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^ Fulda, 3. Dezember 1927

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Pottasche Rundschau. ^DerktsclieA M-ictz.

Die Beratung des Reichsschulgesetzentwurfes.

Der Bildungsausschuß des Reichstages kam bei der fortgesetzten Beratung des Entwurfs zu dem Beschluß, den 8 9, der den geordneten Schulbetrieb behandelt, in folgender Form anzunehmen: „Ein geordneter Schul- bcttieb wird beeinträchtigt, wenn in der Gemeinde die , beim Inkrafttreten dieses Gesetzes bestehende Entwick- $ lnngshöhe der Schulen nach Aufbau und Zahl der ^Massen, Unterrichtsabteilungen und Unterrichtseinrich- tungen nicht verbleibt oder wesentlich herabgemindert I Wirb." Durch diese Bestimmung soll der Entstehung von ü ^Zwergschulen möglichst entgegengewirkt werden. Die ■Mung wurde von einer Mehrheit, bestehend aus Deut- ■i6er Valkspartei, Demokraten und Linksvarteie^ an-

I genormncn.

MB'swirtschaMWe Woche in Kiel.

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In Kiel wurde die erste Schleswig-Holsteinische Lanv- Mwirtschaftliche Woche eröffnet, veranstaltet von der Land- Mvirtschastskammer der Provinz Schleswig-Holstein. Der MLorsitzende der Landwirtschaftskammer, Graf zu Rantzau- Egreitenburg, hielt die Eröffnungsansprache, in der er sich GZiit der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Landwirt- I schaft befaßte. Er verlangte u. a. vom Reichsfinanz- »Dinister größere Rücksichtnahme auf die Nöte der ML andwirt schaft, namentlich im Hinblick auf die MUnwetterschaden. Die Rentenbankzinsen, so führte er ■eiter aus, müßten schleunigst abgebaut werden, ebenso ■id) die sozialen Lasten. Eine große Anzahl landwirt- Mchaftlicher Verbände hält bei der Gelegenheit in Kiel an- Mich der Landwirtschaftlichen Woche ihre Tagungen ab. Ebenso sind mehrere landwirtschaftliche Fachausstellungen eröffnet.

^Di»t Leitung der Reichstagszentrumsfraktion.

--- Von der Reichstagsfraktion des Zentrums wurde der-- , Abgeordnete v. Guörard zum ersten Vorsitzenden und die Abgeordneteil Perlitius und Steger in alb zu gleichberechtigten zweiten Vorsitzenden gewählt. Bisher führte noch Reichskanzler Dr. Marx der Form nach den Vorsitz der Reichstagsfraktion. Praktisch ausgeübt hat er ihn, solange er Reichskanzler war, nicht. Mit der Frak­

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tionsleitung waren gleichberechtigt die Abgeordneten v. Guerard und Dr. Stegerwald betraut. An der bis­herigen Haltung der Zentrumsfraktion wird sich durch diese Personenänderung nichts ändern. Zu einer politi­schen Anmerkung gibt die Wahl keinen Anlaß, sie bedeutet das Festhalten an dem bisherigen Kurs und der bis­herigen Taktik der Zentrumsfraktion.

Die Deutschen im Kattowitzer Stadtparlament.

An der zweiten durch die polnischen Behörden be- nirllten Stadtverordnetenversammlung nahmen zum -eptenmal die neuernannten fünf deutschen Vertreter teil. ' deutsch^FraktlMrübrer gah eine »OM.Ä4 betont wird, daß die deutschen Parteien durch ihren W Eintritt ihren grundsätzlichen Standpunkt nicht aufgeben, ■ benn die Auflösung der von der Bürgerschaft gewählten Stadtverordnetenversammlung und die Zusammensetzung der kommissarischen Stadtverordnetenvertretung verletze die Rechte der deutschen Bevölkerung aufs schwerste. Dar­auf wurden gegen den Protest der Deutschen die Neu- i Wahlen der unbesoldeten Magistratsmitglieder vorgenom- ; men. Bei der Wahl erhielten die Deutschen entsprechend der Zusammensetzung der kommissarischen Stadtverord­netenvertretung nur vier, die polnischen Parteien dagegen [ acht Sitze.

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Belgien.

X „Flandern — nicht Belgien." In der Schlußdebatte M Regierungserklärung kam es in der Belgischen Kam­pier zu einem Zwischenfall, als der flämische Deputierte Declercq erklärte, Belgien müsse zerstört werden. Der Kammerpräsident wandte sich scharf gegen den Deputierten, worauf dieser wieder erklärte, daß dem Präsidenten nicht das Recht zustehe, die freie Meinungsäußerung eines Volksvertreters zu kritisieren. Der Kammerpräsident wies ?uf seine Liebe für das belgische Vaterland hin, was den Mnischen Abgeordneten wieder zu den Worten veran­laßte: „Unser Vaterland ist F l a n d e r n, nicht B e l - 8i e n." — Schließlich sprach die Kammer der neuen Re- (wruna mit 95 gegen 68 Stimmen ihr Vertrauen aus. >■—■—••.....ihm..................■HU im II iw.....im III Hin—w— ■■

Rund um den Ciffeliurm.

bleibt die Intelligenz? — Die gefeierte Spioniw Napoleons geheimnisvolle Millionen.

Paris, Anfang Dezember.

, Um mit der Politik zu beginnen und den Damen den ortritt zu lassen: die Französinnen haben plötzlich ent­gelt, daß sie im politischen Leben noch keine Rolle spielen, lind dein Senat liegt ein Antrag auf Gewährung des mauenstimmrechtes vor. Die Kammer hat sich bereits °°r den Ferien wohlwollend dazu geäußert und selbst >'0!ncarë soll dafür fern. Die Frauen sind allerdings unter sich und mit sich selbst nicht einig: sollen alle wählen °°er soll gesiebt unb gesichtet werden? Einige meinen, M nur die Mütter wahlberechtigt sein sollten, weil der vtaat auf der Familie aufgebaut sei. „Und wo bleibt Jc Intelligenz?" fragen die andern. Soll heißen, daß Melligenz und politisches Verständnis meist bei den Neiustehenden Frauen, den Lehrerinnen, Studentinnen, ureauangestellten usw., zu finden seien. Nun wird man °v-varten müssen, ob die Mütter sich diese boshafte "Attacke fallen lassen. Einstweilen haben sich beide Lager, tue Erheirateten und die Unverheirateten, zusammeugetan, . u eine Geschlechtsgenossin zu ehren, und die Männer °oen sich angeschlossen. Wetten, daß keiner raten wurde, 02 geehrt werden sollte! Oder kommt es alle Tage vor, ein einem Menschen wegen erfolgreicher Spionage Un Denkmal setzen will?

di- ^ulein Leonie Roubaix war während des Kriegc» G^,mchUgste französische Spionin. Wichtige militärische d-n «?"Ee ließ sie sich mit einer unsichtbaren Tinte auf ilü schreiben, und da sie die deutsche und die Strache ebensogut beherrscht wie das Fran- scin ; ^ das Englische, soll es ihr nicht schwer gewesen unc me deutschen Stellungen zu gelangen, zwanzigmal ftrj-s „ ^"ber. Bis sie eines Tages aus frischer Tat er- m ?um Tode verurteilt wurde. Kurz vor envschluß würd? sie jedoch Hegnadiat urch qeaw

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

(349. Sitzung.) CB. Berlin, 2. Dezember.

Der Entwurf eines Kraftfahrzeugsteuergesctzes wurde dem Steuerausschutz überwiesen. Das Haus setzte dann die

Aussprache über die Wirtschaftslage im Zusammenhang mit der sozialdemokratischen Interpellation fort Das kommunistische Mißtrauensvotum wurde mit der Beratung verbunden.

Abg. Lammers (Ztr.) stellte fest, daß der Umfang der deutschen Produktion wieder den Stand der Vorkriegszeit erreicht habe. Es könne aber keinem Zweifel unterliegen, datz man von der Kapitalseite her von dem früheren Volumen noch entfernt sei. Darum könne auch auf Ausländsanleihen noch nicht verzichtet werden. Die Einführung von Lebensmitteln sei noch erschreckend groß. Das sei auch die Ursache der Passivität der deutschen Handelsbilanz. Mit Zöllen allein könne hier nicht geholfen werden. Es ginge auch nicht an, daß gewisse Wirtschaftszweige sich auf den Jn- landsabsatz beschränken und erst in der höchsten Not an den Export dächten. Heute schon fürchteten weite Kreise eine neue Inflation und sie würden von Interessenten darin bestärkt und ermahnt, Sachwerte zu kaufen. Wer diese Psychose fördere, müsse als Landesverräter ins Ge­fängnis gesteckt werden. Die gegenwärtige Karlellverpflichtung könne Deutschland auf die Dauer nicht ertragen. Der Redner erklärte schließlich Erörterungen, wie sie mit dem Repara- tionsagenten schon seit längerer Zeit cingelreten sind, als eine wirtschaftliche Unmöglichkeit.

Abg. Dauch (T. Vp.) wies daraus hin, welche großen Leistungen die deutsche Privatwirtschaft durch die Einstellung von eineinhalb Millionen Arbeitslosen erbracht habe. Von privatwirtschaftlicher Seite sei keine Gefahr zu befürchten, höchstens von finanzpolitischer, besonders von der Finanz­politik der öffentlichen Hand. Der Redner besprach dann die Denkschrift des Neparationsagenten und stellte fest, daß der Dawes-Plan keineswegs so funktioniere, wie die Sachver­ständigen angenommen hätten. Der Redner betonte die Not­wendigkeit der K a p i t a l n e u b i l d u n g, die nur durch die Beschränkung der Ausgaben mb Aufgaben der öffentlichen Hand zu erreichen sei. Er trat besonders für den Schutz des Mittelstandes ein, der unter der heutigen Steuerbelastung zum Ruin geführt werde. In der sozialen Gesetzgebung müsse,eine Atempause eintreten. Auch bezüglich der Lohnpolitik sollte man augenblicklich besser etwas auf der Stelle treten.

Abg. Dr. Dernburg (Dem.) wies daraus hin, daß, der fatale Eindruck und die Erschütterung des deutschen Gesamt- krcdites im Auslande erfreulicherweise bereits wieder in der Abnahme begriffen seien. Für die Zukunft müßten derartige Erschütterungen vermieden werden. Der Redner bedauert, daß die Reichsregierung aus die Wirtschaft bei ihrer Steuer- und Sozialgesetzgebung nicht die notwendige Rücksicht nehme. Er schloß mit der Feststellung, daß Deutschland seinen äußeren Verpflichtungen im vollen Maße nachkommen werde. Alle Zweifel würden an dem guten Ruf der deutschen Wirtschaft für Vertragstreue und Tüchtigkeit zerschellen.

Abg. Koenen (Komm.) erklärt, die rücksichtslose Politik der Unternehmer und die Arbeiterfeindlichkeit der Regierung habe zu einer wachsenden Radikalisierung der Arbeitermaffen geführt. Der Dresdener Eisenbahnerstreik sei ein Beweis da­für. Die Wogen der Radikalisierung werden über die Sozial­demokratie hinweggehen und den kommunistischen Einfluß weiter stärken.

Keudell und Braun.

Preußens Boykottandrohung.

Das Reichskabinett hat sich unter Vorsitz des Reichs- ranZlers mit dem Tchreiv.cn beschäftigt, das der preußische Ministerpräsident Dr. Braun im Auftrage der preußischen Staatsregierung an den Reichskanzler gesandt hat. In diesem Schreiben wurde bekanntlich Beschwerde geführt über das Telegramm des Reichsinnenministers v. Keudell an die Deutsche Studentenschaft und darum gebeten, dafür Sorge zu tragen, daß sich derartige Fälle unter keinen Um­ständen wiederholen, da die preußische Regierung andern­falls jeden Verkehr mit dem Reichsinnenminisier ab­brechen würde. In der Ministerbesprechung hat nun Reichsminister v. Keudell seinen Standpunkt dahin ver­treten, daß er das fragliche Telegramm nicht in seiner Eigenschaft als Minister, sondern als Staatsbürger abgeschickt habe, wozu er auf Grund der Reichsverfassung, die jedem Staatsbürger freie Meinungsäußerung gestattet, berechtigt sei. Die ganze Angelegenheit habe mit seiner Stellung als Reichsminister nichts zu tun. Wie es heißt, soll das Reichskabinett sich dieser Auffassung des Reichs- innenministers angeschlossen haben. Reichskanzler Marx wird sich in seinem Antwortschreiben darauf beschränken, dem preußischen Ministerpräsidenten von dieser Auffassung des Reichskabinetts Kenntnis zu geben. Der Reichskanzler- soll im übrigen den Versuch unternommen haben, zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln, doch soll diese Vermittlungsaktion an der Haltung einiger Minister ge­scheitert sein. Sollte sich die Nachricht von der Regelung des Zwischenfalls in der oben angegebenen Weise be [tätigen, so dürfte die Angelegenheit damit allerdings

deutsche Kriegsgefangene ausgetauscht. Dies der Tat­bestand. Und^nun hat man sich das Fräulein Leonie vor genommen und der jungen Dame — die Jugend muß allsdrücklich betont werden — das Kreuz der Ehrenlegron an den Busen geheftet. Der englische Lord Derby hielt eine kriegerische Rede und es wurde eine Entschließung angenommen des Inhalts, daß Mademoiselle Leonie von einem namhaften Bildhauer als Büste für die Ewigkeit ausgehauen werden müsse. Und das geschieht beiläufig neun Jahre nach Kriegsende!

Aber anderes noch zeigt, daß die Waffen noch immer nicht ruh'n und des Krieges Stürme noch immer nicht schweigen. Und wieder ist es eine Frau, die der Welt das zu Gemüte führt. Die Kriegswitwe Prieux will nämlich die deutsche Regierung oder den ehemaligen Kaiser — je nachdem — auf Schadenersatz verklagen, weil im März 1916 ihr Gatte, der Kaufmann Franyols Prieux, im Ärmelkanal von einem deutschen Unterseeboot torpediert worden ist, das heißt natürlich: nicht Herr Francois persönlich, sondern der Dampfer — es war der englische Passagierdampfer „Sussex" —, auf dem er sich damals befand. Den Gatten selbst hat die Witwe Prreux längst verschmerzt, aber Herr Francois soll, als er ins Meer sank, 4000 englische Pfund bei sich gehabt haben, und diese 80 000 Mark, die ihre Mitgift darstellten, will die Witwe Prieux von einem von uns wiederhaben. War­um sie sich erst jetzt auf diese Forderung an uns besonnen hat, ist gleichgültig, das wichtigste ist, daß vererts diverse Rechtsanwälte an der Arbeit sind, um die Sache aus dem trüben Kanalwasser in das klare juristische Fahr­wasser zu bringen.

Wie diese spannende Geschichte aber auch enden mag, sie wird mindestens für einige Zeit einen interessanten Gesprächsstoff für die Pariser beiderlei Geschlechts bilden, einen fast ebenso interessanten wie die Geschichte von dem vergrabenen Goldschatz Napoleons I. Dieser Schatz be­saht aus 400 Goldbarren, die ungefähr 450 Kilogramm wiegen und nach dem letzten Pariser Börsenkurs etwa A)V 'Millionen Frank wert sind. $er Schatz liegt in der

Preutzischer Landtag.

(316. Sitzung.) tt. Berlin, 2. Dezember.

Nachdem der Landtag den Gesetzentwurf über die Auf- Hebung der Brückengelder dem Verkehrsausschutz überwiesen hat, trat das Haus in die erste Beratung des Gesetzentwurfs eines Landesrenlenbankgesetzes ein Nach dem Gesetzentwurf soll in Berlin zur

Förderung der landwirtschaftlichen Siedlung die Preußische Landesrentenbank errichtet wer- oen. Im Verlaufe der Aussprache, während der von den Abgeordneten die Schaffung sicherer Kreditverhaltmsse für landwirtschaftliche Siedler gefordert wurde, erklärte Land- Wirtschaftsminister Dr. Steiger, daß der Staat für den ersten Teil eines Siedlungskredits achtprozentige Psandbri-se aus­geben wolle und daß der Rest des Kredits aus Staatslasten solange als „eingefrorener" Zwischenkredit stehenblelbe, bis der erste Krediiteil abgetöft sei. Die Weiterberatung wird dann unterbrochen, um die

Abstimmungen zur Landgemeindeordnung durchzuführen. Zunächst erfolgt namentliche Abstimmung zu § 1 der Vorlage.

Im Juni d. I. war das Haus wiederholt bei den ersten namentlichen Abstimmungen zu der Vorlage beschlußunfähig geworden, da die Rechte und die Kommunisten keine Stimm­zettel abgegeben und die Stimmen der Regierungsparteien nicht ausgereicht hatten. Man hatte sodann die Weiter- bcratung auf den Herbst vertagt und am Donnerstag mit der Beratung begonnen, die namentliche Abstimmung, die ur­sprünglich für Donnerstag angesetzt war, jedoch einem Be­schluß des Ältestenrats entsprechend mit den Stimmen der Regierungsparteien auf Freitag vertagt. Abgegeben werden lediglich 202 Karten der Regierungsparteien; das Haus war also beschlußunfähig und die Sitzung damit beendet. Wie es heißt, wollen die Regierungsparteien auf eine weitere Beratung der Vorlage verzichten. Sie wollen jetzt einen Gesetz­entwurf cinbringen, der insbesondere die Aufhebung der Gutsbezirkc regelt.

In der auf sofort anberaumten neuen Sitzung wurde der Entwurf über die Landesrentenbank dem Ausschuß über­wiesen. Das Haus geht über zur ersten Beratung des Ent­wurfs über die weitere

Neuregelung der Kommunalgrenzen im westfälischen Industriegebiet.

Minister des Innern Grzesinski, der die Vorlage be­gründet. erklärt, die Staatsregierung habe sich von der Not­wendigkeit der Vereinigung der Landkreise Bochum und Hat­tingen überzeugt. Auch die Vereinigung der Stadt Hörde mit der Stadtgemeinde und dem Stadtkreis Dortmund, sowie der Städte Buer und Gelsenkirchen und der Landgemeinde Horst-Emscher zu einer Stadtgemeinde Buer-Gelsenkirchen habe sich als notwendig erwiesen.

Der Entwurf wird dem Gemeindeausschuß überwiesen. Verabschiedet wird das Gesetz, das für die Ablösung der auf Dienstbarkeit beruhenden Berechtigungen besondere Be­wertungsnormen festlegt.

Es folgt die dritte Beratung des Gesetzes, das bie

Öffentlichkeit der richterlichen Disziplinarverfahren herstellen will. Bei der namentlichen Schlußabstimmung geben die Deutschnationalen keine Karten ab; da nur 208 Stimmen gezählt werden, stellt sich die Beschlutzunfähigkeit des Hause» heraus. , _

Präsident Bartels beraumt die neue Sitzung auf Sonn­abend an.

noch nicht erledigt sein. In linksstehenden Reichstags­kreisen hat man die Absicht, die ganze Angelegenheit zur Aussprache vor bas Reichstagsplenum zu bringen, um einmal grundsätzlich zu ihr Stellung zu nehmen. Bei der jetzigen Zusammensetzung des Reichstages ist es kaum zweifelhaft, wie die Aussprache enden wird.

Im übrigen zerbricht man sich in politischen Kreisen den Kopf darüber, wie die preußische Regierung die Durch­führung ihrer Bohkottandrohung vornehmen würde. Diese Boykottandrohung eines Landes gegenüber dem Reich steht ja in der Tat in der Geschichte des Reiches vereinzelt da. Der Boykott könnte höchstens so zur Anwendung ge­bracht werden, daß die Mitglieder der preußischen Staats­regierung an Empfängen, die Herr von Keudell als Reichsminister gibt, nicht teilnehmen. Es ist kaum denkbar, daß Preußen den Boykott auch auf andere Amtshandlun­gen des Reichsinnenministers ausdehnt, da dann auch die reibungslose Abwicklung der Regierungsgeschäfte in Preußen gefährdet werden könnte. „ .,

In der Öffentlichkeit wird diese Affäre natürlich lebhaft besprochen. In linksstehenden Kreisen vertritt man die Ansicht, daß kein Grund zu einer Beschwerde des preußischen Kabinetts vorhanden gewesen wäre, wenn etwa der Reichsinnenminister vor irgendeinem parlamen­tarischem Forum seine Meinung über die Haltung der deutschen Studentenschaft zu dem Erlaß des preußischen Kultusministers zum Ausdruck gebracht hätte. Dem­gegenüber wird in politisch rechtsstehenden Kreisen darauf hingewiesen, daß auch der preußische Ministerpräsident wiederholt auch außerhalb des Parlaments schärfste Kritik an Reichsministern geübt hat, die politisch rechts stehen. Immerhin wird man auf den Ausgang dieses Meinungs­kampfes gespannt sein können.

Nähe des Vorortes Verneuil — ein Herr Martin aus Metz hat das aus einer alten Urkunde, die er zwischen den vergilbten Blättern eines lateinischen Gebetbuches ge­funden hat, festgestellt, und ein paar Gutachter sind bereit, zu schwören, daß die Urkunde echt fei. Und nun wird bei Verneuil gegraben wie in Klondike und Wünschelruten­gänger spazieren mit mysteriösen Ruten umher, um der Sadie auf den Grund zu kommen. Aber es muß erst noch Methode in die Schatzgräberei gebracht werden und man ist schon stark dabei. Man will 100 000 Frairk Unkosten auswerfen, um die 300 Millionen herauszuholen, und es haben sich bereits kapitalkräftige Leute gefunden, die das Geschäft machen wollen. Wenn nur dann nicht der Staat kommt und die Goldbarren für sich einkassiert! Staaten brauchen ja immer Geld und es wäre ein schöner Witz der Weltgeschichte, wenn der tote Kaiser mit seinen Mil­lionen der lebendigen Republik ein bißchen auf die Beine helfen sollte.

Milch, Früchte und Wachstum.

An der Californischen Universität Berkeley ist vor kurzem ein interessanter Ernährungsversuch an Kindern angestellt wor­den, um die Einflüsse einer Nahrungszulage von Früchten und Milch auf das Wachstum beobachten zu können. Zu diesem "Versuch wurden 47 Kinder einer Schule für Taube und Blinde Hergngezogen. Die Kinder erhielten täglich zu ihrer bisherigen Kost teils Milchzugaben, teils eine Orange und teilweise einige Feigen. Ein Rest von Kindern bekam als Kontrollgruppe kei­nerlei Zulagen. Die Kinder mußten im übrigen ihren bisher gewohnten Beschäftigungen nachgehen. Die beste Gewichtszu­nahme zeigte die Milchgruppe, während die Orangen-Eruppc nach dem Pirquet-Standard und nach dem Dreyer-Standard die besten Fortschritts zeigre. Man nimmt an, daß die Diät in diesem Hause, die an Milch und tierischem Eiweiß reich war, an rohen Früchten etwas arm war.

Spielwaren - Behle

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