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Luloaer Anzeiger

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Tageblatt Mr Rhön unö Vogelsberg-'

Zulöa- unö Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

Reöaktion unö Geschäftsstelle: Mühtenstraße 1 Fernsprech-Mschluß Nr. 959 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe .Zulöaer Anzeiger"gestattet.

yir. 1991927 Fulda, Freitag, 26. August

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4. Jahrgang

Meine Zeitung für eilige Leser.

1 4 q;ci der Eröffnung der Tagung der Interparlamentarischen ^iicdcttsunion in Paris hielten Poincarë und Löbe Reden int ginne der Völkerversöhnung,

* $ci Kundgebungen für Sacco und Vanzetti wurde in Hamburg ein Polizeiwachtmeister so schwer mißhandelt und Uilctzt, daß er sofort starb.

* 3n England ereignete sich in der Grafschaft Kent ein Eisenbahnunglück, das über 15 Todesopfer forderte.

* Bei Nachtmanövern der japanischen Flotte sind zwei »er mit zwei Torpedobootzerstörern zusammengcstotzen; N Seeleute fanden den Tod.

Die Nordmark.

/ Der Europäische Minderheitenkongreß in Genf hatte di Schluß noch einen Zwischenfall, der zu einer ernsten

W der ganzen Bewegung zu werden drohte. Der.pol-

Generalsekretär des Verbandes der nationalen Minderheiten in Deutschland, Kaczmarek, erklärte Wich, daß seine Gruppe aus dem Kongreß ausscheidc.

W Grund gab er an, weil man die Friesen, eine ge­linge Minderheit in Deutschland, nicht zum Kongreß zu- Mm habe. Außerdem sollen verschiedene Redner, so ie^auptete er, den Kongreß zu einem politischen zugunsten (inseitiger Machtpolitik gemacht haben. Zum allgemeinen Erstaunen erklärte später der Vertreter der dänischen Eiuspc, daß auch diese infolge der Friesenfrage sich vom Songreß zurückziehe. Da sich aber die Vertreter aller anderen Minderheiten sofort hinter den Präsidenten Bits an stellten, der die Ausführungen Kaczmareks als mbercchtigt abwies, und Wilfans Stellungnahme billig« im, jo kann man annehmen, daß vorläufig eine Gefahr für das Weiterbestehen der Minderheitenbewegung nicht vorhanden ist. Der Vorsitzende will übrigens versuchen, die Ansgeschiedenen wieder zur Mitarbeit zu bewegen.

Tah der Vorstoß gerade von polnischer Seite N ist meist zu verwundern. Gerade Polen ist die ganze W^MsüewHung ein Dorn im Auge. Es sündigt WM Gebiete am meisten und fürchtet deshalb, daß mes schönen Tages der Völkerbund doch die Sache in die bmd nehme und den Minderheiten zu ihren verbrieften echten verhelfe. Der polnische Vertreter nahm deshalb auch nur die Friesen zum Vorwand. Er wollte die chrengbombe an den ganzen Kongreß und damit die Be- vegüng legen. Als Angehöriger der polnischen Minder- bkit in Deutschland kann er dies auch ruhig, ohne sich selbst D schaden. Die Polen in Deutschland erfreuen sich der weitesten kulturellen Freiheit. Die Deutschen in Polen «m froh, wenn sie dasselbe von sich sagen könnten. Das ^utschtum in Polen soll aber mit aller Gewalt unter- " und die Stelle verstopft werden, durch die seine 'Wn das Ohr der Welt erreichen.

--»ß bre Dänen mitmachen, zeigt die andere Seite ^Angelegenheit. Hier spielen die Verhältnisse der deut- W Nord mark hinein. Fast alle diejenigen, die Wit für Dänemark stimmten und so die Abtretung ^. Nordschleswig verursachten, möchten jetzt diesen A^ ungeschehen machen. Das ihnen damals von Wicher Seite Verheißene geht nicht in Erfüllung. Sie 'ivn immer mehr in wirtschaftliche Not, so daß ein WS gefunden werden muß. In den von Deutschland Ecunten Teilen der Nordmark bestehen zurzeit drei Wangen. Die großdänische will unter allen Umstän- i een jetzigen Zustand aufrechterhalten und allmählich schleswigsche Bevölkerung drirch Dänen ersetzen, u ^^^r blickende Teil sieht den Ausweg in der Rück- Deutschland, während der dritte Teil die Bil- y ^ues selbständigen Herzogtums Schleswig in Malunion mit Dänemark anstrebt. Außerdem besteht firl ^m"^k. eine chauvinistische Strömung, die als End- Vereinigung ganz Schleswigs mit Dänemark im Weit Ä al|° uuch noch den deutsch gebliebenen Teil ^i^e Roll spielt nun die F r i e s e n f r a g e eine Siâ^nische Minderheit in Deutschland kann sich in !HiiiiM "!^i beklagen. Jeder, der in die Nordmark ^ 1 .W sich mit eigenen Augen überzeugen, daß sie auf !>h Mon selig werden kann. Da ist man nun auf verfallen, eine bedrängte Minderheit zu ^Z^ân befreien will. Ein großer Teil der Be- ö Schleswigs ist friesischer Abstammung. Diese Cm in Dänemark nun plötzlich zu einer eigenen W?tc natürlich nur eine Abart des Dänischen sei «Ly°n pen Deutschen an der Entfaltung ihrer eigen» Wen werde. So soll der Vorwand vorbereitet Wirr dem man mit Billigung der Welt bei ge- ^^Egenheit den neuen Raub an Deutschland aus- ^^^iesen werden sich selbst am meisten über diese .%? ^dachte Rolle wundern. Sie haben stets den Wuth gelegt, ein deutscher Stamm zu

- tz^en auch von der ganzen Welt dafür gehalten. .HW 'x"'w des Minderheitenkongresses mußte den Mitenn^^^^^ssuttg der Friesen zurückweisen, da der Arbeit iiiJy notwendige Beschluß einer friesischen Min- 'We M ' n Vortag. Vielmehr hatte es die weit über» eine sm;Vt?er friesischen Bevölkerung abgelehnt, sich 1^die Arbeit in Deutschland anzusehen. Den Polen Mfeln a/fn Un^ ^iuer friesischen Minderheit in Deutscl>- !^die Sie wollten diese Frage ausnutzen, um ^ Wicrhr^1^ ^' verschaffen, unbeachtet von der Welt »clungstaktik weiter fortsetzen zu können.

, Der c ^^^ an den Völkerbund.

^^bliAx^päische Nationalitätenkongreß beendete seine Beratungen mit der Annahme einer Anzahl

Ichreskonserenz der Friedensumon.

ZnlerpMMkniarische Tagung , in Paris.

Eine Mde Poincares.

In Anwesenheit von etwa 400 Parlamentariern aus 35 Staaten ist in Paris die 24. Jahreskonferenz der Interparlamentarischen Fricdensunion durch den Vor­sitzenden, Baron Adelswaert, eröffnet worden. Die deutsche parlamentarische Delegation umfaßt 37 Mitglieder, unter denen erwähnt seien: Deutsch nationale Volkspartei: Dietrich, früherer Vizepräsident des Reichstages, und Leopold; Deutsche Volks Partei: Dr. Schnee, Dr. Mittel­mann, Dr. Gildemeister, Frau Mende und Frau Matz; Bayerische Volkspartei: Schwarzer; Wirt­schaftliche Vereinign«: Mollath; Zentrum: Pfarrer Ulizka, der Württembergische Innenminister Bolz, Frau Teusch und Frau Philipps; Demokraten: Dr. Dernburg, Prof. Schücking, Prof. Bergsträsser und Brod­auf; Sozialdemokraten: Reichstagspräsident Löbe, Dr. David, Sollmann, Dr. Hertz, Dr. Moses, Frau Juchacz und Wilhelm Heile. Zum Vorsitzenden der Tagung wurde Senatspräsident D o u m e r gewählt. Er erinnerte daran, daß es die Aufgabe der in Paris ge­gründeten Union fei, neben dem Völkerbund mit größerer Freihrit und mit einer weniger schweren Verantwortlich­keit die ernsten Probleme, die eine Lösung forderten, zu prüfen. Hierauf ergriff Ministerpräsident Poincaro das Wort, um im Namen der französischen Regierung die Kongreßteilnehmer zu begrüßen.

Die Lehre des Krieges, sagte er, sei die, daß man irr noch stärkerem Maße jedes Werk unterstützen müsse, das der Annäherung diene. Das Vorhandensein unabhän­giger Nationen, die einander nacheiferten und sich nicht mehr feindlich gegenüberständcu, sei eure der unerläM lichen Bürgschaften für den Fortschritt der Zivilisation.

Resolutionen, die sich in erster Linie aus die Staaten­souveränität und die Minderheitsrechte, auf die innen» und zwischenstaatliche Zusammenarbeit der Nationali­täten, auf die Gefährdung des europäischen Friedens Wrd) die nationale Unduldsamkeit, sowie auf die Ratio"- nalitätenkunde bezogen. In einer besonderen Resolution wird ein Appell an den Völkerbund gerichtet, unverzüglich an die ernsthafte Behandlung des Minderheitenproblems heranzutreten.

Seemanöverkakastrophe in Japan.

129 Seeleute ertrunken.

Die japanische Kriegsflotte ist von einem überaus schweren Unglück betroffen worden. Bei nächtlichen Manövern ist aus der Höhe von Maizuru der Kreuzer Jindzu" mit dem TorpedobootszerstörerWarabr" zu­sammengestoßen. Dieser sank innerhalb 15 Minuten, wo­bei 90 Matrosen und 12 Offiziere ertranken. Von der Besatzung konnten nur 22 Personen gerettet werden. Gleichzeitig stieß der KreuzerNaka" mit dem Torpedo­bootszerstörerÄshi" zusammen, wobei 27 Menschen ums Leben kamen. Die SchisseJindzu" undAshi" sind stark beschädigt worden. . . .

Zu den Zusammenstößen teilt das japanische Marine­ministerium mit: Das Geschwader hatte seine eigentlichen Manöver beendet und nahm auf der Rückfahrt zu seinem Stützpunkt Übungen in der Abwehr eines nächtlichen Torpedobootsangriffs vor. Der Mond war von den Wolken verhüllt, und die Schiffe fuhren mit abgeblendeten Lichtern mit Volldampf voraus, als die Torpedoboots- flottzlle angriff. Offenbar wollten die Torpedoboote Warabi" undAshi" dicht vor den Kreuzern vorbei- kommen. Die Kreuzer aber konnten dann ihren Kurs nicht mehr rechtzeitig genug ändern, um einen Zusam­menstoß zu vermeiden. , ,

Die bei dem Zusammenstoß bei Maizuru beschädigten KreuzerJindzu" undNaka" sind Kreuzer zweiter Klasse von je 5940 Tonnen Wasserverdrängung. Sie waren im Jahre 1923 erbaut. Der gesunkene ZerstörerWarabl und der beschädigte ZerstörerAshi" stammen aus dem Jahre 1921. Beide hatten 850 Tonnen Wasserver­drängung.

Reformbedürftig^ des

amenkamschen Strafprozeffes.

Neue Ausschreitungen wegen Sacco Vanzetti.

Bnndesanwalt T « t t l e vom Newyorker Distrikt er­klärte in einer Ansprache, ohne den Sacco-Fall ausdrück­lich zu nennen, der nmerikamsche Strafprozeß sei von einem der obersten Bundesrichler als Skandal bezeichnet worden. Kürzliche Vorkommnisse zeigten jedoch, daß es sich nicht nur um einen nationalen Skandal, sondern auch um eine nationale Gefahr handle, die im Inland das Vertrauen und die Sicherheit zerstöre und im Ausland Kritik und Protest errege. Die Reform des Strafprozesses sei eine alte Forderung und jetzt eine Sache der natio­nalen Sicherheit.

Trotz des Völkerbundes fei die Interparlamentarische Union nicht überflüssig, weil sie, auf demokratischer Grundlage gegliedert, hie Vertreter der öffentlichen Meinung jedes Landes in sich schließe, die freier und un­gebundener als die Vertreter der Regierungen über die wichtigsten Fragen zur Sicherung der Solidarität der Völker beraten und dazu beitragen können. Isolieren könne sich kein Volk, weder wirtschaftlich noch polrtisch noch moralisch. Aufgabe der Interparlamentarischen Unron müsse es sein, so sehr wie möglich das zu beseitigen, was die Nationen entzweit, und das zu festigen, was sie ein­ander nÄherbringt.

Löbr über die ^heiLklsNdbefetzung.

Nachdem Poincarö, dessen Rede bei der Mehrheit der Delegierten Beifall fand, geendet hatte, begann der Kon­greß die Debatte über den Jahresbericht, und das Wort nahm Reichstagspräsident Löbe.

Die Interparlamentarische Union, sagte er, sehe ihre Aufgabe besonders darin, den Gedanken der i n t e r n a t i o n a l e n S ch i e d s g e r i ch t e immer mehr in die Praxis umzusetzen. Leider seien aber die großen Hoffnungen, die in den letzten beiden Jahren besonders die deutsche Lffentlichkeil beseelt hatten, nicht ganz erfüllt worden. Ein gewisser Stillstand in der Annâherungs- Politik sei eingetreten, aber es gelte endlich, von Worten zu Taten überzugehen. Da der Kongreß gerade in Parrs tage, erhebe sich die Frage, ob Frankreich nicht öffentlich erklären sollte, daß vom 1. Januar 1928 a b kein französischer Soldat mehr auf deutschem Boden stehen werde. Es widerspreche der Tatsache der deutsch-französischen Annäherung ebenso wie der Auf­nahme Deutschlands in den Völkerbund, wie endlich dem Geiste von Locarno, daß die militärische B e - fetzung im Rheinlandc andauere.

Auch Löbes Rede wurde mit starkem Beifall aufge- nommen. Es sprach dann noch ein kanadisch er Dele­gierter im Sinne des Völkerfriedens und der Vötkerver- löbnunä.

Inzwischen dauern die Kundgebungen wegen Sacco Vanzetti fort. In Hamburg kam es zu besonders schweren Ausschreitungen, wobei ein . , ,

Polizeiwachtmeister getötet

wurde. Er wurde aus einem Straßenbahnwagen heraus­gerissen und in schwerster Weise mißhandelt. Es gelang ihm, sich loszureißen Und zu fliehen. Aber er brach bald infolge der erlittenen Kopfverletzungen zusammen und wurde nun von etwa 50 bis 60 jungen Burschen nur» ringt und von einem von ihnen erstochen. De". Mörder entkam im Schutze der Nacht. Infolge der Mord­tat sind alle kommunistischen Kundgebungen in Hamburg -'-is auf weiteres verboten worden. Eine kommunistische Kundgebung in Berlin verlief ruhig, und ein gleiches wird aus dem Ruhrgebiet gemeldet. In Austra - l i e n sind wegen der Sacco Vanzetti-Demonstrationen mehr als 1000 Arbeiter entlassen worden. In Paris standen einige Manifestanten bereits vor Gericht: sie er­hielten Gefängnisstrafen von zwei Wochen bis zu sechs Monaten.

Die Gefrèerfleischverieèlung.

Schärfere Überwachung des Gefrierfleischhandels.

Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Dr. Hoff­mann fand in Berlin im Rcichsministerium für Er­nährung und Landwirtschaft eine Sitzung des Beirates für die Gefrierfleischverteilung statt.

Die Anträge des Deutschen Fleischerverbandes und des Reichsverbandes der deutschen Großschlächter, bei der künftigen Verteilung das von ihnen vertretene Gewerbe vorzugsweise zu berücksichtigen, fand nicht die Zustim­mung des Beirates. Es bestand Einverständnis darüber, daß der bevorstehenden Kontingentierung der Umsatz des ersten Vierteljahres 1927 zugrunde gelegt werden soll. Eine längere Aussprache entspann sich über die dem Ge- friersleischgroßhandel zukommende Preisspanne. Die vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirt­schaft zur Erörterung gestellten Verbote des Handels von Grossist zu Grossist und der Vermischung von verzolltem Gefrierfleisch mit zollfreiem fand nicht allgemeine Zustim­mung. Dagegen bestand Einigung darüber, daß die Über­wachung des Handels mit Gefrierfleisch durch die Ge­meinde noch schärfer werden, und daß das über­wachungsrecht sich nicht nur auf den Kleinhandel, sondern auch aus den Großhandel erstrecken müsse.

politische Aundscha».

Teutsches sHeicb.

Die deutsche Delegation für Genf.

Zu deutschen Delegierten auf der mn 5. Scprcmber beginnenden achten Völkerbundversammlung sind wie im Vorjahre Reichsminister des Äußern Dr. S t r e s e - m a n n, Staatssekretär des Auswärtigen Amts Dr. von Schubert und Ministerialdirektor Dr. Gaus ernannt worden; außerdem werden als Delegierte wiederum Ver­treter der großen Parteien des Reichstages an der Bundesversammlung teilnehmen, und zwar die Abgeord­neten Graf Bernstorff, Dr. Breitscheid, Prof Dr. Hötzsch,