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ulöaer Anzeiger
Aark. Bei Lieferungsbehin-rrungen durch ^ Gewalten', Streiks, Tlussperrnngea, fnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine sxrüche. Verlag Kriedrich Ehrenklau, Suida, ^ö des Vereins Deutscher Aeitungsve». £ Postscheckkonto: Zraokfurt a. M. Bratow
023 - 1928
Kleine Zeitung für eilige Leser
Tageblatt für Rhön nn- Vogelsberg Iul-a- und Hiwnetat * Zvl-aer Kre^kM
tm^aukev usw. beträgt LieKlemzeitr 0^0 M., f& «mmoartigt Mstraggeber 0.25 HK., für Mt
Fulda, Samstag, 26. Mai
5. Jahrgang
Die Italia" ist von ihrem Nordpolflug noch nicht zurück- oüni^ Man schickt sich in Kingsbay an, dem Luftschiff Hilfe
M 1 Der Reichsrat nahm den Antrag einer Anzahl Bundes- W ten auf Einsetzung des 11. August als Nationalfeiertag an.
5Mi - Der Befehlshaber des chinesischen Nordens, Marschall Ä hngtfolin, hat den Rückzug aus Peking begonnen.
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Ein neuer Geist
2er unerfreuliche Qualm des Wahlkampfes ist vorbei, i&älr^ bleibt stärker als je die Tatsache, daß das J* Me Volk sozusagen in verschiedenen Spra - 15 ; „redet. Kämpfe trennen immer nur und leider Ä r-en auch jetzt, wenn „des Krieges Stürme schweigen" olM; Waffen immer noch nicht niedergelegt. Ein neuer ist kommt auch jetzt nicht über uns. Nicht so wie einst, in Jerusalem die Völkermassen, die zusammen- ■ * hörnt waren, die Reden der Apostel, über die ein neuer
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ür K hömt waren, die Reden der Apostel, über die ein neuer iir in jsj gekommen war, verstanden haben, weil diese in neuen 3“ wen redeten, ist es leider in Deutschland bestellt. Gleich- % tii wie man politisch denkt, das Wort ist unerträglich: und, es Feind steht rechts" oder „Der Feind steht links". ibioS & ...........
in neuen
fei endlich wird über Deutschland ein neuer Geist Men, der dieses häßliche Wort „der Feind" tilgen mag! ^ e, alle, gleichgültig, ob sie politisch rechts oder links 3 er in der Mitte stehen, — sie sprechen doch deutsch und 3 i$em versteht sie ein großer Teil des deutschen Volkes g âft Denn sie reden nicht zum Frieden, sie sprechen nicht «&Ä m Liebe, von Erlösung wie einst jene Männer, die in misalem zum Volke redeten, als ein neuer Geist über kam. Di: Malerei aller Zeiten hat das Pfingstwunder gestellt, in der Form feuriger Zungen, die her- irderschwMn auf jene Männer, und nicht umsonst spricht mn vom Pfingst Wunder. Was sie sprachen, stammte iS demselben Geiste: was sie redeten, war Frieden, Webe und Erlösung. Auch heute bedürfte es feuriger um das zu predigen, bedürfte es eines wirklichen teilte Der Skeptiker sagt, daß Wunder hent- nicht mehr geschehen. Und das ist richtig, solange ■ Lebens graues Einerlei Wunder unmöglich macht.
sprechenden, den feurigen Zungen, dem Pfingst- Müder muß eben die Erkenntnis vorausgehen. Es liegt MN ein unendlich tiefer Sinn darin, daß einst für die An- Mlgcr der unbekannten, eben erst erstehenden christlichen Mnieinschaft eine Zeit des Wartens, der inneren Vor- Mmtnilg voraufging, ehe der neue Geist über sie kam. Mich solches ist notwendig, wenn tvir in Deutschland einen MW Geist, ein P f i n g st wunder erleben wollen.
■ Das.alte Pfingstlied „Komm, Heiliger Geist . . / ent- einen Wunsch, spricht eine Sehns u ck t ans. Rings M uns die Völker, und nach dem Kriege stärker denn je, erfüllt von dem vielleicht engen, aber urkräftig-leben-
Geist ihres Volktstnms. Trotz aller Not, trotz aller ■Magnis und Unterdrückung aber fehlt dem Deutschen W immer die restlose Durchdringung mit diesem Gent. Wst, selbst in Zeiten innerer Uneinigkeit und großer Mhiväche nach außen, war dieser Geist vorhanden, so dan Ve alte Chronik zu melden weiß, fast unerträglich sei das Ationalgefühl der Deutschen. Furchtbares Leid, dreißig-. „ ffilBil ^iger Bürgerkrieg, innerer Zwiespalt ,zerbrachen diew^ MN >lze Hochgefühl und der Deutsche, der die Heimat verlien, im -i Wie Mn Kultnrbrinyer fremder Nationen. 'Auch der Zaktiop riè!f gegen die Welt vermochte den aufflammenden neuen 100 w list dieses Nationalgefühls nicht im ganzen deutschen olk durchftisetzen. Auch heute sind wir immer noch allein -" . der Welt, ringen die Völker rings um uns um ihr Eigenweiß >■ Heu. Wir sprechen zu allen in ihren Sprachen, aber es rt, ^ i(t babei an den feurigen Zungen, bie ^fu allen anderen j cn nur so sprechen, daß deutsches Bewußtsein, deutsches ^d lind deutsches Können dabei die Zunge führt. Wir n?V '^en zu den anderen von Frieden, Liebe und Ler,oh- up^" nifi nUn,. SASnrrli prrinacn. nt bisber
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Wichtiger als dieses sprechen aber bleibt ev, tut ^gesinnten Volksgenossen nicht den „^einp _ zu er- ’^ii. ihn härter zu verfolgen, ihn stärker zu beschimpfen, verächtlicher hinzustellen, als die anderen draußen e» K "° Wie eine Decke liegt der Haß und die Feindschaft im Ahl "'Mi noch über uns, die der übelste Rest des Weltkriege^ ’ ’ »eie« sind. Nur langsam, aber doch unwiderstehlich wird sie lastende Decke durchdrungen von einem neuen c eist. > wissen, daß diese Entwicklung nur langsam vor sich aii^ 3 kann, daß altes Hassen, langjährige Feindfchast nur ' Wiel) vernünftigerem Denken, versöhnlicherer Empftn- f ^weichen wird. * Daß das Pfingstwnnder auch an dem uchen Volke nicht heute oder morgen vor sich 6^vt.
wenn wir znrückblicken ans die VèrgMigene Zerr, .können wir doch feststellen, daß diese Entwicklnng langft
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Ra‘ Schlachten und Parteienkämpfe. ^n ^e Zukunft Xir nicht schauen, aber vielleicht wird einmal bie chwe kommen, wo wieder nicht die Meirichen, aber l i u ,n" - - - - - - Unter den
c s c l^st mit feurigen Zungen reden.
^.V°fc Wir nicht so weit um
, . "jAmn und unbiegsam im Kampf um unser Dawi.i c8 Li ’ M* bewähren. . . r,
1 âleiy war die Schar, nur eng der Kreis, an dem sich £ Sei Aye Pfmgstwuttdcr vollzog: erst m ^
Kämpfe wirkte sich der Geist bicfCu crften^fingitin 'bewegend aus Nach dem schweren Niederbrnch -er- N auch Deutschland Lder unter schweren Kämpfen zu i 'u geben Aber wirklich leben ivirb cs erst, wenn es nJyiKt mit dem neuen Geist gegenseitigen Verstehens, w.Bewußtsein daß der andere, mag er in Klciing- " auch denken wie er will, immer nur uni vor allem Volksgenosse ist.
Das Urteil von Kolmar
Rilktin und Rosse muffen ins Gefängnis.
i Die Volksmenge fingt: „O Straßburg, o Straßburg..." i
Der Kolmarer Autonomistenprozctz ist nach vierwöchiger Dauer zu Ende gegangen. Entsprechend dem Wahrspruch der Geschworenen, die den ersten Teil der Schuldsrage — Teil-
navmc an dein Komplottentschluß
für die Angeklagten
Ricklin, Rosse, F a s h a u e r und Schall unter Zubilli- gnng mildernder Umstände bejaht hatten, verurteilte das Gericht die „Schuldigen" zu je einem Jahr Gefängnis und fünf Jahren Aiifenthaltsvcrbot sowie zur Tragung der Kosten. Das Aiifenthaltsvcrbot ist so zu verstehen, daß die französische Regierung diejenigen Bezirke Frankreichs bestimmen kann, in welchen die Verurteilten sich während der fünf Jahre nicht nnshaltcn dürfen. Für die übrigen elf Angeklagten waren die Schuldfragen verneint worden: bei sämtlichen fünfzehn Angeklagten wurde die Frage, ob sie den Komplottentschluß in die Tat iimgesctzt hätten, verneint. Der Präsident des Gerichtshofes gab den vier Verurteilten bekannt, daß sie innerhalb dreier Tage gegen das Urteil einen Kassa- lionsantrag cinreichcn könnten, und da sie das tun werden, kann man mit einer neuen Auflage des Prozesses rechnen.
Kurz vor und unmittelbar nach der Urteilsverkündung spielten sich im Gerichtssaale und vor dem Gcrichtsgebäude, wo sich eine vieltanseudköpfige Menschenmenge angefammeft hatte, Szenen ab, wie man sie in Kolmar noch nicht erlebt hatte. Als der Generalstaatsanwalt erklärte, die französische Gerichtsbarkeit fei streng, aber auch großherzig, sprang der bretonische Rechtsanwalt Feillct von der Verteidigerbank auf und schrie in den Saal: „Wenn Männer wie Ricklin, Rosse, Fashauer und Schall verurteilt werden, dann setze man an Stelle der Büste Frankreichs, dic hier hinter dem Gerichtshof stchè, die
Büste des Spitzels Riehl."
Rechtsanwalt Berthon rief in höchster Erregung, er könne die ehrenwörtliche Erklärung abgeben, daß keiner der Angeklagten
gedacht habe. Feiltet brach, als das Urteil verkündet wurde, von einem W e i u k r a m p f geschüttelt, auf der Verteidiger- bank zusammen. Das Publikum brachte ihm eine gewaltige Beifallskundgebung dar, worauf der Gerichtssaal von der Gendarmerie geräumt wurde. Tic Schlußworte, die der Präsident an die Geschworenen richtete, gingen im allgemeinen Lärm unter. Von der Straße her drang Heulen, Pfeifen und Schreien in den Gerichtssaal, und plötzlich wurde von der draußen harrenden Volksmenge das Lied: „O Straßburg, o Straßburg, du wunderschöne Stadt" angcstimmt. An vielen Stcllen der Stadt fanden
stürmische Protestkundgebungen
statt. Ten Verteidigern wurden bei ihrem Erscheinen auf den Straßen große Ovationen dargebracht. Später wiederholten sich die Kundgebungen in einer großen Protestvcrsammlung, in der alle Verteidiger und mehrere Abgeordnete das Wort ergriffen. Nach Schluß der Versammlung zogen die meisten Versammlungsteilnehmer vor die Wohnung des Generalstaatsanwalts Fachot, die von starken Gendarmeriepatrouillen bewacht wurde. Von den Freigesprochenen bleiben zwei, Bau in a n n und Kohler, wegen Spionageverdachts weiter
in
Haft.
Die Kammcrmandate Ricklins und Rosses.
Tas Pariser „Journal" behandelt die Frage, ob Dr.
Nicklin und Rosse ihrer Mandate für verlustig erklärt werden können. Tas Blatt sagt: „Da ihnen die bürgerlichen und die politischen Rechte nicht abgcsprochcn wurden, muß die Kammer selbst sich äußern. Wenn sic die Wahl genehmigt, dann müssen die Abgeordneten ihr parlamentarisches Mandat auch ausüben können. Wenn aber unter dem Vorwand, daß die Wähler von den Erklärungen der Kandidaten getäuscht worden seien, die Kammer die Gültigkeit der Wahl verneinen würde, müßte eine Neuwahl ausgeschrieben werden: für diese Neuwahl könnten natürlich Ricklin und Rosse, da ihnen die bürgerlichen Rechte nicht abgesprochen worden sind, wiederum kandidieren. Man nimmt in unterrichteten Kreisen an, daß sie in diesem Falle auch wieder kandidieren würden."
*
Ein Wahrzeichen der Wegetrennung.
Das Kolmarer Urteil ist mehr als ein epochales An- fangskapitel der Geschichte des gegenwärtigen Elsaß-Lothringens, es ist ein Einschnitt in der Geschichte Frankreichs. Die Französische Revolution hatte die „eine und unteilbare Französische Republik", d. h. den unbedingten und unbeschränkten Zentralismus proklamiert. Dasselbe Frankreich, welches sich im Versailler Diktat als Beschützer der nationalen Minderheiten in — Deutschland aufgeworfen hatte, das mit diabolischer Betriebsamkeit die Minderheiten in Schleswig, in Oberschlesien, sogar in der wendischen Lausitz agitatorisch bearbeitet hatte, hat stets in Abrede gestellt, selbst nationale Minderheiten innerhalb seiner Grenzen zu besitzen. Dieses Spiel ist mit dem Kolmarer Prozeß verloren. Frankreich kann die starken völkischen Minderheiten, die es in Flandern, in der Bretagne, in Korsika und im pyrenäischen Baskenlaude einschließt und unterdrückt, nicht länger ableugnen. Alle diese Völker zur selbstbewußten Betonung ihrer angestammten Heimatrechte aufgeweckt zu haben, war der Erfolg der neuerlichen Annexion der Elsässer und Lothringer, die sich jetzt gemeinsam mit Frankreichs anderen Fremdvölkern gegen den Pariser Zentralismus auflehnen.
Die Anklage des französischen Generalstaatsanwaltes, die von vornherein nur als eine regierungsseitig befohlene W a h l m a ch e, als ein unwürdiger Mißbrauch des Justizapparates zu politischen Zwecken zu bewerten war, ist kläglich zusammengebrochen. Die Dier Gefängnisurteile,
die ausgesprochen worden sind, weil man up f e r haben mußte, treffen weniger die vier Angeklagten, denen ihre Heimat Lorbeerkränze und Blumensträuße windet» als das gesamte elsaß-lothringische Volk, für welches das Urteil nach dem Ausfall der Wahlen ein Schlag ins Gesicht ist.
Frankreich hat einen schlimmen Weg betreten. Selbst ein Mann wie der ehedem deutschhetzerische Karikaturen- zeichner Hansi hat das bittere Bekenntnis aussprechen müssen, daß Elsaß-Lothringen sich innerlich von Frankreich abgekehrt habe und daß jeder Schritt, den eines der beiden macht, sie nur noch weiter voneinander wegführen kann. An der Wegtrennung aber steht wie ein Denkzeichen dieser unerhörte Kolmarer Prozeß mit seinem Vergewaltigungsurteil gegen die besten Vorkämpfer elsaß-lothringischer Heimatrechte, denen man es als Hochverrat vorgeworfen hat, daß sie ihre Muttersprache lieben und beschützen.
*
Das Presseecho des Kolmarer Prozesses.
Von dem größten Teil der Pariser Presse wird das Urteil von Kolmar gebilligt. Sie spricht von einer großzügigen Milde der Geschworenen und hofft, baß diese Mäßigung der Vorbote einer Ara der Entspannung und der Einigkeit sein werde und daß die Geister zurückkchren werden zu einer gerechten Auffassung der nationalen Solidarität, die einen Augenblick durch eine ruchlose Kampagne irregeführt worden sei. Einige Blätter nur werden nachdenklich und stellen die Frage: „War es geschickt, diesen Prozeß zu führen?" So schreibt „Oeuvre": „Man muß sich vor den Beschlüssen der Volksjustiz beugen. Wir beugen uns, ohne zu begreifen. Wir begreifen um so weniger, als das Kolmarer Urteil, wenn nicht diktiert, so doch wohl vom Generalstaatsanwalt angeregt worden ist." Hervè schreibt in der „Victoire": „Ich erneuere meine Glückwünsche an die Regierung Poincarè, daß sie diesen
Mit der Verurteilung ist nichts geändert."
deutet das Urteil das Ende der Agitation im Elsaß? Man dies glauben. Man hat sogar
wäre sehr naiv, wollte man dies glauben. Man hat sogar hunderterlei Gründe, das Gegenteil anzunehmen. Wenn wirk- dann die Geschworenen % der Angeklagten freigesprochen haben. Warum hat vor allem der Generalstaatsanwalt selbst an die Nachsicht der Geschworenen appelliert und eine Strafe beantragt, die so gelinde ist, daß sie lächerlich erscheinen könnte? Wenn kein Komplott bestand, wie rechtfertigt man denn dann diesen Prozeß? Warum hat man ihn unternommen? Warum hat man bis nach den Wahlen gewartet? Wichtiger jedoch als alle anderen Fragen ist folgende: Warum hat man sich gehütet, Abbe Haegy in die Strafverfolgung mit einzubeziehen? törichten Prozeß hat einleiten lassen." „Ouotidien" sagt: „Ve-
Die e lsäsf i sch c n Blätter nehmen zu 6cm Urteil eingehend Stellung Der „Elsässer Kurier" schreibt: „Man kann wohl seststellen, daß kein anderer Feind Frankreich so unberechenbaren Schaden zugefügt hat wie die Idioten, die diesen Komplottprozetz inszeniert haben." Die „Kolmarer Neuesten Nachrichten" wünschen sehnlichst, daß das Elsaß nicht infolge des Urteils in zwei feindliche Lager zerrissen werde. Das „Journal d'Alsace" gibt sich mit dem Urteil zufrieden und meint, daß die vier Verurteilten nur wenig bedeutende Männer seien, so hoch sie sich auch selbst einschätzen mögen. Der „Na- tionaliste d'Alsace" befürchtet eine Verschlimmerung der allgemeinen Mißstimmung und ein Anwachsen der Volksagitation -
Von der englischen Presse stellt die Londoner „T i m e s" in einem Leitartikel die Frage, die Elsässer Autonomisten überhaupt nicht unter Anklage zu stellen. Das Blatt betont, daß die Elsässer einen nationalen und einen
provinzialen Patriotismus haben, die miteinander verschmolzen werden müssen. — Der Pariser Korrespondent der „Times" führt aus, die Kommentare der Straßburger Presse deuteten darauf hin, daß die Sache der Versöhnung einen Rückschlag erlitten habe. Aus der Stimmung, die der Prozeß erzeugte, gehe klar hervor, daß das Elsaß sorgfältige Behandlung erfahrèn müsse, wenn die Gelegenheiten, die man in den ersten Jahren nach dem Kregc vorbeigehen ließ, jetzt ergriffen werden sollen. In der ersten Begeisterung über die Wiedervereinigung hätten die Elsässer erwartet, einen neuen Himmel und eine neue Erde zu erben. „Daily News and Westminster Gazette" schreibt in einem Leitartikel, das Ergebnis des Autonomistenprozesses wird von niemand begrüßt werden. Die französische Regierung muß sehen, daß durch die Bestrafung dieser Männer nichts ge-
auf hin, daß ten habe. Ai
wonnen wird.
Revision in Kolmar eingelegt.
Kolmar. Die Verurteilten im Kolmarer Prozeß haben die Nichtigkeitsbeschwerde beim Kassationshof eingereicht. Es gilt angesichts der zahlreichen Formfehler in der Bcrhandluim für sicher, daß diese Erfolg haben und die ganze Angelegenheit noch einmal vor einem anderen Schwurgericht aufgerollh werden wird.
Weitere Auswirkungen des Kolmerer Urteils?
Nach dem „Matin" sieht Artikel 28 des Dekrets vom 2. Februar 1852 tatsächlich den Verlust eines Abgeordnetenmandats bei jedem Abgeordneten vor, der wegen Komplotts zu Gefängnis verurteilt wurde, doch kommt es, wie das Blatt erklärt, auf die Stellungnahme der Kammer an, die das unbedingte Recht hat, selbst zu entscheiden.
Was ist mit der „Italia-?
Noch keine Nachricht von Nobile.
Vis heute früh ist keine weitere Nachricht von der „Stalin“ in Kingsbay eingetroffen. Es herrscht starker' Westnordwestwind. Man beabsichtigt, heute mit ber' „Gitta di Milano" eine Hilfsexpedition abzuschicken. Zu diesem Zweck bereits angestcllte Versuche haben jedoch die Meinung aufkommen lassen, daß das Schiff wegen des festen Eises, das sich von Spitzbergen nach Norden bis zuri Nordostinsel hinzieht, wenig wird erreichen können. t