#m die Arberislosenverficherung.
Wille zur Einiryung.
Ju der Reichskanzlei zu Berlin fand Donnerstag die Besprechung zwischen den in Berlin anwesenden Kabi- ncttsmitglicdcrn und den Führern der Regierungsparteien über die Arbeitsloscnvcrstchcrungsreform statt. Die Verhandlungen wurden geleitet von Reichsarbcitsminister Wissell. Die Sozialdemokraten waren vertreten durch die Abgeordneten Wels, Dittmann und Dr. Herz. Das Zentrum hatte die Abgeordneten Dr. Perlitius, Dr. Brüning, Esser und Frau Drusch entsandt. Die Volkspartei vertraten die Abgeordneten Dr. Scholz und Dr. Pfeiffer. Die Demokraten ließen sich durch die Abgeordneten Schneider und Frau Dr. Bäumer vertreten. Für die Bayerische Volkspartei war der Abgeordnete Prälat Leicht erschienen. Die Verhandlungen waren nur von kurzer Dauer. Es wurde nicht in eine Besprechung über den Inhalt des Ge- setzentwurfes cingetrctcn; dies wurde vielmehr den interfraktionellen Besprechungen vorbehalten, die Freitag beginnen sollen. Tie Regierung will alsbald einen Gesetzentwurf vorlegen.
Die Arbeiten des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstages begannen ebenfalls Donnerstag. Ihnen liegt zunächst die Denkschrift des Reichsarbeitsministeriums über das Sachverständigengutachten zugrunde. Der Vorstand der Zentrumsfraktion hat inzwischen über die Arbeitslosenversicherung beraten. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, doch verlautet, daß das Zentrum sich auf den Boden der Sachverständigenvorschläge stellen wird. Vor allem wird es der Forderung widersprechen, die Beiträge über das von den Sachverständigen vorgeschlagene halbe Prozent hinaus zu erhöhen.
Die Meinungsverschiedenheiten im Kabinett.
Im sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages erklärte bei der Beratung der Reform der Arbeitslosenversicherung Reichsarbeitsminister W i s s e l l, die Reichs- regierung sei leider nicht in der Lage, den Ausschuß schon jetzt eine fertige Vorlage zu unterbreiten, weil noch in einigen wesentlichen Fragen Meinungsverschiedenheiten im Kabinett beständen.
Darauf berichtete Ministerialdirektor Dr. Weigert über die Arbeiten der Sachverständigenkommission/ Da das umfangreiche Material von den Mitgliedern des Aus- schusies erst durchgeprüft werden muß, vertagte sich der Ausschuß auf Dienstag.
Wie verlautet, besteht bei den Länderregierungen der Wunsch, noch einmal zu der Reform der Arbeitslosenversicherung Stellung zu nehmen. Zu diesem Zweck soll am Dienstag vor der Sitzung des sozialpolitischen Ausschusses eine Länderkonferenz zufammentreten. In parlamentarischen Kreisen wurde nach der Aus- schußsitzung die Aussicht auf eine Verständigung über die Reform noch immer ziemlich ungünstig beurteilt.
Abschluß des Reklamekongreffes.
Die letzte Sitzung.
Die Schlußsitzung des Wellreklamekongresses in Berlin fand unter Dem Ehrenpräsidium des früheren Reichsverkehrs- ministers Dr. Rudolf Krohne statt, der in einer Ansprache darauf hinwies, daß die internationale Verständigung nur durch die Annäherung der internationalen Wirtschaft möglich sein werde.
Die fachlichen Referate wurden durch einen Vortrag von Christian Adt. Kupferberg über -Internationale Bekämpfung des Plagiats in der Tert- und Bildreklame eingeleitet. Der Redner schlug vor, daß Plagiats sofort bei ihrem Auftauchen in den führenden Fachzeitschriften des betreffenden Landes unter Gegenüberstellung mit dem Original veröffentlicht werden sollten. Über „Gegenwarlssorderüngen in der Reklamearbeit" sprach Vizepräsident Stewart L. Mims, Amerika. Der Präsident der italienischen Handelskammer in Deutschland, Major Guiseppe Ranzetti, sprach über „Reklame in Italien" und gab ein ausführliches Bild von dem Wesen der italienischen Werbung. Präsident Philip L. Thomson- Newvork referierte über das „Öffentliche Bureau für Auslagenkontrolle", das in Amerika eingerichtet sei. Der Vizepräsident der Amerikanischen Handelskammer in Berlin, Dr. Ferdinand Burchartz, hielt einen Vortrag über „Rationelle Reklame in bezug auf geistiges und industrielles Eigentum". Prof. Felix E Held von der Ohio Etats University in Kolumbus behandelte die „Neuen Methoden in der Geschäftsorganisation"
“ Den Abschluß der Vorträge bildete die Rede von Colonel Percy C. Burton-London über
„Reklame, der Schlüssel der Weltverbrüderung".
Der Völkerbund, so betonte Colonel Burton, müsse die Ergebnisse seiner Arbeit mit Hilfe der Reklame so ankündigen, daß die ganze Welt wisse, woran sie sei. Die Kosten eines solchen internationalen Werbezuges für den Völkerbundgedanken würden etwa 40 Millionen Mark betragen. Der Redner schlug vor. daß jede Nation, die dem Völkervund beigetreten ist, im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungszahl einen Beitrag zu dieser Summe leiste.
In seinem Schlußwort wies Präsident Dounggreen auf die ungeheure Arbeitsfülle hin, die der Kongreß bewältigt habe. Er richtete Worte herzlichen Dankes im Namen aller Kongreßteilnehmer an den Reichspräsidenten von Hindenburg, den „great old man“, an die Reichsregierung und vor allem an den Ehrenpräsidenten, Reichskanzler a. D. Dr. Luther. Mit dessen Erwiderung wurde der Kongreß abgeschlossen.
Tie amerikanischen Delegierten zum Kongreß überreichten noch bei einem Empfang durch den Oberbürgermeister Bötz- Berlin einen Brief des Newyorker Bürgermeisters Walker und als Ehrengeschenk für die Stadt Berlin eine Flagge der Stadt Newyork.
Tommy freut sich aus das Weihnachtèsest zu Saus.
Englische Geistliche in Berlin.
In Berlin traf eine Abordnung von 20 führenden englischen Geistlichen und Kirchenmännern ein. die einer Einladung der Deutschen Vereinigung des Weltbundes für kirchliche Freundschaftsarbeit gefolgt sind. Canon Guy Rogers (Birmingham) gab dem Wunsche Ausdruck, daß die beiden. Länder Deutschland und England seelisch einander näherkommen möchten. In diesem Zusammenhang sprach er unter allgemeinem starken Beifall die Hoffnung aus, daß die englischen Truppen am Rhein das kommende Weihnachtsfest in ihrer Heimat feiern möchten. Die englischen Geistlichen werden fünf Tage in der Reichshauptstadt bleiben, um hier kirchliche und soziale Ein^ richtungen zu besichtigen. Hierauf erfolgt die Weiterreise nach den Luther-Städten Wittenberg und Eisenach.
Seine Arbeiterentlassungen bei den Reichsstellen.
Zu den Mitteilungen über angebliche Massenent- lassungen bei den Reichsbehörden wird von unterrichteter Seite festgestellt, daß keineswegs an Massenkündigungen und Massenentlassungen gedacht ist, Es kommen lediglich Entlassungen bei den Ämtern in Frage, deren Aufgaben- ^eis bis zum März 1930 erfüllt ist, z. B. bei Reichs- schuldenverwaltung und Reichsentschädiaunasamt.
Kulissemlatsch im Haag.
Gerüchte und Dementis.
Der sitzungsfreie Tag wurde zur Fortsetzung der inoffiziellen Besprechungen zwischen den verschiedenen Delegationen benutzt. über ihren Stand wird äußerste Diskretion gewahrt, so daß genaue Angaben darüber, ob man auf dem Wege zu einer Einigung vorwärtsgeschritten ist, oder ob sich etwa im Gegenteil neue Komplikationen ergeben haben, schwerlich zu machen sind. '
Wie stets an Tagen, an denen keine offiziellen Besprechungen stattfinden und ans diesem Grunde auch keinerlei amtliche oder halbamtliche Mitteilungen hcraus- gcgcbcn werden, sind auch heute wieder die verschiedensten unkontrollierbaren Gerüchte im Umlauf. So wurde verbreitet, daß Snowden einen Brief an den Vorsitzenden des finanziellen Komitees, Baron Houtart, gerichtet haben soll, in dem er i n u l t i m a t i v e r F o r m Annahme seiner bekannten finanziellen Forderungen bis zum kommenden Sonnabend verlange. Demgegenüber wird von belgischer Seite der Empfang eines solchen Briefes sehr entschieden in Abrede gestellt. Jedoch wird es durchaus für möglich angesehen/ daß Snowden den führenden Persönlichkeiten der französischen und der belgischen Delegationen bestimmte mündliche Erklärungen übermittelt hat, die jedoch bei weitem nicht so scharf formuliert sein sollen, wie das mit Bezug aus seinen angeblichen Brief behauptet wird. Ein weiteres sensationell wirkendes Gerücht, wonach Briand seinerseits der englischen Delegation ein Ultimatum hat aushändigen lassen, wird von französischer Seite energisch dementiert.
Viel hängt jetzt von den Ergebnissen der weiteren Besprechungen zwischen den vier Mächten ab, die von vornherein für eine unveränderte Annahme des Young- Planes eintraten, nämlich Frankreich, Belgien, Italien und Japan.
Innerhalb der deutschen Delegation fanden interne Besprechungen statt, die vornehmlich der Klärung der Fragen der Sachlieferungen und der Besatzungskosten dienten.
Der Donnerstag im Haag.
Das I u r i st e n k o m i t e e, das sich mit der Rechtsgrundlage in der Frage der Feststellungs- und Vergleichskommission zu befassen hat, hat im Haag wiederum getagt und seine Untersuchungen fortgesetzt, ohne aber bisher zu einer 'Linie zu gelangen, auf der ein Einvernehmen etwa zu erzielen wäre. Sonnabend vormittag werden diese Beratungen zwischen den gleichen Teilnehmern fortgesetzt werden.
In der S a a r f r a g e, die von französischer Seite als deutsch-französische Angelegenheit und nicht als Konferenzthema bezeichnet worden sind, haben nach der Überreichung eines deutschen Verhandlungsplanes Besprechungen zwischen den beiderseitigen Staatssekretären und auch zwischen den Fachreferenten stattgefunden, die der Aufklärung einzelner Punkte dienten und die in gleicher Form fortgesetzt werden sollen.
Der viel erörterte Brief Snowdens ist, wie jetzt verlautet, an den belgischen Ministerpräsidenten Jaspar gerichtet worden. Er hat keinerlei ultimativen Charakter, besteht aber mit einiger Dringlichkeit auf einen beschleunigten Abschluß der Erörterungen über die finanzielle Seite der englischen Forderungen, der im Wege einer erneuten privaten Besprechung1 vorbereitet werden soll.
Eine am Donnerstag nachmittag erfolgte Besprechung zwischen Snowden und Francqui galt zweifellos dem gleichen Zweck, während Briand mit seinen militärischen Sachverständigen offenbar über die von ihm abzugebende Erklärung bezüglich des Endtermins für die Besetzung verhandelte.
Snowden lehnt die Gegenvorschläge ab.
wtb. Paris, 16. Aug. Der Korrespondent des „Petit Parisien" im Haag meldet, gestern abend sei das Gerücht verbreitet worden, daß Snowden beim Empfang der englischen Journalisten erklärt habe: „Die Vorschläge, die mir unterbreitet worden sind, sind unannehmbar. Ich habe sie gänzlich abgelehnt."
Die Pariser Presse gegen Snowden.
wtb. Paris, 16. Aug. Die Einstellung der heutigen Morgenpresse gegenüber der Haager Konferenz kann als pessimistisch bezeichnet werden. Sie wird durch die Tatsache gekennzeichnet, daß die Presse wieder anfängt, den englischen Schatzkanzler Snowden in der häßlichsten Weise anzugreifen.
„Mati n" sagt, die Elemente, die in England gegen den Young-Plan seien, blieben der alten Doktrin treu, daß auf dem Kontinent nicht Frieden herrschen solle und daß es keine freundschaftliche Regelung zwischen Frankreich und
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Kongreß der Internationalen Holzarbeitervereinigung in Frankfurt a. M.
Frankfurt a. M., 15. Aug. In der Donnerstagssitzung — und gleichzeitig der Schlußsitzung — der Tagung der Internationalen Holzarbeitervereinigung (Christliche Gewerkschaften) entspann sich im Anschluß an die drei Referate des Vortages eine eingehende Aussprache zwischen den Delegierten. Es kam hierbei zum Ausdruck, daß die internationale Verständigung unter den Holzarbeiterverbänden seit dem letzten Kongreß erfreuliche Fortschritte gemacht und das Verständnis für die Besonderheiten der Gewerkschaft in den einzelnen Ländern in weitem Ausmaße geweckt hat. Die in den Referaten behandelten einzelnen Probleme und die Ergebnisse der Aussprache wurden zusammenfassend in Entschließungen niedergelegt, in denen es u. a. heißt:
1. Der Kongreß der Internationalen Vereinigung christlicher Holzarbeiterverbände richtet einen dringenden Appell an die zuständigen Parlamente und Regierungen, mit größerer Beschleunigung an die Prüfung der Genfer Böschlüsse heranzugehen und das darin enthaltene Mindestprogramm sozialen Fortschritts so schnell wie möglich in der Landesgesetzgebung zu verwirklichen und durch die Ratifizierung international zu verankern.
2. Der Kongreß sieht in der Handarbeitslcistung das höchste Wirtschaftsgut, durch welches alle Kultur gegründet ist, und erblickt in einer guten Tarifvertragsgestaltung das Mittel, eine richtige und bessere Bewertung der Arbeitsleistung sowie eine höhere Wertschätzung des Trägers der Arbeit herbeizuführen.
3. In der Frage der Ferien- und Urlaubsfrage stellt der Kongreß fest, daß die an die Arbeitnehmer gestellten höchsten Anforderungen unbedingt die jährliche Gewährung ausreichender bezahlter Ferien erfordern, um das höchste Gut im Wirtschaftsleben, die menschliche Arbeitskraft, nicht frühzeitig der körperlichen und geistigen Erschöpfung anheimfallen zu lassen. Der Kongreß empfiehlt daher den angeschlossenen Verbänden, durch vertragliche Regelung mit den- Arbeitgebern dahin ju wirken, daß allen Arbeitnehmern jährliche und bezahlte Ferien gewährt werden.
Die Tagung der Gewerkschaften wurde geschlossen mit einem Ausflug der Delegierten in die nähere- Umgebung Frankfurts.
Deutschland geben dürfe. Der Young-Plan, der die Räumung ermögliche und nach der Räumung die wirtschaftliche und politische Annäherung, erscheine ihnen als eine Bedrohung der Schiedsrichterrolle, die England sich im Laufe der Jahrhunderte angemaßt habe. Seltsamerweise hätten diese ultrachauvinistischen Elemente einen Verbündeten in der Arbeiterpartei gefunden. Europa werde Snowden morgen wissen lassen, ob es die Sabotierung der ersten endgültigen Rgelung, die bei der Liquidierung des Krieges erzielt worden sei, zulassen wolle. - Selbst -wenn Snowden das ihm unterbreitete Anerbieten zuriickweise, habe er noch ein Mittel, die Konferenz zu retten und zwar dadurch, daß er nicht auf die Abstimmung über seinen Antrag bestehe, sondern sich damit einverstanden erkläre, daß die Technischen Ausschüsse der Finanz-Kommission ernannt werden, in denen man sich über die einzelnen englischen Forderungen verständigen könne.
„Echo de Paris" «ermißt bereits die Folgen eines Abbruches der Konferenz und meint, wenn die Konferenz morgen zu Ende gehe, werde Briand von den Unvorsichtigkeiten erlöst werden, die er in der Räumungsfrage begangen habe. Er habe versprochen, am Sonnabend in bestimmter Weise den Zeitpunkt für den Beginn und die Durchführung der Räumung anzugeben. Die Verpflichtung wurde er los werden. Ferner würde sich die Tat- sache ergeben, daß der Young-Plan infolge des schlechten Willens Englands nicht in Kraft trete.
Frankreich verlangt keinen deutschen Verzicht?
Der Berliner Vörsenkurier meldet aus dem Haag: Herr Loucheur teilte den französischen Journalisten mit, daß Frankreich nicht beabsichtige, sich von Deutschland den frühen Rückzug durch einen neuen Verzicht abkaufen zu lassen. Er fdjlk^e sich nicht der Anregung Hendersons an, daß Deutschland bei sei- nen clairs, d. h. bei seinen Ansprüchen aus den Besatzungsschäden' eine Geste mache, in dem es hier auf Zahlungen verzichte.
Die Engländer unzufrieden.
Das „V. T." meldet aus dem Haag: Die Kreise, die durch den englisch-französischen Quotenstreit entstand, ist wieder einmal akut geworden, und die englische Delegation sowie auch die französische und die belgische sind pessimistischer als je zuvor. Nach Ansicht der Engländer sind die Zugeständnisse der kontinentalen Gläubigermächte so unzureichend, daß sie diese ohne Zögern als völlig unannehmbar bezeichnet haben. Da andererseits Loucheur im Namen der französischen Delegation erklärt haben soll, es sei den kontinentalen Eläubigermächten unmöglich, England weiter entgegenzukommen, läßt sich im Augenblick nicht über« sehen, wie die Dinge sich weiter entwickeln werden. In englischen Kreisen spricht man wieder einmal von Vertagung und Abreise, unb zwar diesmal offenbar mit etwas größerer Ueberzeugung. Aber auch jetzt darf man wohl hoffen, daß jede Möglichkeit einer Vermittelung zwischen den streitenden Parteien ausgenutzt werden wird.
Aehnlich äußerst sich der „L ok a l a n z e i g e r“. Das Blatt sagt, es ergab eine Fühlungnahme mit Snowden, daß der englische Schatzkanzler -die Angebote für ungenügend hielt. Die englische Delegation hat ihren Standpunkt in später Abendstunde bekanntgegeben. Snowden betonte, falls man keinen bestimmten Vorschlag, so wie verabredet sei, am Freitag machen könne, hätte es keinen Zweck, am Sonnabend eine Sitzung der Finanzkommission einzuberusen. Das bedeutet ziemlich klar wieder die Androhung der Abreise. Auch die Italiener yoM« dMâage wieder verschärft, fitbem
Konferenz am Sonnabend zu Ende.
Englische Pressestimmen über die Schwierigkeiten im Haag.
wtb. London» 16. Aug. Daily Telegraph, Daily Mail und Daily Chronicle betonen, daß der Hauptgegner des Verlangens Großbritanniens nach wie vor Italien sei. Der Haager Korrespondent der Times schreibt: Die Delegierten bemühen sich naturgemäß, das Geld aufzutreiben, ohne selbst irgendwelche wesentliche Zugeständnisse zu machen. Man darf vermuten, daß jetzt der Augenblick gekommen ist, wo alle möglichen veranschlagten Ueberschüsse geprüft worden sind und wo nunmehr wirkliche Zugeständnisse erwogen werden müssen. Infolgedessen ist der Ton der französischen und italienischen Kreise sehr pessimistisch geworden. Gestern abend wurde in den Kreisen der britischen Delegation die Ansicht ausgesprochen, daß es durchaus möglich sei, innerhalb des Rahmens des Youngplanes eine Lösung zu finden, die die berechtigten Ansprüche Großbritanniens befriedigen würde. Financial Times sagt: Daß ein Teil der britischen Einwendungen berücksichtigt werden kann und wird, vorausgesetzt, daß ein Abbruch aus anderen Gründen vermieden wird, ist, wie wir glauben, sehr wahrscheinlich. Das Blatt hebt hervor, daß die Sachverständigen besonders betont haben, daß die von ihnen vorgeschlagene Verteilung einen unabänderlichen Teil ihres Berichts bilden.
— König Georgs Gesundheitszustand.
Die mehrfach verschobene Übersiedlung des Königs nach Sandringham, der Sommerresidenz des Königs- Paares, läßt Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand b^ Königs zu. Die „Daily News" hört, daß dem König von den Ärzten geraten wurde, auf den Besuch von Sandringham ganz zu verzichten, noch einige Zeit in London zu verbleiben und dann wiederum nach Bogno- , «xn der Südküste zu gehen. Als Grund wird angegeben, t-aß der König in Sandringham der Versuchung unterliegen könnte, sich stärker an den Herbstjagden zu be- teiliaen. als mit feinem Geiundbeitsrnstand vereinbar ist.
6. Zahrestagung des Verbandes evangelischer Männervereine.
Bingen, 13. Aug. In Dingen fand am Sonntag die 6. Iah- restagung des Hessischen Verbandes evangelischer' Mänuerver- cine statt. Die Tagung wurde mit einem Festgottesdienst ein« geleitet. An eine Wanderung am Vormittag auf den Rochus- berg schloß sich am Nachmittag die Hauptversammlung an, in der nach einer kurzen Begrüßungsansprache Ministerialrat Urstatt Arbeitersekretär Springer ein Referat hielt über die Not des deutschen Volkes und seine soziale Entwicklung. Die Not sei vor dem Kriege nicht minder groß gewesen führte er aus, denn gerade aus dieser Not sei die soziale Frage entstanden. Die evangelische Männerwelt müsse es sich zur Pflicht machen, eine Volksgemeinschaft zu gründen, denn Arbeiterschicksal und Volksschicksal sei heute ein und dasselbe. Leider stehe ein großer Teil der Arbeiterschaft der Kirche feindlich gegenüber. Aufgabe der Kirche sei es, die Arbeiter wieder der Kirche mzusühen, denn die Kiche könne nicht bestehen wenn nicht das Volk hinter ihr stehe, und ihre soziale Aufgabe nicht lösen, wenn sie nicht dabei von den Massen unterstützt würde. Pflicht der evangelischen Männerwelt sei es, an der sozialen Gleich- Helt und Gerechtigkeit mitzuarbeiten, auch wenn die soziale Frage niemals zur Zufriedenheit aller gelöst werden könne