Zul-aer Anzeiger
Zul-o / Sla« 2
^ 90 Donnerstag, 18. April 1929
Reichsreform und Verwaltungsreform.
%ranffuxt a. M., 16. April. Im Rahmen des Reichskurs Nir wirtschaftliche Verwaltung sprach am Montag abend Hoch- i^ulvrofessor Dr. Friedrich Raab-Dresden über „Reichsreform
Berwaltungsreform". Einleitend definierte der Redner v n Begriff von „Reform", der kein einheitlicher Begriff sei. Unter ,Reichsreform" verstehe man im allgemeinen die l(mge= Haltung des Verhältnisses des Reiches zu den Ländern. Eine -fnitkafte Diskussion könnte es allerdings nicht um die Frage dezentralisierter Einheitsstaat oder unitarischer Bundestaat" 'neben aber innerhalb des Bundesstaates stehen Reformen zur Diskussion, so die Frage, ob alle Anordnungen von einer Zen- trale ausgehen sollen, oder ob sich der Wille dieser Zentrale nur geltend machen soll und ein Teil der Anordnungen im Sinne dieses Willens von untergeordneten Stellen getroffen werden können. Bei der „Verwaltungsreform" handle es sich um eine Erörterung des Problems der Ausführung der Willens- dildung des Staates. Diese Reform könne als „Büroreform" bezeichnet werden, ohne daß dadurch ihre Wichtigkeit herabgesetzt würde. Eine „Büroreform" könne wohl auch von politischer Bedeutung sein, wenn sie auch in erster Linie wirtschaftlicher Art ist. Durch Abbaumaßnahmen könne sich eine politische Par- wl betroffen fühlen, es entstehen Differenzen, Mehrheitsbildungen werden gefährdet, es müssen Neuwahlen vorgenommen werden, die ein politisch anders zusammengesetztes Parlament ergeben u. die Folge wird sein, daß das Büro in anderer Weise reformiert wird. Eine „Büroreform" darf deshalb nicht nur von fiskalischen Erwägungen aus, sondern muß auch von politischen und namentlich von sozialen vorgenommen werden, sonst könnte es leicht sein, daß keine Ersparnisse erzielt werden, wie das doch im Charakter einer Reform liegen sollte, sondern daß, infolge einer durch andere politische Konstellation notwendig werdende Umreformierung, sogar vermehrte Ausgaben ent- Sen. Eine Reform ist also durchaus nicht immer von Ersparen begleitet, geht also zuweilen von nicht fiskalischen Erwägungen aus. Viele Reformen enthalten wirtschaftliche Irrtümer, so gründet sich das Reparationsproblem von Parker Gilbert, das ja auch eine Reform darstellen soll, auf das angebliche Wohlergehen der deutschen Wirtschaft; dabei übersieht Parker Gilbert, daß sich die Lebenshaltung fast aller deutschen Haushaltungen wesentlich verschlechtert hat. Rach dieser eingehenden Erörterung des Begriffes „Verwaltungsreform" behandelte der Redner zum Schluß nochmals das Thema „Reichsreform", besprach die Frage der Kompetenzhoheit des Reiches, die bundesstaatliche Ordnung der Länder, die sich äußerlich durch eine Regierungsspitze kenntlich macht, die Frage der mittelbaren und unmittelbaren Reichsaufsicht, das Recht des Staatsbiirgers dem Staat und den Landesregierungen gegenüber. Mit Entschiedenheit lehnte er die Rückkehr zum föderalistischen Bundesstaat ab. Die Länderkonferenz und der Erneuerungsbund hätten wertvolle Arbeit geleistet, die als Grundlage bei der Erörterung der Reichsreform dienen sollten.
Landesverband Hessen des V. D. A.
Frankfurt a. M., 15. April. Am Samstag fand hier die diesjährige Hauptversammlung des Landesverbandes Hessen des B. D. A. (Verein für das Deutschtum im Ausland) statt. Zunächst tagte der. Haupvorstand uner der Leitung feines Vor- sihenden. Darauf wurde die Hauptversammlung von dem ge- slhäftsführenden Vorsitzenden, Studienrat Dr. Diemer-Darmstadt eröffnet, der eine ganze Anzahl Ehrengäste begrüßen konnte, darunter Dr. Steinacher-Frankfurt zugleich als Vertreter der österreichischen Arbeitsgemeinschaft, Schulrat Hassinger vom Hessischen Kultusministerium u. a. Hierauf hielt Dr. Steinacher einen außerordentlich fesselnden Vortrag über den Stand der Minderheitenfrage wobei er zu dem Ergebnis kam, daß man auf die Hilfe des Völkerbundes bei der Berücksichtigung der berechtigten Wünsche der Minderheiten nicht allzu sehr hoffen solle, sondern daß die Selbsthilfe der einzelnen Minderheitsgruppen weit wichtiger sei. Ein internationaler Schutz allein tue es nicht, denn er lähme vielleicht nur die Entwicklung. Sodann übernahm der erste Vorsitzende des Landesverbandes Hessen Staatsrat Block-Darmstadt die Leitung der Versammlung. Wie aus dem Jahresbericht ersichtlich ist, zählt der Landesverband 75 körperschaftliche Mitglieder, 42 Ortsgruppen, 58 Schulgruppen an höheren Schulen Hessens, 12 an Volksschulen und fünf Jugendgruppen. Die Bestrebungen des Verbandes wurden durch den hessischen Staatspräsidenteir und Kultusminister Adelung besonders gefördert. In den Ehrenausschuß wurden neu gewählt Studienrat Monje-Darmstadt als Vertreter des Hessischen Philologenvereins, die hessischen Minister Korell und Kirnberger, Kreisdirektor Rechthien-Friedberg und Dr. Levi-Mainz. Die Pfingstfahrten des Vereins wurden von Hessen stark unterstützt, wie auch die hessische Presse die Bestrebungen des Verbandes lebhaft gefördert hat. Die Versammlung ermächtigte den Vorstand, aus dem besetzten Gebiet noch drei Mitglieder in den Hauptvorstand zu wählen.
Ende der Frankfurter Frühjahrsmesse.
Gesamtergebnis: Zufriedenstellend.
Frankfurt a. M., den 17. April 1929.
Die Frankfurter Frühjahrsmesse ist heute zu Ende gegangen, während die Sonderveranstaltungen „Elemente des neuen Vauens", „Verkehrs-Ausstellung" und „Das deutsche Bier" noch ys zum Sonntag geöffnet sein werden. Trotzdem bereits viele «tande geräumt resp, in der Räumung begriffen waren, hatte doch noch eine ganze Anzahl von Rachzüglern eingefunden, kur no$ in letzter Stunde zur Erteilung von Aufträgen ent- mstoßen. Wenn man das Gesamtergebnis der diesjährigen äruhiahrsmesse beurteilen will, so muß man sich vor aüen -ulngen den schweren Druck vor Augen führen, der auf der deutschen Wirtschaft lastet. Der seriöse Kaufmann ist hierdurch gezwungen, eine äußerst vorsichtige Einkaufspolitik zu treiben, einmal verfügt er nicht über das nötige Kapital, um ein
Warenlager zu unterhalten, und dann fehlt es an einem „Pchen Absatz, um bis zum Erscheinen von Neuheiten das Lager "°umt zu haben. Unter diesen Gesichtspunkten betrachtet,
Gesamtergebnis der Frühjahrsmesse als immerhin °lnedlgend bezeichnet werden. Die Textilaussteller haben zwar, erfr bei der besonders schwierigen Lage dieses Marktes in io schlecht abgeschnitten, dafür haben aber andere Zweige, bralanterie- und Lederwaren, Sommer-Spielwaren, Eardi- âtallwaren, Haushaltungsartikel, Möbel und Holzbe- dsv^t r^bmaschinen einen um so besseren Absatz gefunden. Das sich deutlich darin aus, daß verschiedene Abteilungen schon die nächste Messe ausverkauft sind. Von der Lebens- ist diesmal nicht viel zu sagen, zumal die Jahres- r solchen Messe nicht günstig ist. Die Kollektivausstel- ronhf D?n Spanien, Frankreich, Italien und Belgien dienten mtorro^v’rnur rein propagandistischen Zwecken: nur in der ickoin.?,, schou Abteilung trat das mehr Geschäftliche in Er- oieqtnnrfl' ■ ^'^ olle Fälle hat sich die Frankfurter Messe auch »on ols ein gewichtiger Faktor im Wirtschaftsleben aelmm ""d Südbeutschland, der Pfalz und des Saar- Mirir t auch von West- und Mitteldeutschland erwiesen, Erhaltung nur zu begrüßen wäre.
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Haben die Zigeuner Menschen gefressen?
Vor einem Riesenprozetz.
Am 22. Mai beginnt vor dem Schwurgericht in Kaschau der Riesenprozeß gegen die Moldau-Zigeuner, denen mehrere Morde und Raubmorde zur Last gelegt werden und die gleichzeitig der Menschenfresserei verdächtig sind. Die Untersuchung dauerte volle sechzehn Monate. Tas Gericht erhebt nunmehr gegen 19 Zigeuner Anklage wegen sechs Verbrechen. Von den Angeklagten ist der älteste 28 Jahre und der jüngste 19 Jahre alt. Die Anklage umfaßt 250 Seiten. Den Geschworenen werden mehr als 1800 Fragen vorgelegt werden. Vom Jahre 1922 bis zum Januar 1927 waren die Zigeunerbanden der Schrecken der ganzen Umgebung Kaschans.
Wissenschaft und Wunder.
Ein Prozeß um Konnersreuth.
Vor dem Münchener Amtsgericht wurde ein Beleidig gungsprozeß des Dr. med. Aigner aus Freiburg im Breisgau gegen den Schriftsteller Friedrich Ritter v o n L a m a in Vitzen verhandelt. Es handelte sich dabei um die Erscheinungen bei der T h e r e s e N e u m a n n in Konnersreuth. Zu Beginn der Verhandlung erklärte Dr. Aigner, daß er weder von feiten der Therese Reumann noch von feiten der katholischen Kirche einen beabsichtigten Betrug annehme, er sei der Ansicht, daß eine pathologische Stigmatisation durch Autosuggestion bei Therese Reumann vorliege. Sanitätsrat und bezirksärztlicher Stellvertreter Dr. Seidl aus Waldsassen bekundete als Zeuge, daß die Erscheinungen in Konnersreuth medizinisch heute noch nicht geklärt werden könnten. Wenn man Konnersreuth anerkennen wolle, dann müsse man es als eine religiöse Erscheinung betrachten. Der Zeuge ist der Ansicht, daß die Wunden der Therese Neumann e ch t seien, es seien aber keine Wunden im gewöhnlichen chirurgischen Sinne, sondern Stellen, die bluten. Therese Reumann habe feit September 1927 nichts mehr zu sich genommen. Der Zeuge ist als Arzt, Katholik und Mensch der Ansicht, daß sich diese Erscheinungen natur- wissenschaftlich nicht erklären lassen. Der Zeuge Professor für Psychiatrie an der Universität Erlangen Dr. Gottfried Ewald hält die Wunden der Therese Reumann für eine echte Stigmatisation auf psychogener Grundlage. Es seien keine Artefekten. Die Erscheinung, daß Therese Reumann, obgleich sie keine Nahrung aufnehme, dennoch an Gewicht nicht abnimmt, könnte erst dann erklärt werden, wenn Therese Neumann in einer neutralen Klinik eingehend untersucht würde. Der Zeuge ist der Anschauung, daß die Wissenschaft im Laufe der Zeit die Konnersreuther Angelegenheit noch werde klären können. Die außergerichtlich angebahnten Vergleichsverhandlungen scheiterten. Das Urteil dürfte voraussichtlich am Montag, den 22. April, gefällt werden.
Aus dem Gerichissaas
§ Eine Schadenersatzklage gegen die Feuerwehr. Mit einem Nachspiel zu dem Riesenbrand bei der Firma Sarotti in Berlin-Tempelhof am 20. Januar 1922 beschäftigte sich der dritte Zivilsenat des Reichsgerichts. Der Brand war in den Kellern ansgebrochen und hatte sich in kurzer Zeit über das ganze Gebäude erstreckt, das vollständig ausbrannte. Die Direktion der Firma hatte nach dem Brande Klage gegen die Berliner Feuerwehr erhoben, sie habe nicht alles getan, um den Brand einzuschränken, so daß dieser ein so gewaltiges Ausmaß annehmen konnte. Sie machte deshalb Schadenersatzanspruch in Höhe von 650 000 Mark gegen die Stadt Berlin geltend. Das Landgericht Berlin hatte nach dem Klageantrag erkannt. Das Kammergericht Berlin hob das Urteil auf und wies die Kläger ab. Gegen dieses Urteil richtete sich nun die Revision der Kläger, die aber vom dritten Zivilsenat des Neichsgerichls jetzt verworfen wurde.
§ Erinnerung an trübe Zeiten. Vor dem. .Erweiterten Schöffengericht Berlin-Mitte begann der Beleidigungsprozcß des Reichsanwalts Paul Jörns gegen oeu verantwortlichen Redakteur der Wochenschrift „Das Tagebuch", Joseph Born^ Vein. Im „Tagebuch" war von einem „Staatsanwalt R." dem Reichsanwalt Jörns in einem Artikel der Vorwurf gemacht worden, er hätte im Jahre 1919 die Untersuchung gegen tue Mörder Liebknechts zu deren Gunsten verschleppt und sei während seiner Tätigkeit als Kriegsgerichtsrat in der Unter» fuchungsverhandlung gegen die Mörder und später als Vertreter der Anklage im Prozeß gegen diese nicht objektiv vor- acaanaen.
Nah und Fern.
0 Die Kuh ist los! Zu einer aufregenden Jagd kam es in Dinslaken bei Hamborn. Eine Kuh riß sich los ^'nd raste durch die Straßen. Zwei Männer und eine Frau wurden von dem Wild gewordenen Tier auf dw Hörner genommen und fortgeschleudert. Sie kamen aber glücklicherweise fast ohne Schaden davon. Schließlich wurde die Kuh erschossen.
0 Schweres Kinounglück. In dem westböhmischen Städtchen Taus geriet in dem dortigen Kino der zur Vorführung gebrachte Film in Brand, wobei der Elektrotechniker sowie ein neben ihm stehender Lehrling so schwere Brandwunden erlitten, daß sie unmittelbar nach der Einlieferung in das Krankenhaus verstorben; zwei andere Personen, die sich ebenfalls im Vorführungsraum anf- hielten, erlitten durch Brandgase schwere Vergiftungen.
0 „Es fährt sich so gemütlich auf der Pferdebahn". Die Kownoer Pferdebahn, die wohl eine der letzten in einer europäischen Hauptstadt fein dürfte, hat ihren Betrieb eingestellt. Die Außerbetriebsetzung erfolgte in feierlicher Weise. Sämtliche Wagen wurden in einer langen Reihe durch die Stadt gefahren, umringt von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge, die in Hochrufe auf die „Konka" nusbrach. Auf dem vordersten Wagen hatte eine Musikkapelle Aufstellung genommen, die "Trauerweisen ertönen ließ. Der Wagen, den die Kownoer Studenten kürzlich als Protest umgestürzt hatten, war von diesen besetzt. An den Wagen befanden sich Aufschriften des Inhalts: „36 Jahre, 10 Monate und 21 Tage haben wir der Öffentlichkeit treu gedient, matt und müde gehen wir jetzt zur Ruhe."
0 Der Scharlacherreger gefunden. Professor Sdrawo- myslow von der Universität Perm hat gemeinsam mit Dr. Nikolski nach vierjähriger Forschungsarbeit den Erreger des Scharlachs entdeckt. Eine Reihe von Versuchen hat bestätigt, daß ein Trypanosom, das sich auf der Haut entwickelt, der Erreger der Krankheit ist. Die Entdeckung Professor Sdrawomyslows ändert die bisherigen Anschauungen über die Epidemiologie des Scharlachfiebers und ermöglicht die erfolgreiche Bekämpfung der Krankheit.
0 523 Todesopfer der Pocken. In Bombay bat die Pockencpidcmie 52.3 Todesopfer gefordert. Seit Beginn des Monats soll sich die Lage bedeutend gebessert haben. Während noch im Mürz wöchentlich 70 Todesfälle Vor« gekommen seien, hätten sie sich seit Anfang April auf 47 in der Woche vermindert.
O Raubiiberfall auf einen Eeldtransport in Newyork, Ein Bankbeamter und ein Polizist, die in einer Autodroschke die Summe von 40 000 Dollars transportierten, wurden von fünf Räubern überfallen und niedergeschossen. Die Verbrecher entkamen mit dem Gelde in einem Auto. Die Verletzungen, der Ueberfallenen sind nicht lebens- gefährlich.
O Raubüberfall eines entlassenen Arbeiters. Bei der Lohngelderauszahlung im Bureau der Firma Stephan Fröhlich und Klüpfel auf der Friedensgrube in Friedensbütte erschien plötzlich der 23jährige, früher dort als Wagenstößer beschäftigte Niedzwiec aus Schlesiergrube, der vor einiger Zeit entlassen worden war, und forderte mit der Drohung, daß er von der Schußwaffe Gebrauch machen würde, die Herausgabe des Lohngeldes, das sich auf 600 000 Zloty belief. Die eingeschüchterten Beamten händigten ihm das Geld aus, worauf Niedzwiec sie im Bureau einschloß und entfloh. Es ist noch nicht gelungen, den Täter zu fassen.
O Vorsicht beim Plâtten. In Mallmitz bei Sprottan ereignete sich ein schreckliches Unglück. Der 67 Jahre alten Witwe Ernestine Schmidt fiel beim Plätten ein glühender Bolzen herab, der ihre Kleider in Brand setzte. Tie Frau lief, einer Feuersäule gleich, auf die Straße. Den herbeieilenden Hansbewohnern gelang es jedoch nicht, die Flammen zu ersticken. Die Fran verbrannte bei lebendigem Leibe.
0 Schweres Lawinenunglück. In Gurgl im Otztal ereignete sich ein schweres Lawinenunglück. Ein Skikursus der Nürnberger Polizei, der von dem bekannten Alpinisten Rist aus Nürnberg geleitet wurde, unternahm eine Skitour auf den Festkogel. An der zweiten Mulde löste sich der Schneehang los und verschüttete drei Personen. Zwei der Verunglückten konnten geborgen werden. Sie hatten nur leichte Verletzungen erlitten. Der dritte Verschüttete, der Oberleutnant der Schutzpolizei Nürnberg-Fürth Karl von Bentheim, der nach einer halben Stunde ausgegraben werden konnte, war bereits tot.
0 Blühender Schmuggel. Nach Berichten der Katto- witzer Grenzpolizei wurden in den letzten drei Tagen 23 Schmuggler an der polnisch-deutschen Grenze in Oberschlesien festgenommen. Zwei Schmuggler wurden beim Fluchtversuch durch Gewehrschüsse schwer verletzt. Etwa für 3000 Zloty Schmuggelware konnte beschlagnahmt werden. Außerdem wurden in mehreren Apotheken in Kattowitz Haussuchungen vorgenommen und für mehrere tausend Zloty Heilmittel beschlagnahmt, die in Polen verboten sind.
0 Ein Gauner impft Menschen und Tiere. In einem Dors bei Kalisch hat ein gewissenloser Gauner als angeblicher Tierarzt sein Wesen getrieben. Er erklärte dem Schulzen, daß er beauftragt sei, das Hornvieh und die Schweine gegen eine Gebühr von einem Zloty je Stück zu impfen. Er nahm die Impfung dann auch an etwa 200 Tieren vor. Da im Dorf die Grippe herrschte, baten ihn viele Bauern um ein Mittel gegen diese Krankheit. Er erklärte sich sofort bereit, auch die Menschen gegen die Grippe zu impfen, und benutzte dazu die gleiche Flüssigkeit. Die Folge davon war, daß acht Dorf bewohner außerordentlich schwer erkrankten und 45 Stück Vieh eingingen. Mehrere Ärzte und Veterinäre haben sich in das Dorf begeben, um die Menschen und Tiere zn retten. Der gefährliche Betrüger konnte noch nicht gefaßt werden.
0 Tödlicher Absturz eines Seiltänzers. Auf einem Jahrmarkt in Southall stürzte ein Seiltänzer namens Gappa aus 15 Meter Höhe vom Seile ab und fand den Tod. Eine große Menge von Zuschauern hatte der Vorführung, die bei Fackellicht erfolgte, bcigewohnt.
0 Ein Mann enthauptet feine Frau. In dem Dorfe Plasencia in Spanien tötete im Laufe eines Streites ein gewisser Barcero mit einem Knüppel seine Schwiegermutter und seine Schwägerin, um dann seine Fran mit einem einzigen Messcrschnitt zu enthaupten.
O 14 Personen bei einer Explosion getötet. In Kalgan in China wurden bei der Explosion eines Benzinbehätters 14 Personen getötet und 27 Arbeiter schwer verletzt.
Bunte Tagescbronik
Düsseldorf. Eine mit ihrer Mutier in Streit lebende Frau mußte auf Grund eines Gerichtsbeschlusses ihre Wohnung im elterlichen Hause räumen. Während der Zwangsräumung ergriff die Tochter einen Hammer und bearbeitete damit ihre Mutter derart, daß die Frau schwerverletzt ins Krankenhaus geschafft werden mußte.
Lille. In der Linolcumfabrik in Baisieux brach Großfeuer aus, das die Gebäude, die Vorräte und Maschinen zerstörte. Der Schaden wird auf über anderthalb Millionen Mark geschätzt.
DJlarrafefd). Aus Der Straße von Casablanca nach Marrakesch wurden bei einem Autobusnnfall 15 Reisende verletzt.
Wladiwostok. Bei der Einschtssung von Fahrgästen des Dampfers „Primorje" stürzte ein Landungssteg ein. Zahlreiche Personen fielen ins Wasser. Mehrere von ihnen er« trauten.
Vermischtes.
w. 100 000 Pfund Sterling für den Ankauf von Radium. Die britische Regierung hat 100 000 Pfund Sterling für den Ankauf von Radium zur Verfügung gestellt unter der Voraussetzung, daß eine gleiche Summe aus privaten Mitteln aufgebracht wird. Die Bercitstellunng der Regierungsmittel erfolgt unter dem Eindruck des Berichtes des Ausschusses für die Erforschung der Heilkraft des Radiums, der zu dem Ergebnis gelangt war, daß zur wirksamen Krebsbekämpfung wenigstens noch 20 Granini Radium neu angekauft werden müßten.
w. Städte mit mehr als einer Million Einwohnern. Eine amerikanische Zeitschrift zählt die 34 Städte, die mehr als eine Million Einwohner haben, auf. Die Eiuwohncrjahlen der amerikanischen Städte stammen aus den Jahren 1927 und 1928, die der europäischen zum größten Teil von 1927; dl- der asiatischen sind, mit Ausnahme der japanischen, noch älteren Datums. Ganz richtig dürften sie also alle nicht mehr sein. Es kommt auch sehr darauf an, ob bestimmte Vororte der Großstädte bei der Aufzählung mitgercdjnct sind oder nicht. Die Liste sieht folgendermaßen aus (Zahlen in Millionen». 12 europäische Millionenstädte: London 7,8; Bertin 4,1: Paris 3,1; Moskau 2,1: Wien 1,8; Leningrad 1,6; Budapest 1,2: Glasgow 1,1; Hamburg 1,1; Warschau 1,08; Neapel 1,05; Birmingham 1,02. — 10 amerikanische Millionenstädte: New »ort 6,1; Chikago 3,2; Philadelphia 2,1; Detroit 1,1; LoS Angeles 1,2; Cleveland 1,1; Boston mit Vororten 1.1; St. Louis mit Vororten 1,1; Buenos Aires 2,1: Rio de Janeiro 1,7. — 9 asiatische Millionenstädte: Osaka 2,2: Tokio 1,5; Schanghai 1,5: Hairkau 1.4; Kalkutta 1,3; Bombay 1,2: Peking 1,2; Kanton 1,1: Hangtschau 1.0. Australien bat Uvci Millionenstädte: Sydneu 1,2 und Melbourne 1,1. Afrika Aat die Millionenstadt Kairo mit 1,05.
= Kein Blatt vor den Mund nehmen. Wer kein Blatt vor den Mund nimmt redet so, „w-e ihm der Schnabel gewachsen" ist, also „frisch von der Leber weg". Im „Sitten- spiegel" Francisis findet man die Stelle: „Eche die Komödianten die Maske erfanden, haben sie das Gesicht mit Feigenblättern verstellt und also ihre Stichelreden vor» gebracht."