Reuter zu den Haager Verhandlungen.
London, 23. Aug. (WB.) Der Haager Reuter-Korrespondent meldet von heute nachmittag: Snowden hat die neuen Vorschläge der vier Mächte wiederum abgelehnt. Er machte den belgischen Ministerpräsidenten u. a. darauf aufmerksam, daß die Vorschläge nichts Bestimmtes bezüglich der geschützten Annuitäten oder der Sachlieferungen enthielten. Was die politischen Verhandlungen betrifft, so verlautet, Latz Henderson hofft, eine Versöhnung des deutschen und des französischen Standpunktes in der Frage des Feststellungsausschusses zustande zu bringen.
wtb. London, 24. Aug. Aus dem Haag melden die Blätter, baß in finanzieller Beziehung nach wie vor völlige Verwirrung herrsche, in den politischen Verhandlungen dagegen einige Fortschritte erzielt worden seien. Eine Reutermeldung aus dem Haag von gestern abend besagt: Die vier Mächte haben Deutschland in das Durcheinander hineingezerrt. Sie haben es den Deutschen überlassen, Vorschläge zu machen, die es ihnen ermöglichen sollen, Snowden ein neues Angebot zu unterbreiten. Tatsächlich ist Deutschland zu verstehen gegeben worden, das Schicksal der Konferenz hänge mehr oder weniger von ihm ab. In britischen Kreisen wird behauptet, daß Snowden es ablehnt. sich an einem deutschen Kuhhandel zu beteiligen und daß er vielmehr darauf bestehen wird, baß die Zugeständnisse von den vier Mächten kommen und nicht von Deutschland. Die vier Mächte versichern also, ihr letztes Wort gesprochen zu haben, und bemühen sich, die Verantwortung für einen Fehlschlag der Konferenz Deutschland aufzuladen. Dieses Manöver wird der britische Schatzkanzler sicherlich mühelos durchschauen.
Macdonald kehrt morgen nach London zurück.
London, 23. Aug. (WB.) Reuter. — Premierminister Macdonald erhielt eine wichtige Mitteilung aus dem Haag und wird daher seine Abreise von Lossiemouth beschleunigen und morgen vormittag um 9 Uhr auf dem Luftwege nach London zurückkehren.
Galgenhumor.
Babylonische Verwirrung. — Unterricht im Kopfrechnen. , Der Teufel am Kragen.
- Alles was recht ist, die Herren Diplomaten, die sich rm Haag um das Wohl ihrer Länder und daneben angeblich auch um den allgemeinen europäischen und den Welt- ftieden bemühen, machen es diesmal der ihren schier endlosen Winkelzügen mit ungläubigem Staunen folgenden Menschheit wirklich nicht leicht, Ruhe und Geduld M bewahren. Es wird den Völkern etwas zuviel zugemutet bei diesem Gezänk um Beuteteilung, bei diesem Kuh- und Pferdehandel, bei dieser Nichtachtung eigener feierlicher Versprechungen, bei dieser offensichtlichen Unfähigkeit zu großzügigen Entschlüssen. Es ist schon ein Elend, zu sehen, wie hier an sich gute und schöne Ideen verschandelt werden, selbst auf die Gefahr hin, daß schließlich alle Verständigungshoffnungen zusammenbrechen, mit denen man sich die letzten Jahre hindurch unentwegt die Zeit vertrieben hat; wie Herr Briand die deutscher Übertreter zappeln läßt, als ginge ihn ihre fast schon verzweifelte »age nicht das mindeste an; wie Herr Snowden nur die britischen Interessen gelten lassen will, als hinge von rhrer Wahrung einzig und allein die Wiederaufrichtung einer vernünftigen Ordnung in der Welt ab; wie der eine Staatsmann nur darauf bedacht zu sein scheint, seinen Gegner bei diesem Endspurt zu übertölpeln, indem jeder lm Haag Beteiligte aus der Generalabrechnung des großen Krieges für sich und fein Land noch möglichst kostbare Happen herausholen müßte.
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Kein Wunder, daß bei solcher babylonischen Verwirrung hier und da der Galgenhumor durchbricht und mit scharf zugespitzten Witzworten über Situationen hinwegzukommen sucht, die keine Meisterhand mehr bewältigen zu können scheint. Der eine erinnert an einen Ausspruch von Roosevelt, dem verflossenen Oberhaupt der Vereinigten Staaten, der da meinte, einmal könne man auch die W i tz i g st e n hineinlegen, ein zweites Mal aber nur die Dummköpfe. Und er fügte hinzu, daß England unrecht habe, wenn es glaube, daß Europa ewig aus Dummköpfen zusammengesetzt sein werde. Der andere läßt sich dahin vernehmen, einige der Finanzsachverständigen der Sonderkommissionen sollten erst Unterricht im Kopfrechnen nehmen, da sich doch tatsächlich herausgestellt habe, daß grobe Rechenfehler in diesem Noung- Plan vorhanden seien. Und ein dritter prägte, vierzehn Tage, nachdem die Konferenz mit ihren Arbeiten begonnen hatte, das Wort, es werde sich — am Anfang der dritten Woche — nunmehr entscheiden, ob die Konferenz endlich anfange, oder ob sie bereits beendet sei. Ganz nette Späße für so ernste Sachen, und sie haben ja vielleicht auch etwas dazu beigetragen, die führenden Geister der im Haag versammelten Delegationen zu einer letzten und entscheidenden Kraftanstrengung aufzupeitschen. Aber wer kann bei dem kläglichen Schauspiel, das hier wieder einmal der Welt geboten wird, im Grunde noch daran glauben, daß diese Herren überhaupt gewillt oder imstande seien, den berühmten Strich unter die Vergangenheit zu ziehen oder endlich die ganze Arbeit zu leisten, mit der allein sie sich den Ehrennamen von Staatsmännern verdienen würden? Es wird fortgewurstelt und fortgestümpert, als wenn Europa gar keine Zeit mehr zu verlieren hätte. Tas Völkchen merkt eben den Teufel nicht, obgleich er es doch schon empfindlich genug am Kragen gepackt hält. •
Wenden wir unseren Blick von dieser unerquicklichen Konferenz der deutschen Heimat zu, so gibt es da allerdings nichts zu lachen. Selbst dem nachsichtigsten Zeitgenossen kann wohl im Anblick der neuesten Begebenheiten auch die Neigung zum Galgenhumor vergehen. Von heute auf morgen ist plötzlich einer der größten und angesehensten Versicherungskonzerne schmählich zusammengebrochen. Wieder spielt in diesem Falle ein ungewöhnlich junger Mensch, der ohne ausreichende Kontrolle schalten und walten durfte, wie es ihm beliebte, eine verhängnisvolle Rolle, und man wird danach wohl doch allmählich zu der Frage genötigt, ob unsere Jugend, die so stürmisch zur Führung in Staat und Wirtschaft drängt, die für diese Aufgabe erforderlichen nicht nur sachlichen, sondern auch moralischen Eignungen besitze. Allerdings, in einem anderen Falle, der auch in diesen Tagen die Öffentlichkeit besonders stark beschäftigte, ist ein altangesehenes großes Berliner Geschäftshaus mit dem Freitod seines letzten Inhabers zusammengestürzt, der die Sechzig bereits überschritten hatte. Aber hier lag wohl keine persönliche Schuld dieses Mannes vor, der vielmehr nur die übermächtig gewordene Ungunst der Zeitverhältnisse nicht zu besiegen wußte und einen Kampf aufgab, der für ihn jeden Sinn verloren hatte. Soviel läßt sich jedenfalls aus diesen traurigen Erscheinungen entnehmen: der gewaltigen Umwälzung aller Lebensmächte, deren Zeugen wir sind, ist schlechthin alles ausgesetzt, was als Gebild aus Menschenhand zu gelten hat. Und wir stehen gewiß noch lange nicht am Ende dieser katastrophalen Entwicklung.
Politische Rundschau
Deutsches Reich
-verfassungsfeier und Schüler. 3
An das Provinzialschulkollegium Berlin-Lichterfelde war berichtet worden, die E l 1 c r n hätten Schüler vielfach von den Schulverfassungsfeiern ferngehalten aus Gründen, die erkennen ließen, daß sie die Beteiligung ihrer Kinder an einer öffentlichen Schulveranstaltung, die ein Bekenntnis zum neuen Staat darstelle, nicht wünschten. Die Kinder können für ihr Fernbleiben in diesem Falle nicht bestraft werden, sagt das Provinzialschulkollegium daraufhin und führt fort: „Den Eltern ist zu eröffnen, daß in Zukunft die Schule sich genötigt sehen wird, Kinder, die durch derartige Weisungen des Elternhauses an dem Besuch solcher Feiern verhindert werden, im Verwaltungswege zu entlassen. Unsere Schule erzieht ihre Schüler und Schülerinnen zu Bürgern der Republik. Diese Aufgabe können die Schulen an Schülern und Schülerinnen nicht erfüllen, wenn die Erziehungsberechtigten, noch dazu aus Anlaß des vaterländischen Gedenktages, der alle Deutschen einen sollte, die verantwortungsvolle nationale Erziehungsarbeit der Lehrerschaft durchkreuzen."
Provinzialwahlen in Mitteldeutschland.
Der Wahlausschuß der Christlich-nationalen Bauern- und Landvolkpartei für Mitteldeutschland trat in Halle zusammen, um zu den Fragen der bevorstehenden Kreis- und Provinziallandtagswahlen Stellung zu nehmen. Aus der Besprechung des Wahlausschusses der Landvolkpartei ging Hervor, daß die Christlich-nationale Bauern- und Landvolkpartei für die Provinziallandlagswahlen in der Provinz Sachsèn nur Landbundmitglieder als Kandidaten aufstellen wird.
Die deutschen Volksgruppen in Europa
Bei der in München erfolgten Tagung des Verbandes der deutschen Volksgruppen in Europa kam das Bedauern darüber zum lebhaften Ausdruck, daß die für die Ordnung und den Frieden Europas bedeutsamen Fragen des Minderheitenschutzes vom Völkerbundrat nicht behandelt worden seien. In der Schlußsitzung der Tagung wurde der Vorstand beauftragt, den Ministern Dr. Stresemann, Procope und Dandurand für ihre Haltung in der Minderheitenfrage den Dank der Tagung auszusprechen.
Nordamerika.
Englisch-amerikanische Flottcnabrüstungsverhandlungcn.
Vom Weißen Hause und von der englischen Botschaft in Wqshington ist gleichzeitig amtlich mitgeteilt worden, daß der Besuch des englischen Ministerpräsidenten Macdonald in Amerika Mitte Oktober stattfindcn werde. Als Hauptprogrammpunkt wird eine Konferenz zwischen Macdonald und dem Präsidenten Hoover bezeichnet, die der Frage der Seeabrüstung gelten soll. Das in Aussicht genommene Abkommen soll auf der Grundlage der Parität der beiderseitigen Kreuzerstärke erfolgen. England soll jedoch berechtigt sein, kleine Kreuzer für Seepolizeizwecke zu bauen. Amerika dürfte in U-Booten und Zerstörern besonderes Entgegenkommen beweisen.
Aus In- und Ausland
Berlin. Im Auswärtigen Amt haben die Verhandlungen zwischen der deutschen und der finnischen Delegation begonnen, die gewisse Abänderungen des zwischen beiden Ländern geltenden Handelsvertrages zum Gegenstand haben.
Bühlerhöhe. R e ichs k a ntz l er Müller ist aus Heidelberg zur Kur in Bühlerhöhe eingetroffen.
Hamburg. Zu Ehren des Besuches des argentinischen Schulschiffes „Presidente Sarmiente" fand im Hamburger Rathaus ein Festessen statt, bei dem in ausführlichen Reden sowohl vom Hamburger Bürgermeister Dr. Petersen wie vom argentinischen Gesandten in Berlin, Dr. Rastelli, aus die hundertjährige ungetrübte Freundschaft zwischen Deutschland und Argentinien hingewiesen wurde.
wtb. Paris, 24. Aug. Etwa 100 Matrosen, die mit der Bahn von Toulon nach Brest reisten, haben sich während der Fahrt zum Teil im Zustande der Trunkenheit Ausschreitungen zu Schulden kommen lassen, so daß der Bahnhofsvorsteher Gendarmerie ansordern mußte. Der Matrosentransport wurde auf dem Bahnhof von republikanischer Garde empfangen; 5 Hauptschuldige wurden gefesselt abgeführt.
Oie Lage in der Mandschurei.
j Der russisch-chinesische Konflikt.
Ein Vertreter des deutschen Konsulats, der nach Chailar zur Untersuchung über die schlechte Behandlung verhafteter Sowjetangehöriger gereist war, teilte nach seiner Rückkehr nach Charbin mit, die Verhafteten seien in dem Lager auf einen außerordentlich beschränkten Raum zusammengedrängt und seien halb nackt, wie man sie aus den Betten gerissen habe. Frauen, die um die Erlaubnis ersucht hätten, ihre verhafteten Männer zu besuchen und ihnen Lebensmittel zu bringen, seien von der chinesischen Wache mißhandelt worden.
Aus chinesischer Seite wird die Stärke der Sowjetarmee an den Fronten mit zwei Armeekorps angegeben. Auf der östlichen Seite der Front stehen etwa 20 000 Mann Infanterie und Kavallerie mit zwei Panzerzügen, Flugzeugen und Artillerie. Die westliche Front ist mit 40 000 Mann Infanterie und Kavallerie, zwei Panzerzügen, sechs Tanks und über 20 Flugzeugen besetzt. Auf diesem Teil der Front sind keine Schützengräben angelegt, woraus man schließt, daß die hier bereitstehenden Truppen für eine Offensive bestimmt sind.
Vom chinesischen Generklstab Tschanghsueliangs ist der Mobilmachungsbefehl für alle Mukdener Streitkräfte und Reserven ausgegeben worden. Ferner werden auch vier Divisionen der mandschurischen Armee mobilisiert, die jenseits der Chinesischen Großen Mauer stationiert waren, also außerhalb der Mandschurei standen. Sie werden ebenfalls an die russisch-chinesische Grenze befördert.
Beschlüsse des Reichsstädiâmdes.
( Die Tagung in Ki^l. ^,
Die Tagung des Reichsstädtebundes hat Freitag auf der zweiten Vollversammlung als Ort für die nächste Mitgliederversammlung Leipzig bestimmt. Der geschästs- führende Präsident des Reichsstädtebundes, Dr. Hebels begründete dann die Entschließung zum Finanzausgleich, in der bekanntlich darauf hingewiesen wird, daß die Belastungen der mittleren und kleinen Städte bis ins Unerträgliche gestiegen seien und eine stärkere Berücksichtigung dieser Städte bei der Überweisung von Reichssteuern verlangt wird. Die Entschließung wurde gegen die Kommunisten angenommen. Die gemeinsame Erklärung alle*, Gruppen mit Ausnahme der Kommunisten über die Be- deutung der kleinen und mittleren Städte begründete Stadtrat Becker-Weimar. Auch diese Entschließung wurde hegen die Kommunisten angenommen,
Kleine Zeitung für ettige Leser
* Im Haag hat sich noch keine Einigung der streitenden Gegensätze angcbahnt und es wird andauernd von der Möglichkeit eines resultatlosen Abbruchs der Konferenz gesprochen.
* Das Luftschiff „Graf Zeppelin" befindet sich auf der dritten Etappe seines Wcltfluges.
* In Kassel trat der Weltbund zur Annäherung der Kirchen- gcmcinschaften zusammen und wurde unter der Teilnahme von Regicrungsvcrtretern und ausländischen kirchlichen Delegierten eröffnet.
* Die Lage in der Mandschurei hat sich in keiner Weise gemildert. Sowohl von chinesischer wie russischer Seite werden andauernd neue Truppenmassen an die Grenze geworfen.
Kein Meldezwang für offene Stellen.
Die Reform der Arbeitslosenversicherung.
Im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages gehen die Arbeiten an dem vorliegenden Entwurf zur Reform der Arbeitslosenversicherung weiter. Eine umfangreiche Erörterung entspann sich Freitag über die Bestimmung, wonach die Arbeitgeber verpflichtet sein sollen, die offenen Stellen ihrer Betriebe den Arbeitsnachweis- ämtern zu melden. Die Redner der Deutschnationalcu, der Volkspartei, des Zentrums und der Demokraten wandten sich sowohl gegen diese als auch gegen die weitere Bestimmung, auch für besetzte Stellen einen Meldezwang einzuführen, während die Sozialdemokraten und Kommunisten sich für beide Bestimmungen einsetzten. Reichsarbeitsminister Wissen gab seinem Erstaunen über den Widerstand gegen die Regierungsvorlage Aus- drck, die gerade dazu dienen solle, hervorgetretene Mißstände, wie widerrechtlichen Bezug der Arbeitslosenunterstützung durch Umgehung des Arbeitsnachweises zu verhindern. Sozialdemokraten und Kommunisten treten für den Meldezwang ein. Beim Fortgang der Beratungen lehnte der Sozialpolitische Ausschuß die Bestimmung ab, durch die der Reichsarbeitsminister ermächtigt werden sollte, den Arbeitgebern vorzuschreiben, sowohl die offenen Stellen zu melden, wie die in ihrem Betrieb neu eingestellten Arbeitnehmer dem zuständigen Arbeitsnachweis bekannt zu geben.
Zum Schluß wurden nach einigen anderen Änderungen die Bestimmungen des Regierungsentwurfs, die die Freilassung der geringfügig Beschäftigten von der Beitragspflicht vorsehen, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Dann wurde die Weiter- beratuna vertagt.
Beschlüsse der Goziaidemokraiie.
Zur Reform der Arbeitslosenversicherung.
Die Vorstände der Sozialdemokratischen Partei, der Reichstagsfraktion und des Allgemeinen Deutschen Gc- werkschaftsbundes waren am Freitag in Berlin zusammengetreten, um zur Reform der Arbeitslosenversicherung Stellung zu nehmen. Die bisherige Haltung der sozialdemokratischen Vertreter bei den interfraktionellen Ver^-. Handlungen wurde in allen Teilen gebilligt. Eine Kür^ zung der allgemeinen Versicherungsleistungen, wie sie nach dem Gutachten der Sachverständigenmehrheit durch Einführung einer Relation zwischen der Höhe der Arbeitslosenunterstützung und der Dauer der Anwartschaft bewirkt werden würde, wäre mit dem ersehnten Ziel nicht in Einklang zu bringen. Ebenso kann der vorgeschlagencr-x Verlängerung der Wartezeit nicht zugestimmt werden. .
Vermischte Nachrichten
Liman von Sanders gestorben.
wtb. München, 24. Aug. General Liman von Sanders, im Weltkrieg Kommandeur der Verbündeten Streitkräfte auf Gallipoli, ist vorgestern im Alter von 74 Jahren in München gestorben. Die Beisetzung wird in Darmstadt stattfinden.
Schweres Flugzeugunglück bei Elm.
wtb. Berlin, 24. Aug. Das Flugzeug D. 757 geriet bei Elm plötzlich in Nebel und verunglückte in dem bergigen Waldgelände. Hierbei kamen der Führer Bauer und zwei Insassen, der Amerikaner Joseph Groß aus Louisville und der Polizeioberwachtmeister Rückert aus Frankfurt a. M. ums Leben. Ein Fräulein Neubauer aus Berlin und Frau Rückert wurden schwer verletzt.
wtb. Berlin, 24. Aug. Zu dem Flugzeugabsturz bei Fulda wird ergänzend gemeldet, daß Fräulein Neubauer aus Berlin ihren Verletzungen erlegen ist, so daß die Zahl der Toten vier beträgt.
Schwerer Autounsall.
wtb. Danzig, 24. Aug. Gestern Nacht stieß in der Nähe der techn. Hochschule ein von Zoppot kommendes Auto mit einem nach Oliva fahrenden Straßenbahnwagen zusammen. Infolge der Wucht des Anpralles wurde eine Dame aus dem Auto geschleudert und von der elektrischen Straßenbahn überfahren. Sie war aus der Stelle tot. Auch der Führer des Autos, ebenso ein weiterer Insasse erlitten tödliche Verletzungen, so daß der Unfall insgesamt drei Menschenleben gefordert hat.
Absturz eines polnischen Militärfliegers über Marienwerder.
wtb. Marienwerder, 24. Aug. Gestern abend gegen 8.30 Uhr stürzte, wahrscheinlich infolge eines Motorschadens, über den Heimstättensiedlungen in Marienwerder ein polnisches Militärflugzeug ab. Der Führer, ein polnischer Fliegerleutnant, wurde mit inneren Verletzungen dem städtischen Krankenhaus in Marienwerder zugeführt. Das Flugzeug weist Beschädigungen am Propeller auf.
Stillegung der Kohlenbergwerke in Spitzbergen.
Oslo. Am 16. d. Mts. ist in einem Bergwerk der Kinasbey Coal Compagny auf Spitzbergen eine Schlagwetterexplosion erfolgt, bei der zwei Bergleute getötet wurden. Die Arbeit auf den Gruben ist vorübergehend eingestellt und die Arbeiter und die Beamten sind in die Heimat zurückgesandt worden.
' Der Reichspräsident zur Gemsjagd in Fall.
Fall bei Lenggries. Reichspräsident von Hindenburg ist in Begleitung seines Adjutanten, Oberstleut- nants von Hindenburg, zur Gemsjagd in Fall eingetroffen. Der Reichspräsident machte die gewohnten Pürschgänge. Die Jagd ist durch Nebel und Regen etwas behindert. j
Explosion auf dem Bukarester Flugplatz. ' 's
Bukarest. In der elektrischen Zentrale des Flugplatzes Pipera bei Bukarest explodierte infolge Platzens eines Reservoirs mit komprimierter Luft eine der Antriebsmaschinen. Die Maschinenhalle und das daranstotzende Dienstwohngebäude des Oberingemeurs wurden schwer beschädigt. Der Oberingeni»-ur wurde getötet, seine Frau, seine drei Kinder sowie drei Soldaten wurden verwundet. $
Deutsch-polnische Verhandlungen über Staatsangehörigkeit.
Berlin. Als vorläufiges Ergebnis der deutsch-polnischen Verhandlungen über Staatsangehörigkcitsfragen wurde am 20. d. Mts. ein Protokoll unterzeichnet, worin der Standpunkt der beiden Regierungen zu den in den bisherigen Verhandlungen erörterten Fragen sestgestellt worden ist. Die Verhandlungen sollen kurz vor der am 30. August in Genf beginnenden Tagung des Volkerbundrates fortgesetzt werden.