julöaer MMiger
Ma / Slotta
Fulda, 13. Oktober
1927
Nah und Ferm.
Q15 Kinder bei einer Explosion verletzt. Bei der Rei-
■ . eines Kanals in Stuttgart kamen Revolver, Mu- I Ml und Handgranatensprengkapseln zum Vorschein, die I utlich in der Revolutionszeit dort hineingeworfen Irrten waren. Während der Pause in einer benachbar- Schule beschäftigten sich Schüler mit den dort gefun- Iwn Handgranatensprengkapseln. Eine explodierte, wo- 15 Kinder leichtere Verletzung erlitten.
■ q Eine Teertonne auf den Schienen. Auf der Eisen- Kilmstrecke Altenburg—Gößnitz, kurz hinter dem Bahnhof Mbudorf, fuhr ein aus Altenburg kommender Eilgüter- auf ein Hindernis auf. Die Feststellungen ergaben, fine etwa 3% Zentner schwere eiserne Teertonne auf IE Weis gelegen hatte, die von der Lokomotive 200 Meter »weit mitgeschleift und zertrümmert wurde. Die Lokomotive milde beschädigt und von fünf nachfolgenden Waggons müden die Bremsvorrichtungen abgerissen. Ob ein ! Wentat auf den dem Eilgüterzug folgenden Personenzug I Mant war, konnte noch nicht ermittelt werden. Auf die ; strareifung der Täter hat die Staatsanwaltschaft eine Be-- : lohnurig von 300 Mark ausgesetzt.
s 0 Mordtat eines Wilddiebes. Ms der als Wilddieb be- inichtigte 43jährige Gelegenheitsarbeiter Zipf aus Jena nach Hause ging, traf er zwei befreundete junge Arbeiter, die in angeheiterter Stimmung Bemerkungen über den schweren Rucksack des Zipf machten. Der Wilddieb, der tatsächlich erwilderte Beute im Rucksack hatte, zog darauf ein Wesser und erstach den einen, den Bauarbeiter Zchorn. Der Verbrecher wurde festgenommen.
0 Tragisches Jagdunglück. Der Sohn des Gutsbesitzers Meyer-Libnitz auf Rügen verunglückte auf der Jagd tödlich. Man fand ihn in einer Koppel tot auf. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat sich das Gewehr des Verunglückten bei seinem Verfuch, den doppelten Stacheldrahtzaun der Koppel zu durchkriechen, entladen. Die volle Ladung ist ihm in den Körper gedrungen und hat den Tod auf der Stelle herbeigeführt.
, 0 Drahtseilattentat auf ein Auto. Bei Wunstorf in Hannover verunglückte ein Kraftwagen durch ein Drahtseil, das über die Straße gespannt worden war. Der Wagen fuhr mit großer Geschwindigkeit gegen das Hindernis und verlor dabei den Oberteil der Limousine, der glatt abgeschnitten wurde. Der Mann am Steuer erlitt durch Glassplittcr Verletzungen im Gesicht und einer der Insassen wurde durch die zerbrochene Rückwand des Wagens auf die Straße geschleudert. Das Auto landete schließlich an einem C h a u s s e e b a u m.
0 Erschießung eines flüchtigen Häftlings. In Kiel- Gaarden wurde der Seemann Karl W. unter dem Verlacht des schweren Diebstahls verhaftet. Beim 'Verlassen m Straßenbahn versuchte er dem ihn begleitenden Be- mien zu entfliehen. Der Beamte gab bei der Verfolgung Mi Schreckschüsse ab, von denen einer den Flüchtling traf und tötete.
0 Postbestellung nach elf Jahren. Eine Feldpostkarte aus dem Jahre 1916 gelangte jetzt endlich nach elf Jahren an die richtige Adresse. Die Witwe Vollrath aus Groß- èrner erhielt diesen Gruß ihres Sohnes, der am 1. Oktober 1818 in Bojanow (Kreis Rawitsch) zur Post gegeben war.
0 Schweres Automobilunglück. In Rodaun (Österreich) ereignete sich ein schweres Autounglück, bèi dem zwei Personen getötet und drei schwer verletzt wurden. Das Unglück ist dadurch entstanden, daß das Auto infolge eines Pneumatikdefekts ins Schleudern kam, Segen einen Baum fuhr und sich überschlug.
0 Typhusfälle in Ostoberschlesien. In Emmagrube, Kreis Rybnik, sind in 4 0 Fällen Typhuserkran- gen festgestellt worden. Seitens des Kreisarztes sind alle Maßnahmen getroffen, um ein Uberhandnehmen der Pviyemie zu verhindern.
MA. eint ich dann bitten darf, meine fersens an die Gewehre!"
Hubertus Wildgraf zur Egede, Erb-, Lehn- , und Gerichtsherr auf der Standesherrschaft Mna mit Langenau, Karsdorf unb Döberitz, reckte feine Mchtige, breitschultrige Gestalt höher in den Hüften und ?" kurzer, scharfer Blick blitzte aus den stahlgrauen, unter °uich!gen Brauen liegenden Augen hinüber nach den Trei- . rn, zwei Dutzend verwetterten, derben Gestalten, neben dnen die vier Revierförster Voigt, Mertens, Jendriczek und ^kaha standen.
Ter Drehnaer Jagdleiter, Oberförster Stephan, hielt die ^ZU den Händen und gab die Instruktionen aus:
'âr leiben also die Steingabeldickung von der Grenze ^H Sagen 14, die Koppel wird erst dann gelöst, wenn mn^leb angeblasen ist, und keinen unnötigen Lärm die c1K ®5 genügt, wenn ab und zu ein Zweig geknickt wird, ^auen sind bei dem Frost ohnehin rege."
$’'-üer letzte Trieb?" fragte Graf Heinrich Plaun auf 3imJ?"^ Zündete sich umständlich eine schwere, schwarze "Porte an.
^0^-" . Hubertus griff nach seiner Doppelbüchse, an hPt. & nur schaffens in einer Stunde, die Schlitten warten andere» ^rzogswalder Landstraße." Dann trat er zu den V Gen/,. , kren, die neben der Strecke standen.
^Zähste. Kavallerie a. D. Exzellenz von Dietfurth er« beiden "iertenmale die Geschichte der Doublette aus die Heneni-^berläufer, Landrat von der Osten-Sacken aus AiNtsrn?Ä^o krat frierend von einem Bein aufs andere. Domün° ^gendauk, der seit einem Vierteljahrhundert die Kleist n,,: Ittersbach bewirtschaftete, war mit Herrn von I Sörnewitz in ein Gespräch vertieft über die Kali
Börse md Hemöel.
Frankfurter Börsenbericht vom 12. Oktober. An der heutigen Börse war die Haltung allgemein schwächer. Der jetzt schon lange bestehende Zustand, daß das private Publikum sich vom Börsengeschäft vollständig fernhält, verhinderte auch heute eine nennenswerte Ilmsatztätigleit unb drückte aus die Stimmung. Bei der deshalb geringen Widerstandsfähigkeit der Börse ge- ttügten einige Leerabgaben der Baissespekulation, erneute Kursrückgänge herbeizuführen. Wenig beachtet wurde, daß bereits morgen sowohl die Preußen- als auch Commerzbankanleihe in Newyork aufgelegt werden. Dagegen betrachtet man wieder mit Besorgnis die Entwickelung am Geldmarkt, der heute allerdings eine kleine Entspannung aufwies. Auch beunruhigten die Lohnbewegungen in verschiedenen Industriezweigen. Gegen die gestrige Äbendbörse verzeichnete die Mehrzahl der Papiere Kursrückgänge von 1 bis 2,5 Prozent, die sich ziemlich gleichmäßig auf alle Marktgebiete verteilten. Stärker angeboten am Elektromarkte Gesfürel mit minus 4,5 Prozent und Licht u. Kraft mit minus 4 Prozent. J. E. Farben eröffneten 2 Proz. niedriger. Behaupten konnten sich Stahlverein und RUtgers- werke. Für einige Lokalpapiere zeigte sich etwas Interesse. Lahmeyer konnten 1 Prozent gewinnen, auch Tellus wieder 1 Prozent höher (123 Prozent), während Metallgesellschaft und Wayß u. Freytag gut behauptet blieben. Voigt u. Häffner hatten dagegen kaum Geschäft bei etwas behauptetem Kurs. Der Rentenmarkt hatte auch heute nur belangloses Geschäft. Im weiteren Verlause erlahmte das Geschäft fast vollkommen. Die Kurse bröckelten weiter etwas ab, nachdem vorübergehend eine kleine Erholung eingetreten war. Zum Schluß und an der Nachbörse konnte, sich auf Deckungen die Stimmung merklich bessern. Namentlich I. G. Farben und Gcssürel 2 Prozent erholt. Voigt u. Häffner dagegen 5 Prozent schwächer. Tägliches Geld war bei 6,5 Prozent etwas leichter. Am Devisenmarkt konnte das Pfund seinen hohen Kurs gegen den Dollar behaupten. London-Newyork 4.87, Mark gegen Dollar 4.19.125, gegen Pfunde 20.42, London-Paris 124.02, Madrid 89.15, Madrid 27.92.
Wildgral Miiiicriiis
Der Zauber des deutschen Waldes webt in unserem neuen Roman. (feinsinnige, gütige Menschen sind die handelnden Personell. Wir freuen uns, unseren Lesern mit dem neuen spannenden Werk
H. A. v. Vyerns „Wildgraf Hubertus" einen Roman von höchster Dualität zu bieten. Wir beginnen heute mit dem Abdruck dieses fcin- sinnigenLiebes-ulck Zagdromans
Franksurter Abendbörscnbericht vom 12. Oktober. An der Abendbörse blieb die allgemeine Hal tun wieder außerordentlich ruhig. Bei der herrschenden Geschäftslosigkeit hielten sich die Kursvcränderungeii in engen Grenzen. Die im heutigen Schlußverkehr stärker erholten Werte, wie Gesfürel und I. E. Farben, konnten sich nicht behaupten. Schiffahrtswertc dagegen weiter leicht anziehend. Renten blieben umsatzlos. Ablösung weiter etwas abbröckelnd. Ablösung 15.5, Adac 142.25, Barmer Bank 143.25, Commerzbank 172, Danatbank 225, Deutsche Bank 161.5, Diskonto 153, Dresdner Bank 160, Mctallbaiik 137.5, Buderus 105.5, Seifens inaner 147, Harpcncr 199, Aschersleben 168.5, Westeregeln 179.5, Mannesmann 163, Rheinische Braunkohlen 241, Rheinstahl 195, Stahlverein 124.25, Adler werke 102, AEG. 181.5, Bergmann 207, Daimler 116.25, Scheideanstalt 209.5, Licht u. Kraft 216.5, Z. E. Farben 293.75, Felten 133, Gesfürel 310, Goldschmidt 124.25, Holzmann 190.5, Lahmeyer 180, Metall 180, Waldhof 309.25, Hapag 149.5, Lloyd 151.
stickstoffdüngung, und Herr Hans von Reppin auf Reppin ließ sich von dem Diener, der die Schüsseln und Flaschen und Teller in strohgepolsterte Körbe packte, noch ein Glas Rotspon geben.
Graf zur Egede zog sein Taschenbuch.
„Darf ich um Angabe der Strecken bitten, Exzellenz?"
„Zwei Ueberläufer."
„Und ich einen zweijährigen Keiler," meldete Graf Plaun, dessen weißer, wehender Schnurrbart seltsam von dem Bor-, deauxrot des Gesichtes abstach.
„Herr Landrat von der Osten?"
„Ein Alttier!"
„Ich dito!" schmunzelte der Amtsrat..
Herr von Kleist klemmte das Einglas fest:""„Ein zwei-; jähriger Keiler!"
! „Und du, Hans?"
„Einen Ueberläufer!"
Nun kam auch der Oberförster heraus
„Voigt und Mertens haben je ein Schmaltker, ich ein Alttier zur Strecke gebracht."
„Sehr schön, und ich zwei Füchse. — Hat einer der Herren ein Stück angeschweißt? Nein? Also, — wenn ich dann bitten darf mir zu folgen? Und geschossen wird nur auf Kahlwild, Sauen und Raubwild, es sei denn, daß der lauflahme Vierzehnender kommt."
Herr von Reppin lachte.
„Mein Vierzehnender?" Und zu Exzellenz von Dietfurth gewendet, sagte er erklärend: „Ich habe nämlich im September einen ganz Kapitalen angebleit, — leider, der Hirsch würde im nächsten Jahre dock zurücksetzen."
Frankfurter Produktenmarkt vom 12. Oktober. Die Börse Deines sehr ruhig. Roggen hielt seinen Preis, dagegen wurde der Weizenpreis um 0,25 Mark ermäßigt. Mehl wurde wenig gefragt. Das Futtermittelgeschäft verlief ruhig. Weizen 1. 26.25; 2. 25.25: 3. 22—24; Roggen 24.75—25, Sommergerste 26 bis 28, Hafer (inl.) 22—24, Hafer (ausl.) 24.50—25, Mais 19— 19.25, Weizenmehl 38.50—39, Roggenmehl 34.25—35, Weizen- tlcie 12.50—12.75, Roggenkleie 13.50.
Amtliche Berliner Notierungen vom 12. Oktober.
* Börsenbericht. Tendenz: Leicht abgeschwächt. Die andauernden Lohnkämpfe und die Insolvenz einer Brüsseler Bankfirma, an die auch deutsche Firmen Forderungen haben sollen, drückten aus das Kursniveau. Montanwerte gingen 2 bis 3 Prozent zurück, Elektrowerte aber weniger, Farben nur auf 293% (Vortag 294) Prozent. Am Geldmarkt war tägliches Geld wit 6 bis 8 Prozent reichlich erhältlich.
* Devisenbörse. Dollar 4,19—4,20; cngl. Pfund 20,39—20,43; holl. Gulden 168,88—168,92; Tanz. 81,30 bis 81,46; franz. Frank 16,44—16,48; schweiz. 80,76 bis 80,92; Belg. 58,33—58,45; Italien 22,88—22,92; s ch w c d. Krone 112,88—113; dän 112,27—112,49; norweg. 110,41 bis 110,68; tschech. 12,41—12,43; öfter r. Schilling 59,12 bis 59,23; p o l n. Zloty (nicht amtlich) 46,95—47,15.
* Produktenbörse. Die Unternehmungslust wurde durch die schwächere Haltung der Auslandsmärkte weiter zurückgehalten. Weizen ist vom Jnlande, besonders in geringeren Sorten, stark angeboten. Auch bessere Ware liegt schwach, und das war mit Anlaß, daß sich die hiesigen Notierungen im Zeitgeschäft nicht voll behaupten konnten. Immerhin ging die Weizenschwäche zum großen Teil auch vom Roggen aus, welcher angesichts der ansehnlichen, nach dem Jnlande abgeladenen Partien von Westernroggen hier im Zeitgeschäft mehr angcbotcn wurde, als unterzubringen war. Weitere amerikanische Offerten waren übrigens ebenfalls wieder nachgiebiger; von neuer Kauflust war aber wenig zu hören. Das Mehlgeschäft geht allgemein wieder recht schleppend und macht die Mühlen für neue Käufe in Weizen und Roggen vorsichtig. Gerste in guten Qualitäten findet weiter Unterkommen, geringes Material schwer verkäuflich. Hafer ist in feinen Sorten vom Konsum gefragt, sonst still. Mais wenig verändert.
Getreide und Olsaaren per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Kilogramm in Reichsmark.
12.10.
11. 10.
12.10.
11. 10.
Weiz„ mârk.
248-251
253-257
Wcizkl.s.Brl.
14,0-14.2
14.0-14 2
pommersch.
—
—
Rogkl. s.Brl.
14,0
14,0-14,2
Rogg., märt.
235-238
236-239
Raps
305-315
305-315
pommersch.
—
—
Leinsaat
—
—
westpreuß.
—
—
Vikl.-Erbsen
52-57
52-58 i
Braugerste
218-265
220-267
kl.Speifcerb.
32-35
32-35 i
Fultergerste
—
—
Futlcrerbsen
22-24
22-24
Hajer, mark.
198-212
198-212
Peluschken
21-22
21,0-22,0
pommersch.
Ackerbohnen
22-24
22-24
westpreuß.
—•
—
Wicken
22,0-24,0
22,0-24.0
Weizenmehl
Lup in., blaue
14,5-15,5
14,5-15,5
D.100 kg fr.
2upin„ gelbe
—
—
Bln.br.inkl.
Serabella
—
—
Sack (feinst.
Rapskuchen
15,8-16,1
16,0-16,2
Mrk.ü.Not.
32,0-35.2
32,2-35,5
Leinkuchen
22,3-22.6
22,5-22,7
Roggenmehl
Treckeuschtzl.
10,4-11,0
10,4-11,0
> 100 kg fr.
Svya-Sckroi
19.7-20.3
19.7-20.3
Berlin br.
Torsinl.30/70
—
—
tnkl. Sack
31,7-33.5
31,8-33,6
Karroffelflck.
25.0-25,4
25,0-25,5
♦ Schlachtviehmarkt. Marktverlauf: Bei Rindern, Kälbern und Schafen ruhig, bei Schweinen langsam. Der Markt mußte geräumt werden. Preise: Ochsen: a) vollfleischige ausgcmästctc höchsten Schlachtwerts, jüngere 57—60, b) sonstige vollfleischige. jüngere 52—55, c) fleischige 48—50, d) gering genährte 35—45. Bullen: a) 58—60, b) 55—56, c) 50—52, d) 45—48. Kühe: a) 43 bis 49, b) 35—42, c) 28—33, d) 20—23. Färsen: a) 56—57, b) 52 bis 53, c) 45—47. Fresser: 40—48. Kälber: a) —, b) 88—96, c) 72—86, d) 53—68. Schafe: a) 54—57, b) 60—64, c) 48—56, d) 36—45, e) 25—35. Schweine: a) 70—72, b) 68—71, c) 66—69. d) 62—66, e) 55—60. Sauen: 58—61.
* Magervichmarkt. (Amtlicher Bericht vom Magcr- Viehhof in Friedrichsfelde.) Schweine- und Ferkelmarkt. Auftrieb: Schweine 265, Ferkel 912 Stück. Verlauf: Ruhiges Geschäft. Preise weichend. Es wurden gezahlt im Großhandel für Läuferschweine 6—8 Monate alt 45—58, do. 4—6 Monate alt 30—45, Pölke 3—4 Monate alt 20—30. Ferkel 8—12 Wochen alt 11—18, do. 6—8 Wochen alt 7—11 Mark pro Stück.
Heiteres
Verrat. Die kleine Grete hat mit Papa eine Eisenbahnfahrt gemacht, auf der sich Papa anscheinend sehr gut unterhalten hat, denn, zu Hause angelangt, sagte Grete aufgeregt: „Mutti, es war unterwegs so schön ^ bin ich denn nun wirklich Papas kleine Nichte? Da war so eine junge, hübsche Dame im Coupè, der hat er es gesagt."
Häusliche Freundlichkeiten. „Mehrere Männer haben um mich angehalten, ehe ich dich heiratete." — „Warum heiratetest du denn nicht den ersten Esel, der dir in den Weg kam?" — „Das habe ich ja getan."
Das fürchterliche Karlchen. Karlchen war eingeladcn. „Na Karlchen, hat es dir denn geschmeckt?" fragte Tante Pauline. — „Ach ja . . . manchmal ist es bei uns auch nicht besser, aber mehr gibt es immer." (Univ.)
Die Treiber hatten die offenen Holzfeuer gelöscht und gingen nun die lange B-Schneise hinunter, leise jaulten die stämmigen, rauhhaarigen Dachsbracken und nur der Packer, ein riesiger Rüde, Kreuzung zwischen Dogge und englischem i Bloodhund, schritt bedächtig neben Mertens her.
Graf Plaun bot dem Landrat eine seiner Zigarren atu. „Versuchen Sie die mal, langt für ’nen ganzen Trieb."
„Danke sehr, Erlaucht, übrigens, ich bin nämlich zum; erstenmal als Jagdgast in Drehna, woher kommt eigentlich^ der Titel Wildgraf? Ich dachte erst, es sei ein Spitzname —
„Nee, sehen Sie, das is noch so'n altes Ueberbleibsel von i anno Toback. Wildgrafen, Platzgrafen, Raubgrafen warenursprünglich Vasallen der reichsfreien Fürsten im Gegensatz^ zu den Landgrafen, Markgrafen und Burggrafen, die reichst unmittelbar blieben. — Aber hier paßt der Name wirklich, ( denn ein gepflegteres Freiwildbahnrevier finden Sie inl Deutschland schwerlich, achtzigtausend preußische Morgen,-' davon dreiviertel Wald--" er brach ab, denn Hubertus war herangetreten und lüstete den etwas ^ausgebleichten,? graugrünen Filzhut mit dem Kranz von Schnepfenfederm! und dem bereiften Gamsbart.
„Wenn ich bitten darf, Onkel? Weidmannsheil!"
„Weidmannsdank, lieber Junge!" Graf Plaun winktel dem Landrat zu: „Stuf nachher!"
Durch dis Kronen der Kiefern fielen schräg die Strahlew! der tiefstehenden Sonne, warfen schwere, schwarze Schlag-! schatten auf den Schnee und ließen die rauhen, rissigen: Stämme gleich poliertem Kupfer aufleuchten. Droben int Gezweig nestelten, mit den Köpfen nach unten, ein paar Kreuzschnabel, krätschend strich im. Bogenflug ein Eichel-, höher über die Schneise, daß man die blaugebänbertcn' Schwingenfedern erkennen konnte.
Exzellenz von Dietfurth stakelte steifbeinig neben dem Jagdherrn her: „Sagen Sie mal, es ist ja indiskret, aber? so'ne Jagd muß doch 'ne unheimliche Stange Geld tosten?"
Graf zur Egede lächelte.
„Ganz billig hat man das Vergnügen freilich nicht, bafuri lebe ich auch sonst ziemlich bescheiden, halte mir kernens Rennstall» kein Auto —"
„Na, es gibt schließlich noch andere Passionen — in Ihrem Jahren —" ।
„Nicht, daß ich wüßte? Mir genügen Wild und Wald); vollkommen, — wollen Exzellenz bitte gleich hier stehen -. bleiben und nur nach links schießen!"
„Danke sehr!" — etwas verdutzt sah der alte Herr Huber-, tus nach. Doch da t^at auch schon der dicke, joviale Amts») rat heran. (Fortsetzung folgt.)