Einzelbild herunterladen
 
  

Englands FlottenporiLik.

Nach dem ergebnislosen ©erlauf der Flottenabriistungskon- snenz zwischen England, Mmerüa und Japan ist die künftige englische Flottenpolitik m den Vordorgrrmd Los Interesses ge- rückt und Gegenstand lebhafter Debatten geworden.

In den Derhirndlungen in Genf traten bekanntlich so starke Gegensätze zwischen der Admiralität und dem Regienrngsver- treter, Lord Dâl, hervor, daß dieser sich veranlafzt sah, sein Amt nieLorznlogeu. Es müssen besonders schwerwiegende Gründe gewesen sein, Lie Lord Cecil zu diesem ungewöhnlichen Schritt bewogen.

Während in der Öffentlichkeit nur über die Begrenzung der Flottenstär-kerr, insbesondere über Townengehalt und Zahl mut» Kreuzer verhandelt wurd^, fanden private Besprechungen über die viel wichtigere Frage der „Freiheit der Meere" statt. Hm Gegensatz zur Admiralität, die lediglich für die Bereit- stLung genügender Kampfmittel eintrat, erblickte Lord Cecil d« Kerripuntt der Abrüstung in einer Aenderung der See- Kegs- und Blockadebestimmungen.

Dies für den Weldfr reden so überaus w ichtig, die Allein- jrrrschmt Grotzdritairniens beseitigende Problem steht nunmehr seiner Lösung entgegen. Das Scheitern der Konferenz in Genf konnte zu der irrigen Auffassung führen, ein Wettrüsten Eng- lands und Amerikas sei die ^olae.

Hiergegen sprechen die englisch-amerikanische Interessen- und Kulirrrgemeinschaft, der wirtschaftliche Sinn der Angelsachsen, die dämmernde Einsicht Englands, daß die Sicherung seines Weltreiches weniger durch eine übermächtige Flotte als durch „Lie Freiheit der Meere" gewährleistet wird. Wenn auch die Aufgabe der traditionellen Vormachtstellung zur See für Eng­land im Hinblick aus fein Prestige und Nationalbewußtsein ein großes Opfer bedeuten mag, ist es, ob es wM oder nicht, ge­zwungen, aus Ler Not eine Tugend zu machen. Aus der ver­nichtenden Wirkung der Blockade gegen Deutschland einerseits, aus der verderblichen Wirkung der deutschen U-Boote ander­seits hat England die großen Gefahren erkannt, die ihm selbst durch eine Blockade drohen. Im Weltkrieg konnte es den deut- schen lleberseeoerkehr, der aus den Kanal oder den Weg um Schottland angewiesen, mühelos unterbinden, den schwachen neutralen Nachbarn Deutschlands gegenüber das Völkerrecht ungestraft brechen.

Anders liegen die Verhältnisse in erneut zukünftigen Kriege mit einem Gegner, dessen Küste freien Zutritt zu den Haupt- schiffahrtslinien des Meeres gewährt, der über Eifenbahnver- binLungen zu neutralen Häfen verfügt, wenn mit neutralen Staaten, besonders Amerika, zu rechnen ist, die sich die Ver­letzung Ler Neutralität nicht gefallen lassen. Nach Auffassung Ler englischen Admiralität ist die Blockade in der ofegen Napoleon I. und Deutschland durchgeführten Weife die stärkste Waffe der Seekriegführung. Aber die Blockade ist nur wirk­sam, wenn sie effektiv ist, L. h. wenn es möglich ist, die Zufuhr von Lebensmitteln und Rohstoffen zu unterbinden. Weil Eng­land in einem zukünftigen Kriege mit Amerika als dèm stärk­sten Neutralen rechnet und es nicht wagen wird, den amerika­nischen Ueberseehandel zu stören, kann die Blockade nicht mehr als Las wirksamste Mittel zur Vernichtung des Gegners ange­sehen werden.

Wenn andererseits sich die Blockade gegen England richtet, liegen Lie Verhältnisse für England ungleich ungünstiger, als sie für Deutschland im Weltkriege waren. England hat keine Landverbindungen und ist ausschließlich auf den Seeweg Mr Versorgung mit Lebensmitteln und Rohstoffen angewiesen. Werden seine Lebensadern durchschnitten, muß es kapirulier.cn. .Es sei an dieser Stelle daran erinnert, daß England nach Eigenen Zugeständnissen im April 1917 infolge der Wirkung der deutschen U-Boote dicht vor dem Zusammenbruch stand.

Was die Verwendung der englischen Flotte betrifft, hat man aus den Erfahrungen des Krieges die Lehre gezogen, daß auch die stärkste Flotte nicht imstande ist, den unbedingten Schutz des UeberfeehaNdels zu gewährleisten. Obgleich England zu Beginn des Weltkrieges über 130 Kreuzer zum Schutze feiner Handelsflotte verfügte, konnte es nicht verhindern, daß durch eine kleine Zahl deutscher Kreuzer, 519 000 Tonnen, durch die deutschen U-Boote 7 OOO 000 Tonnen Handelstonnage versenkt wurden.

Aus diesen Ausführungen ergibt sich, daß es im eigensten Interesse Englands liegt, dem von dem Präsidenten Wilson propagierten Grundsatz der „frecdom of the seas" (Freiheit der Meeres zuzustimmen. ’

Ein solches Abkommen mit Amerika, dem wahrscheinlich die anderen Staaten beirreten, dürfte zweifellos eine größere Ge­währ für den Weltfrieden und den Schutz des Ueberfeehanels bilden als übermächtige Flotten. Bl.

Amerikanische MoLienrüstuNgen.

Eine Milliarde Dollar Kosten.

Wie „New York Times" aus Washington berichtet, hat der Marinesekretär mit Kongreßmitgliedern Be­sprechungen über das Flottenbauprogramm für die nächsten fünf Jahre gehabt, das Kredite über 1000 Mil­lionen Dollar für den Bau von 26 Kreuzern von 10 000 Tonnen, drei Flugzeugmutterschiffen, vier Unterseebooten, achtzehn Begleitzerstörern, vier Ersatzpanzerschiffen vor­sieht. Dieses Programm sei vom Präsidenten Coolidge genehmigt worden. Für das nächste Fiskaljahr sollen 200 Millionen bewilligt werden.

In der Begründung, die dem Entwurf mitgegeben wird, wird hervorgehoben,, daß einschließlich der Neu­bauten Amerika immer noch innerhalb der Grenze des Washingtoner Vertrages bleiben würde, selbst bezüglich Ler Hilfsschiffe, die vom Vertrag nicht einmal erfaßt wur­den. Amerika müsse feine Flotte ohne Rücksicht auf andere Mächte nach seinen eigenen Bedürfnissen Men.

Der verzauberte Gouverneur.

Große Staatskomödie iu Oklahoma.

In dem zu den Vereinigten Staaten gehörenden Staate Oklahoma, der so groß ist wie Österreich, die Schweiz, Belgien und die Niederlande zusammen, aber nur zwei Millionen Einwohner hat, sind merkwürdige Dinge passiert.

' Jm Auftrage des Gouverneurs Johnson versperrten Mitglieder der Staatsmiliz mit Maschinengewehren und allem, was zur Kriegführung gehört, einer Mehrheit von Parlamentsmitgliedern den Zutritt zum Sitzungssaal des Parlaments, weil sie gegen den Gouverneur gerichtete Beschlüsse fassen wollten. Das Parlament wirst Herrn Johnson nicht blos; Unfähigkeit, sondern auch Nnregel- wäsngkeiten in der Amtsführung vor. Die ausgesperrten Parlamentsmitglieder hielten schließlich ihre Sitzungen einem Hotel ab und wollen, da sie bald auch von dort verjagt wurden, nunmehr unter freiem Himmel tagen.

Der Oberste Gerichtshof des Staates hat die Bcrech- tlgung des Gouverneurs zur Einsetzung der Bundes- -truvven aeaen das Parlament anerkannt, aber es wird

behaupte^ daß er ausschließlich aus Kreaturen des Gou­verneurs bestehe.

Der verzauberte Johnson.

Es wird weiter behauptet, daß sich unter den Tra­banten des Gouverneurs ein Detektiv befinde, der sich mit der Aufklärung von Banküberfällen besässe, obwohl er selbst ein von verschiedenen Behörden verfolgter Bank­räuber sei. Ferner wird gesagt, daß Johnson völlig unter dem Einfluß feiner Privatsekretärin, einer Frau Ham­monds, die aber allgemein »Frau Rasputin" genannt wird, stehe.

Frau Hammonds soll gegenüber dem Gouverneur okkulte Kräfte anwenden, und der eigentliche Gouverneur des Landes sein. Johnson selbst soll mystischen Einflüssen stark zugänglich sein. Er soll sich übersinnlichen Lehren hingeben, in denen Zauberei und Hexerei große Rollen spielen. Der Senat beschwerte sich bereits vor einiger Zeit darüber, daß die Privatsekretärin den Senatoren gegenüber verletzend austrete. Die Sekretärin lasse die Senatoren gern absichtlich lange in ihrem Vorzimmer warten. Frau Hammonds war eines der ersten Mit­glieder in der weiblichen Abteilung des Ku-Klux-Klan, soll dann aber gewaltsam aus dieser Sekte entfernt worden sein. Ihre Macht über den Gouverneur soll so groß sein, daß sie ihm viele amtliche Briese und Kundgebungen in die Feder diktiert haben soll.

Es sei noch bemerkt, daß infolge der unerquicklichen Vorgänge über Oklahoma der Belagerungszu- stand verhängt worden ist. Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr bewachen die Parlamenlseingänge und die öffentlichen Plätze, - . *

Weihnachlsgabe für Rentenempfänger.

A nsschüttung von 25 Millionen.

Das Reichskabinett hat auf Vorschlag des Reichs- flnanzministers beschlossen, einen einmaligen Betrag von etwa 25 Millionen Mark für eine einmalige Weihnachts­gabe an die Invaliden, Sozialrentner, Werkspenfionäre und Krisensürsorgebercchtigten zur Verfügung zu stellen. Im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages, der sich bereits mit der Angelegenheit beschäftigte, erklärte Reichs­finanzminister Dr. Köhler gegenüber weitergehenden An­trägen von mehreren Parteien, daß es angesichts der Gesamtlage unmöglich sei, über die von der Regierung zur Verfügung gestellten 25 Millionen hinauszugehen. Annahme fand schließlich folgender Antrag des Zentrums über die Verteilung der 25 Millionen:

Als einmalige Notstandsmaßnahme zugunsten der Sozial­rentner, Kleinrentner und langfristigen Erwerbslosen ist zu gewähren:

1. Für Empfänger von Invaliden-, Witwen- und Witwer­renten je 9 Mark, für Empfänger von Waisenrenten je 3 Mark;

2. für Hauplunterstützungsempfänger in der Kleinrentner- fürsorge je 9 Mark, für Zusatzunterstützungsempfänger, Ehe­gatten, Kinder je 3 Mark;

3. für Hauptunterstützungsempsänger in der Krisenfür­sorge je 9 Mark, für Zuschlagsunterstützungsempfänger je 3 Mark.

Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte ist zu er­mächtigen, eine entsprechende Notstandsmaßnahme aus den Mitteln der Anstalt zu gewähren.

Angenommen wurde ferner ein sozialdemokratischer Zusatzantrag, diese einmalige Notstandsmaßnahme auch den unterstützten ehemaligen Reichsarbeitern und Reichs­angestellten und den Kindern der Jnvalidenrentner zu gewähren.

Wie betont wird, bedeutet diese Hilfe für die Rentner keine neue Belastung des Etats, die Auszahlung geht viel­mehr auf eine frühere Bewilligung zurück.

Politische Rundschau.

Deutsches Reich.

Parlamentarischer Abend beim Reichstagspräsidenten.

Der Reichstagspräsident Löbe hatte die Reichs­regierung, die preußische Regierung, die Spitzen der Be­hörden, Parlamentarier, Vertreter der Kunst, Wissenschaft, Literatur und der Presse zu einem parlamentarischen Abend in sein Heim im Präsidentengebäude geladen. Von der Reichsregierung waren die Minister Hergt, v. Keudell, Schiele und Geßler, von der preußischen Regierung die Minister Dr. Becker, Dr. Höpker-Aschoff und Steiger der Einladung gefolgt. Die Länder waren durch ihre Be­vollmächtigten zum Reichsrat vertreten. Mit Ausnahme der Kommunisten waren die Führer aller Parteien mit zahlreichen Mitgliedern erschienen.

Deutscher Wahlerfolg in der Königshütte.

Bei den Betriebsratswahlen für die Hüttenverwal­tung der Königshütte haben die deutschen Freien Gewerk­schaften sieben Mandate und die Christlichen deutschen Ge­werkschaften zwei Mandate errungen, während die ge­samten polnischen Organisationen insgesamt nur vier Mandate erhielten. Bei den Angestelltenwahleu ist pro­zentual dasselbe Verhältnis zu verzeichnen.

Aus Zn» und Ausland.

Paris. Der deutsche Botschafter von Hoesch hat sich zu Besprechungen nach Berlin begeben.

London. Die Internationale Friedensgesellschaft teilt mit, daß der nächste Sonntag in England und in anderen Ländern als „Friedenssonntag" begangen werden wird.

Moskau. Der Parteitag der Kommunistischen Partei billigte einstimmig die Tätigkeit der Delegation der Kommu­nistischen Partei der Sowjetunion im Exekutivkomitee der Komintern.

Debatte über Konnersreuih.

Eine Ansprache des Bischofs von Würzburg.

Der Volksverein für das katholische Deutschland hielt in Würzburg eine Massenversammlung ab, in der der Theologieprofessor Dr. Wunderle über Therese Ren. mann und das Rätsel von Konnersreuth sprach. Er stellte die Forderung auf, daß das junge Mädchen sich nm der Sache willen in eiste neutrale Klinik begeben sollte und den medizinischen Anforderungen Genüge leisten müßte. Für Therese Neumann wäre das ein großes Opfer. Er müßte diese Forderung aber stellen, da die Sachlage medizinisch ungeklärt sei. Die medizinische Wissenschaft müßte dann aber auch Farbe bekennen,

Zu den Diskussionsrednern des Abends gehörte auch der Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried. Er betonte, daß Therese Renmann in d'er Diözese des Bischofs von Regensburg gewohnt habe und daher nur dieser und der Heilige Strchi für die Angelegenheit zuständig seien. Aber jetzt könne man schon sagen, daß Konnersreuth eine große Bedeutung für den Christusgedanken und den Kreuzgedanken gehabt habe. Die Wurzeln der Stigmata fation" liegen im Christentum. Sollte es nun dahin kommen, daß die Stigmatisierte unter das Seziermesser der medizinischen Klinik kommt, so behält Gott sie doch in seiner Hand.

Der Arensdorfer Prozeß.

' Der zweite Tag des Arensdorfer Prozesses vor dem Schwurgericht Frankfurt a. d. O. ist der Vernehmung der Zeugen atls Arensdorf gewidmet. Nicht weniger als 25 Zeu­gen konnte der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Rothe bei Beginn der Verhandlung aufrufen. Rechtsanwalt Dr. Julius- berger beantragte die Vernehmung des Zeugen

von Alvensleben

und vorläufige Ausweisung aus dem Zuhörerraum. Das Gericht beschloß, sich die Vernehmung noch vorzubehalten, und bat Herrn von Alvensleben, den Zuhörerraum einstweilen zu verlassen. Auf die Frage von Alvenslebens, ob dâs eine Ausweisung sei, erwiderte der Vorsitzende, es sei eine Bitte. Darauf erklärte von Alvensleben, daß er im Saal bleibe. Nach einiger Zeit wurde dann von Alvensleben die Ladung als Zeuge zugestellt, so daß er den Saal verlassen mußte. Die Zeugenvernehmung wurde dann fortgesetzt.

Ein Reichsbannerangehöriger, der am Tage des Zusam- menstoßes eine halbe Stunde vor dem Auto mit dem Rade Arensdorf passiert hatte, bekundete, daß er auf seiner vier­stündigen Fahrt nirgends belästigt worden sei, nur in Arens- dors fei er von einigen Leuten mit Hitler-Mützen bedroht worden.

Die Vernehmung einer ganzen Reihe von Arensdorfer Bewohnern ergab keine wesentlichen Einzelheiten, nur ein 69jâhriger Landarbeiter Bischof bekundete, daß er den Ruf gehört habe: „Na, so schieß' doch!" Ob dieser Ruf von dem Vater des Schmelzer stammte, wußte er nicht. Daß August Schmelzer im Gesicht geblutet habe, wurde von mehreren Zeugen bestätigt, auch daß fein Vater mit einer Mistgabel bewaffnet war. Während dieser Aussage erlitt der Angeklagte

August Schmelzer plötzlich einen Schwâcheanfall.

Stier um sich blickend, saß er, während ihm alle Glieder zitterten, auf seinem Stuhl. Die anwesenden Arzte bemühten sich sofort um ihn und veranlaßten, daß er hinausgeführt wurde, um sich zu erholen. Ter Vorsitzende ließ daraufhin eine Pause eintreten.

Wer mischte «Nachrichten.

Wegen Beleidigung des preußischen Ministerpräsidenten verurteilt.

Leipzig. Der völkische Schriftsteller George Kramer und der Buchdrucker Hientzsch aus Leipzig hatten sich wegen schwerer Beleidigung des preußischen Ministerpräsidenten Braun vor dem gemeinsamen Schöffengericht zu verantworten. Kramer hatte in Flugschriften, die er herausgab, einen Artikel aus der Zeitschrift „Speetalor" ausgenommen, in dem es dieß, Braun habe als preußischer Landwirtschaftsminister in einer Sitzung des Parteivorstandes der Sozialdemokratischen Parter erklärt, es wären ihm vier Millionen Mark von dem Juden Oppenheimer zur Agitation im preußischen Agrargebiet zur Verfügung gestellt worden. Dem Artikel hatte Kranièr noch selbst einige Sätze hinzugefügt. Als Vertreter des Neben­klägers war Reichstagsabgeordneter Landsberst (Berlin) er­schienen. Rach längerer Verhandlung wurde folgendes Urteil gefällt: Kramer wird wegen Beleidigung nach § 186 SGB. zu 600 Mark Geldstrafe verurteilt; auch wird auf Publikation des Urteils in der Deutschen Allgemeinen Zeitung, den,Leipziger Neuesten Nachrichten, der Leipziger Volkszeitung und im Vor­wärts ersannt. Hientzsch, der keine Kenntnis von dem Inhalt der Druckschriften gehabt haben will, wurde freigesprochen.

Immer wieder Wilderer.

Licbenwerda. Der im Rothsteiner Forst bei Liebenwerda erschossene Wilderer, der Musikdirektor Richard Drechsler, hat lediglich eine Gruppe von Gelegenhettsmusikern geleitet Nach den bisherigen Feststellungen scheine es sich nicht zu bestätigen, daß Drechsler von dem Förster erschossen wurde, nachdem er auf diesen das Gewehr angelegt habe — In den Waldungen bei Arzberg (Torgau) wurden von Forstbcamten und Land­jägern vier Torgauer Bürger beim Wildern ertappt. Vier weiteren Beteiligten, die mit den anderen mehrere Stunden lang verfolgt wurden, gelang es. zu entkommen.

Die Fürstenabfindung in Mecklenburg.

Schwerin (Mecklenburg) Im Landtag brachte hie Re­gierung einen Gesetzentwurf ein der sich mit der endgültigen Abfindung des mecklenburgischen Fürstenhauses befaßt. Als Abfindungssumme gewährt der Staat dem Fürstenhause vier Millionen. Von dieser Summe soll eine Million sofort bar bezahlt werden, die weiteren Drei Millionen bis spätestens 31. März 1928, andernfalls für den Schuldbetrag eine ent­sprechende Verzinsung eintritt Mit der Annahme dieses Ver­gleiches nimmt der Staat die Klage gegen das Fürstenhaus zurück.

Der Braunschweigische Landtag eröffnet.

Braunschweig. Ter neugewâhlte Landtag hat in seiner ersten Sitzung den Abgeordneten Wesemeier (Soz.) zum Präsi­denten, die Abgeordneten Wessel (D. Vp.) und Dr. Roloff (Dtn. Vp.) zu Vizepräsidenten gewählt.

Drei Arbeiter bei einem Cerüstzusammenbruch getötet.

Amsterdam. Wie die Blätter berichten, ist dieser Tage beim Bau einer Krananlage auf dem Hochofenwerk Humiden ein 30 Meter hohes Gerüst eingestürzt, wobei drei auf dem Gerüst beschäftigte Arbeiter getötet wurden

Aus Hessen und Nachbargebieien.

Gießen, 12. De^ (Eine Frau in Flammen.) In dem be­nachbarten Dorfe Steinbach kam die Frau des Schreiners Karl Haas 5., als sie sich am Ofen wärmen wollte, Dem Feuer zu nahe, sodaß die Kleider in Brand gerieten. In ihrer Angst stürzte die Frau auf die Straße, wo herbeieilende Nachbarn die Flammen löschten. Die Frau hat schwere Brandwimden da­vongetragen.

Frankfurt a. M., 9. Dez. (Die hereingelegten Bürgermeister.) Die Bürgermeister des Kreises Usingen waren überèingetom- men, ein Heimat buch mit Illustrationen herauszugeben. Ein Lehrer sollte die schriftlichen Unterlagen dazu liefern. Nur ein Photograph fehlte noch. Da sah eines Tages einer der Bürgermeister einen Photographen in einem Dorf, der Auf­nahmen machte. Dieser ließ sich leicht für die Sache gewinnen und teilte feinem Meister den Auftrag für den Bezirk des einen Bürgermeisters mit. Eigenmächtig erschienen nun die beiden Photographen bei den andern Bürgermeistern unb erklärten, daß sie im Auftrage des Landratsamts gekommen wären, um Ausnahmen für das Heimatbuch zu machen. Die Bilder wur­den prompt geliefert unb von den Bürgermeistern wurde Zah- luitg verlangt. Als ein Bürgermeister Bedenken hegte, die Bilder zu bezahlen, sagte der Angestellte Knrasch, daß die Bilder bald zum Landratsamt geschickt werden müßten, da sie sonst keilte Aufnahme mehr in dem Buch fänden. Auf diese Befürchtung hin zahlte denn auch dieser Bürgermeister prompt die Rechnung, bis sich das ganze Photographcnunternehmen als Schwindel hcrausftellte, denn vom Landratsamt war nie­mals ein Auftrag erteilt worden. Der Einzelrichter in Usingen hatte den Unternehmer Heinz Schuhmacher wegen Serrugs zu einem Monat Gefängnis und den Angestellten Kurasch zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt. Kurasch wollte nicht schuldig sein und logte Berufung gegen das Urteil ein. Die Kleine Straf­kammer kam aber jetzt zur Bestätigung des ersten Urteils.

Frankfurt a. M., 12. Dez. (Kleine Frankfurter Rundschau.) Zu den Unterschlagungen bei dem Verband der Motallindu- ftriellen wird noch bekannt, daß Ler verhaftete Geschäftsführer Ingenieur Fuchs bereits vor einigen Monaten seiner Stellung als Geschäftsführer enthoben worden war. jedoch noch weiter­hin im Büro beschäftigt wurde. Er hat zahlreiche Beiträge der Äcitglieder gebucht und es verstanden haben, Liese Tatsache ge­schickt zu verschleiern. Fuchs war zehn Jahre Geschäftsführer Les Verbandes. Die unterschlagene Summe dürfte 100 000 Mark noch überschreiten. — Bei der heute stattgefundenen Vergleichsverhandlung in Sachen Ler in Schwierigkeiten gera-> tenenen bekannten Firma Bensheim u. Hermann A. G. ergab sich, wie der Frankfurter Verein für Eläubigerschutz mitteilt, daß von 156 Gläubigern mit einer Eosamtforderung von 476 000 Mark 117 Gläubiger mit zusammen 435 000 Mark For­derungen dem Vergleichsvorschlag zustimmten; der Vergleich ist