Börse und Handel.
Frankfurter Börse vom 11. Oktober. An der heutigen Börse schritt die Konsolidierung der Börsenverfaffung fort, und die Tendenz war allgemein zuversichtlicher und fester. Die Deckungen der Spekulation bewirkten im Zusammenhang mit Kauforders, die von Publikumsseite und vom Auslande vorgelegen haben sollen, auf fast allen Märkten Kurserhöhungen von 1 bis 3 %. Die weiter feste Haltung der Newyorker Börse und der Rückgang der dortigen Maklerdârlehcn boten der Aufwärtsbewegung der Kurse eine Stütze. Auf verschiedenen Märkten war das'Geschäft etwas lebhafter als an den Vortagen, so namentlich am Elektromarkt, an dem AEG., Licht u. Kraft, Elektr. Lieferungen. Eesfürel, Schuckert und Siemens bis 3% % an- zogen. J. G. Farben gewannen bei reger Umsatztätigkeit,2% Prozent. Größere Nachfrage bestand ferner nach Kaliaktien: Westeregeln lagen 3 %, Aschersleben 3% % und Salzdetfurth 4% A' böher. Montanwerte waren trotz des leichten Rückgangs der Roheisengewinnung und der Zunahme der Feierschichten im Ruhrkohlenbergbâu durchschnittlich 1—2 % gebessert. Glanzstoff konnten sich gegen den niedrigen Abcndbörsen- kurs 2 % erholen. Am Bankenmarkt waren Reichsbankanteile (plus 2 %) gefragt. Am Markte der Schiffahrtsaktien zogen Hapag 1% % und Norddeuischer Lloyd % % an. Bauunternehmungen blieben vernachlässigt bei kaum veränderten Kursen. Autoaktien lagen wieder uneinheitlich, Kleyer 1 % fester, Daimler etwas gedrückt. Zellstoffwerte lagen 1—1% % fester. Deutsche Anleihen zogen etwas an. Am Auslandsrentenmarkt waren Türken und Anatolier gefragt und fester. Im Verlaufe blieb die Stimmung bei stiller werdendem Geschäft freundlich. Regere Nachfrage erhielt sich nach Elektrowerten. Schuckert gewannen erneut 2 %, Siemens plus 3 %. I. G. Farben blieben behauptet. Zum Schluß wurde es auf Realisationen etwas schwächer, jedoch lagen die Kurse immer noch über Anfang. Am Geldmarkt war Tagesgeld etwas stärker gesucht, so daß eine Erhöhung des Satzes auf 7 % vorgenommen wurde. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1010, gegen Pfunde 20.403, London-Kabel 4.8658, Paris 123.94, Mailand 92.97, Madrid 32.77%, Holland 12.09%.
Frankfurter Abendbörse vom 11. Okt. An. der Abendbörse war die Stimmung zurückhaltend. Das Geschäft blieb still, da der Ordereingang offenbar nachgelassen hat. Die Kurse waren gegen den Berliner Schluß überwiegend knapp behauptet. Etwas niedriger lagen am Montanmarkt Mannesmann, Phönix und Rheinstahl. "I. E. Farben blieben unverändert. Für Kunstseidewerte nannte man infolge holländischer Abgaben niedrigere Kurse. Neubesitzanleihe zogen geringfügig an. Neu- befitzanleihe 9%, Schutzgebiete 4.45, Adca 123%, Commerzbank 174, Danatbank 262%, Deutsche und Diskonto 162%, Reichsbank
Genossenschaftsvereinigung.
In Frankfurt a. M. tagten unter dem Vorsitz der Preußen- kasse die Genossenschaftsverbände vom Raiffeisen (Darmstadt und Wiesbaden). Nach langer Debatte wurde der Antrag der Preußenkaffe einstimmig angenommen, einen Rhein-Mainischen Genoffenschaftsverband zu gründen. Am 1. Januar 1930 soll die Vereinheitlichung in Kraft treten. Diese Gründung ist schon lange der Wunsch der Landwirte gewesen, und dieselben versprechen sich einen großen genossenschaftlichen Vorteil von ihr. Ohne einen Zusammenschluß konnte keine Viehverwertung und dergl. in unserem Bezirk bestehen. Die Vereinigung untersteht der Preußenkaffe.
Steuererleichterungen bei Meliorationen und Feldbereinigungen.
Darmstadt, 11. Oktober 1929.
Nach einer Verfügung des hessischen Finanzministers können Beirräge zu Bodenverbesserungsgenoffenschaften vom Einkommen bei der Berechnung der Steuer abgesetzt werden. Auch können Kosten der Feldbereinigung abgezogen werden. Bei sonstigen Bodenverbefferungen können ebenfalls bestimmte Abschreibungen gemacht und die laufenden Aufwendungen als Werbungskosten abgezogen werden. Soweit die Kosten für die angeführten Verbefferungsanlagen von den beteiligten Grundeigentümern im Umlageverfahren aufgebracht werden, sind oie Aufwendungen leicht festzuftellen und nachzuweisen. Anders liegen die Verhältnisse in all den Fällen, in denen die Kosten des Verfahrens durch Abzug an der beteiligten Fläche und Bildung von Maffegrundstücken aufgebracht werden, wie dies in Heffen fast restlos der Fall ist. Da hier den einzelnen Beteiligten es fast unmöglich ist, einen ziffernmäßigen Nachweis über die Aufwendungen für die Bodenverbefferungen, die häufig sehr hoch sind, zu erbringen, beantragt die Zentrumspartei: Die Regierung möge bei dem Reichsfinanzminister dahin wirken, daß die Bestimmungen über Einkommensteuerer- leichterungen so erweitert werden, daß sie allen an Bodenverbefferungen Beteiligten zugute kämen.
Windhose über Staaken.
Die Gartenstadt Staaken bei Spandau wurde gestern nachmittag von einer verheerenden Windhose heimgesucht. Der Schaden, den das Unwetter angerichtet hat, ist außerordentlich groß. In wenigen Sekunden waren von mehr als 50 Häusern die Dächer abgedeckt. Der Schaden betrifft meistens Arbeiter und kleine Beamte, die sich hier in Siedlungshäusern ein Heim gegründet hatten. Die Windhose richtete in der Kolonie Neu-Staaken ebenfalls großen Sachschaden an. Hier sind etwa 100 Wochenendhäuser vom Sturm niedergeriffen und große alte Bäume entwurzelt worden. Soweit bekannt ist, sind Personen bei dem Unwetter nicht zu Schaden gekommen.
Ein neues Sittlichkeitsverbrechen an einem Mädchen in Düsseldorf.
Düsseldorf, 12. Eft. Zwischen dem Stadtteil Düsseldorf-Flingern und Gerresheim wurde von Arbeitern heute früh kurz nach %7 Uhr dicht an einem Feldweg durch Schrebergärten ein junges Mädchen bewußtlos aufgefunden. Der Kopf, des Mädchen, der blutüberströmt war, wies schwere Verletzungen auf. Aus der Lage der Bewußtlosen kann auf ein Sittlichkeitsverbrechen geschlossen werden. Die Ueberfallene wurde ins Krankenhaus gebracht, an ihrem Aufkommen muß gezweifelt werden. Ihre näheren Personalien sind noch nicht festgestellt. Auch über den Täter fehlt bisher jede Spur.
Aus dem Genchissaal.
Gräfin Monroy zu 3% Monaten Gefängnis verurteilt.
Berlin, 11. Eft. (Eigenbericht.) Im Prozeß gegen die Gräfin von Monroy verkündete nach fast zweistündiger Beratung des Gerichts der Vorsitzende folgendes Urteil: „Die Angeklagte wird wegen Diebstahls in einem Falle und wegen schwerer Urkundenfälschung und zugleich Betruges zu einer Gefängnisstrafe von 3% Monaten verurteilt. Die Kosten des Verfahrens fallen, soweit Verurteilung erfolgt ist, der Angeklagten, im übrigen der Staatskasse zur Last." Das Gericht billigte der Angeklagten drei Jahre Bewährungsfrist zu.
. Die Angeklagte sowohl wie die Staatsanwaltschaft verzrchretLn aus die Berufung, so daß das Urteil sofort rechtskräftig wurde. ' '
284, Gelsenkirchen 135%, Ilse Bergbau 218, Aschersleben 222%, Westeregeln 227%, Mannesmann 104, Phönix 104%, Rhein. Braunkohlen 265, Rheinstahl 110%, Stahlverein 111%, AEG. 183%, Bemberg 214, Chade 428%, Daimler 36%, Scheideanstalt 149, Deutsche Linoleum 277, Licht u. Kraft 185, I. E. Farben 199%, Felten 125%, Eesfürel 181, Goldschmidt 69, Lahmeyer 171%, Metallgesellschaft 121, Rütgerswerke 76, Schuckert 203%, Siemens 348%, Elanzstoff 268, Zucker 152%, Hapag 117%.
Frankfurter Obst- und Gemüsepreise vom 11. Oktober. Marktlage: Obst: Zufuhren stark, besonders in Aepfel und Birnen, Preise unverändert. Geschäft schleppend. Gemüse: Zufuhren reichlich, Blumenkohl im Ueberangebot. Preise teilweise etwas rückgängig. Nachfrage und Absatz nicht voll befriedigend. (Die angegebenen Preise sind Großhandelspreise.) Gemüse: Blumenkohl Inland 15—60 (Ausland 50—65 holl.), Bohnen — Stang 50—60 (60—65 holl.), — -Busch 40—50, Endivien 8—12, Eskarol 10—11, Feldsalat 40—50, Gelberüben 8—10, Gurken — Salat 5—25, Gurken —■ Senf 6—15, Karotten 10—12, Kartoffeln 3.6—4, Kartoffeln — Salat 6—6.5, Kohlrabi — Ober 5—8, Kopfsalat 12—25, Meerrettich 60—65, Pilze — Stein 50—65, Radieschen 6—10. Römischkohl 10—12, Rosenkohl 35 bis 40, Roterüben 8—12, Rotkraut 8—12 (8—10 holl.), Sellerie mittet 25—35, Spinat 25—28, Schwarzwurzeln 30—40 (32 bis 35 holl.), Tomaten 6—12 (28—32 holl.), Weißkraut 4—5 (8 dän.), Wirsing 8—12, (12—15 holl.), Wdißerüben 12—15, Zwiebeln 6—7 (7 ital.). Obst: Aepfel — Tafel 16—20 (50 Gräfensteiner amerik.), Aepfel — Etz 12—15, Aepfel —■ Wirtschafts 5—10, Birnen — Tafel 15—28, Birnen — Etz 10—12, Kastanien 26—25 (26 ital.), Melonen 8—10 (40 span.), Pfirsiche 12—35 (30—70), Preiselbeeren 35—38, Quitten 14—15, Trauben (30—35 franz.), Trauben (15—20 ital.), Walnüsse 20—25, Zwetschen 10—14.
Marburger Schweinemarkt vom 10. Oktober. Auf dem beu- tigen Schweinemarkt waren 627 Schweine, darunter 27 Läufer, aufgetrieben. 6 Wochen alte Ferkel kosteten 30—35 Mark, 6—8 Wochen alte 35—40 Mark, 8—13 Wochen alte 40—60 Mark und Läufer 80—120 Mark das Stück. Der Handel wat* flotte
Berliner Effektenfrühverlehr vom 12. Oktober. Zum Wochenschlutz scheint die Tendenz unverändert freundlich zu bleiben. Geschäfte sind am Vormittag bis jetzt noch nicht zustande gekommen. Auch Kurse sind nicht zu hören. Von anregenden Momenten ist der feste Schluß der Newyorker Börse und die Bildung des deutschen Schwachstromtrustes zu erwähnen. Am Devisenmarkt nannte man London—Kabel 486.50— 55, London—Berlin 20.39%, Kabel—Berlin 4.1925—30.
Spitzbubenkongrsß.
Die Geheimsprache der Diebe.
Im Dezember vorigen Jahres verhastete die brasilianische Polizei in Recife im Staate Pernambuco einen internationalen Dieb mit Namen Alberto Pinto, der ein Heft mit einer verabredeten Geheimsprache besaß. Nach zahlreichen unfruchtbaren Versuchen ist es der brasilianischen Justiz jetzt gelungen, den Sinn dieser „Geheimsprache" zu entziffern. Das Heft enthielt den Geheimcode des Verbandes der internationalen Diebe, der im Mai 1926 in Lerida in Spanien einen Kongreß abgehalten hatte. Um der polizeilichen Überwachung zu entgehen, hatten die verschiedenen Diebesbanden beschlossen, sich in einen einheitlichen Organismus zufammenzuschließen mit der Aufgabe, Diebstahlsmöglichkeiten zu erkunden, die Rollen zu verteilen und die Kapitalien des Unternehmens zu verwalten. Um die Geheimhaltung des Briefwechsels zu gewähr^ leisten, hatte ein Delegierter eine Geheimsprache ausgearbeiter. Der Direktor des Polizeilaboratoriums in Lyon hat dieser Tage ein Exemplar des entzifferten Geheimcodes erhalten, um ihn ins Französische zu übersetzen.
Samrüeniragödèe auf einem Schloß.
Nimptsch. Auf Schloß Kittlau bei Nimptsch hat sich eine furchtbare Tragödie abgespielt. Von der Dienerschaft wurden der Besitzer, Rittergutsbesitzer von Schüz-Goldfus, und seine drei Kinder im Alter von zwei Monaten bis vier Jahren t o t a u s g e f n d e n. Der Vater hatte sich erschossen, während oie Kinder infolge von Rauchvergiftung erstickt sind. Die Einrichtung des Schlafzimmers brannte noch und entwickelte einen marken Qualm. In einem Vorzimmer fand man die Frau des Rittergutsbesitzers und zwei auf Besuch weilende alte Damen in bewußtlosem Zustande aus. Sie sind infolge der Rauchvergiftung schwer erkrankt. Es ist anzunehmen, daß der Gutsbesitzer den Brand angelegt und sich dann erschossen hat Auf den Schutz hin dürften die Damen nach dem Schlafzimmer geeilt, aber infolge des Qualmes schon im Vorzimmer zusammcngebrochcn sein. Die Dienerschaft, die in bett'1 unteren Räumen des Schlosses schlief, entdeckte die furchtbare dat erst in den Morgenstunden. Der Beweggrund ist wahrscheinlich in der Verzweiflung des Rittergutsbesitzers über seine unverschuldet ungünstigen Vermögensverhöltniffe zu suchen.
In diesen Tagen
zieht der Briefträger die Gebühren für den Novemberbezug dieser Zeitung ein. Wir empfehlen, das Geld bereit zu halten und die Postquittung möglichst schon bei der ersten Vorzeigung einzulösen. Nur dadurch wird die ununterbrochene Lieferung dieser Zeitung gesichert und der Sonderzuschlag vermieden, den die Post für alle nach dem 25. eines Jeden Monats eingehenden Zeitungsbesfellun- gen in Anrechnung bringt.
Bluttat eines Irrsinnigen?
E.in .Kind zum Fenster hinausgestürzt.
Mittwoch ging der 45 Jahre alte Straßenbahnangestellte Albert in Berlin, der mit seiner Ehefrau und zwei Söhnen, einem neunjährigen Adoptivsohn und einem fünfjährigen eigenen Sohn, im Norden der Stadt wohnt, in das Bodengeschoß, verband beiden Kindern die Augen, schnitt eine Fensterscheibe heraus und stieß das ältere Kind auf den Hof hinab. Die Frau alarmierte sofort die Feuerwehr, doch wagte sich niemand auf den Boden hinauf, da der Mann den Eindruck eines Irrsinnigen machte. Die Feuerwehr spannte ein Sprungtuch aus, weil man befürchtete, daß Albert auch den zweiten Jungen Hinabstürzen würde. Albert kam. aber plötzlich, ganz ruhig eine Zigarette rauchend, die Treppen hinunter und wurde fest- genommen. Das hinabgestürzte Kind hatte so schwere Verletzungen erlitten, daß es bald darauf starb. Ob Albert j in einem Anfall geistiger Umnachtung gehandelt bat, soll ! -sitgestellt werden. Allerdings soll er eine Abneigung i gegen das Kind gehabt haben. .
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Mlransporè französischer Truppen.
Vom Kehler B r ü ck e n k o p f.
Weitere Teile des französischen Infanterieregiments Nr 170, bestehend aus acht Offizieren, 200 Mann, 20 Pferde,,' Bagage und Feldküche, die die Besatzung des Forts Kircln bach bei Sundheim bildeten, haben den Kehler Brückenkovs verlassen. Damit dürfte die Besatzungsherminderung ihr vorläufiges Ende erreicht haben, da die zurückgebliebenen zwei Bataillone des Infanterieregiments Nr. 170 den Keln»r Brückenkopf noch bis zum 30. Juni 1930 besi tzt halten sollen.
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Nah und Fern.
o Brand in einem Braunkohlentagebau. Im Tagebau des Michelwerks bei Kayna brach ein Brand aus, der sich außerordentlich schnell ausbreitete. Das Kohlenflöz ist auf eine Länge von etwa vierhundert, Metern in Flammen geraten. Die Kohlenförderung und Brikett- beförderung ist nicht in Mitleidenschaft gezogen. Mit einer baldigen Niederkämpfung des Brandes kann gerechnet werden.
O Schuster, bleib' bei deinem Leisten! In einem Dach- zimmer eines Hauses in Frankfurt a. M. erfolgte eine heftige Exvlosion, die starken Rauch entwickelte. Die her- beigeeilten Hausbewohner fanden einen in der Dachstube wohnenden Schuhmacher zwischen brennenden Möbelstücken mit schweren Brandwunden vor. Noch ehe die Feuerwehr au der Brandstelle anlangte, gelang es den Hausbewohnern, den Brand zu löschen. Der Schuhmacher gab au, er habe beabsichtigt, eine Flugrakete von 20 Minuten Brenndauer zu bauen, um damit „das Problem des Raketenfluges mit einem Schlage zu lösen". Die explodierte Rakete bestand aus einer Blechbüchse von etwa 10 Zentimeter Durchmesser und 50 Zentimeter Länge und enthielt sieben Kilogramur Sprengstoff. Nur einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, daß die Explosion verhältnismäßig glimpflich ablief.
0 Großseuer in Kopenhagen. Ein großer Brand wütete in Kopenhagen auf dem in der Nähe des Hauptbahnhofs gelegenen alten Baünhofsgebiet. Dort befinden sich mehrere Maschinenlager, ein Automobillager und eine große Garage. Das Feuer breitete sich mit raseuder Geschwindigkeit aus, genährt von einer Menge leicht brennbarer Stosse, wie Öl und Benzin. Eine Explosion folgte der anderen. Die Angaben über die Zahl der vernichteten Automobile schwanken zwischen fünfzig und Hundert. Nach den Angaben eines Nachtwächters muß mit der Möglichkeit einer Brandstiftung gerechnet werden.
Bunte Tageschronik.
Ulm, 12. Okt. In der Station Sontheim a. d. Brenz fuhr heute früh 6 Uhr ein Güterzug auf einen Personenzug aus. Mehrere Güterwagen wurden umgeworfen und entgleisten. Vom Personenzug wurden mehrere Wagen stark beschädigt, Personen kamen nicht zu Schaden. Von Ulm ist ein Hilfszug nach Sontheim abgegancjen.
Rom, 12. Okt. Auf dem Kapitol ist zur Feier des heutigen Jahrestages der Entdeckung Amerikas die Nationalflagge gehißt worden. Die staatlichen Gebäude haben die Nationalflagge und die Flagge der Stadt Rom ausghängt. Auch die Straßenbahn ist gejchmückt. Die Blätter betonen, daß Kolumbus ein Italiener gewesen sei.
Zeitgemäße Betrachtungen. H
(Nachdruck verboten.) 0
Herbststimmung!
Gewunden ist der letzte Erntekranz, — geborgen sind des Feldes letzte Garben, — doch liegt auf Busch und Hain ein neuer Glanz, — Laubfärbung hüllt den Wald in bunte Farben, — als letzte Pracht, die Maler Herbst uns bot — und auch das Weinlaub leuchtet brennend-rot — noch am Spalier im späten Sonnenglanze, — bevor der Wind es dreht im Wirbeltanze. ---
Doch all die Pracht und all die Eigenheit, — die uns berückt in des Oktobers Tagen, —• ist nur ein Zeichen der Vergänglichkeit — und nur bestimmt, den Schluß uns anzusagen. — Wenn Erntesang und Erntedank verhallt, — wenn um die Au' der Morgennebel wallt, — wenn sich im Wald die Blätter wieder färben, — beginnt in der Natur das große Sterben. — —
Der Sturm zerreißt das prunkende Gewand, — der karge Rest sinkt in den Staub hernieder, — nun klingen Trauerglocken durch das Land — und hallen selbst in fernen Ländern wieder. — Zu früh vollendete die Lebensbahn — ein deutscher Mann, der seine Pslicht getan — und treu erfüllte bis zur letzten Stunde: erschüttert hört die Welt die Trauerkunde. — —
Dem stets des Volkes Wohl am Herzen lag, — dem weiht das Volk ein ehrendes Gedenken, — und selbst der Gegner, der ihm widersprach, — wird still an seinem Grab den Degen senken. — Gestrenge Pflichtersüllung bis zum Tod, — das ist der Treue oberstes Gebot: — mag jeder sich an diesen Grundsatz halten, — dann wird die Zukunft besser sich gestalten.--'
Nun weht der Herbstwind über Flur und Feld, — in der Natur beginnt das große Sterben, — jedoch dem Lebenden gehört die Welt, — wer vorwärts will, muß ringen und erwerben — und was ein and'rer vor ihm aufgebaut — was ihm als heilig Erbe anvertraut, — das führe er nach bestem Wissen weiter, — dann erntet er, was einst gesät. Ernst Heiter.
Bücherschau.
Zum 70. Geburtstag des Dichters erscheint im Verlag von N. G. E l w e r t in Marburg „Alfred Bock-Buch", herausgegeben von Will Scheller. — Die eindrucksvolle Erzählungskunst Alfred Vock's, der am 14. Oktober sein siebzigstes Lebensjahr vollendet, hat dem Dichter seit langem einen ehrenvollen Platz in der deutschen Literatur gesichert. Bock's Bücher, in denen die Seele eines ganzen Volkes in all' seinen Schwingungen lebendig wird, zählen zu denen, die nicht veralten. Der Dichter geht seinen eignen literarischen Weg, hat durchaus sein eignen Stil. Ihm einen immer größeren Leserkreis zu gewinnen, erscheint im Verlag von N. G. E l w e r t in Marburg das „Alfred Bock-Buch", Proben aus des Dichters Romanen, Novellen mit vielerlei charakteristischen Phnsiognomien und Gestalten, zusamt eigenartiger Vodenbeständigkeit entsprungen. Das Buch enthält ferner Abschnitte aus dèn Lebens- erinncrungen des Dichters und seinen Tagebüchern. Eine Würdigung Alfred Bock's von Will Scheller' geht dem Werk voraus. Der 280 Seiten starke Band kostet kart. M 2.25, 'N Ganzleinen gebunden 3 M.
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