Aus Keffen-Mau und AsHbargebleten.
Merkblatt für den 16. Februar.
KnnnenauiaaNa 7" II Wondausgang Sonnenuntergang 1?“ / Monduntergang
1834: Der Natnrsorschcr Ernst Häckel geboren.
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Wie dir dein eigenes Leben lieb ist, so auch den andern Ge- Börsen; die Guten haben mit allen Mitleiden, wie mit sich Indisch.
Wetterbericht.
Die von Südosten gekommene Tiefdruckstöruna, die überall in Deutschland Schneefälle gebracht hat, scheint sich nunmehr mit âcm sehr rasch über England erschienenen Lustdruckfailgebiet L vereinigen, doch hat auch dieses nicht genügend Kraft, um eine Westströmung einzuleiten. Vielmehr drängt das Hochdruckgebiet über Finnland erneut südwärts, so daß nach Auf- Iiören der Schneefälle die Ostströmung sich wieder allgemein durchsetzt. Vorhersage bis Freitag abend: Nachlassen der Schnee- sällc und stellenweise auch schon Aufheiterung noch starker Fro>t, chwache Luftbew, gung. — Witterungsaussichten für Samstag: Andauern des winterlichen Frostwetters.
* Fulda, den 15. Februar 1929.
Grippeferien in der Evangel. Volksschule.
Von der Leitung der Evangelischen Volksschule wird uns mitacteilt, daß die Schule auf Grund kreisärztlichen Gutachtens I menen Erkrankung der Kinder an Grippe bis aut weiteres gc- I schlossen bleibt. "Der Wiederbeginn des Unterrichts wird in tot Presse bekannt gegeben.
Genehmigte Geldsammlung.
Dem Volksbund „Deutsche Kriegsgräbcrfüriorge" in unter - Vorbehalt des Widerrufs die Genehmigung erteilt worden, am kSonntag, den 24. Februar d I., bei den von ihm geplanten I Trauerfeiern innerhalb der Versammlungsräume und auf den KEH enfriedhöfen, Geldsammlungen zugunsten der Pflege der k dcutichen Krieaergräber im Auslande zu veranstalten.
I ' Auf öffentlichen Straßen und Plätzen dürfen Sammlungen r.id;t veranstaltet werden.
Von der Stadtkrastpost.
Der viertelstündige Verkehr der Stadtkrastpost wird oor- I läufig nur noch von 12 15 Uhr bis 15 Uhr und von 18.00 Uhr I tis 20.00 Uhr durchgeführt.
Steht auch in Fulda Kohlenmangel bevor?
Wie uns aus Kohlenhändlerkrersen mitgeteilt wird, ist I ouÈ für Fulda bei weiterem Anhalten der Kälte mit der Mog- ; Weit einer Kohlenknappheit zu rechnen, da die Kohlen- und ° belmders die B.ikettzufuhr merklich ins Stocken geraten iit. I M-ll eicht empfiehlt es sich deshalb, dem Beispiel anderer Städte (; B Stuttgart) zn folgen und die Schulen vorläufig zu f schließen, um die Kohlenvorräte der Schulen zu sparen, damit sic im Notfalle als iReieroe zum Privatverbrauch an die Bcvöl- I terung abgegeben werden können Da der Unterricht in den ■ Schutz» wegen der großen Zahl der an Grivpe erkrankten Kin- f der zur Zeit doch nur beschränkt weiter geführt werden kann, Fliege sich eine allgemeine Schulschließung um so leichter cr- I möglichen.
Ein weiterer Brand,
der unter Umständen größere Ausdehnung hätte annehmen können, ereignete sich Donnerstag vormittag in einem hiesigen Kauf- ; Haus. Dort hatte der Inhaber seinen auf dem Weg ins Geschäft naßgeschneiten Mantel in der Nähe des Büro-Ofens zum . lurocknen aufgehängt, Nack^kiniger Zeit wurde durch Zufall tnldcckl, daß der Mantel in Hellen Flammen stand. Wäre man rächt rechtzeitig auf bie’en B^and aufmcrksani geworden, so hätte sehr leicht ein größeres Brandunglück entstehen können.
Thratergemeinde Fulda.
Als nächste Vorstellung der Theatergemeinde gibt am 19. Februar die „Neue Tanzbühne" von der Städt. Oper Essen im Aedtsaal ein Gastspiel.
Die Leistungen dieses Tanzensembles sind vom vorjährigen Gastspiel her noch in bester Erinnerung. Das diesjährige Programm bringt neben Einzeltänzen zwei größere Tanzspicle, eines klassischer Art zu Schuberts wunderschöner Rosamundc- mvfif und ein modernes witziges Tanzwerk von revue-artigem Einschlag. Mit diesen! Programm erzielte die "Neue Tanz- kähne" auf ihren Gastspielreisen, u. a. auch in Berlin, große Eisolge.
Bereinigung ehemal. 81er.
Man schreibt uns: Zu der am kommenden Sonntag, den 17. Februar bei Kamerad Franz Sallmaut, stattfindenden MonatsverjammIung wird das vollzählige Erscheinen der Kameraden cruartet. In der Versammlung sollen u. a. bezüglich der im Sommer 1929 in Fulda stattfindenden Verbandstagung der 81er wichtige Beschlüsse gefaßt werden. (Siehe auch die Anzeige in dieser Nummer.)
Elektrola-Konzert.
Am Samstag, den 16. d. M. veranstaltet die Firma I. Mollenhauer u Söhne im großen Stadtsaal wieder eines der beliebten Schallplattenkonzerte mit Elektrola-Schallplatten Ein ausgewähltes Programm wird die neuesten Elcktrola-Kunn- Schallplatten zu Gehör bringen Frl. Herta Baerthel-Kafsel wird, mit einigen Tanzeinlagcn das Programm ergänzen. Der Vorverkauf Oer nummerierten Eintrittskarten findet bei der Fa. I. Mollenhauer u. Söhne, Friedrichsmarkt, statt.
2. Fortsetzung.
übertrug man dem jungen Pulvermann bereits die Leitung der Expedition, weil sich der Bengel dank der ständigen Lektüre des Fuldaer Anzeigers staunenswerte geographische, postalische und zollkund- liche Kenntnisse angeeignet hatte. Überhaupt, er wußte in allen Dingen Bescheid. Staunte man, so lächelte er nur: „Machen Sie es wie ich, halten auch Sie den Fuldaer Anzeiger, dann sind auch Sie überall im Bilde“
(Fortsetzung folgt.)
Der gestrige Viehmarkt
Auf dem gestern hier statt gefundenen Viehmarkt waren 371 Stück Vieh aufgetrieben. Der Gattung nach waren es: 6 Bullen, 14 Ochsen, 98 Stiere, 114 Kühe, 96 Rinder und 45 Kälber. Bezahlt wurden für das Stück: Bullen 200—300 RN Ochsen 4G0—500 RN Fahrstierr 300—400 RN. Iungsticre 140—ISO RN, frischmelkende Kühe 420—520 RN, ältere trächtige Kühe 200 bis 300 RN, hochträchtige Rinder 320—420 RN Iungrinder 1'0—1d0 RN Kälber 50—70 RN ältere Schlachtkühe 120—450 RN. Infolge der großen Kälte fehlten auswärtige Käufer. Der Handel war sehr gedrückt. Es verblieb ziemlich Uebersland. Der nächste Viehmarkl findet am 7. März 1929 statt. Zum | Markt trafen von auswärts 43 Wa^en mit Vieh ein. Nach Marktschluß wurden insgesamt 64 Wagen mit Vieh beladen. Infolge der Glätte auf den Straßen kamen beim Auftrieb zunD Markt und zum Bahnhof wiederholt Tiere zu Fall. Es verging jedesmal geraume Zeit, bis das betreffende Tier wieder auf bic Beine gebracht werden könne. Glücklicherweise gingen diese „Fälle" ohne Beinbrüche ab.
* Dalherda, 13. Febr. (92 Jahre alt.) Am 11. Februar vollendete Frau Katharina Erösch geb. Müller ihr 92. Lebensjahr. Der treuen, ehrwürdigen Greisin, die sich noch einer guten Rüstigkeit erfreuen darf, wünschte die ganze Ecineinde zu diesem seltenen Fest viel Glück und Gottes Segen.
* Dalherda, 13. Febr. Die gegenwärtig grimmige Kälte richtet recht bedenklichen Schaden an. So sind in den letzten Togen die Wasserzuleilungsröhren zu vielen Häusern eingefroren, so daß die Bewohn, r gezwungen sind, in Nachbarhäusern bzw. aus Hydranten ihren Wasserbedarf zu decken. — Seitdem die Wasserleitung unseres Ortes gebaut ist, ist cs zum ernenntet, daß der Frost solche Wasserleitnngsschäden anrichtet.
* Aus dem Bezirk Gersfeld. Vor einiger Zeit gelang cs einigen Beamten der „von Waldthausen schen" Gutsverwallung, einigen Wilddieben das Handwerk zu legen. Die Nachforschungen, die von Polizei- und yorftbeamten daraufhin eingestellt wurden, waren von Erfolg gekrönt. Die Spuren führten auch zu dem Orte Gi., wo zwei Wilddiebe üb.rführt wurden. Es wurden auch einige Gewehre bei den beteiligten Personen am- gefunden. — In Iagerkreisen wird die Aufkärung dieser Wilv- diebsgeschichte lebhaft begrüßt, und sie wird ein ernstes Gc- richtsspiel nach sich ziehen.
* Tann (Rhön), 14. ebr. Der Landwirt Ichannes Iörgcs und feine Ehefrau Maric, geb. Hütter, feiern am kommenden Sonnabend, den 16. d M, in körperlicher und geistiger F: ijcho das seltene Fest der „Eoldnen Hochzeit". Die Jubilare stehen im 75. und 74 Lebensjahre Gleichzeitig feiert ihre in KN el verheiratete Tcchier die „Silberne Hcchzsit".
Ejchwege, 14 Febr. (Feuer in Eschwege ) Auf dem Grundstück von Karoline Pappenheim in der Forstgasse brach gestern abend gegen 9 Uhr in dem Hintergebäude Feuer aus. Es fand an den dort aufgeftapeltcn Kisten und Warenvorräten reiche Nahrung und breitete sich schnell Zber das ganze Gebäude aus. Der Feuerwehr gelang es, das Feuer auf feinen Herd zu bc- ichränken und ein weiteres Umsichgreifen zu verhindern. Das dreistöckige aus Fachwerk pestehende Gebäude ist vollständig aus= gebrannt'. Wie das Feuer entstanden ist, konnte noch nicht fest« gefiellwaperben.
Kagel, 14. Febr. (Großfeuer in Kassel.) Gestern abend kurz nach %8 Uhr brach im Hause Mittelgasse 58 im Lagerraum einer dort befindlichen Buchhandlung Feuer aus. Die sofort alarmierte Feuerwehr traf nach wenigen Minuten ein, jedoch waren bic oberen Stockwerke schon so stark verqualmt, daß die dort wohnenden Familien in großer Gefahr schwebten. Ter Versuch, bic Leute über die Treppe ins Freie zu bringen, mußte wegen ber starken Verqualmung bes Treppenhauses aufgegeben werden. 13 Personen mußten von der Feuerwehr mit Hilfe mechanischer Leitern aus dem Hause gerettet werben. Zahlreiche Merlanen hatten unter den Einwirkungen des Rauches Schaden genommen und mußten der ärztlichen Bchandlnng zugeführt werben. Eine Frau und ein Kind mußten ins Krankenhaus verbracht werben, da die Rauchvergiftung, die sie erlitten haben, zu Bedenken Anlaß bot. Nach Zweistündiger, schwieriger Arbeit der Feuerwehr gelang es, den Brand auf feinen Herd zu beschränken und ein Uebergreifen auf andere Räume des Hauses zu verhindern Aufgrund der noch während bet Löscharbeiten cnwelette- ten Untersuchung über bic Ursache des Brandes wurde der Inhaber der Buchbandlunq. Karl „on ^»^ ^"i">iy^lv">i- tei unter dem Verdacht der vorsätzlichen Brandstiftung verhaftet.
Kasicl, 14. Febr. (Später Schulanfang ) Die hiesige Regierung hat die Schulleiter sowie die Leiter ber ihr unmittelbar unterstellten Schulen ermächtigt, ben Unterricht, insbe'onbcrc für bic jüngeren Schulkinder, eine Stunde später beginnen zu lassen, so lange die starke Kälte anbauert.
Marburg, 11. Febr. (Zwei Marburger Brückcn infolge ber Kälte gerissen ) Gestern früh wurde an einem Bogen der über die Lahn nach ber Vorstadl Wndenhausen führenden Brücke ein etwa 1 cm breiter Riß feftgcftellt. der durch die Aalte der letzten Tage entstanden ist. Auch eine über einen Nebenarm tot Labn bei dem städtischen Gaswerk führende Brücke weist Risse infolge ber Kälte auf. Innerbalb des Stadtgebietes und in vielen Ortschaften der Umgegend traten in ben letzten T^oen zablreicke Wasserrohrsckädeu ein, so daß stellenweise empfindlicher Wassermangel herrscht.
Schlüchtern, 14 Febr. (Von ber Transmission zerrissen.) Der Marmorfeger Adam Maier geriet in ber Marmoschleiferei von Ecrhäuscr in Altengronau während ber Arbeit in bie Trans- mi nett. E wurde mehreremal hcrumgcschlcudcrt und buchstäblichen Stücke zerrissen.
Hanau, 14. Febr. (Borüberachcnoe Betriebseinstellung ~bei den Dunlopwcrken.) Durch empfindliche Störungen in ber ida- brikation, bernergefufen durch zunehmenden Wasscrnisderschlrg in der Fabrik als Folge bes Frostes, sieht sich cic Betriebsleitung der Diinlcpwerke genötigt, mit sofortiger Wirkung sie gesamte Fabrikation vorübergehend ftillzulegen und die Bslca- schaft zu beurlauben Von ber Maßnahme werden ca. 1400 Arbeiter betroffen. Mit bem Arbertèrrat und ben Gewerkschaften finden Verhandlungen statt, um Härten soweit als irgend möglich zu mildern.
Mainz, 11 Febr. (Das Eis auf dem Rhein.) Die Vereisung bes Rheins hat seit gestern schnelle ForlschNtte gemacht. Nach Mitteilung des Wasierbauamts hat sich das Eis in Mannheim gestellt, ferner bei Ginsham, vor Weisenau, an ber Eiscn- dahnbrücke und am ersten Tor ber Straßenbrücke in Mainz Von Bingen reicht die Eisdecke bis zur Hindcndurgbrückc und vom ßorcleifeljcn bis nach Trechtingshausen.
Die germanischen Entdecker Amerikas.
Von Dr. Paul Grabein.
Die Tatsache, daß Amerika schon ein halbes Jahrtausend ■ bot Christoph Columbus von normärmischen Wikingern ent- M und besiedelt wurde, ist allgemein bekannt; dies gilt jedoch Wucht von den näheren Umständen, unter denen diese Vorgänge I Ich abspielten. Es verlohnt sich wohl, diesen wenig bekannten ■ Ereignissen einmal nachzugehen, die durch altisländische Chroni- und Runensteininschriften Historisch verbürgt sind. Da- ■ "ach rüstete Leif, ein angesehener und begüterter Normanne, ^ocr in Grönland wohnte, im Jahre 1000 ein Schiff mit Hans- ■ Ackergerät, Mundvorräten und lebendem Vieh aus und 8 es mit 35 Mann. Nach einer Seefahrt von mehreren r gelangten die kühnen Wikinger nach dem nordamerika- k litten Festland, und zwar zunächst nach dem heutigen La- "raöor, 5ann aber noch weiter südlich nach dem heutigen Staate Massachusetts. Zunächst lebten sie in den mitgeführten 1 i C ^"^" beschlossen sie, dort den Winter zu verbringen, Usw bauten sich nunmehr große Häuser, wozu ihnen die Wald- aume das Bauholz lieferten. Beim Erkunden des Landes deckten sie ivildwachsende Weinstöcke mit Trauben, weswegen sie diesem neu entdeckten Land den Hamen „Weinland" gaben. , folgMden Frühling segelten die Wikinger nach Grön- °"d zurück. Hier erregten die Berichte über ihre Entdecknn- 7? ""2 größte Interesse, und ein Bruder Leifs, Thorvald, ^älle alsbald Lust, das von ihnen gefundene und noch wenig ^.chfvrschte Weinland des näheren zu erkunden. Er führte Wen Plan bereits im nächsten Sommer mit 30 Gefährten NÜnd kam auch glücklich hinüber. Im folgenden Frühjahr Wien fiejn Ruderbooten Erkundungsfahrten längs der : me nach Süden zu. Sie fanden nirgends eine Spur mensch- Siedlung, außer einem Kornschober aus Holz. Nach die r ^^ Sommers fuhren sie mit ihrem Schiff nordwärts 5« tem dicht bewaldeten Vorgebirge ^b^Dieses. Gegend gefiel ihnen, und. sie bauten sich an. I. * -ages überraschten sie am Strand drei Kähne, die aus . gefertigt waren, bei denen neun Männer, Eingeborene 'Hubes, schliefen. Acht von ihnen ergriffen und töteten "tzeryand, während der Neunte entsann Dieser brachte ,N alsbald eine große Schar von Eingeborenen auf den ^'b?11' sie mit Pfeilschüssen üb'erfielen, schließlich aber flüchte- c Whr'er Thorvald erlitt jedoch bei diesem Kampfe "$c Verletzung. Nach seinem Tode kehrten seine Leute nach Grönland zurück, wobei auch sie wieder, wie schon töh Weintrauben und ranken mitnahmen. Im gan- ^'c. on swei Jahre in „Weinland" geweilt. Das 0118 ihr Führer erlitten hatte, vermochte bei seinen „!^"ien den Drang in die loeitc Ferne, ein uraltes ger- wcs Erbteil, nickt ur dämpfen So rüstete sich alsbald
etn Bruder Thorvalds zur Fahrt; aber er hatte kein öluct, trieb den ganzen Sommer auf bem Meere und kehrte unverrichteter Dinge wieder zurück.
Im nächsten Sommer wurde der Plan von neuem attp genommen. Der Führer der Expedition, die aus zwei Schiffen, j 40 Männern und 4 Frauen bestand, war ein Norweger namens T h o r f i n n. Diesmal ging die Ueberfahri glatt von statten, alle kamen wohlbehalten bei Leifs Häusern an. Im nächsten Frühjahr trennte sich die Expedition. Ein Teil der Leute, unter Führung T h o r h a l l s , des Jägers, war äußerst enttäuscht, daß vou bem Wein, der sic hauptsächlich gelockt hatte, noch kein Tropfen über ihre Lippen gekommen war; sip hatten nämlich Weinstöcke noch nicht gefunden. Thorhall beschloß daher, auf eigene Faust nordwärts zu segeln, um das vielgepriesene Weinland zu finden. Es begleiteten ihn aber nur neun Mann; seine übrigen Leute schlugen sich zu Thörfinn, der seine Hofsnung auf den Süden setzte. Jene zehn sah niemand wieder. Nach Berichten von Kaufleuten, die später aus Irland kamen, sollen sie vom Wind abgetrieben, dorthin verschlagen, getötet oder zu Knechten gemacht worden sein.
Die Hauptschar unter Thorfinns Führung segelte ]itS wärts und kam in eine fruchtbare Gegend, wo sie in der Tat auf den Hügeln Weinstöcke und in den Niederungen Weizenfelder fanden, die jedoch niemand bestellt hatte. Dort ließen sie es sich ein paar Wochen wohl sein und bemerkten nichts Bc sorgniserreqendes, bis sie eines Morgens Wilde sahen: „Sie saßen in neun Lederkähnen, und Stangen wurden auf den Kähnen geschwungen. Das klang, wie das Dreschen von Korn. Es waren kleine Leute, sie sahen bösartig aus, und aus dem Kopf hatten sie struppiges Haar. Ihre Augen mären groß und ihre Backen breit. Sic blieben eine Weile vor Ver ivunderung stehen und ruderten dann südwärts fort." Dies war also ihre erste Begegnung mit den Indianern, die sie Skrälinger nannten. Es ist seit der späteren Entdeckung Amerikas durch die Spanier bekannt, daß die Eingeborenen dieser Gegenden in der Tat Kanus aus Tierfellen gebrauchten, die sie mit Schaufelrädern (Paddeln) fortbewegkeu. Das Auf schlagen dieser Ruderstangen gegen die Lederwand der Kähne, vielleicht ein Signal zur Warnung ober Alarmierung noch ferner Kameraden, mag das dem Dreschen ähnliche Geräusch erzeugt haben.
Der Winter verging ohne Abenteuer, aber im Frühjahr erschienen die Wilden von neuem, und es kam nun zu blutigem Kampf. Vor der Ueber la^j mußten die Normannen flüchten.
Wad) diesem schweren Kampfe gaben Thorsinn und seine Laute den Gedanken auf, bas Land zu besiedel», und sie segelten wieder nordwärts. Dort erschlugen sie fünf Wilde, die in Fellkleidern schliefen. Sie hatten Gefäße bei sich, bic eine Mischung von Tiermark und Blut enthielten. Diese Kleidung
und Nahrung sprechen dafür, daß diese Wilden Eskimos waren,' die ja noch heutzutage im nördlichen Labrador anzutreffen sind. Auf die Begegnung mit einem Eskimo scheint auch das nachstehende abenteuerliche Erlebnis zurückzufübrcn zu sein, worüber die Chronik berichtet: „Da geschah es eines Morgens, daß Thörfinn und seine Leute in einer Lichtung einen glatt zenden Fleck sahen, und sie liefen bortf)ii: Er bewegn? sich, und es war ein Einfüßler, der fick nach dem Flußufer schob, an dem sie lagen. Der Sohn Erichs bes Roten, Thorvald, saß am Steuer. Da schoß ihn: der Einsüßler einen Pfeil in den Leib. Thorvald zog den Pfeil heraus und sagte mit heroischem, grimmigem Humor: .Fett haben wir um die Eingcioeide. Gin gutes Land haben wir gefunden, doch wenig Freude wird es uns bereiten." - Bald darauf starb Thorvald an dieser Wunde."
Auch diese Begebeuhei: dürfte ihrem Kern nach nicht ins Reick der Fabel zu verweisen sein. Der Einsüüwr war vermutlich ein Eskimo im Kajak, jenem schmalen, fifdikib ähnlichen Boot aus silberglänzendem Seehundsfell, das sich so eng um den Leib des Insassen anschließt, daß cs in ber Ta! aussieht, als ob dieser mit ihm verwachsen sei. Dafür, das: die Entdecker sich bei jenen Begebenheiten im Bereich der Eskimos befanden, spricht auch das Folgende. Sie fingen bort oben zwei Kinder von Wilden. Knaben, die sie mit nach Grün land nahmen. Später, als sie sich mit diesen Kindern ver ständigen konnten, erfuhren sie von ihnen, daß es in ihrer Heimat reine Häuser gäbe, sondern daß die Leute in Höhlen oder Löchern schliefen. In der Tat wohnen die amerikanischen Eskimos noch heute in Erdgruben, bic nur überbad t sind.
Thörfinn unb die Seinen verbrachten noch einen letzten Winter im Weinland, dann beschlossen sie bic Rückkehr zur Heimat. Der Grund war: „Die Männer entzweiten sich sehr, und das geschah der Weiber wegen, denn die lumenwrâtcrm bedrängten die Frauen der Verheirateten." So segelten \ denn nach Grönland zurück, wo sie alle unversehrt ar tarnen.
Leifs Halbschwester, die manpweibliche Freydis, hat baun in ihrem starken Tatendrange in Begleitung ihres Gatten und einer größeren Schar von Männern nochmals eine Reise nach Weinland unternommen, aber auch bietet VeeRn nun Besiedlung und Nutzbarmachung des fernen Landes fnane in keinem dauernden Erfolge, und dies ist die lebte R.nnR Na reden alten Wikinger, worüber die isländischen Chroniken i” richten. Tie Kunde von diesen Fahrten geriet in vo ; Ser gessenheit. Erst die Entdeckungsfahrten der Sw.ukr. bes Co lumbus und seiner Nachfolger brachten Amerika unsern: teile nahe und trugen ihren Helden den Wuffmewbw, ein, von dem ein Teil doch auch den Nordgermanen a ennen