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Fulda, Montag, 30. Juli

5. Jahrgang

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Kleine Zeitung für eilige Leser

Zutsche Botschafter in Paris hatte eine Unterredung ' Pcrtreter des französischen Außenministers über die 'iuerunqsangelegenheit. Es soll Hoffnung bestehen, die "Äcnhelt in gütlichem Sinne beizulegen.

beI englischen Textilindustrie wird die Aussperrung L 000 Arbeitern zu Anfang August angekündigt.

Amsterdam wurden in feierlicher Weise die Olympischen : 2i eröffnet.

r M bereinigten Staaten haben mit China einen Vertrag ^[oflcn, in dem China volle Zollselbständigkeit zugesichert

Der gute Wille.

Zis deutsch-französischen Beziehungen d wie eine Frau, entsprechend dem Wort, daß diejenige Alt die beste ist, von der man am wenigsten redet. Man t aber sehr viel von diesen Beziehungen, redet auf Seiten, und infolgedessen sind die Beziehungen erfreulichen. Man redet jetzt leider noch viel mehr ssonst, weil das Auslieferungsbegehren nkreichs sozusagen einen Stein in das Verhältnis- 'm« beruhigte Wasser geworfen hat. Abseits von jeder «mäßigen Einstellung zu dieser Sache muß man es be­im, daß schon wieder der deutsche Parteigeist sich dieser Menheit angenommen hat. Es ist ja nur allzu jeder Deutsche würde am liebsten seine eigene jzrilnden, und wenn drei Deutsche zusammen sind, taten sie, dem Witzwort zufolge, vier Meinungen, MmW, die alle miteinander bis zum äußersten ver- Midmsâ Gibt man sich die Mühe, etwas objektiv zu In, so wird man feststellen müssen, daß das Nieder- rM*ba§ Aufwühlende bei diesem französischen Aus­kehren vor allem in dem Umstand liegt, daß hier Dtuts ch e ausgeliesert werden sollen, die sich so- âpolitischer Vergehen schuldig gemacht haben oder Ätz Mnacht haben sollen. Seit undenklicher Zeit ist es Mgeschriebener Satz des Völkerrechts, wurde es später MM einer ausdrücklichen Bestimmung zwischenstaat- r Beiträge, daß eine Auslieferung von Leuten, die lüische Vergehen oder Verbrechen begangen hatten, nicht rfolgen sollte. Außerdem findet in gleich gelagerten en die Gerichtsverhandlung gegen den Schuldigen r angeblich Schuldigen auch erst dann statt, wenn er geliefert ist.

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Ten Bestimmungen des Rheinlandabkommens zu- e wäre Deutschland an und für sich verpflichtet ge­rn, jeden Deutschen auszuliefern, der verdächtig ist, an Tat teilgenommen zu haben, die von der französischen atzungsbehörde zum Gegenstand gerichtlicher Unter- iig gemacht worden ist. Derartige Auslieferungs- Hren sind wiederholt gestellt worden und ihnen wurde Wgegeben, weil es sich immer dabei um Vergehen oder rechen handelte, durch die die Besatzungsbehörde t ihre Truppen direkt berührt wurden. Jetzt liegen Dinge aber anders, jetzt handelt es sich um einen hin­auf eine Fahne, der natürlich lediglich politischen Wund hat, und überdies hat das französische Gericht n in letzter Instanz gesprochen, ist eine Wiederauf- «e des Verfahrens infolgedessen nicht möglich. Die Hen auszuliefern heißt also nicht anderes, als sie öslschcn Zuchthausbeamten auszuhändigen.

Die deutsch-französischen Beziehungen sind so mimo- Wter Natur, daß sie derartige Zugriffe nicht vertragen, "icht auf das schwerste dadurch in Erregung versetzt ^dm. Es nutzt nichts, daß man von Paris aus dar- bttweist, es seien ja auch früher schon Deutsche den ^lWn Gerichten ausgeliefert worden. Die Dinge ^, wie angedeutet, diesmal eben auch juristisch anders, rdem erhebt sich im Hintergrund der ganzen Affäre gerade das, was als schwerstes Hindernis besserer ch-französischer Beziehungen vorhanden ist und als empfunden wird: d ie Besetzungsfrage. dudelt sich sozusagen gar nicht um die vier Deutschen, eusgeliefert werden sollen, sondern das deutsche Ge- i reagiert in diesem Zusammenhang lediglich auf die "He, daß auf deutschem Boden fremde borden regieren und Deutsche diesem Regimen: Dorfen sind und dies alles zehn Jahre, nachdem der ^ 3» Ende ist. Infolgedessen wächst sich dieses Pro- der Auslieferung von vier Deutschen in einem weit Jittern Maßstab aus, nämlich in die Streitfrage hinein, sich mit diesen deutsch-französischen Beziehungen, durch Locarno und den Eintritt Deutschlands M Völkerbund angeblich auf ein neues Gleis ge- "m gud, nun eigentlich verträgt, daß die Verträge von durch Bajonette auf deutschem Boden garantiert den. Man denkt dabei unwillkürlich an die letzten uommuisse im E l s a ß. Der Prozeß von Kolmar war

Verstoß gegen eine nun einmal vorhandene '^.mmmlg, die auch durch die B e g N a d i g u N g der !^"dnteu kaum in das erwünschte Fahrwasser geleitet ^etzt versteift man sich in Paris darauf, daß zwar ^ilnadigung für die Gefängnisstrafe ausgesprochen verurteilten aber, die als Deputierte in die Fran- Kammer hineingewählt worden sind, infolge Ab- bi a ^^ Ehrenrechte ihres Mandates ver - . 8 gehen sollen. So etwas zu tun ist unpolitisch geschickte Regierung tut so etwas nicht, wenn sie mit ^'^^ ins die Spitze treiben will. Ebenso liegt lqepou " Vesetzungsfrage im Rheinland, liegt es in- me """ auch mit dem Auslieferungsbegehren von !Nn r.» °« ^iwas tut eine gewandte Regierung nicht, lb,Nd eben nicht auf ihrem formalen Recht bestehen- hqm, ? °hne Rücksicht auf allgemeinpolitische Stim- /der Absichten.

nran wirklich Locamopolitik treiben, also Er Frankreich in ein châreL VerlrältniL

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Olympia in Amsterdam.

Nie Olympischen Spiele eröffnet.

s Der Einmarsch in das Stadion.

Sonnabend nachmittag wurde in Amsterdam der zweite Teil der Olympischen Spiele eröffnet. Als Ver­treter der Königin von Holland erschien in einem von vier Pferden gezogenen Galawagen der Prinz Hein- rich der Niederlande, der von den Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees empfangen wurde. In der Ehrenloge sah man mit den übrigen Mit­gliedern des Diplomatischen Korps dendeutschenGe-

Der deursche Kurzstreckenläufer Corts,

Ler in Amsterdam über 100 und 4X100 Meter im Wettbewerb ist.

sandten Grafen Zech. Als besonders intercffante Gäste wohnten zwei Maharadschas der Eröffnung bei.

i Mit der holländischen Nationalhymne begann die Feier. Dann zogen die Olympiakämpfer in das Stadion ein. 47 Nationen nahmen am Einmarsch teil rund 51)00 Kämpfer und Kämpferinnen. Den Zug eröffneten die Griechen, da A t h e n der erste Schauplatz der neuzeitlichen Olympischen Spiele war. Deutschland kam an 14. Stelle, 250 Mann stark. Den Schluß bildete Holland. Der frühere holländische Kultusminister Dr. Th. de Visser hielt die Weiherede, worauf

der Prinz der Niederlande im Namen der Königm von Holland die Olympischen Spiele für eröffnet erklärte. Zuletzt schworen der Führer der holländischen Olympia­mannschaft, Harry Denis, und die 5000 Olympia­kämpfer den Olympia-Eid:Wir schwören, in ehrlichem, ritterlichem Geiste zu kämpfen, getreu den Olympischen Gesetzen zur Ehre unserer Länder und zu Ehren des Sports ..."

1932 sollen die Olympischen Spiele in Los Angeles stattfinden. Die Spiele für 1936 sind an Madrid vergeben worden. Zwei bedeutungsvolle Maßnahmen wurden dann noch getroffen. Auf Antrag des amerikanischen Generals Sherill wurde mit 15 gegen 13 Stimmen beschlossen,^Fuß­ball und Tennis vom Programm der kommenden Spiele zu streichen.

Deuische Erfolge in Amsterdam.

/ Zwischenfall mit den Franzosen.

' In den Abendstunden des Sonnabends wurden die ersten Entscheidungen bei den Olympischen Spielen ge­troffen. Im Gewichtheben wurden in fünfstündigem Kampfe die Leichtgewichts- und die Federgewichtsklasie ausgetragen. Im Leichtgewicht endeten Helbig (Deutsch­land) und Hags (Österreich) im toten Rennen auf dem ersten Platz. Dritter wurde der Franzose Arnaud. Auch in der Federgewichtsklasse kam ein Deutscher zu olym­pischen Ehren: der Münchener W ö l p e r t wurde in dieser Gewichtsklasse Dritter hinter dem Italiener Gabetti und dem Sieger, dem Österreicher Andriesek.

zueinander bringen, so darf man^ mit rauher Faust an das erst langsam aufkeimende Einigungsgefühl rühren. Sonst gibt man nur allzusehr denen recht, die immer wie­der behaupten, daß französischerseits gar nicht der Wille vorliegt, die deutsch-französischen Beziehungen auf eine erträgliche Formel zu bringen. Wer recht hat. ob diese oder die anderen, die an einen guten Willen zur Verständiglmg glauben, wird die Stellungnahme der französischen Re­gierung gerade in dieser Frage eistscheiden.

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Eingreifen des deutschen Botschafters.

Der deutsche Botschafter v. Hoesch hat bei dem General­sekretär des Außenministeriums, Philipp Berthelot, eine Vorstellung unternommen, deren Gegenstand das Ver­langen der französischen Besatzungsbehörde bildete, die vier vom französischen Kriegsgericht verurteilten Deutschen Weiß, Schimmel, Lutz und Merz auszulicsern.

Ein bestimmtes Ergebnis, hat die Unterredung noch nicht gehabt, zumal Außenmjstister Briand zurzeit nicht in Paris anwesend ist, do« soll sich auf beiden Seiten Übereinstimmung darin horausgestellt haben, die Ange­legenheit in keine Seite perletzender Weise .beizulegen, j

Es fiel allgemein auf, daß bei dem festlichen Einzug in das Stadion die Franzosen fehlten. Der Sekretär des französischen Olympischen Komitees war von einem der Billetteure, der ihm den Eintritt in das Stadion ver­wehren wollte, angeblich mißhandelt worden. Auf einen Protest der französischen Leitung hin entschuldigte sich Baron Schimmelpenninck van der Oye namens des hol­ländischen Komitees in Anwesenheit des französischen Generalkonsuls. Die Franzosen stellten aber die Forde­rung nach Entlassung bzw. Versetzung des schuldtragenden Billelteurs und als diese nicht sofort erfüllt wurde, be­teiligten sie sich nicht am Einzug. Man sprach sogar von ihrer Absicht, abreisen zu wollen, jedoch wurde später der Zwischenfall anscheinend beigelegt.

Olympische Spiele.

Die eigentlichen Wettkämpfe.

In Amsterdam ist nunmehr der zweite Teil der 9. Olympischen Spiele eröffnet worden. Der erste Teil brachte, wie man weiß, Sportarten, die kaum zu den Olympischen Spielen, wie die alten Griechen sie verstan­den, gerechnet werden können: Fußball und Hockey und Rugby, und seit 1924 hat man sogar den Wintersport als eine besondere Abteilung in die Olympischen Spiele hin­eingeschoben. Wenn man streng zu Gericht geht, kann man die Kampfspiele und die Winterspiele nur als ein .Neben­her" werten; mit gutem Recht können sich nur die Wett­kämpfe, die am 28. Juli begonnen haben und bis zum 12. August dauern sollen, Olympische Spiele nennen.

Vier große Nationalfeste kannten die Hellenen, und die Olympischen Spiele, die in Zwischenräumen von vier Jahren am dritten Vollmond nach der Sommersonnen­wende im August oder September in Olvmp'a r . ir schön gelegenen Tal in der peloponnesischen Landschaft Elis, zu Ehren des Zeus gefeiert wurden, waren das berühmteste und bedeutendste von allen. Man kann in diesen Tagen viel von einerAmsterdamer Olym­piade" lesen und das ist Unsinn, dennOlympiade" heißt nur der Zeitraum von vier Jahren, der zwischen den Olympischen Spielen lag, und die , griechischen Historiker rechneten bei Jahresangaben vielfach nach Olympiaden. Wann die Olympischen Spiele eingeführt wurden, das läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen; man weiß jedoch, daß seit dem Jahre 776 v. Chr., wo Koröbns aus Elis Sieger im Wettlauf war, ein ununterbrochenes Verzeichnis der Olympiasieger geführt wurde. Um d:e Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. war das Fest ein all­griechisches geworden. Die letzte Olympiafeier fand 393 n. Chr. statt. Die Wettkämpfe dauerten mit Einschluß der Preisverteilung der Siegespreis bestand in einem Oll bäumkranz fünf Tage; für diese fünf Tage mußten die Kämpfer sich zehn Monate lang sorgfältig vorbereiten Die älteste Art des Wettkampfes war der einfache Wett­lauf, wobei die 192 Meter lange Rennbahn, das Stadion, einmal durchlaufen werden mußte; dazu kamen nach und nach der Doppellauf, der Dauerlauf, der Ringkampf und der Fünfkampf, der Faustkampf, das Wettfahren, das Wettstreiten und das Pankration (Gesamtkampf"), bei dem die Kämpfer den Faustkampf mit dem Ringkampf in einer besonderen Art verbanden. Der erwähnte Fünfkampf war eine Vereinigung von fünf verschiedenen Kampfarten: Springen, Laufen, Diskos- und Speerwerfen, Ringen. Seit 520 gab es als besondere Kampfart noch den Wett­lauf von Kriegern, die in voller Rüstung waren. Ver­heirateten Frauen war der Zutritt zu den Olympi^r-t Spielen verboten. Die Sieger in den Olympischen Spielen, dieOlympioniken", wurden mit Palmzweigen in der Hand dem Volke vorgestellt; dazu kam noch die Berherr-, - lichung durch Siegeslieder und Bildsäulen, bei der Rück­kehr in die Vaterstadt feierlicher Einzug mit einem Vier­gespann weißer Rosse, ein Ehrenplatz bei öffentlichen Schauspielen, Befreiung von öffentlichen Lasten, in Athen Speisung auf Staatskosten und ein Geldgeschenk. Wäh­rend der Spiele mußte im ganzen Peloponnes Waffen­ruhe herrschen, und jeder, der zum Feste reiste, galt als unverletzlich. >

Man weiß, daß diese Olympischen Spiele zu Ende de» vorigen Jahrhunderts durch die Initiative des franzö­sischen Barons Pierre de Coubertin modernisiert wurden: im April 1896 fanden in dem dafür neu hergerichteten Stadion des Herodes Attikus zu Athen unter der Teil, nähme aller Kulturvölker neue Olympische Spiele statt, und im Jahre 1900 wurden sie gelegentlich der Weltaus­stellung in Paris wiederholt. Seither haben sie sich zu einer dauernden Einrichtung, die nur durch die Kriegs­jahre unterbrochen würde, gestaltet, aber es muß gesagt werden, daß von dem Sinn und dem Geist der alten hellenischen Olyrnpischen Spiele in der neuenAuf­machung" nicht allzuviel übriggeblieben ist. Leichtathletik, Schwerathletik, Boren, Schwimmen, Rudern, Segeln, Fechten, Radfahren das alles gehört jetzt zu den Olym­pischen Spielen.

Keine Verlängerung der Präsidentschaft Lalles'.

Mexiko. Intime Freunde des Präsidenten Calles er- klären, Calles habe ihnen mitgeteilt, daß er nach Ablauf seiner Anttszeit am 1. Dezember dieses Jahres von der Prä- sidcntschaft zurücktreten werde. Man nimmt allgemein an, daß Aaron Saenz als Nachfolger von Calles die Präsident­schaft übernehmen wird.