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Karneval.

Skizze von R u d o l f H a L e t i n.

Draußen lächelte die Sonne über weißbereiften Däfern. Blau lockte zarter Himmel. Hub doch war es erst Februar.

Von St. Marien drüben fcßhfg cs drei Uhr. Durchs Dachfenster der kleinen Mansarde legte sich ein Sonneiifleck auf die Diele. Der Maler mit schläfrig zurück von semer Staffelei. Langsam stieg der Rauch seiner Zigarette. Sein Blick prüfte, hoffnungslos. Nichts befriedigte ihn an dieser Arbeit. Und er versank ins Grübeln.

Hoffnung auf Hoffnung zerbrach ihm in diesem Winter.. Alles war leer um' ihn geworden. Freunde starben. Pläne zerrannen. Die Zukunft war trübe und aussichtslos. Sein Schaffen ohne Erfolg und Gelingen.

Und heute abend sollte er zum Karneval gehen! Er lächelte trübe. Sein Ellbogen stemmte sich in den engen Fensterrahmen. Und seine Augen gingen hinaus in den hellen Tag. Er kannte dieses Bild, den Kirchturm, die fried­liche, krause Dächerwelt. Blanche Mondnacht hatte er hier gegrübelt und hinunter geschaut.

Aber einst war er zwischen diesen Gästen gegangen mit Freunden und lachenden Mädchen. Eine Melodie aus der Bohème" kam ihm in den Sinn. Er erinnerte sich, wie er einmal fast geweint hatte, als er sic in der Komischen Oper in Paris gehört hatte.

Er wandte sich wieder ins Zimmer. Ein Glas an der Wand glänzt auf im letzten Sonnenstrahl. Er sah hinüber. Es war das Bild von Lottclore. Und er merkte nicht, daß die Sonne schwand. Eine Wärme überkam ihn in der Er­innerung an das Mädchen, das ihm lange seine Sonne ge­wesen war. Blumige Wiesen, winkende Birken, wehende weiße Wolken schwebten in seine Träume. Er sah sie im duftigen Sommerkleid. Er ging mit ihr in Maiennächten. Und sah sie hier in seinem Zimmer, als sie ihm Modell ge­sessen hatte. Es war sein reifstes Bild geworden, das ihn zuerst in Ausstellungen brachte. Ein starker Schaffensdrang hatte ihn damals berauscht. Es war ein gesegneter Som­mer gewesen. Dann hatten sie sich getrennt.

Er hatte sich nicht binden mögen, sondern nur seiner Kunst gehören wollen. Und die Zukunft lag offen vor ihm Er hatte sich dem Glück in die Arme geworfen und war in die Welt gezogen. Einmal nur kam ihm in der Ferne ihr Bild in den Sinn, damals, als ihm in Paris die Melodien derBohème" so weich ans Herz griffen.

Und als er wiederkam, war Lottelore die Frau eines unseren. Was kümmerte es ihn. Sie hatten Glück und Leid i getragen, als sie einander gehörten. Und ihre Zeit war vorbei. Aber als ihm eine Hoffnung nach der andern zeraing, hatte er manchmal zurück gedacht. Und er hängte ihr Bild hierher, das lange in vergilbten Briefen gelegen hatte.

Manchmal auch begegneten sie sich dann in den Straßen. Sie fand immer ein freundliches Wort für ihn. Und sie schien nicht glücklich im Arme des andern, im Strudel von Ian; und G.anz. Aber sie vermieden es, darüber zu sprechen, in Worten oder Blicken.

Doch kürzlich hatte er sic aus einem Konzert nach Hause begleitet. Da redete ihr Schweigen zwischen ihnen. Der Mond blickte fahl durchs Gartengitter vor ihrem Hause. Einen Augenblick war ihr Pelz gesunken. Ihre weiße Schulier leuchtete im blaffen Licht. Er küßte ihre schmale Hand. Und sie fragte ihn, ob er zum Karneval kommen würde. Sie wußte, daß er heute als Pierrol kommen würde. Und er wußte, wie er sie erkennen sollte.

Nervös sog er an der Zigarette. Er sprang auf. Es war schon spät. Ihn schauerte vor Glut und Kälte. Die 1 Dämmerung kroch wie ein Alb über ihn. Er hörte ihre Stimme. Er sah das verschmitzte Lächeln des hämischen Mannes, an dessen Arm sie ging.

Seine Hände zitterten. Er machte Licht und erschrak vor dem Spiegel. Er sah ihr Bild an. Er betrachtete den Revolver, der so oft sein Trost in diesem Winter war. Sein letztes Bild auf der Staffelei begann chn zu höhnen. Er drehte es um.

Tann lachte er auf, als er sich in der Maske sah. Eiw entsetzliches Lachen, über das er selbst erschrak. Und dann hätte er wieder weinen können wie ein Kind. Er küßte ihr Bild. Er löschte das Licht, verschloß die Tür.

Aus der Treppe kehrte er noch einmal um, versuchte, ob er abgeschloffen hatte, trat wieder ein. Nichts regte sich. Nur die Monduhr vom Turm drüben grinste ihn an. Er zog die Gardine vor. Er war nervös. Er machte wieder Licht und stürzte einen Likör hinunter.

Tann raunte er die Treppen hinab wie einer, der vor sich selbst flieht.

Vor dem Hotel drängten Autos und Neugierige. Bogen­lampen schienen auf eilende Masken.

Ein Lakai stand mit blasiertem Lächeln an der Treppe. Unbeweglich. Keinen Blick wandte er vom roten Teppich der Stufen, über den unaufhörlich Füße und wieder Füße hin­auf schlüpften. Schmale Fesseln, schlanke Beine und neckische Schuhe, breite bedächtige Männersüße, und wieder aus flie- genbem Mantelsaum zierliche Schuhe von Gold und Brokat. Unaufhörlich, unaufhörlich.

Er tvar ein Mennschenkenner, dieser Lakai, der aus jenem Spiele viel erkannte. Und noch lange dachte er darüber nach, als oben längst schon Musik und bunter Wirbel zusammen rauschten.

Er war aus dem Denken ins Träumen gekommen, als ihm ein Pierrot eine Garderobenummer in die Hand drückte. Tann lächelte er wieder überlegen und nickte vor sich hin, ols er dem Pierrot den Mantel umhängte. Kaum sah er ihm und seiner pelzvermummten Gefährtin nach, die draußen im Dunkel verschwanden.

Aber der Mond zwängte sich in die engen Winkelgaffen herein, hinter den beiden her. Er erkannte das Gesicht wie­der, das ihm manchmal die ganze Nacht entgegengestarrt hatte. Es lachte und scherzte. Und als die andre Maske sank, kannte er auch dieses Gesicht aus besserer Zeit.

Sic gingen zu dritt dieselben Wege. Aber die beiden vermieden seinen Blick. Im Park verlor er sie aus den Augen.

Lottelore, meine Lottelore, ich wußte, daß Du nicht glücklich warst. Und nun werden wir beide wieder in einen neuen Sommer gehn." Ihre Lippen tranken sich ineinander. Ihre Glut durchwärmte die stille Stunde. Ihr Blut sprach schweigend zwischen ihnen.

Tann lösten sie sich aus dem heißen Traum. Und sie lächelten. Sie wußten, er würde bald zur Wirklichkeit. Sie lachten in die kalte Mondennacht und lachten hinaus zu ihrem alten Freunde. Aber sie wurden stiller. Denn man weiß nie, was der Mond denkt. Er ist-.rin Phtlosoph, der nur das sagt, was man in ihn hinein sieht.

Wieder huschten sie an dem Lakaien vorüber. Wieder wandte er sich kaum nach ihnen. Nur die zarten goldnen Schuhe fielen ihm auf.

Bis er dann spät schon, weit über Mitternacht, aus seinem Träumen gerissen wurde. Menschen und Masken rannten herunter über Treppen und Teppich, wild und ver­wirrt. schreiend, kreischend, schreckverstört.

Cb er den Schuß nicht gehört hätte? 1

Wie sollte er das, in dem Strudel von Lärm und Musik, zwischen Wachen und Träumen, zwischen Nacht und Morgen?

Wieder lächelte er blasiert. Denn er hatte begriffen: Eifersuchtsszene, Eheskandal, ein Herr der hohen Gesellschaft erschoß seine junge Frau. Dergleichen halte er manchmal gelesen. Und nun erlebte er cs. Man erlebt mancherlei.

Dann brachte man eine vermummte Gestalt die Treppe herunter. Kreidebleiche, verschreckte Menschen ringsum, tragi­komische Maskerade, Sic sei tot. Er sah nur wieder die zarten goldenen Schuhe. Und er nickte ...

Draußen vorm Eingang staute sich die Menge. In an­grenzenden Häusern wurde Licht.

Aus der Menge löste sich eine Gestalt und verschwand in die Gassen.Armer Pierrot . . .", sprach der Mann zu sich selbst. Ein Lallen fast, halb trunken, halb mitleidig. Manchmal blieb er stehen, wie wenn er horchen wollte, ob seine eigenen Schritte durch die Gassen gingen oder ihr Echo. Dann schleppte er sich weiter. Er wußte, wohin. Wie ver­wirrt sah er bisweilen in den Mond, der kühl und unerbitt­lich oben hing. Irgendwo schlug irgendeine Glocke irgend­eine Stunde der Nacht ---

Als der seltsame Mann zum letzten Male sagte:Armer Pierrot", da verschwand der Mond im Morgen, diskret und verlegen.

Denn ein paar Stunden später, als die Polizei an Lotte- lores Haus fam, um die Zimmer der Toten zu versiegeln, fand sie einen Pierrot erhängt am Gartengitter---

Die Braune.

Als der Gefreite Fehrs zur Feldküche geschickt wurde, um Feuer für die Maschinengewehre anzufordern, hörte er einen seltsamen, übergellen Pseideschrei. Und plötzlich wußte er, daß die Braune in der Nähe war, seine braune Liese vom Kreukel- hos, und daß sie ihn gerufen harte, mitten in den Karpathen.

Einen Augenblick stand er betäubt, fühlte, wie die Schläfen von seinen Gedanken pochten, und mußte sich zwingen, nach dem Tier auszuschauen. Wenn man lange draußen gewesen ist und ; bald ein Jahr von der Heimat und von Feind und Tod träumt, kommen Aucendlickc. wo Wirklichkeit und weitsichtige Bilder in- | einandersließen. Aber Hans Fehrs hörte noch das Knirschen der Zügel und das stockende, erregte Schnaufen, wandte sich um und streichelte die Stute.

Seine Gedanken wirrten, einmal saßte er mit beiden Händen zu, als traute er seiner Rechten allein nicht, aber dann war sein Erstaunen überwunden, und nur das starke Gefühl, einen Kameraden mehr zu haben, machte ihn froh.

Braune, alte gute Braune" sagte er und strich dem schnaubenden, drän-wnden Tier wieder und wieder über Hals j und Mähne, wie sie es immer gern gehabt hatte, und jpracß mit ihr, indem er ihren Kopf eng herabdrückte.

Ein Rittmeister rief ihn an Der Gefreite Fehrs war im Augenblick daheim auf dem Kreukelhof gewesen, fuhr erschrocken auf und riß die Haken zusammen.

Die habe ich selbst aufgezogen, und nun treffe ich sie hier wieder" sagte er und wunderte sich selbst seiner Ruhe.

Der andere nickte ihm zu.^it alles sonderbar und ver­rückt, was? Sind Sie um der Elmshorner Zucht?"

Ich bin Landwirt aus der Gegend und habe hier die Braune wiedergesunden". Dem Gefreiten war, als sei das Zusammentreffen schon eine geraume Zeit her. Man lebt so sonderbar ohne Zeitmaß da draußen. Alle großen Ereignisse bleiben in greifbarer Nähe und lieaen doch gleiß mit den an­dern zu einer Kette auige'chnürt hinter uns. Man hat gelernt, rasch zu überwinden und für den nächsten Sprung bereit zu sein.

Braune, gute alte Braune" sagte Hans Fehrs noch einmal, strich halb verlegen über feine weiche Stimmung dem Pferde am Leib entlang, stand straff und ging

Ein paar österreichische Mörser warfen ihre zi'chenden Ge­schosse hoch über ihre Köpfe hinweg. Scharf dröhnten die Auf­schläge irgendwo fern von den Felswänden.

Der Gefreite ging mit raschen Schritten zurück. Einmal sah er erstaunt über die Berge; er hatte fast geglaubt, im Flach­land zu fein, irgendwo zwischen den Gräben.

Alte, gute Braune" sagte er leise, trat unsicher auf, und sah weit zurück, sah den Hof und den Stall und sah sich selbst tausendmal dem Tier das Futter geben. Seltsam, wie sie so alle in den Kampf hatten muffen, auch die Braune. Ob über­haupt noch einer in Deutschland war? War übrigens. ganz recht; jetzt wußte er wenigstens, warum er das Tier eingefaßten hatte. Nur daß sie bei der Feldküche stand, war ihm nicht ae'- nug. Er selbst hättest c haben mögen, drübenb ei den Maichi- nenaewehren, für den alten Zirkusgaul, der tanzen konnte, aber vor den Kugeln ausriß.

Der Gefreite Fehrs meldete sich und sprach mit seinem Hauptmann. Am Abend hatten sie der Feldküche denTanz- Auaust" ausgeKdet und zogen mit dem Elmshorner weiter.

In der Nacht meldete' sich Fehrs zur Wache, und dem Hauptmann war es recht. Der Gefreite war einer von den Üeberbe?onderen, über die man gerne lacht und die man doch am liebsten ßat, wenn der Ernst über uns kommt.

Die Berge schienen glatt und silberweiß im Schnee. Nahe rundum drohten ein paar Tannen, ein zerschossener Giebel und eine steile, glimmerschwarze Felswand., Aber darüber hinaus begann eine helle Fläche zu fließen, die irgendwo, hock oder tief, in die Nebelwolken überströmte. Nirgends faß man Berge, nur der Wind pfiff oben in einem ermen Wirbel und fuhr um den Vorposten in scharfen, schnellen Strichen, sowie er an den Felskanien brach

Der Mond stand weiß und zauberisch hinter den Wolken wie ein glimmender Baum mit langhängenden und sich strecken­den Wipfeln. Die Nebel waren eng in die Zweige gekrochen und ließen sich durchsichtig bescheinen Und als Hans Fehrs näher zusah. waren die Nebel plötzlich um ihn, oder er war oben unter ihnen, gerade wie auf einer Wiese daheim, und er hatte die Braune am Hals Hatte er sie nicht aus dem Wasser gezogen, damals als das Fehlen im Graben schrie? Sicher, sie hatten viel zusammen erlebt, alle beide, und dankten sich manches. Hans Fehrs griff nach dem schnaubenden Kopf des Tieres, es war plötzlich bei ihm, hatte fiß wohl losgerißen, als hätte es zu seinen Gedanken kommen müssen. Und in der selb Iarten Form des Nebels, der um ihn trieb, jckien ihm der Leib klein zufammengeschrumpst, und einen Augenblick war ihm, als seien sie beide wieder jung daheim auf der Wiese, bis zit­ternde. triefende Fohlen und der breite, unbeholfene Bursche, der sein Tier aus dem Graben gezogen hatte. Da schrie die Braune noch einmal so laut und schrill wie zuvor, als er sie wieder gestossen hatte, drängte sich an ihn und wühlte mit dem Kopf an seiner Brust. Der Gefreite streichelte sie leise. Was : wr'fte das Tier deck? Er dachte an sie wie an einen Freund, dessen Herr man nahe schlagen hört und deßen Gedanken man erraten will. Ob sie wohl in Gefahr war und es wußte? Oder ihn warnen wollte?

Hans Fehrs fuhr auf, schüttelte die Gedanken ab, wie man den Schlaf aus den Augen reibt und wunderte sich wie er träumen konnte. Er wollte ja eisenhart und klar bleiben für den Krieg. i

Im Osten war ein heller Winkel im Nebel, wie ein Schein, der nach oben strahlt. Der Morgen kam ins Tal, grau und dämmernd. Fern von den Vcrgpostcn kamen ein paar Schüsse, noch ein paar, und plötzlich knackte ein kleiner Mörser dazwi­schen; ober waren es viele? Ein Höllenfeuer war plötzlich los- gebrochen da norn ein unsagbarer Lärm, als sprängen die Felsen berstend gegeneinander.

Die Russen!"

Im Augenblick stand Hans Fehrs, vor dem Hauptmann, waren die Pferde geschirrt, und als der Mann vom Fern­sprecher heranstürßte, war die Kompagnie alarmbereit.

Als die Sonne durchkam, schien die Uebermacht sie erdrücken zu wollen. Der Hauptmann war längst gefallen, den Leutnant hatten sie vorbeiMchleppt, und immer noch platzten die Schrap­nells hoch über dem Knäuel sich windender und'duckeirder Men­schenleiber. Sie hatten zurück müssen, irgendwo vorn war die Kompagnie zerbrochen Ein Unteroffizier hatte einige Ge­wehre zurückgesuhrt, ohne Pferde,,ohne zu wissen, was vor und hinter ihm kommen müßte. In einem Busche hatte Hans Fehrs Trommeln mit Munition gefunden, hatte sich hincingestreckt mit drei, vier Leuten und hatte schon zweimal graue Klumpen da vorn, die aus dem Talnebel tauchten, gesprengt. Irgendein Leutnant war vorbeigekommen, hatte geschrieen, er solle bej Busch halten auf Tod und Leben, und zornig und eigensinnig wie er war, hatte Hans Fehrs sich eingehockt. . . .

Einmal dachte er an die Braune, da trafs seinen Neben­mann, daß er ausschrie. Jemand wollte ihn verbinden, aber es war einer von denen, deren Blut nicht zum Stillstand kommt. Der Verwundete mußte es, lachte ihnen noch einmal zu aus seinen Schmerzen und wandte dann das grauer werdende Gesicht in ohnmächtigem Trotz zum Feinde. Noch einmal kam der Sturm voran, sie schossen wild und verzweifelt hinein.. Hans Fehrs merkte plötzlich, daß er mitten in der neuen Linie war. Er evrsuchte sich sestzusetzen und cinzugraben; aber der Schnee war dünn, wo sie nisteten, und Felsboden lag darunter. , .

Plötzlich begann von drüben ein wahnsinniges Feuer aufden deckungslosen Abhang. Der Gegner hatte Maschinengewehre in Stellung gebracht, hatte den Busch gefunden und strich darüber und darunter, daß der Schnee in wildem Sprühregen stürzte.

Die Leute wollten erwidern; aber zwei Schüße trafen das Gewehr. Sie warfen sich nieder, zerrten einen Auaenblick an den Felsstückeit unter ihrem Leib und merkten an ihren bluten­den Fingern, daß der Stein cishart war, nnerbitterluß, daß keine Deckung ringsum in dem einfarbenen Feldstrich war. Da preßten sie das Gesicht in den Schnee, drängten den Leib an die Steine und warteten bewegungslos Aber das Feuer ging weiter,.rechts und links knackten die Geschosse in das Gestein oder sprangen singend weiter. Irgendwie mußte das Ende kommen, jetzt oder gleich.

Hans Fehrs hob den Kopf ein wenig; ihm wars einerlei. Er konnte drüben deutlich ein paar schwarze, zitternde Punkte unterscheiden, ein graugciprenleltes B -nd, das näßer frech, Er stieß den Nachbar an, aber der ließ sich nicht wecken. Nur der Helm rollte zur Seite wie ein Becher oll Blut.

Da saß Hans Fehrs plötzlich, wie ein dunkler Leib aus dem Walde trabte, juchend und schnaubend, mitten im Feuer Den Kopf vorgestreckt trabte ein Pferd über das Feld, mit schlieifen- den.Strängen, zitternd und blutend

Braune. Braune!" Hans Fehr hatte es gerufen wie ein Irr­sinniger. Ihm schien das Sterben so leicht'zu zweit. Und bas Tier hatte ihn gehört, wandte sich und tam mit schweren, ver­wundeten Sprüngen näher. Einmal.zuckte es auf, brach vorn­über, sprang jäh Lieder hoch uitbjWrsu>:irkti^

drei Schlitte vor dem Gefreiten. Gine SEeuefdjrugTTFröraune verzweifelt, versuchte näher zu kriechen mit lang ausgestrecktem Hals, hob dann plötzlich den Kops und stieß zum dritten Mal ben wilden, verzweifelten Schrei aus wie in der Nacht zuvor

Als der Russe zurückging und die Verstärkung kam, fanden sie den Gefreiten Fehrs als letzten Lebenden hinter dem lang» ausgestreckten Leib der Braunen, die die Kugeln gefangen hätte. Er hatte den Kopf fest in die blutige Mähne gedrückt; sie muß­ten ihn aufheßen wie einen Schwerverwundelen, und als er sie mit stummen B icken anstierte, schrie er auf einmal wie ein Tier, wild und verzweifelt. So wie man ein Tier lockt und nadiißmt.

Sie glaubten, er, sei irrsinnig geworden; aber er vefftand sie wohl, schüttelte den Kopf und lief ben ganen Tag mit ihnen.

Nur am Abend war er wieder bei der Braunen, sprach mit ihr und begrub sie feierlich im Schutt eines Hauses, wie einen Menschen.

Hans Friedrich Blunck.

Rätselecke.

Fütouchabe.

Die leeren Felder sind so mit den Buchstaben a, b, b, e, e, g, g, i, n, n, p, r, r, r, t, u, z zu besetzen, daß zwei neunstellige Wörter entstehen, welche je eine Stadt in Schleswig-Holstein be­zeichnen.

Vexierbild.

Wo Ast der Landwirt?

Rötungen/ aus nötiger Wummer

Lösung der Buchstaben^rduung: Alsred, Hubert, Erhard, »ne Daniel, Fabian.