Aus den Parlamenten
Deutscher Reichstag
(353. Sitzung.)
CB. Berlin, 7. Dezember.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über die Krankenversicherung her Seeleute.
Abg. Schumann-Frankfurt (Soz.) erstattete den Ausschußbericht. Der Entwurf gliedert die Krankenversicherung der Seeleute nicht den allgemeinen Ortskrankenkaffen, sondern Der bestehenden seemännischen Invalidenversicherung an, während die Fürsorge für die Angehörigen den Orts- und Landkrankenkassen zufallen soll. Der Ausschuß ersucht Die Reichsregierung, dem Reichstage im Frühjahr 1929 die Geschäfts- und Rech- nungscrgcbnisse Der Scefranfenfaffen und Die besonderen Erfahrungen miizuleilen, die bei der Durchführung der See- krankenversicherung gemacht wurden.
Abg. Hoch (Soz.) bedauerte, daß man Die Seeleute nicht hon allgemeinen Ortskrankenkassen zuweise, sondern eine neue Berufskrankenkasse gründen wolle. Damit hindere man das Bestreben der Arbeiterschaft nach allgemeiner gleicher Kranken- Versorgung.
Aog. Dr. Hädenkamp (Dtn.) hätte es lieber gesehen, wenn der Ausschuß den Entwurf nicht verändert hätte. Die Abweichungen von den Grundsätzen der Versicherungsordnung seien in dem Sonderverhältnis des Seemannsberufes begründet gewesen. Der Redner beantragt dann, auch in Dieser Krankenversicherung eine Gehattsgrenze bis zu 3600 Mark sestzusetzen.
Abg. Dr. Moldenhauer (D. VP.) stimmte dem Gesetzentwurf in seiner Grundtendenz zu und trat gleichfalls für eine Gehalt- grenze und die Freilassung der Kapitäne ein.
Abg. Frau Teusch (Ztr.) erklärte für das Zentrum und für die Bayerische Volkspartei, daß diese an der Einbeziehung der gesainten Schiffsmannschaft, also auch der Offiziere, festhattc.
Abg. Ziegler (Dem.) gab seiner Befriedigung Ausdruck, raß dieses Gesetz ein altes Unrecht an den Seeleuten endlich gut gemacht habe.
Abg. Neddermeyer (Komm.) bemängelte die lange Arbeits- |éit und die Unterbringung der Matrosen auf den Schiffen.
Angenommen wurde ein Antrag der Deutschen Volks- ?artet, wonach die Satzungen der Kasse bestimmen können, aß die Kapitäne von der Versichcrungspslicht befreit werden. Ferner wurde beschlossen, daß die Kasse den Namen See- kasse führen soll. Die übrigen grundsätzlichen Änderungsanträge wurden abgelehnt und die Vorlage darauf in.zweiter Lesung angenommen.
. Es folgte Die Beratung über den Bericht des Sozialen Ausschusses über die Genfer Übereinkommen zur Unsall- dersichcrung.
Abg. Schwarzer (Bayr. V.) beantragte namens des Ausschusses die Reichsregicrung um Ratisizierung der Genfer Übereinkommen und Vorschläge über Die Entschädigungen anläßlich von Berufskrankheiten und über Die gleiche Behandlung einheimischer und ausländischer Arbeitnehmer und Ent- fchädig.ung aus Anlaß von Betriebsunfällen zu ersuchen
Die sozialdemokratischen und kommunistischen Anträge, auch Gastwirtsgehilscn, Pflegepersonal usw in die Unfallversicherung aufzunehmen, sollen durch einen Beschluß erledigt werden, der schleunigst einen Entwurs verlangt, durch Den Die Unfallversicherung auf Feuerwehren, Krankenanstalten, Büb- nenbetriebc und Laboratorien ausgedehnt wird. Ferner verlangt der Ausschuß eine Prüfung, ob und wie ohne Schaffung neuer Versicherungsträger die übrigen, noch nicht Versicherten einbezogen werden können. Bis zur Erledigung dieser beiden letzten Angelegenheiten soll das Genfer Übereinkommen über die Entschädigung von Betriebsunfällen noch nicht ratifiziert werden.
Abg. Frau Schröder (Soz.) begründete die sozialdemokra- ttschen Anträge.
Dann vertagte sich das Haus auf Freitag.
preußischer Landtag
(322. Sitzung.)
tt. Berlin, 7. Dezember.
Auf der Tagesordnung steht die Beratung der deutschnationalen Interpellation, die Die Aufhebung der Verordnung des preußischen Kultusministers über die
Neuregelung des Studcntcnrechts gsp OM den preußischen Hochschulen fordert.
Abg. Llze (Dtn.) begründet Die Interpellation. Dem Minister, so sagte er, müßte besannt sein, daß in der Schlammflut des Materialismus der Revolutionszeit Der Idealismus der Studentenschaft geradezu die rettende Insel gewesen sei. Die Bestimmungen über das Koalitionsrecht bedeuteten den Versuch eines unerträglichen Hineinregierens in die inneren Verhältnisse deutscher und außendeutscher Länder, durch das die großdeutsche Organisation der deutschen Studentenschaft zerschlagen werde. Der Minister habe aus parteipolitischer Nachgiebigkeit gegenüber dem Willen der Koalitionsparteien gehandelt. Wenn er sage, durch das neue Studentenrecht solle das Gefühl für die Pflichten dem Staate gegenüber gestärkt werden, so habe die Studentenschaft stets eine starke Staatsgesinnung gezeigt — in der burschenfchafl- Ikhen Bewegung sowohl wie bei den Spartakistenunruhen des
Unter dem Tannenbaum.
Abseits.
4) Eine Weihnachtsgeschichts von Theodor Storm.
„Es fam anders, Herr Lehrer. Der Krieg brach aus, und niemand hatte Zeit, noch an sich selbst zu deuten. Eines Mittags, da zuerst Die greifbaren mit ihren Schlapphüten und Ptztolen in die Stadt kamen, steht ein großer bärtiger Mann vor mir und reicht mir jeinen_ Onartierzettel. Es schoß mir in die Knie, da ich ihm ins Gesicht blickte. Es war mein Bruder. .Christian!' rief ich, .was in Gottes Namen willst du jetzt hier?' — ,Meta', sagte er, ,das Herz ist immer noch zu Haus^ es hat mir keine Ruh gelassen!' — Und so hatte er das Geschäft einem Kompagnon anoertraut und Frau und Kind bei seinen Schwiegereltern untergebracht, Ehrenfried schüttelte den Kopf. ,Was soll das nützen,' sagte er, wir haben junges Volk genug, die älteren werden schon später daran kommen, sobald es nötig ist.' Und als Christian ihn an den Schultern faßte: ,Sei nicht so griesgrämig, Ehrenfried, und mach mir das Herz nicht schwer; es hilft doch nichts, ich muß schon jetzt mit dreinschlagen,' da blieb er doch bei seinem Stück: ,Es inug alles in der Ordnung sein.’ Er hatte nun einmal so das Temperament nicht, Herr Lehrer. Aber auch der Herr Senator sah oft nachdenklich drein, wenn späterhin Der Christian uns seine Kriegsberichte schickte. Endlich, wir müssen wohl sagen, leider Gottes, wurde es Frieden."
Der Lehrer nickte, aber er unterbrach seine Freundin nicht.
„Unsere guten Leute wurden in Die Fremde getrieben, und bio Fremden kamen und setzten sich im Lande fest. Mein Bruder saß wieder drüben in seinem Geschäft und bei seinen Büchern. Ich will keinem Unrecht tun; aber er mochte es doch wohl nicht in den rechten Händen gelassen haben; Denn es war mir nicht entgangen, daß zwischen ihm und unserm Herrn plötzlich ein eiliges Schreiben hin- und widerlief; und als ich gelegentlich anfragte, drückte der Herr mir die Hand und sagte: ,Sorge nur nicht zu sehr, Meta; in Dem Kampf um die alte Heimat ist er mit einer Schmarre davongekommen; er muß nun hinterher noch um die neue kämpfen; aber du weißt, dein Bruder ist ein tüchtiger Mann; und nun laß uns sorgen und geh du in deine Küche!' Ich sorgte aber doch; Denn von Ehrenfried hatte ich gehört, daß auch unsern Herrn Senator schwere Verluste getroffen hatten.
„MittLrweile wurde es wieder einmal Frühling, und es Wt mir fest, als wenn es von der Sonne käme, Die nun so hell in, den dunkeln Laden schien, daß Ehrenfried eines Morgens wieder non einem Saustauf zu reden anfing, und daß wir uns bann endlich das Wort gaben, auf den Herbst unsere Sache in Ordnung zu bringen. Wir hatten es schon auf den nächsten
Jahres 1918, als die Studenten in den freiwilligen Organisationen die schlotternden Noveinberlinge retteten. (Pfuirufe links und in der Mitte.) Nachdem die Vorschläge mit mehr als Zweidrittelmehrheit abgelehnt seien, müßte der Minister tt m l c r n e n und, wie ein verständiger Vater, cinlenken. Der Minister solle daher die Frage, ob er seine Verordnung zurück- Zuziehen gedenke, mit einem frischen und freudigen Ja beantworten. (Andauernde Unterbrechungen links und beleidigende Zurufe bei den Kommunisten werden vom Präsidenten Barrels wiederholt gerügt. Am Schluß der Ausführungen des Redners ertönen höhnische Hurrarufe links und die Kommunisten rufen: »Prost! Gsnssal") — Daraus nahm
Kultusminister Dr. Becker
das Wort zu einer längeren Erwiderung. Die StaatS- rcgiernng werde die Verordnung nicht zurückziehett, für die sie die Verantwortung übernehme. Die Regierung hätte die Selbstverwaltuna weaen ibrcs hohen vädaaogiswen Wertes gern erhalten. Sie könne es jedoch nicht mit ansche», wenn eine zum Besten der Jugend geschaffene Einrichtung durch unklare Formulierung ihres Statutes oder durch unvorhersehbare unverantwortliche Einflüsse von außen her geradezu in ihr Gegenteil verkehrt werde. Die studentische Selbstverwaltung sei durch Mißbrauch und Umdeutung ihrer Satzung
zu einem politischen Machtinstrument geworden.
Es sei eine selbstverständliche Pflicht der Staatsrègierung gewesen, Garantien dafür zu schaffen, daß diese Selbstverwaltung ihre Zweckbestimmung auch wirklich erfülle. Bei Der Neuordnung sei ausdrücklich eine erneute Befragung der Studentenschaft erfolgt: die Studentenschaft hätte sic ab gelehnt und damit freiwillig auf ein ihr vom Staat angebotenes M-Recht der Mitbestimmung verzichtet. Die Studentenschaft würde damit wieder Objekt der Verwaltung und der Erziehung wie die Schüler anderer Bildungsaristatten auch. Neu in der Verfassung.sei nur die Verstärkung Der Kontroll- maßnahmcn in der "Vermögensverwaltung gewesen. Von einer Einschränkung der akademischen Freiheit und einer Bedrohung des großdeutschen Gedankens könne feine Rede sein. Die Regierung siehe nach wie vor auf dem Boden des groß- deutschen Gedankens. Die sogenannte Deutsche Studentenschaft sei gar nicht großdeutsch, sondern großvölkisch und schädige den großdeutschen Gedanken. Die Eiuzclstudentcu- fchaftcn hätten als Organe öffentlich-rechtlicher Körperschaften Rücksicht auf den Staal und seine Verfassung nehmen müssen.
Das Abstimmungsergebnis
sei nur auf Grund einer gewissenlosen Agitation möglich gewesen. Die lokale Selbstverwaltung hätte noch nicht wegen des großvölkischen Gedankens von der Studentenschaft ab- gclchnt zu werden brauchen. Nichts beweise besser als Dér Ausgang der letzten Wahl, wie politisch abhängig die Dölitschc Studentenschaft sei. Bedauerlich sei, daß die politischen Drahtzieher zum Teil in Den Spitzenorgan Nationen der großen studentischen Korporatiousvcrbande säßen. Man dürfe nicht vergessen, daß in vielen akademischen Berufszweigen die berufliche Zukunft ganz abhängig sei von Den Beziehungen zu den alten Herrschaften. Der Korporationsgedankc habe die akademische Selbstverwaltung erdrückt. Da nun dadurch zurzeit eine wirkliche akademische Selbstverwaltung unmöglich wird, begrüße er den Ausgang der Abstimmungen. Die studentische Selbstverwaltung habe jetzt aufgehört; was übrigbleibe, sei StuLcntenpolitik als ein Teil Der allgemeinen Politik. Amtlich garantierte Mittel und staatliche Räume würden für diese politischen Zwecke natürlich nicht zur Verfügung gestellt. — Die Rede des Ministers wurde teilweise durch
starke Kundgebungen von rechts und links unterbrochen. Der Präsident erteilte eine Reihe von Ord? nungsrufcn. Zum Schluß ertönte lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien, während aus der Rechten starke Gcgen- kundgcbuugcu Und Zischen vernehmbar waren.
In der Aussprache nimmt das Wort Frau Abg. Dr. Wegschcidcr (Soz.). Sie behauptet, Die Studenten hätten Die ihnen vorgclcgtc Früge gar nicht verstanden und sich selbst den Boden zu einer freiheitlichen Entwicklung genommen.
Abg. Steuer (Dtn.) bedauert, daß Der Minister die Fra,re der Studentenschaft zum Gegenstand der Stellungnahme eines Kabinetts von Partciministern gemacht habe. Die Studentenschaft habe viel geleistet. Da brauche man sich nur die Gedenktafeln in den Korporationshäufern anzusehen.
Die Kriegsvcrluste der Deutschen Studentenschaft seien nach den Verlusten des aktiven Offizierskorps prozentual die höchsten. Der verfassungsmäßige Weg wäre gewesen, die Rechte der Tausende von Studenten anzucrkennen, anstatt sie um weniger Dutzend willen zu zerschlagen. Tie umfassende Deutsche Studentenschaft sei heute Die wirklich einzige Zm- sammenfassung des Deutschtums in den betreffenden Ländern gewesen.
Die Deutsche Studentenschaft als Spitzenorganisation bestehe weiter. Sie werde auch alle die freien Studentenschaften hinter sich haben, die jetzt an allen deutschen Hochschulen entstehen werden. Die Deutsche Studentenschaft werde ihren Weg weitergehen, und alle nationalen Kreise begrüßten dies mit Hoher Freude.
Abg. Lauscher (Ztr.): In dem Studentenkampf handelt cs sich um bewußte Ablehnung des heutigen Staates. Die Deutsche- Studentenschaft habe zu den Grundsätzen der Frontkämpfer
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Sonntag festgesetzt, daß wir der Herrschaft unsere Heimlichkeit offenbaren wollten; da, am Freitagnachmittag — wir sollten auf den Abend eine kleine Gesellschaft haben, und ich war eben auf meine Kammer gegangen, um mich ein wenig anzukleiden — bringt mir der Ladenbursche einen Brief von meinem Bruder. Und da stand es denn geschrieben: er war am Bankrott. Aber mein Kapital, was ich von unserm Vater hatte, das — so schrieb er — konnte ihn noch retten. Ich verschloß den Unglücksbries in meine Schatulle; dann entsann ich mich, daß noch Radieschen zum Nachtisch aus Dem Garten geholt werden sollten. Ich nahm ein Körbchen und schlich Die Treppe hinab, um unbemerkt aus dem Hause zu kommen; denn ich hätte um alles jetzt dem Ehrenfried nicht begegnen mögen. Ich weiß nicht, wie ich hinten aus dem Hanse und Die kleine Straße hinab nach dem Garten gekommen bin. Vorn an der Pforte hätte ich fast den Herrn Senator umgerannt. ,Ei, Meta', rief er und hob lachend den Finger gegen mich, ,mit der Küchenschürze über die Straße!' Aber so alteriert war ich, Herr Lehrer; das war mir all mein Lebtage noch nicht passiert.
„Gs wurde schon Abend, und es gemahnte mich recht wie damals; denn der Flieder duftete, und von unten aus der Marsch kam auch wieder wie dazumal ein sanfter Vogelsang.
»Aber ich ging mit dem leeren Körbchen in Dem großen Steige auf und ab und zerriß mir unachtlich die Kleider an den Stachelbeerzäunen. Meine Gedanken verloren sich in die alte Zeit, in das Kämmerchen, wo mein armer Bruder und ich als Kinder in unsern schmalen Vettchen schliefen. Mir war wieder, als höre ich nebenan im Wohnzimmer Die Schwarzwälder Uhr zehn schlagen; und nach dem letzten Schlage wird Drinnen das Schreibpult abgeschlossen, und mein Vater öffnet leise die Kammertür. Wie oft, wenn ich noch wachend lag, hatte ich heimlich durch die Augenlider geblinzelt, wenn er sich über seinen Liebling beugte und sorgsam das Deckbett über ihn zurecht legte, Damit nur leine Zugluft Die nackten Gliederchen berühre; bis dann des Vaters Hand sich auch auf mein Haupt legte und ich von feinen Lippen einen Laut vernahm, den ich nicht verstehen konnte, aber den ich doch in meinem Leben nicht vergessen habe. — Die hilfreiche Hand unseres Vaters lag längst im Grabe; aber was sie mit saurem ehrlichem Fleiß erworben, das war noch da; ich hatte und es reichte noch, um die Blöße seines Lieblings zuzudecken. — Und doch, was' sollte aus Ehrenfried und mir nun werden? Aber wir lebten ja geborgen, wir gaben nur einen Herzenswünsch Daran; der arme Christian hatte sich nicht bedacht, da er alles hinter sich ließ, um seiner Heimat in ihrer Bedrängnis beizustehen.
„So hatte ich in schweren Gedanken meinen Korb mit Radieschen gefüllt und trat nun aus Dem Garten, dem kleinen Hause gegenüber, was dazumal Dem Steinmetzen gehörte. Die Sanne spiegelt sich in den Fensterscheiben, und ich stand eine Weile und betrachtete es mir; denn es war dasselbe, um wèl-
nicht zurückgesünh^y. Schuld seien diejenigen, die "eine Achtung anderer Meinungen und eine Berücksichtigung der Minderbcv nicht kennen, Die immer selbst von Freiheit reden, die Freiheit aber selbst nicht respektieren. p
Abg Pi »lernest (D Pp.): Der Minister hätte dem Verlangen der kleinen Mehrheit des Landtages aus Abänderuna des Slndentenreclns nicht entsprechen sollen. Einzelne notwendige oder erwünschte Reformen hätten in anderer gornt nüd durch ein Anderes Verfahren cinge,führt werden können Es wäre möglich gewesen, in der Frage der Aufnahme aus- landsdontscher Studenten zu einer Verständigung mit 6er Deutschen Studentenschaft Zu kommen, Die ihr den Minister und die Mehrheit des Landtages annehmbar gewesen wäre und durchaus in Der Linie des neuen Erlasses gelegen hätte Aach wir wollen keine Rassepolitik, sondern Kniturpolilik.
Kultusminister Dr. Becker erklärt: Die Verordnung enthalte nichts anderes, als was sämtliche Regierungen seit der Revolution mit Einschluß der volksparteilichen Minister als selbstverständliche Haltung des Staates Vertreten hätten.
Abg. Kerff (Komm.) bezeichnet. den Brics des Reichs, kanzlers an den MtncherpränWl'o« Braun als eine schallende Ohrfeige für die Prenßenicgicrung.
Abg. Dr. Bohner t Demu sortiert eine verstärkte Kontrolle der Finanzen der.Snrdcntenschaft, ngchhcm die Stndemengelder zu politischen Zwecken mißbraucht worden - feien. Die Studenten Dürften sich nicht als Führer des Volkes aüfspielen.
Abg Dr Klamt ,(W Vgg). erklärt, Die unerschrockene H.g, tung der Studentcuschäft veranlasse feine Freunde, 'bet Studentenschaft noch gesteigerte Hochachtung und Sympathie entgegenzubringen.
Abg. Dönicke (Völk.): Die deutschen Studenten hätten einen guten Kamps gekäinpft und die Nachwelt werde ihnen dafür danken, daß sie in Dieser trüben Zeit eine völkische Hoffnung cinfgepflanzt haben.
Damit ist die Aussprache und die Jnicrpcllatiou erledigt Das Haus vertagt sich auf Montag, Den 12. Dezember.
Letzte MschrichLen.
Nadiospregel.
Bei Altena stieß ein seewärts fahrender englischer Dampfn mit einem Schleppdampfer zusammen und wurde erheblich dr- schädigt. Der Schleppdampfer sauf, sein Maschinist ertrank.
In Algerien wurde durch neue wolkenbruchartige Regni- güsse wiederum schwerer Schaden angerichtet.
Der • Gouverneur der Newyorker BunL-esreservenbuik, Strong, hat eine Auslandsreise abgetreten, die ihn auch n'a^ Deutschland führen wird. Er wird vermutlich mit den Lcitftn Der wichtigsten Notenbanken Konferenzen haben.
in Lüd-
Rockefeller stiftete 25 000 Dollar zur Errichtung einer Zentrale der christlichen Verenftsnng lunger Männer i 22 âÄa. Dort sollen Neger zum. Dienst unter der eingeborenen
rienft unter der cingcLorencn
Bevölkerung ausgebildet werden.
Haushaltsausschuß des Reichstages.
Der Hanshaitsäusschüß Des Reichstages nahm heute die P- ftimniuugeu über die Pensionen, Abschnitt V der BesolduM- orDnung vor.
Nach der bisherigen Fassung sollten die Pensionen bei Grundgehältern von 6--11 000 Mark um 16 Prozent, bei 11- 16 000 Mark um 12 Prozent erhöht werden.
Auf Antrag der Regierungsparteien wurde heute beschickn, alle Pensionen bei Grundgehältern von 6—12 000 Mark M 16 Prozent, die höheren überhaupt nicht zu steigern. $@ neue Grundgehalt soll dabei höchstens 13 200 Mark betrugen. All: anderen Anträge wurden abgelehirl auf Antrag der W gicrungspärchien aber die Regierung noch crjucht, beldiftt ciR . Novelle zu Dem bereits vorliegenden War'testaudsgelcM- i wurf per Riegen, Damit War test a nd sbeainten, deren WM- ' Verwendung ausgeschlossen erscheint, in Den Ruhestand M- |
führt werden können.
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Aus Hrffen-Aaffsu mb Aachbargedim
Merkblatt für den 9. Dezember.
Sonnenanfgang Sonnenuntergang
15"
8M II Mondansgang 17’ II Monduntèrgang
4-’
8"
1717 Johann Joachim Winckelmann, Kunsthistoriker, geb.
Glück und Elas, — wie leicht bricht das! — Mein Glas zersprang, — als es am lautesten klang. — Als ich es anstieb m gutes Glücke — ging es in Stücke. Rückert.
Wetterbericht.
Das Hochdruckgebiet Wer Rußland hat sich nur wenig avge- schwächt und wird an den kommenden Tagen unsere Wirtèlmg vor allem beherrschen. Die Tiefdruckstörungen, die von Stiften her an den europäischen Kontinent gelangen werden, sind " schnellem Verfall begriffen und werden sich bald auffuM Die Temperaturen werden wieder etwas zurückgehen, ^a^
ches Ehrenfrbsd in Handel stand. Da fielen meine Augen E die goldene Inschrift eines neuen Grabsteins, der neben ^.- Haustür an der Mauer lehnte; und Herr Lehrer, ich les D Worch: .Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er Leben lässet für feine Freunde."
„Evangelium Johannes, Vers dreizehn im fünfzehnten .^' pitel", jagte leise der alte Mann <m Lehnstuhl.
mir daß
„Es war der Denkstein, den Sie für Ihren gefallenen Soh bestellt hatten," — und die Erzählerin reichte ihrcnr Gaste o Hand, der sie schweigend drückte; „ich habe den Spruch Kp'i nicht mehr vergessen. Es stand nun fest in mir, daß ich Geld geben mußte, — Aber als ich dann aus dem he" " nenschein in unser großes dunkles Haus trat, fiel es ... . wieder schwer aufs Herz, so daß ich's nicht von mir bring konnte, bis auf den Abend. Als die Herren in Der Dber|tu an ihrem L'Hombre saßen, ging ich hinab in den Laden. Ey« fried stand an der Bank und zählte Nägel in Pakete, was I» der Lehrling zu tun hatte, aber der war zu seinen Eltern u Land. Ich erschrak fast, da ich seine Stimme hörte. Aketa,' sagte er, ,wo hast du denn gesteckt! Der Gtetiuiicj bei mir gewesen von wegen dem Hause, und morgen — » alles in Richtigkeit kommen.' — Es schoß mir in die Knie, J ich zitterte; denn er sah so seelenvergnügt dabei aus. Hsy mochte nur stumm den Kopf zu schütteln. ,Was sehlt ’| Meta?" fragte er. „Nichts fehlt mir, Ehrenfried; aber dürfen das Haus nicht kaufen.' Und als er mich erstaunlE^ fah, erzählte ich ihm alles und was ich zu tun entschloßen » Aber währenddessen wurde sein Gesicht immer ernjtcr^^ O strenger; und als ich zufällig niederblickte, sah ich. bah ” ' ( mit dem Eisenstist, den er in der Hand hielt, den Da ni blutig gerissen hatte. ,11 ab Du willst das Gold Seben. i er, und feine Stimme klang so gleichgültig, als gehe duj . selber gar nicht an. ,Ja, Ehrenfried, ich kann nicht a — ,Nun freilich, Meta ,dann reicht's nicht mehr.' — I 1 fc und begann wieder seine Nägel einzuzählen. .Ehrensneo, i^. ich, .sprich doch zu mit; mit Hatten's für uns bethe bei „; du mußt dein Wort mit dazu geben!' Aber ich bas “ ( ct er sah nicht auf. .Wenii Dir dein Bruder näher ist, I 0 «^ und begann seine Pakete einznschlagen und wegzupaae . ^ Dem wurde ich nach oben gern hm, und als ich nam -eme n. wieder in Den Laden hinabging, war Ehrenfried tit K ^gcht mer gegangen. — Nur der Allmächtige weiß, was iw mit mir gerungen habe; eine Stunde um Die andere unten vom Flur herauf die Wanduhr schlagem
(Fortsetzung folgt.)