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sZul-aerdnAeiger

Zulöo / Statt 2

^75 Fulda, 24 November 1927

Hah und Zern

n Unterschlagung bei einer Postbctrr'bswerrstStte. In ^Vostbetriebswerkstätte Breslau wurde ein Oberpost- wegen Unterschlagung amtlicher Gelder in einst- w-ilia festnestellter Höhe von 8000 Mark im Haft ge- "âen Der Defraudant hat auf geschickte Weise durch Radierungen an Listen Fälschungen vorgenowmen, welche schon den Revisionsvermerk trugen.

0 Mord und Selbstmord aus Geldnot. In August- mlde (ffreis Naugard) schlug der frühere Gastwirt Ernst m0 nach voraufgegangenem Streit auf seine im Bett lieaende 41jährige Ehefrau derartig mit einem Hammer -in daß sie bald darauf starb. Otto selbst tötete sich durch einen Revolverschuß. Die Zwistigkeiten sind darauf zu- ßlsuiführen, daß Otto vor einiger Zeit sein Geschäft Ver- WÜe und dann zuviel vom Kapital seiner Frau ver- Wuchte.

0 Freitod eines untröstlichen Witwers. In Troisville -ki Lille hat ein Mann, der seit fünf Jahren Witwer ist Md sich über den Tod seiner Frau nicht trösten konnte, Selbstmord begangen. Er bestellte vorher für zehn Jahre Seelenmessen.

0 Auslieferung des jungen Blumenstein. Der im Zu­sammenhang mit der ungarischen Fälschungsangelegenheil Genommene Karl Blumenstein, der Sohn des Bankiers, mischloß sich, sich freiwillig der französischen Polizei zu ßcllen und sich der Von Frankreich verlangten Auslieferung nicht länger zu widersetzen. Zur weiteren Ausklärung der Angelegenheit der Fälschung ungarischer Wertpapiere »urde in der Wohnung des verhafteten Simon Torbini «ne Haussuchung abgehalten, bei der zahlreiche Doku­mente beschlagnahmt wurden.

0 Fremde Völker — fremde Sitten. Der neugewählte Sultan von Marokko, Mulay Mohammed, hielt auf einem weißen Roß und mit dem traditionellen roten Sonnen­schirm seinen Einzug in Rabat. Zuvor hatte er drei Tage am Grabe seiner Ahnen in Fez gebetet.

0 Masernepidemie in Berlin-Zehlendorf. In der Zey- lenöorfer Nordschule, in der bereits wegen Masernerkran- hingest mehrere Klassen geschlossen worden waren, wurde jetzt die Einstellung des ganzen Schulbetriebes an- geotdnet, weil sich die Erkrankungen weiter in sehr starkem Naße vermehrt haben. 46 Kinder sind an Masern erkrankt.

0 Golddiebstähle in Amerika. Im Verlaufe einer Gerichtsverhandlung gegen acht Bergwerksangestellte, die unter der Anklage stehen, erhebliche Goldmengen aus den Bergwerken von Ontario herausgeschmuggelt zu haben, erklärte der Präsident des Hollinger-Bergwerks, daß allein meinem Monat aus diesem Bergwerk Gold im Werte von 2OO:OO0. Dollar (840 000 Mark) herausgeschmuggelt wurde. Durch die Veruntreuungen, die seit Jahren im Gange waren, seien die Aktionäre des Unternehmens im Jahr llm.rnehr als eine Tonne Gold geschädigt worden.

Mte Tagescvrornc

MWeiler. Aus der Grube Karl Alexander wurden zwei Seeleute bou heravsallenden Gesteinsmassen verschüttet und so schwer verletzt, daß einer von ihnen bereits nach einer ètuiite starb.

Saarbrücken. Der 33jährige Angestellte des Dillinger Hflteijwerks Eugen Wiener ist nach Unterschlagung von 21 fuw Frank Lohngeldern flüchtig geworden.

Lyndon. Rach einer Meldung aus Fokohama ist an Bord des eugstschen Dampfers „Madras City" Feuer ausge- bro&>>. Man befürchtet, daß der Dämpfer völlig zerstört wird.

Manchester. Der Expreß Manchester—London fuhr nörd­lich ?er Station Derby aus einen Güterzug, den er mitten durch.einen Wagen in zwei Teile schnitt. Die Lokomotive und der echte Wagen des Passagierzuges entgleisten, ohne daß Per- ionen v??^" wurden:

Gedenket der hunqernden Vögel!

Mr-erVlÄK

: ROMANv^ ARNO FRANZ S

(2. Fortsetzung.)

»Das mußt du tun, zunächst tun, um unterzukriechen? mußt Geld schaffen, einen Arbeitsanzug mußt du haben, «beitsschuhe und Hemden, verkaufen mußt du, was du hast ?°tr eintauschen gegen das, was du brauchst. Du mußt auch äußerlich ein anderer werden. Vom alten Sohr darf nichts übrig bleiben."

. ®r nahm feinen Koffer auf, ging über den Schloßplatz, *011 Osten zu.

JM dem Alexanderplatz wimmelte es von Menschen. Mner und Frauen boten Ansichtskarten feil, „Berlin bei für zwanzig Pfennige, Hosenträger, die vom An- schon kaputt gingen, Kleiderstoffe, über die das Ur- stUngszeugnis fehlte,' Blumen jeder Art, Kravatten aus der Seide, drei Stück für eine Mark, Hosenknöpfe, Schnür- Ä »arme Würstchen mit und ohne Mostrich, Porzellan- >t und Feuerzeuge.

j Ein blinder Geiger fiedelte sich für einen nackten Sechser u aus dem Leibe, Kriegsinvaliden, die auf dem Altar ^.Daterlairdes Gliedmaßen oder Nerven geopfert hatten, Men den Leierkasten und Kinder, die keine Kinder mehr kn, verkauften Streichhölzer oder bettelten.

»Alles Kollegen," dachte Sohr, „alles Entgleiste. Exk- Menschen, die aus das Glück warten, das irgend- n ^ irgendwoher kommen soll und nicht kommt."

taJ"/ "Ns war nichts für ihn. Für ihn gab es weder »nk Hoffnung, noch Zufall. Er wartete nicht mehr l nichts.

hiebt Jv^ 5,05 ichob er sich burd) das Menschengewühl. Wer wich bekam einen Puff.

tent ihm gegenüber das Geschäftshaus! Auf sey ^"uche ein Firmenschild von echt Berliner Di- lieb . "^kchlin" stand in riesigen Lettern darauf. Ej^ ^efe" Namen stolperte Sohr förmlich.

hatte er auch gekannt. War ein großer .Ws .„^ Staatsbeamter und saß ganz oben. War eine I doch ein Wortbrüchiger. Gerade der hatte I der Enttäuschungen voll gemacht.

Burg auf Fehmarn. In Bannesdorf bei Burg auf der 1 Insel Fehmarn wurde durch ein vermutlich infolge Kurz­schluß entstandenes Großseuer eine Scheune, ein Wohnhaus itnb der hölzerne Turm der Bannesdorser Kirche eingea,chert. Flugfeuer bedrohte den ganzen Ort. An der Brandstätte arbeiteten sämtliche Feuerwehren der Insel. Der angerichterz Schaden ist groß.

06*11» ME OanM

Frankfurter Börsenbericht vom 23. November. An der heu­tigen Börse machte der Abbartprozeß der Kurse weitere und stärkere Fortschritte. Wiederum dürfte der herrschende Auf- trugsmangel in erster Linie für die schwache Haltung verant­wortlich sein. Die zweite Hand fehlte noch immer am Markte, und die Reserviertheit der Spekulation ist eher noch im Zu­nehmen begriffen. Zudem macht sich eine wachsende Unsicher­heit bemerkbar. Man verwies aus die Möglichkeit einer Re- : gierungskrise im Zusammenhang mit den bestehenden Unsicher­heit im Kabirveti. Dann beachtete man die Verstimmung des Newyorker Marktes für die deutschen Anleihen, während die Tatsache, daß entgegen den Desürcyt-ungen infolge der raschen Neubildung des Kabinetts in Belgien an der Brüsseler Börse feine Kurseinbrüche erfolgt sind, ohne Einfluß blieb. Die Mit­teilung, wonach die wichtigsten amerikanischen Emissionshäuser zur Frage weiterer deutscher Ausländsanleihen Stellung neh­men wollen, wirkte nicht beruhigend. Bei der ersten Kursfest­setzung überwog das Angebot, sodaß gegen die gestrige Abend­börse durchschnittlich 1—Sprozentige Kurseinbutzen zu verzeich- nen waren. Am Chem iemaakt waren J. G. Farben 4 Prozent und Scheideanstalt 4,5 Prozent abgeschwächt. Elektrowerte ver­loren bis 3 Prozent, Eessürel minus 4 Prozent. Am Montan­markt lagen besonders Rheinische Braunkohlen mit minus 4 Prozent stärker im Angebot. Außerordentlich schwach lagen Zellstoff Waldhof, die 10 Prozent niedriger eröffneten. Am Anleihemarkt blieben Ablösung ohne Auslosung behauptet, Altbesitzanleihe zogen etwas an. Ausländische Renten blieben umsatzlos. Am weiteren Derlwuse blieb die Stimmung unsicher, und Die Kurse gingen weiter zurück; da auch jetzt von einer Anterventionstätigkeit nichts zu merken war. Es gab neue Einbußen von 1—2 Prozent. Der Geldmarkt war wenig ver­ändert. Tägliches Geld 5,5 Prozent. Am Devisenmarkt zog die Mark weiter an; das Pfund lag etwas abgeschwächt. Man nannte Mark gegen Dollar 4.1865, gegen Bfunde 20 422, London- Kabel 4.8762%, London-Paris 125.03, Mailand 89.55, Madrid 28.79.

Frankfurter Abendbörse vom 23. November. An der Abend­börse konnte sich die Haltung weiter etwas erholen, ohne daß sich das Geschäft merklicher belebte. Die Spekulation schritt zu einigen Deckungskäufen, sodaß die führenden Werte gegen den Berliner Schluß 1—2 Prozent anziehen konnten. Etwas be- vorW-gt! waren die Elektrowerte; hier gewannen Bergmann 3 Prozent. Ablösungsschuld für Alt- und Neubesitz konnten sich im Kurse etwas bessern. Abl.-Schuld 12.25, Schiutzgebiete 6.70, Barmer Bank 1215, Commerzbank 150.5, Danatbank 198, Deutsche Bank 147.5, Diskonto 141.5, Buderus 80, Gelsenkirchen 125.5, Harpener 173.5, Aschersleben 138 5, Westeregln 146, Man­nesmann 130 75, Mansfeld 96, Rheinische Braunkohlen 200, Rheimtahl 142.75, Stahlverein 96.5, Adlerrverke 78.5, AEG. 146, Bergmann 170.5, «Daimler 83 5, Deutsche Erdoel 108.75, Scheideanstalt 168.5, Licht u Kraft 184.5, A. G. Farben 241.25, Felten 109, Gesfürel 255, Goldschmidt 97, Holzmann 148 5, Loh­meyer 146, Metall gesell schaft 171, NSU. 96.5, Rütgerswerke 75, Schuckert 154, Siemens u. Halske 246, Wayß u. Freytag 131, Zellstoff Waldhof 217.5, Hapag 130, Nordd. Lloyd 135.5.

Frankfurter Produktenmarkt vom 23. November. Die Nach­frage nach Weizen ist besser und für gute Qualitäten würbe über Notiz bezahlt Weizenmehl zeigt immer noch ein kleines Geschäft, doch sind die Preise um eine viertel Mark erhöht wor­den. Rogaenmehl ist gut gesucht bei unveränderten Preisen. Das Geschäft in Kleie ist lebhaft, auch für spätere Termine. Nur Sfiter mittel liegen ruhig. Die steife wurden wie folgt festge- t: Weizen 1 26, Weizen 2. 24.50—24.75, Weizen 3 22.50— 23.50, Roggen 25 50—25 75, Sommergerste 26.50—28, Hafer ml. 22.75—23.75, Mais 20 50—20.75, Weizenmehl 38—38.50, Rog­ge um ehl 35—36, Weizenkleie 13.50, Roggenkleie 14.50—15.

Frankfurter Schlc'.'viehmarkt vom 24. November. Kälber: b) beste Mast- und Saugkälber 73—78, c) mittlere Mast- und Saugkälber 68—74, d) geringe Kälber 58—67. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel, 1. Weidemast 44—48, b) mittlere Mästlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 38—42, ^fleischiges Schafvieh 30—36. Schweine: b) vollfleischige Schweine von ca. 240—300 Pfund Lebendgewicht 63—68, c) vollfleischige Schweine von ca. 200—240 Pfund 62 bis 67, d) vollfleischige Schweine von ca. 160—200 Pfund 60 bis 63, e) fleischiae Schweine von ca. 120—160 Pfund 54—60. Die Preise sind Marktpreise für nüchtern gewogene Tiere und schließen sämtliche Spesen des Handels ab StM für Fracht-, Markt- und Verkaufskosten, Umiaüiteuer sowie den natürlichen Gewichtsverlust ein, müssen sich aflo wesentlich über die Stall- preise erheben. — Aufgetrieben waren: Kälber 1073, Schafe 684, Schweine 5644. — Marktverlauf: Kälber unb Schafe schleppendes Geschäft, ausverkauft, Schweine langsam, aus- verkaust.

Mit der yauft schlug Sohr durch die Luft. Das tat er gern. Es befreite.

Verflucht! Daß man von der Vergangenheit nicht los konnte.

In ihm wühlte es — wie dicke Strähnen standen die Fal­ten in der Stirn und was da drinnen wühlte, wollte 'raus.

Im nächsten Moment schon hatte er denn auch das unver­meidliche Renkontre mit einem Passanten und als nach fünf Minuten liebevollem Hin- und Herreden unter gütiger Assi­stenz eines Schupobeamten die beiden Rauhbeine von­einander ließen, dachte Sohr: „Schade, daß in solchen Fäl­len immer Unschuldige leiden müssen für das, was andere verbrockt haben. Zechlin wäre mir lieber gewesen."

Endlich hatte Sohr den Plaß überquert. Einen Augenblick verschnaufte er und hielt Ausschau. Hier war doch das Eldorado der Versaßämter und Gelegenheitsgeschäfte. Hier mußte er finden, was er suchte.

Richtig! Richt weit vom Polizeipräsidium winkte ein Schaufenster mit der Aufschrift: „Geld für jede Wertsache".

In diesen Laden ging er.

Ein Israelit saß auf einem Dreibein an einem Stehpult, hatte die Arme aufgestützt und wendete dem Eintretenden den Kopf zu. Er blieb ruhig auf seinem Stühlchen sißen.

„Tag, mein Herr," sagte Sohr, und als der Alte schwieg, fuhr er fort: „Ich bin zu einem ehrlichen Manne gekommen und möchte ein Geschäft mit ihm machen."

„Ehrlicher Mann, wie heißt," sagte der Jude, „un 'e Ge­schäft! Was for 'e Geschäft?"

„Ein Tauschgeschäft mit Auszahlung."

„Was ham'n Se se tauschen?"

„Mich," sagte Sohr.

„Nebbich," sagte der Jude.

„Oder vielmehr, was ich da auf dem Leibe trage," er­gänzte Sohr, und der Jude stieg langsam von seinem Throne herunter.

Er taxierte und sagte: „Dreh'n Se sich um," dann prüfte er Sohrs Kehrseite.

„Was woll'n Se ham'n for das Anzügle?"

Und Sobr trug ihm seine Wünsche vor.

„Diesen Anzug und die Schuhe — beides ist neu — gebe ich Ihnen. Dafür verlange ich einen Manchesteranzua, ein Paar derbe Arbeitsschuhe, ein Paar Wickel- oder Äeder- gamaschen, drei Hemden und eine Windjacke."

„Weiter nix?" sagte der Jude.

„Warten Sie ab. Dann können Sie diesen Lederkoffer haben mit dem, was darin ist," — er öffnete ihn und legte den Inhalt auf die Ladentafel. „Nur die Wäsche, das

Berliner Effektenfrühverkehr vom 24. November. Im heu­tigen Frühverkehr scheint sich die freunMidjere Erunbstimmnng der gestrigen Nach- und Abendbörse erhalten zu können. Bor- läusig ist es nach fast geschäftslos. Die genannten Kurse wei­sen nur geringe Veränderungen aus. Farben 242, Siemens 246 und Eessürel 256. Am Devisenmarkt hört man Paris 124.04, Mailand 89.58, Spanien 28.85 und das Pfund 4.65 :70.

Amtliche Berliner Notierungen vom 23. November.

* Börsenbericht. Tendenz: Sehr schwach. Die rück­läufige Bewegung der Aktienkurse fetzte sich fort, und zwar vornehmlich in den kleineren Papieren. Ungünstige Bcrrchte vom Arbeitsmarkt veranlaßten zahlreiche Verkäufe der Pro- vinzkundschast. I. G. Farbenindustrie eröffneten infolgedcyen mit 239 (Vortag 244) Prozent in schwacher Haltung, die sich auf alle übrigen Märkte übertrug. Die Abwärtsbewegung kam besonders für Zellstoffwerte, Tpritwerle und einzelne be­sondere Jndustrieaktien zur Auswirkung Den größten Ab­schlag erlitten Ostwerke mit 15 Prozent Nach einem Tieskurs von 236,50 Prozent gingen Farben wieder mit 241,50 um. Im übrigen wurden jedoch bei der Befestigung die Anfangs­kurse nicht ganz erreicht. Der Geldmarkt war kaum verändert.

* Devisenbörse. Dollar 4,18—4,19: engl. Pfund 20,39—20,43; holl. Gulden 168,87—169,21; Dan;. 81,51 bis :-l,67; franz. Frank 16,44—16,48: schweiz. 80,67 b:s 30,K,, Belg. 58,37—58,49; Italien 22,78—22,82; schweb. Krone 112,73—112,95; dan. 112,15—112,37; norweg. 111,12—111,34; tschech. 12,39—12,41; österr. Schilling 58,96—59,08; p o l n Zloty (nichtamtlich) 46,82—47,02; Spanien 70,85—70,99; Argentinien 1,78—1,79.

* Produktenbörse. Die überraschende 5?aussemcldung der amerikanischen Börsen hatte auch eine beträchtliche Erhöhung der Forderungen für Weizen sowohl wie für Roggen gebracht. Hier" haben diese Nachrichten bis heute vormittag die Situa­tion gleichfalls befestigt, doch trat, als gerade zum Beginn oer Börse durch Erwärmung der Temperatur Regen erfolgte, hier ein Umschwung in der Marktlage insofern ein, als die über­seeische Bewegung hier nur noch wenig Wirkung übte. Die Käufer hielten sich um so mehr von Auslandsware zurück, als auch Liverpool der Bewegung wenig gefolgt war. Der bis­herige Frost hat die Zufahrtsflüsse für das inländische Ge­treide bereits zufrieren lassen, so daß von der Warthe, Netze, von Vorpommern und Mecklenburg neue Abladungen nicht offeriert wurden und die zunächst hauptsächlich in Betracht kommende Waggonware merklich höher gehalten wurde. Im Zeitgeschäft stellten sich für Weizen wie Roggen die Preise nur mäßig teurer. Gerste hatte bei fester Haltung wenig Um­satz Hafer in den Forderungen unnachgiebig. Mais in mäßigem Verkehr bei erhöhten Cifsorderuugen. Mehl ohne größere Anregung bei vermehrten Abforderungen guter Qualitäten.

Gelrccve und Olsaalen per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Kilogramm in Reichsmark

Welz., märt

23. 11.

244-247

22. 11 243-246

Weizkl s Bil

23 11. 15,0

22 11. 15,0

pommerfd}

—

—

Rogkl i Brl

15,0

15,0

Rogg.. märt

241-245

240-244

Raps

340-345

340 345

pommerfd)

—

—

Leinsaat

360-365

360-365

westpreuß

—

—

Vikl -Erbsen

52-51

52-57

Braugerste

220-264

220-263

kl Speiscerd

32-35

32-5

Fullergerstk

—

Fucrererbsen

22-24

22-24

Haier, mârk

204-214

203-213

$chifd)(en

21,O-22.i

21-22

pommerfd)

—

—

Aaerbohnen

21-22

21-22

weftpreuß.

—

——

Wicken

22,0 24,'

22,0-24.0

Weizenmehl

Lupin, blaue

137-14.5

13,7-14.5

P 100 kg st

Lupin gelbe

15 0-15,5

14 7-15 5

Bin br in kl

Secadello

—

—

Sack (feinst

Rapskuckien

17,8-18,0

17.6-17.8

Mrk ü.Not.

31.5-34.7

31.5-34.7

Leintiicben

22 8-23,0

22 8-23 0

Roggeiimeh!

Ticckenscdyl

11,0-11.2

10.9-11,1

100 kg fr

Sova-Sa.roi

20.5-20,9

20.4-20.7

Berlin br

Torfml.30 70

—

tnkl Sack

32,7-34,5

32.6-3 45

fiartofietfld

24.2-24,6

24.2-24.6

* Magerviehmarkt (Schweine- und Ferkelmarkt). Auftrieb: Schweine 243, Ferkel 542 Stück. Verlaus: Langsam; Preise gedrückt. Es wurden gezahlt im Großhandel für Läufer- schweine 6—8 Monaie alt 44—56, do 4—6 Monate alt 29 bis 44, Pölke 3—4 Monate alt 20—29, Ferkel 8—12 Wochen alt 10—16, do. 6—8 Wochen alt 7—10 Mark je Stück.

* Butternotierungen. 1. Qualität 2,20, 2. Qualität 1,84, abfallende Butter 1,70 Mark

* Schlachtviehmarkt. Marktverkauf: Bei Rindern und Kälbern ziemlich ruhig, bei Schafen ruhig, gute Lämmer ge­sucht. bei Schweinen ruhig Preise: Qchseu a) Vollsleisctnge, ausgemästete höchsten Schlachtwerts 61—62, b) sonstige voll- sleischige 55—58. c) fleischige 50—53, d) gering genährte 40 bis 46; Bullen a) 60—61. b) 56—57, c) 51—53, d) 48 54; Kühe a) 48—50. b) 38—43. c) 26—33, d) 22—24; Färsen a) 56 bis 58, b) 51—54, c) 44—48; Fresser 40—50; Kälber aj —, b) 82—93, c) 68—82, d) 47—62; Schafe a) 63—67, b) 45—56, c) 38-43, d) 30—36; Schweine a) 61—66, b) 53—66; Sauen 54—58

* Der durchschnittliche Berliner Börsenroggenpreis für 1000 Kilogramm betrug in der Woche vom 7. bis 12. No­vember 1927 ab märkischer Station 236,5 Mark.

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Necessaire und diese Hose behalte ich. Für alles zusammen verlange ich fünfzig Mark."

„Packen Se ein," schrie der Jude, packen Se ein! Hab' ich gefeh'n noch nie fünfzig Mark, wie soll ich zahlen können so viel?"

„Auch gut," erwiderte Sohr, „denn nich'," und legte die Sachen in den Koffer zurück.

Der Trödler sah ihm schweigend zu.

„Der nächste Laden ist wohl gleich nebenan," erkundigte sich Sohr und schickte sich zum Gehen an.

Er hatte den Drücker gerade in der Hand, da stotterte es hinter ihm:

„Herr ä fünfundzwanzig Mark un' der Schlag soll mer treffen, wenn ich daran verdien' auch nur 'e Mark."

„Fünfzig," sagte Sohr und blieb an der Tür stehen.

„Kann ich nich'! Kann niemand, Herr — Geld is rar. Niemand hat Geld. Wer kann kaufen, Herr? Keiner. Is unser Geschäft e mieses Gesck)äft, Herr, e sehr e mieses Ge­schäft. — Will ich zulegen e Mark, Herr — sechsund­zwanzig."

„Und ich will fünf nachlassen, also: fünfundvierzig."

„Is e Wort, Herr. Werden machen das Geschäft. Aber was steh'n Se auf der Straß', Herr, was brauchen se sehen die Leit, wenn mer handeln."

Sohr stand gar nicht auf der Straße, war immer noch im Laden, stand nur an der Tür.

„Seßen Se sich, Herr. Müssen Se doch seh'n meine Sachen, müssen Se anproben de Schuh'," und mit einer Behändig­keit, die seinen siebzig Jahren Ehre machte, hantierte der Alte herum.

Er war unermüdlich im Vorlegen und Empfehlen.

Und als Sohr nach einer guten halben Stunde im brau­nen Manchesteranzug und mit einem Rucksack auf dem Rücken den Laden verließ, war der zähe Alte um vier Mark höher gegangen und hatte sich mit Sohr auf dreißig geeinigt.

_ „Uebers Ohr gehauen hat mich der Nebbich doch," dachte Sohr, „aber er hat wenigstens gekauft. Was hätte ich machen sollen ohne ihn."

Trödelläden sind Oasen im Elend der Großstadt und min­destens so wichtig wie Kirchen, das hatte Sohr zwar bisher nicht Wort haben wollen wie alle gutangezogenen und satten Menschen, von heute an aber wagte er keine Einwendungen mehr gegen diese Erkenntnis. Der alte Isaak Salomon, der ihn zwar begaunert, ihm aber auch geholfen hatte, war ihm lieber wie mancher Geldmann vergangener Tage, der das erstere zwar auch, das letztere aber nie getan hatte.

(Fortsetzung folgt.)