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Sr. Söpker-Afchvff über Zmanzstagen.

Senkung der R e a l st e u c r n.

In einer Versammlung zu Recklinghausen sprach der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschosf. Er betonte die Notwendigkeit absoluter Sparsamkeit in Staat und Kommunen. Der B e a m t e n a p p a r a t könne kaum und dann auch nur ganz allmählich vermindert werden. Bei der I u st i z seien Ersparnisse nur möglich durch eine Reform, die vor allen Dingen die Zuständigkeit der Amtsgerichte erweitere. Bei der Laudeskulturver­waltung konnte gespart werden durch die Übernahme dieser -Arbeiten auf die allgemeine Verwaltung. Im Mittelpunkt Wr wirtschaftlichen Notwendigkeiten stehe die Kapital- b i l d u n g. Wege dazu seien Abbau der Industrie- und Renteubanklasten,' Erleichterung bei der Einkommensteuer und eine starke Senkung dèr R e a l st e u e r n. Zum Ausgleich müsse eine erhebliche Alkoholbesteuerung durch- geführt werden, die diejenige Steuer sei, die in Deutsch­land am leichtesten zu tragen sein würde.

Brüder in Noi."

Aufruf für die deutsch-russischen Bauern.

Das Deutsche Rote Kreuz, der Zentralausschuß für die Innere Mission, der Deutsche Caritasverband, der Fünfte Wohifahrisverband, der Hauplausschuß für Arbeiierwohlfahrt, der Zentralwohlfahrtsausschuß der christlichen Arbeiterschaft and die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden erlassen rinen Aufruf, in dem es beißt:

Brüder in Not! Eine Katastrophe über Deutsche im Auslande ist hereingcbrochcn! Tausende deutscher Bauern sind durch Hunger, wirtschaftliche Not und Zeltverhältnisse oon ihrer Scholle in Sibirien vertrieben. Eine deutsche Hungerwanderung hat in Rußland begonnen. Zehntausend Heimat- und eristenzberaubte deutsche Bauern haben sich vor Moskau angesammelt, um auf dem Wege über Deutschland nach Übersee auszuwandern. Hunderte sind bereits bettelarm in Deutschland eingetroffen.

Die unterzeichneten Verbände rufen deshalb trotz der schweren wirtschaftlichen Not im eigenen Lande das deutsche Volk zu einer Samnilung für seine furchtbar heimgesuchten Brüder auf. Wir haben den Hunger selber durchgemacht. Hier aber hat er Tausende von Vertriebenen ergriffen, denen in de fetzigen Jahreszeit zu allen anderen Qualen die Nn- erbiitlichkcil des Winters droht."

über Die Verwendung der eingehenden Spenden ent­scheidet ein Ausschuß der Verbände. Spenden nehmen nach- siehende Banken aus KontoBrüder in Noi" entgegen: Gebr. Arnbold: Bayerische Vereinsbank; Berliner Handelsgesell- schaft: S. Bleichröder; Commerz- und Privatbank: Darm­städter und Nationalbank: Delbrück, Schickler u. Co.; Deutsche Bank und Disconto-Gcsellschaft; Dresdner Bank; I. Dreyfus u. Co.; Hardy u. Co.; Lazard Speyer-Ellissen; Mendelssohn u. Co. Postscheckkonto Berlin Nr. 117 200Brüder in Not" (Deutsches Rotes Kreuz).

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Das Reichskabinett beschäftigt sich ebenfalls mit der Frage, wie Den bisher schon in Kiel eingetroffenen deutschen Kolonisten aus Rußland zu helfen sei. Eine geldliche Hilfe aus Staatshaushaltsmrtteln komint kaum in Frage, da die für einen solchen Zweck erforderlichen Summen nicht vor- handeü sind. Dagegen wird Die Regierung Die private Liebes- tätigkeit in jeder Weise fördern.

politische Rundschau.

Großbritannien

Neue Botschafter in Washington und in Moskau.

Die Regierung gibt wichtige diplomatische Ernennun­gen bekannt. Ter Unterstaatssekretär im Auswärtigen Llnit, Sir Ronald Lindsay, ist zum britischen Bot­schafter in Washington als Nachfolger von Sir Esme Ho­ward ernannt worden, der Anfang nächsten Jahres zurück- triit. Sir Ronald Lindsay war früher "britischer Bot­schafter in Berlin. Zum Botschafter in Moskau ist Sir v m o n b Ovey ernannt worden, der ursprünglich zum- . elschafter in Brasilien auscrsehen chvar.

Nordamerika.

Gegen die Börsenspekulation.

Im Zusammenhang mit dem Eintreten des Senators Borah für eine Untersuchung der Kursrückgänge erscheint eine für die Stimmung des mittleren Westens bezeich­nende Aktion des Chikagoer Kongreßmitgliedes Sabath von Interesse, der den Präsidenten Hoover telegraphisch aussorderte, Schritte gegen die Spekulation an der Börse ' zu unternehmen, und gleichzeitig ankündigte, daß er einen Antrag auf gesetzliches Verbot von Verkäufen ohne Deckung einbringen werde.

Die Nassauische Landeskirche zur Kirchen­regierung.

Wiesbaden, 12. Nov. 1929.

Der Landeskirchentag der Evangelischen Landeskirche in Naüllu befaßte sich heute nachmittag mit der Kirchenverbin- üungsfrage. Es wurde ein Antrag des Rechtsausschusses, der die Frage in mehreren Sitzungen nach allen Seiten sorgfältig geprüft hatte, angenommen, daß ein sechsgliedriger Ausschuß mit den Ausschüssen der anderen Landeskirchentage auf Grund des Materials der Marburger Konferenz prüfen soll, in wel­cher Form eins Vereinigung möglich ist, und über die Ergeb­nisse seiner Arbeiten dem nächsten Landeskirchentag Bericht erstattet. Ein Antrag der Kirchengemeinde Frankfurt-Heddern­heim, sie an die Frankfurter Landeskirche abzutreten, wurde abgelehnt.

Tagung der reisenden Kaufleute.

Am Sonntag hielten im Hause der Kaufmannsgehilfen die Vertreter des Bundes der reisenden Kaufleute im D. H. V. aus dem rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet ihre Gautagung ab. Rach den Begrützungsworten des Gauvorsitzenden, Stadt­verordneten Schneider-Frankfurt a. M., berichtete Geschäfts­führer Klaue-Frankfurt über die Arbeit des Bundes im ver- l kirnen Jahr. Er konnte eine starke Aufwärtsentwicklung fest- stellen, die insbesondere in der Gründung neuer Gruppen zum Ausdruck gekommen ist. Mit der Eisenbahn und Post besteht im Bezirk ein gutes Zusammenarbeiten, das sich zum Vorteil der "Berutsreisenden schon mehrfach ausgewirkt hat. Der Bun­desgeschäftsführer Menzel-Berlin hielt sodann ein längeres Re­ferat über die Ziele der Bundesarbeit, worin er über die Wünsche der Berufsreisenden, die sich an Eisenbahn, Post und das Hotslwesen richten, die aber auch auf rechtlichem Gebiete nach beyerer Ordnung der Vertrags- und Provisionsverhält­nis! s usw. vorhanden sind, hinwies. Jnz einzelnen ging er auf die Möglichkeiten der Durchsetzung dieser Forderungen näher ein. Tie Zahl der Vundesmitglieder beträgt über 19 000. Der Bund reisender Kaufleute ist die größte und stärkste Orga­nisation der angestellten Berufsreisenden. In sämtlichen Lan- deseiienbahnräten fitzen Vertreter des Bundes, ebenso im Reichssisenbahnrat. Der Bund hat einHandbuch des reisenden Kaufmanns" vorbereitet, das in den nächsten Wochen erscheinen und das erste seiner Art sein wird.

Die beifällig aufgenommenen Ausführungen der Vortragen­den lösten eine lebhafte Aussprache aus, die von dem großen Interesse der Berufsreisenden für ihre Standesfragen zeugt. Das Schlußwort sprach Gauvorsteher Auerbach, der noch einmal die Bedeutung der Tagung hervorhob und einige oejonders wtchtitze Juiunftsaufgaben behandelte,

Die landwirtschaftliche Verbindungsstelle in Frankfurt a. M.

Kundgebung in der Frankfurter Handelskammer.

Frankfurt a. M., den 13. November 1929.

Wie bereits mitgeteilt hat der Deutsche Landwirtschaftsrat gemeinsam mit den am südwestdeutschen Wirtschaftsgebiet in« teressierten Landwirtschastskainmern im Einvernehmen mit der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau eine Verbindungsstelle in Frankfurt a. M. eingerichtet. Der Deut­sche Landwirtschaftsrat und die Frankfurter Handelskammer hatten heute zu einer Aussprache über Zweck und Aufgabe die­ser Verbindungsstelle eingeladen. Zunächst begrüßte der Prä- Sent der Frankfurter Handelskammer Otto Hauck die Er- ienenen, insbesondere die Vertreter Der Regierung, der Stadt Frankfurt a. M., des Deutschen Landwirtschaftsrates, der Preußischen Landwirtschaftskammer usw. Wie Der Redner u. a. ausführte, sei Die Aufgabe der Verbindungsstelle, die am 1. Oktober ihre Tätigkeit ausgenommen habe, die Herstellung einer engeren Verbindung zwischen Landwirtschastskainmern und Industrie- und Handelskammern, Marktbeobachtung und Untersuchung der Forderungen, die Händler und Verbraucher an die Landwirtschaft stellen. Die Not der Landwirtschaft sei groß, vor allem infolge der bestehenden Preisschere; eine Steigerung der Produktion und des Absatzes der Landwirt­schaf sei aber durchaus möglich. Es müsse gelingen, Produktion und Mark einander näherzubringen. Auch Reg.-Präs. a. D. Dr. Kutscher, Vorstandsmitglied des Deutschen Landwirtschafts­rats, wies in seinen Ausführungen darauf hin, daß die Ver­bindungsstelle aus persönlicher Kenntnis heraus die Landwirt­schaft informieren müsse, welche Anforderungen der Verbrau­cher über den Handel an die Erzeugnisse der Landwirtschaft stelle. Außerdem sollen die Landwinschaftskammern mit den Industrie- und Handelskammern zusammengebracht werden. Verbindungsstellen beständen bereits in Essen, Hamburg und neuerdings in Leipzig. In den folgenden Ausführungen des Präsidenten Morten von der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden wurde getont, daß die Landwirt­schaft alles daran setzen müsse, den einheimischen Markt durch Erzeugung von Qualitätsware und gleichmäßige Belieferung zu befriedigen, wozu die Verbindungsstelle viel beitragen könne. Präsident Hensel (Hessische Landwirtschaftskammer Darm­stadt) wies darauf hin. daß alle Wirtschaftskreise Zusammen­arbeiten müßten, um die Situation zu bessern. Der Leiter der Verbindungsstelle, Dr. Allgayer, gab zum Schluß einen Ueberblick über Zweck und Aufgabe der Neueinrichtung. Ihre drei Hauptaufgaben seien Marktbeobachtung, Untersuchung der Absatzorganisationen und Behandlung gemeinsamer Fragen, die Handel und Landwirtschaft berühren. Es müsse an dem Ziel mitgearbeitet werden, die Einfuhr ausländischer Waren zu verringern. Die Marktbeobachtung werde sich erstrecken auf Getreide, Schlachtvieh, Molkereiprodukte, Obst, Gemüse, Eier, evtl, noch Tabak und Wein.

Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten.

Merkblatt für den 15. November.

Sonnenaufgang 7.17 Uhr, Sonnenuntergang 16.12 Uhr. Mondaufgang 15.30 Uhr, Monduntergang -4.59 Uhr.

1630: Der Astronom Iohannes Kepler in Regensburg gest. 1708: Der englische Staatsmann Pitt d. Ae. in Boconnock geb. 1787: Der Komponist Christoph W. Ritter v. Gluck in Wien gest. 1862: Der Dichter Gerhart Hauptmann in Salz­brunn geb. 1910: Der Dichter Wilhelm Raabe in Braun­schweig gèst.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend tadeln.

R. Z.

Wetterbericht.

Ein Ausläufer des nördlichen Tiefdruckwirbels, der bereits in Frankreich zu verbreiteten Regenfällen geführt hat, rückt ostwärts weiter. Dabei wird es auch in unserm Gebiet zu stärkeren Niederschlägen kommen. Es ist aber mit einem bal­digen Nachlassen der Niâwrschlagstätigkeit und allmählicher Aufheiterung zu rechnen. Vorhersage bis Donnerstag abend: Nach verbreiteten Regenfällen zeitweise aufheiternd, kühl, meist westliche Winde. Witterungsaussichten für Freitag: Wolkig bis aufheiternd, noch vereinzelt Niederschlagsschauer, kühl, meist westliche Winde.

* Fulda, den 14. November 1929. ,

Aus der Wahlbeweyung.

Der Christliche Volksdienst, der im Wahlbezirk Fulda sich an den Wahlen für den Kommu- nallandtag beteiligt, bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen:

Zum ersten Mal tritt der Christliche Volksdienst, Der eine von Württemberg stammende evangelische Bewegung ist im Hessenlande mit eigener Liste zur Wahl für den Kommunalland­tag hervor. Im Verlauf eines Jahres hat er sich unerwartet schnell ausgebreitet, wie z. V. Die letzten Wahlergebnisse für den Badischen Landtag vor kurzem zeigten, die für den Christ­lichen Volksdienst 35 000 Stimmen brachten. Er wendet sich an die bewußt evangelischen Christen, die sich vor Gott für ihr Volk verantwortlich wissen, damit dem Willen Gottes auch im öffentlichen Leben, insbesondere in den Parlamenten, Gehör und Gehorsam verschafft werden kann. Unter ihnen ist die Zahl keineswegs gering, die bisher mit gutem Gewissen keiner der bestehenden Parteien ihre Stimme geben konnten, weil diese in erster Linie nur ihre Parteiinteressen verfolgen. Der Christ­liche Volksdienst kann darum nicht als Splitterpartei gobrand- markt werden, weil er niemand aus den bisherigen Parteien herauslockt, der seine Zugehörigkeit zu ihnen mit seinem Chri­stenstand vereinigen kann. Bewußt geht der christliche Volks­dienst einen neuen Weg, indem er seine Hauptaufgabe darin sieht, auf dem Boden strenger Sachlichkeit überparteilich und vorurteilsfrei dem gesamten Volk zu dienen. Er kennt darum keinen Feind rechts und keinen Feind links, sondern höchstens irrenbe Volksgenossen. Er ist weder bürgerlich noch sozialistisch. Indem er gegen leine der bestehenden Parteien kämpft, sucht er überall das Bejahende und Aufbauende in positiver Arbeit zum Wohl der Gesamtheit und ist bereit, bei allem mitzuhel- fen, sofern es geruht ist und vor einem an Gott gebundenen Gewissen gerechtfertigt werden kann. Somit möchte der Christ­liche Volksdienst keine neue Partei sein, sondern eine Gesin- nungs- und Tatgemeinschaft, die auch im politischen Leben un­serem ganzen Volk in Treue dienen will. DasChristlich" soll kein Aushängeschild sein. Er wäre abzulehnen, wenn seine Kan­didaten hochmütig auf die anderem als besondere Christen hin- absehen wollten. Sie freuen sich über jeden Mitkämpfer in den anderen Parteien, der mit einem an Gott gebundenen Gewis­sen das gleiche Ziel verfolgt. Aber die Not der Zeit ruft die evangelische Christenheit auf, sich auf ihre Aufgaben zu be­sinnen, die sie auch auf dem politischen Missionsfeld im Dienst für unser Volk zu lösen hat. Es geht nicht, diese Aufgabe nur dem katholischen Volksteil zu überlassen.

Lebensnotwendig ist die Forderung des Wohnungsbaues und Die Vermehrung des Wohnraumes überhaupt. Das Woh- nungsclend ist die Quelle für sehr viele unserer schlimmen Not­stände. Gesundes Familienleben kann nur gedeihen in ge­sunden Wohnungen. Die Familie aber ist die Grundlage Des Staates. Ihr zu helfen, daß sie mit Freuden Kinder erziehen und mit Wohlbehagen Heimatgefühl pflegen kann, ist eine Auf­gabe, hinter die Minderwertiges unbedingt zuriicktreton muß.

Mit größtem Nachdruck wird der Christliche Volksdienst jede Bestrebung unterstützen, angemessene Arbeitsgelegenheiten zu schaffen. Arbeitslosigkeit ist die zweite Ursache sehr vieler so­zialer Notstände unD zerstört edelste moralische Kräfte.

Die Fürsorge für die Kleinrentner und Sozialempfänger wie überhaupt die Wohlfahrtspflege jeder Art muß nach Möglichkeit ausgebaut und von gesundem christlichem Geist geleitet werden.

Kundgebung des Frankfurter HaNdWerks.

Frankfurt a. M., den 13. November 1929.

Der Handwerkerrat der Stadt Frankfurt hatte für Mitt­woch abend die Frankfurter Handwerker u. Gewerbetreibenden zu einer öffentlichen Kundgebung in den Zoologischen Garten eingeladen. Etwa 500 Personen nahmen an Der Versamm­lung teil, die von dem Vorsitzenden des Handwerkerrates Jean Abt-Frankfurt eröffnet und geleitet wurde.

Anstelle des verhinderten Generalsekretärs Dr. Herrmann- Berlin sprach der Pressechef des Deutschen Handwerkskammer- tages Dr. Pretzler-Verlin, der in einem längeren Referat die Einstellung des Handwerks zu den kommenden Kommunal­wahlen darlegte. Dr. Pretzier führte darin u. a. aus, das deutsche Handwerk, das rund 3,6 Millionen Menschen beschäf­tige und mit Den Familienangehörigen der im Handwerk Be­schäftigten etwa acht Millionen Menschen ernähre, habe einen berechtigten Anspruch darauf, entsprechend seiner Bedeutung in den Parlamenten, die in der heutigen Zeit ein wirtschaft­liches Machtinstrument darstellen, vertreten zu sein. Das deutsche Handwerk sei in ganz hervorragendem Maße an der deutschen Volkswirtschaft beteiligt und stehe in der Produktion der lebenswichtigsten Güter des täglichen Lebens an erster Stelle. Diese seine Stellung im öffentlichen Leben bedinge aber auch eine stärkere Berücksichtigung durch die öffentliche Verwaltung. Nach einer allgemeinen sachlichen Kritik an der Selbstverwaltung des heutigen Staates kam Dr. Pretzier allerdings unter der Betonung, daß sich das Handwerk nach wie vor zu einer gefunden und verantwortungsbewußten Selbst­verwaltung bekennt zu der Forderung, daß Die bisher be­triebene Steuerpolitik in weitem Maße einer allgemeinen Reform unterzogen werden müsse, da sie Handwerk. Gewerbe und Mittelstand in ungebührlicher Weise belaste. Neben die­ser Reform der Finanzwirtschaft müsse aber auch die Betäti­gung der öffentlichen Hand einer eingehenden Prüfung unter­zogen werden, wie es auch notwendig sei, daß die bisherige Sozial- und Wohlfahrtsfürsorge auf ein gesundes, von Aus­wüchsen freies Maß zurückgeführt werde. Dr. Preßler schloß seine Ausführungen mit einem Appell an die Handwerker und Gewerbetreibende::, am kommenden Sonntag aktiv in Die fer­neren Geschicke des Mittelstandes einzutreten durch eine Wahl derjenigen verantwortungsbewußten Männer, die bereit seien, den Gedanken des Handwerks zu bejahen und ihm zu seiner Geltung entsprechend seiner wirklichen Stärke zu verhelfen.

An das Referat Dr. Pretziers schloß sich eine allgemeine Diskussion, in der Vertreter dèr Mittelstandspartei, der Deutsch- nationalen Volkspartei, der Demokraten und der Wirtschafts­partei die Ziele und Bestrebungen ihrer Parteien barlegten.

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Wahlrecht ist Wahlpflicht

Die Verteilung der Lasten hat unbedingt nach den Maß­stäben der Gerechtigkeit und Billigkeit zu erfolgen. Das Wohl der Einzelnen und das Wohl Der Gesamtheit sind immer wie­der vorurteilslos gegeneinander abzuwägen.

Wahlversammlung

der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei.

Gestern abend hatte sich im großen Stadtsaal eine ansehnliche Zuhörerschaft eingefunden, um den kommunalpolitischen Aus­führungen Des nationalsozialistischen Spitzenkandidaten für den Kommunallandtag Dr. Roland Fr e i s le r-Kpssel zu fol­gen. Da Herr Dr. Freisler verspätet entraf, gab der Ver­sammlungsleiter zunächst Herrn Junglehrer Jordan-Fulda das Wort. Dieser Redner gab einen Rückblick über die Ereig­nisse, welche die heutigen Zustände in Deutschland betörst , haben. Mitschuldig an der gegenwärtigen politischen Lage seien alle Deutschen die entweder überhaupt keinen Anteil an dem politischen Leben nehmen oder in so ungeschickten gutgläubiger Weise sich betätigen, daß sie ungemein leicht über die Ohren geschoren werden können.

Der Hauptredner der Versammlung gab dann aus der Kom­munalverwaltung Kassels sprechende Beispiele von Mißwirt­schaft jeder Art bekannt. Der Staat entzöge den Gemeinden die Möglichkeit, ihren Etat auszubalancieren. Deshalb würde er jongliert, wodurch den eigensüchtigen Machenschaften Tür und Tor geöffnet seien. Die geheimen Beratungen der Stadtparla­mente wirkten sich ungemein schädlich aus. Absicht der Natio­nalsozialisten sei es, Licht in diese trüben Vorkommnisse zu bringen. Herr Dr. Freisler kam auf Fuldaer Verhältnisse kaum zu sprechen. Umso mehr beschäftigten sich die Diskussions­redner damit. Zwei Sozialdemokraten verteidigten ihre Partei gegen die mancherlei Angriffe und bekämpften die National­sozialistischen Anschauungen. Im Schlußwort kam Dr. Freisler zu dem Bekenntnis, daß nur Opfermut und reiner Wille, die er fast allein in der nationalsozialistischen Partei zu finden glaubt, Deutschlands Befreiung erringen worden. Wenn nach dem Wahlkampfe positive Arbeit zu" leisten sei, dann würden die Nationalsozialisten diese zu leisten wissen. Die eingehende Besprechung der Fuldaer örtlichen Verhältnisse behielten sich verschiedene Diskussionsredner für Die Wahlversammlungen der Bürgerpartei und des Zentrums vor.g.

Zu der Bluttat bei Dietershausen

teilt die Justizpressestelle ergänzend mit:Am Sonntag, Den 10. November früh ist der 75 Jahre alte Auszügler Adalbert Scheel aus Dietershausen tot aufgesunden worben. Der Un­tersuchungsrichter und ein Vertreter der Staatsanwaltschaft aus Hanau und mehrere Beamte der Landeskriminalpolizei find an demselben Tage am Tatort eingetroffen und seitdem mit ein« gehendeNdErmittelungen befaßt. Die Leichenöffnung hat außer zahlreichen Verletzungen der Schädelhaut einen Bruch des Un= terarmkncchens ergeben, der auf eine Abwehrbewegung des Angegriffenen hindeutet.

Scheel hatte früher eiste kleines Gut, das er vor etwa 2 Jahren an ben Landwirt Dreifürst verkauft hat; bis zu seinem Tode stand ihm das Wohnrecht auf diesem Gute zu. Aus Grund der eingehenden Vernehmungen sind Dreifllrst und dessen Knecht und Schwager, namens Herrlich, der Tat verdäch­tig; beide sind deshalb in Haft genommen. Blutspuren, Die nach der Behauptung der Verhafteten jedoch von Hühnerblut hcr- rühren sollen, sind dem Gerichtschemiker Dr. Popp in Frank­furt a. M. zur Untersuchung übersandt.

Raubmord kommt nicht in Frage. Auch für einen Racheakt liegt bisher kein Anhalt vor. Die Prcsscnachricht, daß ein Knüppel in der Nähe der Leiche gefunden und dem chemischen Sachverständigen zur Untersuchung übergeben worden sei, trifft nicht zu.

Der Oberstaatsanwalt hat die Aussetzung einer Belohnung für sachdienliche Angaben beantragt."

Vom Nhöntlub Zweigverein Fulda.

Die gestrige Monatsversammlung des Rhönklubzweigvek- cins Fulda erfreute sich eines sehr guten Besuches. Im lichen Teil wurde über verschiedene interne Vorcinsnngelogom Heiten u. a. über die HUttensrage, eingehend berichtet. Mitglieder wurden gebeten, sich recht zahlreich an der ant - Dezember stattfindenden Hauptvorsammlung zu beteiligen, 0 in dieser Versammlung für den Verein sehr wichtige Angelexc heiten zur Beratung stehen werden.