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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 69 1929 *«»«?¥

Fulda, Freitag, 22. März

6. Jahrgang

Reichstag gegen Giftgaskrieg.

Vertagung des Reichsparlaments bis zum 16. April.

(60. Sitzung.) CB Berlin, 21. März.

Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung des Gesetzentwurfes über das Genfer Protokoll wegen Verbots des Giftgaskrieges. Ein deutschnationaler Antrag aus Ab- staunn von der Tagesordnung wurde gegen Deulschnationale, Sozialdemokraten und Christlich nationale Bauernpartei ab- gelehnt.

Abg. Dr. Haas (Dem.) berichtete in der Debatte über die Verhandlungen des Auswärtigen Ausschusses und meinte, es fei Pflicht des deutschen Polkes, gemeinsam mit den anderen Völkern dafür zu sorgen, daß von der unmenschlichen Waffe des Giftgases kein Gebrauch gemacht werde. Durch die Be- Handlung des Gas- und Luftschutzes in Verbindung mit der Ratifikation des Genfer Protokolls dürfe nicht der Eindruck entstehen, als ob man für den Ernstfall kein Vertrauen zur getreuen Innehaltung der Vereinbarungen habe.

Abg. Grifpicn (Soz.) stimmt der Annahme des Protokolls zu und erklärt, seine Partei werde die Politik der internationalen Verständigung und die Politik gegen den Krieg überhaupt sort- führen. Der Redner wandte sich dann gegen einen von den Nationalsozialisten eingebrachlen Antrag, für Errichtung eines umfassenden Gas- und Luftschutzes einen ersten Teil­betrag von zehn Millionen auüzuwerfeu. Ein wirksamer Gas- und Luftschutz lasse sich für die Großstädte gar nicht durchführen. Er würde nach dem Gutachten von Sachver­ständigen

für Berlin allein einen Aufwand von 54 Millionen erfordern.

Abg. Stöcker (Komm.) bezeichnete das Genfer Protokoll old ein wertloses Dokument und nur zur Täuschung der werk­tätigen Massen bestimmt.

Abg. Dr. Krick (Nat.-Soz.) meinte, das vorliegende Proto­koll sei nicht das Papier wert, aus dem es stehe, und empfahl dann den Antrag seiner Freunde auf Gas- und Luftschutz. Km den besten Schutz erklärte er eine starke Luftflotte.

Abg. Dr. Bredt (Wirtschaftspartei) wies daraus hin, daß schon vor dem Kriege die Anwendung von Giftgas völker­rechtlich verurteilt worden sei und daß nach dem Versailler Vertrag die Herstellung des Giftgases in Deutschland schon

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Im Reichstag wurde dem in Gens protokollierten Verbot des Giftgaskrieges auch für Deutschland in dritter Beratung endgültig zugestimml.

* Der französische Marschall Foch, der bekannte Oberbefehls­haber der Entenleheere bis zum Schluß des Weltkrieges, ist im Alter von 78 Jahren gestorben

* Zwischen dem chinesischen Marschall Tschiangkaischek und dem General Feng ist erneut der Kriegszustand proklamiert worden. Die Feindseligkeiten sind schon ausgebrochen.

Gerichtliche Verfolgung Dr. Moufangs.

Preußischer Landtag.

(66. Sitzung.) tt. Berlin, 21. März.

Der Landtag nahm einen Antrag der Nationalsozialisten und der Deutschen Fraktion an, gegen den entlassenen Direktor der Staatlichen Porzellanmanufaktur, Dr. Moufang, eine gerichtliche Klärung im Interesse der Sauberkeit in den Staatsbetrieben herbelzusühren

Nachdem das Haus den Gesetzentwurf zur Abänderung der kommunalen Grenzen der Stabt Brandenburg verabschiedet hatte, wonach die Landgemeinden Dom-Brandenburg und Neuendorf des Landkreises Wcsthavelland in den Stadtkreis und die Stadlgemeinbe Brandenburg eingegliebert werden sollen, nimmt der Landtag tn zweiter Beratung den Haushalt der Preußischen Staatsbank nach den Ausschußbeschlüssen an.

Es folgt sodann Die zweite Beratung des

Haushalts des Landtags,

wobei Abg. Kasper (Komm.) die Geschäftsführung des Präsi­denten stark angreift

Frau Abg. Hielscher-Panten (Dm., wendet sich gegen bie ötmaljnte festlicher Veranstaltungen im Landtag.

Abg. Beuermann (D. Vp.> wünscht eine schärfere Hand­habung der Geschäftsordnung und wendet sich ebenfalls gegen zu zahlreiche Vergebung der Landtagsräume an Privat- orgauisülionen.

Abg. Stiebel (Dem.) bemängelte, daß der Landtag sich viel­fach mit Dingen beschäftige, die gar nicht in seine Zuständig­keit gehörten

Abg. Ladendorff (Wirlschastspartei) betonte, daß am Haushalt des Landtages Hunderltausende gespart werden konnten, wenn man an plenarsitzungsfreien Tagen auch keine Ausschußsitzungen veranstalte, die so hohe Sonberbiäteu er» fordern.

Für Senkung her Baukosten.

Richtlinien für das W 0 h n u n g s w e s c n.

Der Wohnungsausschuß des Reichstages beriet den Entwurf der Reichsrichtlinicn für das Wohnungswesen. ,. ' handelte sich hauptsächlich um die Frage, ob die "'verreichen Familien bevorzugt aus den Alt- wohnungen genommen und in Neubauwohnungen unter» gebracht werden sollen. Die große Mehrheit des Aus- wüljses sprach sich dagegen aus, tvcil die kinderreichen Familien 3um größten Teil wirtschaftlich geschwächt, die Neubaumieten daher für sie zu hoch seien. Die Möglich­st zur Unterbringung einer größeren Anzahl von kinder- !"Gon Familien in Neubauwohnungen wäre daher höchstens unter großen Zuschüssen des Reiches möglich. 7lc allgemeine Ansicht ging dahin, daß das Hauptbc- L .^o der Regierung und der Parteien ans die Senkung

^"»kosten gerichtet sein -müsse. Die Beratungen des 'UiSschusseS werden am 9. April festgesetzt.

verboten sei Das jetzt erstrebte internationale Verbot des Gaskrieges müsse allerdings eigenartig anmuten, nach­dem durch den Kellogg-Pakt der Krieg überhaupt schon ver­boten sei.

Abg. Dr. Külz (Dem.) bezeichnet einen wirksamen Gas­schutz als unmöglich. Um so notwendiger sei eine inter­nationale Achtung der unmenschlichen Giftgaskampsmethode.

Die Vorlage wurde darauf gegen die Deutschnntionalen. die Nationalsozialisten und Christlich-Nationalen endgültig angenommen.

Darauf wurde der l o m m u n i st i s ch e Mißtrauens- a n t r a g gegen den Rcichsfinnnzministcr Dr. Hilferding gegen die Antragsteller, die Deutschnntionalen und National sozialisten, unter Stimmenthaltung der Wirtschaftspakte!, a b - gelehnt.

Der Reichstag genehmigte dann den Bericht des Rech- nungsausschusses über die Haushaltsrechnung 1927. Der Ausschuß empfahl die Genehmigung der Haushaltsüber- schreitungen und außerplanmäßigen Ausgaben und ersucht in mehreren Entschließungen die Regierung, künftig die Fest Peilungen und Mitwirkungen des Ansschugcs zu beachten

Nach kurzer Aussprache stimmt das Haus auch dem An­trag des Geschäftsordnungsausschusses über die Wiederein­führung der Beantwortung Kleiner Anfragen im ReichslagS- Plenum zu.

Es folgt dtè Beratung des Berichts des Haushaltsaus­schusses über Fragen des Artikels 14 der

Personalaübauvcrordnung.

Der Ausschuß beantragt, denjenigen Reichsbeamtinnen, die nach Ablauf des Art. 11 wegen Verheiratung freiwillig aus dem Rcichsoienst ausscheiden, für den Verzicht auf den Pen­sionsanspruch im Verwaltungswege eine Abfindung fufu erkennen. Ferner wurde die Reichsregierung ersucht, die Dlcnst- und Rechtsverhältnisse für die verheirateten Beam­tinnen möglichst bald reichsgesetzlich zu regeln. Der Antrag wird angenommen, nachdem ein vom Zentrum, der Bayerischen VolkSpartei und den Demokraten eingcbrachicr Ab- änbcrungëantrag, wonach die am 31. März b. J. ablausende Bestimmung der Personalabbauverordnung bis 31. März 1930 in Geltung bleiben soll, nicht die notwendige Zweidrittelmehr­heit erhalten hat.

Daraus vertagte sich das Haus auf den 16. April nach­mittags. Präsident Löbe, der die Sitzung mit Osterwünschen für die Abgeordneten schloß, erhielt die Ermächtigung, die Taaesordnuna für die nächste Sitzung selbst sestzusetzen.

Zum Tode des Marschalls Foch.

Der amerikanische Botschafter in Paris, Myron I. Herrick, wird als persönlicher Vertreter des Präsidenten Hoover bei der Beerdigung von Marschall Foch anwesend sein. General Perchung wird das amerikanische Heer ver­treten.

^ur Artillerie über Ende der 80er Jahre kam er in den Gen/ralstab. Nachdem er sich durch Herausgabe mehrerer Bücher einen Namen in Der frathonfdnn Jlititar Wissenschaft gemacht hatte, wurde er 1908 zum Direktor Dir eSabemie ernannt. 1913 erfolgte seine Ernennung zum Genen.! des 8. Korps; bald daran, noer- nahm er die Führung des 20. Kow».

Rückgang des deutNen Außenhandels.

Ein- und Ausfuhr beträchtlich gesunken.

Im reinen Warenverkehr beträgt im Februar die Einfuhr 1017 Millionen Mark, die Ausfuhr ein­schließlich der Reparationssachlieserungen 973 Millionen Mark Die Einfuhr übersteigt somit die Ausfuhr um 44 Millionen Mark. Auf Reparationssachlieserungen ent- fallen 52,3 Millionen Mark.

Gegenüber Januar sind sowohl die Einfuhr wie bie Ausfuhr beträchtlich zurückgegangen. Der Rückgang bei der Einfuhr um mehr als 300 Millionen Mark entfällt mit 142,1 Millionen Mark auf Rohstoffe, mit P4 7 Millionen Mark auf Lebensmittel, die Einfuhr von Fertigwaren hat sich nur unerheblich verändert. -

Von dem Ausfuhrrückgang von 131,4 Mil­lianen Mark gegenüber Januar entfallen 77,9 Millionen Mark auf Fertigwaren und 36,5 Millionen Mark auf Rohstoffe. Geringe Zunahme zeigt lediglich die Ausfuhr von Maschinen, Pelzen und Pelzwarea sowie von flletbuna und Wäsche.

Oie Ehe Gchweden-Aorwegen.

Die Trauung des Kronprinzenpaares in Oslo.

In der Erlöserkirche von Oslo sand die Trauung des Kronprinzen Olaf von Norwegen und der Prin­zessin Martha von Schweden statt. Bereits lange vorher waren die Straßen, durch die die Anfahrt zur Kirche erfolgen sollte, von einer riesigen Menschenmenge umsäumt, die mit fortschreitender Zeit immer weiteren Zuzug erhielt. Bor der Kirche, begleitet vom Herzog von

Der Einzug Dio rrvnpU:!zsiä;cn Brautpaares in Oslo.

yorf, traf Kronprinz Olaf in Leutnantsuniform ein. Unter den Klängen des Hochzeiismarsches betrat er die Kirche und nahm zur Linken des Altars Platz. Wenige Minuten später erfolgte die Anfahrt der Fürstlich­keiten. Inzwischen hatte, begleitet von ihrem Vater, dem Prinzen Karl und unter Voranfahrt der acht Braut­jungfern, die Braut vom Schloß aus die Fahrt zur Kirche angetreten. Am Arme ihres Vaters unter Chor­gesang betrat sic die Kirche und nahm rechts vom Altar Platz. Bischof Lunde vollzog die Trauung nach dem in Norwegen üblichen Zeremoniell. Nach gemeinsamem Gesang eines Liedes, Kollekte, Chorgesang und neuer­lichem Gemeindegesang verließen das kronprinzliche Paar und die übrigen Gäste die Kirche unter den Klängen eines Auszugsmarsches. Im selben Augenblick begannen vom Fort Akershus die Kanonen Salut zu schießen. Die Rückfahrt zum Schloß erfolgte in umgekehrter Reihen­folge wie die Anfahrt. Eröffnet wurde diesmal der Zug von einem vierspännigen Galawagen mit dem kronprinz- lichen Paar, dem überall nicht endenwollende Jubelrufe entgegenhallten. Nach der Rückkehr auf das Schloß fand ein Frühstück für etwa 250 Personen statt. Am Abend trat das Kronprinzenpaar die Hochzeits-^ reife nach dem Süden an.

Langsame Erleichterung am Arbeitsmarkt

Der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit überschritten.

Die winterliche Arbeilslosigkeii hat nach bett Berichten der LanvesarbeitSämler in ber Berichiswoche, zwei Monaie später als im Vorjahre, ihren Höhepunkt überschritten Die Ent­lastung des Markles fehle nur schwach und zögernd ein. Der Erdboden ist noch so hart gefroren, daß die Aufnahme der Außenarbeilen mit großen Schwierigkeiten zu sümpfen hat. Die erhofften Massenabrufe von Arbeitskräften blieben noch aus. Ettvas spürbarer wurde die Lage in Westfalen, Nieder­sachsen. Südwestdeutschland und Hessen erleichtert. Seitens der Landwirtschaft hat sich die Nachfrage erheblich gesteigert. Auch die Arbeiten in der Forstwirtschaft wurden vielfach wieder ausgenommen.

300 Merilamsche Bergleute durch Explosion verschüttet

Parno.ssuS (Pennsylvania). Durch eine Explosion in Valleyramp. im Bergwerk Der Dortigen Rohiemompagnie, wurden 360 Bergleute verschüttet. Die Explosion erfolgte, kurz nachdem die Tngcsschichi eingcfahrcn war. Slud den benach­barten Städten wnrden Rettnugsmannschasten Herbeigerusea. Nach Den ersten Meldungen wurden fünf Leichen geborgen.

21 stark verbrannte Leichen sind jetzt aus dem Bergwerk in

Vallcycamp geborgen worden.

Kinobrandkatastrophe in Rußland. 114 Todesopser.

wlb. Moskau, 31. März. In einem Dorfe im Eouvernemenr Wladimir brach in einem Holzgebäude, in dem eine Kinoauf- führung stattjand, ein Brand aus. 114 Personen kamen bei der Katastrophe ums Leben.

Arbeiter und Angestellte

Glciwih. (Schiedsspruch i in ober schlesischen Bergbau.) Vor Dem vom Reiwsarbcusminister ernannten Svnderswlichier fanden Die Verhandlungen über Den Maniel- tarif und über die Arbeitszeit im deutsch oberschicsischen Berg bau statt. Ta eine Einigung nicht zustande kam. wurde eine Schlichterkammer gebildet Diese fällte einen Schiedsspruch. Der über den wichtigsten Punkt, Die Arbeitszeit, folgendes besagt: Die Arbeitszeit im Steinkohlenbergbau unter Tage bleibt wie bisher acht Stunben, über Tage tritt tm allgemeinen ein Verkürzung um eine halbe Stunde ein. Das Abkomme- > gilt bis 1. Oktober 1930. Die Parteien haben sich bis zum 25. März über Annahme ober Ablehnung des Schiedsspruchs zu erklären.