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Letzte Wahlvorbereitungen

Kommunalwahlen und evangelische Wählerschaft.

Morgen finden die Wahlen für die kommunalen Körper­schaften statt.

Die abgelaufene Wahlperiode hat auf kommunalem Gebiete jo viel Häßlichkeiten, Ünzuträglichkeiten, Mißstände, Krankheits­erscheinungen und dies nicht nur in der Reichshauptstadt zu Tage gefördert, daß die Erregung über die fast täglichen Skandale mehr als verständlich ist.

Aber nicht jeder, der den Zustand und die Behandlung der öffentlichen Angelegenheiten laut oder leise verurteilt, hat dazu ein Recht. Daß diè Dinge so wurden, wie sie find, daran trägt die Hauptschuld die große Masse jener, die am Beginn der letzten Wahlperiode der Wahlurne ferngeblieben sind. Durch die Wahl­trägheit weiter evangelischer Wählermassen ist letzthin die be­drängte Lage, die Ausschaltung des Protestantismus verschuldet worden, die heute von denselben Wählermassen mit Recht als unerträglich empfunden wird. Gemachte Fehler soll man nicht wiederholen, und die Geschichte ist dazu da, daß man aus ihr lerne. Jedes Volk hat die politische Vertretung, die cs ver­dient! .

Darum evangelischer Wähler, evangelische Wählerin, bleibt an diesem 17. November nicht wieder zuhause!

Für den Protestanten ist Wahl recht immer und unter allen Umständen Wahlpflicht. Wählt! Und wählt nicht nur sel­ber. sondern macht es den Säumingen, den Gleichgültigen klar, daß jeder Protestant Verantwortung trägt für seine Gemeinde, seinen Kreis, sein Land. Sorgt, daß auch die Glaubens- b r ü d e r wählen!

Geht ihr aber zur Wahl, dann gedenkt eurer zweiten Pflicht! Sclange wird der Protestantismus in bedrückter Lage sein, miß­achtet im Winkel stehen, als Menschen, als Parteien die Macht in der Hand haben, die dem Protestantismus feindlich gesinnt sind, ihn, was an ihnen liegt, vernichten möchten.

Darum wählt nur solche Parteien und Parteivertreter, von denen ihr überzeugt seid, daß sie ein Herz für den Protestantis­mus haben, daß sie die schönen Versprechungen her Parteipro­gramme auch wirklich halten, daß sie sich wirklich für die Lebens­norwendigkeiten des Protestantismus einfetzen und sie niemals zu kurz kommen lasten werden, sti es aus Gründen der Nütz­lichkeit sei cs aus Gründen eineswohlverstandenen" Partei- interestes.

Evangelische Wähler wählt, aber seht genau zu, wenn ihr wählt!

Die Frau und die Gemeindewahlen.

Von unserer HH-Mitarbeiterin wird uns zu den morgigen Wahlen geschrieben:Als nach der Revolution den deutschen Frauen das Wahlrecht gegeben mürbe, geschah es mit Wunsch und Willen der Linksparteien. Weder das Zentrum, noch die Rechtsparteien hatten sich dafür eingesetzt. Da Pflichtbewußt- sein aber zu den ethischen Forderungen christlicher Weltanschau­ung gehört, übernahmen auch die Frauen der Rechtsparteien und des Zentrums das Wahlrecht als eine Verpflichtung. Mit Arbeit und Opfern errangen sie sich auch in den neuen Verhält­nissen durch ihre Mitarbeit im öffentlichen Leben die Achtung und die Billigung der Männer, an deren Seite sie sich stellen. Allerdings wollten diese Frauen nichts cinbüßen von wahrer Weiblichkeit, sie wollten auch im öffentlichen Leben nur d i e Gebiete betreuen und verwalten, die ihren natürlichen Anlagen entsprechen. Die Absichten der extremen Frauenrechtlerinnen, die meistens aus der Linken standen und stehen, gingen aller­dings viel weiter: Voll Eifer ergriffen diese die endlich er­rungenen Rechte und suchten sie zu erweitern und zu festigen.

Bei der Betrachtung der zu den morgigen Fuldaer Stadtvei- crdnetenwahlen aufgestellten Kandidatenlisten ist es nun auf­fällig, daß gerade die Parteien, die sich nicht besonders für das Frauenwahlrecht eingesetzt haben, ja, die es vielleicht nicht einmal wünschten, daß gerade diese Parteien Zentrum und Hessische Arbeitsgemeinschaft mehrere Frauen auf ihre Listen setzten, während von den Vorkämpfern für die politischen Rechte der Frau lediglich die demokratische Liste einen Frauennamen aufweist, während die Sozialdemokraten überhaupt keine Frau

Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten

Merkblatt für den 17. und 18. November.

Sonnenaufgang 7.20 (7.22), Sonnenuntergang 16.9 (16.8) Ahr. Mondaufgang 16.15 (16.50), Monduntergang 7.52 (9.22) Uhr.

17. November: 1768: Der Buchhändler I. PH. Palm in Schorndorf geb.

18. November: 1836: Der Mediziner Cesare Lombrose in Verona geb. 1863: Der Dichter Richard Dehmel in Wendisch- Hermsdorf geb.

Wer ist weise?

Der von jedem lernt.Wer ist miich-

t8?Der seine Leidenschaften zügelt."Wer ist reich?" Der zufrieden ist." Wer ist zufrieden?"Niemand."

Wetterbericht.

Im Bereich eines Kalilufteinbruchs ist der Luftdruck über Deutschland vorübergehend gestiegen und es ist eine Beruhigung des Wetters, vielfach auch Aufklärung eingetreten. Diese Bes­serung ist jedoch nur ganz beschränkt und vorübergehend. Neuer­dings vordringende warme Luft führt über ven Kanal bereits

wieder unter starken Niederschlägen zur Ausbildung eines neuen Sturmwirbels, der allerdings, wie auch seine Vorgänger, einen sehr südlichen Kurs nimmt. Seine Niederschlagszone erreicht daher unser Gebiet schon morgen, woraus sich aber die Zyklone schon wieder abschwächt. In Nordeuropa hält Druckanstieg und die Ansammlung kalter Luft an, so daß nur vorübregehend mil­des Wetter sinrritt. Vorhersage bis Samstag abend: Vor­erst noch kalt, bei Bewölkungszunahme und stark auffrischenden südlichen Winden Erwärmung und zunehmende Regenneigung. Witrerungsausfichten für Sonntag: Nach Niederschlägen neute Abkühlung, Schauerneigung.

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Noch kommt keine Kältewelle.

Das unbeständige Wetter, mit dem die zweite Novemberixoche eingeleitet wurde, hielt während der- ganzen Woche an. .Hervorgerufen wurde diese Wetterlagc durch die starke Wirbeltätigkeit, die an der französischen Küste und in Norwegen zu schweren Stürmen führte. Während im größten Teile des deutschen Flachlandes die Temperaturen über dem normalen Durchschnittswert lagen, wurden aus den Mittelgebirgen Schneefälle ge­meldet. Im Riesengebirge trat ein kräftiger Temperatur­anstieg ein. Über Mitteleuropa und aus der nördlichen Nordsee hatte sich eine ganze Reihe kleinerer Tiefdruck- Wirbel ausgebildet, so daß das schlechte Wetter mit kurzen Unterbrechungen anhielt. Auch für die nächsten Tage ist .-mit einer grundlegenden Änderung der Wetterlage nicht zu rechnen. Erst nach dem Aufhören der Wirbeltätigkeit dürfte nach einer Winddrehung nach Norden und unter gleichzeitiger Aufheiterung mit dem Einsetzen der ersten größeren Kältewelle zu rechnen sein.

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chM Wahlpflicht

erwotbèn haben der eine so viel Letk wie bet aftbetc. So­fern es sich natürlich um Menschen handelt, die sich ehrlich durchs Leben schlagen und ihre Pflicht erfüllen.

Im Stadtsaal sind die letzten Wahlreden verklungen, hun- aufgestellt haben. Auch in der Vllrgerpartei hat man merk- dcrte fleißiger Hände rüsten zur 7. Weihnachtsmesse, die wo-

wUrdigerweise an die Frau nicht gedacht, obgleich sich doch gerade im Mittelstand zahlreiche Frauen finden, die durch ihre Selb­ständigkeit und praktische Lebenserfahrung sehr geeignete Mit­arbeiterinnen im Stadtparlament sein würden. Gibt es nicht auch in Fulda zahlreiche Frauen, die selbständig ein Geschäft leiten, ein Handwerk ausüben, ja sogar größeren Betrieben vor- stchen? Gerade im Hartbcdrängten Mittelstände gehört die Frau, auch in den Gemeindevertretungen, an die Seite des Mannes, um auch im öffentlichen Leben die Verantwortung für das mitzuübernehmen, was Haus, 'Wirtschaft, Kindererziehung, Wohlfahrtspflege, Fürsorge usw. betrifft. Gerade die im ge­werblichen Leben selbständig tätige Frau braucht im Gemeinde- parlament eine sachverständige und mitempfindende Vertretung durch eine Frau. Auch auf den Listen der Linken fehlen die Frauen, wohl mit auch deshalb, weil die Frau dieser Kreise meist unabkömmlich ist, da sic allein, ohne Hilfskräfte, Mann, Kinder und Heim betreuen muß. Gerade für diese pslichtgc- bundenen Frauen und Mütter werden sich aber die gewissens- gebuudenen Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts in den ' tge christlicher Weltanschauung in beiten, einsetzen müssen. Die

Parteien, die auf der Erundlo

den Gemeindevertretungen arbeiten, einsetzen- müssen. Die Fuldaer Frauen müssen sich nachdrücklichst dafür einsetzen, daß sie bei künftigen Wahlen nicht wieder übergangen werden. Sie i sollen dabei nicht nur an ihre Rechte denken, sondern in erster

Linie an ihre ernste Pflicht, in den jetzigen schweren Zeiten an ' der Seite des Mannes im Kampfe für christlichen Glauben, ' christliche Ehe und Kindererziehung, den Grundlagen aller wah­ren Kultur, zum Wohle von Volk und Vaterland zu arbeiten.

An alle Frauen und Mädchen aber ergeht der ernste Ruf: Geht morgen zur Wahl! Zeigt durch Eure Anteil­nahme an den Wahlen, daß die Not der Zeit in Euch den Ent­schluß zeugte:Wir wollen mithelfen!" Unterstützt die Frauen, i die in den Parlamenten in erster Linie für Euch, für Frauen - und Kinder, Bedrückte und Notleidende arbeiten und kämpfen i wollen. Wählt!" *

Wahlversammlung der Zentrumspartei.

Am Freitag abend fand im großen Stadtsaal, der überfüllt war, die öffentliche Wahlversammlung der Zentrumspartei statt. Im Anfang schien bei einem Teil der Zuhörer eine erregte Stim­mung Platz greifen zu wollen, es gelang aber der Leitung, bald die erwünschte Ruhe herzustellen. Herr Landtagsabgeordneter Linneborn sprach über die Grundsätze der Zentrumspolitik. Seine Ausführungen begannen beim Waffenstillstand und be­leuchteten die Mitarbeit des Zentrums bei der Wiederherstellung der Ordnung nach der Revolution. Erfreulich war die klar aus­gesprochene Ablehnung der Kriegsschuldlüge und die scharfe Anklage gegen die Geldsackpolitik. Eine durchgreifende Finanz­reform und größte Sparsamkeit nach Vereinfachung des Steuersystems wurde gefordert. Des Arbeiterstandes und der notleidenden Landwirtschaft, sowie des bedrängten Mittel­standes wurde gedacht. Der Kirche und der Familie Schutz zu sein, sei Ausgabe er Zentrumspartei, die für die christliche Schule

sorgen will.

Herr Stadtverordneter Eduard Schmitt gab darauf ein Bild der vergangenen Arbeit der Zentrums-Stadtverordneten. Er bedauerte, daß die Zersplitterung der katholischen Wähler nicht angesichts der großen Zukunftsaufgaben unterblieben ist. Die Erfahrung zeige, daß die Vertreter der Weltanschauungs­parteien positivere Arbeit leisten, als die Vertreter von wirt­schaftlichen Interessen.

Die Ausführungen des Herrn Magistrats Dr. Danze- brink beleuchteten die Wichtigkeit der Kommunallandtags­wahl. Wiederholt wurde von diesem Redner die Wohlfahrts­pflege und Fürsorgetätigkeit der Stadt Fulda mit anderen Stadien verglichen und als bis zur äußersten Grenze gehend be­zeichnet. Von 4 Prozent des Gesamtfinanzbedarfs stieg der Ful­daers Wohlfahrtsetat auf 33 Prozent. Nur in Zusammenarbeit und Vertrauen könnten die schwierigen Aufgaben der Zukunft gelöst werden.

Die Versammlung wurde wegen vorgeschrittener Stunde ohne Zulassung einer Aussprache geschlossen, eine Maßnahme, die bei gegnerischen Zuhörern Widerspruch hervorrief.g.

* Fulda, den 16. November 1929.

Am Wochenende.

Kürzlich sandte mir ein auswärtiger Verlag einen wunderschö­nen Kalender' mit der Bitteetwas darüber zu schreiben", den Kalender unauffällig ins Wochenende einschmuggeln,ein biß­chen Reklame" dafür machen! Liebe Zeit, als ob dies so ein­fach wäre. Was dem einen recht ist, ist dem andern billig und die Wochen würden nicht ausreichen, wenn über jeden der neuen Kalenderetwas geschrieben werden sollte". Vor drei­ßig, vierzig Jahren, als die Auswahl noch nicht so groß war, hätte man es eher riskieren können, für den einen oder anderen Kalender Reklame zu machen. Damals hatte der Kalender­mann seine festen Stammkunden: in evangelischen Kreisen wurde gerne ein in Lahr in Baden erscheinender Kalender ge­lesen und für die Katholiken besorgte der Kalendermann den beliebten Kalender aus Regensburg. Die Nachbarn Freunde, es gab befs're Zeiten"! Heute tauschen die Nachbarn

Jie hrssische Arbkitssmeissitzast

ist keine einzelne Partei wie man immer wieder, trotz besse­ren Wissens, glauben machen will. Sie ist die Verbindung der Deutschen Volkspartei und der Deutschnationalen Volks­partei für die Kommunallandtagswahl, für die Kreistags- Wahlen und die Stadtverordnetenwahl. Diese Verbindung birgt Aussichten, die auch durch alle gegnerischen Behauptungen nicht aufgehoben werden. Wer sich zur Deutschen Volkspartei oder zur Deutschnationalen Volkspartei zählt, wer der christlich­sozialen Bauernpartei oder dem Landbund angehört, wählt in Stadt und Land

Nr. 1 der Wahlzettel,

wählt: Hessische Arbeitsgemeinschaft.

tauschten ihre Kalender aus, ohne daß der eine Nachbar durch die geistige Kost des anderen irgendwie Schaden gelitten hätte. Freunde, es gab bess're Zeiten"! Heute tauschen di eNachbarn keine Kalender mehr aus, höchstens schiebt der eine dem ande­ren das neueste Flugblatt seiner Partei in den Briefkasten. Von diesen Flugblättern übertrifft eines das andere nach dem berühmten Wortauf einen Schelmen anderthalben!" Wenn man schließlich auf den Grund geht, ist alles halb so schlimm, wie es aussteht. Wenn die Schlacht geschlagen ist, wird der Gegner auch wieder als Mensch gewertet werden. Sind wir nicht allezitternde Vöglein im Meltenbaum"? Das Wort könnte von Cäsar Flaischlen stammen wenn wir doch alle die darin enthaltene tiefe Wahrheit empfänden! Betrachtet man den ganzen Lärm und all das aufgeregte Gebühren ge­nauer, so kann in unsrer so kompliziert gewordenen menschli­chen Gemeinschaft keiner den anderen entbehren und ist von ganz wenigen überragenden Persönlichkeiten abgesehen, die sich um das Wohl der Menschheit besonders große Verdienste

möglin/ nocy schöner und reichhaltiger werden soll, als die sechs vorangegangenen Messen. Eine neue, friedliche Wahl beginnt. Tausend Dinge sehen uns an. Die ersten weihnaannchen Strah- s len brechen durch das Grau des Novembertags. Die bunte

Weihnachtsschau wird sicher ihre alte Zugkraft nicht verfehlen. Möge der Erfolg nicht ausbleiben, damit der immer mehr um sich greifende Pessimismus etwas gedämpft wird. In den Ge­schäftsstraßen macht sich durch größere Lichtfülle und blenden­dere Auslagen das kommende Weihnachtsfest bemerkbar. Es find Aeußerlichkeiten, die gewiß nicht den feierlichen Ernst des Bußtages und Totensonntages beeinträchtigen wollen, je­ner Tage, die sich schweigend die Hand reichen und schweigend hinübergehen ins weite Land der Vergessenheit.--

Unter all den Nachrichten und Neuigkeiten,die in der Re- s gel nichts taugen", wie sich der Fuldaer gerne ausdrückt, ist doch . auch manches Erheiternde. Gerne wird z. B. diefindige Post" ! gelobt: wenn ein in England aufgegebener Brief nur die Orts- ; bezeichnungGermany", Langgasse und den Namen des Emp­

fängers aufweist, und doch richtig ankommt, so ist diese Findig- : leit fast den Experimenten eines Hellsehers gleich zu stellen. ' Mitunter ist die Post aber auch rechtunfindig". Ein Fuldaer

sandte dieser Tage einen Brief nach Zell-Harxheim in der Rheinpfalz. Postwendend kam der Brief zurück mit dem Ver­merk:Zell-Harxheim unbekannt". Es gibt nämlich nur ein Harxheim-Zell. Das wäre also einmal zur Abwechs­lung ein Fall vonUnfindigkeit" der Post. Diese Ausnahme

. bestätigt natürlich nur die Regel der Findigkeit.

I Für den Fuldaer selber gehört in neuester Zeit eine beson- ' dere Findigkeit dazu, um sich in den neuen Straßen zurecht zu finden. Kein Adreßbuch weist diese Straßen auf, ein kleiner Nachtrag wäre deshalb manchem Fuldaer recht willkommen. Kleinigkeiten, die nicht viel kosten und doch manchmal recht wertvoll sind.

DerHeimatschutz" erstreckt sich neuerdings erfreulicherweise auf die alten Straßennamen. In manchen alten Fuldaer Stadtteilen wurden leider auch alte Straßen umgetauft oder modernisiert. Man denke nur an Loher straße. Zu dem Löher paßt nur nie alteGasse". So alte Beregnungen haben Eigenart und Bedeutung, verwachsen mti dem Orte, zu dem sie gehören. Sie verdienen deshalb vollen Schutz, so gut wie jedes andere historische Denkmal, und dürfen nicht gedanken­los durch irgendwelche neue Namen ersetzt oder auchverfeinert" werden. M-

Wer hat den ermordeten Scheel am Samstag in Fulda gesehen?

Von der Kriminalpolizei wird uns geschrieben:

In der Mordsache Scheel-Kohlgrund ist es von der größten Wichtigkeit, festzustellen, mit wem der Ermordete am Samstag, den 9. November, nachmittags in Fulda zusammengewesen iit. Fest steht, daß er den ganzen Samstag über in Fulda zugebracht hat. Für den Vormittag bis 1 Uhr mittags konnte im einzel­nen festgestellt werden, wo er sich ausgehalten hat. Für die Zeit von 16 Uhr nachmittags kurz nach 6 Uhr ist Landwirt Scheel mit dem Kremerschen Auto von Fulda nach Dietershau­sen zurückgefahren fehlt aber jeder Anhaltspunkt. Es er­geht die dringende Bitte an die Fuldaer Einwohner, jede, auch die kleinste Angabe über den Aufenthalt des Ermordeten wäh­rend dieser Zeit der Kriminalpolizei mitzuteilen.

2. Experimentalvortrag Hanussen. }

Das ernste Interesse, das man auch in Fulda den Experimen­ten Erik Jan Hanussens entgegewbriugt, zeigte sichtet seinem gestrigen Vortrag durch einen abermals überfüllten Saal. Die Beweise seiner besonderen Befähigung auf dem Gebiet des Okkultismus, die Herr Hanussen an diesem 2. Vortragsabend gab, waren noch erstaunlicher und für fein Können noch beweis­kräftiger als diejenigen der ersten Veranstaltung.

Nach rekapitulierenden Ausführungen über Wesen und Be­deutung des Okkultismus zeigte Hanussen zunächst wieder tele­pathische Versuche. Ganz erstaunlich war dabei die sichere Durchführung des 3. Suchexperiments: Hanussen fand mit ver­bundenen Augen ein gut verstecktes Lorgnon, ohne mit dem be- fehlerteilenden Medium, das inmmitten des Publikums sitzen blieb, in körperlicher Verbindung zu stehen, ja ohne es über­haupt zu kennen. Mit vollem Recht durfte der Experimentator diesen Versuch als dasnon plus ultra auf dem Gebiete der Gedankenübertragung bezeichnen.

Der Vortragende erklärte dann sein G o m b o l o y, eine Perlenkette aus 24 schwarzen und 1 roten Perle, mit dessen Hilfe man seinen Willen stärken und nervöse Erscheinungen über­winden kann. Die Experimente, die die autosuggestive Wirkung des Gomboloys beweisen sollten, waren durch die mangelnde Eignung der Versuchspersonen allerdings nicht exakt genug, um völlig überzeugen zu können.

Nach einigen in unserer Besprechung des ersten Abends be­reits eingehend gewürdigten p s y ch o gr a p h o l o g i sche n Vorführungen gab Herr Hanussen zwei überzeugende Be­weise seiner Fähigkeiten auf dem Gebiete der Television: Aus dem bloßen Anblick einer Rehfieper und eines Ringes schil­derte er Lebensschicksale der jetzigen und früheren Besitzer dieser Gegenstände in zutreffender Weise. Das Erstaunen der Zu­hörer über diese hellseherische Begabung des Vortragenden aber erreichte seinen Höhepunkt bei den eigentlichen Hellseher- Experimenten : Hanussen löste die ihm gestellten Aus­gaben in völlig überzeugender Weise. Er schilderte zutreffend und bildklar, wie die Fragesteller bekunden konnten eine Hochzeitsfeier in Augsburg, einen Autounfall auf der Land­strage MarbachRückers, die Operation einer Dame in der Göttinger Universitätsklinik, einen Brand in Offenbach und den Absturz eines Segelfliegers auf der Wasserkuppe. Selbst die wenigen noch vorhandenen Skeptiker mußten nach diesen unbegreiflichen Leistungen des Hellsehens zugeben, daß das Phänomen Hanussen nicht mit einem zweifelnden Lächeln abge­tan werden kann, sondern als eine durchaus ernst zu nehmende Erscheinung betrachtet werden muß. co

Für die Erhaltung der Volksgesundheit.

Man schreibt uns:Gesundheit und Arbeitsfähigkeit gehören zusammen! An ihrer Erhaltung mitzuarbeiten, ist Pflicht jedes Volksgenossen! Infolgedessen stehen Fragen der Körper- und Gesundheitspflege im Vordergrund des öffentlichen Interesses. Die Einwohnerschaft Fuldas wird am Freitag, den 22. Novem­ber, Gelegenheit haben, sich über eigenartige und folgenschwere Nachkriegserscheinungen auf diesem Gebiete zu unterrichten. An diesem Tage findet um 8 Uhr abends im großen Stadtsaal ein Lichtbildvortrag des Chemikers Dr. J. A. E. Lehmann ehe­maligen Assistenten des bekannten Polizei- und Gerichtschemi­kers Dr. Karl Bischoff, Berlin, statt. Wir machen ganz beson­ders auf die hervorragenden Lichtbilder aufmerksam, die zum Teil aus dem Germanischen Museum in Nürnberg und Staatlichen Kupferstich-Kabinett in Berlin stammen, und noch nicht gezeigt worden sind. Näheres durch Plakate Inserate."

Der Frankfurter Rundfunk in Fulda.

dem

hier und

wie

Zur Eröffnung der 7. Fuldaer Weihnachtsmesse findet- wir bereits berichteten, am Sonntag, den 17» November, abeno 8.30 Uhr, im VUrgervcreinssaal ein Gastspiel des Franksurle Rundfunksenders statt. Daß dieser für alle Rundfünkfreuno und darüber hinaus für das gesamte kunstliebendc Publikum seltene und einzigartige Genuß geboten wird, ist o rührigen Tätigkeit des Herrn G. K. Steyer zu verdanken. Zweck der Veranstaltung ist, die populärsten Frankfurter Ru - funkkünstler, oft gehört durchs Mikrophon und oft gesehen burm Bilder in den illustrierten Rundfunkzeitschriften, ihren Fuldaer Hörern auch einmal persönlich oor^u stellen. Den Runds» Hörern bietet sich an diesem Abend weiter auch die Gel egend > Wünsche und Beschwerden bezüglich der Sende- und Emps»»» Verhältnisse des Frankfurter Senders zu äußern.