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politische Rundschau

Deutsches Reich

Die Erneuerung des Rcpublikschutzgesetzcs.

Die Geltung des früheren Republikschutzgesetzcs ist bekanntlich abgelaufen, da der Reichstag bei dem Vcr- längerungsantrag der Regierung nicht mehr die erforder­liche Zweidrittelmehrheit dafür aufgebracht hat. Reichs- Minister des Innern, Severing, hat darauf ein neues Ge­setz angekündigt. Die Vorarbeiten sollen im Innen­ministerium so weit vorgeschritten sein, daß das Reichs­kabinett den Entwurf gegen Ende dieses Monats er­ledigen und Anfang September an den Reichsrat weiter­leiten könnte. Der Entwurf soll, wie behauptet wird, keinen verfassungsänderndcn Charakter tragen und des­halb zu seiner Annahme auch keine qualifizierte Mehrheit im Reichstag brauchen. Die vereinsrechttichcn Beschrän­kungen des alten Republikschutzgesetzes fallen weg. Die Strafbestimmungen werden gemildert.

Vermahlung von Jnlandsweizcn.

Mehrfach war in der letzten Zeit die Rede davon, daß eine Reihe von Großmühlen einen Druck auf den Reichs­minister für Ernährung und Landwirtschaft in der Rich­tung auszuüben versucht hätten, eine Änderung der Vor­schriften über die Vermahlung von Jnlandsweizcn hcrbei- zuführen. Wie hierzu vom Reichsministerium für Ernäh­rung und Landwirtschaft mitgeteilt wird, ist dort weder von einem solchen Druck etwas bekannt noch besteht die Absicht, die Bestimmungen des Gesetzes über die Ver­mahlung von Jnlandsweizcn, wonach die Mühlen in der (Zeit vom 1. August 1929 bis 31. Juli 1930 mindestens 30 Prozent und in der Zeit vom 1. August bis 30. Novem­ber 1929 mindestens 40 Prozent Jnlandsweizcn zu ver­mahlen haben, außer Stasi zu setzen oder abzuändern. Gegen Reklame durch Rundfunk.

Seit langem wird die Weitergabe von Reklamemit­teilungen durch den Rundfunk von verschiedenen Seiten bekämpft. Jetzt hat auf Antrag des Reichsrundfunk- kommissars der Reichspostministcr seine Zustimmung dazu gegeben, daß Rundfunkreklamc an Sonn- und Festtagen unterlassen werden muß. Ferner schweben Verhand­lungen, die gesamte Rundfunkreklame einschließlich der Werbevorträge an Werktagen in die Vormittagsstunden zu legen. Tie Neuregelung soll bereits in allernächster Zeit durchgeführt werden.

Ländliches Genossenschaftswesen in Baden.

Die Verhandlungen, die über die Rationalisierung des ländlichen Genossenschaftswesens in Baden in Füh­lungnahme mit dem Reichsernährungsministcr Di c t r i ch bei der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse geführt worden sind, haben a m 1. A u g u st 1929 mit einer grund­sätzlichen Verständigung zwischen den Beteiligten ihren Abschluß gefunden. Die Vereinigung der ländlichen Ge­nossenschaftsorganisation in Freiburg mit derjenigen in Karlsruhe wird vorbehaltlich der Zustirumung der zu­ständigen Organe zum 1. Oktober d. J. erfolgen. Der genossenschaftliche Einheitsverband in Baden wird den Ramen „Verband landwirtschaftlicher Ge - noffenschaften für Baden e. V/ tragen. Die Badische Landwirtschaftsbank e. G. m. b. H., Karlsruhe, und die Badische Bauernbank e. G. m. b. H., Freiburg, werden in der „Badischen Landwirtschafts - bank — Bauern bank e. G. m. b. H., Karlsruhe", die Badische Landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft e. G. m. b. H., Karlsruhe, und die Zenrral-Bezugs- und Absatzgenossenschast des Badischen Bauernvereins, Frei­burg, in der „Badischen Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft e. G. m. b. H., Karls­ruhe" zusammengelegt. Um den Zusammenschluß zu er­möglichen, hat die Preußenkasse im Einverständnis mit dem Reichsernährungsminister erhebliche Zuschüsse zu den Kosten der Sanierung und Rationalisierung geleistet.

Frankreich.

Schwer bestrafte deutsche Legionäre.

Die deutsche Liga für Menschenrechte hat sich durch Vermittlung ihrer französischen Schwesterorganisation bemüht, die Begnadigung der deutschen Fremdenlegionäre Ohme und Kober st ein zu erreichen, die im Jahre 1927 wegen angeblichen Überlaufens zu Abd-el- Krim zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden waren. Das grauenerregende Urteil ist auf das Betreiben der Liga auf zehn Jahre, also die Hälfte, herabgemindert worden, bleibt aber immer noch schrecklich genug.

Großbritannien.

Ein Sparausschuß für England.

Wie die Blätter mitteilen, beabsichtigt das Kabinett, einen Sparausschuß einzusetzen, der unter dem Vorsitz Macdonalds stehen soll. Diesem Ausschuß würden ferner der Schatzkanzler und die Minister der drei Verteidi­gungsministerien angehören. In Regierungskreisen hege man starke Hoffnung, daß es in diesem Jahr gelingen werde, die Ausgaben für die drei Verteidigungs­ministerien wesentlich einzuschränken. Auch in anderer Richtung sollen bedeutende Einsparungen gemacht werden.

Rußland.

Neue Zwistigkeiten mit China.

Nach einer Meldung aus Mandschuli sind die direkten chinesisch-russischen Verhandlungen abgebrochen worden. Die Delegierten Chinas werden nach Nanking zurück­reisen. Nach einem Telegramm aus Charbin deutet die Wiederaufnahme der russischen Luftdemonstrationen auf der Linie Pogranitschnany—Mandschuli auf eine neuer­liche Spannung zwischen Rußland und China hin.

Aus In- und Ausland

Berlin. Die Teutsche Landwirtschastsgesellschaft wird "ihre diesjährige Herbsttagung in der Zeit vom 6. bis 11. Oktober in Dresden abhalten.

London. In Addis Abeba wurden die Ratifikations­urkunden des Freundschasts- und Ausgleichsvertrages zwischen Italien und Abessinien ausgelauscht.

London. Die persische Regierung hat nach einem voll­ständigen Sieg über die Aufständischen bei Bakhtiar eine weitgehende Amnestie erlassen.

Kongresse und Versammlungen

k. Eröffnung der fünften Welttagung für neue Erziehung. -Lus der historischen Kronborg bei Helsingör in Dänemark fand die feierliche Eröffnung der fünften Welltagung für neue Er­ziehung statt. Es wurden mehrere Reden gehalten, und zwar sprachen Ministerpräsident Staun ing in deutscher, Innen­minister Dahlgaard in dänischer und Unterrichtsministt. Borgbjerg in französischer Sprache. Hieraus sprachen noch je â französischer, ein deutscher und ein englischer Vertreter Der Eröffnung der Tagung ging die Eröffnung einer Welt- schulausstellung, die eine Übersicht über die neuen Methoden tu der Erziehung bieten soll, voraus.

Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten.

Merkblatt für den 11. und 12. August. ,

Sonnenaufgang 4.38 (4.40) Uhr, Sonnenuntergang 19.31 (19.29) Uhr. — Mondausgang 12.25 (13.39) Uhr, Mondunter­gang 22.14 (22.23) Uhr.

11. August: 1656: Der Heerführer Octavio Piccolomini in Wien gest. — 1778: Der Turnvater Friedrich Ludwig Jahn in Lanz geb. — 1919: Verkündigung der Weimarer Verfassung. — Der amerikanische Großindustrielle Andrew Carnegie in Stockbridge gest.

12. August: 1848: Der Begründer des Eisenbahnwesens George Stephenson in Taptonhouse gest. — 1901: Der Polar­forscher Erik Adolf Nordenskiöld in Dalbyö gest.

Almosengeben bewahrt vor Unglück.

Persisches Sprichwort.

Wetterbericht.

Ueber Deutschland liegt zur Zeit ein sehr flaches Hochdruck­gebiet, in dessen Bereich bei uns meist bedecktes und nur zeit­weise etwas aufheiterndes Wetter herrscht. Kleine Störungen bringen zwar noch weiterhin Wechsel zwischen trübem und vorübergehend aufheiterndem Wetter, doch ist im allgemeinen mit einer langsamen Besserung der Witterung zu rechnen. — Vorhersage bis Samstag abend: Meist bewölkt, nur vorüber­gehend etwas Regen, mäßig warm, vorwiegende westliche Winde. — Witterungsaussichten für Sonntag: Nach nochmali­gen Niederschlägen einsetzende Besserung.

* Fulda, den 10. August 1929.

Am Wochenende.

Fulda ist wieder „komplett". Der Schulbeginn hat alle die großen und kleinen Sommerfrischler wieder zurückgebracht. Ja, wenn man so vier Ferienwochen vor sich hat, scheint es eine lange Zeit zu sein. Hat man diese vier Wochen aber hinter sich, dann ist es wie ein Erwachen aus einem kurzen, schönen Traum. Die ersten Schul- bzw. Arbeitstage nach den Ferien mit ihren Aufgaben und Pflichten sind für den Normalmenschen im allgemeinen recht sauer. Der tote Punkt ist jedoch in weni­gen Tagen wieder überwunden — und dann gehts mit Voll­dampf den Herbstferien entgegen! Meine kleine Freundin aus der Nachbarschaft ist mit ihrer ersten neuen Schularbeit be­schäftigt: „Was ich in den Ferien erlebte". Die Arbeit darf schriftlich, (als Aufsatz), bildlich, (als Zeichnung, bzw. Ge­mälde) oder plastisch (in Plastelin), ausgeführt werden. Die Kleine hat sich nach Einholung meines Rates zu der bildlichen Wiedergabe ihrer Ferienerlebnisse entschlossen. Einige, auf das entstehende Feriengemälde gelangte Himbeersaftspritzer und einige Marmeladensingerabdrücke werden geschickt in der Ferienlandschaft untergebracht — expressionistische Anklänge —, im übrigen hälts die kleine Malerin mit der „Neuen Sachlich­keit": sie will im Bilde nur das wiedergeben, was sie wirklich sah, bzw. erlebte. Auch in wiedergebenen Reiseeindrücken der Großen, macht sich so etwas wie eine neue Sachlichkeit geltend, etwa nach dem Muster des Dichters Alfred Kerr. Hieß es früher beispielsweise: „Schier trunken von den sonnigen Bil­dern steige ich hernieder zum traulichen Städtlein . . .", so wird heute hingeknallt: „Aussicht war miß. Sonne brannte auf den Buckel. Das alte Nest wirkt ermüdend. Mehr als das. Ein­schläfernd. Beschwipsend. Hotel ohne Komfort. Nicht ein­mal ein W. C. vorhanden. Holperiges Pflaster. Windschiefe Nester. Oeldruckromantik . . .“ Nur keine innere Anteil­nahme verraten! Gemüt und Herz ausschalten, das könnte sonst als verlogen oder lächerlich ausgenommen werden. —

Für die dähes gebliebenen ' Fulda et war bet vergangene' Sonntag voller Ereignisse. Im Mittelpunkt stand die Wieder­sehensfeier der alten Artilleristen. Erinnerungen wurden auf­gefrischt. Auch der fünfzehnte Jahrestag des Kriegsausbruchs weckte in Fulda manche ernste Erinne­rung. Die Säuglinge von damals sind heute zu jungen Man­nern herangewachsen: Generationen kommen und gehen, ganz langsam gerät das Erlebnis des Krieges in Vergessenheit. Trotz der Hochflut neuer Kriegsliteratur! Das Anschwellen der Kriegsromane wird von Psychologen sogar als sicherstes Zei­chen gedeutet, daß der Krieg innerlich überwunden ist. Aeußer- lich spüren wir ja die Folgen in unserem gesamten Wirtschafts­leben Tag, für Tag mehr.

Von Heimatfreunden wurde ganz in der Stille das alte Wahrzeichen bei Dirlos, der sogenannte Dicke Turm, wie­der besteigbar gemacht und seinem ursprünglichen Zweck als Luginsland zurückgegeben. Trotz der schattenlosen Landstraße, die an dem Turm vorbeiführt, haben in den letzten Ferientagen viele Fuldaer dem „Dicken Turm" ihren Besuch abgestattet. Der Blick, nach allen Seiten frei, läßt erkennen, daß der Turm in früheren Zeiten von großer Wichtigkeit für das Fuldaer Land war. Auch sein Nachbar, der Turm auf dem Rauschenberg, hatte als Micht- und Signalturm, seine Bedeutung. Auf alten Lithographien ist zu erkennen, daß der Turm etwa mit einem Drittel seiner Höhe aus den Bäumen ragte. Vielleicht wäre cs möglich, auch diesen Turm wieder zu einem Aussichts - turm zu machen. Er ist zwar besteigbar, aber die Aussicht ist nicht mehr nach allen Seiten frei, die hohen Baumkronen über­ragen den Turm.

In früheren Jahrzehnten, als noch der sonntägliche Fami­lienausflug sozusagen obligatorisch war, gehörten Leipzigerhof mit Rauschen- und Petersberg mit zu den beliebtesten Aus­flugspunkten. Der nach dem Rauschenberg führende Galgen- graben, mit dem Rabenstein und der in der Nähe liegende Hexenküppel waren von einem seltsamen Grauen umwittert. Hatte doch die nunmehr ausgestorbene älteste Generation noch die letzte öffentliche Hinrichtung am Rabenstein mitangesehen: die Väter und Großväter berichteten als Augenzeugen ihren Kindern jenes Erlebnis. Nicht aus eigener Anschauung berich­teten die Aelteren von dem Wüten des Fuldaer Hexenrichters Balthasar Noß, der am Hexenküppel, dort, wo heute die saube­ren neuen Siedlungshäuser stehen, mehrere hundert Fuldaer Frauen und Mädchen dem Scheiterhaufen überlieferte. Der Turm am Törle, der Hexenturm am sogenannten Hexenberg, erinnert noch an jene furchtbaren Zeiten. Die „gute alte Zeit" hatte ihre verdammten Schattenseiten — nicht nur in Fulda! Die neue Zeit kennt keine Hexenrichter, keine Pestilenz und Hungersnot mehr — sie holt sich ihre Opfer auf moderne Weise — und stellt hinsichtlich der Zahl ihrer Opfer die alte Zeit tief in den Schatten. Doch reden wir nicht weiter davon, die tägliche Unglückschronik in den Zeitungen spricht laut und eindringlich genug. — Wir stehen an der Schwelle der neuen Epoche, die bekanntlich die ost zitierte „ungeahnte Entwicklung" bringen soll. Was ist beispielsweise heute ein Telegramm. Und doch ist es noch garnicht lange her, daß der Telegraphen­bote mit dem roten Täschchen bei seinem Erscheinen allerhand Aussehen erregte. Wer ein Telegramm bekam, öffnete die ge­heimnisvolle Botschaft mit Herzklopfen, denn es war bestimmt etwas Wichtiges, selten Angenehmes, was da telegrafisch über­mittelt wurde. Man fuhr Personenzug und schrieb Briefe, weil Schnellzug und Telegramme nur für ganz dringende Fälle in Betracht kamen. Und dann: es wurde, trotz der besseren Zeiten, mit Pfennigen gerechnet. Der Pfennig kommt allerdings in der neusten Zeit allmählich wieder zu Ansehen. Wenn nun gar für politische Versammlungen ein Eintrittsgeld von sage und schreibe fünfzig Pfennig — % Mark erhoben wird, ist der Er­folg von vorneherein entschieden: So politisch interessiert sind

die meisten Zeitgenossen nicht mehr, daß sie fünfzig Pfennig für irgendeine Agitationsversammlung opfern. Für guten Sport ist heute eher eine zahlende Gemeinde zu finden, doch selbst da wird dauernd über die zu hohen Eintrittspreise ge­murrt. Achtzig Pfennig bis eine Mark für ein zweistündiges Fußballspiel ist entschieden zu viel als Eintrittsgeld. — —

August — Erntezeit im Fuldaer Land. Schon läuft die Feldmaus, nach letzten Körnern suchend, übers Stopelfeld. Die erste Dreschmaschine brummt, bald ist die letzte Garbe geborgen und die Spielleute stimmen Violine und Baß für den Ernte­reigen. Obwohl die Ferien zu Ende sind, ist in den Luftkur­orten alles noch gut besetzt. In Siiddeutschland fangen die gro­ßen, Ferien erst an. Für die Reichsbahn beginnt der zweite große Ferdentransport. — Für die Hausfrau gilt es nun an den kommenden Muter zu denken. Die Auswahl unter den Früch­ten wird mit jedem Tag größer, und schöner. In Zwetschen steht dem Fuldaer Land in diesem Jahre eine Rekordernte bevor, wie mir von verschiedenen Seiten versichert wird. Mit der neuen Ernte kommt auch wieder mehr Geld auf das Land. Es wäre warhaftig im allseitigen Interesse sehr nötig, damit das alte Sprichwort wieder wahr wird: „Hat der Bauer Geld, dann hat's die ganze Welt." Zu pessimistisch wollen wir nicht in die Zukunft sehen. Nach dem seitherigen Stillstand muß endlich auch wieder ein kleiner Ausstieg kommen. — A. M.

Wandelkonzert.

Zur Feier des Verfassuugstages findet am 11. August von 11 bis 12 Uhr auf der Schloßgartenterrasse ein Wandelkonzert vom Trompeterkorps des 5. Artillerie-Regiments statt.

Steuerkalender der Stadtkasse.

Bis zum 1 6. A u g u st 1 9 2 9 (ohne Schonfrist) sind folgende Steuern und Abgaben an die Stadtkasse zu zahlen:

1. Vorauszahlung auf die Eewerbeertragssteuer und den Handelskammerbeitrag für das 2. Vierteljahr 1929 in Höhe der für die Monate Januar, Februar und März 1929 laut Eewerbesteuerzettel für das Rechnungsjahr 1928 fällig ge­wesenen Beträge.

2. Grundvermögenssteuer für August 1929.

3. Hauszinssteuer für August 1929.

4. Kanalbenutzungsgebühr und Müllabsuhrgebühr für 2. Vier­teljahr 1929.

5. Hundesteuer für 2. Vierteljahr 1929.

6. Wassergeld für 1. Vierteljahr 1929.

Von den Steuern, die nach dem 16. August 1929 zur Ein­zahlung gelangen, kommen 10% Jahreszinsen als Verzugs­zinsen zur Erhebung.

Der Festzug anläßlich der Reichsjugendwettkämpfe am Verfassungstag.

Vom städtischen Jugendamt wird uns geschrieben:

Die Bekanntgabe folgender Festzugsaufstellung der Vereine am Sonntag ist letzter Mahnruf zur allgemeinen restlosen Be­teiligung auch sämilicher weiblicher Jugendvereine.

Nach den Volksschulen folgen die

Mädchenvereine:

Kathol. Jungfrauenvereine: Dom, Hl. Geist, Mario-Hilf, Stadt, St. Sturmius, Beamtinnen, Dienstmädchen, Frauen­bund (Jugendgruppe), Esrq — Evgl. Jungmädchenverein — Evgl. Frauenbund, Jugendabteilung — Frauenturnverein — Jungborn — Jungjüdischer Wanderbund — Natur­heilverein.

Männliche Vereine:

Radsportklub 07 — Borussia — D.J.K. Dom, Hl. Geist, K. K. V., Stadt. St. Sturmius, Deutscher Vuârnck»*»M band, Lehrlings-Abteilung — Deutschn at MnN GNjtttMâ verband, Jugendgruppe — Evgl. Iünglingsverein — Esra — Flugtechn. Arbeitsgemeinschaft — Germania — Ge­sellenverein — Eewerkschaftsbund der Angestellten, Ju­gendgruppe — Gewerbeoerein, Jugendgruppe — Jugend- bund der landeskirchl. Gemeinschaft — Jungborn — Jüd. Turn- und Sportverein — Kickers — marianische Schüler- kongregationen: Gymnasiasten und Aufbauschüler, Konvikt, Oberrealschule.

Naturheilverein — Normannsteiner — Neudeutschland — Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Jugendgr. — Schützen- verein, Jugendgruppe — Schwimmverein — Turn- und Fechtklub — Turngemeinde — Viktoria — Vogelsberger Höhenklub.

Pünktliches Antreten um 1.30 Uhr am Viehmarktplatz (Oberrealschule). Wimpel und Fahnen mitbringen. Ausstel­lung erfolgt in Viererreihe. Der Zug bewegt sich durch die Heinrichstraße, Vahnhofstr., Schloßstr., Friedrichstr., Marktstr., Karlstr., Löherstr., Johannisstr. nach dem Sportplatz Johan­nisau.

Die Obleute von denjenigen Vereinen, welche eine Vorfüh­rung zu leiten haben, werden auf das Programm, insbesondere auf das pünktliche Antreten, nochmals aufmerksam gemacht.

Aus dem Eerichtssaal.

Schwere Urkundenfälschung und Betrug: Die 20jährige Fabrikarbeiterin R. B. von Lütter (Kr. Gers­feld), schrieb Anfang April d. J. an eine Fuldaer Familie einen Vries, in dem sie um ein Darlehen von 100 Mark bat. Dieser Brief unterschrieb sie mit dem Namen einer Schwägerin jener Familie, die jedoch von der ganzen Angelegenheit keine Ahnung hatte. Auf Grund des Briefes erhielt die B. die 100 Mark, die sie für sich verbrauchte. In 3 weiteren Fällen versuchte die Angeklagte, bei anderen Fuldaer Familien auf die gleiche Weise zu Geld zu kommen, jedoch' jedesmal ohne Er­folg. Als die Betrügerin durch die Polizei festgenommen wurde, gab sie zunächst einen falschen Namen an. Gestern stand sie wegen ihrer Straftaten vor dem Großen Schöffengericht, das sie wegen schwerer Urkundenfälschung versuchten und vollen­deten Betrugs und Angabe eines falschen Namens zu 3 Mo­naten Gefängnis und 3 Tagen Haft verurteilte. In Anbe­tracht , ihrer Jugend soll die Angeklagte, die unter Schutzauf­sicht einer vom Gericht noch zu bestimmenden Organisation ge­stellt werden soll, Strafaufschub erhalten. — Wegen Siegel- unb Pfandbruchs stand der früher in Fulda selbständige Kolonialwarenhändler N. vor Gericht. Er hatte mehrere bei ihm gepfändete Pakete Zigarren, Schokolade usw. geöffnet, die Waren verkauft und den Erlös nicht an den betreffenden Gläubiger bzw. den Gerichtsvollzieher abgeführt. Er wurde gestern zu 50 Mark Geldstrafe oder 10 Tagen Gefängnis ver­urteilt. — O e f f e n t l i ch e Beleidigung: Im Mai die­ses Jahres wurde in einer Tanner Wirtschaft ein Oberland- jägermeister von dem 64jährigen Klempner W. K. aus Tann ohne jeglichen Grund beschimpft und beleidigt. K. wurde dabei von dem 71jährigen Maurer I. E. aus Tann unterstützt. Beide waren leicht angetrunken, was ihnen in der gestrigen Ver­handlung strafmildernd zu Gute gehalten wurde. Strafverschär­fend aber fiel in Betracht, daß sie von dem Beamten in keiner Weise herausgesordert oder gereizt worden waren. Das Kleine Schöffengericht verurteilte den K. zu 50 Mark Geldstrafe oder 5 Tage Gefängnis, den E. zu 10 Mark Geldstrafe oder 1 Tag Gefängnis. Außerdem soll das Urteil im Gersfelder Kreis­blatt veröffentlicht werden. — Fahrlässige Körper­verletzung: Am 27. Mai wurde in der Unterführung vor Bronnzell der Maurer Sch., der mit seinem Fahrrad nach Fulda fuhr, von einem, von dem 29jährigen Kraftwagenführer W. H., aus Hünfeld, gesteuerten Lastauto angefahren, zu Boden ge­worfen und verletzt. Schuld an dem Unglücksfall hatte der Kraftwagenführer, der jene unübersichtliche Kurve „geschnitten" hatte. Er mürbe. gestern zu 30 Mark Geldstrafe und in die Kosten des Termins verurteilt. Eine Zivilklage des Veruu- ßlüfM Wirtz noch folgen, , ,