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Zul-aer Anzeiger

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Ar. 272 Fulda, 21. November 1927

Vermischte Machrichten.

Großhandelsindex vom 15. November.

Berlin. Die Gesamtindexzifscr ist gegenüber der Vor­woche um 0,2 Prozent gestiegen. Von den Hauptgruppen hat Die Indexziffer für Agrarstoffe um 0,4 Prozent angezogen. Die Indexziffer der industriellen Rohstoffe und Halbwaren ist um 0,2 Prozent zurückgegangen, während diejenige der industriellen Fertigwaren sich um 0,5 Prozent erhöht hat. Auf dem Gebiet der industriellen Fertigwaren hat die Jndcr- »iffer der Produktionsmittel bei Preiserhöhungen für einzelne Maschinen und Werkzeuge sich in stärkeren! Maße als bisher erhöht. Die Indexziffer für Konsumgüter weist gegenüber der Vbrwochè eine leichte Steigernng auf.

Anklageerhebung wegen des Arcnsdorfer Totschlages.

Berlin. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Oberstaatsanwalt in Frankfurt a. d. O. nach Schluß der Voruntersuchung nunmehr gegen die Landwirte August Schmelzer (Sohn) wegen Totschlages an zwei Reichsbanner- angehörigen und versuchten Totschlags an weiteren Reichs- bannerangehörigen sowie gegen den Landwirt Paul Schmelzer (Vater) wegen Anstiftung zu der Tat seines Sohnes Anklage erhoben und die Eröffnung des Hauptverfahrens vor dem Schwurgericht in Frankfurt a. d. O. beantragt.

Reichsbund nationaler Republikaner.

Berlin. In Berlin wurde auf einer Reichstagung in An­wesenheit vieler Führer aus dem ganzen Reich der Reichsbund nationaler Republikaner gegründet.

Urteil im Münchener Lnndfricdcnsbruchprozeß.

München. Das Strafgericht München sprach nach fünf­tägiger Verhandlung das Urteil in dem Prozeß gegen 15 links­stehende Arbeiter im Alter von 17 bis 22 Jahren, die des Landfriedensbruchs angeklagt waren. Der 18 Jahre alte Schlosser Karl Schott wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Landfriedensbruchs zu vier Jahren Ge­fängnis, der Angeklagte Lindlbauer zu einem Jahr sechs Monaten, der Angeklagte Keindl zu zwei Jahren sechs Monaten, der Angeklagte Scheck zu acht Monaten und der An­ge agte Steinleither zu zehn Monaten verurteilt. Die übrigen 9' Beklagten erhielten Gefängnisstrafen von drei bis sieben M, aalen. Bewährungsfrist wurde abgelchnt.

Beendigung des Tcxtilarbeitcrstreiks in Südhannover.

Göttingen. Der vor 14 Tagen in Südhannover ausge- brochene Textilarbeiterstreik ist beigelegt worden. Unter Vor­sitz des staatlichen Schlichters einigten sich Arbeitgeber uird Arbeitnehmer dahin, daß eine 11,4prozentige Lohnerhöhung gewährt wird. Infolge dieser Vereinbarung ist die Arbeit wieder ausgenommen worden. Die von den Arbeitgebern aus­gesprochene Kündigung ist aufgehoben.

Doppelselbstmord in Görlitz.

Görlitz. In einem Wohnhause der Altstadt wurden ein Wjâhriger junger Mann und eine 24jährige Stütze aus Patsch­kau, Kreis Neiße i. S., tot aufgefunden. Beide haben Selbst­mord durch Erschießen begangen.

Fürstenvcrmögensausgleich in Thüringen.

Weimar. Das thüringische Staatsministerium hat dem Landtag von Thüringen den Gesetzentwurf über die vermögens­rechtliche Auseinandersetzung zwischen dem Lande Thüringen Wg dem früher in dem ehemaligen Herzogtum Sachsen- Dvburg-Gotha regierenden Fürstenhaus zugehen lassen. In dem Vertrag verpflichten sich beide Parteien, einer vcrmögens- râlichen Äuseinandersetzungskommission die gesamte Streit- masse zur Entscheidung vorzulegen.

Das Befinden deS Gesandten Dr. Frank.

Graz. Der Gesandte Österreichs in Berlin, Dr. Frank, kann, nachdem die Venenentzündung vollkommen abgeklüngen ist, täglich auf kurze Zeit das Bett verlassen. Appetit, Ver­dauung und Allgemeinbefinden sind durchaus zufriedenstellend. Dr. Frank gedenkt zu seiner Erholung noch vierzehn Tage im Sanatorium zu verbleiben.

Reue Verhaftungen in der ungarischen Fälschungsangelegenheit

Zürich. Die Züricher Kantonalpolizei hat im Zusammen­hang mit der Angelegenheit der Fälschung ungarischer Wcrt-

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Unter dem Tannenbanm.

Eine Dämmerstunde.

1) Eine Weihnachtsgeschichte von Theodor Storm.

Es war das Arbeitszimmer eines Beamten. Der Eigen­tümer, ein Mann in den Vierzigern, mit scharf ausgeprägten Gesichtszügen, aber milden, lichtblauen Augen unter dem Wichten, hellblonden Haar, faß an einem mit Büchern und Papieren bedeckten Schreibtisch; damit beschäftigt, einzelne Schriftstücke zu unterzeichnen, welche der danebenstehende alte Amtsbote ihm überreichte. Die Nachmittagssonne des Dezem­bers beleuchtete eben mit ihrem letzten Strahl das große, Uwarze Tintenfaß, in das er dann und wann die Feder tauchte. «Mich war alles unterschrieben.

. „Huben Herr Amtsrichter sonst noch etwas?" fragte der Bote, mdem er die Papiere zufammenlegte.

„Nein, ich baute Ihnen."

„So habe ich die Ehre, vergnügte Weihnachten zu wünschen."

„Auch Ihnen, lieber Erdmann."

Der Bote sprach einen der mitteldeutschen Dialekte; in dem Tone des Amtsrichters war etwas von der Härte jenes nörd- üchsten deutschen Volksstammes, der vor wenigen Fahren, und diesmal vergeblrch, in einem seiner alten Kämpte mit dem wemden Nachbarvolk« geblutet hatte. — Als fein Untergebener entfernte, nahm er unter den Papieren einen angefange- ^n Brief hervor und schrieb langsam daran weiter.

Die Schatten im Zimmer fielen immer tiefer. Er sah nicht schlanke Frauengeftalt, die hinter ihm mit leisen Schritten durch die Tür getreten war; er bemerkte es erst, als sie den Arm um seine Schulter legte. — Auch ihr Antlitz war nicht mehr aber in ihren Augen war noch jener Ausdruck von Mäd- ^nhaflrgkeit, den man bei Frauen, die sich geliebt wissen, auch nach der ersten Jugend findet. „Schreibst du an meinen Kruder?" fragte sie, und in ihrer Stimme, nur etwas mehr ge- mndert, war dieselbe Klangfarbe wie in der ihres Mannes. f ^r nickte. „Lies nur selbst!" sagte er, inbern er die Feder sortleM und zu ihr empor sah.

rin ■ beugte sich über ihn herab; denn es war schon dümmc- 8 geworden. So los sie, langsam wie er geschrieben hatte: bin wieder gesund und arbeitsfähig, — glücklicher- denn das ist die Not der Fremde, daß man den Boden, man steht, sich in jeder Stunde neu erschaffen muß. 'chlecht es immer sein mag, darin habt ihr es doch gut und wer wäre nicht gern geblieben, wenn er nur " Stuck Brot und jenes unentbehrliche .sanfte Ruhekissen' alten Sprichworts sich hätte erhalten können."

her ^« schweigend die Hand auf seine Stirn, während er, sie Augen gefolgt war, das Blatt umwandte. Dann las bei"^^ Juden und klugen Frau, die du vorige Weihnachten die m3 b?st kennen lernen, bin ich so glücklich gewesen, durch ein™ ^Issflung eines Vergleichs mit ihrem Gutsnachbarn Dienst zu leisten; der schöne, so sehr von ihr W™ âld ist seit kurzem endlich in ihren Besitz gelangt.

, wir morgen für deinen Freund Harro nur eine

Papiere einen 20jährigenUngarn, der auf der Durchreise von Paris nach Wien hier seit etwa zehn Tagen in einem Hotel am Bahnhof wohnte, auf Veranlassung der Pariser Unter» fuchungsbehörden verhaftet. Der Name des Verhafteten wird von der Polizei nicht bekanntgegeben.

Erklärung Georgiens zu den Frankfurter Tscherwonetz- fälschungen.

Genf. Der Genfer Vertreter der Nationasregierung Geor­giens, Chavichvily, erklärte auf das bestimmteste, daß seine Regierung in keiner Weise etwas mit den gefälschten Tscher- wonetziioten, die in Frankfurt (Main) entdeckt worden sind, zu tun habe.

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Der Tod des Sultane von Marokko,

Mulay Jussuf, der in seinem Palast zu Rabat gestorben ist, wird in Frankreich allgemein betrauert. Über seinen Nachfolger ist noch nichts Bestimmtes bekannt, da das Sultanat nicht auf einer fest bestimmten Erbfolge, sondern aus einer Wahl durch die hohen Würdenträger, Geistlichen und Juristen der Hof­

gesellschaft beruht. Der „Mann". glaubt, daß zum Nachfolger des verstorbenen Sultans von Marokko sein dritter Sohn Mulay Mohammed Annala von den Ulemas der marokkanischen Hauptstädte proklamiert werden wird. Als weiterer Thron­anwärter wird auch der älteste Sohn Mulay Jdritz genannt.

Belgische Regierungskrise.

Brüssel. Die Gerüchte über eine bevorstehende Regie­rungskrise gewinnen in parlamentarischen Kreisen immer mehr an Glauben. Die sozialistischen Minister traten in Abwesen­heit Vanderveldes zusammen, um die Lage im Hinblick auf den am Montag stattfindcnden Ministerrat zu prüfen.

Zusammenschluß elsaß-lothringischer Parteien.

Paris. Der Vorsitzende der elsaß-lothrinigischen Autono- mistenpartei, Dr. Roos, und der Vorsitzende des elsässischen Oppositionsblocks, Baron Zorn Klaus von Bulach, haben den Zusammenschluß ihrer Parteien in eine „Regionale Unabhän­gige Partei" bekanntgegeben.

Brand in der Brünner Universität.

Brünn. In dem Pavillon für anorganische Chemie der Masaryk-Universität brach ein Brand aus. An die Brand­stelle wurden sofort alle Feuerwehren gerufen, die 3% Stunden an der Löschung des Brandes arbeiteten Die Decke und der Boden des im zweiten Stockwerk gelegenen Laboratoriums sowie das Dach des Hauses sind niedergebrannt. Der Gesaml- schaden wird auf eine Million Kc. geschützt.

Amtsenthebung Trotzkis.

Moskau. Auf Beschluß des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion wurde Trotzki von seinen Amtspflichten als Vor­sitzender des Hauptkonzessionskomttees entbunden. An seiner Stelle wurde Sandrow, der bisherige stellvertretende Vor­sitzende. ernannt.

Beileid des deutschen Botschafters zum Tode Joffes.

Moskau. Der deutsche Botschafter in Moskau, Graf Brockdorsf-Rantzau, hat dem Volkskommissar des Äußern, Tschitscherin, das Beileid zum Tode Joffes aus­gesprochen.

Flugzeugunglück in Sarajewo.

Sarajewo. Bei der Ausführung von Übungsflügen stießen zwei Flugzeuge infolge eines falschen Manövers in einer Höhe von 400 Metern zusammen und stürzten ab. Die Insassen des einen Flugzeugs, ein Leutnant und ein Flugschüler, wurden i o t aus den Trümmern geborgen.. Der Führer des zweiten Apparates blieb unverletzt.

Tanne aus diesem Walde! Denn hier ist viele Meilen in die Runde kein Nadelholz zu finden. Was aber ist ein Weih- nachisabend ohne jenen Baum mir fernem Duft voll Wunder und Geheimnis?"

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„Aber du", sagte der Amtsrichter, als seine Frau gelesen hatte, „du bringst in deinen Kleidern den Duft des echren Weihnachtsabends!"

Sie langte lächelnd in den Schlitz ihres Kleides und legte ein großes Stück braunen Weihnachtskuchen vor ihm auf den Tisch. „Sie sind eben vom Bäcker gekommen", sagte sie, „prob nur; deine Mutter backt sie dir nicht besser!"

Er brach einen Brocken ab und prüfte ihn genau; aber er fand alles, was ihn als Knaben daran entzückt hatte: die Masse war glashart, die eingerollten Stückchen Zucker wohl zergangen und kandiert. „Was für gute Geister aus diesem Kuchen stei­gen", sagte er sich, sich in seinen Arbeitsstuhl zurücklehnend; „ich sehe plötzlich, wie es daheim in dem alten, steinernen Hause Weihnacht wird. — Die Messingtürklinken sind womöglich noch blanker als sonst; die große gläserne Flurlampe leuchtet heute noch heller auf die Stuckschnörkel an den sauber geweißten Wänden; ein Kinderstrom um den andern, singend und bet­telnd, drängt sich durch die Haustür; vom Keller herauf aus der geräumigen Küche zieht der Duft des Gebäckes in ihre Rasen, das dort in dein großen kupfernen Kessel über dem Feuer prasselt. — Ich sehe alles; ich sehe Vater und Mutter — Gott sei gedankt, sie leben beide! — aber die Zeit, in die ich hinabblicke, liegt in so tiefer Ferne der Vergangenheit! — — Ich bin ein Knabe noch! — Die Zimmer zu beiden Seiten des"Flurs sind erleuchtet; rechts ist die Weihnachtsstube. Wäh­rend ich vor der Tür stehe, horchend, wie es drinnen in dem Knittergold und in den Tannenzweigen rauscht, kommt von der Hoftreppe herauf der Kutscher, eine Stange mit einem Wachs­lichtendchen in der Hand. — .Schon anzüden, Thomas?" Er schüttelt schmunzelnd den Kopf und verschwindet in die Weih­nachtsstube. — Aber wo bleibt denn Onkel Erich?---Da kommt es draußen die Treppe hinauf; die Haustür wird aufge- rissen. Rein, es ist nur sein Lehrling, der die lange Pfeife des ,Herrn Ralsverwandters" bringt; ihm nach quillt ein neuer Strom von Kindorn; zehn kleine Kehlen auf einmal stimmen an Vom Himmel hoch, da komm ich her!" Und schon ist meine Großmutter mitten zwischen ihnen, die alte, geschäftige Frau, den Speisekammerschlüssel am kleinen Finger, einen Teller voll Gebäckes in der Hand. Wie blitzschnell das verschwindet! Auch ich erwische mein Teil ^avon, und eben kommt auch meine Schwester mit dem Kindermädchen, festlich gekleidet, die langen Zöpfe frisch geflochten. 3* aber halte mich nicht auf; ich springe drei Stufen auf einmal die Treppe nach dem Hofe hinab."

Es war allmählich dunkel geworden; die Frau des Amts­richters hake leise einen Aktenstoß von einem Stuhl entfernt und sich an die Seite ihres Mannes gesetzt.

„Drüben in dem Seitengebäude ist das Arbeitszimmer mei­nes Vaters. Auf die Vordiele dort fällt heute kein Lichtschein aus dem Türfenster der Schreiberstube; der alte Tausendkünstler ist von meiner Mutter drinnen bei den Weihnachtsgeheimnissen angestellt. Aber ich tappe mich im Dunkeln vorwärts: denn

Ädty and Jent

O Selbstmord nach einem Streit mit der Braut. Der 33 Jahre alte Packer Walter Mehlhase in Berlin war auf der Straße mit seiner Braut in Streit geraten. Plötzlich lief er in den Flur eines Hauses und schoß sich dort eine Kugel in die Herzgegend.

O Trauung einer Hohenzollernprinzeffin. In Bonn fand die Trauung der Prinzessin Viktoria mit Baron Zubkoff aus dem Standesamt statt. Die Prinzessin ist eine Schwester des ehemaligen Kaisers. Die kirchliche Trauung wird nach griechisch-katholischem Ritus am Montag erfolgen.

O Geizig oder verrückt? In Glogau starb ein Rentner, der als völlig verarmt galt und Wohlfahrtsunlerstützung bezog. Er ging gewöhnlich in Lumpen gekleidet. Nach seinem Tode stellte es sich heraus, daß er Goldstücke und Wertpapiere im Betrage von 150 000 Mark besaß.

O Liebesroman einer Packerin. Einen eigenartigen Liebesroman erlebte eine Einpackerin in Naumburg a. S. Das junge Mädchen legte einem Paket ein Zettelchen bei mit schönen Grüßen aus Deutschland und ihrer Adresse. Das Paket kam nach Amerika gerade an den rechten Mann, einen sehr vermögenden Deutschamerikaner. Er erwiderte die Grüße und in Deutschland trafen sich die beiden und verlobten sich.

O Freitod eines Großindustriellen. Der kaufmännische Direktor der Hüttenwerke Stadler u. Co., Kommandit­gesellschaft in Nürnberg, Heinrich Stadler sen., der außer­dem führende Stellungen in anderen industriellen Unter­nehmungen innehatte, hat sich erschossen. Der Grund zur Tat dürfte darin zu suchen sein, daß die Stadlerschen Unternehmungen in letzter Zeit unter Mangel an Be­triebsmitteln stark zu leiden hatten.

0 Ein Frachtdampfer in die Luft ge­flogen. Der in Baltimore an einem Schisssbauhos liegende Frachtdampser „John Luckenbach" wurde von einer Explosion zerriffen. Die Schisfsteile flogen nach allen Richtungen umher. Von den 35 Personen, die an Bord waren, wurde nach den bisher vorliegenden Meldungen eine getötet, während zahlreiche verletzt wurden. Angeblich soll die Explosion darauf zurückzu­führen sein, daß Arbeiter, die an Bord Reparaturen aus­führten, in der Nähe eines Öltanks mit einer Azetylen- lötlampe hantierten.

0 Explosion einer Torpedofabrik. Durch die Explosion von 300 Quart Nitroglyzerin sind die Anlagen der Jnde- pendence Torpedo Company bei Jefferson (Nordamerika) zerstört worden. Sämtliche Gebäude im Umkreis von über 30 Meilen wurden erschüttert. Da der Explosion ein Brand vorausging, hatten die Angestellten rechtzeitig flüchten können. Die Farmer der Umgebung flohen, von Panik ergriffen, aus ihren Häusern.

Bunte Tageschl-onit

Rominlen. Seit längerer Zeit machten sich in der Ro- mintener Heide Wölfe bemerkbar. Der Schneefall in den letzten Tagen ermöglichte es, einen Wolf bei einer Treibjagd zu erlegen.

Moskau. In den Gruben in Tscheremchowo in Sibirien hat sich eine Explosion ereignet, bei der neun Bergarbeiter den Tod fanden. Zwölf Bergarbeiter wurden verwundet.

Aus dem Gerichissaal.

§ Mordversuch an einer angeblichen Hexe. Der Maurer Sieben aus Rudwangen in Ostpreußen wurde wegen ver­suchten Mordes zu n e u n I a h r e n Z u ch t h a u s verurteilt. Siebert hatte geglaubt, daß seine Wirtschaft, die sehr schlecht ging, von der Nachbars Witwe verhext worden sei Er ging deshalb eines Abends in das Haus der Witwe, schlug ae mit einem Stock nieder und versetzte ihr mehrere Messer­stiche. Sie war eine harmlose Frau und an seinem Unglück gewiß unschuldig. a

§ Noske — ein Schimpfwort. In Berlin hatte sich ein Brunnenbauer vor beut Schöffengericht zu verantworten, weil er einen Reichswehrsoldaten mit den Worten „Du verdammter Noske" beleidigt hatte. Der Mann gab als Entlastung an, daß „Noske" kein Schimpfwort wäre. Das Gericht war aber der Auffassung, daß das Wort Noske (Noske war der erste Reichswehrminisier) von der Kommunistischen Partei nur im Zusammenhang mit dem Worte Bluthund gebraucht wird und als Schimpfwort anzusehen ist, und erkannte aus zehn Mark Geldstrafe.

. gegenüber in seinem Zimmer höre ich die Schrirre meines Vaters. Er arbeitet schon nicht mehr. Ich öffne leise die Tür; wie deutlich sehe ich ihn vor mir. ihn selbst und bas verräucherte Gemach, in dem der Horle Schlag der alten Wanduhr pickt! Mit einer feierlichen Unruhe geht er zwischen den mit Pa­pieren bedeckten Tischen umher, in der einen Hand den Messing- leuchter mit der brennenden Kerze, die andere vorgestreckt, als olle alles Störende fern gehalten werden. Er öffnet die Schub­lade seines Leinen Stehpults und nimmt die große goldene Tabatière aus der Fischhautkapfel, einst ein Gejchenk der Ur­großmutter an ihren Bräutigam, dann nach des Urgroßvaters Tode eine Ehren- und Vcrtrausgabe an ihn. Aber er ist noch nicht fertig; aus dem Geldkörbchen werden blanke Silbermün­zen für die Dienstboten Herrorgesuchr, eine Goldmünze für den Schreiber. ,Jst Onkel Erich schon da?" fragt er, ohne sich nach mir umzu sehen. — .Noch nicht, Vater! Darf ich ihn holen?" — .Das könntest du ja tun." Und fort renne ich durch das Wohn­haus auf die Straße, um die Ecke am Hafen entlang, und wäh­rend ich drunten aus der Dämmerung das Pfeifen des Windes in den Tauen der Schiffe höre, habe ich das alte Giebelhaus mit dem Vorbau erreicht. Die Tür wird aufgerifjcn, daß die Klingel weithin durch Flur und Pesel schallt. — Dot dem Ladentisch steht der alte Kommis, der das Detailgeschäft leitet. Er sieht mich etwas grämlich an. .Der Herr ist in seinem Kontor," sagt er trocken; er liebt die wilde naseweise Range nicht. Aber, was geht's mich an? — Fort mach ich hinten zur Hoftür hinaus, über zwei Leine finstere Höfe, dann in ein ur­altes seltsames Nebengebäude, in welchem '' dos Allerherligste des Onkels befindet. Ohne Unfall komme ich durch den engen dunkeln Gang und klopfe an die Tür. — .Herein!" Da sitzt der kleine Herr in dem fernen braunen Tuchrock an seinem mäch­tigen Arbeitspult; der Schein der Konrorlampe fällt auf seine fremtdlilhen kleinen Augen und auf bic mächtige Familiennase, die über den srischgcstärkten Vatermördern hinausrafft. — •Cnfel, ob du nicht kommen wolltest!" sage ich, nachdem ich Atem gcuhoptt habe. — .Wollen wir uns noch einen Augenblick jetten!" erwiderte er. indem er feine Feder summierend über das FvLum des ausgcschlagcncn Hauptbuches hinobglertet. — Mir wird ganz behaglich zu Sinne, ich werde nicht ein bißchen ungeduldig; aber ich setze mich auch nicht; ich bleibe stehen und besehe mir bic Englands» u. Wrstmdienfahrer des Onkels, deren Bilder an der Wand hängen. Es bauert auch nicht lange, so wirb bas Hauptbuch herzhaft zugeklappt, das Schlüsselbund ras­selt und: .Sich so", sagt der Onkel, .fertig wären wir!" Wäh­rend er ein spanisches Rohr aus der Eckè langt, will ich schon wieder aus der Tür; aber er hält mich zurück. ,AH. wart doch mal ein wenig! Wir hätten hier wohl noch so etwas mitzu- nebmen." Und aus einer dunkeln Ecke des Zimmers holt er zwei wohlversicgeltc. geheimnisvolle Päckä'en. — Ich wußte es mehl, in solchen Päckchen steckte ein Stück leibhaftigen Weih­nachtens; denn der Onkel hatte einen Bruder in Hamburg, und er trat nicht mit leeren Händen an den Tannenbaum. So nie gesehenes, märchenhaftes Zuckerzeug, wie er mitten in der Be­scherung noch mir »nd meiner Schwester auf untere Weihnachts- tellcr zu legen pflegte, - ist mir später niemals wieder nor« gekommen. (Fortsetzung folgt.)