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-aer Tlnzeiger

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Nr. 16 1929

Fulda, Samstag, 19. Januar

6. Jahrgang

Kleine Zeitung für ellige Leser

* Der Reichslag ist zum 24. Januar zur neuen SitzungS- Periode einberusen worden.

* Die Reparalionskonserenz soll nunmehr, nachdem alle Vorfragen erledig! sind, wahrscheinlich unter Owen Youngs Vorsitz in Paris am 9 Februar zusammentreten.

* Auch der an Aman Ullahs Stelle getretene Bruder des Gestürzten ist von den Aufständischen aus Kabul vertrieben worden, die ihren Führer zum König gekrönt haben.

* ^rei Eisenbahnzüge stießen in Maryland infolge Nebels zusammen. Vier Eisenbahnbeamte wurden getötet und zahl­reiche Personen verletzt.

Gestürzte Größen.

Gefallene Größe im Silberhaar. Steine im Wege. Was die Glocke geschlagen hat.

Ein König und ein General haben dieser Zeit, die sich im Umsturz aller Dinge, in der Umwertung aller Werte gar nicht genug tun kann, ihren Tribut zahlen müssen.

Ein König allerdings fernab im zentralastatischen Höhengebiet, wo englische und russische Großmachtinter- essen sich von alters her kreuzten und wo von freiheits- durstigen Auflehnungen gegen absolutistische Herrscher­gewatt bisher noch niemals so recht etwas zu spüren war. Aber AmanUllah, dem bei seinem vorjährigen Besuch in Deutschland von den verschiedensten Seiten auffällig leb­hafte Aufmerksamkeiten gewidmet wurden, hat die Moder­nisierung seines Landes und seiner Untertanen offenbar vom unrichtigen Ende her betrieben, und die Fehler, die ihm außerdem dabei noch mit unterliefen, haben sich seine heimischen und vielleicht auch seine auswärtigen G '"er geschickt zunutze gemacht mit dem Erfolg. daß er ute unstet und flüchtig irgendwo an den Grenzen seines Reiches umherirrt, wenn er nicht mittlerweile gar schon einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

*

Und der General, der sozusagen über Nacht gestürzt wurtzL ^èâh heute einsam und verlassen fühlt, kaum wissend wo er fortan sein Lmupt niederlegen soll, ist aller­dings nur der Oberbefehlshaber der über die ganze Welt verbreiteten Heilsarmee gewesen. Aber dieser greise General Booth hatte immerhin auch etwas zu be- : deuten an der Spitze einer Organisation der es gar nicht i um äußere Machtmittel und Gewalt, um irdische Güter und Weltherrschaft zu tun ist. dienur" auf Eroberung der Seelen ausgeht, auf Rettung der Armen und Beladenen, denen die Versuchungen dieser Welt am ehesten gefährlich zu werd-n drohen, auf Linderung der Not gerade dort wo fi- am schwersten zu fassen. am mühseligsten zu bekämpfen ist in d-n Elendsanartieren der großen Städte wo Trunk- fu^t Ansfchweikunaen und Verbrechen aller Art immer wieder frisch hereinströmende Volkskräfte in ihren Bann ziehen.

Die..DvnastieBooth" ist abgesetzt Word-n mitMehrheits- beschluß und es wird der aelallenen Größe im Silberhaar la nm etwas helfen, daß er sich dem Beschluß seines Obersten Rates nicht fügen, sondern Widerstand leisten will unter Berufung darauf, daß ihm unrecht geschehe das er nicht leiden wolle, Da ist Aman Ullah klüger gewesen, indem er sich anscheinend mit guter Miene in das nnver- meidlich gewordene böse Spiel füate und seinem älteren Bruder freiwillig den von ihm schon wieder verlorenen Blatz einränmte, der ihm als einem Abtrünnigen, als einem den S'tten und Gebräuchen seines Landes untreu gewordenen Förderer der westlichen Zivilisation streitig gemacht wurde. Der wirkliche Krieger, der sich erst im blutigen Kombi geaen die Aufständischen zu bestaubten suchte, streckt die Waffen, Während der sonst so friedliche Heirsarmeeaeneral sich halsstarrig zeiat und seine Wider­sacher am liebsten mit Gewalt aus dem Felde schlagen möckue. Die grausame Zeit in der wir leben, schreitet über diesen toie über tenen kaltläch-lnd ohne iedes Mitleid Zur Tagesordnung hinweg ungeduldig schon bei neuen Sensationen, die ihr danach in den Schoß fallen sollen.

*

Ob wobl dieEntbüller". die die in England bot« genommene Veröffentlichung der geheimen Denk­schrift des Reichswehrministers über die Notwendigkeit des Panrerschiftbaues ermöglichten damit Herrn Gröner ein Bein stellen wollten? Oder sollte es bei her Londoner Veröffentlichung weniger auf L>errn Gröner als daraus abgesehen sein, uns im Angesicht der neuen Nevarationsverhandlungen mit dm Gläubiger­staaten einige unbeaueme Steine in den Weg zu wälzen? Man kann doch wohl sagen, daß es aus ein Hemmnis mehr oder weniger schon nicht weiter entnommen kann. Herr Boinearö steht wieder groß da im Kreise seiner neu aefestiaten Kammermebrbeit und seiner internationalen Bewnd»rer und seitdem Varker Gilbert der Welt mtifut hat daß es kaum einem Volk in Eurova so gut geht wie uns deutschen totsten wir ia wobl ungefähr was dio GtTorfp geschwgen hat Daß der Revarationsagent bte ihm ungeschriebene Absicht demnächst aus Berlin zu ver- sck'w'nd-n und in einem Newvorker Bankhaus UntersckNuvf zu htdVn dementieren läßt, ist vielleicht zu bedauern Man kann findm. daß er sich um seine Auftraggeber bm-cits '"ehr als hinreichend verdient gemacht hat. Dr. Sy.

Abschaffung des BisumzwangeS in der Schweiz.

Bern. Der Bundesrat hat die Aushebung des PaßvisumS "f die Angehörigen aller von der Schweiz anerkannten Staaten schlossen, immerhin für die europäischen Länder nur, soweit ^eßenseiiigkeil verbürg, ist. Da dies bei verschiedenen San« Mi zurzeit nicht der Fall ist, werden noch Verhandlungen itotUufutoen haben.

Der dritte König von Afghanistan.

Auch AmanMahsVruder vertrieben

Und ein vierter Anwärter.

Es konnte nicht weiter auffaflen, daß alsbald nach der Meldung von der Eroberung Kabuls durch die Auf­ständischen berichtet wurde, der Führer der siegreichen Stamme habe nun auch den Bruder und Nachfolger

Rebellenführer in Afghanistan.

Aman UllähS, der sich der Herrschaft ganze drei Tage er­freute, gestürzt und sich selber die Krone aufs turbauum- wallte Haupt gesetzt. Bachai Sayo, der Sohn eines Wasserträgers, soll sich großen Ansehens bei der neue« "ungsfeindlichen Bevölkerung und den Unterführern er­freuen. Er ist unter dem Namen Chalib Ullah Ghasi schleunigst gekrönt worden In Kabul soll angeblich voll­ständige Ruhe herrschen. Die Bazare seien geöffnet, die Gebäude der ausländischen Gesandtschaften würden von Truvven der Aufständischen bewacht. Die Haltung der

Reparai'vnskonserenz am 9. Februar.

Vorsitzender Owen Young.

Nach Pariser Meldungen soll die erste Sitzung der Sachverständigenkonferenz zur Regelung des Schulden- problems am 9. Februar in der Bank von Frankreich in Paris stattfinden. In New York erklärte Staats- sekretär Kellogg dem englischen Botschafter, daß die Re­gierung der Vereinigten Staaten der Wahl Youngs und Morgans Altstimme. Der englische Botschafter reiste sofort von Washington nach Newyork'ab, um die beiden Erwählten amtlich einzuladen.

über ihre Arbeitsweise soll die Sachverständigen­kommission selbständig nach ihrem Zusammentritt ent- scheiden, auch darüber, ob die nächste Sitzung oder ander­weitige Sitzungen in Berlin abgehalten werden. In der ersten Sitzung soll der Vorsitzende gewählt werden, für den man wahrscheinlich den Amerikaner Owen

Young bestimmen toirb.

Ostpreußische Landwirtschastsnoi.

Mahnung zur Einigkeit.

In Königsberg wurde die außerordentliche Vollversamm­lung der Landwirtschaftskammer abgehalten. Präsident Brandes gab einen Überblick über die Fehlbeträge und Schuldenlasten, denen die ostpreußische Landwirtschaft verfallen sei. Die Ostpreußenhilfe und andere Notprogramme könnten keine wirksame Hilfe bringen. Man müsse vielmehr ein Renta- bilitätsprogramm durchfilhren und weiter Maßnahmen, um die Betriebe bis dahin über Wasser zu halten. Das Renta­bilitätsprogramm müsse eine

Lastensenkung und angemessene Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse enthalten. Wenn der feste Wille in Deutschland da sei, die Landwirtschaft zu erhalten, so würden sich auch Mittel und Wege finden, um dieses Ziel trotz aller ausländischen Gesabren zu erreichen. Der Präsident schloß mit der Feststellung, daß auch andere Berufsstände der Pro­vinz Ostpreußen bereits die Not der Landwirtschaft einsähen und daß Wirtschastskreise des Reiches, besonders aber die amtlichen Stellen und der Reichspräsident, sich außerordentlich für die ostpreußische Landwirtschaft eingesetzt hätten.

Namens der Reichs- und Staatsbehörden dankte Ober­präsident Dr. Siehr für die Einladung zur Teilnahme an der Tagung. Er betonte, daß die Reichs- und Staatsbehörden gewillt seien, über die Ostpreußenhilfe hinaus die ostvreußische Landtvirtschaft zu unterstützen, und schloß mit einer Mahnung zur Einigkeit.

Schwere Nombenexplosion in Detroit.

Detroit. Hier erfolgte eine Bombenexplosion, bei der ein Wohnhaus zerstört wurde. Es entstand weiter ein Brand, der auf ein benachbartes Gebäude Übergriff, in dem sich ein Theater befindet. Man nimmt daher an, daß hierbei etwa sechs Personen, die vermißt werden, den Tod gefunden haben. Die Feuerwehr ist bantit beschäftigt, die Trümmer nach den Leichen der Vermißten abzusuchen. Die Polizei fand an dem zerstörten Wohnhaus zwei schwer verwundete Männer, die, wie sie glaubt, die Bomben geworfen haben.

I Rebellen gegenüber den Ausländern fei durchaus freu» schaftlich.

Mehrere afghanische Fürsten, die nach Indien ge« I flüchtet waren, sind von den Engländern nach Birma ge­bracht worden, um sie wegen des Aufstandes in Afgha- nistan möglichst weit von Afghanistan zu entfernen. Der gestürzte Dreilagekönig Inajat Ullab und seine Familie haben auf. Grund einer Vereinbarung mit dem neuen Emir in englischen Flugzeugen Kabul verlassen Sie sind aus dem Wege nach Kandahar in Peschawar eingetroffen. Ihre persönliche Sicherheit soll ihnen durch einen Ver­trag von den Siegern verbürgt worden sein. Der neueste König habe Befehl zur Verhaftung des afghanischen Prinzen Mohammed OmarKhan gegeben, der sich in der Nähe von Dschellalabad aufhält. Der Prinz soll versuchen, mit einem Truppenteil nach Kabul zu mar­schieren, um sich dort zum König zum vierten augen­blicklich ausrufen zu lassen Der neue König hat die Vertreter der Stämme empfangen und erklärt, er wolle eine militärische Erpedition nach Kandahar entsenden, um auch Aman Ullah verhaften zu lassen. Die Erpedi­tion werde von einer Division Infanterie mit Artillerie und Fliegern burchgeführt werden

Die Streitmacht.

Der neue Emir verfügt jetzt über 15 000 gut aus­gerüstete Bewaffnete und hält die Ordnung aufrecht. Über das frühere Leben Habib Ullahs ist nichts Näheres be» : saunt. Man vermutet, daß er zum MohmandstämMe ge­hört. Den Namen Habib Ullah Ghasi hat er wahrschein­lich angenommen, um daraus hinzuweisen, daß er zu einer ! Stellung emporgeftiegen ist, die der Stellung Kcm<rl Paschas in der Türkei und Riza Khans in Persien ent­spricht.

Aman Ullah will kämpfen.

über die Flucht liegen keine bestimmten Berichte vor. Sicher scheint nur zu sein daß er wahrscheinlich in Kan­dahar eingetroffen ist, wo er von der Königin Suraja und deren Mutter empfangen wurde. Auf feinem Palast ließ Aman Ullah die Königsstandarte hissen. Es wird be­hauptet, der König habe seine Flucht nach Kandahar, die sich über 500 Kilometer erstreckt, zu Pferde ausgeführt. Er wolle die Stämme um Kandahar organisieren, um mit Einsetzen des Tanwetters im Frühjahi einen neuen Feld­zug gegen Kabul einzuleiten. Aus Kandahar verlautet i weiter, die Frau Aman Ullahs, die vertriebene Königin Suraja, erwarte demnächst Familiensegen.

Oie Erneuerung des Reiches,

Eine Entschließung.

Die in der Jahresmitglicdcrversammlung deS ,Bundes zur Erneuerung des Reiches" sLutherbundi gefaßte Entschlie­ßung stellt fest, daß die öffentliche Aussprache eine An­näherung in sehr wesentlichen Punkten bereits ergeben hat. Das Reich-Preußen-Problem ist in Übereinstimmung mit den Darlegungen des Bundes als Schlüsselfrage erkannt worden. Der Bund erklärt sich für eine Gesamtlösung, die so­wohl Norddeulschland wie Süddeutschland umfaßt, die der geschichtlichen Entwicklung in den verschiedenen Reichsietlew und dem Bestehenden, das lebenskräftig ist. Rechnung trägt. Zur Durchprüfung des gesamten Zuständigkeitsproblems sind in den Sitzungen des Vorstandes und des Arbeitsausschusses zu­sammenfassende Grundlagen für die weiteren Arbeiten ge­wonnen worden, die besonders aus eine Stärkung der Selbst­verwaltung und Selbstverantwortung und auch aus eine z»»- erreichende Klärung und Sicherung der ZuständigkeitSver- «eiluna binzielen.

Selbsthilfe der Landwirte.

Ein pommerscher Aufruf.

Bei der Hauptversammlunng der der Landwirtschasis- kammer für die Provinz Pommern angegliederten Ver­eine in Stettin waren Kammerpräsident v. Flem­ming. Generalfeldmarschall v. M a ck e n s e n , der Ober- präsident der Provinz Pommern Oberbürgermeister Dr. Ackermann sowie die Spitzen der Reichs- und Staats­behörden anwesend. Kammerpräsident v. Flemming hielt eine Rede über die Lage der Landwirtschaft. Er führte u. a. aus, daß seine eigenen und die Voraussagen anderer landwirtschaftlicher Führer über die katastrophale Entwicklung der Landwirtschaft eingetroffen seien. Er würdigte die Notstandsaktion auf Grund der Mißernte des Jahre 1927. Diese Aktion müsse dankbar anerkannt werden, habe sie doch einer Anzahl von Landwirten das Durchhalten bis zur neuen Ernte ermöglicht. Zur vollen Auswirkung hätten sich aber wirkungsvolle Maßnahmen zur

, Wiederherstellung der Rentabilität anschließen müssen, die leider ausgeblieben seien. Das . Schielesche Notprogramm habe sich vor allem hinsichtlich 1 der Hebung und Stabilisierung der Schweinepreise be- . währt. Es habe den schlüssigen Beweis erbracht, daß vor allem auf diesem Gebiete die Selbsthilfe der Landwirtschaft größte Aussicht auf Erfolg habe. In seinen Schlußaus- führuugcn über das, was geschehen müsse, umriß der Redner die Staatshilfe. wie sie nach Auffassung der Land­wirtschaft aussehen müsse: zweckmäßige Handelspolitik und gerechte Abwägung der Stevern und sozialen Belastung, Förderung der Selbsthilfe der Landwirtschaft- Zum Schluß verlas der Kammerpräsident einen Aufruf, in dem von Pommern aus die landwirtschaftlichen Ver­eine des Reiches aufgefordert werden, sich in eine Spitzen-« Organisation zusammenzuschließen, die die Aufgabe haben solle, alle Maßnahmen zu beraten, die zur SelvstbUfe bet Landwirtschaft notwendig seien.