Zul-aer, lnzeiger
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9!r. 1 — 1928
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Fulda, Montag, 2. Januar
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5. Jahrgang
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Meine Seitens für eisige Leser.
* Reichspräsident von Hindenburg hat an die deutsche Wehrmacht zum Jahresbeginn einen Erlaß gerichtet, in dem er seine Grütze und Wünsche sendet.
* In Hamburg wurden bis zur Neuwahl der Bürgerschaft Dr. Petersen als erster und Dr. Schramm als zweiter Bürge»- meister wiedergewählt.
* Im Elsaß dauern die Untersuchungen über die Autono- mistenbewegung an. Zahlreiche Verhaftungen wurden neuerdings vorgenommen.
Ntwhor? hat mm Grohfeuer beträchtliche»
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* Jm Hafen von Schaden angerichtat. 'ttwa*üw«i£
Wann wird gewählt?
x8ir haben kurz vor Jahresschluß noch eine kleine politische Sensation bekommen. Plötzlich ist närw- lich die Frage, wann Reichstagsneuwahlen stattfinden sollen, aus dem Kreis „akademischer" Erörterungen in eine Debatte hineingerückt worden, die Namen nennt, Termine angibt, ja sogar davon wissen will, daß die jetzige Regie- rungskoalitiou noch vor Auflösung des Reichstages aus- cinanderplatzen würde, um einem Kabinett der Großen Koalition Platz zu machen. In den Kreisen des Zentrums und der Deutschen Volkspartei soll es nämlich gewisse Persönlichkeiten geben, die entweder eine baldige Neuwahl oder eine Umbildung der Regierung herbeisühren wollen; eine baldige Neuwahl im Hinblick auf die kommenden französischen und englischen Wahlen, die auch von deutschen Reichstagswahlen begleitet werden sollen, um baldmöglichst eine „aktionsfähige deutsche Regierung" bilden zu könnem Denn eine Regierung sei nicht aktionsfähig, ebensowenig wie der Reichstag, wenn beide mehr oder weniger unter dem Einfluß bevorstehender Wahlen und der Unsicherheit ihres Ausgangs stehen. Diese Erwägung — und daS bleibt beachtenswert — ist aus Kreisen, die dem deutschen Außenminister nahe stehen, in die Öffentlichkeit wwKÄSa-S »5 - kurzem ähnliche Äußerungen getan und dabei Mitteilung davon gemacht haben, daß er bei seiner letzten Anwesenheit ix Genf mit dem französischen Außenminister Briand eine diesbezügliche Unterredung gehabt habe. Das Ziel wäre also eine möglichst gleichzeitige Neuwahl in Deutschland und Frankreich und, da die fran- Fösischen Neuwahlen spätestens im April erfolgen müssen, die deine,rtsprechende Ansetzung des deutsche« Wahlterm? Ls. Natürlich loertdet sich die Rechte ix Deutschland mit besonderer Schärfe gegen dieses wirkliche oder angebliche Vorhaben.
Innenpolitische Strömungen sind gleichfalls in den letzten Lagen des vergangenen Jahres in diesem Zusammenhang wieder recht laut aufgebraust. Bekannt ist ja das Drängen der Opposition nach einer baldigen Reichs- tagsmrflösung, weil der Reichstag „überaltert" sei, der wirklichen Volksmeinung nicht mehr entspreche. Vor allem solle er deswegen das Reichsschulgefetz nicht mehr zur Verabschiedung bringe«, auch der Etat könne von einem neugewählteu Reichstag erledigt werden und, um die bisher geleistete'Arbeit in der Frage der Strafrechtsreform nicht ungenutzt und vergeblich zu lassen, könne man durch ein besonderes Ader^augsgesetz diese Arbeit parlamentarisch retten. Diese Pläne- und Absichten finden in gewissen Kreisen des Zentrums Unterstützung, ohne daß man gleich dir Mitteilungen. für wahr zu halten braucht, die von einer RegierMgsun'dildung sprechen. Das Reichsschulgesetz zum mindesten wird das Zentrum mit der jetzigen Koalition Mckimren fertigsteuen, und die;e Partei ist, offiziell jedenfalls, überhaupt nicht sehr erbaut von baldigen Neuwahlen, hat sich aber doch die Hände ziemlich frei gelassen. Und den außenpolitischen Hinweisungen gegenüber, die man mit Dr. Stresemann zusammenbrittgt, erinnert man an die Ausführungen des FraktionsvorsitzendHr der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, der den Reichstag überhaupt nicht vor dem Ablauf der verfassungsmäßig seftgelegten Legislaturperiode, also vor dem Dezember 1928, aufgelöst wissen will.
Es ist also ein z i e m l i ch e s H i n und Her in dieser politisch sonst so ruhigen Zeit und böse Zungen behaupten, dieses Hin und Her erfolge gerade darum, weil es politisch so ruhig sei. Abgesehen.davon soll aber an einem nicht vorbeigegangen werden: auch damals, als der Reichstag, der 1920 gewählt wurde, gleichfalls fast vier Jahre hindurch beisammen blieb, wurden die Vorwürfe laut, er entspreche nicht mehr der Volksmeinung. Leider fehlt beim heutigen Neichstagswahlsystem das Ventil der Nachwahlen, wie es in anderen Parlamenten besteht; bei uns erfolgt bei Ausscheiden eines Abgeordneten lediglich ein Nachrückeu des auf derselben Parteiliste Gewählten. Auf vier Jahre hinaus ist also das Volk absolut zum Schweigen verurteilt, wenn nicht eben eine Reichstagsauflösung — meist aus taktischen Gründen — erfolgt. Im übrigen ist ja der letzten Endes Entscheidende in diesem Hin und Her der Auflösung oder Nichtauflösung doch der R e i ch s p r ä s i d e n t. Ibn „unter Druck zu nehmen" kann 'eine Regierung wagen und seinen freien, auch parteitaktischen Rücksichten fernen Erwägungen bleibt es vorbehalten, wenn er durch seinen Namenszug bem Streit ein Ende macht und dem Volk die Entscheidung auheimstellt.
Explosion in einer Sprengstoffabrik.
, . B rüsseI. Eine furchtbare Explosion zerstörte die Spreng- stosfabrik in Lanaeken bei Tongern. Von den neun in der Werkstatt beschäftigten Arbeitern wurden fünf alS Leichen geborgen. Wie befürchtet wird, sind auch die übrigen vier und der ^abrilleièer der Explosion zum Opfer gefallen.
wWNm km ReilhMfidevte«.
Hindenburgs Glückwunsch
an Heer und Manne.
Reichspräsident v. Hindenburg hat neben dem Reichs- Wehrminister und den beiden Oberkommandierenden von Heer und Marine der Wehrmacht zum Neujahrsdeginn gedanckt und ihr folgenden Glückwunsch übersandt:
„An die Wehrmacht! Der deutschen Wehrmacht rufe ich zum Jahreswechsel meine herzlichen Grüße und Wünsche zu. Der feste Je zur treuen Pflichterfüllung für das Vaterland wird uns, wie bisher, auch im neuen Jahre nuferen Weg vorzeichnen."
*
AuS Anlaß seines 40jährigen Dienstjuöilâums erhielt Ministerialrat Schulze im Reichspostministerium neben vielen Glückwünschen auch ein Schreiben des Reichs- Präsidenten, in dem die Verdienste des Ministerialrats gewürdigt werden.
Wünsche für das deutsche Zoll.
Neben von Hindenburg und Mürx.
Reichspräsident von Hindenburg empfing am Neujabrs- tage Die Ebes« der hiesigen fremden diplomatischen 1Bh> MUma«n, denen im Ehrenhof des Reichspräsidiums von einer Abteilung Reichswehr die üblichen mrOtärischen Ehrenbezeugungen erwiesen wurdem
Die Glückwünsche des Diplomatrscyrn Storp» brachte by Apostolische Nuntius Monsignore Pacelli
als Doyen zum Ausdruck. Er erbat Gottes Segen für Hindenburg und seine Familie. In seiner Rede wies er weiter darauf hin, daß das Gefühl des Vertrauens, das die Wohl- des Friedens und die inlerndtionaien politischen und wtrtlchastlicven Übereinkommen be- den P§llern Hervorrufen das große Werk des Wiederaufbaues auf dem Trümmerfeld, bas die furchtbare Geißel des Krieges hinterlassen hat, zu fördern.
Reichspräsident von Hindenburg erwiderte u. a.: Ich hoffe und wünsche, das; sie harten Prüfungen der Vergangenheit und die wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Nöte der Gegenwart in den Völkern, von denen jedes einzelne im Zusammenleben der Menschheit seine wichtigen und unentbehrlichen-Aufgaben zu erfüllen hat, den Willen ,ur 'Zusammenarbeit und das Verständnis für die LebenSnotwen- vigteite« jedes einzelnen Volkes vertiefen und verstärken werden. Hingabe an daS Vaterland schließt den Dienst an der Menschheit nicht aus. Die Völker aber werden sich um dir Herbeiführung einer wahren Friedensgemeinschaft der Nationen um so freudiger bemühen, weirn sie von der ttbcrzeuming erfüllt sein können, daß dieser Friede zugleich die HsrrWast der Gerechttakeit und ibres dürften Gutes, der Freiheit, begrün
Ansprache des Nuntius Pacelli.
det So sehr das deutsche Volk noch von eigenen Sorgen bedrückt ist, die es weder vergessen noch zurückstellen kann, wird es sich doch an allen Bemühungen um einen echten Frieden tschlossen und aufrichtig beteiligen in der Erwartung, vag so die Erreichung jenes Menschheitsideals der Gerechtigkeit in den Beziehungen der Völker untereinander am besten gefördert
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Hierauf begrüßte der Reichspräsident die einzelnen Botschafter Gesandten und Geschäftsträger und wechselte mit ihnen Neujahrswünsche. Bei dem Empfang waren außer Staatssekretär Dr. Meißner und den anderen Herren der Umgebung des Reichspräsidenten Neickskanzler Dr. Marx, der Sraatsseketär des Auswärtigen Amts Dr. von Schubert lowie des Chef des Protokolls, Gesandter Köster, zugegen
Im Anschluß hieran emvfing der Reichspräsident den Reichskanzler sowie die hier anwesenden Reichsminister und Staatssekretäre der Reicksregicrung.
Reichskanzler Dr. Marx überbrachte darauf die Wünsche der Reichsregierung. Er hielt dabei eine Ansprache, in der er daraus hinwies, daß die Be- kreiuna des besetzten Gebietes noch nicht in Erfüllung gegangen, aber dennoch eine Besserung und Festigmig unserer auswärtigen Lage unverkennbar sei. In der Rede heißt es weiter:
Deutschlands Stellung unter den Völkern wird sich auck^in ^ufunft weiter Leben, wenn unser tiefer und ebruwer
Wille, «n den gieren Pölkerfragen tatkräftig mitzuwirken, die gemeinsame Arbeit zur Sicherung des Friedens gefördert hall Mit großer Freude Vars ich feststellen, daß die ernste Sorge der uns im Vorjahre srückendcn Arbeitslojigreit mit allen ihre» fchween Schädigungen seelischer und materieller Not zu eurem großen Teile von uns genommen ist: auch daß wir von schweren Wirtschafrskämpsen verschont blieben, zeugt von der sich immer mehr durchsetzenden Erkenntnis, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer Zemein'am an der Meisterung der schweren Wirtschajtsprobleme arbeiten müssen, die uns die Nachkrieas- zeit zuruckgtlassen hat Sie tue Hoffnung ist. daß dieser Se» dankt auch im komMtnren Fahre sich immer tiefer sestse 'en möge Daß es gelungen ist, unserer treuen und bewährten Br- amieufdjah zum Schlüsse deS Jahres vas zu geben, wo« nach Lage unserer Staalssinanzen und unter Berücksichtigt! Wittschaitèverhälmisie möglich war, erfüllt uns mit &t rer Genugtuung
' e Der Reichskanzler -ab der Hoffnung Ausdruck, daß in politischen Kämpfen deS kommenden Jahres das Gefühl t Einigung, wie es sich beim 80. Geburtslage des Reichspräsidenten gezeigt habe, nicht verloren gehen möge Mit solcher Zuvetsschl treten wir in das neue Jahr ein, das für Sie, sehr verehrter Herr Reichspräsident, und unser deutsches Volk ein glücklichis und gesegnetes fein möge!
Rn die Brüder im besetzten Gebiet!
Der Reichspräsident dankte für die Glückwünsche. Er nab feinem Bedauern darüber Ausdruck, daß der Rheltt WM immer nicht frei sei, und gedachte in herzlichen Worten des besetzten Gebietes &r führte dazu weiter aus:
Fremde Militärgewa!! und Besamung im Land ist unvereinbar mit einer endgültigen Befriedung. Nur auf freie“ Boden und zwischen freien Völkern können die Gedanken d Verständigung und des Ausgleichs roll zur Auswirkung langen. Mir lebhafter Genn-ztuung stelle ich dagegen fe? eS durch opferwillige Entschließungen der Reichs- v preußischen SraatSregierun^ in den lew«»'
Ostpr
Jahr
fünfte
Press
nicht zur Vertiefuna des ywieipattes und der Gegensätze führen und nicht zu persönlicher Bekämpfung und Verhetzung aus- arteii möge. Auch im Wahlkampf soll der Gedanke an bad Vaterland und die Gemeinschaft deS deutschen Volkes vor dem Streben nach parteipolitischem Vorteil stehen! Denn nur in d»esem Gedanken und im festen vertrauenden Zusammenhalt aller Deutschen können wir die so schwierigen Probleme und Aufgaben lösen, die noch vor unS liegen.
Später übermittelten weitere führende politische Persönlichkeiten dem Reichspräsidenten ihre NeujahrSwünsche.
Oeuisch-österreLchischer
Glückwunschausiaufch.
Telsgrammwechsel zwischen Hindenburg und Hainisch.
Anläßlich des Jahreswechsels sandte Bundespräsident Hainisch folgendes Telegramm an den Reichspräsident-"! von Hindenburg:
Die Wende des Jahres, irr der die ehrfurchtgebietende Persönlichkeit Eurer Exzellenz das achte Jahrzehnt vollendet hat, bietet mir den erwünschten Anlaß, Ihnen, hochverehrter Herr Reichspräsident, die wärmsten Wünsche für Ihr persönliches Wohlergehen, sowie für das Blühen und Gedeihen des großen Deutschen Reiches, das in so enger Gefühls- und Kulturgemeinschaft mit unserem deutschen Vaterlaude steht, auszusprechen. Möge es dem Deutschen Reiche vergönnt sei«, wie bisher ein mächtiger Fakwr auf dem Gebiete der Befriedung der ganzen Welt zu bleiben."
Vorstehendes Telegramm hat sich mit folgendem Telegramm des Reichspräsidenten von Hindenburg gekreuzt:
„Es ist mir ein levhnst gefühltes Bedürfnis, Ihnen, Herr Bundespräsident, und dem österreichischen Botte
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