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Zul-aer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und tzaunetal Fuldaer Kreisblatt

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Nr. 65 1929

Fulda, Montag, 18. März

6. Jahrgang

221 tote Soldaten.

Französische Herresverwallung.

Dennoch Vertrauensvotum.

In einer lang ausgedehnten Nachtsttzung die sich bis in die Morgenstunden erstreckte, behandelte die Fran­zösische Dcputiertenkammcr die zahlreichen Todesfälle unter den Mannschaften der im Rhein and stehenden Be- sahungsarmee. Eine Anzahl von anfragenden Abgeord­neten brachten reiches Material vor, das erschütternde Leichtfertigkeiten und Vernachlässigungen der Vorgesetzten gegenüber den ihrer Obhut unterstellten Gemeinen blotz- stellte. Von der Regierung mutzte zugegeben werden, daß allein in den Monaten Januar und Februar 221 Mann der Rheinlandsarmee an Erkältungskrankheiten und Frosteinwirkungen gestorben, also teilweise einfach erfroren sind. Dessenungeachtet lehnte die Kammer schließlich ein gegen die Regierung eingebrachtes Miß­trauensvotum mit 398 gegen 262 Stimmen ab und sprach ihr mit 314 gegen 246 Stimmen ihr Vertrauen aus.

Poincars hat also abermals gesiegt, wenn auch nur mit geringer Mehrheit, und es ist zweifellos datz die Debatte über die Vorfälle im Rheinland noch nicht ab­getan ist.

Ein Maskenhali.

Der Abgeordnete B a r t h e brachte Mitteilungen vor. die ihm aus den rheinischen Garnisonen zugegangen sind und verlas Briefe von Eltern und Verwandten ver­storbener Soldaten. Barthe behauptete, daß in Trier ein Maskenball der Offiziere stattgefundcn habe, als bereits 10 Soldaten gestorben waren. Als der Besuch der Unter» suchungskommission, an deren Spitze Marschall Pstain stand, angekündigt wurde, sei plötzlich Befehl erteilt worden, über Nacht alles in Ordnung zu bringen, nament*

WWetter-- und Wassergefahr.

In Amerika zahlreiche Menschen umgekommen.

In Deutschland gehen die Schneeschmelze und der Eintritt des Tauwetters so allmählich vor sich, daß bisher größere Katastrophen vermieden wurden. Von der U s e d 0 m k ü st e werden allerdings erhebliche Eisschäden gemeldet, die die bei Nordwestwind zum Lande drückenden Eismassen angerichtet haben. Außer der Landungsbrücke des Ostseebades Heringsdorf, von der nur das nahe am Ufer liegende Brückenrestaurant erhalten ge­blieben ist, ist auch die Seebrücke des Bades Zinnowitz an ihrer Spitze in beträchtlicher Länge zusammengebrochen. Das wichtige Uferschutzwerk am Streckelberg, der höchsten Erhebung der Usedomküste, hat ebenfalls unter dem Druck stark gelitten. Eine Reihe von Buhnen, die der Beton- Mauer vorgelagert sind, gelten als ganz zerstört.

Die von dem LinienschiffElsaß" aus Eisnot be- sreilen Dampfer sind in den Kieler Hafen eingelaufen. Es handelt sich um den deutschen DampferLisa", den eng­lischen DampferBaltrader", den NorwegerHavborg" und den polnischen DampferTczew". DieLisa" be­nötigte Schlepperhilfe. In der westlichen Ostsee befinden M nunmehr keine vom Eise eingeschlossenen Dampfer mehr. DieElsaß" ist nach Beendigung der Hilfsaktion 1,1 den Kieler Hafen zurückgckehrt.

An der Donau hat die Eisschmelze verschiedentlich Schaden angerichtet. Infolge des Eisganges trieben 25 im Winterhafen bei den Zigeunerinseln in der Nähe von Belgrad liegende ^astkälme ab. Ein dem Bayerischen Lloyd gehörender ^astkahn sank, ferner ein Perkehrsdampfer, der den Per­sonenverkehr zwischen Belgrad und Semlin vermittelte. >äehn Lastkähne konnten von den diensttuenden Schleppern angehalten werden, die fünfzehn anderen wurden durch die reißende Strömung fortgeführt.

Budapester Meldungen zufolge ist der Rakostbach am Rande der Stadt aus seinen Ufern getreten und hat einen großen Teil des anliegenden Vororts unter Wasser gesetzt. Mehr als hundert Familien stehen obdachlos da. Durch Unterspülung der Grundmauern wurden mehrere Häuser zum Einsturz gebracht.

In der K r i m ist- Hochwasser eingetreten. Vlele Ortschaften in den Bezirken Sebastopol, Simferopol und Modossia sowie in anderen Gegenden der Krim sind über­schwemmt. In der Stadt Kertsch steht das Wasser in den Kratzen ein Meter hoch.

Wie aus Wilna gemeldet wird, besteht in mehreren Bezirken Nordostpoleus ernste Hochwassergefahr. Die Flüsse sind aus den Usern getreten und bedrohen bereits Eisenbahnverkehr.

Hochwafferverheerungen in Amerika.

In den Staaten Georgia, Florida und Alabama sich das cingetretcnc Hochwasser zu einer immer n^orcn Katastrophe aus. Mehrere hundert Quadral- on Landes sind völlig überschwemmt. Mehr als XW Menschen schweben in Gesahr. Die Zahl der tti «' dir in Glba (Alabama) durch das Hochwasser des

» Pea ums Leben kamen, beläuft sich bereits aus ük Rettung der Bewohner aus den Orten im ^j"iAwemmungsgcbict ist vielfach nur durch Boote ->ich. Auch dabei haben sich noch zahlreiche Unglücks-

^$ die Küchen und Spitäler. Es kommt wiederholt zu autzcrordentlichen Lärmszenen, so. als der Abgeordnete E a ch i n von mehr als 300 gestorbenen Soldaten spricht und behauptet, datz Hunderte von erkrankten Mann­schaften heute noch in den Lazaretten lägen Nicht die militärischen Dienststellen, sondern die Regierung sei ver­antwortlich. Ter Abgeordnete bezweifelt es, daß die Untersuchung gründlich geführt worden sei.

Der Kriegsminister Pain rvè

wußte aus die erschütternden Anklagen wenig zu er­widern. Zwei Generale und ein Oberst würden bestraft werden. Die Familien der Opfer würden durch Pen­sionen, die durch besondere steuerliche Maßnahmen aufzu­bringen seien, entschädig, werden. Er, der Kriegs­minister, habe sich nichts vorzuwerfeU: er glaube, seine ! Pflicht erfüllt zu haben. Der Abgeordnete Dorio, war damit nicht zufrieden, er verlangte sofortige Räumung des Rheinlandes besseren Sanitätsdienst und i menschenwürdigere Behandlung. Die Soldaten hätten, so erklärte er, weder das Recht noch die Möglichkeit, sich zu beschweren. Gegenwärtig seien Soldaten zu ins­gesamt 495 Jahren verurteilt, weil sic für genügendere Lebenübcdingungen gekämpft hätten.

*

Maßregelungen in der sranzösischen Rheinarmee.

Paris. Kriegsminister Painlcvö wird gegen solgende drei höhere Offiziere der französischen BZatzunqsiruppen Strafen verhängen: gegen Divisionsgeneral de Partouncaur den Befehlshaber der 4. Kavallcriedivision und gleichzeitig Platzkommandanten von Trier, ferner General Goubeau, den Befehlshaber des 30. Armeekorps in Mainz und endlich Oberst Marminia. Die drei Offiziere sind nach Paris beordert worden.

fülle durch das Kentern der überlasteten oder unvorsichtig geführten Boote ereignet.

Dazu kommen vielfache Entgleisungen von Zügen auf den unterwaschenen Bahndämmen. Die Hoffnungen auf eine baldige Abnahme des Hochwassers sind durch Wolkenbrüche der letzten Tage vernichtet. Nach allen Be- richten ist ein weiteres Anschwellen des Hochwassers, das in sonst trockenem Gebiet stellenweise sieben Meter hoch steht, zu befürchten. Die Zahl der Obdachlosen wird auf 25 000 geschätzt.

Sin japanische« Schwert für Sindenburg

Hochachtung vor der deutschen Kultur.

Marquis Okuma, Sohn des verstorbenen japanischen Staatsmannes und Präsident der ZeitungHochi", hat dem Reichspräsidenten v. Hindenburg durch Dr. Ikeda (auf dem Bilde), einem Mitglied der genannten Zeitung, ein kostbares altjapanisches Schwert überreichen lassen. Das Schwert stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die Scheide, eine Goldlackarbeit, ist aeschmückt mit Goldlackreftef-

Malereien nach Mustern von Chrysanthemen und Schling­pflanzen.

In seiner Rede führte Dr. Ikeda als Grund der Übergabe an: Daß Marquis Okuma sich entschlossen hat, dieses Schwert aus seinem Familienbcsitz dem Reichspräsi­denten zu überreichen, ist in seiner Hochachtung vor do- beutfcbcn Kultur begründet, die nicht unwesentlich dazu beigetragen bat, die Kultur des modernen Japans zu schaffen? Gleichzeitig glaubt er, durch diese Gabe die zwischen Japan und Deutschland bestehenden kulturellen Beziehungen noch mehr fördern zu Tannen.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Für die Reichskasse wurde ein kurzfristiger Kredit von 150 Millionen Mark bei einigen Berliner Großbanken eröffnet.

* Im Hauptausschuß des Reichstages wurde der von der Regierung vorgelegte Notetat für die Zeit bis 1. Juli 1929 angenommen

* Die Zahl der Unterstützungsempfänger in der Arbeits­losenversicherung hat in der zweiten Februarhälfte etwas ! weniger als früher, aber immer noch um 100 000 Personen, ; angenommen

i * Eine schreckliche Bluttat ereignete sich in Leipzig, wo ein Vater seine drei Kinder und dann sich selbst, wahrscheinlich in gestiger Umnachtung, tötete.

* Weite Gebiete Chinas leiden unter einer schrecklichen Hungersnoi über 17 Millionen Menschen haben Mangel an den einfachsten Nahrungsmitteln.

i Belgiens Mlitârsp onage aufgehoben. Französische Märchen.

i Die belgische Regierung beschloß, den Nachrichtendienst I beim Generalstab aufzuheben und ihn der dem Justiz- 1 Ministerium unterstehenden Sicherheitspolizei zu über­tragen. Auch hat die Regierung die Generalstaatsanwälte zur Äußerung darüber aufgefordert, ob ein Bedürfnis zur Ergänzung des Spionagegcsctzes vom 4. August 1914 besteht. Außerdem wird ein Gesetzentwurf zur Ver­stärkung der Fremdenpolizei vorbereitet.

Eine französische Zeitung hatte die Behauptung aus­gestellt, daß der belgische Außenminister sich dem deutschen Gesandten in Brüssel gegenüber dahin geäußert haben soll, die Erfahrung habe bewiesen, daß man Vertrauen in das von Belgien gegebene Wort haben könne, während andererseits die Erfahrung gelehrt habe, daß man in ein von Deutschland gegebenes Wort nicht immer dasselbe Vertrauen setzen könne. Diese Meldung ist in einige I belgische Blätter übergegangen. Nach maßgebenden Er- : kund'.gungen ist an dieser Behauptung kein wahres Wort, wie halbamtlich aus Berlin mitgeteilt wird.

Mexikanische Knegsereigniffe.

Angebliche Erfolge auf beiden Seiten.

Amtlich wurde bekanntgcgeben, Flieger der Re­gierungstruppen hätten erkundet, daß General Escobar, der Befehlshaber der Aufständischen in Torreon, be­gonnen habe, die Stadt zu räumen. Die Kavallerie der Rcgierungstruppen habe die Ortschaft San Pedro besetzt, von wo aus Torreon in vierzig Minuten Automobilfahrt erreicht werden kann. Der Führer der Regierungs­truppen, General Calles, habe den Sturm auf die Stadt begonnen.

Das revolutionäre Hauptquartier in Iuarez gibt , bekannt, daß die Stadt Agnas Calientes, die auf halbem Wege zwischen der Hauptstadt Mexiko und Tor­reon liegt, durch Rebellentruppen erobert worden ist. Bei der Einnahme der Stadt wurden viele Soldaten der Bundestruppen getötet und eine große Anzahl gefangen­genommen. Das revolutionäre Hauptquartier mißt der Einnahme von Agnas Calientes große Bedeutung bei, da dadurch, wie es heißt, die Verbindung zwischen den auf Torreon vorrückenden Bundestruppen unterbrochen wird.

Verschärfung der Lage in Spanien.

Universität Madrid auf anderthalb Jahre geschlossen.

Durch königliches Dekret ist dic Universität bis zum Oktober 1930 geschlossen worden. Der Rektor, die Fakul- tätsdekanc, die Quästoren und Kuratoren werden ihrer Ämter enthoben und durch ein königliches Kommissariat ersetzt. Die Professoren und Studierenden, die als nicht- verantwortlich anerkannt werden, werden in alle ihre Rechte wieder eingesetzt. , .

Der Studentcnbewegunq scheinen sich retzt auch btc Professoren, und zwar mit führender Rolle, angeschlossen zu haben. Medizinische und juristische Professoren tn Madrid erklärten vor der Universitätsschließung ihren Rücktritt. Inzwischen wurde auch an den Universitäten von Valencia,Tarragona und Barcel 0 na der Streik begonnen. Auch in Granada kam es zu Aus­schreitungen, die zur Verhängung des Belagerungszu­standes führten. Mehrere böherc Gendarmerieoffizierc sollen infolge der Zwischenfälle, die sich bei ihrem Auf­treten gegenüber den Demonstranten zutrugen, deportiert worden sein.

Bankkredite für das Reich.

15 0 Millionen Mark.

Wie bereits angelünbigi wurde, hat das Reich mit verschiedenen Berliner Großbanken ein Abkommen ge­troffen, das die Gewährung von kurzfristigen Krediten Vorsicht. Zu den an dem Abkommen beteiligten Banken gehören außer den vier D-Banken noch die Rcichslredit- gesellschaft, die Commerz- und Privatbank, die Berliner Handelsgesellschaft und das Bankhaus Mendelssohn. Bei dem vereinbarten Krcditbcwag handelt eS sich angeblich um die Summe von 150 Millionen Mark.

Die Rückzahlung dürfte bereits in mehreren Wochen erfolgen. In der ersten Hälfte des Monats April liegen wichtige Termine für Steuerzahlungen, die die Kassen des Reiches auffüllen werden. Bis dahin soll der vor liegende Kredit der Großbanken dazu beitragen, die augenblicklichen Kaffenschwierigkeiten bc^ Reiches zu beheben.