Aber es blieb alles still. Kèirr Laut. Drückend empfand sie jetzt diese plötzliche Leere. — Kein Mensch weit und breit. Auch Johann, den neuen Diener, hatte sie für den Abend aus sein dringendes Bitten beurlaubt. Was sollte er auch? Sic kannte ihn kaum. Aber sein unterwürfiges Wesen, das zu dem fast ironischen Lächeln um seine Mundwinkel, zu seinen ein wenig zwinkernden Augen in einigem Widerspruch stand, war ihr "unangenehm. Lieder war sie allein.
Nervös fing sic an, an den Spulen zu drehen; gab mehr Heizung, weniger Rückkoppluug, dann umgekehrt. — Nichts. Älles still.
Da warf sich die kleine Frau schluchzend in die Kisten des grün bezogenen Mahagonisofas: „Das jetzt, gerade jetzt! Den ganzen Tag habe ich mich auf den Augenblick gefreut!"
Da, ein Geräusch; aus der Ecke, in der ihr Schreibsekretär stand. Schrilles Klingeln. — Himmel, hatte sie sich erschrocken! — Nur das Telephon war's. Wie ängstlich sie heute war!
Dann nahm sie den Hörer. Es war nicht zu verstehen, wer dort war. Was wollte er denn eigentlich? — Schonend teilnehmen? Mitfühlen? Beileid? — Ja, aber... Da durchzuckte sie ein Gedanke. Sie preßte die Hand auf die Platte; fest, ganz fest.
Und dann hörte sie. Was der Ansager in Kronburg vor ein paar Minuten gesagt, als gerade ihr Gerät aussctzte! Daß das Auftreten des Wiener Gastes leider nicht stattfinden könne. Unvorhergesehene Umstände. Tragischer Unglücksfall. Mit dem Auto ... auf der Fahrt zum Bortragsabend ... Herzliches Beileid, nochmals: herzliches Beileid ...
Einen Augenblick schwindelte Frau Aline. Der Hörer entglitt der zarten Hand. Sie taumelte in den Sessel. Aber dann hatte sie sich wieder in der Gewalt. Sie wollte noch etwas fragen. Wer war eigentlich der teilnehmende Freuttd? Man merkte ihm an, wie schwer ihm die Mitteilung wurde. Ach, gleichgültig jetzt.
Es gab Wichtigeres. Jeden Augenblick konnte das Tcke- gramm kommen. Bis dahin konnte schon etwas geschehen sein.
„Bitte, Fernamt." — „Bitte, Kronburg in Preußen, Ostmarkenrundfunk." — „Oh, das wird heute schwer halten!" — „Es muß gehen. Dringend, ja, natürlich!"
Und dann nach einer Viertelstunde der Bescheid: die Verbindung ist heute abend nicht mehr herzustellen.
Aber die kleine Frau hatte damit gerechnet. Ihr Plan stand fest.-- ' '
War das ein Flug! — Nacht. Rattern des Motors. Ab und zu blinkende Lichter von Städten, die sie überflogen. —
Und immer vor Augen das Bild: Egon da oben im Norden verunglückt; in der fremden Stadt; verkrüppelt... oder tot. — Würde sie ihn morgen noch lebend finden?--
In Dresden war ein zuvorkommender Herr der Dame behilflich, ^die in sichtlicher Aufregung ohne weiteres nach dem nächsten Telephon fragte, als sie noch kaum den Erdboden berührt hatte.
Dann saß sie im Empfangsraum des Flughafens, während der sehr höfliche Herr anmeldete. Ob es hier glücken würde? — Nach zehn Minuten meldete sich klar und deutlich Kronburg.
Es gab ein paar erstaunte Fragen dort. Dann verband man sie mit dem Zentralhotel. Sie mußte warten. Anscheinend wurde gesucht.
v Und da war ihr Mann drüben am Apparat; ein wenig verwundert gewiß; aber sroh, fast lachend klang die Stimme an ihr Ohr: „Verunglückt, liebes Kind? Aber wieso denn! Im Gegenteil; reizende Sache hier. Großer Ersolg. Uni) famose Leute, ich sage dir ..."
--Als Frau Aline Froelich am nächsten Vormittag nach banger Fahrt endlich vor ihrer Villa draußen vor Wien stand, streifte sie an der Haustür ein vom Dach herabhängender Kupferdraht. Es war die abgerissene Antenne.
Drinnen, in ihrem prächtigen Heim, das sie mit ihrem Mann in. Liebe eingerichtet, war es öde und leer. Viel, viel leerer noch, als am Abend vorher. Ein paar minderwertige Sachen nur hatte man zurückgclassen; und zum Trost ihren geliebten Schreibsekretär. Auf der dunkel glänzenden Platte eine schwarz umrandete Karte: „Nochmals — Herzliches Beileid!"
Von Johann, dem Diener, fehlte jegliche Spur ...
_ Die ewige Braut.
Skizze von W. E m i l Schröder.' -^«i
Dünn und fein wie ein Spinngewebe hebt sich die Lauf- brücke von Marseille gegen den tiefdunkelblauen Miltolmeer- himmel ab, dunkel und drohend steht gegen die purpurflammende sinkende Sonne die steile Klippe von Château d'Js. Die letzten Fischhändler räumen schwatzend, schellend ihre Eimer und Körbe fort. Ihre schaukelnden Schritte verhallen in den breiten Straßen, die auf den Hafenplatz münden. Vor der rot-weiß gestreiften Markise eines Kaffeehauses, unter der plaudernd Matrosen aus aller Herren Länder vor ihrem Glase Pinard sitzen oder aus schlanken Gläsern eisgekühlte Melange schlürfen, steht Ivonne Mercier. Ihre unwahrscheinlich großen dunklen Augen starren brennend über die Gäste hinweg zum Hafen hinunter. Bleiben an dem Massiv der Insel d'Jf haften.
Die in Marseille heimisch sind, lächeln über das schlanke Mädchen, das den lieben langen Tag auf dem Hafenplatz oder bei den Fischhändlern herumlungert und erst 31t später Nacht heimirrt wie eine verscheuchte Fledermaus. Sie wartet auf Marcel. Oh, er wird einmal kommen. Sie wartet schon seit vier Jahren auf ihn. Dort auf dem Landungsstege gab sie ihm an einem Novemberabend den letzten Kuß, ehe ihn das Boot an Bord der „Avenir" brachte, die ein Bataillon Jäger nach Oran trug. Seit jenem Tage blieb sie ohne Kunde von ihm. Sie hörte wohl aus Zeitungsnachrichten von den heftigen Kämpfen zwischen Chasseurs und Kabylen, aber immer lag um ihren Mund das gläubige Lächeln: Marcel kommt wieder.
Sie kannte bald die Schattenrisse aller Schiffe, die am Horizont auftauchten und sich unendlich langsam näherten. Hastig irrte ihr Blick über die Reisenden, die das Fallreep verließen oder von großen Schiffen in kleinen Booten an Land gefahren wurden. Hin und wieder kam wohl ein Trupp Jäger aus Afrika zurück, aber Marcels lachendes Gesicht mit dem kleinen braunen Bärtchen und den blinkenden schwarzen Augen war iticht unter ihnen. Das ewige Warten wurde schleichendes Gift, das den Verstand zersetzte, verlockende Bilder heraufbeschwor. Ivonne führte oft wunderliche Reden; ihren wenigen Freundinnen, die sie mit Beharrlichkeit neckten und ihr raffiniert erfundene Liebesabenteuer Marcels mit Beduinenmädchen vorgaukelten, las sie aus dem Gedächtnis glühend überschwängliche Liebesbriefe vor, die sie nie erhalten.
Ihr Vater sah besorgt den Verfall ihrer blühenden Jugend, ihres Verstandes. Er quälte sein Kind nicht mit Fragen, sondern er tröstete es Tag für Tag. Es gab kaum noch Heilung. Als er eines Tages einen Brief erhielt, der an Ivonne gerichtet war und ihr schonungslos den Tod Marcels bei einem Kabhlenangriff mitteilte, warf er den Brief weinend ins Feuer.--
Ivonne wartet. Sie wendet langsam die dunklen Augen geblendet dem vollen Kaffeehaus-: zu — ihr Herzschlag stockt, dann bricht ein heller, schwiugei^er Schrei von ihren Lippen, der alle Gäste aufschreckt: „Marcel! Marcel!"
Dvrt sitzt er, das Käppi aus dem geröteten Gesicht in den Nacken geschoben uud redet auf einen anderen Kameraden ein. Ivonne fliegt wie ein Vogel an runden Tischen, Melange- gläsern, erstaunten Gästen vorbei, schlingt unter Lachen rind keinen ihre überschlanken Arme um den Hals des verdutzten Soldaten, küßt ihn, der in anfänglicher Verwunderung alles itber sich ergehen läßt. Dann will er sanft die Hände von
seinem Halse lösen. Dh, leicht gedacht! Diese Arme sind erfüllt voll der Kraft kindlichen Glaubens, gehärtet im Feuer endlosen Wartens. Mitleidig streicht seine Hand über ihre geröteten Wangen. Aufsehen zu erregen, ist ihm peinlich; „Gareon!" Er blinzelt dem Kameraden verständnisvoll 51t, zahlt seine Zeche und verläßt den Raum, verfolgt von staunenden, spöttischen und boshaft lächelnden Gesichtern.
Ivonne hängt sich schwer in seinen Arm, bleibt stehen, reißt ihn an sich. Er zögert — er will sie von sich stoßen, ihr sagen: „Ich bin Bönott Moreaur, ich bin nicht Marcel!" Aber dieser unirdische Glanz großer Äugen schließt ihm den Mund, und willenlos läßt er sich von ihr in die Rue Schaunard führen, halb im Traum schreitet er in die Stube, drückt einem hageren Mann mit fast weißem Haar die Hand. Der raunt ihm ins Ohr: „Sagen Sie zu allem ja!"
Moreaux begreift: es ist eine Schwachsinnige. Bald sitzt er am Tisch zwischen den beiden. Ivonne plaudert ununterbrochen, lacht heil auf, gießt immer wieder Moreaux das Glas voll mit würzigem Château Lalande. Er aber kann nicht lachen. Sein Blick schleicht zur kleinen Pendeluhr auf dem Kaminsims. Ihm schmeckt weder Essen noch Trinken. Auch die winzige Hoffnung auf ein flüchtig galantes Abenteuer ist verflogen. Ob er in Oran war? Moreaux nickt. Und darf erzählen, bis dem alten Mercier fast die Augen zufallen. Der entschuldigt sich mit. Müdigkeit und wankt in seine Kammer.
Ivonnes glückseliges Auge folgt ihm. Sie rückt näher zu Morèäux, sitzt bald auf seinem Knie, schmiegt ihre Wange an die seine, sucht seinen Mund — Moreaur setzt sie sanft von seinem Schoß. Er schluckt krampfhaft Bitterkeit und Scham hinunter, — das Bild der sanften Beatrice aus der Bretagne steht vor ihm —, und wie zu diesem Bilde der Erinnerung gewendet, sagt er heiser:
„Ich bin nicht Marcel — ich bin ein anderer. Ich bin — Bönokt Moreaux."
Alles Blut gerinnt in Ivonne, ihr Blick wird gläsern — schlaff läßt sie seine Hand fahren — und lacht — lacht — welch köstlicher Scherz! Er — nicht Marcel — er — yénoit Moreaux! Der Vater steht im Türrahmen, ein Gespenst in weißem Nachthemd, mit schlohweißen Haaren, die ein leichter Luftzug bewegt. Langsam, unhörbar kommt er ins Zimmer. Ivonne sieht ihn nicht — sie sucht das Meer, findet es im Dunkel nicht. Schmerzliche Erkenntnis bricht falb über ihre Züge, sie schrumpft ein, wird alt, grau, klein:
„Ich — ewige Braut!"
Die Knr.
Groteske von Alfred Semerau.
Ns Frank Hellberg sich eines Abends durch drei Zei- tungsspalten hindurchgegähnt hatte, stutzte er bei der viertes so plötzlich, daß seine Frau ihn neugierig ansah: „Was gibt es denn?" Doch Frank starrte, ohne sie 511 hören, vor sich hin.
Robert F. Bing heute gekommen! Wenn solch ein Mann von „drüben" kam,'ging's immer um Millionen Dollars und Pläne, gigantisch wie die Geldmacht, die hinter ihm stand. Ein Opernhaus mit 20 Stock, ein Kino für 15 000 Menschen, ein Theater mit drei Schiften wie eine Riesenbasilika, wo drei Vorstellungen zugleich stattfiuden sollten. Bing, der 30 Jahre in Stahl, Kohle, Oel gearbeitet hatte, brach jetzt in das Reich der Kunst ein, und wenn er mit seinen Dollarheereu heranzog, war der Sieg gewiß. Warum sollte er, Hellberg, bei dieser Schlacht nicht auch ein Stück Beute erobern? Hatte er nicht ein Dutzend Manuskripte liegen? Dramen, Komödien, alles Neuland! Frank, von der großen Nachricht wie gebannt, sprang endlich auf, lief hin und her: „Wie an biefen Mann herankommen? Ich muß mir mal was überlegen, Lissi!" —■ Damit war er auch schon fort.
Der Abendwind trieb ihn rasch aus seiner stillen Straße in eine breite Lichtbahn mit strahlenden Schaufenstern, Menschengedränge und Wagenlärm. Plötzlich weitete sich vor ihm ein Platz, auf dem große elektrische Birnen über eine gelbe Fassade „Grand-Hotel" malten. Dort, im ersten Stock, wohnte irgendwo Bing. Während Hellberg über den Platz geschoben wurde, zerfloß ihm Bing, den er so lange fast körperlich vor sich gesehen, zu einem Schatten, und auf einmal wurde ihm klar, wie wenig er eigentlich von ihm wußte. Bald saß er in einem Kaffee bei einem Pack Zeitungen, die alle von dem „Dollarkönig" erzählten. Da hieß es bunt durcheinander: Harmonische Ehe mit Ellen Sanderson, Tochter des Bierkönigs von Chikago! Haus in der Park Avenue, von dem berühmten Bables erbaut, ein erlesenes Museum der Kunst! Keine direkten Erben! Das Riesenvermögen fiel einmal an Neffen und Nichten! Bing zahlt 8 Millionen Steuern! Kein Glück aber vollkommen: der große Mann litt dauernd an der Leber. Alle Kapazitäten waren schon konsultiert. Ohne Erfolg. Immer war Bing auf der Suche nach neuen Mitteln. — Frank trank mechanisch seinen Kaffee und versank in tiefe Gedanken, plötzlich rief er: „Oberk Briefpapier und Tinte!"
„Was gibt's heute, Gött?" fragte Bing grämlich seinen Sekretär, als der andern Tages mit der Post kam. „Machen Sie's kurz. Ich hatte eine schleckte Nackt." Zerstreut hielt er Die Hand leise aus der rechten Bauchwand, hinter der fein Martyrium ihn durch Druck und Schmerz an seine enge Verbindung mit der niedersten Menschlichkeit erinnerte. „Schon gut. Nichts Wichtiges." Er hob verabschiedend die Hand. Aber Gött hielt ihm noch einen Brief hin: „Hier, privat für Sie! Ein Mittel für die Leber!" Bing wehrte ab: „Alles umsonst!" Dcrch nahm er das Blatt und murmelte beim Lesen: „Kein professioneller Arzt! Die hab' ich auch satt. Mittel selbst probiern Hm! Wenn überhaupt noch Hoffnung, hilft's bestimmt. DaS sagen alle. Nun, schaden kann mir nichts mehr. Lasten Sie den Mann um fünf konimen."---
„Wast hast du nur? Sowie du auf der Treppe einen Schritt hörst, fliegst du heraus", sagte Lissi kopfschüttelnd. „Erwartest du denn was?" Frank nickte: „Ja, aber frag' mich nicht. Später sollst du's hören." Dann studierte er in zwei Wälzern des Konversationslexikons weiter. Endlich schrillte die Klingel. Eine Depesche! Nur eine Zeile! Sie tanzte vor Franks Augen. Triumphierend steckte er das Blatt zu sich, ging zu Lissi, die gerade das magere Mittagsmahl zu- bereitete, und fragte bewegt: „Weißt du, was die Leber ist?" Als sie lachte: „Für uns ein seltenes Sonmagsgericht'!" hob er ernst und lehrhaft den Finger: „Die Leber ist die größte Drüse des Körpers und von höchster Wichtigkeit, weil sie in naher Beziehung zu fast allen chemischen Prozessen des Organismus steht. Da staunst du, was?"
Um fünf stand er im Grand-Hotel. Ein Empfangsherr, ganz wie ein hoher Diplomat, betrachtete verwundert und herablassend den dürftig gekleideten Ankömmling, doch als Frank kühl erklärte, daß ihn Bing erwarte, eilte der tadellose Gehrock beflügelt zu Gött. Bald stand Frank, nach der großen Spannung der letzten Stunden, ganz ruhig vor Bing, der ihn kalt musterte und, nicht gewillt, sich ohne weiteres einem Unbekannten auszuliesern, seine Fragen stellte, die sachlich' kurz beantwortet wurden. Franks Mittel, eine Mischung verschiedener Tees, altes Familiengeheimnis, war dreimal täglich zu nehmen, und in dieser Zeit mußte sich Bing frei von Geschäften halten und in steter Bewegung sein. Frank nahm ein Blatt und zeichnete mit Bings Gold- stift die Leber und ihre Umgebung, erläuterte alles so klar, daß der große Mann mühelos folgen konnte, und deutete auf Bings rechte Bauchwaud: „Da sitzt es. Leberauschoppuug!" — Bewegung fehlt ihm, nur das! dachte Frank.
Bing entfaltete eins der kleinen Teepäckchen, Portionen' für eine Tasse, die Frank vor ihn gelegt. Ein süßherber, cm- geuehmer Duft stieg auf. „Beginnen Sie gleich heute. Wann lieben Sie früh auf? Um halb Acht? Ich bin dann hier, um
mit Ihnen die Bewegungen zu üben." Ehe Bing anthfört konnte, war Frank schon fort. —
Der große Mann schlief besser und nickte Frank fteunh lich zu, als er morgens kam. Erst ging's durch die vier mer Bings gcmächtlich hin und her, dann folgten le, gymnastische Uebungen, zum Schluß wieder das Auf und Bing, der zwanzig Jahre im Klubsessel und Auto verbrâ hatte, spürte eine angenehme Mattigkeit und zeigte Rot aus seinem lebergelben Gesicht. Während dieser V erfuhr er, daß sein junger Helfer allerlei schrieb. Brotarbein Bing nickte. Er hatte auch mal in einem kleinen SebcrgcfAäft gefront. Aber Frank schrieb noch anderes, und darin gab „ Kraft, Geist, Herz hin. Doch bamit hatte er kein Glück. Ein halbes Dutzend seiner Stücke mar im Staub der archive versunken.
Nach einigen Tagen kabelte Gött an Ellen Bing: „Neue Kur begonnen. Besserung scheint anhaltend." Der "groft Mann ging freier, leichter, und das Blut rann frischt rascher durch seinen sechzigjährigen Leib. „Der junge Mensch hat mir nichts vorgemacht!" sagte er befriedigt zu Gott Frank teilte die Mahlzeiten Bings und sorgte streng bafüt daß genau nach seiner Vorschrift nur milde, reizlose Speisen auf den Tisch kamen. Der Empfangsherr begrüßte ihn wie einen Minister, der zur Denkmalsweihe kommt. Die servierenden Kellner, die ihn erst durch ihre Hoheit außer Raffung bringen versucht hatten, bedienten ihn wie Bing selbst. 8
Währenddessen rauschte es im Blätterwald der Zeitungen immer lauter. Was tat dieser kleine, unbekannte Dichterline immer bei dem großen Mann? Wie kam er dazu, mit Roben F. Bing zu speisen. Reporter belagerten die Halle des Grand- Hotels. Doch Gött schwieg, der Empfangsherr stand selbst vor einem Rätsel, und Frank lächelte nur vielsagend. H der erste Artikel erschien, fragte Lissi verblüfft und zaM zweifelnd: „Bist du das etwa?" Frank nickte: „Ist das mt deutlich genug?... Der junge Schriftsteller, der noch M keiner größeren Arbeit hervortrat?" — „Ja, aber..." sag^ sie endlich und zog ihn an den Ohren, „«ja... aber." Und nach einem Strom von Vorwürfen, den er lviderstandsloz über sich ergehen ließ, mußte er erzählen. Aber von der Km sagte er kein Wort. Lissis Augen wurden immer größer. Ein Mul—ti—Millionär... und Frank bei ihm! „Ich begreife aber immer noch nicht, wie du zu ihm gekommen bist!" warf sie kopfschüttelnd ein. „Das erzähle ich dir auch noch maß Später! Siehst du, Lissi, darauf kommts an!" Er tippte auf seine Stirn. „Eine Drogistenrechnung von sieben Mark! Das ist alles!" Er lachte. „Und Bing kämt jetzt schon fast laufen!" Dann kraulte er in seinem Schreibtisch. Nachmittags spielte er dem großen Mann seine Komödie „Pans Trommel" vor. Sie mürbe mit aller Macht gerührt und führte eine in Zivilisation verkommene Welt wieder zur Natur zurück. Bing lachte herzlich über dies Wetterleuchten von Geist und Witz und tagte: „Das nehme ich für mein Theater mit!" Am Tag der Abreise des großen Mannes holte Frank einen dicken Wälzer und schlug ihn vor Lissi auf. „Hier!" sein Finger glitt über eine Zeile, „ist der Quell unseres Glückes!" Lissi laß verdutzt: „Die Leber...?" Frank nickte: „Und hier", er breitete zärtlich einen Scheck vor sie hin, „rauscht der Quell vernehmlich vor unserem entstielten Ohr!"
Rätselecke.
Kreuzworträtsel.
Aragerecht: 1. Nebenfluß des Rheins, 4. jap. BronzeM' 6. Berühmter Geigenbauer, 9. Stadt in Rußland, 10. Algier, 11. Pflanze, 13. Männlicher Vorname, 15. AbkürM niemals, 17. Weiblicher Vorname, 19. Stadt in der 20. Rumänische Münze, 21. Waldiger Höhenzug bei Braunsap 22. Biblische Frauengestalt, 23. Fisch, 25. Nebenfluß der '
Senkrecht: 1. Hunnenkönig, 2. Luftfahrzeug, 3. Franzöft E Artikel, 4. Fabelwesen, 5. Polarforscher, 7. Monat, 8. kalische Bezeichnung, 12. Flächenmaß, 14. Vogft, 16. Welm Vorname, 18. Weiblicher Vorname, 19. Englischer Dorn» 24. Nordpolforscher.
Füllaufgabe.
Stadt in Sachen.
Die leeren Felder der stehenden Figur fmb so m Buchstaben 4 a. 5 e, 1 & " ' g Sj 3 1, 3 m, 2 n, 2 0, 1 P-3 1 u zu besetzen, das; die ^ rechten Reihen bezeichnen, ^ Göttin, 2. eine @ifii>Üa^ 5 f-wen franz.Kolonie in ®eftrot'i weniger bekannten Schi '^ 5. eine Futterpflanze,
Lösungen der Rätsel aus voriger ^"^^"'
dgl Üt0
Lösung der Anreihung:
Wies
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eite
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ent
oren
nicm
alfe
stun sf'i in
' Wie sich Verdienst und Glück verketten,
Das fällt den Toren niemals ein. <® § ^
Lösung der Umstellungsaufgabe: Hanswurst, Schiefer, Schanze, Nachtglocke, Schachspiel, Hocbstoot, v hvlz. Wachholder, Riesenschaf. — Heringsdorf.
L4 s ung des ?,ahlenrätselS: Heer, Herr, Ebe. Aeb,