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Merkblatt für den 26. Juli.

Sonnemlufgang 4.15 Sonnenuntergang 17.57 Uhr. Mond­aufgang 22.08* Monduntergang 9 Uhr.

1846: Der Maler Hermann Kaulbach in München geb.

1856: Der irische Schriftsteller George Bernard Shaw IN Dublin geb.

Es ist kein Kleid so feiertäglich gewesen, es ist endlich ein Alltagskleid daraus geworden. Sprichwörtlich.

Wetterbericht.

Ein über Skandinavien liegender Tiefdruckwirbel dessen Ausläufer sich bis nach Deutschland erstreckt hat kühlere Luft südwärts transportiert. Beim Zusammentreffen mit der stark erhitzen Luft auf dem Festland ist es vielfach zu Gewittern gekommen die uns Abkühlung gebracht haben. Weitere Tief- druckftLrunaen im Wüsten werden auch die Witterung unseres Bezirks beeinflussen und das zu Gewittern und Regenschauern neigende Wetter anhalten lassen. Vorhersage bis Donners­tag abend: Wolkig, Neigung zu Gewittern, etwas kühler, nord­westliche Winde. Witterungsaussichten für Freitag: Zeit­weise aufheiterend, noch meist bewölkt, Gewitterneigung, vor­wiegend westliche Winde.

' * Fulda, den 25. Juli 1929.

Sonderzug FuldaGelnhausen.

Aus Anlaß des 24. Kurhessischen Feuerwehrtages in Geln­hausen am 28. Juli d. I., werden auf der Strecke Fulda bis Gelnhausen nachstehende Sonderzüge gefahren:

Fulda ab 11.07, Kerzell ab 11.18, Neuhof ab 11.26, Flieden ab 11.36, Schlüchtern ab 11.53, Steinau Kr. Schl, ab 12.02, Salm. Bad Soden ab 12.11, Wächtersbach ab 12.20, Wirtheim ab 12.27, Gelnhausen an 12.35 Uhr.

Gelnhausen ab 21.20, Wirtheim an 21.29, Wächtersbach an 21.37, Salm. Bad Soden an 21.48, Steinau Kr. Schl, an 21.58, Schlüchtern an 22.14, Flieden an 22.38, Neuhof Kr. Fulda an 22.45, Kerzell an 22.53, Fulda an 23.02 Uhr.

Kühleres Wetter.

Die Gewitter der letzten Tage haben einen Umschwung der Witterung mit sich gebracht. Der Luftdruck ist stark gefallen, so daß mit regnerischem Wetter zu rechnen ist. Die wesentliche Abkühlung, die seit heute Nacht zu verspüren ist, wird von den Vielen, Vielen, die in den letzten Tagen unter der großen Sommerhitze gelitten haben, sicher sehr begrüßt werden. Heute früh zeigte das Thermometer statt der üblichen 30 und mehr Grad Wärme nur noch 20 Grad.

Beinahe ertrunken.

Gestern abend bekam ein junger Mann aus der Buttlar­straße, der an der Horaser Eisenbahnbrücke in der Fulda badete, einen Krampfanfall und ging unter. Nachdem er schon geraume Weile unter Wasser war, wurde der Vorfall von anderen Badenden bemerkt, denen es nach einigen Anstrengungen ge­lang, den bereits Bewußtlosen aus dem Wasser zu ziehen. Nach längeren Wiederbelebungsversuchen kam der Verunglückte wieder zu sich.

Der nächste Vichmarkt.

Am 1. August findet hier ein Viehmarkt statt. Der Abtrieb des Viehes am Vor-Markttage von der Viehladerampe am hie­sigen Bahnhof erfolgt über die Straßenecke Kurfürstenstraße Zieherserweg nach der StraßeAm Viehmarkt" und von da unmittelbar nach den einzelnen Stallungen in der Stadt. Der Auftrieb des Viehes zum Markt am Markttage selbst beginnt um 6 Uhr und muß um 8 Uhr beendet sein. Hierbei ist das nichtuntersuchte Vieh durch die Schloßstraße, das voruntersuchte Vieh durch die Lindenstraße auszutreiben. Im Interesse der ungehindertne Abwicklung des Marktverkehrs wird die Bevöl­kerung ersucht, auf die vorstehenden Verhältnisse Rücksicht zu nehmen.

Die Straße ist kein Spielplatz.

In der letzten Zeit mehrt sich in erschreckender Weise die Zahl der Fälle, in denen Kinder Opfer des Straßenverkehrs werden. Vielfach ist das Publikum geneigt, die Schuld an die­sen Fällen dem schnellen Fahren von Automobilisten und Mo­torradfahrern zuzuschreiben. Diese Annahme bestätigt sich nur teilweise. Aus den Unfallmeldungen und den polizeilichen Fest­stellungen ergibt sich bedauerlicherweise, daß ein erheblich gro­ßer Teil dieser Unfälle auf die Unachtsamkeit der Kinder viel­leicht auch in noch größerem Maße auf die Sorglosigkeit der mit der Beaufsichtigung betrauten Personen zurückfüllt. Viel­fach sind dabei nicht nur die Kinder selbst in ihrem Leben und ihrer Gesundheit gefährdet, sondern oft gerät auch der Kraft­fahrer in die Gefahr, mit seinem Rade zu stürzen und sich selbst erheblich zu verletzen. Häufig trägt auch das rasche Bremsen eines Kraftwagens, um ein Kind vor dem Ueberfahrenwerden zu bewahren, zu einer Gefährdung des Gesamt-Verkehrs bei.

Es sei daher eindringlich allen Eltern und allen, denen die Beaufsichtigung von Kindern obliegt, eingeschärft, die Kinder über die Gefahren des Straßenverkehrs zu unterrichten und sie vor dem unbedachten Herauslaufen aus den Häusern und über die Straße zu warnen. Zugleich seien aber alle Eltern und Aussichtspersonen darauf hingewiesen, daß sie bei Verkehrs- unfällen die durch ihre Kinder oder durch deren mangelnde Beaufsichtigung verschuldet werden, zur Rechenschaft gezogen werden können.

Eilausträge im Postscheckverkehr.

Vom 1. August an kann bei Zahlkarten. Ueberweisüngen und Schecks gegen eine Gebühr von 1 91=11 Eilbehandlung ver­langt werden, die darin besteht, daß die beim Postscheckamt bis 13 Uljr (Schlußzeit für Eilausträge) eingehenden oder einge- lieferten Zahlkarten, Ueberweisüngen und Schecks sofort gebucht werden. Das Verlangen der Eilbehandlung stellt bei Zahl­karten der Absender durch den am oberen Rande der Zahlkarte niederzuschreibenden Vermerk:Sofort gutschreiben": bei Ueberweisüngen und Schecks kann der Antrag sowohl vom Aus­steller als auch vom Empfänger, wenn dieser die Ueherweisung oder den Scheck vom Aussteller erhalten hat, durch den aus der Ueberweisung oder dem Scheck unten links nnzubringen- den und von ihm zu unterschreibenden Vermerk:Eilauftrag" gestellt werden. Es empfiehlt sich, den VermerkEilaustrag" auch auf die Anschrisiseite des Scheckbriefumschlags zu setzen, in dem der Auftrag dem Postscheckamt übermittelt wird. Die Ge­bühr trägt der Antragsteller. Sie ist bei Zahlkarten außer der Zahlkartengebühr durch Auskleben von Freimarken auf die Zahlkarte zu entrichten. Bei Ueberweisüngen wird die Gebühr vom Konto des Antragstellers abgebucht: bei Schecks wird sie, wenn der Aussteller die Eilbehandlung beantragt, ebenfalls von feinem Konto abgebucht, hat aber der Empfänger des Schecks den Antrag gestellt, so wird sie bei der Auszahlung des Betrags einbehalten.

Die deutschen Landkreise in Baden-Baden.

Die Hauptversammlung des Deutschen Laudkreislages findet am Montag, den 16. September, in Baden-Baden statt. Als Haupverhandlungsgegeustände sind gewählt Wohlfahrtspflege u. ländliche Wirtschaft. Berichterstatter ist der Landrat Dr. Dr. Kracht-Heide, Mitberichterstatter Oberregteruugsrat Dr. Schi! h ly im badischen Ministerium des Innern. Die Vertreter der Behörden und der Parlamente haben bereits zahlreich ihre Tilnahme zugeifagt.

Wann brauchen Kraftfahrzeuge nicht erleuchtet zu sein?

DasMinisterialblatt für die Preußische innere Verwaltung" veröffentlicht eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Stutt­gart vom 10. Juli 1929, die für das Kraffahrwesen von großer Bedeutung ist. Es handelt sich dabei um die Frage der Beleuch- tung stehender Kraffahrzeuge während der Dunkelheit. Nach dieser Entscheidung des Oberlandesgerichts besteht die Pflicht Mr Beleuchtung des Kraftfahrzeuges durch eigene Lichter dann nicht, wenn es, wie dies vielfach der Fall ist, im Schein anderer Lichtquellen steht, die Fahrzeug und Lichtzeichen in gleichem maße und weit mehr erhellen, als der Gesetzgeber selbst erfordert, und durch eigene Beleuchtung möglich wäre, und demgegenüber vre eigene Beleuchtung des Fahrzeuges infolgedessen zweck- und .wertlos ist, ...... ,

Allerdings müßen", so führt das Oberlandesgericht aus,die anderweitigen Lichtquellen derart zuverlässig sein, daß sie ein mindestens so sicheres Brennen wie die Lichter des Fahrzeuges gewährleisten und zwar für die ganze Zeit des Stehenlassens. Die Lichtquelle muß ferner so hell |en, daß ein vernünftiger Zweifel darin, daß sie mindestens die von 8 4 Ziffer 5, § 11 Kraft- und Berkehrsordnung verlangte Beleuchtung des Fahr­zeuges spendet, nicht erhoben werden kann. Unter diesen stren­gen Voraussetzungen sind auch die von der gegenteiligen Recht­sprechung erhobenen Bedenken hinfällig. Ob die Voraussetzungen zutreffen, ist Tatfrage des Einzelfalles, sie können insbesondere zutreffen bei sehr heller Straßenbeleuchtung und wenn an Ge­bäuden hell brennende Lampen angebracht sind. Auf diesem Standpunkt steht auch die vom Innenministerium nicht beanstan­dete Praxis des Polizeipräsidiums Stuttgart, ferner das Preu­ßische Innenministerium."

Vom Blitz getroffen.

Der Landesausschuß für hygienische Volksbelehrung erinnert daran, daß allein in Preußen alljährlich etwa 1000 Menschen durch sommerliche Gewitter vom Blitz getroffen werden. Glück­licherweise wird aber nur ein Fünftel davon vom Tode ereilt; die Mehrzahl der vom Blitz Getroffenen erleidet jedoch starke Schädigungen der Gesundheit durch Verbrennung, Taubheit, Erblindung, Lähmung usw, Wenn auch die schweren Verletz­ungen, die der Blitz verursacht, ausschließlich der ärztlichen Behandlung bedürfen, ist es doch von Wichtigkeit, über leichtere Verletzungen durch Blitzschlag soweit unterrichtet zu sein, daß man wenigstens für die erste Hilfe dabei sorgen kann. Die Blitzvetbrennung zeigt meist eine eigenartige, alsBlitzfigu- ren" bezeichnete Form, die aus charakteristischen Streifen und Verfärbungen der getroffenen Hautpartien sich bildet. Handelt es sich um solche Brandwunden, so ist es zweckmäßig, sie wie son­stige Brandwunden, mit etwas Fett oder fetthaltiger Salbe zu bestreichen und im übrigen für ärztliche Behandlung zu sorgen. Wird ein vom Blitz Getroffener besinnungslos, so muß er sofort unter Hochhaltung des Kopfes an die frische Luft gebracht wer­den. Man öffne ihm alle beengenden Kleidungsstücke und mache kühle Uebergiehungen. Ist ein Arzt nicht gleich zur Stelle, versuche man selbst nach Möglichkeit künstliche Atmung einzu­leiten. Wird man von einem Gewitter auf freiem Felde über­rascht, so ist es durckaus falsch, sich unter alleinstehende Bäume retten zu wollen. Eine alte Bauernregel lautet:Vor den Eichen sollst Du weichen, doch die Buchen mußt1 Du suchen!" Hierin liegt insofern ein Körnchen Wahrheit, als die Buche die Elektriztät schlecht leitet, während dies bei der Eiche und der Linde weniger der Fall ist. Unzweckmäßig, weil gefährlich, ist es auch, sich während eines Gewitters an Zäune oder Draht- gitter anzulehnen oder etwa in einer Erdvertiefung sitzend das Gewitter abzuwarten. Wer unter Währung dieser Rat­schlag? vom Seroitier überrascht wird, braucht seine Gefahren kaum mehr zu befürchten.

Sommerliche Plagegeister,

Im Sommer erfreuen sich unsere Augen am wiegenden Tanz der Mücken, unsere Ohren am Summen der Bienen, und doch können diese kleinen Flügelwesen gleich ihren Schwestern, den Stech- und Stubenfliegen, uns manche leidvolle Stunde bereiten!

Mücken und Stechfliegen sind durchaus ernst zu nehmende Feinde des Menschen. Mit ihrem Sachet belieben sie nämlich geradeswegs in unsere Blutadern einzustechen und sich mit unse­rem roten Lebenssaft vollzusaugen. Dabei vermögen sie auch allerhand Giftstoffe in unsere Blutbahn hineinzubringen. Zu­nächst ein Gift, das die Mücke selbst erzeugt, und das an der Einftichstelle Entzündungserscheinungen, Quaddeln und Blasen hervorruft. Dieser giftige Stoff bleibt zum Glück in seiner Auswirkung örtlich begrenzt und erzeugt lediglich heftiges Jucken und Brennen. Da aber diese Insekten auch große Vor­liebe für verwesende Stoffe besitzen und nach irren Berührung uns nicht selten stechen, so können gleichzeitig mit dem Stich auch krankheitserregende Bakterien in unser Blut gelangen. So erklärt es sich, daß mitunter in Anschluß an Mückenstiche sich Blutvergiftungen und andere gefährliche Erkrankungen ent­wickeln. Aber auch, wenn durch Kratzen eine kleine Wunde entsteht, können durch die, sicherlich nicht immer ganz sauberen Fingernägel Schmutz und giftige Enizündungserreger in die Wunde hineingebracht werden. Gewöhnlich lindert man das Jucken und Brennen bei einem Mückenstich durch Betupfen mit Salmiakgeist in kurzer Zeit.

Ein Bienenstich ist im allgemeinen nicht gefährlich, denn die Bienen stechen gewöhnlich nur in das Muskelgewâ ein. Sie gebrauchen ihren Stachel nicht, um zu saugen, sondern als An­griffswaffe. Gelegentlich kommt es auch beim Bienenstich zu giftigen Entzündungserscheinungen, die aber fast stets örtlich begrenzt bleiben. Nur wenn der Stich der, durch Schlagen wild gewordenen, blindlings drauflos stechenden Biene zufällig eine größere Blutader trifft, kann das Bienengift unmittelbar in die Blutbahn bringen und unter Umständen zu tödlich verlaufender Blutvergiftung führen. Im allgemeinen ist der Bienenstich un­gefährlich, besonders wenn es. gelingt, den Stachel schnell äm besten mit einer feinen Pinzette zu entfernen. Fängt aber nach einem Insektenstich das betroffene Glied an zu schwellen oder treten rote Streifen auf, so ist sofort für ärztliche Hilfe zu sorgen.

Die Stubenfliege sticht zwar nicht., aber sie ist trotzdem im­stande, uns das Leben zu vergällen oder Krankheit zu bringen. Besonders im Schlaf kann die Stubenfliege Mensch und Tier im höchsten Maße lästig werden und beiden die notwendige Ruhe rauben. Viel schlimmer ist die Tätigkeit der Fliege als Krankheitsüberträger. Wer hätte noch nicht beobachtet, wie sich die Fliege erst an allen möglichen mt Krankheitskeimen belade­nen Stoffen, insbesondere menschlichen Ausscheidungen, tieri- fchen Leichen, usw. erlabt, um sich nachher auf unseren Suppen­teller, auf eine Butterstulle, ein Trinkglas oder dgl. niederzu- lassen! Wenig bekannt ist, daß Krankheiten wie Typhus, Para­typhus, Ruhr, ja sogar Tuberkulose, nachweislich durch Fliegen übertragen werden können. Darum heißt es, die Fliege ver­nichten. wo man sie findet: oder ihr mindestens den Zutritt verwehren. Dies geschieht im Haushalt am besten durch Be­decken aller Speisen mit Glas- oder Gazeglocken, durch Her­stellung von Zugluft, namentlich, nach Sonnenuntergang durch Anbringung von Fliegenpapier oder dgl. Selbstverständlich müssen Abfallstoffe möglichst schnell beseitigt oder unter gutem Verschluß gehalten werden. Die wichtigsten Maßnahmen zur Fliegenbekämfuna hat der Reichsausschuß für hygienische Volksbelehrung, Berlin NW. 6, Luisenplatz 24, in einem durch ihn erhältlichen Merkblatt zusammengefaßt.

* Dalherda, 23. Juli. Am vergangenen Sonnabend fand auf dem Dammersfeld der Verkauf des diesjährigen Eraser- trages der Daminersfelder Wiesen statt. Die Preise waren den vorjährigen gegenüber um 20 Prozent höher. Der Zuschlag wurde größtenteils den seitherigen Pächtern erteilt. Gleich nach der Versteigerung begann die Mehrzahl der Käufer mit dem Mähen. An den Hängen der Dammersfelderkuppe arbeiteten etwa 200 Menschen, so daß in einigen Tagen die ganze Fläche abgeerntet sein wird. 40 bis 50 schwere Fuhren Heu rollen jetzt täglich hinab in die Dörfer der nächsten Umgebung.

* Dalherda, 24. Juli. (Reiche Heidelbeerernte.) Während in den beiden letzten Jahren infolge der Frühjahrsfröste kaum von einem nennenswerten Heidelbeerertrag unserer Wälder gespro­chen werden konnte, muß die diesjährige Heidelbeerernte als recht gut bezeichnet werden. Ein großer Teil der Jugend und viele Frauen gehen deshalb dieses Jahrin die Beer". Da sonst wenig Obst in unserer Höhenlage gedeiht, werden die schönen Heidelbeeren umso mehr geschätzt.

Völkersleier (Rhön). Schreiuermeister Heinr. Hertlein, hier, wurde in seiner Werkstatt erhängt ausgefunden. Den erst 27 Jahre alten Mann hatten Geldsorgen so weit gebracht. Hert­lein hinterläßt eine Frau mit einem Kind.

Marburg, 24. Juli. (Verfassungsfeier der Marburger Uni- versitüt.) Der akademische Festakt aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens der Reichsverfassung war auf den gestrigen Tag ver­legt, da Ende dieses Monats die Unwersitätsferien beginnen. An dem Festakt, der vormittags 11 Uhr in der Universitätsaula stattfand, zeigte sich nur geringe Beteiligung; die Chargierten der studentischen Verbindungen waren überhaupt nicht erschie- neu. Die Festrede hielt der Reichstagsabgeorduete Dr. Bredt,

der u. a. ausführte, daß es nicht Sache der Universität sei, füv ebtr wider die Reichsverfajsung Stellung zu nehmen, sie wollten diese nur wissenschaftlich vermitteln, damit sich jeder sein Urteil selbst bi Iben könne. Das wichtigste Problem, das zur Zeit die innere deutsche Politik zu lösen habe, sei das des deutschen Einheitsstaates. Die Weimarer Verfassung sei auf ein weiteres Zusammenwachsen des Reiches eingestellt. Sie wurde umrahmt von Darbietungen des Kollegiums musicum.

Kassel, 23. Juli. (Todessturz aus dem vierten Stock.) Ge­stern nachmittag stürzte die kurz vor dem vierten Geburtstag stehende Tochter Hilmar des Schneidermeisters Trümmer in der Jagerstraße aus dem vierten Stock auf den Hof, wo das Kind mit einer schweren Kopfverletzung und mehreren Knochen- brüchen auf der nach der Waschküche führenden Treppe liegen blieb. Die Kleine war ohne Wissen der Eltern in die Speise­kammer gelaufen, hatte dort aus dem Fenster sterben und ist dabei aus dem Fenster gestürzt. Das Mädchen wurde nach dem Krankenhaus überführt, wo nur noch der Tod festgestellt wer­den konnte.

Kassel, 23. Juli. (Selbstmordversuch eines 93jährigen.) Ein 93jähriger Invalide versuchte am Sonntagabend wegen Lebens­überdrusses seinem Leben ein Ende zu machen, indem er Leucht­gas einatmete. Die 70jährige Tochter des Invaliden hinderte jedoch diesen daran. Der Greis versuchte darauf sich zu erhän­gen. Durch die Auseinandersetzungen wurden die Hausbewoh­ner aufmerksam und benachrichtigten die Polizei. Der alte Mann konnte dann bald beruhigt und von seinem Vorhaben abgebracht werden.

Gießen, 24. Juli. (Millionenschaden beim Gießener Groß- feuer.) Der verheerende Brand in den Eailfchen Tonwerken, über den wir bereits berichteten, hat, wie eine Inaugenschein­nahme des Brandherdes ergab, dem Unternehmen einen außer­ordentlichen Verlust zugefügt. Alle Maschinen, die Förder­anlagen und die gesamte Inneneinrichtung sind ein Raub der Flammen geworden. Außerdem sind auch die Trockenanlagen und die Ofenanlagen völlig zerstört worden. Der Betrieb, in dem etwa 140 Mann Beschäftigung fanden, liegt ftilL Wann er wieder in Gang kommen wird, ist zur Zeit noch gar nicht abzusehen. Den Schaden an Gebäuden, Maschinen, Einrich­tungen und Material beziffert man mit 1 Million Mark sicher­lich nicht zu hoch. Wodurch das verherende Großfeuer ent­standen ist, weiß man bis zur Stunde noch nicht.

Würzburg, 23. Juli. (Rücktritt des Regierungspräsidenten von Unterfranken.) Der Regierungspräsident von Unterfran­ken, Dr. Julius Ritter v. Henle, der feit Januar 1917 das Würzburger Präsidium leitete und nunmehr das 65. Lebens­jahr erreicht hat, tritt am 1. August in den Rubestand. Die bayrische Staatsregierung hat ihm aus diesem Anlaß ihren Dank für seine langjährige, vorzügliche und höchst ersprießliche Tätigkeit ausgesprochen.

Bruchmühlbach (Pfalz), 24. Juli. (Ein Legionswerber auf der Flucht erschossen.) Gestern abend wurde bei der Zug­kontrolle der ehemalige Fremdenlegionär Ludwig Metzger aus Reilingen bei Schwetzingen, der schon seit längerer Zeit im Verdacht stand, junge Leute nach der Fremdenlegion zu ver­schleppen, durch die hiesige Gendarmerie aufgestobert, ergriff jedoch die Flucht. Die Beamten spürten ihm nach, schossen auf ihn und trafen ihn tödlich. Metzger, der schon seit einiger Zeit beobachtet wurde, fuhr fortgesetzt von der Pfalz nach dem Saar­gebiet, wobei sich immer junge Leute in seiner Begleitung befanden.

Zweibrücken, 23. Juli. (Französische Offiziere im deutschen Turneranzug.) Als bezeichnendes Vorkommnis beim dritten Pfälzischen Kreisturnfeft st zu melden, daß am Samstag drei französische Offiziere sich deutsche Turnerkleidung verschafften und so durch die Straßen spazierten. Als man sie zur Rede stellte, erklärten sie, sie wären deutsche Turner. Erft auf ein­dringliche Vorhaltungen von Passanten entfernten sich die Offiziere.

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Börse und Handel.

Frankfurter Börse vom 24. Juli. Gegen Schluß der gestrigen Abendbörse konnte man schon eine kleine Besserung verzeichnen, die zu Beginn des heutigen offiziellen Marktes eher noch Fort­schritte machen konnte. Es bestand bei der Spekulation trotz des bevorstehenden Ultimos Deckungsneigung, die sich nur auf einige Spezialwerte erstreckte. Ueber diè Besserung im Befin­den des Reichskanzlers war nfan befriedigt und hiervon ging schon eine gewisse Beruhigung aus. Aber auch die festere gest­rige Newyorker Börse blieb nicht ohne Einfluß. Die Diskont- erhöhungsbefürchtungen der Bank von England,, die mit den stärkeren Eoldabflüsfen in Zusammenhang gebracht werden, traten ziemlich in den Hintergrund. Das Ausland soll sich auch wieder verschiedentlich am Geschäft beteiligt haben, so daß die Umsatztätigkeit in einigen bevorzugten Werten etwas größeres Ausmaß annehmen konnte. Bei freundlicherer Stimmung er­gaben sich gegenüber der gestrigen Abendbörse überwiegend Erholungen von 1 bis 2 %. Die in letzter Zeit vernachlässigten Elektrowerte traten etwas mehr in den Vordergrund. Führend waren hier Bergmann mit plus 2 %. Schuckert mit plus 2% %. AEG. gewannen % %, Licht und Kraft 1 %. Siemens blieben vernachlässigt; eine Erstnotiz kam nicht zustande. Auch I. G. Farben konnten sich der zuversichtlicheren Stimmung anschließen, doch trat hier nur ein ganz geringer Gewinn ein. Scheibean- stalt gaben dagegen % % nach. Montanwerte lagen vernach­lässigt. Mannesmann und Phönix eröffneten bis zu 1 % fester. Rheinische Braunkohlen lagen dagegen im Angebot und 1% % schwächer. Banken und Schiffahrtswerte waren zumeist leicht gedrückt. Elanzstoffaktien konnten sich auf dem erhöhtem Niveau von gestern nicht ganz behaupten und gaben 1 % nach Einiges Interesse bestand noch für Deutsche Linoleum, Metall­gesellschaft und Zellstoff Aschaffenburg, Renten geschäftslos. Im Verlaufe konnte sich der Geschäftsumfang weiter aus- dehnsn, Besonders Elektrowerten wurde verstärktes Interesse entgegengebracht. AEG. gewannen erneut 1% % und Siemens konnten ebenfalls 1 % anzjehen, Schuckert blieben auf dem höheren Stand behauptet. Die Nachfrage erstreckte sich jetzt auch noch auf einige andere üßerte. Im allgemeinen traten Besserungen bis zu 1 % ein. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 % unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1940, gegen Pfunde 20.352, London-Kabel 4.8538 Paris 123.8414, Mailand 92.76, Madrid 33.30, Holland 12.10%.

Frankfurter Abendbörse vom 24. Juli. An der Abendbörse nergte die Tendenz unter dem Druck der anhaltenden Order- taltgfeit eher etwas zur Schwäche, und die Kurse bröckelten gegen den Berliner Schluß meist etwa bis 1 % ab. So lagen J. G. Farben, Elektrowerte, Schiffahrtsaktien und am Ban­kenmarkt Dresdner Bank etwas niedriger. Am Rentemnarkt waren Zolltürken etwas gefragt, im Kurse jedoch unverändert Im Verlaufe waren Chadcaktien begehrr und bis 430 Mark erhöht. Im übrigen herrschte weiter Geschäftsstille. Abl Schuld 9%, AEG. 198, Bergmann 227%, Chade 430, Licht und Kraft 211%, I. E. Farben 225%, Eesfürel 210, Zarpener 14614 Holzmann 109, Aschersleben 237%, Salzdetfurth 396, Weste­regeln 243%, Mannesmann 122%, Phönix 104%, Rheinische Braunkohlen 299%, Rheinstahl 126, Siemens 387%, Glanzstoff 394, Stahlvcrein 94%, Barmer Bank 127%, Commerzbank 184% Danatbank 276%, Reichsbank 314, Rordd. Lloyd 115%.

Frankfurter Produktenmarkt vom 24. Juli. Das Geschäft war heute sehr klein. Auslandsnotierungen verstimmten das Angebot, und nahm aber auch keinen Umfang an auf dem mäßigen Niveau konnten später Umsätze erzielt werden Roaaen 22.50, Hafer 22.7523, Mais 22.75, Weizenmehl südd. Sneziäl 0 38.7541.50, Weizenmehl Niederrhein. 0 38.7541.50, Roggen- mehl 30.6032, Weizenkleie 11.2511.50 Roggenkleie 12.75.

Schweinemarkt in Erünberq vom 24. Juli. Auf dem heuti­gen Schwcinemarkt standen 312 Ferkel zum Verkauf Bei mäßigem Geschäftsgang infolge hoher Preise hinterließ der Markt Ueberstand. Man bezahlte für Ferkel von 6 Wochen alt 39 M, von 68 Wochen alt 4550 <11, von 813 Wochen alt bis zu 65 . st.

Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 25. Juli. (Nicht amtl.) Kälber: b 7276, c 6571, d 5464. Schweine: b 8085. c 8386. d 8286, e 7983. Ausgetrieben waren: Rinder 35 Kalber 957, Schafe 107, Schweine 520. Marktverkauf: Kälber ruhig, ausverkaust, Schweine schleppend, Ueberstand.