Fuldaer /lnzeiger
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Nr. 208 — 1929
Fulda, Donnerstag, 5. September
6. Jahrgang
Zeppelinjubel in der Heimat.
Deutschlands Freude.
Auf die Nachricht von der glücklichen Landung des „Graf Zeppelin" hin stiegen in ganz Deutschland bb=- Fahnen und Flaggen hoch an Häusern, Kirchen, Schissen und Straßenbahnmasten. Die Schulen veranstalteten allerorts Feiern, bei denen auf die Bedeutung des Zeppelinweltfluges hingewiesen wurde, und dann war schulfrei. Der Tag gestaltete sich zu einer allgemeinen Huldigung für Dr. Eckener und seine braven Helfer,. die Pioniere und FortseHer des Werkes und der Gedanken des alten Grafen vom Bodensee.
Die Rekordzeiten der Weltreise.
„Gras Zeppelin" hat die s ch n e l l st e aller We l t - reisen beendet. Am 15. August morgens 4.30 Uhr war- das Luftschiff zu seinem Weltfluge von Friedrichshafen nach Friedrichshafen in östlicher Richtung aufgestiegen und am 4. September um 8.48 Uhr berührte es nach 2 0 Tagen, 4% Stunden wieder die heimatliche Erde. Durch die Bewältigung dieser letzten Etappe Lakehurst—Friedrichshafen in 67 Stunden, 35 Minuten hat das Luftschiff „Graf Zeppelin" seinen Weltrekord um einen Tag 2% Stunden verbessert, trotzdem die reine Fahrtzeit Lakehurst — Friedrichshafen diesmal um zwölf Stunden, zwölf Minuten länger war als das letztemal. Dafür hat aber die erste Reise Pause der Weltfahrt von Lakehurst nach Lakehurst in Friedrichshafen vom 10. bis 15. August 111/» Stunden gedauert, während der letzte Aufenthalt in Lakehurst vom 29. August bis 1. September 72% Stunden gedauert hatte; Damit ergibt sich für die Weltfahrt Friedrichshafen—Friedrichshafen eine Gesamtdaner von 20 Tagen, 4% Stunden gegen eine Go^ samtdauer der Lakehurst-Weltfahrl von 21 Tagen, 7)4 Stunden.
Die Fülle der Glückwünsche.
GliukwunfMelkgramm des Reichskanzlers.
Bühlerhöhe, 4. Sept. (WB.) Der Reichskanzler hat an den Luftschiffbau in Friedrichshafen das nachstehende Telegramm gerichtet:
„Zu der erfolgreichen Durchführung des Weltfluges des Luftschiffes „Graf Zeppelin" und zu der glücklichen Rückkehr in die Heimat spreche ich der Führung und der Besatzung zugleich namens der Reichsregierung herzliche Glückwünsche aus. Die hervorragende Leistung von Schiff und Besatzung erfüllt das ganze deutsche Volk mit Begeisterung."
Glückwunsch der preußischen Staatsregierung.
Berlin, 4. Sept. (WB.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Ministerpräsident Dr. Braun an den Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen das folgende Telegramm gerichtet:
„Zur glücklichen Vollendung der Weltfahrt des „Graf Zeppelin", die allgemeine Bewunderung gefunden und das ganze deutsche Volk mit Stolz erfüllt hat, spreche ich Ihnen und allen Ihren Mitarbeitern, insbesondere der hervorragenden Führung und Besatzung des Luftschiffes, im Namen der preußischen Staatsregierung die herzlichsten Glückwünsche aus."
Glückwunsch des österreichischen Bundespräsidenten an den deutschen Reichspräsidenten.
Wien, 4. Sept. (WB.) Nach der Landung des „Graf Zeppelin" in Friedrichshafen hat Bundespräsident Miklas an den deutschen Reichspräsidenten v. Hindenburg folgendes Telegramm gerichtet:
„Aus Anlaß der glücklichen Heimkehr des „Graf Zeppelin" von seiner triumphalen Weltfahrt, auf der er überall als Freundschaftsboote und als Künder des Ruhmes deutscher Technik jubelnd empfangen wurde, entbiete ich Eurer Excellenz und dem Deutschen Reiche die aufrichtigsten Glückwünsche Oesterreichs, wo die stolze Freude des deutschen Volkes begeisterten Mider- Hall findet."
Glückwünsche des österreichischen Bundesministers Schürss zum Weltslug.
Wien, 4. Sept. (WB.) Der österreichische Bundesminister Schürft richtete anläßlich der Rückkehr des „Graf Zeppelin" vom Weltrundflug ein Telegramm an den Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen, in dem es heißt:
„Die unter der bewährten Führung Dr. Eckeners in so kurzer Zeit durchgefiihrte Umfliegung der Erdkugel hat auch in Oesterreich allseitige Bewunderung ausgelöst. Diese überwältigende Leistung legt in glänzender Weise Zeugnis für die hervorragenden Eigenschaften des Luftschiffes und die ausgezeichnete Tüchtigkeit der Besatzung und Führer ab.
Glückwünsche dse französischen Lustfahrtministers für die Zeppelinbesatzung.
Paris, 4. Sep!. (WB.) Luftfahrtminister Laurent Eynac ließ gester.n als das Luftschiff „Graf Zeppelin" sich auf seiner Rückfahrt von Amerika sich dem europäischen Festland näherte, an den Befehlshaber des Luftschiffs Kapitän Lehmanu folgenden Funkspruch übermitteln:
Im Augenblick, wo Ihr bemerkenswerter Flug um die Welt glücklich zu Ende geht, entbiete ich Ihnen und Ihrer Mannschaft die Glückwünsche der französischen Luftschiffahrt.
Kapitän Lehmann funkte an Luftfahrtminister Laurent Eynac folgende Antwort:
Genehmigen Sie unseren aufrichtigsten Dank. Wir werden das französische Gebiet gegen 22.00 Uhr über Arcachon erreichen und Kurs auf Bordeaux und Basel nehmen. Ergebenst Lehmann.
Französische Blätter zur Heimkehr des Zeppelins.
Paris, 4. Sept. (WB.) Die glücklich beendete Weltfahrt des „Graf Zeppelin" wird auch von den Blättern rückhaltlos gewürdigt, die in vielen politischen Fragen gegen Deutschland eingestellt sind. — So schreibt z. D. das „Journal des Debats": Zeppelin — dieses Wort klang vor fünfzehn Jahren in unseren Ohren kaum sympathisch. Es ist heute ein Erlebnis, die einmütige Bewunderung festzustellen, mit der die Tat der friedlichen Erbin der mörderischen Maschine von 1915 von der gesamten Welt ausgenommen wird. Wir schließen uns heute von ganzem Herzen den Glückwünschen an, die von überall her Dr. Eckener und seinen Mitarbeitern zugehen. — Der „Soir" erklärt : Der Zeppelin zeigte, was die Fähigkeit eines Mannes vermag, den man in dieser Stunde des Erfolges nennen muß: Dr. Eckener. Ein neuer Weg ist der menschlichen Aktivität geöffnet; Ehre denen, die ihn erschlossen haben.
Große Begeisterung in Amerika.
Rewyork, 4. Sept. Ueber die letzte Ozeanfahrt des „Graf Zeppelin" und seine glatte Landung im Heimathafen herrscht in ganz Amerika große Begeisterung. Die Zeitungen berichten darüber in größter Aufmachung, und viele Leitartikel sprechen von einem großen Schritt vorwärts auf dem Wege zum dauernden Zeppelin-Ozeanverkehr.
Ein gefährlicher Fahrgast.
Wie erst nach der Landung des „Graf Zeppelin" bekannt wurde, hat sich das Luftschiff auf der Fahrt von Lakehurst nach Friedrichshafen in einer gefährlichen Situation befunden. In Lakehurst war an Bord des „Graf Zeppelin" ein Newyorker Kaufmann namens R. Hogg gekommen, der die Fahrt nach Friedrichshafen mitzumachen wünschte. Mr. Hogg war schon vor dem Antritt der Reise ebenso wie alle anderen Fahrgäste darüber belehrt worden, daß auf dem Luftschiff wegen der Explosionsgefahr keineswegs Feuer angemacht oder geraucht werden dürfe. Als das Luftschiff sich mitten über dem Ozean befand, betrat der amerikanische Korrespondent I. Lickald den Waschraum und stellte zu seinem h§Wep .Befremden fest daß die Kabine ganz mit Zigarrenrauch angefüllt war. Man stellte fest, daß Mr. Hogg zuletzt im Waschraum gewesen war. dieser gestand, daß er seine Rauchlust nicht mehr habe bezähmen können und daß er in der Tat eine Zigarre im Waschraum geraucht habe. Mr. Hogg mutzte sich darauf einer körperlichen Untersuchung unterziehen, und es wurden ihm seine Zigarren sowie sein Taschenfeuerzeug abgenommen.
Diese Willkommenspforte
war zur Begrüßung der Zeppelinpassagiere und -Mannschaften am Eingang der Werft in F r, c d r l ch s h a f e n errichtet worden.
Die geplanten Zeppelip-Luftlinien über den Atlantischen und den Stillen Ozean.
Rewyork, 4. Sept. (WB.) Einer Meldung der „Times" zufolge wird Dr. Eckener in Akron auch mit Vertretern der Newyorker Bankhäuser Lehmann Brothers und E. M. P. Murphy u. Co. verhandeln, die sich für den von der Godyear.Zeppelin Company und den deutschen Zeppelin-Werken propagierten Plan interessieren, mit Zeppelin-Luftschiffen einen regelmäßigen Dienst über den Atlantischen und den Stillen Ozean einzurichten. Nach diesem Plan soll die amerikanische Zeppclin-Gesellschaft mit zwei großen Zeppelinen die transozeanische Linie betreiben, während die deutsche Gesellschaft zwei Luftschiffe von größeren Ausmaßen als der „Graf Zeppelin" in den transatlantischen Verkehr einstellen soll. An den Besprechungen mit den Vertretern der Vankfirmen nèh- men auch Litchfield von der Goodyear Tire and Rubber Company und Dr. Schmidt von den deutschen Zdppelin-Werken teil. Man denkt daran, später auch Südamerika an das Netz der Zeppelin-Verkehrslinien anzuschließen. „Times" fügt hinzu, daß Präsident Litchfield den Plan eines regelmäßigen Luftschiff- dienstes zwischen Kalifornien, Honolulu und den Philippinen bereits im Mai mit Hoover besprochen habe, da die Erlangung von Postkontrakten für die Rentabilität der vorgeschlagenen Luftverkehrslinien unerläßlich ist.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Bei der Untersuchung über das Sprengstoffattentat am Reichstag sind der Kriminalpolizei jetzt weitere Angaben gemacht worden, die aus die Spur zweier verdächtiger Männer hinlenken, die sich in der Nacht zum Sonntag am Reichstagsgebäude zu schaffen gemacht haben.
* Die Arbeitslosigkeit ist weiter in langsamem Steigen begriffen.
* Die britische Regierung hat einen besonderen Untersuchungsausschuß eingesetzt, der sich nach Palästina begeben soll, um dort nach den Ursachen der gegenwärtigen Wirren zu forschen.
Daten aus dem Leben des „Graf Zeppelin".
Erste Probefahrt 18. September 1928. Bisher durchgeführt 32 Fahrten mit einer Gesamtfahrtdauer von rund 960 Stunden, gleich 40 vollen Flugtagen. Zurückgelegte Flugstrecke rund 100 000 Kilometer. Diese Strecke entspricht dem 2%fa^en des Erdumfanges. Erste größere Fahrt die Amerikafahrt vom 11. bis 15. Oktober 1928. In 111 Stunden wurden 9926 Kilometer bewältigt. Die Rückfahrt vom 29. Oktober bis 1. November gelang in 72 Stunden, wobei 7300 Kilometer durchflogen wurden. Außerordentlich schwere Wett-r. Es folgte im März die Palästinafahrt, 8000 Kilometer in 81 Stunden. Die große Aprilfahrt vom 23. bis 25. April, 5400 Kilometer in 57 Stunden. Und die Jurafahrt im Mai, 1500 Kilometer in 16 Stunden.
Die Ehrengäste in Friedrichshafen.
Aufstieg mit dem Dornierflugzeug „Do. X".
Im Anschluß an die Empfangsfeierlichkeiten für das Luftschiff „Graf Zeppelin" besichtigten die Ehrengäste in Friedrichshafen das vor dem Kurgartenhotel vor Anker liegende Dornierflugschiff „Do. X", das alsdann mit etwa 40 Passagieren bei herrlichem Wetter einen Rundflug um den Bodensee unternahm. Es nahmen hieran teil: der Reichsverkehrsminister Dr. S t e g e r w a l d mit' seinem Ministerialdirigenten Brandenburg, der Württembergische und der badische Staatspräsident, der amerikanische Botschafter S ch u r m a n, der japanische Botschafter Ragaoka sowie viele andere prominente Ehrengäste.
Die Stadtverwaltung Stuttgart hat aus Anlaß der glücklichen Landung des Luftschiffes „Graf Zeppelin" in Friedrichshafen am Grabe ihres Ehrenbürgers, des Grafen Zeppelin, auf dem Prag-Friedhof in Stuttgart einen Kranz niederlegen lassen und außerdem an Dr. Eckener folgendes Telegramm gesandt: „Zur ruhmreichen Rückkehr des „Graf Zeppelin" in die Heimat sendet die Stadt Stuttgart herzliche Glückwünsche."
Deutsche Leistung.
„Denn er ist unser . . ."
überall in deutschen Landen flattern die Fahnen im Wind und man achtet nicht darauf, ob es die offiziellen Reichsfarben sind, die sie zeigen, oder ob das Schwarz- Weitz-Rot am Flaggenstock hochgezogen, zum Fenster her- ausgehängt worden ist. „Denn er ist unser . . .", um das Dichterwort ein wenig zu variieren. Unser aller. Ohne Unterschied der politischen „Bekenntnisse", ohne den sonstigen offen oder versteckten Hader der Meinungen. GanzDeutschlandistvonStolzundFreude erfüllt an diesem Tage, da der „Graf Zeppelin" nach der Heimat zurückgekehrt ist, zurück von der Fahrt, die ihn rings um den Erdball trug. Und von der er eins vor allem mitbrachte: die Achtung der Welt vor der deutschen Leistung.
In unserer von Redefluten überschwemmten Gegenwart ist eine solche Leistung von noch stärkerer Wirkung. Sie hebt sich von vielen „Errungenschaften" ab, die heute hoch gepriesen werden, morgen aber schon als kurzlebiges Strohfeuer erkennbar sind, übermorgen in den Schoß wohlverdienter Pergeffenheit versinken. Gegen alle Elemente kämpften jene Männer, die das Erbe des Grafen Zeppelin verwalteten und ausbauten. Stärker, härter, unbeirrter als diese Elemente waren das Wollen, die Kraft, das Wissen und Können jener Männer. Gegen die Menschen hatten sie sich durchzusetzen, gegen das Ausland, das Jahre hindurch das Wirken und die Arbeit jener Männer zu hemmen suchte und Henimen durfte; auch gegen einzelne Kreise in Deutschland, bei denen man wenig oder gar keine Unterstützung, bisweilen sogar Ablehnung fand. Sie alle wurden besiegt durch die Leistung, durch den Erfolg, der den Männern der Zeppelinwerft und am Steuer des Luftschiffes wahrlich nicht unverdient in den Schoß fiel, sondern nur eine Folge zielbewußten Wollens und genialen Könnens war. Eine Folge der Leistung und nur der Leistung.
Gewiß war diese Weltfahrt auch vom Glück begünstigt, aber nur dem Mutigen steht diese launische Göttin zur Seite. Oft genug in der Geschichte der Zeppelinlustfahrt hat ein nicht vorauszusehendes Mißgeschick schwerste Hindernisse aus den Weg zum Ziel geworfen. Aber immer haben die Väter und Träger dieser Idee, die Luft zu erobern, all die Hemmnisse mit zu- sammengebissenen Zähnen, mit Erobererwillen über- wunden. I e tz t s i n d s i e a m Z i e l.
Mag man in England oder Amerika Luftschiffe no» größeren Formats bauen, die vielleicht bald die Leistung des jetzt heimgekehrten Luftschiffes „Graf Zeppelin" übei^ trumpfen — das kann ja nur geschehen, weil auch sie sich nur aufbauen auf dem Grund, den Graf Zeppelin in jahrzehntelangen Mühen gelegt hat. Darum können wir Deutsche mit stolzer Freude auch dann sagen: „Und er bleibt unser . . ."