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* Fulda, bett 5. August 1929.

Zwei veranstaltungsreiche Tage.

^n Fulda war vorgestern und gestern allerhand los . Vom herrlichsten Sommerwetter begünstigt, nahmen zahlreiche Vereins- und sonstige Veranstaltungen bei durchweg reger Be­teiligung einen glänzenden Verlauf. A>n «Samstag abend wurde das Stiftungsfest des 1 Fuldaer Athle­tik-SportvereinsV i k t o r i a 08 e. V. durch einen Fackelzug und einen Begrüßungsabend auf dem Festplatz in Neuenberg eingeleitet. Im großen Stadtsaal veremlgten sich zahlreiche ehemalige Fuldaer Artilleristen anläßlich der 30. Wiederkehr des Gründungstages des ehemaligen 4, er Feld- artillerie-Regiments zu einer W i e de r s ^ de n s f et e r. ^m 2 Hof des Stadtschlosses fand die Fuldaer Tagung be_>N e u = Deutschland-Bundes" mit der Aufführung e-nes geist- lichen Spiels und einer das Spiel abschließenden Andacht im ^m^aeftrtaen'Sonntag fanden verschiedene weitere Ver­anstaltungen^ aus Anlaß der Wiedersehensfeier der 47er statt. Eine solch ungeheuere Menschenansammlung, rote bei der Parade der alten Soldaten hat der Fuldaer Domplatz wohl sel­ten gesehen. Der vorstadtische B u r g e r v e r e i n (Türkenbund) weihte gestern vormittag in einer erhebenden Feier in seinem Vereinslokal eine Gedenktafel für die gefalle­nen Vereinsangehörigen ein. Mittags nahm das Stiftungs­fest der Viktoria" mit einem Festzug und der üblichen Volks­belustigung aus dem Festplatz seinen Fortgang. Im Garten desDeutschen Kaiser" feierte die Krieger kamer ad- schaft ihr Sommerfest. Im katholischen Gesellenhaus tagte der 4. Verbandstag des Verband s k a th oli s ch er Taub­stummen Deutschlands. Ein herrliches Feuerwerk, rote wir cs in Fulda gleich schön und vielgestaltig seit Jahren nicht ge­sehen haben, "bildete einen farbenreichen Abschluß des gestrigen veranstaltungsreichcn Sonntags. , ____

Weihe einer Gedenktafel des Türkenbundes.

Die Mitglieder des Vorstädtischen Bürgervereins (Türken­bund) versammelten sich gestern vormittag nach einem Gedächt­nisgottesdienst in der Severikirche im Saale ihres Vereins­lokals um dort in einer schlichten Feierstunde eine Ehrentafel zum Andenken an die gefallenen Vereinsangehörigen zu weihen. Nach den Klängen eines Trauermarsches und dem Vortrag des vom Gutenberg-Quartett gesungenen LiedesSelig sind die Toten", hielt Herr Joh. Schell die Gedächtnisrede, in der er der großen Zahl deutscher Männer und Jünglinge gedachte, die in dem ungeheuren Geschehen des Weltkriegs ihr Herzblut für das Vaterland hingeben mußten. Auch der Vorstädtische Vllrgeroerein habe den Verlust von 8 lieben Bereinsangehörigen zu beklagen, zu deren Ehrung heute eine schlichte Gedenktafel eingeweiht werden solle. Das Andenken der toten Helden werde immer im Vorstädtischen Vllrgerverein in hohen Ehren gehalten werden. Nach der Enthüllung der Gedenktafel sang das Gutenberg-Quartett das immer wieder tief zu Herzen gehende Lied vom guten Kameraden. Dann übernahm der 1. Vorsitzende des Vereins die Tafel in den Schutz des Vereins. Mit einem Musikvortrag fand die ernste und erhebende Feier ihr Ende.

In der aus Eichenholz geschnitzten Tafel ist eine Glasplatte eingelassen, auf der die Namen der 8 gefallenen Vereinsmitglie­der eingebrannt sind.

Bewußtlos aufgefunden.

Heute nacht gegen 1.15 Uhr wurde in der Kastanienallee ein Musiker aus Horas mit einer stark blutenden Kopfwunde bewußtlos aufgefunden. Der Verunglückte, der mit seinem Fahrrad die Kastanienallee heruntergefahren ist, ist vermutlich von einem Personenauto angefahren und umgeworfen worden. Der Verletzte wurde in ärztliche Behandlung gebracht.

* Dietershan, 5. Aug. (Schwerer Verkehrsunfall.) Gestern ereignete sich hier ein schwerer Verkehrsunfall. Ein Motor­radfahrer stieß mit einer entgegenkommenden Radlerin zusam­men. Beide wurden sehr schwer verletzt. Der Motorradfahrer erlitt einen doppelten Schädelbruch, die Radfahrerin einen doppelten Beinbruch. Die Schwerverletzten wurden von der Fuldaer Sanitätskolonne in das Landeskrankenhaus gebracht.

Laubach, 3. August. (Ein Todesopfer des Autobusunglücks bei Gonterskirchen.) Zu dem schweren Autounglück bei Gon­terskirchen, über das wir vor einigen Tagen berichteten, und bei dem 23 Personen durch das umstürzende Auto verunglück­ten, ist heute noch zu berichten, daß einer der am schwersten ver­letzten Fahrgäste, der Weißbindermeister Friedrich Spuck, am Freitag im Laubacher Krankenhaus seinen schweren Verletzun­gen erlegen ist. Der bedauernswerte Mann hatte zwei schwere Schädelbrüche bei dem Unglücksfall davongetragen. Gegenwär- .ig liegen noch zwei Personen in bedenklichem Zustande im Krankenhaus darnieder. Die übrigen sind außer Gefahr.

Gelnhausen, 4. August. (Einbruch in eine Gelnhäuser Villa.) In der Nacht auf Samstag wurde in einer Villa des Herzbach­weges eingebrochen. Der Täter nahm seinen Weg durch das Fenster der Speisekammer, dessen Drahigitter er durchschnitt. Als die Frau durch die verdächtigen Geräusche erwachte und ihnen nachging, sah sie nur noch eine Gestalt durch das Fenster entfliehen. Eine gan^c Menge Silbersachen, Schuhe und son­stige Gebrauchsgegenstände hatte der Dieb, zur Mitnahme auf der Fensterbank bere'itgestellt, die er, als Gefahr drohte, mit seinem Fahrrad, das er vor bem Hause abge stellt hatte, zurück­lassen mußte. Man hofft, durch die gefundenen Spuren des Täters habhaft zu werden.

Frankfurt a. M., 3. August. (Der Zusammenbruch der Frankfurter Bauhütte. Das Reichsgericht zu den Aufgaben der Handwerkskammern.) Wie seinerzeit berichtet wurde, hat das Reichsgericht die Schadenersatzklage der Bauhütte Frank­furt a. M., E, m. b. H., gegen die Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden abgewiesen. Sie ging auf Ver­öffentlichungen der Handwerkskammer in der Frankfurter Tagcs- presse zurück, die sich mit der Beteiligung der Stadt an dem zah­lungsunfähig gewordenen Unternehmen befaßten und darin gipfelten, daß der Zusammenbruch bei Bauhütte für die Stadt eine Lehre bedeute, die sie veranlassen sollte, ihre Betätigung an gemeinwirtschaftlichen Betrieben, die außerhalb ihres Aufgaben­bereichs lägen, gründlich zu revidieren. Entgegen der Auffas­sung der Bauhütte hat das Reichsgericht in diesen Veröffent­lichungen keine Uebetschreitungen der Befugnisse der Handwerks- kaminer erblickt. In seinen Ebtfcheidungsgründen führt der erkennende VI. Zivilsenat folgendes über die Aufgaben der Handwerkskammern aus: In Uebereinstimmung mit dem Land- fteri^t hat das Berufungsgericht des von der Klägerin durch die Art ihrer Geschäftsführung betätigten Wirtschaftsstand­punktes einen Verstoß gegen die guten Sitten nicht erblickt, und (war auch unter Berücksichtigung des Umstandes, daß die Klä- aeri selbst als Angehörige des Handwerks Beiträge zur £mnb= lamm er zahlt. Dieser liegt nach dem Gesetz die Aufgabe e Interessen des Handwerks zu vertreten. "Erschienen ihr >n der Bauhütte vertretenen und durch die Art ihrer Ge- Uihrung betätigten wirtschaftlichen Anschauungen als den

«reffen des gesamten Handwerks zuwiderlaufend, so hielt sie -i, im Rahmen des ihr gesetzlich zugewiesenen Aufgabenkreises wenn sie diese wirtschatslichen Anschauungen bekämpfte, und zu erreichen suchte, daß die Stadt Frankfurt a. M. sich nicht in grö­ßerem Umfange, als bisher geschehen, an dem geschäftlichen Un­ternehmen der Klägerin beteiligte und damit nach ihrer Ansicht die Gesamtinterelsen des Handwerks schädigte. Daran wurde auch nichts durch den Umstand geändert, daß die Klägerin ihrer- leits Beiträge für die beklagte HandmerrsLammer zu leisten 'litte. Denn die Vertretung der Jntereffrn des gesamten Hand- aerks kann es auch unter Umständen notwendig Machen, Wirt- laftserscheinungen zu bekämpfen die in den eigenen, dem »andwerk selbst angehörigen Kreisen sich imch Ansicht der Hand­werkskammer als schädlich erweisen.

M.^?" >"-1 "' ^' 3. Aug. (Arbeitszeitkündigung in der des Rhein-Mainischen Wirtschaftsgebietes.) Der t-ynstliche und der Freie Metallarbeiterverband haben die Ar- "" Kollektivabkommen für die Wirtschaftsgebiete festgelegt war, auf den

Mi âusust 1929 gekündigt. Durch die Kündigung soll eine Ver- bi^iV0 L^raetttgen Arbeitszeit erreicht werden. Nach den ven0rtt Abmachungen konnten die Arbeitgeber ohne das Eig-

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Die Wiedersehensfeier der ehemaligen 47er.

* Fulda, den 5. August 1929.

Fahnen flatterten in den Straßen Fuldas. Sie grüßten die alten Soldaten, die zur Wiedersehensfeier anläßlich des 30. Gründungstags des 2. Kurhessischen Artillerie-Regiments Nr. 47 von fern und nah in ihre ehemalige Earnisonstadt ge­eilt waren. Sie riefen den ehemaligen 47ern einHerzlich willkommen in Fulda" zu, und ihr Rauschen erzählte von der Treue und Anhänglichkeit, die die Fuldaer Bevölkerung ihrem ehemaligen stolzen Regiment bewahrt.

Einer recht stattlichen Zahl alter Fuldaer Artilleristen konn­ten die wehenden Fahnen ihr herzliches Willkommen entbieten, denn zu vielen Hunderten waren die Ehemaligen erschienen, um mit treuen lieben Kameraden ein Wiedersehen zu feiern. Bereits zum

Festkommers

am Samstag abend war der große Stadtsaal dicht besetzt. Frohe Begrüßungsrufe schallten durch den weiten Raum, im­mer und immer wieder beschloß herzliches Händeschütteln ein freudiges Wiedererkennen und Wiederfinden. Namens der Fuldaer Ortsgruppe der ehemaligen 47er begrüßte Sparkassen­inspektor Siebert- Fulda die Kameraden in der alten Garnisonstadt. Sein besonderer Willkommensgruß galt den Vertretern der Behörden, Herrn Landrat Freiherrn v. Gagern, Herrn Stadtbaurat Eberlein, Herrn Justizrat Dr. Pfeiffer (als Vorsitzenden des Kreiskriegerverbands) und den Ange­hörigen der Traditionsbatterie. Wdnn immer Fulda zu einer Wiedersehensfeier gerufen habe, dann seien die alten Kame­raden zahlreich diesem Ruf gefolgt. Auch heute sei es wieder so, und erneut zeige es sich, daß die ehemaligen 47er mit ihrer alten Earnisonstadt sich noch fest und treu verwachsen fühlten. Herr Siebert dankte der Stadt Fulda und ihrer Bevölkerung für alles Entgegenkommen, das sie dem 47er Feldartillerie­regiment in 15 schönen Friedens- und 5 schweren Kriegsjahren erwiesen haben, und brachte ein begeistert aufgenömmenes Hoch auf das gastfreundliche Fulda aus.

Herr Stadtbaurat E b e r l e i n , der namens der Stadt Fulda der Versammlung ein herzliches Willkommen entbot, betonte ebenfalls das gute Einvernehmen zwischen den 47ern und der Stadt Fulda, das trotz der kurzen Geschichte des Regi­ments zu den herzlichsten und engsten Beziehungen geführt habe. Fulda sei immer stolz auf sein Regiment gewesen und habe die Auflösung des Regiments tief bedauert. Immer werde die Stadt Fulda das Andenken an die ruhmreichen Taten der 47er und das Gedächtnis an die gefallenen Regi­mentsangehörigen treu bewahren. Die Stadt Fulda glaube ihre Anhänglichkeit an ihr altes Regiment am besten dadurch zeigen zu können, daß sie die guten Beziehungen zu den 47ern auf die Fuldaer Angehörigen der jungen Reichswehr, auf das 5. Artillerie-Regiment übertrage. Herr Stadtbaurat Eberlein überbrachte dann die besonderen Grüße des durch Krankheit am persönlichen Erscheinen verhinderten Herrn Oberbürgermeisters Dr. Antoni, der durch seinen als 47er gefallenen Sohn beson­ders eng mit dem alten Fuldaer Artillerieregiment sich ver­bunden fühle und der ihn beauftragt habe, allen Teilnehmern an der Wiedersehensfeier einHerzlich willkommen in Fulda" zuzurufen.

Der langjährige Feldz/ugskommandeur, Herr General S a m w e r , feierte dann mit herzlichen Worten die Kame­radschaft, die das Schönste und Größte des ganzen Solda­tenlebens sei. Kameradschaft sei ein Wort, bei dessen Hören sofort frohe und ernste Bilder in uns nufsteigen, Bilder aus froher Jugendzeit, Bilder von Kampf und Not und Entbeh-' rung. In dem Begriff Kameradschaft liege etwas Starkes, Männliches, er umschließe d i e echte Treue, die sich völlig selbstlos gebe. Aus dem Wort Kame­radschaft klinge etwas von der Wehmut auf, die aus dem Liede vom guten Kameraden spricht:Kann dir die Hand nicht reichen, derweil ich eben lad', bleib du im ew'gen Leben mein guter Kamerad." General Samwer gedachte bann der ge= fallenen 47er, deren Namen mit ehernen Griffeln in das Denkmal des Regiments eingetragen..seien, und gelobte für alle ehemaligen Regimentsangehörigen, das Andenken an die gefallenen Kameraden stets in hohen Ehren zu halten. Der Redner wandte sich dann der ruhmreichen Geschichte des F. A. 47 zu, erinnerte an die Ehrentage des Regiments im großen Kriege und gedachte der vorbildlichen Waffenbrüder­schaft zwischen Offizieren und Mannschaften. Der gute, echte Soldatengeist, der immer im F. A. 47 gewaltet habe, müsse auch in der Gegenwart weitergepflegt werden, denn nur durch die alten soldatischen Tugenden: Wehrhaftigkeit, Mannhaftig­keit und Pflichttreue könne das deutsche Vaterland wieder aus seiner Notlage herauskommen. Die alten Soldaten, die den Krieg erlebt haben, wollten ganz gewiß keinen Krieg wieder, sie wollten aber auch keinen Frieden um jeden Preis. Trotz der trüben Gegenwart dürfe man nicht verzweifeln, vielmehr gelte es, fest an die Zukunft des Vaterlandes zu glauben. General Samwer schloß seine Rede mit einem dreifachen Hurra" auf das deutsche Vaterland.

Der Chef der Traditionsbatterie (3. Batterie 5. Art.-Reg.), Herr Hauptmann von Calm. gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Traditionsbatterie wieder einmal mit so zahlreichen lieben alten Kameraden einige Stunden zusammen verleben dürfe. Die Traditionsbatterie sei eng mit dem alten 47er Feldartillerieregiment verbunden, sie sei vor allem bestrebt, es den alten Kameraden an Vaterlandsliebe, an Aufopferung und Hingabe gleichzutun. In der Hoffnung auf eine weitere Festigung der herzlichen Beziehungen zu der Vereinigung ehe­maliger 47er brachte er mit den anwesenden Angehörigen der Traditionsbatterie ein Hoch auf die alten Kameraden aus.

Nach dem offiziellen Teil des Abends blieben die alten Soldaten noch viele Stunden beim Austausch lieber Erinne­rungen beisammen. Die wackere Fuldaer Reichswehrkapelle ließ flotte. Marsche hören, alte Soldatenlieder erklangen, und bei echtem Soldatenfrohsinn vergingen die schönen Stunden nur allznrasch.

Am Sonntag vormittag fand bei schönstem Sommerwetter unter riesiger Anteilnahme der Fuldaer Bevölkerung

die Gedächtnisfeier für die Gefallenen des Regiments

am 47or-Denkmal in den Anlagen am Frauenberg statt. Nach dem einleitenden Niederländischen Dankgebet sprachen die Ver­treter der drei Konfessionen tiefempfundene Gedächtnisworte. Herr Kreispfarr er Weber bezeichnete diese Gedächtnis­feier nicht als eine Stunde des Klagens und Jammerns, sondern als eine Feierstunde männlichen Trauerns um die gefallenen Brüder. In dieser Stunde stehe die ernste Frage nach der Frucht ihres Opfers vor unserem Gewissen. Erft bei der Beantwor­

Verständnis der gesetzlichen Betriebsvcrtretung die Arbeitszeit auf 51 Stunden in ber Woche (zu je sechs Arbeitstagen) verlän­gern. Trotzdem die Arlniitslosigkeit gerade unter den Metall­arbeitern des Rhein-Mainischen Wirtschaftsgebietes groß ist, wurde von der Möglichkeit der Verlängerung fast durchweg Ge­brauch gemacht. Unter die Kündigung fallen rund 40 000 Metall­arbeiter.

Frankfurt a. M., 4. Aug. (Zwei Demonstrationen in Frank­furt.) Am Samstag abend demonstrierten die Sozialdemokraten im Berein mit dem Reichsbanner am Opferdenkmal gegen den Krieg und für den Frieden. Die Beteiligung war so stark, daß der Verkehr umgeleitet werden mutzte. Der Wiener 9iatiomil= rat Max Winter hielt eine Ansprache, die mit dem GelöbnisNie wieder Krieg schloß. Die Feier endete mit einem Sprechchor und Trauergesängen eines gemischten Chors. Zu gleicher Zeit veranstalteten die Kommunisten eine Protestdemonstration auf dem Römerberg gegen die Pol izeimaßnahmen vom Donners­tag abend. Die Polizei hatte umfangreiche Vorkehrungen ge­troffen. daß die sich an beide Kundgebungen anschließenden Umzüge nicht berührten. Dank dieser Maßnahmen ist es zu keinerlei Zwischenfällen gekommen.

Darmstadt, 3. Aug. (Nehring und Hoffmann nach Paris gestartet.) Die Flieger Nehring und Hoffmann sind am Frei­tag mit zwei Sportflugzeugen nach Paris gestartet, um an dem dort am 7. August beginnenden internationalen Europarund­slug teilzunehmen,

tung ihrer Frage:Was ist aus unserer Heimat geworden, suv die wir gefallen sind?" komme das tiefste Trauern über jeden echten deutschen Mann. Und doch sei das oft gehörte:Sie sind umsonst, sie sind vergeblich gefallen"' ein unberechtigtes Wort, ein Wort, das verbittere. das uns zerfallen lasse mit uns selbst, mit unserem Herrgott, mit unserem Schicksal. Das Sterben der Gefallenen sei nicht umsonst gewesen, noch immer habe sich Deutschland aus schwerem Leid zu neuem, leuchtendem Aufstieg emporraffen können. An Gott und am Vaterland dürfe man nicht verzweifeln. Die Geister der Gefallenen rufen uns in dieser Stunde zu:Wie heißen Euch hoffen und glauben an die deutsche Zukunft!" Erforderlich aber sei, daß wir voll und ganz deutsch fühlen und deutsch handeln, daß wir treu sind unserem Gott, treu unseren Brüdern, daß wir einander die Hände reichen über allen Partei-, Standes- und Kon­fessionshader hinweg. Wir wollen in dieser Feierstunde geloben, so zu handeln und zu wirken, damit uns ein neues, schönes, sitt­lich verjüngtes Land deutscher Einigkeit und Freiheit werde.

Der katholische Militärgeistliche, Franziskanerpater Quintian Weber, führte in seiner Ansprache aus, daß kameradschaftliche Treue die Teilnehmer dieser Feierstunde zu- sammengefUhrt habe und der Gedanke, daß die Toten nicht vergessen werden dürfen an dem Tage, an dem sich die Leben­den begrüßen. Unsere Herzen und Ohren mussten heute weit geöffnet sein für die Mahnungen, die aus den Grabsteinen der Toten klingen. Diese Grabsteine seien Wahrzeichen der Einnerung, der Ehre und der Einigkeit. Der Erinnerung, denn sie mahnten zu pietätvollem Gedenken der Toten, sie mahnten zu tatkräftiger Hilfe für stie lebenden Opfer des Krieges. Sie seien ein Aufruf zur Erfüllung der großen sitt­lichen Pflicht, mitzuhelfen an der Ueberwindung des Krieges, mitzuhelfen, daß nicht noch einmal ein so furchtbares Geschehen über uns komme. Das Denkmal sei weiter ein Wahrzeichen der Ehre: Alles dürfe ein Volk verlieren, nur seine Ehre nicht. Eines Volkes Ehre aber bestehe nicht allein aus kriegerischen Lorbeeren. Sich selbst besiegen sei der schönste Sieg, darum sei dieses Denkmal vor allem auch ein steinerner Prostest gegen die unzähligen inneren Feinde unseres Volkes, ein Protest gegen alle Kriegsverrohung, gegen alles Niedrige und Gemeine. Zum dritten sei das Erinnerungsmal ein Wahrzeichen der Einigkeit : Wir seien alle Glieder eines ^Volkes, Kinder eines Vaterlandes. Wie diese Feierstunde Jung und Alt, alle Stände und Berufe, alle Konfessionen einheitlich vereinigt habe, wie der Krieg alle Unterschiede überbrückte, so müsse auch die heutige Not unseres Volkes uns zusammenführen zum ge­meinschaftlichen Wiederaufbau unseres Balerlandes.

Auch Rabbiner Dr. Kahn, der leider nur einer be­schränkten Anzahl, der Teilnehmer an der Gedächtnisfeier ver­ständlich war, mahnte zu Einigkeit und festem Zusammenstehon, zu treuer Kameradschaft, zu Pflichtbewußtsein und Vaterlands­liebe.

Rach den Geistlichen erinnerte Herr Generalleutnant Exz. Landauer an die Tage vor 15 Jahren, an denen das Regiment hinaus ins Feld zog. Draußen habe es sich in schweren Schlachten seine Tradition erkämpft, und ruhmbedeckt sei es in die Heimatgarnison zurückgekehrt. Exz. Landauer wandte sich dann entschieden gegen gewisse Erzeugnisse der Kriegsliteratur, in denen nur die negativen, die unerfreulichen Seiten des Kriegsgeschehens geschildert würden. Diese Art Kriegsdichtun­gen müßten als eine Schmähung des alten Heeres, als eine Schändung der Toten betrachtet werden, von diesen Kriegs­büchern müsse man sich mit Ekel und Abscheu abwenden.

Nach dem Gesang des Deutschlandliedes^wurden einige Kränze am Denkmal niedergelegt. Mit dem Gesang des Liedes vom guten Kameraden fand die Feier ihr Ende.

Welche Anteilnahme die Fuldaer Bevölkerung an der Wic- dersehensfeier der ehemaligen 47er Feldartilleristen nahm, zeigte sich- am besten bei der

Parade auf dem Domplatz.

Zu Tausenden umstanden die Fuldaer und Fuldaerinnen den weiten Platz, als die alten 47er dort zur Parade antraten. Herr Oberstleutnant Holtz, der letzte Kommandeur des 2, Kurhessischen Feldartillerieregiments Nr. 47, erinnerte in einer kurzen Ansprache an den 26. November 1918, an den Tag, an dem das Regiment aus dem Weltkrieg in seine Garnisonstadt zurückkehrte. Unvergeßlich seien allen Teilnehmern an dieser Heimkehr die tiefbewegten Worte geblieben, die damals Herr Oberbürgermeister Dr., Antoni an das heimkehrende Regiment gerichtet habe. Wie damals, wollen auch heute wieder die ehe­maligen 47er geloben, treu mitzuarbeiten am Wiederaufbau und fest zusammenzustehen mit der Fuldaer Bürgerschaft und der Traditionsbatterie. Zur Bekräftigung dieses Gelöbnipes brauste ein dreifachesHurra" auf die Stadt Fulda und die Traditions­batterie über den Platz.

Dann. traten die alten Soldaten zum Vorbeimarsch vor Exz. Landauer an. Wie flogen bei den Klängen des Parademarsches die alten Knochen, wie zuckten die Köpfe nach rechts, wie reckten sich die Gestalten der teilweise schon ergrauten Männer. Stramm und schneidig zogen die einzelnen Züge an der alten Exzellenz vorüber.

Für den Nachmittag hatte die Traditionsbatterie zu

reiterlichen und sportlichen Vorführungen im Kasernenhof eingeladen, zu denen sich eine sehr.zahlreiche Zuschauerschaft ein­gefunden Hatte, denen die Traditionsbatterie wirklich ausgezeich­nete Vorführungen bot: Nach exakt ausgeführten Freiübungen wurden 10 prächtige Remonten der Abteilung oor geritten. Dinn zeigten einige Mann schwierige Voltigier-Uebungen am lebenden Pferd. Beim Königssprung sprangen sic in mächtigen Sprün­gen über 4 nebeneinandergcftellte Pferde. Eine Fahrschule mit 8 Pferden, von 4 Reitern in der Uniform der Ziethenhusaren geritten, und eine Reitquadrille in Uniformen aus den Frei­heitskriegen klappten ausgezeichnet und wurden mit lebhaftem' Beifall bedacht. Recht humorvolle Situationen gab es bei dev Hindernisstafette, bei der je 3 Mann in feldmarschmäßiger Aus­rüstung. mit Maschinengewehren, Gewehren und Munitions- körben beladen, über allerhand Hindernisse hinwcgsetzen mußten. Eine sicher ausgeführte Geschützguadrille (4 vollbespannte Ge­schütze) bildete den Abschluß der NachmiltagsVorführungen.

Am Abend fand die in allen ihren Teilen in echt soldati-' schein Geiste verlaufene Wiedersehensfeier mit einem sehr gut besuchten Konzert der Reichswehrkapelle und mit einem präch­tigen Feuerwerk, das mit Entzücken und Staunen von vielen Hunderten beobachtet wurde, einen wohlgelungenen Ausklang.,

Darmstadt, 1. Aug. (Wer hat das Sängerbunbauto ge-: wonnen?) Bei der heute stattgehabten Auslosung der für die' Eintrittskarten des Sängcrbunbfeftes ausgesetzte Preise fiel das Auto auf die Nummer 6303. Bis jetzt hat sich der glückliche Ge-, winncr nicht gemeldet. ' i

Amtlicher Teil. ;

Handelsreg ist ereintragung.

Fulda, 2. 8. 1929. P. 155t Firma Phon Möbelwerke'

Aktiengesellschaft, Fulda: Die Firma ist èrlchchen.

Amtsgericht, Abteilung 5. §

Bekanntmachung. i

Wenig verlagertes Eerstenstroh, in der Öbcrrealschule, bcrl Turnhalle Rhabanusstratze, der Dâmschule und in Reithalle, lagernd (etwa 150 Ztr.) zoll am

Dienstag, den 6. August 1929, norm. 10 Uhr, an der Reithalle in der Schloßstraße versteigert werden. Das! Stroh kann vorher besichtigt werden. Es wird auch in kleine-' ren Mengen abgegeben.

Die Lager müssen von den Käufern bis zu einem Zeitpunkt.' der im Versteigerungstcrmin bekanntgegeben wird, geräumt sein.!

Fulda, den 2. August 1929.

Das Stadtbauamt; Ebrrl? sL ^