ul-aer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal >§ul-aer Kreisblatt
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Nr. 229 — 1929
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6. Jahrgang
Fulda, Montag, 30. September
Zündhölzer-Monopol im Reiche?
Sireèchholzauslieferung gegen Anleihe.
6 0 0 Millionen geboten.
Durch Berliner Veröffentlichungen wird bekannt, der erste Mann des großen schwedischen Zündholztrustes, Ivar Kreuger, habe dem Reiche einen Kredit von 600 Millionen Marl angeboten. Ivar Kreuger halte sich in diesen Tagen in Berlin auf und beabsichtige als Gegenleistung die Ausdehnung seines bisher schon sehr starken Einflusses in der deutschen Zündholzindustrie, die bekanntlich von der Reichsregierung aus Grund besonderer Gesetzesbestimmungen überwacht wird. Ivar Kreuger habe den Ausbau seiner Beziehungen zu einem förmlichen Monopol im Auge, dessen Preispolitik er zu diktieren habe.
Zu diesen aufsehenerregenden Veröffentlichungen wird von offiziöser Seite bemerkt: Die Schwierigkeiten des deutschen Zündholzsyndikats sind schon vielfach Gegenstand besorgter Erörterungen gewesen. Infolge der Überschwemmung des deutschen Marktes mit russischen Zündhölzern ist es nicht möglich gewesen, die Leistungsfähigkeit der der deutschen Zündholz-Verkaufs- A.-G. angeschlossenen Werke auszunutzen. Die Gesellschaft hat stets mit Unterbilanz gearbeitet und wies in ihrem Abschluß vom letzten Geschäftsjahre einen Fehlbetrag von 350 000 Mark bei einem Aktienkapital von einer Million Mark aus. Inzwischen haben sich die Verhältnisse der Gesellschaft noch weiter wesentlich verschlechtert. Nur eine- wirksame Abwehr der ausländischen Konkurrenz kann hier offenbar Abhilfe schaffen.
Bei dieser Sachlage wäre es durchaus verständlich, wenn die schwedische Gruppe, die bereits mit 65 Prozent am deutschen Zündholzsyndikat beteiligt ist, mit ihrem Vorschlag« der Einführung eines deutschen Zündholzmonopols auf Entgegenkommen bei hiesigen maßgebenden Stellen stößt. Andernfalls müßte man mit dem völligen Ruin der deutschen Zündholzindustrie mit allen ihren schlimmen Folgen für die Volkswirtschaft rechnen.
Das ist also mehr wie eine Bestätigung der bekannt- gewordencu Pläne, über deren Bedeutung für den deutschen Handel, die deutsche Industrie und die Verbraucherkreise kein Zweifel herrschen kann, ganz abgesehen von der Einwirkung des erneuten Eindringens fremden Kapitaleinflusses in die Staatswirtschaft.
Ivar Kreuger.
Man^ weiß, daß Ivar Kreuger, dieser noch nicht fünfzigjährige Schwede, zu den reichsten Leuten der Welt gehört. Er wurde es mit Hilfe eines der — kleinsten Dinge des Massen- konfunls. Das Streichholz, die „Schweden", machten ihn dazu. Zunächst nahm er, selbst aus der Zündholzindustrie stammend, das eigene Land „in Angriff" und errang einen schnellen Sieg. Er sucht Verbindung mit den Finanzkapitänen der Vereinigten
Volksbegehren eingereicht.
Kennwort: „Freiheitsgesetz".
Für den Reichsausschutz für das Deutsche Volksbegehren haben Geheimrat Hugenberg und der Stahlhelmführer S e l d t e beim Reichsinnenminister den Zulassungsantrag für das Volksbegehren gestellt. Das Schreiben ist von Herrn Franz Seldte und Herrn Dr. Alfred Hugenberg nicht nur persönlich, sondern auch von diesen als geschäftssührenden Vorsitzenden des Reichsausschusses für das deutsche Volksbegehren sowie ferner namens und im Auftrage des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten und der Deutschnationalen Volkspartei unterzeichnet.
Dem Antrag ist eine Liste mit 5000 Unterschriften beigefügt, durch welche allein, wie in dem Schreiben betont wird, glaubhaft sein dürfte, daß weit über 100 000 Stimmberechtigte den Zulassungsantrag unterstützen. Das Kennwort des Gesetzentwurfes ist „Freiheitsgesetz". Außerdem sind eine ausführliche allgemeine und besondere Begründung beigegeben.
In der allgemeinen Begründung werden im einzelnen die wirtschaftliche, soziale, finanzpolitische und politische Lage Deutschlands aus Grund der Vertrags- rcihe von Versailles bis zu den Dawes-Gesetzen sowie die »olgcu geschildert, die sich aus dem aus der gleichen Linie liegenden Uoung-Plan ergeben würden. Um das drohende Unheil von Deutschland abzuwenden, habe sich der Reichs- ausschuß für das deutsche Volksbegehren gebildet, um mit allen verfassungsmäßigen Mitteln dagegen zu kämpfen, daß der Pariser Tributplan verpflichtende Kraft für Deutschland erhalte. Dann heißt cs weiter: Im Dawes-Plan war aus- «esprochen, daß Deutschland die Zahlungen nur aus den Über« (müssen seiner Ausfuhr leisten könne. Die deutsche Außenhandelsbilanz sei aber seit 1924 mit 10 bis 12 Milliarden hasst». Trotzdem habe Deutschland bis 31. August 1929 rund acht Milliarden Goldmark gezahlt, indem es vom Auslande geborgt habe. Die deutsche Zahlungsbilanz sei seit 1924 mit 16>5 Milliarden Reichsmark passiv. Der Stand oer deutschen Auslandsverschuldung beziffere sich aus 15 Milliarden Reichsmark, die zur Verzinsung und Tilgung jährlich 1,5 Milliarden w ausländischen Zahlungsmitteln erfordern. Die Zinsen müssen mit neuer Verschuldung gedeckt werden. Trotz dieser rrschtillernden Bilanz geht der Pariser Tributplan weit über
Staaten, die hier ein vorzügliches, wett ausgreifendes Geschäft wittern, in Ivar Kreuger den richtigen Mann dafür erkennen und — der schwedisch-amerikanische Zündholztrust ist fertig - Mit einem Kapital von ein paar hundert Millionen Kronen.
Diesen Millionen öffnen sich bald die Türen der europäischen Kabinette: denn wo die Edelvaluta anklopfte, da wurden ihr in dem Nachkriegseuropa die Tore sehr schnell aufgetan. Ivar Kreugers Geschäftsprinzip dabei war folgendes: Er will dem Land, das er „attackiert", eine mehr oder weniger große Anleihe gewähren, wenn man ihm dafür das Zündholzmonopol in die Hände legt. Gewöhnlich bat er mit Hilfe seiner Kapital-
Der ZünotzotzlonP Ivar Hunger.
kraft vorher schon die Zündholzindustrie ches betreffenden Landes halb zu Tode konkurriert, so daß sie ihm dann leicht in cie Hände fällt. Bequemer war es noch dann, wenn er ein staatliches Zündholzmonopol vorfand. Und so hat er denn in einer großen Reihe von europäischen Ländern und auch schon in einzelnen südamerikanischen Staaten seinen Zündholztrust auf diese Weise zum Siege geführt.
Doch noch viel weiter dehnte Ivar Kreuger sein Herrschaftsgebiet aus. Holz- das ist der Rohstoff für Zellulose, und so wurde zunächst auch wieder in Schweden die für die Papierbereitung so notwendige Zelluloseindustrie vertrustet; dann ging es auch hierin wieder in die andern europäischen Staaten hinein. Dann folgte der Angriff auf ein zweites schwedisches Rohprodukt von größter Wichtigkeit: das Eisenerz. Weiter ging es in die Eisenverarbettung hinein und die namentlich für den Autoinobilbau bedeutungsvolle Kugellager- industrie erlag dem Ansturm des Schweden, bekanntlich auch die deutsche.
Und Ivar Kreuger wird wcitermarschieren.
liarben Goldmark. Diese Gesamtlast, nicht die für die ersten Jahre ermäßigten Zahlungen, ist entscheidend für die Zukunft des deutschen Volkes.
Die besondere Begründung.
erläutert die einzelnen Paragraphen in parlamentarisch gesetzestechnischer Hinsicht. Zweck des § 4 soll es sein, unmöglich zu machen, daß Reichsregierung, Reichspräsident und Reichstag wie in den letzten sechs Jahren durch „Paraphierung" vor „vollendete Tatsachen" gestellt werden. Die Ent- schlußsreiheit der verfassungsmäßig entscheidenden Instanzen, namentlich des Reichspräsidenten, fei damit tatsächlich aufgehoben worden. Die Bestimmung des § 4, so heißt cs weiter, hebt in keiner Richtung bestehendes Recht auf. Sie stellt den Verstoß gegen § 3 Abs. 1 unter die gleiche Strafe wie den Tatbestand des § 92, Nr. 3 R.-St.-G.-B. § 4 sichert lediglich den Zweck des Gesetzes.
Anträge im Reichstag.
Graf Westarp und die deutschnationalc Fraktion habe» int Reichstag zwei Anträge eingebracht, wonach der Reichstag beschließen wolle: Die Reicksregierung wird ausgefordert, keine Entschließung über den Plan vom 7. Juni dieses Jahres zu fassen und dem Reichstage vorzulegen, bevor nickt die bedingungslose Rückgliederung des Saargebietes, die Aushebung des in Artikel 429 und 430 des Versailler Vertrages vorgesehenen Rechtes, die Besatzung zu verlängern oder zu erneuern, eine den deutschen Ansprüchen gerecktwerdende Regelung der Liquidation des deutschen Eigentums im Aus- lande vertraglich gesichert ist.
Der zweite Antrag sordcrt, alle Entschließungen und internationalen Bindungen, durch welche die Annahme des Planes der Pariser Konferenz vom 7. Juni dieses Jahres vorbereitet wird, und die Beschlußfassung über eine Vorlage, in welcher die Ratifizierung des Manes vorgeschlagen wird, zurückzu- stellen, bis die Volksabstimmung über das vom Rclcksansschuß für das deutsche Volksbegehren eingereichte Gesetz stattgefun- den hat.
Erdbeben auf 5alM
London. Die Stadt Hilo auf Hawai wurde von einem schweren Erdbeben heinigesucht. Eine der Hauptstraßen der Stad"- luttrbe in zwei Teile zerrissen. Die Stadt Hilo liegt 60Metten von
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Aufsehenerregende Enthüllungen über ein geplantes Zünd- holzmouopol in Deutschland gegen Gewährung eines ausländischen Kredits an das Reich beschäftigen diè Öffentlichkeit
* Der mehrjährige Führer der deutschen Delegation bei berr deutsch-polnischen Wirtschaftsverhandlungen, Dr. Hermes, hat seinen Auftrag in die Hände des Reichskanzlers zurückgelegt.
* Der englische Premierminister Macdonald hat seine seit längerer Zeit angekündigte politische Reise nach Amerika angetreten.
Der „nervus rerum".
Schon die alten Römer haben ganz genau gewußt, daß das Geld der „nervus rerum“, der „Nerv der Dinge" ist. Oder, kurz gesagt, die Hauptsache.
Wir in Deutschland merken es gerade jetzt wieder mit unerfreulichster Deutlichkeit. Namentlich bei den Finanz- Verlegenheiten vom Reich bis zur letzten Gemeinde herab.
Es wird nachgerade allerhöchste Zeit, daß der soeben zusammentretende Reichstag nun endlich mit der Reform der Arbeitslosenversicherung zu einer Entscheidung kommt. Der „zur Begrüßung" den Abgeordneten vorgelegte Gesetzentwurf über gewisse Änderungen hierüber enthüllt mit erschreckender Deutlichkeit die finanziell geradezu katastrophale Lage der Versicherung. Seit dem 1. Oktober 1928 bis jetzt haben die Reichszuschüsse, die sie erforderte, die 500Millionenfasterreichtund es erscheint als ausgeschlossen, daß das Reich Darlehen in größerem Umfang hierfür noch weiter hergeben kann. Dabei ist die Zeit der diesjährigen „Überschußmonate" bereits verstrichen, übersteigen die für den September notwendig gewesenen Ausgaben die Einnahmen. Wie auch die Entscheidung fallen mag — Härten werden sich dabei kaum vermeiden lassen. Die Hauptsache aber ist, daß aus der Versicherung endlich das lausende Defizit verschwindet; zu entsprechenden Vorschlägen hat es aber bisher weder die Reichsregierung, haben es auch nicht die an der Regierung beteiligten Parteien gebracht, da sich hier die Gegensätze zwischen Sozialdemokratie und Volkspartei ansckeinend sozusagen „versteinert" haben. Die Parteien spielen wieder einmal allzusehr „Programm", haben sich auf den „grundsätzlichen Standpunkt" gestellt; die rauhe Wirklichkeit erkennt aber solche Programme oder Grundsätze nur sehr teilweise an. Wenn man nichts oder nichts Ausreichendes zustande bringt, — an der Dauer, der Ausdehnung der Verhandlungen würde das bestimmt nicht liegen.
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Man muß ja — gerade wegen des finanziell so bedeutsamen Hintergrundes der Arbeitslosenversicherung — auch das erwähnen, was im Reichstag — nicht erwähnt wird. Da nämlich die Fragen der Inkraftsetzung des Foung- Planes und der dann notwendig werdenden Gesetzentwürfe „zur Durchführung des Planes" vorläufig noch nicht „aktuell" sind, sie aber natürlich sehr erheblich die Finanzlage des Reiches, dann auch seine Finanzgebarung beeinflussen und eine baldige Reform oder doch mannig- facke Abänderung unseres Steuersystems zur Folge haben müssen, so wird man im Reichstag kaum größere Auseinandersetzungen über die finanziell-steuerlichen Fragen einer immerhin doch nicht allzu fernen Zukunft erleben. Um so mehr stehen natürlich diese Steuer- und Finanzprobleme im Mittelpunkt der Debatten auf dem Deutschen S t ä d t e t a g. Schließlich ist ja das Geld überall der „nervus rerum* und die Städte halten sich übereinstim. mend für sehr — „nervenkrank". Außerdem werden die Angriffe auf die öffentlichen oder gemischtwirtschaftlichen Betriebe wegen ihrer wachsenden Ausdehnung immer heftiger; sogar der preußische Handelsminister hat sich sehr deutlich gegen diese Kommunalisierungstendenzen und für die Vollbesteuerung dieser Betriebe ausgesprochen. In einem aber ebenso deutlichen Gegensatz dazu stehen Ausführungen seines Kollegen vom Innenministerium, der in seiner Rede auf dem Deutschen Städtetag erklärte: „Die preußische Staatsregierung hält mit mir die Angriffe der Privatwirtschaft auf die kommunalen Betriebe für gänzlich unbegründet." Dem wird man wohl doch nicht so ganz beb stimmen, denn mit Recht wehrt sich die Privatwirtschaft z. B. gegen diese Ausdchnungstcndcnzen dieser Betriebe auf Gebiete, die nicht mehr nur die Deckung der Massen- vcrsorgung mit Gas, Wasser, Elektrizität usw. monopolistisch umfassen._ Noch schlimmer liegen die Dinge aber dann, wenn die öffentliche Hand, wie es besonders drastisch bei dem Vertrag der Stadt Berlin über die Lieferung von Kleidern, Uniformen, Stiefeln usw. für die städtischen Beamten, Angestellten, Arbeiter, Erwerbslosen u. dergl. geschah, eine Mo n 0 p 0 l l i e f e r u n g an eine einzige Firma aus lange Jahre hinaus vergibt. Vergebens haben sich die hierfür in Frage kommenden Vertretungen des Tertil-usw.gewcrbcs bemüht, dieses Monopolverhältnis zu sprengen. Man hörte nicht auf sie: fortdauernde Klagen auch über die Qualität der gelieferten Waren blieben nutzlos. Und jetzt — bat der Steuerzahler die Kosten zu tragen.
Es gibt ja einen ähnlichen „Privatmonopolbctricb" — aber in ganz großen Verhältniflen — für einen Gegenstand des Massenbedarfs, nämlich für das Streichholz; in Deutschland allerdings nur bei der Herstellung. Er liegt in den Händen des Zündbolzsyndikats, dessen Äktienmeb'r- beit bekanntlich her schwedische Trustkönig Ivor Kreuger besitzt. Sensationell wirkt nun sein Vorschlag, dem Reich 150 Millionen Dollar zu pumpen, wofür als Gegenwert offenbar die Schaffung eines vollständigen Monopols von der Produktion bis zum Einzelvertrieb an den Konsumenten gefordert wird, also auch die Kon- kurrenz der ausländischen Fabrikate, nämlich der russischen, ausgeschaltet werden soll. In anderen Ländern hat Ivor Kreuger mit solchen Vorschlägen häufig ein sehr schnelles Entgegenkommen gefunden. Die deutsche Rcgie- ritnn »nh her flUirhat An Wfrhrti mtn nfiHrfirnna nor hi-fp