Tagung der Raiffeisengenossenschaften der Zentrale Frankfurt am 28. November.
Die Hauptgenossenschaft Frankfurt hatte die ihr angeschlosse- Genossenschaften aus O b e r h e s s e n, Nassau, Wetzlar und angrenzender Gebiete zu einer außerordentlichen Eeneralver- sammlung mit anschließendem Vcrbandstag in das Volksbil- dungsheim nach Frankfurt gerufen. Erschienen waren die Ver- ireter von etwa 700 Genossenschaften. Die ganze Tagung stand unter dem Gesichtspunkt der Rationalisierung. Zusammenschluß, Vereinheitlichung, Sparmaßnahmen waren die Kernstücke, die um allen Rednern und Gegenrednern behandelt wurden. War hierdurch ein einheitliches Verhandlungsthema gegeben, so war man andererseits verschiedener Meinung über das „Wie". Ziel Has ganzen Planes ist „der Rhein-Mâinische Wirtschaftsblock". Um diesen zu erreichen, müssen nun grundlegende Veränderun- nen in der seitherigen genossenschaftlichen Organisation ein- treten. Wie sieht es jetzt bei uns in Oberhessen aus? Genos- lenschaften der Zentral-Genossenschaft Darmstadt bestehen neben den Raiffeisengenossenschaften. Nach dem Rationalisierungsplan sollen diese alten Namen verschwinden und auch die Grenzen (auf wirtschaftlichem Gebiete) zwischen Hessen und Preußen. Alle Genossenschaften des Rhein-Maingebietes — gleich, in welchem Lande — bilden ein Wirtschaftsgebiet, ein Ganzes, mit der Zentrale in Frankfurt. Mit diesem Plane trat die Preußenkasse an die Zentralen Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden heran. Er stand auf der heutigen Tagesordnung. Herr Direktor Dr. Nolden wies einleitend uf die Schwierigkeiten der seitherigen und jetzigen Lage hin, die ihren Ursprung in den großen Verlusten der Deutschen Raisfeisenbank Berlin haben. Die deutschen Genossenschaften hüben in Treue zueinander und zu ihrer Zentrale gestanden und in langjähriger Arbeit die F.uer- probe bestanden. Nicht bestanden hat sie die Zentrale. Durch sie ist das Genossenschaftswesen in schwerste Not geraten, aus der wir einen Weg suchen. Hier findet die Forderung der Rationalisierung — Vereinheitlichung — ihre Begründung. Wir haben in den letzten Monaten eine Zusammenlegung größten Ausmaßes erlebt, diejenige der Deutschen Bank und der Diskontogesellschaft. Erzielt man auf diese Weise große Gewinne, so bleiben auch die üblen Folgen andererseits nicht aus; denn etwa 13 000 Beamte und Angestellte wurden bei dem erwähnten Unternehmen brotlos. Bei der Vereinheitlichung des deutschen Genossenschaftswesens erhofft man einen Gewinn von etwa 70—80 Millionen Mark. Dieser soll zur Schuldendeckung und zu Neueinrichtungen verwendet werden. Die Zentrale Frankfurt ist nun frei in ihren Entschließungen, daß sie durch keinen äußeren Zwang — Schulden — zu einer Zusammenlegung gedrängt wird. Die Lage der Hauptgencssenschaft ist allseits sehr gut. Wenn sie sich dennoch mit dem Rationalisierungsproblem befaßt, so ist es zur Zeit ein Akt kluger Voraussicht seitens der Leitung; denn eine Zusammenfassung des deutschen Genossenschaftswesens wird eines Tages doch kommen.
Wird sie von gut fundierten Verbänden rechtzeitig vorgenommen, so bleibt diesen das Recht der eigenen Gestaltung. Hierbei lassen sich Sonderwünsche von einzelnen Gruppen eher berücksichtigen, als bei diktatorischem Zwange.
Zwei Wege sind nun möglich:
1. Man bildet sofort den ganzen Block, mit der Zentrale Frankfurt. Alle Genossenschaften des Rhein-Maingebistes, ob Raiffeisen oder solche der Zentral-Genossenschaft Darmstadt, bilden ein Ganzes.
2. Man geht etappenweise vor, indem man zuerst in Nassau rationalisiert. Dazu kommen noch die Genossenschaften in Oberhessen. Zentrale ist Frankfurt.' Man hat diesen Weg beschritten. Hierbei stieß man aber mit der Zentral-Genossenschaft Darmstadt zusammen, die Ansprüche auf Oberhessen erhob,'da sie hierin einen Ersatz für Wiesbaden erblickte, dessen Genossenschaften — als sie finanziell schlecht standen, — von Darmstadt aus der Klemme gezogen worden waren. Oberhessen weigerte sich aber, die Zentrale Frank- A furt zu verlassen, da man dieses natürliche Wirtschafts- und Absatzgebiet nicht aufgeben wollte. Auch andere Dinge, — wie Haftsumme, das Schließen von Lagerhäusern in Ober- Hessen — bewogen die oberhessischen Raiffeisengenossenschaften zu der vielgenannten Sonderaktion unter der Führung des Herrn Dekan Vogel. Es schlossen sich diesem Sonderunternehmen auch noch Genossenschaften von Wetzlar und angrenzender Gebiete an, und man operierte mit dem Anschluß an Kassel. Das war nun Krisenstimmung; denn das neue Wirtschaftsgebiet hätte dadurch etwa 300 Genossenschaften «erloren.
Die Generalversammlung brachte eine glückliche Lösung. Darmstadt verzichtet auf Oberhessen, erhält aber dafür die Gelder, die es einst den Wiesbadener Genossenschaften zuwendete, von der Preußenkasse zurück. Es wurde einstimmig beschlossen, daß sich die seitherigen Genossenschaften der Zentrale Frankfurt, mit Oberhessen einschließlich, zu dem „Rhein-Mainischen Wirtschaftsgebiet" zusammenschließen. Die Verhandlungen mit der Zentrale Wiesbaden sollen dann in Kürze geführt werden. Es werden ferner alle Bemühungen der Leitung gut geheißen, die dazu führen, die Genossenschaften der Zentral-Genossenschaft Darmstadt in diesen Wirtschaftsblock hineinzuziehen.
Um 3 Uhr nachmittags begann dann nach kurzer Pause der Verbandstag. Auch hier waren die Debatten zeitweise äußerst heftig, — namentlich als die Abbau- und Sparmaßnahmen bekannt gegeben wurden. Der geschickten Leitung des Vorsitzenden sowie der Autorität seiner ganzen Persönlichkeit gelang es jedoch, auch den Verbandstag zu einem guten Ende zu bringen. Er versicherte, daß man bei dem Abbau auch vor der Zentrale nicht Halt machen werde. Hoffen' wir, daß sich die neuen Beschlüsse zum Wohle des deutschen Genossenschaftswesens auswirken. —W.—'.
Vermischte Nachrichten,
Scharfe Patronen bei einer Haussuchung gesunden.
Emden. Ein neunzehn Jahre alter arbeitsloser Bureaugehilfe aus Walle bei Aurich hatte vor einigen Tagen erklärt, er plane, das Arbeitsamt und das Regierungsgebäude in Aurich in die Luft zu sprengen. Der junge Mann wurde verhaftet. Inzwischen sind umfangreiche Haussuchungen, und Vernehmungen durchgeführt worden. Bei dem Vater eines Freundes des Verhafteten wurden 113 scharfe Infanterie- Patronen vorgefunden. Die Ermittlungen werden fortgesetzt.
Weitere Rußlandauswanderer auf deutschem Boden.
Schncidemühl. Weitere 365 deutschrussischc Auswanderer trafen in Hammerstein ein. Die meisten der jetzt hier eintrafen in Hammerstein ein. Die meisten der letzt dort ein- Omsk in Sibirien und aus der Ukraine. Sämtliche Kolonisten machen einen ausgezeichneten Eindruck und sprechen fließend deutsch. Der Empfang in Hammerstein war sehr herzlich.
Lettow-Vorbeck beim Prinzen von Wales.
London. Der Prinz von Wales hat General von Lettow- Vorbeck empfangen. Die Audienz dauerte über eine halbe Stunde. .
Elf Todesopfer eines Schiffbruches.
London. Der Dampfer „Trongrate" meldet, es sei ihm gelungen, drei Mann der Besatzung des gestrandeten Dampfers »Norwich City" zu retten. Elf Mann sind bei der Strandung ertrunken, 21 werden noch vermißt. ,
Raubüberfall auf ein Personenauto.
Mailand. Ein räuberischer Feuerüberfall wird aus Agri- Neuto bei Palermo gemeldet. Ein Auto, in dem sich ein Ingenieur, seine Familie und ein Arbeiter befanden, wurde von Räubern überfallen. Der Führer des Auchs wurde durch Herzschuß gelotet, der Ingenieur und seine Frau wurden mrletzl Die Banditen forderten darauf die Frau des ^"Oemeurs auf, mit ihnen in die Villa zn kommen, um ihnen Bargeld und die Wertsachen hcrauszugeben Die ata «L^be dabei, dem Befehl der Räuber zu gehorchen,. bernou» ^ ""^'r das Geräusch eines herannahenden Antos zu "neymen glaubten und in wilder Flucht verschwanden.
Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieien.
Merkblatt für den 6. Dezember.
Sonnenaufgang 7.49, Sonnenuntergang 15.53 Uhr. Mondaufgang 12.6, 'Monduntergang 20.23 Uhr.
1869: Der Südpolarforscher Otto Nordenskjöld in Hesselby geb. (gest. 1928).
In jedem Kinde liegt eine wunderbare Tiefe.
Schumann.
Wetterbericht.
An der Vorderseite des isländischen Tiefdruckwirbels dringt noch immer warme Luft nach Südwesten vor und verursacht milde Temperaturen. Im Bereich der Tiefdruckausläufer kommt es auch weiterhin zu vereinzelten Niederschlägen. Nach kurzer Besserung ist wieder mit einer Verschlechterung der Wetterlage zu rechnen, da die Zyklonentötigkeit über dem Atlantik sich weiter fortsetzt. — Vorhersage bis Donnerstag abend: Bewölkt, geringe Niederschlagsneigung mit darauffolgender Verschlechterung, mild, südliche Winde. — Witterungsaussichten für Freitag: Nach stellenweise lebhaften Niederschlägen wieder Besserung des Wetters, aber noch unbeständig, bei südlichen Winden' mild.
* Fulda, den 5. Dezember 1929.
Die Wahlen zur Handelskammer.
Bei den heute vormittag stattgefundenen Wahlen der Industrie- und Handelskammer wurde in der Industrie-Abteilung Herr Generaldirektor Kayser-Fulda zum Mitglied der Gesamt- kammer und die Herren Robert Berta-Fulda, Direktor Warnstedt-Neuhof und Direktor Schmiedgen-Fulda zu Mitgliedern der Geschäftsstelle Fulda gewählt. In der Einzelhanvel-Ab- teilung wurden die Herren Ferdinand Hoefling-Fulda und Otto M. Kircher-Fulda zu Mitgliedern der Geschäftsstelle Fulda gewählt.
Rasch tritt der Tod ....
Gestern vormittag wurde ein zum heutigen Viehmarkt nach Fulda gekommener 58jähriger Handelsmann aus der Stuttgarter Gegend in einem Stalle in der Florcngasse von einem Schlaganfall ereilt, der seinen sofortigen Tod herbeiführte.
llebersall aus der Landstraße.
Auf offener Straße wurde der ^ljährige Sohn eines hiesigen Landwirts, als er sich mit feinem Fuhrwerk auf dem Heimwege befand, von zwei Angehörigen einer feindlichen Familie überfallen. Die beiden Burschen richteten ihr Opfer so furchtbar zu, daß es jetzt schwerkrank darniederliegt.
Ein Appell des V.D.A. für die Rußlanddeutschen.
Der Vorstand des Vereins für das Deutschtum im Ausland hat den nachstehenden Rettungsappell, der sich in erster Linie an die Reichsregierung und die internationalen Fürsorge- organisationen richtet, beschlossen:
Nach russischen Meldungen sollen von den 13 000 Bauern, die bei Moskau zusammengeströmt waren, 9 0 0 0 wieder in den russischen Winter zurückgeschickt werden. Es handelt sich um diejenigen Bauern, die zur Zeit noch keine Ueb.rfahrtmöglichkeit nach Kanada oder Brasilien haben. Das ganze deutsche Volk und darüber hinaus die Weltöffentlichkeit, die Kreise um den Genfer Völkerbund und besonders auch die öffentliche Meinung Amerikas sind von banger und berechtigter Sorge um das Schicksal dieser Deutschen erfüllt, die auf keinen Fall in ihrer völligen Hilflosigkeit ihrem Schicksal überlassen werden dürfen. Auch von deutschen amtlichen Stellen ist die Ueberzeugung zum Ausdruck gebracht worden, daß der Rücktransport für den größten Teil dieser nun ent w-U-r zelten Menschen den Untergang bedeuten würoe. Der Verein für das Deutschtum im Ausland, der als eine Volksbewegung von Millionen von Menschen in Deutschland und in Oesterreich in nunmehr einem halben Jahrhundert praktischer Arbeit den großen Gedanken der Hilfsverbundenheit aller Deutschen ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit vertritt, dankt der Reichsregierung, daß sie sich im Sinne dieser selbstverständlichen Volksverbundenheit tatkräftig für die deutschen Volksgenossen in Rußland eingesetzt hat. Der V.D.A. richtet die dringende Bitte an die maßgebenden Stellen, durch geeignete 'Maßnahmen der internationalen humanitären Fürsorge das Schicksal dieser in unmittelbarer Todesgefahr schwebenden Deutschen zu überwachen. Der V.D.A. erhebt ebenfalls die Aufforderung, nötigenfalls diesen anscheinend dem Untergange preisgegebenen' deutschen Bauern, die jahrhundertelang Volksart und Väterglauben unter den schwierigsten Verhältnissen gewahrt haben, Siedlunasland im 'deutschen Osten zur Verfügung zu stellen. Die Möglichkeit, eine solche, mit sparsamsten Mitteln vorsichgehende Ostsiedlung durchzuführen, ist gegeben, wie sich nach eingehenden Verhandlungen erwiesen hat. Das deutsche Volk wird sich niemals damit abfinden, daß Tausende deutscher Bauern elend zugrunde gehen, während der deutsche Osten auf Siedler von der Art und Geeignetheit dieser Rückwanderer geradezu wartet.
Schwere Strafe für eine Brandstiftung in Unterbtinbach.
Unser Sehr.-Korrespondent meldet aus Hanau: Die Große Strafkammer Hanau hatte sich gestern als Berufungsinstanz mit dem am 26. Juni d. J. früh morgens in Unterbimbach entstandenen Brande in dem landwirtschaftlichen Anwesen des bljäh- rigen Landwirts Franz Weismüller zu beschäftigen. Dem Brande war ein alter Pferdestall und der angrenzende Schweine- stall zum Opfer gefallen. Die Untersuchung des im Fuldaer Land tätigen Frankfurter Brandkommandos ergab starke Verdachtsgründe gegen Weismüller, der sich bei seiner polizeilichen Vernehmung in starke Widersprüche verwickelte und schließlich wegen Brandstiftung verhaftet wurde. Das Schöffengericht Fulda verurteilte W. wegen Brandstiftung zu 1 Jahr Gefängnis. Gegen dieses Urteil hatte sowohl der Angeklagte als auch der Staatsanwalt Einspruch erhoben. In der Berufungsverhandlung vor der Großen Strafkammer in Hanau beantrgte der Staatsanwalt 2% Jahre Gefängnis, da nur empfindliche Strafen den vielen Brandstiftungen Einhalt bieten könnten. Das Urteil der Großen Strafkammer lautete auf 1 Jahr 9 Monate Gefängnis bei sofortiger Verhaftung des Angeklagten. Ausdrücklich wurde in dem Urteil betont, daß durch abschreckende Bestrafungen der furchtbaren Brandstiftungsseuche im Fuldaer Land begegnet werden müsse.
Die Beschaffung einer Hausstnssteuerhypothek.
Ein jeder, der schon einmal versucht hat, sich zu einem Hausbau das fehlende Geld zu beschaffen, weiß, über welch dornenvollen Weg diese seine Bemühungen führten. Private, kommunale und sogar staatliche Geldinstitute müssen sehr sparsam bei der Ausgabe von Hypothekengeldern verfahren, und die hohen Zinssätze für das sogenannte freie Geld vergällen dem Baulustigen jede Freude am Bauen. Die Bewilligung einer ' H a u s z i n s st c u e r h y p o t h e k bedeutet infolgedessen für'jeden Baulustigen eine wesentliche Verbilligung und Erleichterung seines Bauvorhabens, da die Verzinsung der Hauszinssteiierhypotheken nur 3 Prozent jährlich beträgt.'wozu noch 1 Prozent für die Tilgung des Kapitals hinzukommt. Wenn aber der Bauherr den Nachweis erbringen kann, daß sich unter Berücksichtigung der gesamten Kosten seines Neubaues eine höhere Miete ergeben würde, als für gleichwertige, vor dem 1. Juli 1914 errichtete Wohnungen (Altwohnungen) zu zahlen ist, so kann auf seinen Antrag hin der Zinssatz sogar auf 1 Prozent pro anno herabgesetzt werde n.
Bei der Verteilung der Hauszinssteüerhypotheken an die Antragsteller liegt es durchaus nicht in der Macht eines Magistrats oder einer Gemeindevertretung, die zur Verfügung stehenden Mittel willkürlich zu verteilen. Religiöse, politische oder persönliche Freundschaft darf und soll bei der Verteilung
keinen Einfluß ausüben. Maßgebend für die Verteilung der Hauszinssteuergelder ist einzig und allein die Zeit des Eingangs des Antrags auf Gewährung einèr Hauszinssteuerhypo- thek. Sachliche Behandlung und Prüfung der eingehenden Anträge wird dabei zur besonderen Pflicht gemacht.
Für den Wohnungsbau standen in den Jahren 1928 und 1929 an Mitteln aus der Hauszinssteuer 800 Millionen Mark zur Verfügung. Wer für das Jahr 1930 eine Hauszinssteuerhypothek haben will, muß rechtzeitig (wenn es noch nicht geschehen, also umgehend!) einen entsprechenden Antrag stellen. Der Antrag ist an den Gemeindevorstand bzw. an den Magistrat zu richten und muß Bauzeichnung, Bauplan, Grundbuch- und Katasterauszug enthalten. Ferner muß der Bauherr den Nachweis erbringen, daß er in der Lage ist, entweder aus eigenen Mitteln oder mit Hilfe Dritter die übrigen Baukosten selbst aufzubringen. Das Bauprojekt muß also bei Bewilligung der Hauszinssteuerhypothek finanziell gesichert sein. Auch eine genaue Aufstellung über die Höhe der durch die Verzinsung des Vaukapitals einschließlich aller sonstigen Lasten sich ergebenden Mieten ist beizufügen. Diese Mieten dürfen die für eine entsprechende Altwohnung zu zahlende Miete nicht erheblich übersteigen. Da die Hauszinssteuerhypotheken grundsätzlich nur zur Behebung der dringenden Wohnungsnot bewilligt werden, dürfen die projektierten Wohnungen nach Größe, Raumzahl und Komfort die notwendigsten Anforderungen nicht überschreiten. Um eine nachträgliche Belastung durch Straßenbaukosten usw. zu vermeiden, sollen die geplanten Bauten an fertigen Straßen liegen.
Die Hauszinssteuerhypothek soll 3000 Mark je Wohnung nicht übersteigen, sie darf nur in besonderen Fällen bis jtuf 5000 Mark erhöht werden. R. F.
Geschwindigkeit und Velastungsgcwicht für Lastautos.
Nach der zugleich im Namen des Innenministers erteilten Antwort des preußischen Landwirtschaftsministcrs auf eine Kleine Anfrage eines Landtagsabgeordneten sind nach den bestehenden Bestimmungen die Ortspolizeibchörden und die Regierungspräsidenten befugt, die zulässige Geschwindigkeit der Kraftfahrzeuge durch Polizeiverordnungen einzuschränken. Von diesem Recht wird, soweit bekannt, nötigenfalls Gebrauch gemacht. Ueber Neufestsetzung der Höchstgewichte für Kraftfahrzeuge schweben Verhandlungen bei dem Reichsverkehrsmini:er. Es ist anzunehmen, daß eine Regelung demnächst _ erfolgen wird. Im übrigen ist zu beachten, daß schweres Pferdefuhrwerk, wie es von der ländlichen Bevölkerung benutzt wird, ebenfalls in nicht unerheblichem Maße die Straßendecken zerstört.
Der heutige Vieb^n'kt.
Auf dem heute hier abgehobenen Viehmarkt waren 666 Stück Vieh auf--; trieben. Der Gattung nach waren es: 10 Bullen, 30 Ochsen, 130 Stiere, 134 Rinder, 155 Kühe und 20' Kälber. Bezahlt wurden für das Stück: Bullen 225—300 Mb, Ochsen 400—500 RM, Fahrstiere 300—400 R^l, Jungitiere 1 bis 1% Jahr alt 150—200 Mit, frischmelkende Kühe 400—500 Stell, ältere trächtige Kühe 200—280 St Ji, hochträchtige Rinder 300—400 St Ji, Jungrinder 1 bis 1% Jahr alt 160—200 St Ji, Kälber je Pfund Lebendgewicht 58—66 Pfg. ältere Schlacht- kühe 100—150 St Ji. Der Handel war schleppend, es verblieb ziemlich Ueberstand. Gesucht wurden frischmelkende Kühe und hochträchtige Rinder. Der nächste Viehmarkt findet am 9. Januar 1930 statt.
Hcrsfeld. Ein gewitzter Hühnerdieb ist auf frischer Tat ertappt worden. Einem hiesigen Eisbahnbeamten wurden nach und nach 19 Hühner gestohlen, ohne daß es gelang, des Täters habhaft zu werden. Jetzt hörte der betreffende Beamte plötzlich aus einem Güterwagen heraus einen Hahn krähen. Er ging dem Schalle nach und fand seinen gestohlenen Hahn und ein Huhn aus seinem Stall. Er veranlaßte nun, daß sich jemand aus die Lauer legte. Und richtig stellte sich auch ein hier beschäftigter und in Asbach wohnhafter Arbeiter ein. Er versuchte, als er sich entdeckt sah, zu fliehen, wurde aber eingeholt und der Polizei übergeben, die die weiteren Ermittlungen eingeleitet hat. Der Ertappte leugnete zwar erst, gab aber später den Diebstahl der beiden Tiere zu. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß er auch die vorher schon abhanden gekommenen Tiere gestohlen hat.
Kirchheim. (Zwei diebische Handwerksburjchen gefaßt.) In hiesiger Gemeinde sprachen zwei Handwerksburschen vor. Bei dieser Gelegenheit stahl einer der beiden dem Arbeiter W. aus einem im Hausflur hängenden Rock ein Portemonnaie mit 13 RM. Inhalt. Dem Oderlandjäger B. von Kirchheim, dem der Diebstahl nach mehreren Stunden gemeldet worden war, gelang es, die Täter in Oberaula zu stellen und festzunehmen. Dieselben wurden in das Amtsgerichtsgefängnis Oberaula eingeliefert.
Marburg, 4. Dez. (Einweihung einer Universitäts-Segel- flughalle.) Zu der auf dem Gelände des Exerzierplatzes stauge- fundenen Einweihung einer Flughalle, die für die akademische Segelfliegergruppe errichtet worden ist, welche seit etwa zwei Jahren an unserer Universität unter Leitung von Professor Jäck besteht, hatte sich ein recht zahlreiches Publikum eingefunden. Unter den Gästen bemerkte man neben dem Kurator und dem Rektor der Universität zahlreiche Dozenten und Studierende, Landrat Schwebel, Oberbürgermeister Müller, Bürgermeister Voß und Major Altvater-Mackensen. Geheimrat von Hülsen gab in einer kurzen Ansprache seiner Freude darüber Ausdruck, daß cs möglich gewesen sei, dem Institut für Leibesübungen diese Halle zur Verfügung zu stellen. Professor Jäck dankte insbesondere noch dem Kurhessischen Verein für Luftfahrt für die anerkennenswerte Mitarbeit.
* Gießen, 3. Dez. (Ausbau der Vogelsberg-Rennstrecke.) Unter Leitung des Provinzialdirektors Graef-Gießen und im Beisein des Oberbaurates Cellarius besichtigte der Provinzial- ausschuß die Straßen und die Brückenbaulen des Vogelsberges. Besonders galt der Ausflug der Vogelsberg-Rennstrecke „Rund um Schotten", die vom Deutschen Automobilklub zu einer bedeutenden Rennbahn ausgebaut werden soll. Die Besprechung fand bei dem Dorfe Rudingshain statt, außer dem Provinzialausschuß hatten sich Kreisdirektor Dr. Jann-Schotten, Herren vom Deutschen Automobilklub und vom Motorradklub eingefunden. Die Teilstrecke Molkerei Schotten über Rudingshain bis Poppenstruth soll um einen Meter verbreitert werden. Es wurde angeregt, daß die Kreise Schotten, Lauterbach und Gießen einen Teil der Kosten übernehmen sollen. Ein endgültiger Beschluß wurde nicht festgelegt. Der Provinzialtag dürste sich demnächst mit dem Ausbau der Rennstrecke befassen.
Frankfurt a. M., 3. Dez. (Hessische Feuerwehrtagung in Frankfurt.) Der Landesverband der Freiwilligen Feuerwehren in Hessen hält am kommenden Sonntag, den 8. Dezember, in Frankfurt a. M. seine diesjährige Abgeordnetenversammlung ab. Dem Verband gehören zur Zeit 390 Freiwillige Feuerwehren Hessens am Die Tagung wird den Gesrbäftsbericht für das verflossene Verbandsjahr entgegennehmen und außerdem eine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen haben.
Geschäftliches.
W Geheimnisse zwischen Mann und Frau soll es eigentlich nicht geben, sie entstehen immer nur aus Mangel an Vertrauen. In vielen Fällen ist es auch Mangel an Selbstvertrauen, das herrührt aus Ueberarbcituua im Beruf oder körperlicher und seelicher Ermattung. Die Wissenschaft behandelt neuerdings solche Symptome nicht als „gewöhnliche Nervosität" sondern geht der Sache tiefer auf den Grund: die xwrmon- Therapie versucht das Blut zu erneuern, die Drüsen zur Hor- "Untätigkeit anzuregen. Man nimmt Hormon-Präparate 'wie „Dibrl", um körperliche und geistige Leistungsfähigkeit in kurzer Zeit wieder herzustellen. Man gewinnt wieder das Selbstvertrauen und damt auch das Zutrauen zum andern Menschen.