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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Iulöa- und Haunetal »Zulüaer Kreisblatt

Reüaktlon und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-flnschluß Nr. 989

Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit SrueUenangabe .Zulöaer flnzelger'geslocket.

Nr. 150 1929 JBWMMUH^IMIIIIIMMWMM^

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6. Jahrgang

Fulda, Samstag, 29. Juni

Vr. Schacht über

Nie Pariser Vereinbarungen.

Eine Rede in München.

Der Hauptausschuß des Deutschen Industrie- und Handels­tages hielt in München eine große Versammlung ab, vor der Reichsbankpräsident Dr. Schacht über die Pariser Sach- vcrständigenkonferenz und deren Abmachungen sprach. Der Versammlung wohnten auch zahlreiche Vertreter der Staats- u nd Reichsbehörden bei, unter anderen der bayerische Minister­präsident Dr. Held, Innenminister Dr. Stützel, Finanz mmistcr Schmelzer, als Vertreter der Reichsregierung Herr v. Hantel.

Anwesend waren weiter der frühere Reichswirtschafts- Minister Hamm und der Präsident des Reichsfinanzhofes Jahn. Nach der Rede dankte Präsident v. Mendelssohn Herrn Dr. Schacht für die aufopfernde Leitung der Pariser Ver­handlungen.

Kein erfreuliches Ergebnis.

Dr. Schacht nannte in der Einleitung das Ergebnis der Pariser Sachverständigenkonfcrenz für Deutschland nicht erfreulich. Wenn die deutschen Vertreter dennoch unter­schrieben hätten, ganz gleich, ob aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen einzig und allein komme in Betracht, ob für das zukünftige Wohl des deutschen Volkes etwas er­reicht werden konnte. Die Sachverständigen hätten lediglich nach ihrem Wissen und Gewissen gehandelt. Mit der deut­schen Regierung und der deutschen Wirtschaft, sowohl Arbeit­gebern wie Arbeitnehmern, mufften sie selbstverständlich Füh­lung unterhalten. Das Ergebnis kann nur dann richtig ge­würdigt werden, wenn man es in den Gang des großen politischen Geschehens einrciht. Übertriebene Erwartungen hatten von vornherein keine Aussicht aus Erfüllung. Zweifel­los ist el bedauerlich, daß die französische Politik unser moralisches Recht auf die sofortige Räumung des Rhcinlandcs mit der Frage sinanziellcr Entschädigungen zu verquicken ver­suchte.

Es war unmöglich, Fragen der großen Politik auszurollen, wie etwa die Kncgsschüldiügc oder Besprechungen über die Rheinlandräumung, die Rückgabe des Saargebiets, die Herbei­führung - einer unparteiischen Abstimmung über Eupen- Malmedy, die Wiedergutmachung des oberschlcsischcn Unrechts, die sinnlose Abtrennung Ostpreußens vom Reich, den Raub des deutschen Privateigentums oder die Wegnahme der deut­schen Kolonien.

In allen Erörterungen haben die deutschen Delegierten sich auf rein wirtschaftliche und finanzielle Gcdankcngänge be­schränkt. Eine Abschätzung der jährlichen Reparationsleistungen mußte nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten vorgenommen werden. Die Gegner wollten aber bestimmte, schon fest­liegende Mindestzahlungen von Deutschland erhalten. Das Memorandum der deutschen Sachverständigen vom 17. April machte den Gedanken klar, daß die Ansprüche der Gläubiger- nationen nicht weiter gehen konnten als bis zu einer

Der Tag von Versailles

Protest! Protest! Protest!

Machtvolle Kundgebungen gegen die Kriegsschuldlüge.

Die Erinnerung an den Tag von Versailles, der Deutschland vor zehn Jahren die politifdjcn unb totrft tebâliiLen Fesseln brachte, unter denen Cy seufzt und noch Lnnc leider?soll, rief in allen Teilen des Reiches und in den abgetrennten Gebieten machtvolle Kundgebungen

Lirvor. Protest und immer wieder Protest!

^a§ war der Grundton, auf den alle ^rlawlmrungen nhoestimmt waren. Ob in den Parlamenten sich die ver- ircter der Länder versammelten ober unter freiem vtinmel

(Mesöut der Kirchenglocken die Menge zusammentrat, nn7dks Trauertagcs zu gedenken, überall wurde das Be- h'mttnië laut nicht müde zu werden im Kampf gegen i tc Kriegsschuldlüge und die sich auf ihr aufbauende schwere seelische und wirtschaftliche Belastung.

Von der Maas bis an die Memel.

H die Rechte eines souveränen uno me nyupen Vwke " zurück. Wir fordern die sofortige Zurückziehung 2" 'Uciatmna. Solange Deutschland in den Ketten de» Versailler Diktats und der anderen Tributvcrtrage hegt, Versauter « «ruhe für Deutschland und in

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den Belt."

Unter dem Geläute der Dvmglockcn.

Zu einer von sämtlichen bürgerlichen Parteien veran- â^sicicn aroßcn Kundgebung auf deni Domplatz in Köln baffe sich eine nach Zehntausenden zählende Menge cm- ^fimhen um a c ge n d i e S ch u l d l ü g e und gegen die Fortdauer der'Besetzung zu protestieren. Mit dem unter bcnt Geläute der Domglockcu gemeinsam gesungenen Deutschlandlied erreichte die Kundgebung ein würdigen Ende. Und so fanden.

in allen Städten des Reiches

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den Young-Plan.

der deutschen Leistungsfähigkeit entsprechenden ver­nünftigen Grenze.

Sollte die deutsche Leistungsfähigkeit gehoben werden, so erschien insbesondere eine Steigerung der deutschen landwirt­schaftlichen Produktion, eine größere Aufnahmebereitschaft der deutschen Märkte für deutsche Waren und eine stärkere selbständige Rohstoffversorgung der deutschen Industrie not­wendig.

Der Reichsbankpräsident erörterte darauf die bekannten Vorgänge und das Handeln um die Höhe der jährlichen Zahlungen, unb kritisierte die uneinheitliche Haltung der deut­schen Presse. Schließlich sei für die deutschen Sachverständigen der Augenblick gekommen zur Entscheidung, ob es besser sei, die Konferenz ergebnislos anseiandergehen zu lassen oder auf den vom Vorsitzenden gemachten Vermittlungsvorschlag einer Durchschnittsjahreszahlung von 1988,8 Millionen Mark einstigeren. Sie suchten die für Deutschland notwendigen Sicherungen in den Plan einznbauen. Dr Schacht ging im einzelnen noch auf diese Sicherungen ein und auf die geplante Bank für den internationalen Zahlungsausgleich. Diese Bank werde ihre Aufgabe erfüllen, wenn sie zur Verfügung stehende Mittel dazu verwende, um den Welthandel und Dentschlands Anteil daran zn beleben. Wenn die deutschen Sachverständigen den Young-Plan endlich empfohlen haben, so ist darauf hin zuweisen, daß grundsätzlich eine Verständigungspolitik mit den Gegnern die einzige Möglichkeit bietet, in geduldiger, friedlicher Arbeit aus der verhängnisvollen Lage heranszu­kommen, in die uns der verlorene Krieg gebracht hat.

Gewaltsame Befteiungspoüiik ist nicht möglich. -Solange jedoch die innere Zerrissenheit und Zerklüftung im deutschen Volke andauert, wird cs noch ungeheurer Erzie­hungsarbeit bedürfen, um aus dem jetzigen Zustand heraus zukommen. Diejenigen, die an die Zukunft des deutschen Volkes noch glauben, müssen sich mutig und ehrlich auf den demokratischen Boden stellen, auf dem allem eine Gemein­schaftsarbett für eine bessere Zeit erwachsen kann. Die materielle Grundlage für das Leben der breiten Massen in Deutschland muß nach Möglichkeit erhalten und ausgebaut werden. Ohne ausländisches finanzielles Vertrauen zu Deutschland erscheint eine wirtschaftliche Erholung als ausge­schlossen.

Der Redner empfahl zum Schluß Besserung und strenge Ordnung in der deutschen Finanzwirtschaft, Sparsamkeit vom Reich herab bis zu den Gemeinden. Er hoffte, daß sich keine parlamentarische Mehrheit in Deutschland finden werde für die politische Ratifizierung des Young-Planes, wenn nicht die sofortige bedingungslose Räumung des Rheinlandes und eine befriedigende Regelung der Saarfrage erfolge. Der Young- Plan muß ein Fricdcnsinstrument sein oder er wird über­haupt nicht sein.

gewiesen wurde. Nebenher gingen z a h l l o s e A u s ruf e v o n V e r b ä n d c n u n d B ü n d c n, die alle das gleiche

Bekenntnis abicgtcn.

Zurück zum Reich!

Eine große g e m e i n s a m c S a a r k u n d g c b n n g veranstalteten die politischen Parteien des Saargebiets m Saarbrücken. Sie hatte den Zweck, den unerschütterlichen Willen der Saarbevölkerung zur baldigen Rückgliederung zum Reich machtvoll zum Ausdruck zu bringen ^n dem Zurück znm Reich" überschriebenen Aufru, heißt es: Die Welt soll wiederum die Stimme der gegen ihren Willen vom Vaterland getrennten Saarbevölkerung hören, die ernst und dringlich verlangt, zugleich mit der Rhem- landräumung zum Vaterland zurückzukehren."

Ein Mitzton.

Teutschvölkische Studenten veranstalteten in B e r l i n aus Anlaß des Verbots d c r K u n d g e b un gen in den Universitäten auf dem hinter ber Universität liegenden Hegelplatz eine Protestversammlung D,e Schutzpolizei griff ein und zerstreute dre Studenten die Nlm vor dem Kultusministerium gegen das Ver­bot demonstrierten. Als auch hier die Schutzpolizei em- schritt, kam cs zu Zusammenstößen, in deren Zer­lauf einer der Schutzpolizeibeamten einen Schreckschuß abaab. Ein Teil der Studenten zog dann vor das Palais des Reichspräsidenten. Hier riefen sie ununter­brochen im Takt den Ramen des Reichspräsidenten. Sie wurden schließlich zerstreut, wobei mehrfach vom Gummi­knüppel Gebrauch gemacht werden mußte.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Am Tage von Versailles fanden im ganzen Reich macht­volle Knndgcbungcn gegen die Kricgsschuldlügc statt.

* Der Deutsche Reichstag ging nach einer stürmischen Nacht­sitzung in die Sommerferien.

* Der Staatsrat stimmte dem Konkordat zwischen Preußen und dem Vatikan zu.

* Vor dem Deutschen Handels- und Industrietag in München hielt Reichsbankpräsident Dr. Schacht eine hochbc- deutsame Rede über den Young-Plan.

* Manaffe Friedländer wurde wegen Totschlages zu sechs Zahlen Gefängnis verurteilt.

Staatspräsident Dr. Adelung spricht zur Reichsreform.

Auf Einladung desHafraba E. V." (Autostraße Hanse­städte FrankfurtBafel) sprach Staatspräsident Dr. Adâng heute, Samstag vormittag, im Bllrgersaale des Frankfurter Rathauses über das ThemaReich und Länder". Er beglück­wünschte einleitend den Verein zu dem großen Gedanken, eine Kraftwagenverkehrsstraße riesigen Ausmaßes zu schaffen, Pie quer durch Deutschland von der Nordsee bis zu den Schweizer Bergen führen solle. Der Verein habe sich mit diesem Projekt in den Dienst einer Entwicklung gestellt, die schon jetzt das Ge­sicht des europäischen Kontinents weseMlich geändert habe und die das Gemeinschaftsleben der Völker immer stärker forme und bestimme. Wesentlich die gleichen Gründe, die auf verkehrs­politischem Gebiet Schlagbäume beseitigt haben und nach immer einheitlicherer Gestaltung drängen, ließen auch unsere deutsche innerstaatliche Organisation veraltet und überlebt erscheinen. Es habe sich deshalb bei unserem Volk immer mehr die Ueber­zeugung durchgesetzt, daß nur eine größere Vereinheitlichung unserer innerstaatlichen Organisation die Beschwerden-, die der jetzige Zustand vielfach mit sich gebracht habe, überwinden könne.

Nach einer kurzen Darstellung der bisherigen Arbeiten der Länderkonferenz und ihrer Ausschüsse kam Staatspräsident Dr. Adelung auf die beiden Eemeinschastsreferate zu sprechen, die der Länderkonferenz erstattet worden sind und von denen er annimmt, daß sie bei der Sitzung des Verfassungsausschus­ses am 5. und 6. Juli in Berlin die Hauptgrundlage der wei­teren Diskussion bilden werde. Es handelt M um das von Dr. Brecht, Dr. Poetzsch-Heffter, Dr. Bolz und Dr. Petersen vorgelegte Referat, das sich mit der künftigen Lünderorgani- sation befaßt und das die Zuständigkeiten zwischen Reich und Ländern abgren,zende Referat von Koch-Weser, Dr. Brecht, Dr. Remmele und Dr. Horton. Bezugnehmend auf seinen kürz­lich in der Presse erschienenen Artikel betonte er hierzu, daß eine vollkommen einheitliche Regelung in der Organisation und den Zuständigkeiten der künftigen Länder wohl zunächst nicht möglich sein werde, daß andererseits aber auch nicht so weitgehend differenziert werden dürfe, daß weder die Einheit noch auch die Dezentralisation erreicht werde. Es müsse als Lösung des Reichsproblems ein Zustand abgelehnt werden, bei dem nahezu % von Deutschland in einem zentralistischen Ein- beiföftaat .MtmtoLngeigj^^ die. bisherige bundesstaatliche Grundlage weitgehend erhalten bliebe." Wir müßten in Deutschland hin zu einheitlicher orga­nischer Gestaltung, wobei gewissen Abweichungen des Aufbaus im einzelnen durchaus Raum gelassen werden könne. Würden die Vorschläge der beiden Gemeinfchastsreferate in die Tat umgesetzt, so bestehe aber die Befürchtung, daß Me große Diffe­renzierung zwischen dem deutschen Norden und Süden auf unab­sehbare Zeit geradezu stabilisiert würde.

Ein solcher Zustand wäre aber nicht nur vom gcsamtdeutschen Standpunkt aus gesehen außerordentlich bedauerlich, wenn nicht gefährlich, sondern auch aus dem Blickpunkt eines Gebiets, das wie das rhein-mainische durch Natur und Geschichte ge­radezu bestimmt erscheine, Mittler zwischen dem deutschen Nor­den und Süden zu sein, besonders unerwünscht. Das hier an Untermain und Mittelrhein zu schaffende neue deutsche Land, das die wirtschaftlich eng verflochtenen Gebiete auch verwal­tungsmäßig zusammenzufaffen habe, werde nach seiner Auf­fassung nicht den Ehrgeiz haben, die Zahl der Länder, die be­sonderen Wert auf ihre Eigenstaatlichkeit legten, noch um eines zu vermehren. Vielmehr iveroe man ohne weiteres annebmen können, daß sich dieses Land bewußt und willig in den Rahmen eines dezentralisierten Einheitsstaates einstigen werde. Richt denkbar erscheine es freilich, daß ein so altes Kulturgebiet, das nach seinen demokratischen Lebensgewohnheiten jeber bürokra- tisch-zentralistischen Verwaltung widerstreben müsse, darauf ver­zichten könne, so wichtige Angelegenheiten, wie es beispiels­weise die kulturelle Verwaltung sei, in eigener Zuständigkeit zu regeln.

Staatspräsident Dr. Adelung schloß seine Rede, die durch Rundfunk verbreitet wurde, mit dem Hinweis auf die groß« Verantwortung, die not der Zukunft unseres Volkes diejenigen zu tragen hätten, in deren Händen die letzten Entscheidungen in bic|en Dingen liegen. Sich dieser Verantwortung bewußt zu fein und sie freudig tragen, heiße auch die Kräfte lebendig machen, die notwendig seien, um das Werk zum guten Ende zu bringen.

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politische Rundschau

Deutsches Reitst

Vorbereitung der politischen Konferenz.

Das Reichskabinett beschäftigte sich mit den vor­bereitenden Arbeiten für die sich aus dein Abschluß der Pariser Sachverständigenberatungen ergebende politische .Konferenz. Das Reichskabinett stellte bann einmütig die für die Haltung der deutschen Delegation maßgebenden Voraussctzilngen fest.

Die Neuregelung der Ministerpcnsionen.

Tas Reichskabinett hat jetzt dasReichsministergesctz" fertiggestellt und dem Rcichsrat zugeleitct. Das neue Gesetz regelt die gesamten Besoldungs- und Vcrsorzungs- ansprüche der Minister. Sic erhalten danach keine Pensionen mehr, sondern nur ein Übergangs­geld für eine gewisse Zeit.

Der Staatsrat für das Konkordat.

Der Staatsrat stimmte dem Staatsvcrtrag zwischen Preuße n und dem Vaiika n mit 44 Stimmen der Sozialdemokraten, des Zentrums und ber Demokraten gegen 36 Stimmen bcr Arbeitsgemeinschaft und bei Kom­munisten bei einer Stimmenthaltung in ber Arbeits­gemeinschaft zn. Der Antrag, in das Gesetz eine Sperr­frist bis zum Vertragsabschluß mit ber c n a n g c l i f d) c n Kirche einzubauen, wurde gegen 32 Stimmen ber Arbeits­gemeinschaft abqdcbnt.