Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieien.
Merkblatt für den 18. September.
Sonnenaufgang 5.38, Sonnenuntergang 15.9 Uhr. Mondaufgang 18.23, Monduntergang 4.31 Uhr.
1426: Der Maler Hubert van Eyck in Genf gest.
1786: Der Dichter Justinus Kerner in Ludwigshafen geb.
1806: Der Schriftsteller Heinrich Laube in Sprottnu geb.
1819: Der französische Physiker Leon Foucault in Paris geb.
Aller Anfang ist schwer — nur Müßiggang, aller Laster Anfang nicht. Sprichwörtlich.
Wetterbericht.
Bei Island hat an der Vorderseite eines, neuen kräftigen Wirbels starker Luftdruckfall eingesetzt, der sich süd- und ostwärts ausbreiten wird. Hierdurch wird der westostwärts sich erstrek- kende Hochdruckriicken besonders im Westen abgeschwächt, doch wird er vorläusig immer noch unsere Witterung bestimmend be- einslussen. Später ist vorübergehend Bewölkungszunahme, aber kaum Niederschlagstätigkeit wahrscheinlich. Vorhersage bis Dienstag abend: Nach Frühnebel aufheiternd, trocken, tagsüber warm, nördliche bis östliche Winde. — Witterungsaussichten für Mittwoch: Nur noch stellenweise neblig, sonst vielfach wolkig, trocken, tagsüber etwas kühler.
* Fulda, den 17. September 1929.
Neue Meister.
Vor der Fuldaer Meisterprüfungskommission der Handwerkskammer Kassel bestanden am gestrigen Montag ihre Meisterprüfung die Schreiner: Jakob Eydt von Notensee (Kr. Hersfeld), Kaspar Wenzel von Rotteterode (Kr. Hersfeld) und Heinrich Weisenbach von Reckerode (Kr. Hersfeld).
Kreuzotterserum. t
Von derPolizeiverwaltung wird uns geschrieben:
Bei der staatlichen Universitätsapotheke in Berlin N. 24, Monbijouplatz 6/9, ist nunmehr eine Niederlage für antitoxisches Serum gegen Kreuzotterbisse eingerichtet worden. Krankenanstalten, Institute, Aerzte usw. können von dieser Stelle die etwa notwendig werdenden Serummengen gegen Erstat- . tuns der Kosten unmittelbar beziehen. Ein Fläschchen enthält 10 cent Schlangengiftserum. Diese Menge stellt im allgemeinen eine ausreichende Heildosis dar, nur bei verspäteten Fällen werden 20 ccm gebraucht werden. Der Preis für das Fläschchen beträgt z. Z. 2,50 RM. Der Versandt erfolgt unter Nachnahme des Betrages.
Im hiesigen Bezirk wird in den Krankenanstalten „Herz- Jesu-Heim in Fulda" und „Berta-Krankenhaus in Tann (Rhön)" Kreuzotterserum versügbar geb-alten.
Zur beabsichtigten Erhöhung der Beiträge der Arbeitslosenversicherung für Saisonarbeiter.
Aus Handwerkerkreisen wird uns geschrieben:
Nach den bekannt gewordenen Abmachungen ist zwischen dem Reichskllbinett und dem Preußenkabinett eine Verständigung über die Reform der Arbeitslosenversicherung dahin zustande gekommen, daß für denjenigen Teil des Saisongewerbes, der besonders hohe Löhne zahlt, eine Beitragserhöhung um 1% Prozent auf 4% Prozent vorgesehen ist. Hiervon wird vor allen Dingen das Baugewerbe betroffen werden. Der Reichsverband des deutschen Handwerks hat gegen diese Absicht, die Saisonarbeiterfrage rein schematisch durch die Beitragserhöhung zu lösen, Einspruch erhoben beim Reichskabinett, beim Reichs- wirtfchaftsministerium, beim Reichsarbeitsministerium, beim Reichskommissar für das Handwerk und Kleingewerbe sowie bei den Fraktionen der bürgerlichen Parteien. In feiner Be- MM.dung weist der Reichsverband darauf hin, daß ein solcher Schritt alle die Bestrebungen, die auf eine Verbilligung des Bauens abzielen, mit einem Schlage illusorisch machen würde. Weiter wird angeführt, daß im Baugewerbe der Anteil der Lohnkosten an den gesamten Fertigungskosten besonders hoch ist, so daß Zuschläge zu den Löhnen in Form von erhöhten Sozialversicherungsbeiträgen sich besonders scharf auswirken müssen. Hinzu tritt, daß die erhöhte Belastung der Arbeitnehmer durch die Steigerung ihrer Beitragsleistung um % Prozent mit größter Wahrscheinlichkeit eine neue Lohnbewegung auslösen wird, so daß die wirkliche Belastung des Lohnkontos ; über die vorgesehene Erhöhung des Beitrages von 1% Prozent ' bedeutend hinausgehen würdet Der Reichsverband des deutschen Handwerks wiederholt feinen Vorschlag, daß die Saisonarbeiter aus versicherungstechnischen Gründen für die berufs- - übliche Arbeitslosigkeit von der Versicherung nicht erfaßt wer- 'ben sollen. Sollte diese Forderung nicht verwirklicht werden können, jo sei eine Lösung zu suchen, durch die ein besserer Ausgleich zwischen Leistung und Gegenleistung geschaffen wird. Mach der Auffassung des Reichsverbandes des deutschen Hand- ' werks ist dieses dadurch zu erreichen, daß die Wartezeit verlängert und die Unterstützungssätze ermäßigt werden. Zu er- j wägen bleibt noch, ob nicht auch durch Verlängerung der An- c wartschaftszeit dem versicherungstechnischen Grundsatz bei der .Arbeitslosenversicherung der Saisonarbeiter besser Rechnung ^getragen werden kann.
I Bezirkstagung der Vertrauensleute der
I Angestelltenversicherung.
' Sonntag, den 15. 9. fand im Klub für Handel und Industrie ‘in Frankfurt a. M. eine Tagung der Vertrauensleute bèr Arbeitgeber und Versicherten der Angestelltenversicherung aus 'Hessen, Hessen-Nassau und der Pfalz statt. Die Tagung, die sich ; mit dem Ausbau der Angestelltenversicherung beschäftigte, war von 200 Vertretern besucht. Das Mitglied des Direktoriums Schäfer hielt einen Vortrag über „Die Entwicklung der Ange- fftelltenversicherung seit der letzten Bezirkstagung vor 4 Jahren." <Es mußte darauf hinweisen, daß eine große Anzahl von Aus- ^bauwllnschen erfüllt worden sind. Die Versicherungsgrenze ist 7Dort 6000 auf 8400 M erhöht worden. Die Wartezeit wurde einheitlich auf 60 Beitragsmonate herabgesetzt. Die Beiträge der yunteren Klassen aus der Zeit vor der Inflation sind aufgeiwertet worden. Zur Nachprüfung der abgelehnten Heilverfahren ist ein Beschwerdeausschuß eingesetzt worden. Für die (Ehefrau der Versicherten wurde das Heilverfahren bei akuter »Tuberkulose durchgeführt. Die Versicherung hat in Einnahmen und Ausgaben zugenommen. Die Einnahmen stiegen von 287 Millionen im Jahre 1926 auf 406 Millionen int Jahre 1928. Die Leistungen der Angestelltenversicherung befinden sich erst im Anfang, nachdem die vorgeschriebene Wartezeit erfüllt ist. Die Anträge auf Ruhegeld und Hinterbliebenenrente zeigen jährlich eine starke Zunahme. Die Ruhegeldanträge stiegen von 60 000 int Jahre 1927 auf 72 000 im Jahre 1928; die Witwen- unb Waisenrente von 30 000 im Jahre 1927 auf 46 000 im Jahre 1928. Auch die Zahl der beantragten genehmigten Heilverfahren hat erheblich zugenommen. Die Rücklagen zur Sicherung der Leistilngen betrugen Ende 1928 über eine Milliarde. Jährlich werden etwa JI 250—300 Millionen zurückgelegt. Die Vermögensanlage erfolgt zu einem erheblichen Teil in Darlehen für Wohnungsbau. Jin Jahre 1928 wurde an 100 Millionen Baudarlehen ausgegeben. Auch für das laufende Jahr wird dieser Betrag erreicht werden. Im ersten Halbjahr 1929 sind an 2663 Einzelsiedler Darlehen gegeben worden. Die RfA. hat bewußt den Einzelversicherten Gelder zum Wohnungsbau gegeben.
Das Direktorium hat zahlreiche Vorschläge gemacht, um die bestehenden Bestimmungen zu verbessern. Es soll dies geschehen durch Einführung einer Elternrente. Erleichterung bei der freiwilligen APiterverstcherung und Wiederaufleben der Anwartschaft. Erleichterung der Rückerstattung der Beiträge für weibliche Versicherte im Falle der Verheiratung.
Die dem Reichsrat zugegangene Denkschrift über den Ausbau der Angestellten Versicherung sieht eine Erhöhung der Renten durch Heraufsetzung des Steigerungssatzes nicht vor. Das Direktorium fei auf Grund der versicherungstechnischen Berechnungen zu dem Ergebnis gekommen, daß bei den heutigen Beiträgen eine Aenderung der Leistungen nicht möglich ist. Der
Entwurf sieht ferner eine Beschränkung der Selbstverwaltung vor, indem künftig die Zustimmung zum Haushalt der Reichsregierung übertragen werden soll.
In der Aussprache wandte sich der Vertrauensmann der Versicherten, Geßner, Frankfurt a. M., gegen die Beschränkung der Selbstverwaltung. Die Beiträge zur Angcstelltenversiche- rung werden von Arbeitgebern und Versicherten allein aufgebracht. Der Staat zahlt keinerlei Zuschüsse und die Selbstverwaltung der Angestelltenversicherung hat sich bisher bewährt. Es liege deshalb kein Anlaß vor, die Zustimmung des Haushaltes der Reichsregierung zu übertragen, umsomehr als das Reich ein erheblicher Schuldner bei der Angestelltenversicherung sei. Geßner verlangte die Heraufsetzung der Renten. Die versicherungstechnischen Berechnungen beruhten auf Annahmen, denn sie legen den heutigen Stand für die nächsten 60 Jahre zugrunde. Es sei die Annahme sicher falsch, daß im Jahre 1942 der Zinsfuß auf 4% % gesunken sei und das prozentuale Verhältnis der weiblichen Versicherten um 40% und der Männer um 60 % in den nächsten 60 Jahren gleich bleibt, ebenso auch die Zahl der Verheiratung, Geburten, Sterblichkeit und Kinderzahl.
Die Berechnungen seien bereits bei Schaffung des Gesetzes zu vorsichtig vorgenommen worden. Die letzte versicherungs- technifche Berechnung fei durch den Jahresbericht 1928 widerlegt worden.
Auerbach-Frankfurt a. M. ist der Meinung, daß die versicherungstechnische Berechnung als Grundlage angesehen werden müsse. Auch er spricht sich gegen die Beschränkung der Selbstverwaltung aus. Fuchs-Frankfurt a. M. ist der Auffassung, daß bei den heutigen Beiträgen sehr wohl eine Erhöhung der Leistungen möglich sei und es müsse deshalb mit Nachdruck die Erhöhung des Steigerungssatzes von 15 auf 20 Prozent verlangt werden.
An der weiteren Aussprache beteiligten sich Vertreter aus Hessen, Hessen-Nassau und der Pfalz, die sich ebenfalls gegen die Beschränkung der Selbstverwaltung wandten. Dagegen war die Auffassung über die Erhöhung des Steigerungssatzes verschieden.
Der Versammlungsleiter, Herr Gerngroß, Vertreter der Ar- beitgeber Frankfurt a. M., schloß sich in temperamentvoller Ausführungen der Meinung an, daß eine Erhöhung des Steigerungssatzes und damit eine Erhöhung der Renten für bie; heutige Generation eine unbedingte Notwendigkeit sei. WemT es richtig sei, daß in einigen Jahrzehnten der Zinsfuß bereits , auf 4 Prozent wieder gesunken fei, so wäre auch die wirtschaft- : liche Lage eine wesentlich bessere, und davon hätten die Angestellten auch ihren Vorteil.
Der Referent, Dr. Schäfer-Berlin, nahm in seinem Schlußwort zu den zahlreichen Anregungen Stellung und begrüßte es, daß die Vertreter der Versicherten so regen Anteil an der Ausgestaltung der Angesteltenversicherung nehmen.
* Hünfeld (Rhön), 17. Sept. (Lastauto verbrannt.) Auf der Straße Mahlerts— Michelsrombach geriet ein Lastauto der Firma I. Lehmer von hier in Brand. Zum Glück konnten sich Fahrer und Begleiter rechtzeitig retten. Der Wagen brannte jedoch bis auf das Gerippe ab.' Ebenso wurden auf dem Wagen befindliche landwirtschaftliche Maschinen zerstört und verbrannten verschiebende andere Waren mit. Wegen der Gefahr der Entstehung eines Waldbrandes waren die Wehren von Schlotzau und Michelsrombach alarmiert worden. Es ist aber weiteres Unheil nicht entstanden.
* Wacha (Rhön), 17. Sept. (Folgenschwerer Blitzschlag.) Im Werratal und angrenzendem Gebiet ging ein schweres Gewitter mit teilweise wolkenbruchartigem Regen nieder. Verschiedentlich wurden große Verwüstungen angerichtet. In Kleinensee traf ein Blitzschlag das Stallgebäude des Anwesens des Landwirts Georg Bantz 2, und zündete. In kurzer Zeit hatte das Feuer das Stallgebäude mit der Scheune restlos verzehrt und war auch auf das Wohngebäude übergesprungen. Auch dieses wurde ein Raub der Flammen. Die Feuerwehr konnte sich nur auf eine Lokalisierung des Brandes beschränken. Es ist ein empfindlicher Schaden entstanden, da nur wenig gerettet werden konnte. Zu allem Unglück ist der Besitzer nur teilweise durch Versicherung gedeckt. — In der Gegend von Philippsthal verwandelten' sich während des Unwetters die von den Bergen herabführenden Hohlwege in reißende Bäche, die verschiedentlich das Erdreich aufwUhlten. — Große Verwüstungen wurden auch bei Schlotzau angerichtet. Dort liegt der Schlamm stellenweise meterhoch in den Gärten. In die Straßen wurden Löcher gerissen. Die Kartoffeln wurden aus der Erde gespült und Obst von den Bäumen geschlagen.
Bebra. Der Verein für das Deutschtum im Auslande, Ortsgruppe Bebra, veranstaltete Dienstag einen Werbeabend im Hessischen Hof. Redner des Abends war der bekannte Südtiroler Lehrer Riedel. Er schilderte die Not und Bedrängnis der Deutschen an den Grenzen unseres Vaterlandes und im Ausland. Hierauf sprach der Redner über seine persönlichen Erlebnisse und schilderte, wie er von Mussolini verfolgt und auf eine einsame Insel verbannt wurde. — Das fünfjährige Kind eines Landwirts stürzte in der Scheune so unglücklich, daß es schwere Verletzungen davontrug. — Das Fest der goldenen Hochzeit begingen Herr Konrad Schäfer mit seiner Ehefrau Anna Elise, geb. Becker.
Harle (Schwalm). Eine mutige Rettungstat vollbrachte die 15jährige Tochter des Gastwirts Stieglitz. Sie rettete ein neunjähriges Mädchen aus der Schwalm, das beim Baden in eine Untiefe geraten war.
* Hoherodskopf, 14. Sept. Einer Einladung des Gesamt- vorstandes des Vogelsberger Höhenklubs Folge leistend, trafen sich eine Anzahl VHCer int Laufe des Samstag nachmittags auf dem Klubhause, um den nun bald scheidenden seitherigen Klubwirt Herrn Johannes Stein nebst Familie durch eine kleine Abschiedsfeier zu ehren. Es war keine allzugroße Schar, die sich da oben zusammen gefunden hatte. Alltagssorgen, schlechte Bahnverbindungen, der Zeitpunkt der Feier, vielleicht auch das unbestimmte Wetter mögen gar manchen abgehalten haben, hier oben zu erscheinen. Nachdem gegen 5 Uhr die Fannie Stein in der Tafelrunde Platz genommen hatte, ergriff der erste Vorsitzende, Herr Dr. Bruchhäuser, das Wort zu seiner Abschiedsrede, in der er zum Ausdruck dachte, was Vater Stein dem VHC. gewesen, und was der VHCer Stein für den Höhenklub in uneigennütziger Weise geleistet hat. Ueber 40 Jahre war Stein der getreue Ekkehard des VHC. und einer der markantesten Träger des VHC.-Gedankens. Das soll ihm nimmer vergessen sein. Es geht auch hier wie überall in der Welt. Einmal müssen wir alle einen Strich ziehen unter das, was uns lieb und teuer geworden. Was waren das noch für schöne Zeiten als wackere VHCer aus den Hochburgen des Höhen- klubs von Schotten, Ulrichstein, Gedern * und Herbstein fast jeden Samstag hier oben zusammen kamen, um dann nach vollbrachter Tat in später Nachtstunde mühsam den Heimweg anzutreten. Diese Zeiten sind vorüber. Unsere raschlebige Zeit mit ihrem Hasten und Drängen hat für solche wirklich gemütliche Stunden nichts mehr übrig. Eben diese neue Zeit mag auch unseren wackeren Klubwirt bewogen haben, seine langjährige Tätigkeit hier oben zu beschließen. Die Worte des Redners klangen aus in einem kräftigen Frischauf mit dem Wunsche, daß es der lieben Familie Stein nun am Fuße unseres Berges auch weiterhin wohl ergehen, und daß Vater Stein auch fürderhin ein echter VHCer fein und bleiben möge.
* Vom Vogelsberg. (Auch ein Bett!) Ein junger Mann hatte dem Alkohol stark zugesprochen, und wußte nicht mehr recht, wo er sich befand, als er fein Heim erreicht hatte. Ohne sich auszuziehen, suchte er mit den Händen in der dunklen Stube nach dein Bett, fühlte auch bald etwas weiches und stieg mit Stiefel unb Sporn hinein. Bald schlief er den Schlaf des Gerechten, bis er am anderen Morgen recht unsanft daraus geweckt wurde. Jetzt erst wurde er nämlich gewahr, daß er i m Backtrog lag, der auf der Ofenbank stand, unb in welchem 1 die Hausfrau am Nachmittag eingesäuert hatte, um am andern Tage Brot zu backen. Das Bild, das der über und über bekleckerte Jüngling bot, hätte selbst den ärgsten Griesgram zum Lachen gebracht.
Kirchhain. Der Pflastermeister .Becker von hier fuhr auf der Straße von Neustadt mit seinem Motorrad und wollte einer Frau ausweichen, die Aepfel auslas. Hierbei verlor der Fahrer die Herrschaft über das Rad, fuhr gegen einen Baum und kam zum Sturz. Ein vorbeikommender Kraftwagen, in welchem sich zufällig eine Krankenschwester befand, brachte den Verunglückten zum Arzt, welcher den Bruch von drei Rippen, eine schwere Verletzung der Schulter und Verstauchungen feststellte. — In der Bartenhäuser Mühle sollte ein Einbruch verübt und Geld und Eßwaren entwendet sein. Bei der Nachforschung durch die Landjägereibeamten stellte sich aber heraus, daß der Diebstahl von einem in der Mühle beschäftigten Monteur fingiert war.
Gießen, 16. Sept. (Akademische Huldigung für Dr. Eckener.) Um Dr. Eckener bei seiner Landung in Hamburg, wo er mit dem Hapagdampfer „New-Pork" eintreffen wird, eine herzliche Huldigung aus dem Hessenland darzubringen, hat die Hessische Landesuniverfität Gießen über die Hapag folgendes Glückwunschtelegramm an Dr. Eckener gesandt: „Dem Lenker des Luftschiffes „Graf Zeppelin" Herrn Dr. Eckener, sendet bei seiner Rückkehr auf deutschen Boden nach dem großartigen, von aller Welt bewunderten Flug um die Erde die Alma mater Ludovicillna in Gießen herzliche Glückwünsche. Hoffentlich sehen wir das stolze Luftschiff bald auch einmal bei Tage über Gießen. Dr. Brüggemann, Rektor der Hessischen Landesuniversität."
Gelnhausen, 16. Sept. (Seinen Verletzungen erlegen.) Ein Arbeiter aus Höchst bei Gelnhausen, der bei der Fahrt zu seiner Arbeitsstätte im Morgennebel mit einem Passanten zusammeu- gestoßen war, verstarb heute früh an den Folgen des Unfalls im hiesigen Krankenhaus.
Wiesbaden, 14. Sept. (Der Beginn der Miumung durch die englischen Truppen.) Der Beginn der Räumung dès besetzten Gebietes durch die englischen Truppen tritt hier bisher nur durch Abtransport von Material in Erscheinung. Truppen sind noch nicht abgezogen. Der Abmarsch der Truppen aus Königstein wird am Montag, den 16. September, beginnen. Bisher ist jedoch nur die Rückgabe einiger Quartiere erfolgt, während die Kasernen am 27. September geräumt sein sollen. In Wiesbaden selbst soll der Abtransport der Truppen am 29. September beginnen.
Ein Forschungsinstitut für Herzkrankheiten in"Bad Nauheim.
Millionenstiftung eines amerikanischen Kurgastes.
Bad Nauheim, 16. Sept. In Gegenwart der Vertreter des hessischen Staates unb der Stadt wurde, am heutigen Montag von einer dankbaren amerikanischen Patientin Bad Nauheim eine Stiftung in Höhe von 4% Millionen Reichsmark gemacht. Davon sind zwei Millionen für einen Stipendienfonds und 2% Millionen für ein Institut zur Erforschung und Bekämpfung der Herzkrankheiten bestimmt. Die Stipendien werden verliehen zur Durchführung wissenschaftlicher Arbeiten und zur wissenschaftlichen Weiterbildung. Das Institut wird von einem Verwaltungsrat geleitet, dem Vertreter des Staates, der Vorsitzende der Landesversicherungsanstalt Hessen, Vertreter der benachbarten Gemeinden und der Aerzteschaft Bad Nauheim angehören. Das Institut wird vier Abeitlungen enthalten: 1. eine Unterfuc&ungsabteilung der Patienten, die von Trägern der Sozialversicherung nach Bad Nauheim geschickt werden, 2. Line Abteilung für statistische Erhebungen über die Ursachen der Herzkrankheiten, 3. eine Abteilung für soziale Aufklärung über Ursachen und Bekämpfung der Herzkrankheiten, 4. eine Abteilung für experimentale Pathologie und Therapie der Herzkrankheiten. Das Institut wird der Bad Nauheimer Aerzteschaft eine medizinische Bücherei zur Verfügung stellen und allen Bad Nauheimer Aerzten die Möglichkeit für Forschungsarbeiten geben. Ein Medizinmuseum wird eingerichtet. Die Bad Nauheimer Aerzteschaft wird einen Sitzungssaal erhalten. Für den Bau sind 1% Millionen Reichsmark ausgeworfen. Das monumentale Gebäude soll gegenüber vom Vadehaus 8 errichtet werden. Mit dem Bau soll in kürzester Frist begonnen werden.
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Nah und Fern.
0 Mord und Sittlichkeitsverbrechen. Ein 27 Jahre alter Pianist aus Leipzig namens Kurt Müller ist gestern abend auf einem Ausflug zu Rade, den er mit einer 22- jährigen Arbeiterin aus Leipzig unternahm, auf der Landstraße zwischen Baalsdorf und Großpösna von einem jungen Mann niedergeschossen und dann derart mit dem Messer bearbeitet worden, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der Mörder schleppte dann das junge Mädchen beiseite und verübte an ihr ein schweres Sittlichkeitsverbrechen. Er entkam unerkannt. Bei der Bergung wurde feftgestellt, daß Müller nichts geraubt worden ist.
O Lagerhausbrand in Portland. In einem großen Lagerhaus am Hafen brach ein Feuer aus, das das Gebäude völlig vernichtete. Außerdem verbrannten 20 Kohlenwagen, und ein Kohlendampfer wurde beschädigt. Der Schaden wird auf etwa eine halbe Million Dollars geschätzt.
Letzte Nachrichten.
Keine Waffen an Bord des „Graf Zeppelin".
Berlin, 17. Sept. (Privatmeldung.) Gegenüber der Behauptung, daß bei der letzten Fahrt des „Graf Zeppelin" Waffen an Bord desselben verstaut gewesen seien, hat die Zep- pelingesellschast auf Anfrage festgestellt, daß außer einer Schrotflinte keinerlei Waffen an Bord gewesen seien.
Das Unglück aus der Zeche Charles.
Saarbrücken, 17. Sept. Die Zahl der bei dem Explosionsunglück auf der Grube Charles Getöteten hat sich nunmehr auf 13 erhöht, die der Verletzten beträgt 26. Als vermißt sind drei gemelde. Man nimmt an, daß diese drei Vermißten ebenfalls getötet worden sind. Einschließlich der ersten Katastrophe am Sonntag sind bei den Explosionen 20 Personen getötet worden. Da man eine neue Explosion befürchtet, ist es nicht möglich, die Aufräumungsarbeiten genügend rasch zu fördern und die noch unter den Trümmern befindlichen zu bergen. Das weite Grubengelände ist von Militär und Feuerwehr abgesperrt. Der Brand im Schacht scheint erloschen zu sein.
lleberführung der Altonaer Häftlinge nach Berlin.
wtb. Altona, 17. Sept. Die lleberführung der im Zusammenhang mit der Sprengstoffangelegenheit hier in Haft gehaltenen 21 Personen nach Berlin ist heute vormittag vorgenommen worden.
Verhängnisvolles Spiel mit Streichhölzern. — 53 Häuser eingeäschert.
wtb. Warschau, 17. Sept. In einem in der Nähe man Warschau gelogenen Flecken wurden gestern durch Feuer 53 Häuser zerstört. 200 Personen sind obdachlos. Ein Kind, das mit brennenden Streichhölzern ein Kaninchen aus einem Versteck treiben wollte, hat den Brand verursacht.