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Zulöaer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Fuldaer Kreisblatt

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Nr. 1541928

Fulva, Dienstag, 3. Juli

5. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

* In der Erklärung der neuen Regierung vor dem Reichs- tag wird eine Amnestie und eine Lohnsteuersenkung ange- kündigt.

* In Büdelsdorf bei Rendsburg wurde in Gegenwart von ' Vertretern staatlicher und städtischer Behörden ein Denkmal des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert enthüllt.

* Im Schachtyprozeß beantragten die Verteidiger Frei­sprechung für die deutschen Angeklagten.

* In Mexiko wurde General Obregon »um Staatspräsidenten gewählt: er tritt sein Amt am 1. Dezember an.

Die Not der Saar.

Wenn dereinst unsere Enkel den V e r s a i l l e r V e r - trag kuriositätshalber einmal durchlesen sollten, so wer­den zahllose Bestimmungen darin ihr K 0 p f s ch ü l t e l n erregen. Richt zuletzt das, was er über das Saar- gebiet bestimmt. Wilson, einer der Väter diesesVer­trages", hat ja gar nicht genau gewußt, wo dieses Land eigentlich liegt, und ließ sich daher auch allzu leicht ein- reden, die Saarlän' r hätten doch nur den brennenden Wunsch, schleunigst von Deutschland loszukommen und in die weitgeöffneten Arme Frankreichs zu sinken. Nur mit Mühe konnte es verhindert werden, daß das Saargebiet franzisisch wurde.

Aan mag in Frankreich teilweise selbst an die Be­rechtigung, an die Wirklichkeit dieser angeblichen saar- ländishen Sehnsüchte geglaubt haben, ist aber in den bisher neun Jahren der Besatzungszeil gründlich belehrt Word« : allerdings ohne anerkennen zu wollen, daß alles französische Bemühen, die Bewohner des Saarlandes innerlch zu gewinnen, nur den s ch w e r st e n M i ß - erfog gezeitigt hat. Da die Saarländer auf ihrem eigene Boden natürlich ihrer wirklichen Ansicht nicht Äsdrück geben dürfen, haben sie jetzt in Heidel- b e r grine Tagung veranstaltet, auf die die Schloßruine mb eine französische Heldentat eip-s Generals SJlSlstc herabsah. Tausende und aber Tausende von Saarlabern nahmen daran teil und der Protest, der, nach den Reen mit ihrem bergehohen Material über die Zu­stände im Saargebiet, von diesen Delegierten verfaßt wurde, läßt an Deutlichkeit kaum etwas zu wünschen übrig.Der feste Wille des Volkes an der Saar, das rein detsch ohne jede Beimischung ist, fordert fortgesetzt und eimütig die Wiedervereinigung mit der deutsche Wirtschaft und der deutschen Regierung."

Den das Saargebiet ist ja laut Versailler Ver­trag oll- und handelspolitisch mit Frankreich verbun­den imdDeutschland mußte dort 15 Jahre hindurch aus die Regâung zugunsten des Völkerbundes verzichten. Aber nu als Stiefvater erwies sich alle die Jahre hin­durch diier Völkerbund; ganze Bände füllt, was an Be­schwerde aus dem Saargebiet, an Beschwerden über bic gan unter französischem Einfluß stehende Regie- rungskomlissiou nach Genf geleitet wurde, und immer veraeblict Eine wirkliche Volksvertretung existiert dort nicht, nutüne Art Parlamentsersatz, der Landesrat. Wenn er aufbeghrt, dann wird er einfach nach Hause geschickt. Richt eimal über die Riesenkosten, die diese Verwaltung durch bie mbfrembe Negierungskommission verursacht, hat er das geingste zu befinden oder zu tadeln; nur zu be­zahlen hadas Saargebiet. Die Frankwährung ist wider alles Rech eingeführt, die deutsche Mark zu gebrauchen ist unter Strie verboten.

Die Irländischen Bergwerke mit ihren etwa 75 000 Arbeitern ad ja feit 1919 französisches Eigentum und nach 15 Jahreverst soll Deutschland das Recht hu-r» sie zu- rückzukaust, wenn die Abstimmung der Sae-i^ther für ben Wiedeänschluß an Deutschland entscheidet. Daß dies 1935 geschaht, daran zweifelt im ganzen Saargebiet kein Riensch, am wenigsten die dort tätigen Franzosen. Selbst die fraiiMschen Schulen, die man im Saargebiet ein- richtete und zu deren Besuch man die Kinder der yon der franzöMm Minenverwaltung wirtschaftlich VM^gigen BergarbeM und -angestellten zwang, ändert daran nichts. Freinde Tvppen, in die kaum verhüllende Uniform eines Bahnschuhs" gekleidet, stehen noch jetzt im Saargebiet und machn unliebsam oft mit deutschen Fäusten Be-^ lanntschaf ^^ Regierung, die für die Ä^aenart des Saar'volkeÄerstä^nis haben sollte, hat die «echte und die Wohlslrt be* Volkes vielfach mißachtet", so urteilten diSaarländer auf ihrer Heideiverger Tagung. ,Und in diesl Sinne werden sie 1935 ihr Urteil sprechen.

*

Macht bchluß mit dem Saarexperiment.

, Die Bvestagung der Saarvereine in Heidelberg nahm e i n sm m i g eine Entschließung an, in der fest­gestellt wirdaß der feste Wille des Volkes an der Saar, das rein dech und ohne jede fremde Beimischung ist, die Wiedervinigung mit der deutschen Wirtschaft und der deutschestegierung fortgesetzt und einmütig fordert. Das Volk aier Saar, so heißt es weiter, ist sich bewußt, damit auch n großen Gedanken der Völkerversöhnnng zu dienen, t Abscheu weist es die neuesten Pläne ge­wisser franzöher Kreise, bk das klar umschriebene Recht Deutschlandsie Gruben zurückzukaufen, vereiteln wollen, zurück. Anßte Gefahr ist im Verzüge. Es gibt nur eine Abhilfen Ende z u m a ch e n m i t d e m (Saar- eip è ri m e des Versailler Vertrages, das sich in acht Jahren als lig verfehlt erwiesen hat, durch die nn- aesckunälerte ückgabe des Saargebietes und seiner Kohlenlager.Deutschland.

^;e Qunihung endete mit dem von allen Auwesenz £en begeistert sungënen Deutschlandlied.

Der Inhalt der Regierungserklärung.

Amnestie und erniedrigte Lohnsteuer.

Letzte Festsetzungen.

Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Hermann Müller trat das neue Kabinett, das auch Sonntag getagt hatte, am Montag abermals zusammen, um die letzte Hand an die Dienstag bei der Reichstagseröffnung abzugcbcnde Regierungserklärung zu legen. Die Erklärung wurde end- gültig in ihrem Wortlaut sertiggestellt und wird umfang­reicher sein, als man anfangs vermutet hatte.

Besonders soll in der Regierungserklärung ans­gedrückt werden, daß die Regierung sich nicht etwa als ein Übergangsministerium betrachtet, wie es bereits Innen­minister Severing bekanntgegeben hat. Die Regierung will den ernsthaften Vorsatz verkünden, möglichst vier Jahre lang, also während der ganzen Dauer der Reichs­tagswahlperiode, an der Spitze der Geschäfte zu bleiben.

Das Arbeitsprogramm.

Bei der auswärtigen Politik werden im Einverständnis mit dem bei Baden-Baden weilenden Außenminister Dr. Stresemann nur die bekannten bisherigen Richtlinien erwähnt werden, die unverändert bleiben sollen. Ausführliche Behandlung dürfte dagegen die innere Politik erfahren. Fertige Gesetzentwürfe liegen kaum vor, aber verschiedene Vorlagen werden in nahe Aussicht gestellt. Vor den Sommerferien soll bestimmt noch der Amncstieentwurf kommen, ob auch die Anbahnung einer L 0 h n st e u e r s e n k n n g , ist noch fraglich. Weiter sind zu erwähnen das Gesetz zur Arbeits­regelung. der Ausbau der Sozialpolitik, das Verhältnis

Obregon, der neue Präsident von Mexiko.

Er will wie Calles regieren.

General Obregon ist für sechs Jahre zum Präsidenten von Mexiko gewählt worden; ein Gegenkandidat war nicht ausgestellt. Die Amtszeit des neuen Präsidenten beginnt am 1. Dezember. Obregon hat erklärt, daß er in der

General Obregon, der neue Staatspräsidem von Mexiko.

Hauptsache die Politik des derzeitigen Präsidenten Galle» fortsetzen werde.

Der Wahltag soll in ganz Mexiko ruhig verlaufen sein. Allerdings waren, da Unruhen prophezeit worden waren, ungewöhnliche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen worden. Man ist im Lande vielfach der Ansicht, daß die Gegensätze zwischen Staat und Kirch« erst nach dem Regierungsantritt Obregons vollständig aus­geglichen werben würden. Calles war nur für vier Jahre gewählt worden, doch hat die Verfassung inzwischen eine Abänderung erfahren und bestimmt, daß die Präsident­schaft sechs Jahre dauern soll.

Ausbildungsreise der deutschen Nolle.

Norwegen dasZiel.

Die alljährlich stattfindende gemeinschaftliche Ausbil- dnngsreise der Schiffe des Flottenkommandos geht, wie aus Kiel berichtet wird, in diesem Jahre wiederum nach Norwegen. Die Schiffe versammelten sich im Kieler Hafen und gingen unter dem Kommando des Flottenchefs, Vize­admirals O l d e k 0 p , in See. Sie sollen auf der Hin- und Rückreise nach Norwegen gemeinsame Übungen in See abhaltcn.

Englische Kriegsschiffe fahren durch den Nordostseekanal.

Die vier großen englischen KreuzerComus",Cam- brian",Cirra^ao" undCanterbury", die in den letzten Wochen verschiedene Ostseehäfen ausgesucht hatten, sind auf ihrer Rückreise nach England durch den Nordostseelanal gefahren. Es wurde Landessalut gefeuert und erwidert.

zwischen Reich und Ländern, der Nationalfeiertag am 11. August, zu dem ja schon ein Initiativantrag de» Reichsrats vorliegt. Vielleicht werden auch einige Wort» gesagt über die Frage des Panzerkreuzers A und über die Schulangelegenheiten, doch war das letztere Montag noch nicht ganz sicher.

*

Vertrauensfrage und MißtrauenSanträge.

Das Kabinett wird zweifellos dem Reichstag die Vertrauensfrage vorlegen, wenn auch nur in der Form einer Billigungserklârung, da die Haltung der Deutsck'en Volksvartei nicht ganz sicher sein soll, wenn auch ihr 'Mit­glied Dr. Curtius dem Ministerinn! angehört. Dem Ver­nehmen nach beabsichtigen die Deutschnativnalcn, einen Mißtrauensantrag einzubringen, ebenso die Kommunisten.

Der Ältestenrat des Reichstages befaßt sich Dienstag mittag 12 Nbr mit der Geschäftslage des Reichstages. Sämtliche Reichstagsfraktionen haben für Dienstag Frak- tionssitzungen einberufen. Man nimmt in politischen Kreisen an, daß nach der Regierungserklärung der Reichs­tag sich bis zum Mittwoch vertagen wird und daß die Besprechungen zwei volle Sitzungen in Anspruch nehmen dürften.

Auf ein Telegramm des Reichskanzlers Müller- Franken, in dem er die Übernahme der Ge­schäfte mitteilt, hat Bundeskanzler Dr, Seipel in Wien telegraphisch mit Glückwünschen und dem Aus­druck der Hoffnung geantwortet,daß die innigen und herzlichen Beziehungen zwischen den beiden Brüderstialcn sich weiterhin ungeschwächt erhalten und sich auch zu­gunsten einer friedlichen Zukunft Europas noch vertiefen werden".

Sie Eisbrecher sind die lehte Hoffnung.

Mißglückte Rettungsversuche.

Die finnische und die schwedische Maschine, die ge­startet waren, um nach dem Lager Nobiles auf dem Eise zu fliegen, stießen über Kap Platen auf dichten Nebel und mußten umkehren. Die Stimmung an Bord derCitta di Milano" ist daher sehr gedrückt.

Die Wetterlage war unverändert ungünstig, so daß ein Start nicht erfolgen konnte.

Alle Hoffnungen sind jetzt aus die russischen Eisbrecher Krassin" undMalygin" gerichtet.

Man ist hier davon überzeugt, daß die Malmgreen- Gruppe, die Ballongruppe und auch Amundsen als endgültig verloren betrachtet werden müssen. Auch die Bergung der Viglicri-Grnppe erweist sich als be­deutend schwieriger, als man in den ersten Tagen nach Nobiles Rettuno an na hm

Der Kampf mit dem Polareis.

wtb. Rom, 3. Juli. Nach einem von zuständiger Stelle mitgeteilten Funkfpruch der Citta di Milano ist die drahtlos« Verbindung mit der Gruppe Biglieri wesentlich besser ge­worden. Die Gruppe befindet sich heute 80 Grad 24 Minuten nördlicher $ reite und 28 Eruv 50 Minuten östlicher Länge von Greeuwich. Die Eisoerhäitnissc wechseln. Infolge des Sinkens der Temperatur besteht wieder die Möglichkeit einer Landung für kleine Apparate. Gestern früh versuchten die schwedischen Flugzeuge, die ihren Standort in der Hinlopenstraße haben, über das Lager der Gruppe Viglieri zu fliegen, aber sie wur­den durch Nebel daran gehindert. Dagegen gelang es ihnen, die Verbindung mit den beiden Mitgliedern des Alpenklubs herzustellen. DieBraganza" ist heute in der Dirgobay ein- getroffen und wird in der Nacht nach Kèngsbay weiterfahren, wo sie neuen Proviant an Bord nehmen und Arbeiten au den Dampfkesseln vornehmen muß. Die Apparate Larsens und Lützow-Holms werden an Bord derHobby" gebracht, um an der Suche nach derLatham" teilzunehmen. Der Eisbrecher Erassèn" befindet sich jetzt im Kanal zwischen den 7 Inseln und der Insel Soresbey, wo er sehr ausgedehntes und festes Packeis angetroffen hat. Er arbeitet sich mit einiger Schwie­rigkeit vorwärts. Zwischen Norwegen und Spitzbergen be­finden sich Ersatz-Motoren für die italienischen Flugzeuge, die schon eine große Zahl von Flugstunden hinter sich haben, auf dem Transport. Ein von Deutschland gemachtes Angebot zweier Spezialapparate, die mit Gleitkufen versehe« sind und auf einer Fläche von weniger als 50 Meter Ausdehnung lan­den können, hat man dankbar angenommen. Außerdem hat der bekannte deutsche Flieger Udet seine Mitarbeit und di« seines, besonders ausgebildeten Personals zur Verfügung gestellt.

Ein Zug fällt in einen Wtldbach.

Am Fuße der Jungfrau, eines der höchsten Alpen­gipfel, ereignete sich ein schweres Bergbahnunglück. Ein Zug der Berner Oberlandbahn fiel zwischen WilderswU und Zweilütschinen

in einen Wildbach,

bei dem kurz vorher die über diesen führende kleine Brücke infolge eines heftigen Gewitterregens vom Wildwasser weggerissen worden war. Der Zug wurde von zwei Loko­motiven gezogen. Während die vordere Lokomotive bremste, fuhr die hintere in gleicher Geschwindigkeit weiter. Die erste Lokomotive wurde ins Bachbett gestoßen. Der nachfolgende Gepäckwagen und zwei Personenwagen türm­ten sich auf diese auf. Ein Fräulein wurde getötet, zehn in der Schweiz wohnhafte Reisende zum Teil schwer verletzt. Ferner wurden auch noch einige Deutsche aus Frankfurt am Main verletzt.