Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten.
Merkblatt für den 9. August.
Sonnenaufgang 4.35 Uhr, Sonnenuntergang 19.35 Uhr. — Mondaufgang 9.52 Uhr, Monduntergang 21.34 Uhr.
1839- Der Augenarzt Karl Theodor Herzog von Bayern geb. — 1890 ‘ Der Lustspieldichter Eduard von Vauernfeld in Ober- döblina gest — 1896: Der Flugtechniker Otto Lilienthal bei Rhinow gest. — 1919: Der Naturforscher Ernst Haeckel in Jena gest. __________
Wer «ach meiner Ueberzeugung seine Pflicht getan hat, darf sich am Ende, wenn ihn die Kräfte verlassen, nicht schämen abzutreten. S e u m e.
Wetterbericht.
Nachdem durch die nördliche Verlagerung des gestern bei England liegenden Wirbels die heitere und warme Witterung heute noch standhielt, hat sich über Westdeutschland die Wetterlage eines typischen Kaltlusteinbruchs ausgebildet. Noch heute nacht wird kältere Lust die an der Rückseite der langen, bis ins Mittelmeergebiet reichenden Tiefdruckfurche südostwärts strömt bei uns anlangen, und die warme Luft des Binnenlandes vielfach unter Gewitter verdrängen. Im Bereich der Kaltluft kommt es dann noch zu Schauern und nach starkem Barometeranfticg wieder zur Aufheiterung. Allerdings ist noch seine längere Beständigkeit des Wetters zu erwarten. — Vorhersage bis Donnerstag abend: Nach Gewittertätigkeit kühler und stark bewölkt, noch- Schauerneigung, später Aufheiterung, nach Nordwest drehende Winde. — Witterungsaussichten für Freitag: Zunächst wieder ziemlich heiter, aber noch kein beständiges Wdtter.
Regeln für den Verkehr mit der post.
Wenn das Publikum an den Postschaltern glatt und rasch abgefertigt werden will, so soll es die nachstehenden Regeln, die die Reichspost selbst zusammengestellt hat, beachten: 1. Wähle für deine Postgeschäfte möglichst nicht die Hauptverkehrsstunden. 2. Klebe auf alle freizumachenden Sendungen die Marken vor der Einlieferung aus. wozu du bei Briefsendungen, Postanweisungen und Zahlkarten verpflichtet bist. 3. Schreibe zu Wert- und Einschreibesendungen einen Einlieferungsschein (mit Tinte) vorher aus. 4. Halte das Geld abgezählt bereit, übergib größere Mengen Papier- oder Silbergeld stets geordnet. Lege bei gleichzeitiger Ein- oder Auszahlung von drei und mehr Postanweisungs- und Zahlkartenbeträgen sowie beim Einkauf von drei oder mehr verschiedenen Sorten •von Wertzeichen eine aufgerechnete Zusammenstellung der zu zahlenden Betrüge vor.
□ Durchgehender Personen- und Gepäckverkehr zwischer Reichspost und Reichsbahn. Die Benutzer des immer um-, sangreicher werdenden Kraftpostverkehrs, besonders aus dem Kreise der reisenden Kaufleute, bedauern cs, daß zwischen Reichspost und Reichsbahn noch fein durchgehender Personen- und Gcpäckabfertigungsdicnst besteht. Die Rcichsvereinigung der Reisenden hatte deshalb die Einführung eines solchen Dienstes angeregt. Aus einem der Reichsvereinigung zugegangenen Bescheid des Reichs- postminèsters geht hervor, „daß die Einführirng durchgehender Personen- und Gepäckabfertigung zwischen Eisenbahn und Kraftpost im Rahmen der neuerdings vereinbarten Zusammenarbeit zwischen Reichsbahn und Reichspost auf dem Gebiete des Kraftfahrwcsens zurzeit der Prüfung unterliegt. Die Einrichtung wird jedoch nur für solche Verkehrsbeziehungen in Betracht kommen, bei denen es sich nm einen Übergangsverkehr von Bedeutung handelt". Auf den Wunsch nach einer weiteren Verbilligung des Kraftpostverkehrs antwortet der Reichs- ^ostminister, „daß bei der fortschreitenden Verkehrsentwicklung eine Ermäßigung des Fahrgeldes von Fall zu Fall weiter vorgenommen werde. Die Wirtschaftlichkeit de- Kraftpostbetriebes für das Reichsgebiet im ganzen genommen dürfe allerdings dabei nicht untergraben werden".
* Fulda, den 8. August 1929.
Ferienschluß.
Die schönen Ferientage sind vorüber. Heute vormittag haben $he Fuldaer Schulen den Unterricht wieder ausgenommen. Erholt und von der Sonne, die es in den diesjährigen Ferien mit den Ferienkindern besonders gut meinte, tüchtig braungebrannt, sind die Fuldaer Mädels und Jungen heute morgen mit allerhand guten Vorsätzen wieder „an die Arbeit gegangen". Hoffen wir, daß diese guten Vorsätze recht lange über den Schulbeginn hinaus anhalten.
' Verkehrsunsall.
Gestern abend ereignete sich auf der Leipzigerstraße wieder ein Verkehrsunfall. Ein Motorradfahrer fuhr einen Mann, der mit einem Handwagen die Straße herunterkam, um. Mit schweren Veinoerletzungen mußte der Verunglückte in das Landeskrankenhaus gebracht worden.
33 Großfürsten flogen
um den Nachlaß des Zaren
Der Newyorker Rechtsanwalt Dudley Colear hat im Namen von 33 Großfürsten und Großfürstinnen, Mitgliedern der ehemaligen russischen Zarenfamilie Romanow und Rechtsnachfolgern des ermordeten Zaren Nikolaus IL, einen Aufruf an sämtliche Banken, Gesellschaften und Privatpersonen, denen etwas vom persönlichen Eigentum und Vermögen des Zaren bekannt ist, gerichtet, mit dem Ersuchen, den Rechtsnachfolgern zweckdienliche Angaben über den im Auslande befindlichen Nachlaß des Ermordeten zu machen. Die 33 russischen Großfürsten und Großfürstinnen, Die zerstreut in der Welt leben, behaupten, daß die Erbschaft des Zaren, die in ausländischen Banken deponiert sein soll, heute mit Zinsen anderthalb Milliarden Dollar, das sind sechs Milliarden Mark, betrage. Diese recht achtbare Summe soll man teils in der Alten, teils in der Neuen Welt zu suchen haben. Es ist auch ein Großfürst, der Testamentsvollstrecker werden möchte, zur Stelle: der Großfürst Sergej Romanow ist es. Er will das mysteriöse Zarenvermögen verwalten bis zu dem Tage, an dem es laut Spruch der amerikanischen Gerichte den rechtmäßigen Zarenerben ausgezahlt werden wird. Außer den 33 Großfürsten und Großfürstinnen ist da aber noch eine 34. Person, die das Geld haben will: dies ist jene weitberühmte Anastasia Tschaikowskaja, die sich für eine Tochter des toten Nikolaus ausgibt. Diese Anastasia will als Zarentochter die anderthalb Milliarden allein haben, so daß, wenn sie damit durchdringen sollte, die 33 Großfürsten und Großfürstinnen leer ausgehen würden. Und schließlich und endlich meldet sich, wie es heißt, noch eine dritte Seite: die Sowjetregierung erhebt Anspruch auf das Vermögen des ermordeten Zaren, als auf russisches Staatseigentum und soll bereits durch ihren amerika-- nischen Anwalt ihre Rechte geltend gemacht haben.
Zwangsversteigerung Nagler-Fulda.
Im Wege der Zwangsvollstreckung wurde gestern im Amtsgericht Fulda das auf den Namen des Kaufmanns Paul Adolf Nagler in Fulda eingetragene Grundstück Ohmstraße Nr. 14 versteigert. Rechte waren auf das Grundstück keine mehr vorhanden. Das geringste Gebot betrug 991,73 Mark. Das Höchstgebot mit 4650 Mark gab ab Kaufmann Robert Hecht in Vacha (Werra). Der Zufchla gsoll am 14. August erteilt werden.
Sieben Falschmünzer verhaftet.
In Kassel ist man lt. „V. Z." einer großen Falschmünzeraffäre auf die Spur gekommen. Nach langer Beobachtung sind durch die Kasseler Kriminalpolizei im Laufe der letzten Tage sieben Personen wegen Teilnahme an diesem Münzverbrechèn verhaftet worden. Es handelt sich um die Fabrikation von F-Markstücken, die den echten Münzen fast völlig gleich sind, da sie auch im Klang und Gewicht mit den echten übereinstimmen. In Wirklichkeit waren es Messingplättchen, die mit einer Zinkauflage versehen waren. Diese Auflage wurde durch Abdruck an echten 5-Markstllcken so genau, daß die Prägung vollkommen den Originalen entsprach. Das Haupt der' Münzverbrecher ist ein früherer Reichswehrsoldat.
Uffhausen (Kr. Fulda), 7. Aug. (Eine Scheune eingeäschert.) In der Scheune des Benedikt Post brach morgens Feuer aus, das die Scheune samt Inhalt in kurzer Zeit vollständig einäscherte. Auch das Wohnhaus wurde beschädigt. Die Entstehungsursache ist noch nicht festgestellt.
Bad Hersseld, 2. Aug. (Neue Mineralquelle in Bad Hers- feld.) Zu der vor 25 Jahren wiedergefundenen, von altersher bekannten Quelle in Bad Hersfeld, die nach dem Gründer der Stadt den Namen Lullusbrunnen führst ist vor kurzem eine neue Mineralquelle erbohrt worden. Während der Lullusbrunnen als Elaubersalzquelle in seinen wesentlichen Bestandteilen und deren Mengenverhältnissen mit dem Karlsbader Mühlbrunnen übereinstimmt, kann nach dem Ergebnis der Untersuchung der neu erbohrte Brunnen bis zu einem gewissen Grade mit dem Luitpold-Brunnen in Kissingen oder mit den Quellen in Baden-Baden und in Ems verglichen werden.
Hersfeld, 7. Aug. (Gesperrte Straßen.) Wegen Ausführung von Teerarbeiten wird die Hersfeld-Vachaer Straße vom Abzweig des Landwegs nach Malkomes bis Friedewald für die Zeit vom 9. bis 31. August für sämtlichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Malkomes, Schenklengsfeld und Motzfeld nach Friedewald und umgekehrt. — Die über die Hersfeld- Hünfelder Landstraße — Strecke zwischen Hersfeld und Oberhaun — verhängte Sperre ist wieder aufgehoben worden.
Eisenach, 7. Aug. (Die Rhönschnitzkunst lebt wieder auf.) Es sind Bestrebungen im Gange, die Rhönschnitzkunst, die früher der Rhönbevölkerung einen lohnenden Gewinn brachte, wieder dadurch zu beleben, daß die seither im Eisenacher Oberland bestehende Schnitzschule nach Eisenach verlegt und mit der Staatlichen Zeichenschule vereinigt werden soll, deren jetzt zum Professor ernannter Direktor Hermann Blechschmidt bereits mit der Förderung der Rhönschnitzkunst betraut worden ist.
Kassel, 6. Aug. (Wissenschaftlicher Fortbildungslehrgang über Sprachstörungen.) Im LandtagKsitzungssaal des Ständehauses in Kassel wurde vor einigen Tagen ein wissenschaftlicher Fortbildungslehrgang über Sprachstörungen von dem Facharzt für Sprachstörungen und beratendem Arzt an der Landestaubstummenanstalt in Homberg, Dr. med. Hoepfner-Kassel eröffnet. Neben den Vertretern der Staatsregierung, der Landes- Verwaltung und der Stadt Kassel konnte Dr. Hoepfner 130 Teilnehmer aus Deutschland, Oesterreich, Schweden und Holland begrüßen, die aus den Kreisen der interessierten Aerzteschaft, sowie der Hilfsschul-, Sprachheil- und Taubstummenlehrerschaft zusammengekommen waren, um an diesem Lehrgang teilzunehmen. Der Fortbildungslehrgang wurde unter Leitung Dr. Hoepfners mit einem Besuch der Hamberger Taubstummenanstalt und der mit ihr verbundenen Einrichtungen für Untersuchung und Behandlung sprachzurückgebliebener Kinder am Samstag abgeschlossen. Sprachstörungen können für gewöhnlich nicht ausbrechen, wie andere Krankheiten, sondern es handelt sich bei ihnen, vom Stottern abgesehen, um ein Zurückbleiben in der Sprachentwicklung, Das*nur als ein Teil allgemeiner Rückbeständigkeit bewertet werden muß. Das Ziel kann nur durch Schaffung eng verbundener Arbeitsgemeinschaften zwischen Spracharzt und Sprachheillehrern erreicht werden, in denen jeder sich seiner Begrenzung und Beschränkung bewußt ist.
Friedberg, 7. Aug. (Friedberger Schweinemarkt.) Zum heutigen Schweinemarkt waren insgesamt 658 Tiere angetrieben. Es wurden bezahlt für 6 Wochen alte Tiere 30—35 Mk., für 6—8 Wochen alte Tiere 35—40 Mark, für 8—12 Wochen alte Tiere 45—60 Mark. Das Geschäft war ziemlich flott, trotzdem verblieb aber etwas lleberstand.
* Nidda, 7. Aug. Den Besuch eines ehemaligen französischen Kriegsgefangenen erhielt vorige Woche ein Landwirt in Ranstadt. Der Franzose hatte auch seine Frau und seinen Bruder mitgebracht. Er ist auch Landwirt und zwar in Nordfrankreich, und hat während seiner Kriegsgefangenschaft dem Landwirt zu Ranstadt, der im Felde weilte, zur vollen Zufriedenheit die Feldarbeiten verrichtet. Im nächsten Jahre will er die Freundschaft weiter führen und seine Kinder nach Deutschland mitbringen.
* Essolderbach, 7. Aug. Heute morgen wurde hier an der Bahnstrecke nach Ranstadt ein 89jähriger Vahnangestellter an einem Baum erhängt aufgefunden. Was den Mann, der als ruhiger, zuverlässiger Beamter galt, in den Tod getrieben hat, konnte 'bis jetzt nicht ermittelt werden. Auch die gerichtlichen Ermittlungen" haben nichts ergeben.
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Luxushoiels für Damen.
Von C. W. S ch ö p k e.
- Die Frau spielt im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben der Neuen Welt eine hervorragende Rolle. Da das weibliche Geschlecht an dem amerikanischen Reichtum einen so großen Anteil hat, nimmt man dort auf seine Bedürfnisse viel mehr Rücksicht als bei uns. So gibt cs denn auch in jeder größeren Stadt Amerikas ein besonderes Damenhotel, zu dem Herren keinen Zutritt haben und das in seiner ganzen Einrichtung auf die besonderen Wünsche und Bequemlichkeiten der Frauenwelt zugeschnitten ist.
Verschiedene Riesenhotels, die beiden Geschlechtern offen stehen, haben doch wenigstens ein besonderes Stockwerk, in dem die Frauen unumschränkt herrschen, bieten den Damen eine eigene Bibliothek sowie Leferäume, in denen sie unter sich sind, Geschäftszimmer mit Telephonen, die sie allein benützen dürfen, und natürlich einen Schöu- Heitsfalon, den sie auch allein benützen dürfen. Die Frau, die auf das Zusammentreffen mit Dent anderen Geschlecht verzichten will, kann in einem solchen Hotel wohnen, ohne mit dem männlichen Publikum überhaupt in Berührung zu kommen.
N e w y o r k hat jetzt ein neues Luxushotel für Damen erhalten, Vas alle anderen Einrichtungen Dieser Art an Eleganz übertrifft und dabei nicht nur für Die Millionärinnen bestimmt ist, sondern auch Frauen mit kleinerem Beutel zur Verfügung steht. Man kann ja schon ein Zimmer für zehn Dollar Die Woche haben und sich aller der Vorteile erfreuen, die dieses moderne Damenhotel bietet. Es ist eine Vereinigung von Klub und Hotel, in erster Linie für die Mitglieder des „Newyorker Damenklubs" bestimmt. Das Gebäude umschließt einen Hof, der durch Springbrunnen und Blumenbeete in einen Garten verwandelt ist. Durch die 28 Stockwerke, inner«
Schlüchtern, 6. Aug. (Rückgängig gemachte JndustrieM- sicdlung.) Die Frankfurter Schuhfabrik „Golo" hatte beabsichtigt, in einem leerstehenden Fabrikanwesen in Sterbfritz einen Fabrikationsbelrieb zu eröffnen. Für diesen Zweck war vom Kreistag der Firma ein Darlehen von 100 000 Mark bewilligt worden, mit dem der Ausbau der Fabrikationsräumlichkeiten durchgeführt werden sollte. Die Schuhfabrik „Golo" hat nunmehr ihren Plan fallen gelassen und wird ihren Betrieb weiter in Frankfurt fortführen.
Gelnhausen, 7. Aug. (Inbetriebnahme der Gasleitung in Gelnhausen.) Nachdem am Montag morgen gegen 9% Uhr die Gaslieferung von Hanau einsetzte,'wurde im Laufe des Nachmittags der Druck reguliert und das Gas in das Ortsnetz geleitet. In den Spätnachmittagsstunden war dann in der ganzen Leitung reines Gas, so daß mit den Kelleranschlüssen begonnen werden konnte. Es sollen jetzt täglich 50 bis 60 Häuser angeschlossen werden, so daß die gesamte Stadt innerhalb acht bis zehn Tagen mit Gas versorgt sein wird.
Frankfurt a. M., 7. Aug. (Eine Bulldogge für Frankfurt als Zeppelin-Passagier.) Auf seinem Rückflug von Amerika führt das Luftschiff „Graf Zeppelin" eine junge Bulldogge im Werte von 1000 Dollar mit, die ein Herr Trier in Newyork an Herrn Edward Wertheimer-Dibarry in Frankfurt a. M. zum Versand gebracht hat.
Darmstadt, 6. Aug. (Die Arbeitsgemeinschaft der hessischen Kreditgenossenschaften.) Die Arbeitsgemeinschaft der hessischen Kreditgenossenschaften (Richtung Schultze-Dolitzsch) veröffentlicht soeben die Bilanzzifscrn per 30. Juni 1929. Während die Bilanzsumme nur geringfügig auf 71,1 Millionen Mark gestiegen ist, zeigt das Gesamtbild gegenüber der Aprilbilanz eine merkliche Entspannung des Status. Der durch die Restriktions der Reichsbank auf die Wirtschaft ausgeübte Druck zur Einschränkung des Kreditvolumens hat sich auch bei den genossenschaftlichen Volksbanken ausgewirkt. Die Gesamtkredite gingen um % Millionen, die Giroverbindlichkeiten sogar um 1,1 Millionen zurück. Da gleichzeitig seitens der Kundschaft neue Gelder eingelegt wurden, allerdings etwa 75 Prozent davon kurzfristig, so konnten die flüssigen Gelder weiter gestärkt und bestehende Bankverpflichtungen teilweise vermindert werden. Von den täglich fälligen Verbindlichkeiten waren am Stichtag stark 60 Prozent in flüssigen Mitteln angelegt; die Liquidität ist also als ausreichend zu bezeichnen. Die Spareinlagen stellten mit rund 38 Millionen Reichsmark über die Hälfte des Betriebskapitals dar. Das Eigenkapital betrug über 11 Millionen Reichsmark. An Krediten waren einschließlich der Wechselkredite am 30. Juni 1929 insgesamt 66% Millionen Reichsmark gegeben, ein für die hessische Wirtschaft recht ansehnlicher Betrag.
Darmstadft 6. Aug. (Zum Tode des Fliegers Hermann Hoffmann.) Diplomingenieur Hermann Hoffmann (nicht Offermann, wie es in der ersten Meldung heißt), der bei den internationalen Flugveranstaltungen in Hrly bei Paris ein so jähes Ende gefunden hat, war in Darmstadt und darüber hinaus kein Unbekannter. Er gehörte seit 1922 der akademischen Fliegergruppe als Mitbegründer an, der er auch während seines ganzen Hochschulstudiums die Treue gehalten hat. Er beteiligte sich immer wieder an Wettbewerben dieser Gruppe öder an größeren internationalen Veranstaltungen. Bekannter ist er noch als Flugzeugkonstrukteur geworden. Das Segelflugzeug des ostpreußischen Lehrers Ferdinand Schulz, die „Westpreutzen", auf der der Genannte feinen Weltrekord erlangte, oder das nun abgestürzte Flugzeug „Arndo Warnemünde", wie auch das bekannte Leichtflugzeug der Firma Gebrüder Müller in Griesheim sind Erfolge seiner Konsttuktionstechnik. Nach erfolgreicher Tätigkeit bei genannter Firma wurde Hoffmann als Sachverständiger in den Deutschen Luftfahrtverband nach Berlin berufen, wo er ebenfalls durch sein unermüdliches Schaffen sowohl auf technischem wie auf organisatorischem Gebiet sich ausgezeichnet hat. Die akademische Fliegergruppe Darmstadt betrauert in dem Heimgegangenen einen ihrer besten Flieger, und die Stadt Darmstadt wird dessen gedenken, der ihren Namen weit in den Kreisen des internationalen Luftsports bekannt gemacht hat.
Alzey, 5. Aug. (Tempelausgrabungen in Alzey.) Bei Nachgrabungen nach der St. Seorgenfird^ stieß der bekannte Mainzer Archäologe Professor Dr. Behn auf die Fundamente eines mächtigen Bauwerks mit zahlreichen Götterbildern und Altären. Es handelt sich nach einer vorzüglich erhaltenen Inschrift um einen um 175 n. Chr. gestifteten Tempel des Apollo Grannus. Grannus war ein keltischer Heilgott, der hier in der Gestalt des Apollo erscheint und auch sonst auf verschiedenen Bildern vor kommt. Ein Altar der Nymphen und andere ältere Funde gehören zu den schönsten, die auf dem klassischen Boden während der Römerzeit eine Heilquelle besaß. Professor Behn glaubt auch, gewisse Anklänge bei diesen Funden auf die späteren Besitzer Alzeys, die Burgunden, und vielleicht auch des bekannten Sängers aus den Nibelungen, Volkers von Alzey entdeckt bzw. gewisse Beziehungen der Burgunden zu den Römern festgestellt zu haben. Die von Prof. Behn gemachten Funde gehören zu den schönsten, die au fdem klassischen Boden der Stadt Alzey das Tageslicht erblickten.
Rüsselsheim, 4. Aug. (Gräberfunde in Rüsselsheim.) In einer zwischen Rüsselsheim und Trebur gelegenen Sandgrube wurden lleberreste einer Wohngrube aus der Steinzeit, ein Hockergrab und verschiedene Gegenstände aus der Römerzeit gefunden.
Bingerbrück, 6. Aug. (Ein einträglicher Vettler-„Posten") Auf der Eisenbahnbrücke wurde am Samstag ein Invalide aus Alzey angetroffen, der innerhalb einer Stunde über 10 Mark „verdient" hatte. Der Invalide, der schon wegen Bettelns vorbestraft ist, bezieht eine monatliche Rente von 183 Mark! Der Mann ist unverheiratet. Interessant ist weiterhin, daß dieser Bettler Posten ausgestellt hat, die er bezahlt und die von ihm beauftragt sind, ihn jedesmal von dem Erscheinen der Polizei in Kenntnis zu setzen. 20 Mark pro Tag ist die Durchschnittseinnahme dieses raffinierten Bettlers.
halb deren sich noch andere Gartenanlagen befinden, fährt man empor zu einem Dachgarten. Das Damenhotel besitzt eine Schwimmanstalt mit einem 60 Fuß langem Bassin, ein Stadion, in dem alle nur erdenklichen Vorrichtungen für körperliche Übungen vorhanden sind, außerdem natürlich Tennisplätze usw. Mehrere Tanz- institute haben sich niedergelassen, in deren Sälen Unter-, richt im Volks-, Gesellschafts- und Kunsttanz erteilt wird. * Natürlich ist auch ein großer S ch ö n h e i t s s a l o n da, an den sich zahlreiche Ankleideräume anschließen. Die Festsäle sind mit besonderer Pracht ausgestattet und eine Dame, die hier eine Damengesellschaft vereinigen will, hat die Auswahl zwischen einem „nordafrikanischen", einem „indischen" und einem „modernen" Saal. Daß die Gastzimmer mit Badeeinrichtungen und allem Komfort ausgestattet sind, versteht sich von selbst. Es gibt auch „Ruhe- räume", tu denen Damen, die nicht die Nacht im Hotel verbringen wollen, sich erholen können; ihnen stehen auch die Geschäftszimmer zur Erledigung ihrer Arbeiten und die Ankleideräume für die Toilette zur Verfügung. -
Weti und Wissen
w. Artur Bersons 70. Geburtstag. Professor Dr. Artu^, Berson, eine der führenden Persönlichkeiten aus den Anfänge«« der Luftfahrt, feierte am 6. August seinen 70. Geburtstag. Sein Name ist für alle Zeiten verknüpft mir einer der größten Leistungen auf dein Gebiete der Freiballonfahrt. Im Fahre 1901 unternahm Berson mit seinem Fachkollegcn Professor Sürtng mit dem Freiballon „Preußen" eine Fahrt, bei Der er eine Höhe von 10 800 Metern erreichte, ein Rekord, der ihm bisher nichl hat streitig gemacht werden können. Es handel'^ sich bei diesem Aufstieg nicht um eine sportliche Leistung, som. dern um den Versuch zur Ergründung der Strömunqsvèrhält- >ässe in den hohen Luftschichten. Der Korb des Freiballons in dem Berson den Höhenrekord aufstellte, befindet sich jetzt ü» Deutschen Museum in München.