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SiBkm und Drang.

Die Studentcnunruhen. Noch immer Gehcim- diplvmatic.Gefährliche" Bahnanlagen. >

Wo alles haßt, sich gegenseitig in die Haare gerät und neben platonischen Beteuerungen friedfertigster Ab­sichten keine Gelegenheit vorübergehen läßt, um irgend­einen Streit vom Zaun zu brechen, da kann natürlich auch die akademische I u g e n d unserer Tage nicht still­halten. In den ehrwürdigen Hallen der deutschen Hoch­schulen tobt der Kampf zwischen Berbindungs- und Nicht­verbindungsstudenten, zwischen Republikanern und Richt­republikanern. zwischen deutschen und ausländischen Studenten und was diesen gleichgesetzt wird. In B e r l i n sind die hoben akademischen Behörden dabei, die Vor­gänge vom 12. November zu untersuchen, die Schuldigen festzustelleu und danach entsprechende Sanktionen festzu­setzen, um mit der berüchtigt gewordenen Sprache der Franzosen zu reden. In H a l l e ist es wieder einmal, in­folge einer Maßregelung durch den preußischen Kultus­minister, zu Stratzenkundgebungen der staatlich nicht mehr anerkannten Allgemeinen Studentenschaft gekommen, weil sie sich vor den ministertreuen Kommilitonen benachteiligt fühlten, und selbst in Bingen, also sozusagen immer noch im Angesicht der fremden Besatzungstruppen, haben die Angehörigen einer akademischen Fachschule einen regel­rechten Streik begonnen, weil die Hochschulleitung im Einverständnis mit der zuständigen hessischen Regierung ihren Farben- und bunten Mützen-Ansprüchen nicht will­fahren will. Bringt man sich dazu die Vorgänge an den Hochschulen von Wien un d Pr ag, von Brünn und Preßburg, von Warschau und Lemberg in Er­innerung, so steht man auch hier vor einer internationalen Erscheinung, der vielleicht irgendwelche gemeinsamen oder doch gleichartigen Ursachen zugrunde liegen. Ist es eine ansteckende Krankheit, die in den verschiedensten Ländern die jugendlichen Geister befallen hat? Oder ungestillter Tatendrang, der sich, auch auf die Gefahr von Verstößen gegen die akademische Ordnung, Luft machen muß? Oder verdirbt das schlechte Beispiel, das jetzt vielfach von den Alten Herren" im öffentlichen Leben gegeben wird, die guten Sitten des Heranwachsenden Geschlechtes? Soviel scheint jedenfalls, bei aller Unsicherheit über die treibenden Kräfte, die hier am Wert sind, festzustehen, daß die akade­mischen Bürger für das allgemeine Verlangen nach gegen­seitiger Abrüstung in den gesellschaftlichen und sozialen Kämpfen der Gegenwart noch nicht gewonnen sind, ob­wohl, was Deutschland betrifft, unsere Schuljugend ja nun schon seit zehn Jahren, den Vorschriften der Weimarer Verfassung entsprechend, nach den Grundsätzen der Ver­söhnung und der Völkerverständigung erzogen wird oder erzogen werden soll.

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Aber es ist überhaupt merkwürdig, wieweit auch sonst die Welt der Tatsachen hinter den guten Absichten dieser Verfassung zurückbleibt. Im Sinne ihrer Väter hätte es doch gewiß gelegen, wenn die jetzigen Regierungen mit der Geheimnistuerei der früheren Seit von Grund auf gebrochen hätten. Aber siehe da: Mit Polen ist kürzlich ein sogenanntes Liguidationsabkommen ge­schlossen worden, dessen Einzelheiten der deutschen wie der polnischen Öffentlichkeit beharrlich vorenthalten werden. Ebenso hat man die Verhandlungen mit dem Generalgewaltigen des schwedischen Zündholz­monopols im verschwiegenen Kämmerlein durch­geführt. und nicht minder geheimnisvoll sind die deutsch- französischen Konferenzen verlaufen, in denen es zu einigermaßen merkwürdigen Vereinbarungen über das deutsche Verkehrsnetz im Rheinland und in der Pfalz gekommen ist. In der Eifel wie in der Pfalz wird die beteiligte Bevölkerung jetzt in der Weise von diesen Abmachungen in Kenntnis gesetzt, daß plötzlich, bald hier, bald da, Scharen von Bahnarbeitern erscheinen, um Schienenstränge, Verladerampen und bestimmte Gleis­stücke abzubrechen, auf daß nur ja das bis an die Zähne bewaffnete Frankreich sich über unsere strategischen Zu­kunftsabsichten nicht weiter zu beunruhigen braucht. Dar­über hinaus scheint durch diese Geheimverträge, nach gewissen Kammeräußerungen der Herren Briand und Tardieu zu urteilen, neben der militärischen Dauerkontrolle im besetzten Gebiet nun auch noch eine Verkehrsüber­wachung gleicher Art eingeräumt worden zu sein, ein Vor­gang, der, wenn er sich wirklich bestätigen sollte, vom deutschen Volke schwerlich ruhig hingenommen werden wird. In acht Tagen tritt ja, wie man weiß, der R e i ch s- tag wieder zusammen und dann wird sich die Regierung wohl endlich zu der sehr notwendigen Aufklärung über alle diese reichlich merkwürdigen Tinge entschließen müssen.

Die Rheinlandkommifsion hat ihre Tätigkeit in Wiesbaden ausgenommen.

Wiesbaden, 22. November.

Die Rheinlandkommijsion hat den deutschen Behörden mit- geteill, dag sie ihre Dienstlätigkeit in Wiesbaden ausgenommen hat. Der srellvertrerende Oberbürgermeister erhielt heute den Besuch des Eeneraldelegierten Noel.

Aufklärung der Lüneburger Vomben- attentate.

Altona, 22. Nov. Landgerichtsdirektor Masur-Berlin, der die Ermittlungen in der Bombenangelegenheit leitet, gab heute nachmittag folgenden Bericht aus: Der verhaftete Landwirt Amandus Vick jun. aus Rönne gestand, an drei Lüneburger Attentaten beteiligt gewesen zu sein. Auch der verhaftete Landwirt Luhmann aus Clues, Kreis Winsen, gab die Beteili­gung an den ersten beiden Vombenattentaten in Lüneburg zu. Alle drei Lüneburger Attentate sind- somit aufgeklärt. Gestern wurden weiter zahlreiche Verhaftungen wegen Verdachts der Beteiligung an den Sprengstossattentaten vorgenommen, und zwar in Lüneburg, in der Umgebung von Lüneburg, in Fried­richskoog, Leck, Flederwurth, Harblek und Lunden.

Für Veriagung der

Deutschen Bauausstellung.

/ Befürchtungen in der Bauindustrie.

Die Leitung der Deutschen Vauausstellung in Berlin teilt mit, daß sie vom Verein Bauausstellung wie folgt benach­richtigt worden ist:

Tie Einstellung zahlreicher Bauten in Berlin und anderen Städten sowie die Empfehlung des Deutschen Städtetages, bis auf weiteres alle nicht unbebingt notwendigen Ausgaben zu-- rückzustellen und auch den Neubau von Wohnungen zu drosseln, dürfte für die Bau- und Baustoffindustrie von sch w e r w i e - genden Folgen begleitet sein. Bei einigen Mitgliedern des Vereins Bauausstellung seien deshalb Befürchtungen ausgelöft worden, daß die Beschaffung der Mittel stür eine würdlgeBeteiligungander Deutsch-n Bauausstellung zu Schwierigkeiten führen rönne Sie hätv-n deshalb beim Verein den Antrag gestellt, die Möglichkeit einer Verschiebung der Teutschen Bauausstellung um ein Jahr zu erörtern. Die Angelegenheit beschäftigt de» Vorstand des Vereins Bauaus-

Aus Hessen-Nassau und Nachbargeöèeien.

Merkblatt für den 24. und 25. November.

Sonnenaufgang 7.31 (7.33), Sonnenuntergang 16.2 (16.1) Uhr. Mondaufgang (0.31), Monduntergang 13.46 (14) Uhr.

24. November: 1632: Der Philosoph Baruch Spinoza in Amsterdam geb. 1916: Der Techniker Hiram Maxim, Er­finder des Maschinengewehrs in London gest.

25. November: 1562: Der spanische Dichter Felix Lope de Vega Carpio in Madrid geb. 1814: Der Naturforscher Ro­bert Mayer in Heilbronn geb. 1837: Der amerikanische Groß­industrielle Andrew Carnegie in Dunferline geb. 1850: Der Germanist Wilhelm Sievers in Lippoldsbèrg geb. 1878: Der Dramatiker Georg Kaiser in Grünheide, Mecklenburg geb.

Wetterbericht.

Die Witterung hat bei uns noch immer alle Merkmale eines winterlichen Hochdruckgebiets, d. h. in den Niederungen herr­schen tiefe Temperaturen mit Nebel, während es auf den Ber­gen warm und heiter ist. Das westlich Irland liegende Tief­druckgebiet läßt aber seine Randstörung wieder näher nach dem Festland zu vordringen, so daß allmählich lebhaftere Verände­rungen des Wetters eintreten werden. Allerdings wird sich der herrschende Witterungscharakter im südlichen Deutschland am längsten halten. Vorhersage bis Samstag abend: Viel­fach noch neblig, sonst meist heiter und nur vorübergehende Be­wölkungszunahme, meist trocken, bei südwestlichen Winden etwas wärmer. Witterungsaussichten für Sonntag: Wechselnd be­wölkt, meist trocken, milder.

Das Wetter der Woche.

Die ziemlich kräftige Wirbeltätigkeit, die uns letzthin eine verhältnismäßig lange Periode unbeständigen Wetters gebracht hatte, hörte zn Beginn der vergangenen Woche auf. Nachdem sich die Luftdruckunterschiede über Mitteleuropa ausgeglichen hatten, trat sehr rasch eine Aufheiterung ein. Dabei kam es, wie wir bereits in unserem vorigen Wetterbericht angekündigt hatten, zu verbreiteten Nachtfrösten. Tagsüber freilich stieg die Quecksilbersäule ziemlich kräftig empor. Selbst aus den deutschen Mittelgebirgen und aus den Alpen wurden außerordentlich hohe Tagestemperaturen gemeldet. Das Hochdruckgebiet über Mitteleuropa kräftigte sich im Laufe der Woche mehr und mehr. Gegen Ende der Woche machte sich freilich schon wieder das Nahen eines zunächst noch nordwestlich der britischen Inseln liegenden neuen kräftigen Tiesdruckgebietes bemerkbar. Da sich an seiner Südseite Teilwirbel auszubilden scheinen, müssen wir nach einigen weiteren schönen Herbsttagen bei zunehmender Bewölkung und Auffrischen der nach Westen drehenden Winde mit einer baldigen neuen Wetterverschlech­te r u n a rechnen.

* Fulda, den 23. November 1929.

Am Wochenende.

Die Wahlschlacht ist geschlagen. Die Gemüter beruhigen sich allmählich wieder. Sogar der StammtischFeuchte Ecke" hat das politische Kriegsbeil begraben, und die verschiedenenFein­de" tauschen friedlicher ihre Meinung aus:Meine Herren, Sie kennen doch den Ausspruch von Rabindranath Tagore: alle Schranken sollen fallen aber immerhin, die neue Badean­stalt muß unbedingt und unter allen Umständen.. . ."Erlau­ben Sie mal, Herr Sowieso, in diesem Fall muß ich Ihnen wi­dersprechen, ich vermisse bei dem neuen Projekt die Berücksich­tigung verschiedener Sportarten. Ich selbst bin zwar nur Brief­markensammler, weil ich über den anderen Sport hinaus bin, aber dennoch, im Interesse der Ertüchtigung unserer Jugend verlange ich, daß . . .Ihre Forderungen, Herr Nachbar, kommen als zu weitgehend garnicht in Frage. Was uns in Fulda fehlt, ist (Zwischenruf: ein Dukatenmännchen!) ja gewiß auch das, aber vor allen Dingen plädiere ich für einPfand­haus! Man müßte feine Sommersachen, Eismaschine etcetera pe pe im Winter auf Zinsen legen können, und umgekehrt, hat der Winterpelz seine Schuldigkeit getan, dann fort damit sehen Sie, s o und nicht anders dient man der Allgemeinheit". Apropos! Winterpelz der Sklarekpelz hat jedenfalls seine Schuldigkeit auch getan (wenn man das Berliner Wahlergeb­nis betrachtet, mag es schon stimmen). Doch bleiben wir bei der Sache hier in Fulda gibts jedenfalls keine Sklarekpelze. Profit meine Herren!"

Da war übrigens in derGrünen Post" ein kleines Inserat zu lesen: Löhnender Nebenverdienst bis zu 500 Mark im Mo­nat, Auskunft gegen Einsendung von R.M. 1.. Verschiedene Neugierige opferten die Reichsmark und erhielten dafür eine Broschüre zugesandt:Wie lege ich eine Silberfuchsfarm an." DerNebenverdienst" mit Silberfuchspelzen soll sehr lohnend, aber freilich auch etwas umständlich sein, deshalb wird in Ful­da in absehbarer Zeit keine derartige Farm entstehen. Der Fuldaer ist mehr für das Naheliegende. Da kommt beispiels- weise jeden Monat ein alter Mann auf seinerGeschäftstour" zu mir, er reift inSaisonartikeln" . Gerne höre ich seinen Erlebnissen zu, ein kleines Schnäpschen macht den Alten ge­sprächig:Sehense Herr, das Geschäft macht sich ich handle bereits mit Schweden . . . Schon will ich zu den ausgedehnten Geschäftsbeziehungen gratulieren, doch er fährt fort:Das Geschäft mit Fliegenfängern geht natürlich nur im Hochsom­mer, Heftpflaster führe ich'nicht, das ist so gut wie gebettelt da habe ich mir 'ne Kiste echte Schweden zugelegt und Ihnen darf ichs ja sagen: Gott segne Ivar Kreuger, die Konjunktur in Zündhölzern steigt!Wieviel Pakete, darf ich Ihnen anbie- ten?" Also wenigstens in einem Artikelsteigende Konjunk­tur!"

Ein gutes Vorzeichen für das kommende Weihnachtsgeschäft war der Massenandrang zu der 7. Weihnachtsmesse. Im Schloß- garten wurden nach Messeschluß mehrere Zentner bedruckte Re­klamezettel, Werbeschriften usw. zusammengeklaubt. Ein großer Papier"aufwand schmählichvertan", wenigstens das eine Gute dabei, daß diese Papiere einem rührigen Lumpensammler eine unvorhergesehene Einnahme" verschafft haben. Die Reklame- fachmänner wollen als wirkungsvolle gedruckte Reklame überhaupt nur das Zeitungsinserat gelten lassen doch halt, das sieht schon wieder aus wieReklame", und diese ist an die­ser Stelle streng verpönt!

Mitten im Wahlkampf flatterte mir ein Brieflein aus Bra­silien zu. Es gibt doch noch Leute, die sich in all dem Ueber- fluß jenseits des Meeres eine gute Erinnerung an die Heimat bewahrt haben. Nur aus einem tiefen, echten Heimweh heraus kann folgende Stelle des Briefes geschrieben sein: . . . Die Heimat rächt sich. Ich kann sie nicht vergessen, sie hält mich. Hält mich fest, pnd wo ich bin, da ist sie mir offenbar. Sie klingt mit in allem, was ich sage, sie steht in meinen Träumen, sie blickt aus dem Bild, das ich betrachte, dem Buch, das ich lese. Ihr gehöre ich und muß ihre Rechte fühlen . . ." Das klingt allerdings ein bißchen anders wie das undeutscheUbi bene, ibi patria!" Ein anderer Fuldaer erzählte folgendes: Ich war schon vierzig Jahre drüben, hatte mich fast völlig amerikanisiert, das Heimweh schien eingeschlafen; da, eines Tages, flog ein kleines Luftschiff über meine einsame Farm. Mit großen Buchstaben stand der Name Fulda auf dem silber­

nen Rumpf. Von der Stunde an hatte ich keine Ruhe mehr bis ich mein altes Fulda miebergefeijen hatte". J Tagen, da einer gegen den andern steht, da einer dem andern mißtraut, sind solche Erinnerungen besonders wertvoll. Ca tief sollen Haß und Bruderzwist nicht gehen, daß wir die Heimat die uns eint, darüber vergessen. In den stillen Novembertagen' am Totensonntag wenigstens, soll alles Trennende und Stören­de vergessen sein, im Sinne des Dichterwortes:

In Ernst gebannt, schaust du die Stätte nun,

Da tiefgebettet deine Toten ruhn.

Ein treu Gebet in Weh und Blütenduft . . .

Dann ring dich los von deinem Trauerpfad Und weihe deiner Liebe heil'ge Gruft Fromm mit dem Lorbeer froher Männertat!" A. M.

Das amtliche Wahlergebnis.

Im amtlichen Teil der heutigen Nummer dieses Blattes veröffentlicht der Magistrat das amtliche Wahlergebnis der Stadtverordnetenwahlen. Gegen die Gültigkeit dieser Wahlen kann jeder Wahlberechtigte binnen 2 Wochen beim Magistrat Einspruch erheben. Nach Ablauf dieser Frist sind die Wahlen rechtsgültig, so daß die neue Stadtverordnetenversammlung zu ihrer ersten Sitzung einberüfen werden kann. Wie wir Horen, wird die Eröffnungsitzung, in der das Präsidium der Etadtver- orbnetenuerfammlung gewählt wird und die Wählen zum Ma­gistrat vorgenommen werden, aller Voraussicht nach am 16. Dezember stattsinden.

Dreifaches Arbeitsjubiläum in den Wachswerken Cickenscheidt A.-G.

In den Fuldaer Wachswerken Cickenscheidt können am heu­tigen Tage 3 Mitglieder des Personals ein Arbeilsjubiläum begehen:' Die Packerin Frau Katharina Hohmann (Fulda, Leipzigerstraße 49) kann auf eine 25jährige, der Wachs­zieher Magnus.Jahn (Fulda, Am Pröbel 10) kann auf eine 30jährige und der Wachszieher Damian Bug tWelkers) auf eine 35jährige ununterbrochene Dienstzeit zurückblicken. Die Jubilare, die in langen Arbeitsjahren in vorbildlicher Weise der Firma und den Kollegen gegenüber ihre Pflicht ge­tan haben, wurden an ihrem heutigen Ehrentage von der Lei­tung der Wachswerke Cickenscheidt, von der Kollegenschast und den'Behörden durch Ueberreichung von Geschenken und Aner­kennungsschreiben geehrt und ausgezeichnet.

Kraftpostverkehr FuldaHosenfeld.

Infolge Straßensperrung verkehrt die Kraftpost Fulda- Hosenfeld vom 23. bis 27. d. M. über Oberrode, Besges, Ober- - bimbach, Großenlüder, Kleinlüder.

Der Betrug am kranken Menschen.

Gestern abend sprach im überfüllten Stadtsaal Herr Chemi­ker Dr. Lehmann-Berlin über das Thema:Der Betrug am kranken Menschen". Unterstützt von einer Reihe anschau­licher Lichtbilder beleuchtete der Redner die verschiedenen Arte« der unsachgemäßen Krankenbehandlung. Scharf wandte er sich gegen die in der Presse oft angebotenen Geheimheilmittel gegen alle möglichen Krankheiten. Diese Mittel, auf die immer und immer wieder Tausende von Menschen hereinfallen, enthalten fast stets nur minderwertige Stoffe, denen irgend eine Heil­wirkung bestimmt nicht zugeschrieben werden könne. Während in Deutschland ein Pferd nur von dem geprüften Huf­schmied beschlagen werden dürfe, erlaube diè. Kurierfreiheit jedem, noch so unvorgebildeten Menschen, kranke Leute zu be­handeln. Hunderttausende von Menschen vertrauen bei uns ihr höchstes Gut, ihre Gesundheit, nicht dem fachlich vorgebildeten Arzt, sondern dem Heilkundigen an. Eingehend ^beschäftigst sich der Redner mit der Vorbildung der Heilkundigen, Mdei et im Lichtbilde Jnseratausschnitte zeigte, aus denen hervorging, daß gewisseHeilinstitute" in 23 Wochen, ja sogar in 3-4 Tagen einegewissenhafte" Ausbildung zum Heilkundigen an­preisen. Die Ausbildung des Arztes aber dauert mindestens 8 Jahre! An Hand weiterer Lichtbilder beleuchtete Herr Dr. Lehmann dann die verschiedenen Arten der von den Heil­kundigen meist angewandten Diagnosen. Er bezeichnete die Augendiagnose als wissenschaftlich und praktisch völlig wertlos. Tausendfache Nachprüfungen haben ergeben, daß aus der Regenbogenhaut des Auges wohl Krankheiten festgestellt wer­den können, die die Regenbogenhaut selbst ergriffen haben, daß aber aus der gesunden Regenbogenhaut eine Erkennung von Krankheiten nicht möglich ist. Auch die Urindiagnose, die Nak- kenhaarüiagnose (Schäfer Ast) usw. seien wertlos und schwin­delhast. In gründlichen Ausführungen behandelte der Rch- ner dann die neueste und modernste Kurpfuschermethode, die Biochemie. Er führte dabei aus, daß alle Salze, mit denen die Biochemie arbeite, schon im Milchzucker enthalten sind. Die in den biochemischen Tabletten enthaltenen Salze seien mengen­mäßig so verschwindend gering, daß sie bestimmt ohne Wir­kung bleiben und nur dem Fabrikanten, nicht aber den: Kran­ken helfen. Am Schlüsse seines Vortrages kennzeichnete Herr Dr. Lehmann des Wirkens desWunderdoktors" Valentin Zeil­eis in Eallspach, der bisher wohl einigen hysterisch-kranken Menschen geholfen habe, der aber bei den meisten seiner Pa­tienten keinerlei Heilerfolge habe verzeichnen könne.

Die Ausführungen des Redners fanden bei den etwa 1200 Zuhörern gespannteste Aufmerksamkeit und lebhaften Beifall.

Vom Naturheilverein.

In der letzten Monatsversammlung am 21. d. M. teilte der Versammlungsleiter den zahlreich Erschienenen im geschäftliche« Teil mit, daß am Sonntag, den 24. d. M., vormittags 11.30 Uhr, im Herrenluftbad für den leider zu früh verstorbenen 1. Vorsitzenden L. Decke ein Gedenkstein eingeweiht werden wird. Am Mittwoch wird ein bekannter Gesinnungsfreund in der Harmonie den 2. Teil seines Vortrags über Kneippkuren (praktische Anwendung) halten. Näheres wird noch durch die Presse bekannt gegeben. Dann hielt Herr Nafuvheilkundigei Eucker den angekündigten Vortrag über Gicht- und Rheumatis­mus. Der Redner schilderte in anschaulicher Weise die verschie­denen Arten des Rheumatismus, feine Entstehung und feine naturgemäße Behandlung. Redner schilderte dann einige typische Fälle von Gicht, Gelenk- und Muskelrheumatismus und betonte zum Schluß, daß eine naturgemäße Lebensweise viel dazu beitragen könne, diese bösen Leiden zu verhüten. ®eI Redner erntete für seinen anschaulichen Vortrag reichen Beifall.

Reichskurzschriftwettschreiben in Fulda.

Seit der wohlgeluugeneu Jahresversammlung des Verban- des Hessen-Nassau in 1927 ist Fulda als Tagungsort für die Reichskurzschristvereine besonders beliebt geworden.

So wurde am Sonntag, den 3. 11. d. J. ein Wettschreivcn bes Bezirksverbandes der Reichsbahnkurzschriftvereine für den Eisenbahndirektionsbezirk Frankfurt a. M. abgehalten, an dem sich 7 Vereine beteiligten. Das Wettschreiben in den Räumen der Oberrealschule (Schloß) machten 50 Schreiber mit. All- höchste Geschwindigkeit wurden 200 Silben erzielt. Nachmit­tags 4 Uhr vereinigte eine Festversammlung im Evangelischen Gemeindehaus die Gäste. Reichsbahnoberrat Dr. Calmberg- Frankfurt a. M. konnte seiner Freude über die guten Leistun­gen auch älterer Beamten Ausdruck geben, usid der Festredner, Studienrat Forstmair-Fulda, rühmte das gute Beispiel, das die Deutsche Reichsbahngesellschaft allen staatlichen und stadn- schen Behörden, allen industriellen und kaufmännischen Unter­nehmungen durch die rasche Einführung und energische der Einheitskurzschrift gab. In halbstündigen mit großem Interesse aufgenommenen Ausführungen zeigte der Redner m Bemühungen anderer Länder, sich auch Einheitskurzschrisie zu schaffen; er wies auf Italien hin, wo das System Gaom-^- berger in italienischer Bearbeitung Einheitskurzschrift gewo­ben sei, und auf Rußland, in dem unsere EinheitskurzsaM - von' einem Russen auf das Russische übertragen, in dw eng Wahl der für die dortige Einheitskurzschrift in Aussicht gen menen Systeme gezogen wurde. Das beweise wohl hmrmm