stücke biu diesem Goethe-Museum sandte. Sie haben ein lange dazll gebraucht, um wieder nach Frankfurt ^"Mgelangcn. Bei Kriegsausbruch wanderten sie tl® verpackt in den Lagerschuppen und als nun Kriegsgeschrei einschließlich des Ruhrcinbruchs »ü^ vorbei waren, wir Deutsche infolgedessen die endliche bSbc der Goethe-Reliquien verlangten, da b^.^^erte man uns eine große Rechnung über die Auf- den -dMngssosten. Etwas ungewöhnlich, aber typisch für ^onzosischenSparsamkeits"trieb.

hat als Kultusminister und gleichzeitig als biet* Bürgermeister dann schnell dafür gesorgt, daß Skandal ein Ende gemacht und die Aussiellunas-

Deutschland an dritter Stelle.

/ Die Entscheidungen in Amsterdam.

Es scheint fast, als ob Deutschland in den bevor­zugtesten Laufwettbewerben in Amsterdam die dritte Stelle belegt hat. Genau so wie bei dem Laufen über 100 Meter wurde bei der Entscheidung über die 200 Meter ein Deutscher, K ö r n.i g, der Dritte. In diese Endent­scheidung war außerdem noch der Deutsche Schüller hineingekommen, doch vermochte er das erbitterte Rinaen nicht mitzumachen, sondern gab 20 Meter vor dem Ziel den Kampf auf. Sieger blieb wie bei den 100 Metern auch jetzt wieder der Kanadier Williams, der nun wobl als der schnellste Sprinter der Welt zu bezeichnen ist. Allerdings erkämpfte er den Sieg nur mit einem ganz geringen Vorsprung, in der nicht übermäßig guten Zeit von 21,8: ihm folgte einen halben Meter zurück der Eng­länder Rangeley und dahinter im toten Rennen Körnig und der Amerikaner Scholz.

Wieder brachte Dr. P e l tz e r in den 15ON-Meter-Vor- läufen eine Enttäuschung. Er blieb wie oewöbnlich zuerst am Schluß des Feldes, ging dann zur Mitte, konnte aber nur Vierter werden. In den anderen Vorläufen war der deutsche Erfolg größer. Die Deutschen Wichmann, Dächer und K r a use konnten sich durch ausgezeichnetes Laufen in die Entscheidung hineinarbeiten, baben nach den bisherigen Erfahrungen aber auch hier keine über­mäßigen Aussichten. Ein geringer Trost ist es dabei, deß die Amerikaner bisher im Laufen völlig versagten und so gut wie gar keine Erfolge erringen konnten. Dafür wurde ihr unumstrittener Erfolg dèr Sieg im Stabhoch­sprung; dort belegten sie die ersten drei Mätze und außer­dem den fünften Platz: der Deutsche Müller blieb hinter den amerikanischen Leiktunaen beträchtlich zurück.

Hoffmeister ebenso wie Hähnchen und Paulus er­reichten gar nicht oder nur knapv die 40 Meter, Während der Amerikaner Houser die Scheibe über 47 Meter schleu­derte. Das 300-Meter-Hindernislausen war natürlich eine gegebene Sache für die Finnen Nurmi. Ritola und Loukola, die von den anderen Konkurrenten kaum jemand veranließen. Im Florettfechten konnten sich bei den Ein­zelkämpfen die beiden Deutschen C a s m i r und Ga­ze r r a bis zur Schlußrunde durchkämpfen. Auch im Damenfechten qualifizierten sich Fräulein Mayer und Fräulein Sondheim für die Endentscheidung: aber im modernen Fünfkampf verschob sich das Bild insofern, als der im Pistolenschießen siegreiche Oberleutnant Har beim 300 - Meter - Freistilschwimmen erst Fünfzehnter werden konnte, während Oberleutnant Hölter Achter und Kabl Neunter wurden. Im Freistilringen um die dritten Preise war Deutschland nicht beteiligt.

bisher Deutschland größere Erfolge erzielt hat als selbst England, das Mutterland des Sports.

Oie Kämpfe am Oonnersiaq.

Einen Finnen, L 0 rva , brachte die Entscheidung im 1500-Meter-Wettlauf als Ersten durchs Ziel. Er übertraf mit der Zeit von 3,53 noch den Nurmi-Rekord vèn dieser bei den letzten Olympischen Spielen aufgestellt hatte. Ein Finne war auch der Dritte hinter dem Franzosen Ladou- megue, während Wichmann (Deutschland) erst Vierter wurde.

Inzwischen haben die rudersportlichen Wett­kämpfe auf dem Kanal von Sloten begonnen. Die Regatta­strecke ist wie üblich 2000 Meter lang und schnurgerade; da der Kanal aber nur 33 Meter breit ist. werden überaus zahlreiche Ausscheidungsläuse notwendig sein. Dazu treten noch Hoffnungs- und Befähigungsläufe, um einmal Geschlagenen von neuem Gelegenheit zu geben, weiter nach vorn zu kommen. Die Skuller begannen, und zwar im Einerkampf. Schon hier waren acht Vorläufe notwendig, wobei der Deutsche Flinsch unterlag: er hat aber die Möglichkeit, im Befähigungslauf sich wieder nach vorn zu arbeiten. Im Zweier ohne Steuermann ruderte« Mülle rM ö f ch t e r, die deutschen Vertreter, im ersten Vorlauf als Sieger eine gute Zeit heraus mit 8 14; später jedoch brauchte ein englischer Doppelskuller nur 7.56.

Schließlich begannen die 400-Meter-Meisterschafts- läufe mit den Vorentscheidungen: alle vier gestarteten Deutschen, Neumann, Schmidt, Büchner und Storz, gewannen ihre Läufe überlegen. Für die Endent­scheidung im Speerwerfen konnte sich der Breslauer Stoschek qualifizieren.

Deutschland mit 8 Preisen an erster Stelle im Inter­nationalen Olympischen Kunstwettbewerb.

wtb. Amsterdam, 3. Aug. Bei dem anläßlich der Olym­pischen Spiele veranstalteten Internationalen Olympischen Kunstwettbewerb erhielten die deutschen Teilnehmer einen 1. Preis, 2 zweite Preise und 5 dritte Preise Deutschla_d steht in der Zahl der von ihm errungenen Preitt ° von allen teilnehmenden 17 Nationen weitaus an 1. Stelle.

Ozean- und Weltflug mißglückt.

Courtney notgclandet, Franco kehrt um« Der englische Flieger C 0 u r t n c y , der am 28. Juli, von Lissabon kommend, bei Horta auf den Azoren ge­landet war, ist Mittwoch bei günstigem Wetter nach Neu­fundland gestartet. Er war jedoch gezwungen, etwa 500 englische Meilen von Cape Race entfernt auf See nieber« zugehen. Auf dem Meere niedergehen mußte auch ba*, WasserflugzeugNumancia", das mit dem Maj» Fr a n c 0 von Cadi; zu einem Weltslug aufgestiegen war und zunächst nach den Azoren fliegen wollte. Franco» der nur bis Huelva gekommen ist, kann den Flug nicht fortfehen und lehrt um.

Start der polnischen Ozeanflieger.

wtb. Le Bourget, 3. Aug. Die polnischen Flieger Dzikowski und Kubala sind heute früh 5.48 Uhr zu ihrem Ozeanflug nach Newyork gestartet.

Bisherige

Amerika Finnland Deutschland Schweden England Kanada Frankreich

Erfolge der einzelnen Länder.

1. Preise

5

3

3

2

2

1

2. Preise 3. Preise Punkte

6

2

2 2

1

2

7

a

2

1

34

13

11

10

9

9

Dahinter folgen die übrigen teilnehmenden Staaten. Es ist âls ein erfreuliches Resultat zu bezeichnen, daß

Eine Flaschenpost Hinchcliffes.

Nach einer Meldung aus London wurde bei Flinr, einem Hafen an der Küste von Nordwales, eine Flaschen­post der im März d. I. bei einem Überseeflug ums Leben gekommenen Flieger Kapitän Hinchcliffe und Elsie Mackar aufgefischt. Die Mitteilung lautet:Lebt wohl. Elsi^ Mackay und Kapitän Hinchcliffe, niedergegangen in Nebeck und Sturm." Die Mitteilung ist zunächst mit aller Vor­sicht behandelt worden, doch glaubt man, daß es sich tat- sächlich um den letzten Grüß Hinchcliffes und Elsie Mackays handelt«