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Vermischte Nachrichten

Die Lockerung der Wohnungszwangswirlschaft in Preußen.

Berlin. Der preußische Minister für Volkswohlfahrt hat über die Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft eine dritte Verordnung erlassen, in der dem Amtlichen Preußischen Presse­dienst zufolge bestimmt wird, daß in Gemeinden ohne Woh­nungsmangel mit wenigen Ausnahmen die Vorschriften des Wohnnngsmangelgesetzes nebst den dazu erlassenen Ausfüh- rnngsbestimmungen keine Anwendung finden. Die Aufsichts­behörden können jedoch anordnen, daß in einzelnen Gemeinden ohne Wohnungsmangel die Vorschriften des Wohnungsmangel- gesctzes Anwendung finden.

Schweres Brandunglück in Mecklenburg.

Schwerin. Ein schweres Brandunglück hat sich in Gresiow bei Sigmar ereignet. Das Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Gastwirts Oldenburg wurde in kurzer Zeit in Asche gelegt. Bei den Rettungsarbeiten wurde der Arbeiter Paul Lser von einem Herabfallcndcn brennenden Balken be­grabe n. Mit schweren Kopfverletzungen zog man den Be­dauernswerten aus den Trümmern hervor und schaffte ihn in ein Krankenhaus, wo er alsbald seinen Verletzungen erlag. Öffentliche Umzüge des Roten Frontkämpferbundcs verboten.

Köln. Der Regierungspräsident von Köln hat für den Bereich seines Bezirks alle öffentlichen Umzüge des Roten Frontkämpferbundcs bis auf weiteres verboten.

Litauische Protestnote gegen polnische Ausweisungen.

Kowno. Am 19. d M. richtete die litauische Regierung an den Vorsitzenden des Völkerbunoraies eine Protestnote gegen die Ausweisung von elf polnischen Staatsangehörigen nach Litauen. Die litauische Regierung erklärt in der Note, daß sie die Ausgewiesenen nicht aüfnehmcn kann, und bittet um An­weisung, wohin sie abgcschobcn werden sollen.

Chorgesang und Steuerfreiheit.

Seit Jahren kämpfen die Mitglieder des Deutschen Sänger­bundes einen verzweifelten Kampf gegen die Ausbeutung ihrer Veranstaltungen durch das rücksichtslose Vorgehen der Steuer­behörden. Die Verordnungen über die Luftbarkeitssteuer lassen den Gemeinden und Stadtverwaltungen weitesten Spielraum in der Anwendung der Bestimmungen Die Bestrebungen der Chor­verbände gehen dahin, wenigstens enen geringen Satz von 5 bis 8 Prozent zu erreichen, wenn eine völlige Steuerfreiheit mit dem Gemeindesäckel nicht vereinbar sein sollte. Wenn es heute noch Verwaltungen gibt, die künstlerische Veranstaltungen, wie Stuhl­reihenkonzerte, mit einem Steuersatz von 40 Prozent belegen, so schneidet man damit jedem Vereine den Lebensfaden ab. Den Bemühungen des Deutschen Sängerbundes, der mit seinen 550 000 Mitgliedern als eine der bedeutendsten Organisationen dasteht, ist es in einer ganzen Reihe von Fällen gelungen, eine wesentliche Herabsetzung der Steuer zu erlangen. Das ändert aber an dem Gesamtbild der Angelegenheit nichts. Wenn auch, wie wir erfahren, noch vor kurzem in Braunschweig die maß­gebenden Behörden erklärt haben, daß nunmehralle Konzert­veranstaltungen. die ohne Absicht der Gewinnerzielung zum Zwecke der Kunstpflege stattfinden, steuerfrei seien , so bedeutet das nur einen kleinen Fortschritt auf dem Wege zur völligen Steuerfreiheit in ganz Deutschland. Der Deulsche Sängerbund hât noch vor einigen Monaten durch eine Eingabe an das Preußische Ministerium für KurH und Wissenschaft auf diese Wißstände hingewiesen und wird nicht ruhen, bis die Chorkon­zerte überall von der erdrückenden Steuerlast befreit find.

Aus Hessen uov RachbargebieieL

Das Wetter der Woche.

Das Wetter in der vergangenen Woche nahm die Entwicklung, die man erwartet hatte. Die ungleiche Luft- bru$LQrteUu mit den verschiedenen kräftigen Tiefdruck- wirbeln, die vom Ozean her sich mit großer Schnelligkeit ostwärts bewegten, brachte stark veränderliches Wetter. Wenn es auch einzelne schöne Tage gab, so war doch der Hauptcharakter der Witterung veränderlich. Di» Temperaturen lagen im allgemeinen bei den Normal­werten. Im Osten wurden morgens 5 bis 9, im Westen 8 bis 10 Grad gemessen. Die Niederschlagsmenge blieb zumeist gering; nur aus dem Westen wurden stärkere Negenfälle gemeldet. Im Riesengebirge fiel wieder Schnee, der am Sonntag bis zu einer Grenze von 1200 Metern liegenblieb. Am Donnerstag stieß von Noro- weften stärkerer Luftdruck vor. Da das über Finnland liegende Tiefdruckgebiet langsam nach dem Innern Ruß­lands abwandern dürfte, ist mit einem Aufklaren in den nächsten Tagen zu rechnen. Dabei ist ein ziemlich kräftiger Temperaturrückgang möglich; auch im Flach­lande sind Nachtfröste zu erwarten. Vor dem endgültigen Abzug des östlichen Tiefs muß allerdings noch mit ver­einzelten Schauern gerechnet werden.

' Nieder-Moes. (Fischerei.) In diesen Tagen fischte man den gießen Nieder-Mooser Teich aus. Während in frühe­ren Jahren die beiden Teiche in Ober-Moos und Nieder-Moos, die beide den Freiherrn Riedesel zu Eisenbach gehören, abwech­selnd aste zwei Jahre gefischt wurden, ist man neuerdings da­zu übergegangen, die Teiche in jedem Jahre auszufischen. Die Setzlinge, die im Frühjahr im Gewicht von ungefähr 1 Pfund eingesetzt werden, haben sich in dem einen Sommer zu dem recht ansehnlichen Gewicht von 2%3 Pfund entwickelt. Die Teich­wirtschaft hat sich auch sonst etwas geändert. Die 122 Morgen große Fläche des Nieder-Mooser Teiches bleibt jetzt über Winter trocken liegen, wird mit Kalk gedüngt, um eine Bewachsung des Bodens zu erreichen, der frühre eine unendliche Schlammasse bildete. Das Schauspiel des Fischfanges lockte in früheren Jah­ren viele Fremde an. Schulen kamen, Fischhändler aus den Großstädten erschienen, Hütten waren errichtet, und in dem al­tertümlichen Teichhaus vom Jahre 1677 gabs zum Frühstück ichon gebratene Karpfen. In großen Fässern wurden die Fische per Achse nach den nächstgelegenen Bahnstationen Steinau, (Sehern und Lauterbach gfeahrem Heute ist die Zeit raschlebiger geworden. Die Romantik ist dem mehr Geschäftlichen gewichen. Wohl kommen auch heute noch einige Fremde, sich den Fisch­tang anzusehen. Im Fischfang unterhalb des großen Teiches werden die Fische mit Schöpfnetzen gefanaen, in Körben zur Spülvorrichtung gebracht und von dort nach Arten sortiert in die entminen Behälter eingesetzt. In eigens zu diesem Zwecke konstruierten Waggons der Eisenbahn rollen sie dann der Groß­stadt entgegen. Der einjährige Ertrag des Nieder-Mooser Tëiches an Karpfen, Schleien, Hechten, Aalen wird auf unge­fähr 80 Zentner geschätzt.

* Vom Vogelsberg. Hütekinder städtischer Herkunft, die sich dèu Sommer über mit mehr oder weniger Geschick auf den Dör­fern nützlich gemacht haben, kehren jetzt in ihre Heimat zurück. Der Sommer ist vorüber. Die Kartoffel- und Rübenernte ist vielerorts schon beendet. Die Jungviehweiden sind geräumt. Noch ein paar Tage, dann wird auch das Viehhüten vorbei sein. Der Grund, weshalb die Bauern sich der Stadtkinder angenom­men haben, ist nicht mehr vorhanden. Da packen die Bürschlein ihr kleines BÜndelchen und reisen nach Hause. Nicht immer sind die Erwartungen des Bauersmannes erfüllt worden. Oft wa­ren die Kinder sehr wenig brauchbar. And auch die Lehrer at­men auf, daß sie nun die fremden Elemente los sind, die so ganz anders geartet dem Schulbetrieb schließlich etwas Frisches brachten, der Schulzucht aber auch viel Hindernisse bereiteten. Am idealsten ist es sicherlich, wenn das Dorf seinen Bedarf an kindlichen Arbeitskräften selber zu' decken vermag. Die frem­den Kinder bleiben immer ein Behelf. Wenn ein Bauer, was selten vorgekommen ist, Glück hatte mit einem Jungen, der sich anstellig und fleißig benommen hat, so ist noch lange nicht getagt, daß der Lehrer in der Schule ebenso zuffieden wqr. Der umgekehrte Fall, daß der Bauer klagte und der Lehrer lobte, war auch noch eine Seltenheit. Viel öfter noch mußten beide Parteien über ine Pommershelfer sich beschweren. Es ist ja

klar, daß die Stadt sich die tüchtigsten Kinder, wenn sie schon gegen Entgelt in ihren jungen Jahren schaffen müssen, stets zurückzuhalten wissen will. Ans bleibt, das merken wir Jahr für Jahr mehr, nur das übrig, was guten Grund hat, den Prü­fungen der Stadt in Bezug auf Leistungsfähigkeit von Kopf oder Hand den Rücken zu kehren. Ausnahmen bestätigen die Regel.

* Alsfeld. Am letzten Sonntag fand in Ziegenhain, der De­legiertentag, desSchwcklmtal-Sangerbundes" statt Der ver­hältnismäßig kleine Bund, zu dem früher auch der Männerge- sangoereinHarmonisches Kränzchen", Schlitz zählte, umfaßt heute außer den beiden oberhessischen VereinenLiederkranz", Alsfeld undErheiterung", Altenburg die preußischen Vereine Homberg a. d. E Neukirchen, Treysa und Ziegenhain und ist demMitteldeutschen Sängerbund" angeschlossen, der seinerseits wieder den Kreis X (Hessen-Kassel) desDeutschen-Sänger- Bundes" bildet, jener gewaltigen Organisation, die sich ähnlich der Deutschen Turnerschâft in 22 Gauen über das gesamte Reichs­gebiet erstreckt. Den Beschlüssen des eingangs erwähnten Dele­giertentages findet am 1. Juli n. Js. in Treysa ein Bundcsfest mit Wertungssingen statt, während der Bund im Jahr 1929 sich an dem 90jährigen Jubiläum des BundesvereinsLiederkranz", Alsfeld zu beteiligen gedenkt. Ein in der Versammlung an­wesender Vertreter des'Mittesdeutschen Sängerbundes" besprach eingehend die Ziele des Bundes und wies empfehlend auf das Bundesorgandie Deutsche-Sängerbundes-Zeitung" hin. Auch teilte er mit. daß der Bundesvorstand beabsichtigt, das nur alle 5 Jahre stattfindende große Eausängerfest, das nicht weniger als 10 000 Sänger zusammenfährt, (1930) in unserem Schwalmtale abzuhalten, für welchen Fall schließlich nur Asfeld mit Alten­burg oder Treysa in Betracht kämen. Eine solche Veranstaltung würde zu einer machtvollen Kundgebung für den Bundesge­danken werden und hervorragende Vereine in unseren Mauern zusammenführen, wie z. B. den Kasseler Lchrergesangverein, der mit großen Erfolge an der Nürnberger Sängerwoche teilgenom­men.' Ein am 26 November l. Js. in Ziegenhain stattfinden­der Delegiertentag desMitteldeutschen Sängerbundes" wird zur Klärung dieser letzten Frage bezw. des Festortes eine Ent­scheidung herbeiführen.

Eisenach, 20 Oktober. (Der Eattenmörder erschossen aufge­funden.) In Werdau ermordete der Arbeiter Weidner seine Ehefrau. Er war seit der Bluttat verschwunden. Während der Begräbnisstunde der Frau fand eine Polizeistreife in einem Walddickicht den Eattenmörder mit einem Kopfschuß tot vor.

Erfurt, 20. Oktober. (80 Jahre Zuchthaus.) Ein ganz abge­feimter Betrüger hatte sich vor dem hiesigen Schöffengericht in der Person des Schaustellers und Konzertagenten Stanislaus Weyreucher aus Eosyn bei Posen zu verantworten. Er war 71 mal vorbestraft und hatte eigentlich 80 Jahre Zuchthaus zu verbüßen, saß aber infolge der Amnestien nur 1213 Jahre ab. Von 19241925 war er auf Grund gefälschter Zeugnisse als Ear- derobenmeifter am Erfurter Stadttheater angestellt. In dieser Eigenschaft verübte er zahllose Schwindeleien, die ihm jetzt sechs Jahre Zuchthaus, 1000 R-ll Geldstrafe, zehn Jahre Ehrverlust und dauernde Stellung unter Polizeiaufsicht einbrachten.

Kassel, 20. Oktober (Der Revanchekampf Doret Fieseler.) Der französische Flieger Doret, der bekanntlich den deutschen Rückenflieger Fieseler zu einem Revanchekampf im Kunstflug herausgefordert hat. der am 23. Oktober auf dem Berliner Flughafen Tempelhof ausgetragen werden wird, ist gestern mit­tag auf dem Luftwege auf dem Kasseler Flugplatz eingetroffen, wo sich eine große Menschenmenge eingebunden hatte. Doret zeigte vor seiner Landung verschiedene Fliegerkunststücke. Nach erfolgter glatter Landung begrüßten sich die beiden Gegner in dem bevorstehenden Luftkampf. Ein Vertreter des Polrzeiprä- stdenten hieß den französischen Flieger auf deutschem Boden will­kommen. Die beiden Flieger haben bereits gestern nachmittag mit dem Training begonnen.

* Gelnhausen, 17. Oktober. Vergangenen Dienstag fand da­hier in Gegenwart des neuen Herrn Präsidenten des Landes­kirchenamtes Kassel Dr. Bähr und des zuständigen Herrn Gene­ralsuperintendenten Landespfarrer D- Fuchs der diesjährige Kreiskirchentag statt. Pfarrer Ramge-Bieber, vorher zu Jlbes- bausen.bielt den Hauptvortrag über den Stand der liturgischen Forschung und der liturgischen Bewegung. Vortragender zeigte, wie das neutestamentliche Christentum zwei gottesdienstliche Versammlungen kannte, eine missionarische und als eigentlichen Gottesdienst die Sakramentsfeier. An Stelle der ersteren Ver­sammlung trat dann das sogenannte Stundengebet. Die Predigt ist wesentlich arbeitsmäßige Erledigung schwebender Fragen. Dies Verhältnis ändert sich einmal im ausgehenden Mittelalter, als eine Predigerbewegung aufbricht, als deren Folge in äußer­licher Hinsicht die Reformation gedeutet werden kann. Sodann bei Luther, für den das Wort sakramentalen Sinn erlangt, und es Aufgabe der Predigt wird, die Abendmahlsworte zu deuten. Längst seiner Zeit voraus, hatte Luther in der Bekenntnisschrift des großen Katechismus den täglichen Sakramentsempfang ge­fordert. Schon in feiner deutschen Messe von 1526 hatte er trotz einer stark unterrichtlichen Haltung den Gottesdienst als Selbst­zweck beschrieben. Der Protestantismus hat zu erkennen, daß die Predigt nicht das Hauptstück im Gottesdienst ist, sondern daß die Stiftung Christi, das Sakrament und das Gebet nicht weiter­hin zu kurz kommen darf, daß der evangelische Gottesdienst in der Liturgie von der Gemeinde zu tragen ist. Die altkirchliche Liturgie, von den Jahrhunderten erschaffen, die dazu den gött­lichen Auftrag hatten, ist die Sprache der Kirche, ihr Stil, die notwendige Aeußerung ihres Geistes, sie zeigt denselben Geistesge- halt, wie auch die heilige Schrift, nach der alles im evangelischen Lager beurteilt sein will. Formverachtuna ist Schwäche und Armut, weil zugleich die Beziehung zum Geist verkannt wird. Luther wußte, was Kirche ist, nämlich die Anstalt für den Einzelnen und zeitlich schon vor ihm (3. Artikel); eine Kirche bedarf des täglichen Got­tesdienstes. Der Altar als bloßer Aufliegetisch für Bücher ist zum Problem geworden, es wird benötigt eine vollkommene Um­gruppierung von Kanzel und Altar. Der Protestantismus hat den Menschendienst (Innere und Aeußere Mission) über den Gottesdienst gesetzt. Wie in der Theologie ein völliges Am- denken eingetreten ist, so wird auch ein solches dringliches Bedürf­nis auf dem praktisch-kirchlichen Gebiet.

Hanau, 20. Oktober. (In einem Jahre dreimal versteigert.) Die Kunstmühle von Dietz bei Holzkirchen wurde in diesem Jahre zum dritten Male versteigert. Nachdem bei den ersten Ausgeboten kein einziges annehmbares Angebot eingegangen war, ging die Mühle nun endlich für 18 000 Rttk in den Besitz einer Kreissparkasse über.

Frankfurt a M., 20. Oktober. (Ein Beruf, der nicht überfüllt ist.) Prof. Dr. Brendel, der wegen Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze sein Amt als Lehrer der Astronomie an der hie­sigen Universität niederlegen mußte, hat auf Anordnung des Mi­nisters die Lehrtätigkeit wieder aufnehmen müssen, da sich kein Nachfolger für ihn bisher fand. Brendel behält auch die Lei­tung der Sternwarte bei.

Oberlahnstein. 20. Oktober. (Vom Scheinwerfer geblendet.) In der Braubacher Straße stürzte ein Auto in den Straßen­graben. Die Insassen wurden erheblich verletzt. Das Unglück ist durch ein entgegenkommendes Auto, das nicht abgeblendet hatte, verursacht worden. Dem Autogelang es, in der Dunkel­heit zu entkommen.

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O Ein Hirsch überrennt einen Radfahrer. Ein selt­samer Unglücksfall ereignete sich in der Nähe von Berlin auf der Havelchaussee. Drei Radfahrer bemerkten auf der Chaussee einen großen Hirsch. Das Tier wurde wahr­scheinlich durch die Laternen der Radfahrer geblendet und sprang in riesigen Sätzen auf die Radler zu. Dabei wurde der erste von dem Hirsch zu Fall gebracht. Der gestürzte Radfahrer hatte durch das Geweih des Tieres eine stark blutende Stoßverletzung davongetragen. Der Hirsch rannte blitzschnell davon.

O Der Dieb in Gespensterverkleidung. Auf einen Trick verfiel ein Dieb, dèr aus den Friedhöfen in Köln Metall- teile von den Gräbern stahl. Allnächtlich zeigte sich an der Mauer des Nordfriedhofs ein »Gespenst", dessen Kenn­

zeichen ein weißes Hemd und eine Zipfelmütze waren. Der Dieb, dessen Verhaftung jetzt gelang, ist ein arbeitsloser Schmied, der mit der Vermummung den Zweck verfolgt Leute aus der Nachbarschaft so zu erschrecken, daß sie Einbruch der Dunkelheit dem Friedhof fernblieben.

O Schweres Automobilunglück bei Weilburg. Bei einem Zusammenstoß des Autos des Kaufmanns Ebener aus Rennerod mit einem Motorrad des Kaufmanns Söhngen aus Weilmünster in einer gefährlichen Kurve erlitt Söhligen einen Beinbruch und einen tödlichen Schädelbruch. Der Mitfahrer kam mit leichteren Ver­letzungen davon. Die Schuld an dem Zusammenstoß soll den Autoführer treffen, der in Haft genommen wurde.

O Frauen, die ein Warenlager stehlen. Daß Frauen als Diebinnen manchmal ebenso erfolgreich sind wie Männer bewies ein Fall in Oberschlesien. Die Kriminalpolizei in Kattowitz verhaftete zwei Einbrecherinnen, die schon seit langer Zeit in Oberschlesien Diebstähle verübt hatten. In der Wohnung der beiden Frauen fand man ein ganzes Warenlager, zu dessen Abtransport ein großer Lastwagen verwendet werden mußte.

O überfall auf einen Gemeindeschöffen. Nach der Schöffenwahl in E m a n u e l f egen wurde der einzige gewählte deutsche Gemeindeschöffe Burzan von einem polnischen Schöffen in einem Lokal hinterrücks überfallen und durch mehrere Messerstiche so schwer verletzt, daß seine Aufnahme ins Krankenhaus erfolgen mußte. Von demselben gewalttätigen Schöffen, der ein Mitglied des Aufständischenverbandes ist, wurden wiederholt deutsche Gemeindevcrtreter mit dem Revolver bedroht.

O Beilegung eines Skandals durch Küsse. In einem Mailänder Theater regte sich ein Teil des Publikums über die Tänze einiger Negerinnen auf, weil sie in ihren Ver­renkungen etwas zu weit zu gehen schienen. Es entstand ein großer Lärm und die Vorführung hätte unterbrochen werden müssen, wenn nicht die schwarze Diva kurz, ent­schlossen ins Parkett gesprungen wäre und an die auf­geregten Zuschauer Küsse verteilt hätte. Daraufhin be­ruhigten sich mit einem Schlag die Wogen und die Neger­girls hatten die Lacher auf ihrer Seite.

O Petroleumüberschwemmung im Mossulgebiet. Die Petröleumquelle, die vor einigen Tagen südlich von Kirkuk entdeckt wurde, ist im unaufhörlichen Fluß begriffen. Das Petroleum hat die Vertiefungen in der Nähe der Brunnen­anlagen ausgefüllt und 50 000 Tonnen sind bisher in das benachbarte Gelände geflossen. Zwei Amerikaner starben infolge einer Vergiftung durch Petroleumgase, ebenso ein arabischer Diener.

O Die Seeräuberei in China. Der DampferJren^ von der China Merchants Steam Navigation Company, der von Schanghai nach Amoy unterwegs war, wurde von Piraten überwältigt und nach der Biasbucht geführt. Ein britisches Kriegsschiff befreite darauf die Mannschaft derIrene" und nahm zwölf Piraten gefangen, die nach Hongkong gebracht wurden. Der Dampfer liegt noch immer in der Biasbucht unter dem Schutz des Kriegs­schiffes. Die Häuser der Piraten wurden eingeäschert.

Bunte Tageschrontk

Magdeburg. Der nach Verübung des Raubüberfalls in dem Berliner BierlokalZum Klausner" flüchtige Peter Schläger ist in dem Schönebecker Krankenhaus ermittelt worden.

Bernburg. Der Gutsarbeiter Krumbach erschoß seine Frau und seine siebzehnjährige Stieftochter, die er seit längerer Zeit mit unsittlichen Anträgen verfolgt hatte. Der Mörder beging dann Selb st mord.

Vermischtes.

Am Bubikopf zugrunde gegangen.Ich, Ama Esillag, mit meinem 182 Zentimeter langen Riesen- Loreley-Haar ..." wer von der älteren und nicht einmal so ganz älteren Generation hätte nicht in der Zeit vor dem Kriege immer wieder ein Inserat, das mit diesen schwungvollen Worten begann, in deutschen Zeitungen gelesen, und wer hätte nicht voll Bewunderung einen oder mehrere Blicke geworfen auf die neben dem Inserat n^ gebildete Jungfrau, deren Haar wie ein dichter Manm bis zu den Fersenwallte"! Diese Jungfrau war Anna Csillag in eigener Person, Ungarin von Geburt und He^ stellerin kosmetischer Verschönerungsmittel, vor allem märchenhafter Haarpomade, von Beruf. Mit heiligen Eiden versicherte sie in ihren Inseraten, daß sie da- 182 Zentimeter lange Loreley-Haar ausschließlich dem Gebrauch ihrer Haarpomaden zu verdanken habe, und regte ihre Geschlechtsgenossinnen mit freundlicher Über­redung zum Kaufen an. Und die Damen kauften, kauften und kauften immer wieder. Ob dann aller Damen Haare meterlang gewachsen sind, können wir nicht sagen, woyi aber wissen wir, daß Anna Csillags Geschäft wuchs. Um es wuchs sich zu einer G. m. b. H. aus und blühte uiw gedieh. Dann aber kam der Krieg: die Damenwelt ha"e anderes zu besorgen als Haarwüchspomaden, und Anna Csillag . . ." mit dem 182 Zentimeter lange Loreley-Haar erschien immer seltener in den Zeüu"^' inseraten. Und dann kam noch eine weit größere strophe: der gewaltige Schnitt, bei dem viele Dame' köpfe Haare ließen, um sich in Bubiköpfe zu verwandt Es ist keine Zeit mehr für Loreley-Haar, und es kam, w es.kommen mußte: Anna Csillags G. m. b. H. siechte a Bubikopfschmerz langsam dahin und dieser Tage tu - wie sich aus einer Bekanntmachung des Amtsgenaf Berlin-Mitte ergibt, sanft und still den Weg des kurses gegangen.

Der narkotisierte Pavian. Von Wien ist vor mehreren Jahren die Verjüngungsbewegung ausgegangen: Wiener Professor Dr. Steinach war der erste, der sich heischig machte, alte Menschen auf künstliche Weise M>e jung zu machen. Um Steinach ist es dann still geworo_' aber es trat ein anderer Verjünger an seine Stelle, in Paris lebende Russe Dr. Woronow. Woronow o nutzt, wie schon wiederholt berichtet worden ist, zur jüngung seiner Zeitgenossen gewisse Affendrüsen, ave gibt augenblicklich noch nicht so viel Affen wie ve gungsbedürftigeMenschen auf derWelt; darum now immer wieder lebhaft für die Einrichtung er- Affenzüchtereien ein. In Wien stand man seine«, *

suchen bisher etwas skeptisch gegenüber, aber -jetzt er auch dort durchgedrungen zu sein, denn es sino^o i . erst in diesen Tagen die ersten Verjüngungen waren es nach seiner Methode vorgenommen Ob sie gelungen sind, wird sich erst später zeigen, ^^ser weilen muß von dem Pavian geredet merden. Pavian, der die Verjüngungsdrüsen zu liesern ^ wurde in einem Käfig in den Operationssaal gem« ^n von einem Tierarzt narkotisiert und operleri. ^^ pumpte durch eine Röhrenleitung eine aus Auoy t ^d und Chloroform bestehende Mischung in den > Mett beobachtete durch ein Glasfenster, wie sie aus völlig wirkte. Zehn Minuten etwa dauerte es, bis ^ ^ch betäubt war, und ebensolange währte es, m ^ 6C< der Operation seine Besinnung hHebererlangi . sicher findet sich den Umständen nach wohl und W1 J^f^eti freuen, zur Auffrischung der verkümmerten fein Teil beigetragen zu haben, -